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Gunpowder Milkshake – Frauenpower im kernigen Killerkostüm

17 Nov

Gunpowder Milkshake

Kinostart: 2. Dezember 2021

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Um ihre halbwüchsige Tochter Sam (Freya Allan, „The Witcher“) zu schützen und aus der Schusslinie zu nehmen, ließ die Profikillerin Scarlet (Lena Headey, „Game of Thrones“) sie 15 Jahre zuvor mir nichts, dir nichts in einem Diner sitzen, in welchem sich die beiden sonst gern mit zwei Strohhalmen einen Milchshake teilten. Ihr Auftraggeber Nathan (Paul Giamatti, „Das Morgan Projekt“) nahm die Teenagerin unter seine Fittiche und bildete sie ebenfalls zur Auftragsmörderin aus. Nathan gehört dem mysteriösen Syndikat an, das nur als „Firm“ bekannt und gefürchtet ist.

Abschied

Mittlerweile hat sich Sam (nun Karen Gillan, Nebula eine der „Guardians of the Galaxy“) in ihrem tödlichen Gewerbe zur Besten der Besten entwickelt. Doch als ein Auftrag aus dem Ruder läuft, findet sie sich plötzlich selbst als Gejagte wieder und muss obendrein die achtjährige Emily (Chloe Coleman) beschützen. Gut, dass wie aus dem Nichts Sams Mutter Scarlet auftaucht.

Nathan hat Sam zur Auftragsmörderin ausgebildet

Liebe Herren der Schöpfung, Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Diese Damen zeigen uns Kerlen nicht zu knapp, wo der Hammer hängt. Da müssen reihenweise gestandene Mannsbilder Federn oder gar ihr Leben lassen. Die Frauenpower beschränkt sich dabei nicht nur auf das formidable Mutter-Tochter-Gespann, die Handlanger der Firm sowie einer konkurrierenden Organisation bekommen es auch noch mit den drei nicht minder schlagkräftigen Bibliothekarinnen Florence (Michelle Yeoh, „Fearless“), Anna May (Angela Bassett, „Black Panther“) und Madeleine (Carla Gugino, „Elizabeth Harvest“) zu tun. Die von dem Trio geführte Bibliothek erweist sich als ganz besondere Stätte der Bildung, lasst euch überraschen!

Die junge Killerin will die kleine Emily beschützen

Vielleicht begebe ich mich auf dünnes Eis, aber visuell fühlte ich mich bisweilen an die Filme von Wes Anderson erinnert, speziell „Moonrise Kingdom“ (2012) und „Grand Budapest Hotel“ (2014). Das gilt für die Farbgebung mit ihrem Mut zu kräftigen Tönen ebenso wie für die sehr durchdacht wirkende, geradezu geometrische Linienführung. Achtet mal darauf, wie oft Fluchtpunktperspektiven zu bemerken sind! Der seit Anfang der 1960er-Jahre aktive Kameramann Michael Seresin hat viele namhafte Produktionen in seiner Filmografie, zuletzt beispielsweise „Planet der Affen – Survival“ (2017) und „Planet der Affen – Revolution“ (2014). 2004 fungierte er bei „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ als Director of Photography, obendrein war er Stamm-Kameramann von Alan Parker, etwa bei „Angel Heart“ (1987) und „Fame – Der Weg zum Ruhm“ (1980). Ein echter Könner seines Fachs, und das bringt er in „Gunpowder Milkshake“ ein.

In dieser Bibliothek möchte man kein Buch verspätet zurückgeben

Der Actionthriller suhlt sich nicht nur in seiner visuellen Kraft, sondern auch in exzessiver Gewalt. Es geht blutig zu! Die FSK-18-Freigabe fürs Kino kommt nicht von ungefähr. Hier wird geballert und gestochen, getreten und geschlagen, dass es kracht! Das ist zwar augenzwinkernd und mit schwarzem Humor inszeniert, aber eben auch drastisch und comichaft überzeichnet. Dem Ideenreichtum sind dabei keine Grenzen gesetzt, wenn ich etwa an die Frage denke, wie man wohl mit gelähmten Armen an einer Schießerei und Messerstecherei teilnimmt.

