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Videospielverfilmungen (XVII): Resident Evil – Welcome to Raccoon City: Zurück zu den Umbrella-Ursprüngen

23 Nov

Resident Evil – Welcome to Raccoon City

Kinostart: 25. November 2021

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Nun ist die Katze aus dem Sack! Wer geglaubt hat, „Resident Evil – The Final Chapter“ (2016) sei tatsächlich der letzte Film aus dem Universum dieser Videospiele, wird mit dem bereits 2017 angekündigten und weltweit um den Ersten Advent 2021 herum in die Kinos kommenden „Resident Evil – Welcome to Raccoon City“ eines Besseren belehrt. Insofern verhält es sich damit ähnlich wie bei „Freitag, der 13. Teil IV – Das letzte Kapitel“ (1984), der im Original ebenfalls den Zusatz „The Final Chapter“ enthielt. Ein gewichtiger Unterschied immerhin: Während es sich bei dessen Nachfolger „Freitag der 13. – Ein neuer Anfang“ (1985) um eine lupenreine Fortsetzung handelt, bekommen wir es bei „Welcome to Raccoon City“ mit einem sogenannten Reboot zu tun. Die Geschichte wird also völlig neu aufgezäumt. Und, liebe Fans der Realfilmreihe – Ihr müsst nun ganz tapfer sein: Milla Jovovich ist nicht dabei!

Basierend auf den ersten beiden Spielen

Von Oktober bis Dezember 2020 in der kanadischen Provinz gedreht (ein paar Nachdrehs gab’s im darauf folgenden Mai), basiert die Handlung des Films auf den ersten zwei Teilen der Videospielreihe – passend zum diesjährigen Jubiläum des 25. Jahrestags der Veröffentlichung des ersten Spiels. Beide genießen unter Gamern Klassikerstatus als überaus fesselnde und beängstigende Horror-Actionabenteuer. Da ich sie nie gezockt habe, kann ich nicht ermessen, wie werktreu die Kino-Adaption ausgefallen ist. Ein Blick auf die deutschen Wikipedia-Einträge der Spiele „Resident Evil“ (1996) und „Resident Evil 2“ (1998) offenbart immerhin viel inhaltliche Nähe. Zudem tauchen auch die wichtigsten Protagonistinnen und Protagonisten auf.

Kurz vor Raccoon City

In einem Prolog im von William Birkin (Neal McDonough) geführten Waisenhaus von Raccoon City lernen wir die jungen Geschwister Claire (Lauren Bill) und Chris Redfield (Besetzung nicht bekannt) kennen. Die Haupthandlung setzt an einem regnerischen Abend Ende September 1998 ein. Claire Redfield (nun Kaya Scodelario, „Maze Runner“-Reihe) befindet sich als Anhalterin in einem Truck auf dem Weg nach Raccoon City im Mittleren Westen der USA ein, doch noch vor ihrer Ankunft ereignet sich auf der Landstraße Beunruhigendes. Am Ziel eingetroffen, sucht sie das Haus ihres Bruders Chris (nun Robbie Amell) auf, der in Raccoon City als Polizist arbeitet.

Das Grauen im Mittleren Westen

Die Kleinstadt im Mittleren Westen vegetiert vor sich hin, seit der Pharmakonzern Umbrella Corporation seine Zentrale dort abgezogen hat. Chris ist Teil des STARS (Special Tactics and Rescue Service) Alpha-Teams innerhalb des von Chief Brian Irons (Donal Logue) geleiteten Raccoon Police Departments. Zu dem kleinen, von Enrico Marini (Sammy Azero) geleiteten Trupp gehören unter anderem Jill Valentine (Hannah John-Kamen) und Albert Wesker (Tom Hopper). Als Neuling findet sich Leon S. Kennedy (Avan Jogia) in der Polizeirevierwache ein. Er ist kaum vorbereitet auf das Grauen, das kurz darauf entfesselt wird.

