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Horror für Halloween (I) / George A. Romero (VIII): Die Rückkehr der Untoten – Night of the Living Dead (1990) – Besser als Tom Savini glaubt

22 Sep

Night of the Living Dead

Am heutigen kalendarischen Herbstbeginn setzen wir bei „Die Nacht der lebenden Texte“ eine gute Tradition fort: mit „Horror für Halloween“ die Terrortaktzahl etwas zu steigern. Bis Ende Oktober werden wir verstärkt die ganze Bandbreite des Horrorgenres würdigen (also bei Weitem nicht nur Halloween-Party-taugliches Gemetzel), von unbekannten Perlen bis zu großen Klassikern. Da wir Horrorfans nicht nur Meisterwerke genießen können, kommen auch ein wenig Dutzendware und sogar Trash zu ihrem Recht. Erlaubt ist, was gefällt, auch wenn es nicht allen gefällt. Zwischendurch wird es auch etwas zu gewinnen geben, am Ende etwas mehr.

Von Volker Schönenberger

Horror // „Die Nacht der lebenden Toten“ revolutionierte 1968 den Horrorfilm im Allgemeinen und den Zombiefilm im Besonderen. Seitdem gibt es Zombiefilme vor Romero und Zombiefilme nach Romero, denn in „Night of the Living Dead“, so der Originaltitel, fielen die Untoten erstmals als blutrünstige, nach Menschenfleisch oder menschlichem Hirn gierende Kreaturen über Menschen her. Umso größer ist natürlich die Fallhöhe, wenn man sich entscheidet, einem solchen Klassiker ein Remake angedeihen zu lassen. Immerhin steuerte George A. Romero persönlich das Drehbuch zu Tom Savinis Neuverfilmung bei, obendrein war er als Executive Producer am Start (weshalb es nur recht und billig ist, diese Rezension im Rahmen der Romero-Werkschau bei „Die Nacht der lebenden Texte“ zu präsentieren).

Er führt sicher nichts Gutes im Schilde

Romeros Motivation, am Remake mitzuwirken, resultierte zumindest teilweise daher, dass er aufgrund verschiedener rechtlicher Aspekte kaum Geld mit seinem 1968er-Regiedebüt verdient hatte. So war der Film aufgrund eines vom damaligen US-Filmverleih versehentlich entfernten Copyright-Vermerks sogar zur Public Domain geworden.

In der Tat

Nun aber zur Neuverfilmung, in Deutschland seinerzeit unter dem Titel „Die Rückkehr der Untoten“ vermarktet: They’re coming to get you, Barbara! Auf diese ikonische Einstiegszeile konnte Regisseur Tom Savini natürlich nicht verzichten. Johnnie (Bill Moseley) äußert sie gegenüber seiner Schwester Barbara (Patricia Tallman) auf dem Weg zu dem abgeschieden gelegenen Friedhof, auf dem die Mutter der beiden beerdigt wurde. Kaum am Grab, fällt auch schon der erste Untote über Barbara her. Johnny überlebt die Attacke nicht, und Barbara ergreift die Flucht. Sie rettet sich in ein Haus, in dem ebenfalls herumschlurfende Zombies lauern. Glücklicherweise naht Ben (Tony Todd), mit dem es ihr gelingt, die Untoten in dem Gebäude zu bezwingen und sich darin zu verbarrikadieren. Denn weitere der blutrünstigen Kreaturen stromern mehr oder minder zielgerichtet in der Gegend herum.

Die Untoten begehren um Einlass

Das Remake krankt in erster Linie an der übermächtigen Vorlage und der mangelnden Originalität, die eine Neuverfilmung nun mal mit sich bringt. Wer sich davon etwas freimachen kann, bekommt einen grundsoliden Zombiefilm mit anständigen schauspielerischen Leistungen zu sehen. Augenfälliger Unterschied zum Original: War die von Judith O’Dea verkörperte Barbra (sic!) noch reines Opfer, das weitgehend in Schockstarre verharrte und in einem inzestuösen Motiv von ihrem zombifizierten Bruder geholt wurde, so erholt sich Remake-Barbara recht schnell von ihrem anfänglichen Schock. Sie ist zu rationellen Entscheidungen fähig und nimmt auch das Heft des Handelns in die Hand: Well, I’m fighting. I’m not panicking. Diese Barbara ist eine starke Frau. Hauptdarstellerin Patricia Tallman hatte ihr Schauspieldebüt 1981 in George A. Romeros „Knightriders – Ritter auf heißen Öfen“ gegeben. Ihre bekannteste Rolle dürfte die der Lyta Alexander in der Science-Fiction-Serie „Babylon 5“ (1993–1998) sein. Sie ist mit Tom Savini seit dem College befreundet.

Es werden immer mehr

Besonders erfreulich ist es, Tony Todd ernsthaft schauspielern zu sehen, was er damals noch praktiziert hat. Der Gute genießt in der Horrorgemeinde ja Ikonenstatus und ist auf Conventions gern gesehener Gast, hat sich meines Erachtens aber seit vielen Jahren in zu vielen Billigproduktionen verschlissen, in denen er vornehmlich sardonische Mimik zum Besten gibt. In die „Rückkehr der Untoten“ hält er sich in der Hinsicht ebenso zurück wie in seiner legendären Rolle als Titelfigur in „Candymans Fluch“ (1992).