Mutter und Tochter wieder vereint

So eignete sich „Gunpowder Milkshake“ vorzüglich als Eröffnungsfilm des Fantasy Filmfests 2021, bevor er in Deutschland auch einen flächendeckenden Kinostart zugestanden bekommt. Gut so! Die Story wird angesichts des unbedingten Willens zum Style und zu überbordender Action dabei gelegentlich zur Nebensache, ausgesprochen komplex fällt sie ohnehin nicht aus. Das muss ja kein Nachteil sein und ist es hier auch überhaupt nicht. Für eine ausgesprochen feministische Botschaft reicht das natürlich nicht aus, aber das muss es ja gar nicht. Frauen haben das Heft in der Hand, und starke Schauspielerinnen haben wirklich starke Haupt- und Nebenrollen in einem Actionfilm erhalten, das ist positiv.

Mit diesen …

Die Handlung spielt sich übrigens in einer nicht näher benannten Metropole ab, für die als Drehort Berlin herhielt. Auch im Studio Babelsberg in Potsdam entstanden etliche Aufnahmen. In diversen Ländern kam „Gunpowder Milkshake“ gar nicht erst ins Kino. So hatte sich Netflix die Exklusivrechte für Kanada, die USA, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland gesichert, wobei es in den Vereinigten Staaten immerhin eine limitierte Kinoauswertung gab.

… Frauen ist …

Der israelische Regisseur und Ko-Drehbuchautor Navot Papushado machte erstmals 2010 mit dem Horrorfilm „Rabies – Big Slasher Massacre“ auf sich aufmerksam. Drei Jahre später lieferte er mit „Big Bad Wolves“ einen „grotesken Folter-Bastard“ ab (um meine damalige Überschrift über meiner Rezension zu zitieren). Beide liefen seinerzeit beim Fantasy Filmfest, so schließt sich mit „Gunpowder Milkshake“ als Eröffnungsfilm 2021 der Kreis. Nach einem fünfminütigen Segment im Anthologie-Horrorfilm „The ABCs of Death 2“ (2014) legte Papushado als Filmemacher aus mir nicht bekannten Gründen eine siebenjährige Schaffenspause ein, um nun mit seiner dritten vollwertigen Regiearbeit „Gunpowder Milkshake“ fulminant zurückzukehren. Für die internationale Produktion standen ihm erstmals ein größeres Budget und eine überaus namhafte Besetzung zur Verfügung.

… nicht gut …

Der Actionthriller bereitet viel Freude und hat die große Leinwand verdient. Eine Fortsetzung ist bereits bestätigt. Sie ergibt auch Sinn, weil das Universum von „Gunpowder Milkshake“ und die ominöse Firm das hergeben. Tatsächlich endet der Film rund und ohne Cliffhanger, aber offen genug, um diverse Möglichkeiten für ein Sequel zu eröffnen. Auch ein Prequel ist denkbar. Über das Personal des zweiten Teils vor und hinter der Kamera gibt es noch keine Informationen. Erfreuen wir uns einstweilen an „Gunpowder Milkshake“. Platzhirsch Keanu Reeves mit seiner „John Wick“-Reihe wird als der charmante Gentleman, der er ist, kein Problem mit dieser starken weiblichen Konkurrenz haben.

… Kirschen …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Angela Bassett, Karen Gillan, Carla Gugino, Lena Headey und Michelle Yeoh haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Paul Giamatti unter Schauspieler.

… essen

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: Gunpowder Milkshake
F/D/USA 2021
Regie: Navot Papushado
Drehbuch: Ehud Lavski, Navot Papushado
Besetzung: Karen Gillan, Lena Headey, Michelle Yeoh, Angela Bassett, Carla Gugino, Paul Giamatti, Chloe Coleman, Joanna Bobin, Freya Allan, Ed Birch, Ralph Inseon, Adam Nagaitis, David Zimmerschied, Samuel Anderson, Mai Duong Kieu, Michael Smiley
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2021 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Plakate: © 2020 Studiocanal SAS. All rights reserved.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2021/11/17 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Eine Antwort zu “Gunpowder Milkshake – Frauenpower im kernigen Killerkostüm

  1. Christoph Wolf

    2021/11/17 at 09:27

    Auf den Film freue ich mich schon, seitdem ich den Trailer vor Monaten das erste Mal sah.

     

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