Das STARS Alpha-Team rückt aus und …

Bei Kennern der Spielereihe dürfte sich angesichts der oben erwähnten Namen ein Gefühl der Vertrautheit einstellen. Es werden nicht die einzigen bekannten Figuren bleiben. Obendrein sind zwei wichtige Orte der Spiele zentrale Handlungsschauplätze von „Resident Evil – Welcome to Raccoon City“: zum einen die Raccoon Police Station aus „Resident Evil 2“, zum anderen das Spencer Mansion aus dem ersten Spiel.

Mal wieder Jump-Scares

Der Film fährt eine mächtige Tonkulisse auf, die das Publikum spürbar in die Kinositze drückt. Das ist teils positiv zu sehen, da die eindrucksvollen Geräusche und dissonanten Klangfolgen der Musik mächtig Atmosphäre mit sich bringen, mal in dräuender Ruhe, mal mit lautstarker Kraft; als etwas störend habe ich diverse Jump-Scares empfunden, da dieses im modernen Mainstream-Horrorkino arg beliebte Stilmittel mittlerweile wie ein altbekannter Taschenspielertrick wirkt.

… dringt ins Spencer-Anwesen ein

Ähnlich zwiespältig fällt auch mein Urteil über die vorherrschende Düsternis aus: Sie macht manche Einstellung etwas unübersichtlich und schwer zu erkennen, auf der anderen Seite gehört sie einfach dazu. Es ist dunkel, es ist Nacht, es regnet – das macht die Atmosphäre aus. Und aus dem Dunkel kommt die Bedrohung in Gestalt unterschiedlicher Kreaturen. Grausig entstellte lebende Tote stellen dabei lediglich die Vorhut dar. Der Videospielherkunft entsprechend steigert sich das Kreaturendesign im Verlauf, bis hin zu einem „Bosskampf“, der allerdings etwas schnell sein Ende findet. Dass mal ein Schlüssel benötigt wird, der sich dann auch anfindet, kommt ebenfalls aus den Videospielen, da es darin in Rätseln oft darum geht, Durchgänge zu finden oder Türen zu öffnen.

Für Fans der bisherigen „Resident Evil“-Realfilme?

Wer die bisherige „Resident Evil“-Realfilmreihe mag und mit dem Fehlen von Milla Jovovich gut leben kann, müsste auch an „Resident Evil – Welcome to Raccoon City“ Gefallen finden. Die Ereignisse des neuen Films verlaufen völlig unabhängig von der Geschichte um die von Jovovich verkörperte Alice, die in den Spielen ohnehin nicht vorkommt. Alice und ihr Schicksal waren in sechs Filmen zweifellos zu Ende erzählt, aber es gehört eben zu den Automatismen des Kinos, dass man große Franchises nicht einfach enden lässt, wenn die Entscheidungsträger in den Produktionsfirmen den Eindruck gewinnen, die Kuh lasse sich weiter melken. Immerhin positiv, dass nun mehr Nähe zu den Ursprüngen der Spieleserie gesucht wurde.

Cop Chris Redfield ist auf sich allein gestellt

Mit dem englischen Regisseur Johannes Roberts („47 Meters Down“-Filme) wurde ein aufs Horrorgenre spezialisierter Filmemacher verpflichtet, der auch fürs Drehbuch verantwortlich zeichnet. Diese Erfahrung merkt man „Resident Evil – Welcome to Raccoon City“ an, als Schocker funktioniert Roberts’ Regiearbeit gut, auch wenn er es sich wie erwähnt mit Jump-Scares ab und zu etwas einfach macht. Ebenso gerät speziell im ersten Drittel die Einführung der Figuren recht simpel. Auffällig viel erfahren wir aus Dialogen, die sehr darauf zugeschnitten wirken, dem Publikum Wissen zu vermitteln.

Beim Abspann nicht gleich aufspringen!

