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Gaia – Grüne Hölle: In den Armen (oder Fängen) von Mutter Erde

16 Sep

Gaia

Von Volker Schönenberger

Horror // Gaia – wasndas? Der Begriff stammt aus der griechischen Mythologie. Dort bezeichnet Gaia die personifizierte Erde, eine frühe Gottheit der antiken Griechen. Mitte der 1970er-Jahre wiederum entwickelten die US-Biologin Lynn Margulis und der englische Naturwissenschaftler James Lovelock die Gaia-Hypothese, wonach die Erde samt ihrer Biosphäre wie ein Lebewesen betrachtet werden kann.

Winston und Gabi dringen per Kanu in den Nationalpark vor

Nun zur Handlung von „Gaia – Grüne Hölle“, dem ersten Kinofilm des südafrikanischen Regisseurs Jaco Bouwer. Die beiden Ranger Gabi (Monique Rockman) und Winston (Anthony Oseyemi) befinden sich per Kanu im Tsitsikamma-Nationalpark auf Erkundungstour. Als sie den Kontakt zu ihrer vorausfliegenden Drohne verlieren, trennen sich die beiden, damit Gabi die fliegende Kamera wiederfinden kann. Kurz darauf tappt sie in eine von zwei verwilderten Gestalten gelegte Falle, wodurch sich ein angespitzter Stock durch ihren linken Fuß bohrt. Sie schleppt sich in eine behelfsmäßig zusammengezimmerte Hütte, wo bald darauf auch die beiden Wilden auftauchen. Barend (Carel Nel) und sein Teenagersohn Stefan (Alex van Dyk) sind offenbar Zivilisationsaussteiger. Sie pflegen ein inniges Verhältnis zur Natur, dennoch schützen sie sich bisweilen per Mundbedeckung vor an einigen Plätzen besonders stark in der Luft schwebenden Sporen. Es misslingt Gabi, per Funk Kontakt zu Winston aufzunehmen, der auf der Suche nach seiner Kollegin durch die Gegend irrt. Immerhin versorgt Barend ihre Wunde und gibt ihr zu essen und zu trinken. Doch im Urwald lauern außergewöhnliche Gefahren.

Die Rangerin trifft auf …

Ist die Erde eine Gottheit? „Gaia – Grüne Hölle“ wirft spirituelle Fragen auf und beantwortet sie auf fast schon religiöse Weise. Wir Menschen erscheinen dabei unbedeutend, uns kann man ruhig überwuchern. Obwohl sich das Geschehen weitab von den Auswüchsen der menschlichen Zivilisation abspielt, sagt es doch auch etwas über die Entfremdung des Menschen von seinen natürlichen Ursprüngen aus. Mit etwas bösem Willen lässt die Story auch den Schluss zu, dass die Natur uns als parasitären Fremdkörper wahrnimmt und deshalb zu absorbieren versucht. Aber da fabuliere ich jetzt zugegeben sehr aus der hohlen Hand.

… Barend und …

Gedreht wurde am Originalschauplatz im Tsitsikamma-Nationalpark, was betörende Naturaufnahmen mit sich bringt. Auch die weitgehend praktisch erzeugten Make-up-Effekte verschiedener Haut- und Körperveränderungen tragen zum positiven visuellen Gesamteindruck bei, sie fügen dem Geschehen obendrein eine gute Portion Body-Horror zu. Im weiten Sinne kann man auch von einem Monsterfilm sprechen, darauf liegt aber nicht das Hauptaugenmerk, es würde der südafrikanischen Produktion nicht gerecht werden. Dennoch will ich erwähnen, dass Kreaturen vorkommen, die Besitzer einer PlayStation 3, 4 oder 5 womöglich an einige Monster aus dem Spiel „The Last of Us“ erinnern. Das mag Zufall sein, aber da die Erschaffung dieser Monster in beiden Fällen etwas mit Pilzen zu tun hat, liegt der Gedanke nahe, dass sich die Macher von „Gaia – Grüne Hölle“ bei diesem Detail von dem Videospiel inspirieren ließen.

… dessen Sohn Stefan

Sprechen Gabi und Winston in der originalen Sprachfassung Englisch miteinander, wechselt die Sprache mit dem Aufeinandertreffen von Gabi mit den beiden Aussteigern weitgehend zu Afrikaans. Dem spirituellen Charakter Rechnung tragend, geht es oftmals bedächtig zu, wozu auch der ruhige Score beiträgt, der ohne melodische Klangfolgen auskommt. So entwickelt sich eine mit ein paar Traumsequenzen gespickte psychedelische Reise in den Urwald. Wie wir sie wohl mit „Magic Mushrooms“ erleben würden? Ich unterlasse den Selbstversuch aber lieber.

Ein Tischgebet für Mutter Natur

Zwischen Gabi, Barend und Stefan entwickelt sich eine angespannte Beziehungsgemengelage, die Spannung bringt, weil sie speziell Barends Verhalten unberechenbarer macht. Aber auch die anderen beiden handeln überraschend. „Gaia – Grüne Hölle“ bemüht sich um Eigenständigkeit, und weitgehend gelingt das auch. Die Produktion macht einen stimmigen Gesamteindruck, die Ereignisse folgen schlüssig der der Story innewohnenden Logik ihrer Welt. Ein nicht nur visuell ungewöhnliches Horrorerlebnis. Es lohnt sich.

Etwas ist in die Hütte eingedrungen

Veröffentlichung: 24. September 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch/Afrikaans
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gaia
RSA 2021
Regie: Jaco Bouwer
Drehbuch: Tertius Kapp
Besetzung: Carel Nel, Alex van Dyk, Monique Rockman, Anthony Oseyemi
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, entfernte Szenen (13 Min.), Trailershow, Wendecover
Label: SquareOne Entertainment
Vertrieb: Leonine

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 SquareOne Entertainment

 
 

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Eine Antwort zu “Gaia – Grüne Hölle: In den Armen (oder Fängen) von Mutter Erde

  1. SmileySmile77

    2021/09/19 at 23:24

    Das war auf jeden Fall eines der Highlights, der FFF-Nights in diesem Jahr. Zum Teil sehr trippig, aber bis zum Ende fesselnd.

     

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