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Horror für Halloween (XVIII): Afflicted – Weltreise ins Grauen

13 Okt

Afflicted

Von Volker Schönenberger

Horror // „Ends of the Earth“ nennen Derek Lee und Clif Prowse die Webserie über ihre Weltreise, die die zwei Kanadier antreten. Die beiden langjährigen Freunde lassen sich auch nicht davon abhalten, dass bei Derek kurz zuvor eine zerebrale arteriovenöse Malformation diagnostiziert worden ist, die ihn jederzeit von jetzt auf gleich umbringen kann. In Barcelona lässt sich der Trip gut an, die beiden verbringen ein paar ausgelassene Tage mit zwei befreundeten Musikern, die sie auch nach Paris begleiten. Dort nimmt Derek Audrey (Baya Rehaz) mit auf sein Hotelzimmer. Ein Fehler: Clif entdeckt ihn kurz darauf aus mehreren Wunden blutend auf seinem Bett, offenbar hat die junge Frau ihn verletzt und dann das Weite gesucht.

Erstes Ziel: Barcelona

Kurz darauf sind die beiden in Italien, wo sich weitere mysteriöse Ereignisse abspielen. So erleidet Derek beim Besuch eines Weinguts in der Sonne innerhalb von wenigen Sekunden Verbrennungen, obendrein entwickelt er außergewöhnliche Kräfte, kann mit bloßen Händen Steine zerschmettern, so schnell laufen wie ein Mofa und weiter springen als Bob Beamon und Mike Powell zusammen. Gleichzeitig kann er keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Was geschieht mit Derek?

Clif (u.) gönnt sich einen Tandem-Fallschirmsprung

Found Footage? Mach’s wech! So reagieren in Filmgruppen und -foren viele User, wenn die Rede auf diese Erzähltechnik des Filmemachens kommt. Sei es die Wackelkamera, sei es die Tatsache, dass heutzutage jeder talentlose Knilch ohne Budget einen Found-Footage-Film drehen kann – manche Leute schauen sich diese Produktionen einfach überhaupt nicht mehr an. Das sei ihnen unbenommen, die Zahl der missratenen Found-Footage-Filme ist in der Tat Legion. Ich spare mir an dieser Stelle eine Auswahl der gelungenen Beiträge, von denen es doch einige gibt. Wer nicht will, der hat schon, lässt sich dann aber auch solche Indie-Perlen wie „Afflicted“ entgehen.

Wurde Derek überfallen?

Für die beiden Drehbuchautoren, Regisseure und Hauptdarsteller Derek Lee und Clif Prowse bildet der Film ihren ersten und einzigen Langfilm nach vier gemeinsamen Kurzfilmen. Der Einfachheit halber behielten sie für die Story gleich ihre Namen bei. Der Titel „Afflicted“ bedeutet so viel wie geplagt, heimgesucht, befallen. Womit Derek befallen ist, kann man sich schnell denken, auch Clif kommt der Verdacht zügig, nachdem sich bei Derek die ersten Symptome gezeigt haben. Seine übermenschlichen Kräfte sind nur die eine Seite der Medaille, der junge Mann macht eine Metamorphose durch, die Probleme mit sich bringt.

Ein sonderbar schnell einsetzender Sonnenbrand

In der Folge gibt es einige rasante Actionsequenzen zu sehen, die erstaunlich gut funktionieren, wenn man bei einem Aspekt ein Auge zudrückt, der im Found-Footage-Sektor häufig zu beobachten ist: Völlig in Ordnung, dass die Kamera läuft, während Derek seine Kräfte ausreizt, aber irgendwann ergibt es keinen Sinn mehr, dass die Protagonisten alles filmen. Das Projekt der Webserie hat sich beizeiten erledigt. Noch später hat es überhaupt keinen Zweck mehr, dass sogar Derek eine Kopf- oder Körperkamera umgeschnallt hat, während er dies und jenes erledigt. Es führt aber immerhin zu einigen Jagdszenen, die versierte Kameraarbeit verraten. Überhaupt verzichtet die Kamera auf übermäßiges Gewackel, oft ein Problem bei Found-Footage-Filmen. Stattdessen gibt es anständige visuelle Effekte und überzeugendes Make-up.

Derek (r.) zerschmettert eine Wand

Ihr Budget von 318.000 Dollar (ob US- oder kanadische) kratzten Lee und Prowse weitgehend im privaten Umfeld zusammen. Gefilmt wurde in Barcelona, Paris, an zwei italienischen Schauplätzen und im kanadischen Vancouver. Seine Premiere feierte „Afflicted“ im September 2013 beim renommierten TIFF, dem internationalen Filmfestival von Toronto, wo der Film gleich mit dem Preis fürs beste Langfilm-Debüt und einer lobenden Erwähnung der Jury bedacht wurde. Beim Sitges in Katalonien gab’s einen Preis für die Spezialeffekte, beim Austin Fantastic Fest die Preise für den besten Film, die beste Regie und das beste Drehbuch.

Er ist nicht mehr er selbst

Ein paar humorigen Einsprengseln zum Trotz ist „Afflicted“ ernsthaft bis hin zur Tragik geraten. Ein paar Mal habe ich mich an Josh Tranks famosen „Chronicle – Wozu bist du fähig“ (2012) erinnert gefühlt, der ein Jahr zuvor entstand und für einige Sequenzen als Inspiration gedient haben mag. Wer Found Footage etwas abgewinnen kann, sollte „Afflicted“ unbedingt antesten. Wer das nicht kann, lässt es eben bleiben.

Ganz und gar nicht

Veröffentlichung: 4. September 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, englische Audiodeskription für Sehgeschädigte, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: Afflicted
KAN/USA 2013
Regie: Derek Lee, Clif Prowse
Drehbuch: Derek Lee, Clif Prowse
Besetzung: Derek Lee, Clif Prowse, Michael Gill, Baya Rehaz, Benjamin Zeitoun, Zach Gray, Jason Lee, Edo Van Breemen, Gary Redekop, Lily Py Lee
Zusatzmaterial: Hinter den Kulissen, Anatomie einer Szene: der Sprung aus dem Fenster, entfallene Szenen
Label/Vertrieb: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2014 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 

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