Auch die Handlung fällt nicht besonders komplex aus, recht zügig wird deutlich, dass es ums Überleben geht. Die Komplexität der Umbrella-Machenschaften bleibt angedeutet, das „Resident Evil“-Universum wird nur angetastet. Nur logisch angesichts dessen, dass „Resident Evil – Welcome to Raccoon City“ den Auftakt eines völlig neuen filmischen Erzählstrangs bildet. Eine Cliffhangerszene kurz nach Einsetzen des Abspanns dient dafür als Appetithäppchen.

Grauenvoll oder mitleiderregend? Oder beides?

Nach meiner Einschätzung wird der Film von vielen Kritikern womöglich eher unterdurchschnittlich eingestuft werden – ein paar von mir aufgeschnappte, sehr abfällige Gesprächsfetzen nach Ende der Hamburger Pressevorführung bestätigen dies. Ganz so abfällig sehe ich das nicht, als Popcorn-Horrorkino hat „Resident Evil – Welcome to Raccoon City“ seine Momente. Produktions-, Set- und Kreaturendesign befinden sich auf solidem Niveau. Aber natürlich haben wir es mit einem reinen Marketingprodukt zu tun, das seitens des Studios nicht einer erzählerischen Vision folgend konzipiert wurde, sondern um ein anspruchsloses Publikum mit bewährter Kost zum Kauf des Kinotickets zu verleiten. Dass Johannes Roberts als kreativer Hauptverantwortlicher versucht hat, seine erzählerische Version einzubringen, ist davon unbenommen. Das Gespür für die Vorlagen, die er zweifellos gut kennt, will ich ihm ohnehin nicht absprechen. Insofern zielt seine Arbeit auch auf Fans der Spielereihe ab, die deren Geist in den sechs vorherigen Realfilmen vermissten.

Das „Resident Evil“-Franchise setzt sich fort

Wer innovatives Horrorkino sucht, wird hier sicher nicht fündig werden. Aber das gilt für die große Mehrheit moderner, auch erfolgreicher Horrorfilme. Viele Fans des Genres sind überhaupt nicht an innovativen Stoffen interessiert. Und zugegeben: Den Stempel „Bewährtes“ kann man auch positiv sehen. Ob die mit „Resident Evil – Welcome to Raccoon City“ startende neue Realfilmreihe quantitativ an die sechs Vorgänger oder an die vier zwischen 2000 und 2017 produzierten Animationsfilme herankommen wird, lässt sich heute nicht mal annähernd abschätzen. Qualitativ fällt der Auftakt gegenüber den Vorgängern jedenfalls nicht ab, hat vielleicht sogar einen kleinen Vorteil aufgrund der größeren Nähe zu den Spielen. Wer weiß, worauf er sich einlässt, und kein sensationelles Erlebnis erwartet, möge sich unbesorgt die Eintrittskarte kaufen. Wer derlei Franchises aus grundsätzlichen oder anderen Erwägungen ablehnt, möge vom Kinobesuch absehen.

Sowohl Videospielverfilmungen als auch die Filme der „Resident Evil“-Reihe haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Johannes Roberts sind unter Regisseure zu finden, Filme mit Kaya Scodelario in der Rubrik Schauspielerinnen.

Leon S. Kennedy (l.) und Claire Redfield dringen vor

Länge: 107 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Resident Evil – Welcome to Raccoon City
D/KAN 2021
Regie: Johannes Roberts
Drehbuch: Johannes Roberts
Besetzung: Kaya Scodelario, Robbie Amell, Hannah John-Kamen, Neal McDonough, Tom Hopper, Donal Logue, Avan Jogia, Avaa Blackwell, Stephannie Hawkins, Lily Gao, Marina Mazepa, Nathan Dales, Chad Rook, Josh Cruddas, Janet Porter, Dylan Taylor, Sammy Azero, Holly de Barros, Lauren Bill
Verleih: Constantin Film Verleih GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Filmplakate & Szenenfotos: © 2021 Constantin Film Verleih GmbH

 

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