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Dune (2021) – Das Warten hat sich gelohnt!

09 Sep

Dune

Kinostart: 16. September 2021

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Zwei Szenen. Die eine (vergleichsweise klein): Die gestrenge Mutter Gaius Helen Mohiam (Charlotte Rampling, „Der Nachtportier“) vom Orden der Bene Gesserit testet Paul Atreides (Timothée Chalamet, „Interstellar“) mit einer Schachtel, in die er seine Hand zu legen hat, und einer giftigen Nadel, dem Gom Jabbar, den sie in seinen Hals zu stechen droht, sollte er seine Hand aus der Schachtel ziehen. Während dieser Szene dachte ich beim Besuch der Hamburger Pressevorführung von Denis Villeneuves „Dune“ (2021): Das wird großes Kino.

Herzog Leto Atreides (vo.) weiß um die Schwierigkeit seiner neuen Aufgabe

Die andere: das erste Auftauchen eines Shai-Hulud, einem dieser gigantischen Sandwürmer, die sich durch die Wüsten des Planeten Arrakis pflügen. Während dieser Szene dachte ich: Das wird ganz großes, episches Science-Fiction-Kino. Und so kam es dann auch. Wohlgemerkt: Ich behaupte keineswegs, dass es sich um Schlüsselszenen des Films handelt, sondern drücke lediglich meine Empfindungen während der Sichtung aus.

Paul Atreides muss …

Aber der Reihe nach: Gedreht wurde bereits 2019 von März bis Juli. Für Ansichten von Caladan, dem Heimatplaneten des Hauses Atreides, hielt die norwegische Halbinsel Stadlandet her. Aufnahmen für den Wüstenplaneten Arrakis entstanden in der Umgebung von Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, und dem Wadi Rum in Jordanien. Weitere Dreharbeiten fanden in den Origo Film Studios in Budapest statt, auch einige Nachdrehs im August 2020. „Dune“ sollte ursprünglich im Dezember 2020 weltweit in die Kinos kommen, aber eine gewisse Pandemie bewog die Verantwortlichen bei Warner Bros. Pictures und Legendary Pictures, das Datum auf den September 2021 zu verschieben. Seine Weltpremiere feierte das Epos am 3. September beim Internationalen Filmfestival in Venedig, auch das Toronto International Film Festival hat das Werk ins Programm aufgenommen.

… vor der Bene Gesserit Gaius Helen Mohiam bestehen

Die Handlung nimmt im Jahr 10190 ihren Lauf, wobei es sich nicht um die christliche Zeitrechnung handelt, wir haben es somit mit einer offenbar enorm fernen Zukunft zu tun. Das Herrschaftshaus Harkonnen hat lange Zeit den Planeten Arrakis kontrolliert, das dort ansässige Volk der Fremen terrorisiert und das sogenannte Spice abgebaut. Dabei handelt es sich um eine Art Droge, die nur auf Arrakis zu finden ist und die gewaltige Kräfte freizusetzen vermag. So kann sie lebensverlängernd wirken und psychische Kräfte hervorrufen oder verstärken. Sie versetzt obendrein sogenannte Navigatoren in die Lage, den Raum zu falten, was interstellare Reisen ermöglicht.

Jessica bangt um ihren Sohn

Kaiser Shaddam IV. (im Film nie im Bild, daher ohne Schauspieler) hat den Harkonnen die Oberaufsicht über den Wüstenplaneten entzogen und beauftragt Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac, „Star Wars: Episoden VII, VII & IX“), samt Familie und Hofstaat von ihrem Heimatplaneten Caladan nach Arrakis überzusiedeln. Mit Jessica (Rebecca Ferguson, „Doctor Sleeps Erwachen“), Mutter seines Sohns Paul, verbindet Leto eine tiefe Liebe, allerdings konnte er sie nie heiraten, weshalb die einstige Anwärterin auf ein Priesterinnenamt der Bene Gesserit als Konkubine gilt. Der matriarchalische Orden berät zwar den Kaiser, verfolgt aber einzig seine eigenen nebulösen Ziele. Für das Haus Atreides erweist sich das Gebot, nach Arrakis zu ziehen, als Himmelfahrtskommando.

