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Horror für Halloween (XXVIII): The Creeper – Wildniswandern als Ritual mit Todesfolge

22 Okt

Rituals

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Fünf erfolgreiche Ärzte in den besten Jahren (oder etwas darüber hinaus) brechen zu ihrem jährlichen Ritual auf: einem mehrtätigen Trip in die Wildnis. Diesmal haben sich Harry (Hal Holbrook), Mitzi (Lawrence Dane), Abel (Ken James) sowie die Brüder Martin (Robin Gammell) und DJ (Gary Reineke) für einen Kratersee im Norden der kanadischen Provinz Ontario entschieden. Ein Ortskundiger fliegt das Quintett mit seinem Wasserflugzeug in die pittoreske Einöde.

Wo sind die Stiefel?

Am Morgen nach der ersten Nacht in den Zelten sind die Stiefel der fünf verschwunden. DJ, in diesem Jahr hauptverantwortlicher Organisator des Ausflugs, ist stinkig, weil die vier anderen seine Anweisung missachtet haben, Ersatzschuhwerk einzupacken. Er bricht in Richtung einer nicht allzu weit entfernten Talsperre auf, um Hilfe zu holen. Bald ahnen die Zurückgebliebenen: Sie sind nicht allein.

„Beim Sterben ist jeder der Erste“ lässt grüßen

Fünf Jahre nach John Boormans „Beim Sterben ist jeder der Erste“ (1972) schlägt sich in „The Creeper“ erneut eine Schar Städter in der Abgelegenheit mit den Widrigkeiten eines feindseligen Hinterlandes herum. Bemerkenswert, wie es der Kamera gelingt, die Männer in der vermeintlichen Weite der freien Wildbahn von ihrer Umwelt eingeengt wirken zu lassen. Ihre Freundschaft erweist sich als weniger tief, als sie glaubten. Im Stress und in der Mühsal ihres Überlebenskampfes auf dem verzweifelten Weg in die rettende Zivilisation brechen sich Streitigkeiten Bahn. Längst ist der unbekannte Feind, der sie verfolgt, nicht ihr einziges Problem. Die Stimmung erreicht in der zweiten Hälfte unwirkliche, geradezu surreale Ausmaße; bisweilen wirkt die Szenerie, als blicke man in einem fiebrigen Albtraum über eine so zerstörte wie zerstörerische Landschaft. Wenn die fünf Ausflügler sich von ihrem Trip ein intensives Naturerlebnis versprochen haben, so bekommen sie dies erfüllt, wenn auch ganz anders als erhofft. Kameramann René Verzier („Vindicator“, 1986) fängt die Protagonisten in famosen Bildern vor der anfangs noch schönen Naturkulisse ein. Nach und nach wirkt die Landschaft, durch die die Männer stapfen, karger, mitgenommener. Gedreht wurde unter anderem in einem Gebiet, das einige Jahre zuvor unter einem Waldbrand gelitten hatte, was im Film noch deutlich zu sehen ist. Das Leid der Natur wird hier zur begleitenden Metapher für das Leid der Männer.

Erst 2006 in Deutschland veröffentlicht

Der in England geborene und 1982 im Alter von nur 48 Jahren verstorbene Regisseur Peter Carter („Klondike Fever“) ist mir zuvor überhaupt kein Begriff gewesen. Ein paar seiner Arbeiten haben es bis nach Deutschland geschafft, „Rituals“, so der Originaltitel von „The Creeper“, allerdings viele Jahre nicht. Die 2006er-DVD stellt offenbar die deutsche Erstveröffentlichung des Horrorthrillers dar, obwohl der „alte deutsche Anfang“ im Bonusmaterial vermuten lässt, dass da schon mal was war (von mir aber nicht zu ermitteln). Seitdem ist der Film in diversen Neuauflagen erschienen, auch als Hartbox, 2020 auch im Mediabook mit Blu-ray und DVD. Auf eine FSK-Prüfung hat das Label X-Rated verzichtet, die kleinen Auflagen der diversen Editionen konnte es offenbar auch ungeprüft unters Volk bringen. Ob alle Veröffentlichungen lizenziert sind, vermag ich leider nicht zu sagen.

Unverständlich, dass „The Creeper“ nie an die Bekanntheit von „Beim Sterben ist jeder der Erste“ anknüpfen konnte, nicht mal an die von Walter Hills in den Cajun-Sümpfen von Louisiana angesiedeltem Survival-Thriller „Die letzten Amerikaner“ (1981). Offenbar haperte es an professionellem Vertrieb des Horrorthrillers. An der Qualität kann es nicht gelegen haben, in der Hinsicht braucht sich der Film vor den beiden genannten Vergleichswerken nicht zu verstecken. Ein bärenstarker Survival-Horrorthriller ohne Sentimentalitäten und verquere Schnörkel.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Hal Holbrook haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. März 2021 als Blu-ray (limitiert auf 100 Exemplare), 5. März 2020 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, vier Covermotive à 1 x 333 & 3 x 222 Exemplare), 28. Februar 2020 als Blu-ray in großer Hartbox (zwei Covermotive à 44 Exemplare), 30. Oktober 2012 als DVD „Rituale des Grauens“ in Nice-Price-Hartbox „X-Rated Reloaded“, 14. Februar 2012 als DVD in Hartbox (auf 99 Exemplare limitiert), 6. Juli 2008 als DVD in kleiner Hartbox, 10. Dezember 2007 als DVD in großer Hartbox (zwei Covermotive) 18. Dezember 2006 als DVD (zwei Covermotive)

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, nur DVD: Italienisch
Untertitel: keine (deutsche Untertitel auf einigen älteren DVD-Auflagen)
Originaltitel: Rituals
Alternativtitel: Das Ritual
KAN 1977
Regie: Peter Carter
Drehbuch: Ian Sutherland
Besetzung: Hal Holbrook, Lawrence Dane, Robin Gammell, Ken James, Gary Reineke, Murray Westgate, Jack Creley, Michael Zenon
Zusatzmaterial: kanadischer Kinoanfang, Alternativanfang, englischer Trailer, Werbematerial, nur Blu-ray: Audiokommentar von Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Christian Klaese, alter deutscher Anfang, nur Mediabook: Booklet mit einem 20-seitigen Text von Martin Beine
Label/Vertrieb Blu-ray & Mediabook: X-Rated (HCE)
Label/Vertrieb DVD 2012 „Rituale des Grauens“: X-Rated
Label/Vertrieb DVD 2012 „Rituals“: ’84 Entertainment
Label/Vertrieb DVD 2008/2007: X-Rated
Label/Vertrieb DVD 2006: X-Gabu

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

 

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