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Spell – Im Bann der Hoodoo-Priesterin

14 Sep

Spell

Von Volker Schönenberger

Horror // Der erfolgreiche Anwalt Marquis T. Woods (Omari Hardwick) erhält die Nachricht vom Tod seines Vaters. Obwohl er den Kontakt zu ihm schon vor vielen Jahren verloren hatte, bricht er im kleinen Privatflugzeug auf, zur Beerdigung in den Appalachen von Kentucky zu fliegen. Seine Ehefrau Veora (Lorraine Burroughs) und die beiden Kinder im Teenageralter, Samsara (Hannah Gonera) und Tydon (Kalifa Burton), begleiten ihn. Kurz vor dem Ziel gerät die Familie in einen Sturm, und Marquis verliert die Kontrolle über das Flugzeug.

Eloise gibt vor, Marquis gesund pflegen zu wollen

Als er aus der Bewusstlosigkeit erwacht, findet er sich mit einer schweren Fußverletzung auf dem Dachboden von Eloise (Loretta Devine) wieder, die ihn resolut und mit Unterstützung ihres greisen Ehemanns Earl (John Beasley) und des kräftigen, aber schweigsamen Lewis (Steve Mululu) umgehend nötigt, sein Bett wieder aufzusuchen. Von seiner Familie habe es im Flugzeugwrack angeblich keine Spur gegeben. Zwar gibt Eloise an, ihn gesundpflegen zu wollen, aber sie macht keinerlei Anstalten, ihm Kontakt nach außen zu ermöglichen oder die Polizei zu benachrichtigen. Stattdessen praktiziert sie Hoodoo-Magie, fertigt sogar mit Ingredienzien von Marquis eine Figur von ihm an (Hoodoo ist übrigens nicht mit Voodoo zu verwechseln). Diese sei bei seiner Genesung hilfreich und halte den Teufel fern. Marquis setzt alles daran, den Fängen und dem Wahn Eloises zu entkommen.

Aber etwas stimmt mit ihr ganz und gar nicht

Ein Horrorfilm, der in Besetzung, Setting und Plot konsequent auf Afroamerikaner setzt – da werden wieder einige greinen, langsam sei es mit der Diversität aber mal genug. Es ist eben noch nicht genug, aber das nur am Rande. „Spell“ fügt dem Sujet des Backwoods-Horrorfilms mit seinem Fokus auf eine ländliche schwarze Gemeinde im Banne des Hoodoo ein paar willkommene neue Facetten hinzu, auch wenn dieses Setting erst spät zum Tragen kommt, weil sich ein Großteil des Geschehens in der Dachkammer abspielt. Dabei stört es überhaupt nicht, dass der Film mit Eloise und ihrem Patienten – um nicht Gefangener zu schreiben – ein paar deutliche Anleihen bei Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung „Misery“ (1990) und der von Kathy Bates so ikonisch verkörpertern durchgeknallten Krankenschwester nimmt.

Niedlich: Marquis als Hoodoo-Puppe

Die für ihren Part in der Krankenhausserie „Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte“ 2011 mit einem Emmy prämierte Loretta Devine („L.A. Crash“) ist als Hoodoo-Priesterin nicht ganz so furcheinflößend wie wie die seinerzeit von Kathy Baters verkörperte Annie Wilkes, offenbart aber auch ausreichend Abgründe, die frösteln lassen. Die Charakterzeichnungen geben den wichtigsten Figuren ausreichend Profil, mit dem bedauernswerten Marquis T. Woods etwa fiebert man mit. Etwas zu kurz kommt bei ihm die Diskrepanz zwischen seinem aktuellen Dasein als Rechtsanwalt und der Rückbesinnung auf seine Herkunft. Zu Beginn werden sowohl sein beruflicher Erfolg als für einen Konzern tätiger Jurist als auch die Entfremdung von seinem nun verstorbenen Vater recht deutlich herausgestellt, später spielt all das aber gar keine Rolle mehr, da er letztlich „nur“ ums Überleben kämpft und sich um Frau und Kinder ängstigt.

Was geschieht in der Scheune?

Drehbuchautor Kurt Wimmer hat seinerzeit unter anderem die Skripts von „Equilibrium“ (2002) und „Ultraviolet“ (2006) verfasst und beide Filme auch selbst inszeniert. Nach den Drehbüchern zu „Salt“ (2010), „Total Recall“ (2012) und „Point Break“ (2015) gab es eine fünfjährige Unterbrechung, bevor er mit „Kinder des Zorns“ (2020) wieder als Autor und Regisseur in Erscheinung trat. „Spell“-Regisseur Mark Tonderai hat in puncto Kinofilme nach seinem durchaus bemerkenswerten Horror-Einstieg mit „Hush“ (2008) und „House at the End of the Street“ (2012) sogar noch länger pausiert, in der Zwischenzeit aber viel fürs Fernsehen gearbeitet.

Der Gefangene wagt die Flucht

Mit „Spell“ liefert das Duo einen Schocker ab, der eigenständige und generische Elemente kombiniert und somit als sehenswert durchgeht, ohne nachhaltig zu begeistern. So viele afroamerikanische Horrorfilme gibt es ja nicht, da ist für diesen auf jeden Fall mehr als genug Raum. Jordan Peeles „Get Out“ (2017) und „Wir“ (2019) sind etwas konsequenter verstörender geraten.

Bleibt nur, mit einem der großen Songs der Blues- und Rockgeschichte zu schließen, im Film nicht vorkommend, aber mir ist danach: „I Put a Spell on You“ von Screamin’ Jay Hawkins.

Am schweigsamen Lewis ist kaum ein Vorbeikommen

Veröffentlichung: 23. September 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Spell
USA 2020
Regie: Mark Tonderai
Drehbuch: Kurt Wimmer
Besetzung: Omari Hardwick, Loretta Devine, John Beasley, Lorraine Burroughs, Hannah Gonera, Kalifa Burton, Tumisho Masha, Steve Mululu, Peter Butler, Andre Jacobs
Zusatzmaterial: keins
Label/Vertrieb: Paramount Home Entertainment

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot: © 2021 Paramount Home Entertainment

 

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