Duncan Idaho kämpft wie ein Löwe

„Dune“ ist famos besetzt. Außer den bereits Genannten sind unter anderem dabei:

– Jason Momoa (Aquaman aus der „Justice League“) als Duncan Idaho, ein großer Krieger, dem Haus Atreides in tiefer Loyalität verbunden, der als Vorhut auf Arrakis erste diplomatische Bande zu den Fremen knüpft,

– Josh Brolin (Thanos, größter Gegner der „Avengers“) als Gurney Halleck, stets etwas grummelige rechte Hand von Leto Atreides, aber ebenso loyal wie Duncan,

– Stephen McKinley Henderson („Manchester by the Sea“) als Thufir Hawat, Sicherheitsbeauftragter von Leto Atreides,

– Chen Chang („Tiger & Dragon“) als Dr. Wellington Yueh, Leibarzt der Familie Atreides,

– Stellan Skarsgård („Einer nach dem anderen“) als Baron Vladimir Harkonnen, von gefährlicher Bösartigkeit,

– Dave Bautista (Drax, einer der „Guardians of the Galaxy“) als Glossu „Beast“ Rabban Harkonnen, der seinem Onkel an Grausamkeit in nichts nachsteht,

– David Dastmalchian (Kurt in „Ant-Man“ und „Ant-Man and the Wasp“) als Piter De Vries, Berater von Baron Harkonnen,

– Javier Bardem („Mother!“, „No Country for Old Men“) als Stilgar, Anführer der Fremen-Siedlung Sietch Tabr,

– Zendaya („Spider-Man – Far from Home“) als Chani, eine junge Fremenfrau aus Sietch Tabr, die Paul Atreides bereits in visionären Träumen auf Caladan erschienen ist,

– Sharon Duncan-Brewster („Rogue One – A Star Wars Story“) als Liet Keynes, von Kaiser Shaddam als imperiale Planetologin auf Arrakis eingesetzt, soll strikte Neutralität wahren. Im Roman und den vorherigen Verfilmungen handelt es sich bei der Figur übrigens um einen Mann. Die Geschlechtsumwandlung ist angetan, Puristen mit einer Aversion gegen Gender-Themen auf die Palme zu bringen.

Gemeingefährlich: Rabban Harkonnen

Wer Denis Villeneuves „Blade Runner 2049“ (2017) für zu bedächtig, langatmig oder gar langweilig hält, sollte den Kinogang für „Dune“ sorgfältig abwägen. David Lynchs 1984er-Verfilmung enthält in 137 Minuten immerhin die gesamte Story von Frank Herberts 1965 erstveröffentlichtem Roman „Der Wüstenplanet“. Villeneuve benötigt 18 Minuten mehr, also über zweieinhalb Stunden, um seinen Film irgendwo mitten in der Romanhandlung enden zu lassen (zwecks Spoilervermeidung gehe ich hier nicht ins Detail). Das heißt: Villeneuve nimmt sich Zeit. Zeit, um die vielen Figuren zu etablieren, die die epische Story bevölkern, und Zeit, um dem Publikum Gelegenheit zu geben, sich an der Wucht der Bilder zu erfreuen und nicht sattsehen zu können. Das wird trefflich untermalt von Hans Zimmers Score, der zwar allgegenwärtig wie eh und je nahezu permanent erklingt, mich aber in diesem Fall nicht gestört hat. Wenn man sich darauf einlässt, tief in die Bilderwelt von „Dune“ einzutauchen, hilft die Musik dabei ungemein. Die Spezialeffekte verantworteten Paul Lambert als Visual Effects Supervisor und der Deutsche Gerd Nefzer als Special Effects Supervisor – beide hatten 2018 für die visuellen Effekte von Villeneuves „Blade Runner 2049“ den Oscar erhalten (gemeinsam mit John Nelson und Richard R. Hoover, die diesmal nicht dabei sind). Das Ergebnis fällt erwartungsgemäß state of the art aus, woran auch der Director of Photography Greig Fraser („Rogue One – A Star Wars Story“) seinen Anteil hat. Für seine Kameraarbeit von „Lion – Der lange Weg nach Hause“ war er 2017 für einen Oscar nominiert worden. Szenen- und Kostümbildnern gebührt ebenfalls großes Lob für ein jederzeit schlüssiges Gesamtbild. Gefilmt wurde übrigens mit IMAX-zertifizierten Kameras, wer also ein IMAX-Kino in der Umgebung hat, möge sich „Dune“ dort anschauen. In vielen Kinos wird der Film auch in 3D laufen. Für mich hat es die zweite Dimension im ehrwürdigen und vor ein paar Jahren komplett modernisierten SAVOY-Kino in Hamburg absolut getan.