Ben kämpft ums Überleben

Der Kammerspiel-Charakter funktioniert ausgesprochen gut, die Qualität des Originals hat Savini hier gut ins Remake übertragen. Ab und zu wirft die Kamera einen Blick in die Umgebung des Hauses, wo sich nach und nach immer mehr Untote zusammenrotten. Unterstützt von minimalistisch dräuendem Score, sind das sehr stimmungsvoll-gruselige Szenen. Die Belagerungssituation wird immer unerträglicher.

Noch einer

Es lag nah, das Remake in Farbe zu inszenieren, was mit einem etwas höheren Härtegrad gegenüber dem Original einhergeht. Trotz Tom Savini auf dem Regiestuhl artet das Ganze aber keineswegs in ein Splatterfestival aus, da man der Vorlage gerecht werden wollte. Metzelfans kommen somit nur bedingt auf ihre Kosten. Völlig unverständlich, dass „Night of the Living Dead“ in den 90er-Jahren mehrfach indiziert und sogar gerichtlich beschlagnahmt wurde. 2020 erfolgte endlich die Aufhebung der Beschlagnahme, im selben Jahr auch die Listenstreichung, sodass der Film in ungeschnittener Fassung der FSK vorgelegt werden konnte, die ihm 2021 eine Freigabe ab 18 Jahren erteilte.

Barbara weiß sich zu wehren

Die Bildqualität der neuen Blu-rays von Sony und Nameless Media erscheint mir völlig in Ordnung. Allerdings kann man aus dem Material noch deutlich mehr herausholen, wie ein Bildvergleich mit einer Blu-ray des australischen Labels Umbrella Entertainment zeigt. Nameless Media hat Mediabooks mit diversen Covermotiven veröffentlicht, die zügig vergriffen waren, ebenso verhält es sich mit weiteren Sondereditionen. Wer darauf verzichten kann, ist mit der Sony-Blu-ray in herkömmlicher Verpackung gut bedient, auch ein Steelbook ist aktuell noch lieferbar.

Zombies als Zielscheiben für Rednecks

Für den legendären Maskenbildner und Spezialeffektkünstler Tom Savini markiert „Night of the Living Dead“ seine bislang einzige Langfilm-Regiearbeit. Aufgrund von zu großer Einflussnahme der Produzenten am Set wurde es bei Weitem nicht der Film, der ihm vorgeschwebt hatte, zumal er einige Gewaltszenen herausschneiden musste, um in den USA eine niedrigere Altersfreigabe zu erreichen. An sich ist Savini als Regisseur für das seit Jahren geplante Remake von Umberto Lenzis „Großangriff der Zombies“ (1980) vorgesehen, das Projekt scheint aber nun auch schon seit ein paar Jahren auf Eis zu liegen.

Alles andere als originell, dennoch alles andere als missraten

„Die Rückkehr der Untoten – Night of the Living Dead“ bemüht sich phasenweise um Eigenständigkeit, bleibt beim Grundgerüst aber nah am Original. Zu nah, um selbst originell zu sein, bis hin zu der Horde schießwütiger Rednecks im Finale. Allerdings tummeln sich insbesondere im Zombiegenre zahllose auf Originaldrehbüchern beruhende Streifen, denen es ebenso an Originalität mangelt. Remake hin oder her, bei all den missratenen und in Vergessenheit geratenen Untotenfilmen stellt „Die Rückkehr der Untoten – Night of the Living Dead“ doch einen sehr erfreulichen Vertreter dar. Das muss die nagelneue Computertrick-Variante „Night of the Animated Dead“ (2021) erst einmal erreichen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Bill Moseley und Tony Todd haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 5. August 2021 als Blu-ray im limitierten Steelbook, Blu-ray und DVD sowie als limitiertes 2-Disc Ultimate Collector’s Fan Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, exklusiv bei einem Online-Händler), 14. Mai 2021 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 5 Covermotive à 2 x 666, 2 x 555 & 1 x 444 Exemplare) 2-Disc VHS-Retro-Edition (Blu-ray & DVD, limitiert auf 500 Exemplare), 2-Disc Edition Hartbox (Blu-ray & DVD, limitiert auf 99 Exemplare) und VHS (inkl. Mediabook Cover B, limitiert auf 55 Exemplare)

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night of the Living Dead
Alternativtitel: Die Rückkehr der Untoten
USA 1990
Regie: Tom Savini
Drehbuch: George A. Romero
Besetzung: Tony Todd, Patricia Tallman, Tom Towles, McKee Anderson, William Butler, Katie Finneran, Bill Moseley, Heather Mazur, David W. Butler, Zachary Mott, Pat Reese
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Tom Savini, US-Kinotrailer, Making-of: „The Dead Walk: Remaking a Classic“ (25 Min.), Wendecover, nur Mediabook: 22-seitiges Booklet mit einem Text von Wolfgang Brunner, nur VHS-Retro-Edition: Sticker-Set, nur Ultimate Collector’s Fan Edition: Figurine
Label/Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, 2er-Packshot & Abb. Ultimate Collector’s Fan Edition: © 2021 Sony Pictures Entertainment

 

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