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Horror für Halloween (XXXI): 30 Days of Night – Vampire in der langen Polarnacht Alaskas

24 Okt

30 Days of Night

Von Volker Schönenberger

Horror // Der Name der nördlichsten Stadt der USA lautet Utqiaġvik. Mit ihren 4.416 Einwohnern (Stand 2020) ist sie Verwaltungssitz des Verwaltungsbezirks North Slope Borough in – logisch – Alaska. Bis 2016 hieß Utqiaġvik Barrow, den Namen hatte der Ort seit 1901 getragen. Vom 20. November bis 22. Januar bleibt in der weit nördlich des nördlichen Polarkreises gelegenen Siedlung die Sonne unter dem Horizont verborgen, sodass tagsüber am Himmel nur Dämmerung herrscht.

„30 Days of Night“ wurde von August bis Oktober 2006 gedreht, allerdings nicht am Originalschauplatz in Barrow, sondern in Neuseeland. Die Handlung setzt mit dem letzten Sonnentag ein, kurz bevor Barrow in die 30-tägige Polarnacht eintaucht (eine kleine Ungenauigkeit bezüglich der Länge der Polarnacht in Utqiaġvik, die sich der Film erlaubt). Ein Großteil der Einwohnerinnen und Einwohner hat den Ort bereits verlassen. Sheriff Eben Oleson (Josh Hartnett) sieht sich mit sonderbaren Akten des Vandalismus konfrontiert – gestohlenen und verbrannten Satellitentelefonen, niedergemetzelten Schlittenhunden, Sabotage am einzigen Helikopter des Orts. Dann trifft er auf seine von ihm entfremdete Frau Stella (Melissa George), die an sich nur kurz in Barrow bleiben wollte, aber den letzten Flug verpasst hat. Im örtlichen Diner muss er sich obendrein mit einem renitenten Fremden (Ben Foster) herumplagen. Mit Stellas Hilfe gelingt es ihm, den Typen in die Zelle zu verfrachten.

Derweil finden die Vampire um ihren Gebieter Marlow (Danny Huston) bereits ihre ersten Opfer. Und die Polarnacht hat gerade erst begonnen …

Vampire als Geschöpfe der Nacht suchen während der langen Polarnacht einen eingeschneiten Ort heim – welch tolles Szenario, famos umgesetzt. „30 Days of Night“ basiert auf der gleichnamigen, 2002 in drei Teilen erstveröffentlichten Comicreihe des US-Autors Steve Niles und des australischen Zeichners Ben Templesmith. Mit Sam Raimi und dessen langjährigem Partner Rob Tapert fanden sich bald zwei Produzenten mit reichlich Erfahrung im Horrorgenre. Für die Regie engagierten sie David Slade, der zuvor in erster Linie Musikvideos, aber immerhin auch das bemerkenswerte Thrillerdrama „Hard Candy“ (2005) inszeniert hatte.

Die Fresse voller Fangzähne

Von Anbeginn durchzieht eine grimmige Atmosphäre die Handlung, kein Humor verschafft dem Publikum eine Atempause. Nach der Etablierung der originellen Grundidee mag der Plot weitgehend bekannten Pfaden einer Belagerungssituation folgen, die visuelle Kraft gleicht das aber locker aus. Einigen artifiziellen Einstellungen – speziell Totalen – sieht man die Comic-Herkunft auch an. Das gilt insbesondere für die Vampire mit ihren blutigen Fressen und Gebissen voller spitzer Fangzähne.

Sheriff Eben Oleson muss sich …

Diese Blutsauger haben nichts von der Anziehungskraft anderer Vampire der Filmgeschichte, sie sind weitaus animalischer und die Bösartigkeit steht ihnen ins Gesicht geschrieben, obwohl sie letztlich auch nur auf Nahrungssuche sind. Ihre Opfer erlegen sie stets auf überaus blutige Weise, da sie eben nicht nur einfach mal zwei spitze Zähne in den Hals des bedauernswerten Menschen schlagen, sondern ihre Beute geradezu reißen. Es geht blutig und splatterig zu, die FSK-18-Freigabe des in Deutschland ungeschnitten veröffentlichten Films hat ihre Berechtigung.

… nicht nur mit einem fremden Störenfried herumplagen …

Nicht nur aufgrund des eisigen Szenarios wabert auch ein Hauch von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ („The Thing“, 1982) durch „30 Days of Night“. Auch dürften die Comic-Schöpfer Steve Niles und Ben Templesmith Stephen Kings Roman „Brennen muss Salem“ oder dessen 1979er-Verfilmung kennen.

Vampire mit eigens entwickelter Sprache

Josh Hartnett („Black Hawk Down“) gibt überzeugend den Normalo, einen Kleinstadtsheriff, der angesichts einer monströsen Bedrohung über sich hinauswachsen muss. Ihm steht mit Danny Huston („Wonder Woman“) ein charismatischer Antagonist gegenüber, der seine Gefolgschaft nach Belieben dirigiert. Ein schöner Einfall war es auch, die Vampire in einer eigenen Sprache sprechen zu lassen, die mithilfe eines neuseeländischen Sprachwissenschaftlers entwickelt wurde.

… sondern auch mit blutgierigen Vampiren

Drei Jahre nach „30 Days of Night“ folgte mit „30 Days of Night – Dark Days“ eine Direct-to-Video-Fortsetzung, die dem Vorgänger nicht das Wasser reichen kann. Obendrein existieren die beiden Webserien „30 Days of Night – Dust to Dust“ und „30 Days of Night – Blood Trails“ (beide 2007).

Tipp: die Doppel-DVD im Digipack

Blu-ray und DVD von „30 Days of Night“ sind problemlos zu finden. Schönste Edition ist die Doppel-DVD der „Cine Collection“ von Concorde Video – ein Digipack im Schuber mit einem Booklet, das Auszüge des Comics enthält und Lust auf ebendiesen macht. „30 Days of Night“ gehört zu den besten Vampirfilmen, die nach der Jahrtausendwende entstanden sind, und besteht auch den Vergleich mit vielen älteren Werken.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ben Foster, Josh Hartnett und Danny Huston haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Stella Oleson weiß sich zu wehren

Veröffentlichung: 17. Oktober 2013 als Blu-ray in der Bloodpack Edition, 2. April 2008 als Blu-ray und Doppel-DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: 30 Days of Night
USA/NZ 2007
Regie: David Slade
Drehbuch: Steve Niles, Stuart Beattie, Brian Nelson, nach der Comicvorlage von Steve Niles und Ben Templesmith
Besetzung: Josh Hartnett, Melissa George, Danny Huston, Ben Foster, Mark Boone Jr., Mark Rendall, Amber Sainsbury, Manu Bennett, Megan Franich, Joel Tobeck, Elizabeth Hawthorne, Nathaniel Lees, Craig Hall, Chic Littlewood, Peter Feeney, Min Windle, Camille Keenan, Jack Walley
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Josh Hartnett, Melissa George und Produzent Rob Tapert, Making-of, B-Roll, Fotogalerie, deutscher und englischer Trailer, Trailershow, nur Doppel-DVD: 24-seitiges Booklet mit Comicauszügen und Informationen zur Entstehung des Films, Schuber, nur Bloodpack Edition: transparenter Schuber mit Kunstblut
Label/Vertrieb: Concorde Video

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Blu-ray-Packshot: © 2008 Concorde Video

 

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