Fremenführer Stilgar weiß, wie man in der Wüste überlebt

„Dune“ ist kein Technik-Overkill, was ja auch für die Romanvorlage gilt. Raumfahrt im Sinne der Überwindung gewaltiger interstellarer Distanzen zwecks Besuchs anderer Planeten ist dank des Spice möglich, wird aber kaum thematisiert (beiläufig erfahren wir, dass es ein teures Unterfangen ist). Weltraumschlachten gibt es schon mal gar keine, aber keine Sorge: Wer eine zünftige militärische Schlacht erleben will, kommt auf die Kosten. Die Gesellschaft dieser fernen Zukunft besteht aus Menschen, keinen Aliens, auch wenn es auf anderen Planeten Arten gibt, die uns Erdenbürgerinnen und -bürgern fremd sind. Paradebeispiel: die Sandwürmer von Arrakis. Apropos Erde: Unser Heimatplanet spielt überhaupt keine Rolle. Ob er noch existiert, weiß kein Mensch.

Wenn der Shai-Hulud auftaucht, wird es brenzlig

Die Story ist, wie die Story nun mal ist: einfach großartig. Herberts Vorlage gilt nicht umsonst als eines der bedeutendsten Werke der literarischen Science-Fiction. Ihr Einfluss reicht bis zu „Krieg der Sterne“ (1977), der eindeutig davon inspiriert ist. Der 1920 im US-Staat Washington geborene und 1986 im Alter von 65 Jahren verstorbene Schriftsteller war für den Roman 1966 mit dem Nebula Award und mit dem Hugo Award prämiert worden. Er kannte den Unterschied zwischen komplex und kompliziert, der Plot des Buchs ist definitiv komplex, aber eben nicht kompliziert. Das hat seinerzeit David Lynch zu einem seiner eingängigsten Filme verarbeitet, und auch Villeneuves Handschrift lässt sich gut folgen. Zugegeben: Meine gute Kenntnis der Vorlage und von Lynchs Adaption hat mir dabei geholfen, die vielen Figuren zuzuordnen. Wer das auch von sich sagen kann, wird somit nur wenige Überraschungen bei der Handlung erleben.

Paul und Jessica treffen …

Wer immer noch Alejandro Jodorowskys nicht zustande gekommener Verfilmung von „Der Wüstenplanet“ hinterhertrauert und deshalb auch David Lynchs Version mit Missachtung straft, wird dies wohl auch mit Denis Villeneuves Version so handhaben (so es denn derartige Jodorowsky-Puristen gibt). Auch Ridley Scott hatte ja einst vor, Herberts Roman zu verfilmen. Die viereinhalbstündige Miniserie von 2000 hat ihre Qualitäten, auch wenn man ihr das Dasein als TV-Produktion ansieht. Ihr folgte 2003 eine weitere TV-Miniserie: „Children of Dune“. Lynchs Umsetzung mag ich wie erwähnt sehr, dennoch habe ich Villeneuves Vision entgegengefiebert – und sie hat meine Erwartungen bestätigt. Der kanadische Regisseur bereitet gerade die Fortsetzung vor, auch eine Fernsehserie „Dune – The Sisterhood“ soll es geben, bei der Villeneuve als Executive Producer fungiert und voraussichtlich den Pilotfilm inszeniert. Frank Herberts sechs Romane umfassendes Epos gibt all das locker her, aber hoffentlich dauert es nicht so lange, bis Villeneuve mit dem zweiten Film am Ende des ersten Buchs angekommen ist. Vor 2023 ist damit nicht zu rechnen, wenn überhaupt. Einstweilen überwiegt die Freude über „Dune“, der alles hat, was man sich von epischer Science-Fiction wünschen kann. Großes Kino. Bleibt die Hoffnung, dass die mit dem US-Kinostart im Oktober einhergehende Veröffentlichung auf einem US-Streaminganbieter nicht das dortige Einspielergebnis torpediert, sodass die Produktionsfirma von der Verwirklichung der Fortsetzung Abstand nimmt. Das wäre eine cineastische Katastrophe.

… auf Chani, das Mädchen aus Pauls Träumen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Denis Villeneuve haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Rebecca Ferguson, Charlotte Rampling und Zendaya unter Schauspielerinnen, Filme mit Javier Bardem, Dave Bautista, Josh Brolin, Timothée Chalamet, David Dastmalchian, Oscar Isaac, Jason Momoa und Stellan Skarsgård in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 155 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Dune
USA/KAN 2021
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Jon Spaihts, Denis Villeneuve, Eric Roth, nach dem Roman von Frank Herbert
Besetzung: Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Zendaya, Oscar Isaac, Jason Momoa, David Dastmalchian, Dave Bautista, Josh Brolin, Javier Bardem, Stellan Skarsgård, Charlotte Rampling, Stephen McKiley Henderson, Sharon Duncan-Brewster, Chen Chang, Michael Nardone, Babs Olusanmokun
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany, a division of Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger


Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved.
Szenenfotos: Courtesy of Warner Bros. Pictures and Legendary Pictures

 

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