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Horror für Halloween (XXI): Teddy – Das Tier in dir: Haare auf der Zunge

15 Okt

Teddy

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Bei der Enthüllung eines Ehrenmals zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs verursacht er einen Eklat. Bei den Eltern seiner Freundin Rebecca (Christine Gautier) ist er alles andere als willkommen – sie öffnen ihm nicht mal die Tür, wenn er klopft, sodass er sich genötigt sieht, frech durch die Terrassentür ins Haus zu gelangen. Teddy (Anthony Bajon) hat die Schule geschmissen und ist in seiner Heimatgemeinde in den französischen Pyrenäen ein unbeliebter Außenseiter. Im Massagesalon der etwas lüsternen Ghislaine (Noémie Lvovsky) verrichtet er seinen Job eher unmotiviert.

Jüngling in Nöten: Teddy

In der Gegend scheint sich ein Wolf herumzutreiben. Zwölf Schafe wurden gerissen. Als Teddy ins Gehölz eindringt, nachdem er dort ein Geräusch gehört hat, wird er angegriffen und verletzt. Kurz darauf bemerkt er seltsame Veränderungen an seinem Körper – und befremdliche Gelüste.

Kritikerpreis beim Sitges in Katalonien

Beim Internationalen Festival des Fantastischen Films im katalanischen Sitges erhielt „Teddy – Das Tier in dir“ 2020 den „José Luis Guarner“-Kritikerpreis. Nicht schlecht für einen spröden und über weite Strecken unspektakulär daherkommenden Beitrag zum Genre des Werwolf-Films. Als zwiespältig erweist sich dabei die Hauptfigur: Teddy ist ein Antiheld, der es dem Publikum schwermacht, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Das ist durchaus problematisch, andererseits zieht „Teddy – Das Tier in dir“ daraus auch seinen Reiz. Hauptdarsteller Anthony Bajon („The Prayer“) bringt dafür vollen Einsatz, ist sich für die eine oder andere Fremdschämszene nicht zu schade und meistert auch intime Momente. Unbedingt leiden mag man Teddy nicht, aber dessen Coming-of-Age-Nöte macht Bajon intensiv spürbar.

Er träumt von einer Zukunft mit Rebecca

Auch tricktechnisch hält sich das Werk zurück, eine große Werwolf-Transformation beispielsweise bekommen wir nicht zu sehen, von ohnehin nicht gerade zahlreichen Bluttaten meist nur die Resultate. Die Regisseursbrüder Ludovic und Zoran Boukherma wollten ihr Drehbuch nicht als Splatterspektakel umsetzen. Die besten Horrormomente stellen sich zum Finale ein, und auch sie leben mehr von Subtilität als Effekthascherei. In der stärksten Sequenz sieht man kaum etwas, weil nur ein Smartphone-Display die Szenerie erleuchtet. Wirklich haarig oder gar pelzig geht es kaum einmal zu, wenn doch, dann aber auf originelle Weise.

Komödie oder Drama?

Der deutsche Lizenznehmer Tiberius Film beschreibt „Teddy – Das Tier in dir“ als Horrorkomödie, auch die IMDb hat bei den Genres ein „Comedy“ stehen. Trotz einiger humoriger Momente greift mir das aber zu kurz. Durch den Film zieht sich eine triste Melancholie, und die Boukhermas porträtieren Teddy mit dem gebotenen Respekt als ernsthafte Figur, sodass mir Horrordrama deutlich passender erscheint. Um zum Fanliebling – etwa beim diesjährigen Fantasy Filmfest – aufzusteigen, wirkt die französische Produktion zu abseitig. Wer gewillt ist, auch etwas neben der Spur liegenden Werken eine Chance zu geben, kann angenehm überrascht werden. Etwa wie bei „Raw“ (2016), auch wenn der stärker einzuschätzen und ungleich verstörender geraten ist. Die Boukherma-Brüder haben sicher noch einiges zu lernen, ihr Potenzial ist aber unübersehbar.

Ghislaine hat ein Auge auf ihren Angestellten geworfen

Tiberius Film bringt „Teddy – Das Tier in dir“ wie aktuell all seine Neuveröffentlichungen vorerst nur in digitaler Form unter die Leute. Strategische Entscheidung oder aus bestimmten Sachzwängen geboten – man weiß es nicht. Ob es in absehbarer Zeit auch Blu-ray und DVD geben wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

Etwas Beunruhigendes geht mit Teddy vor

Veröffentlichung: 11. November 2021 als Video on Demand

Länge: 89 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Teddy
F 2020
Regie: Ludovic Boukherma, Zoran Boukherma
Drehbuch: Ludovic Boukherma, Zoran Boukherma
Besetzung: Anthony Bajon, Christine Gautier, Ludovic Torrent, Noémie Lvovsky, Guillaume Mattera, Jean-Michel Ricart, Alain Boitel
Zusatzmaterial: entfällt
Label/Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Covermotiv: © 2021 Tiberius Film

 

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