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Vampires – Los Muertos: Livin’ on a Prayer?

15 Jan

Vampires – Los Muertos

Von Volker Schönenberger

Horror // Irgendwo in einem heruntergekommenen Vergnügungsviertel von Mexiko-Stadt bedroht ein Freier in einer dunklen Gasse eine Prostituierte mit einer Rasierklinge. Ein Mann (Jon Bon Jovi) eilt vermeintlich zu Hilfe und verleiht seinem Ansinnen mit einer sonderbaren Pistole Nachdruck, die offenbar Holzpflöcke verschießt. Der Freier zeigt sich beeindruckt, muss dann aber mit ansehen, wie der Unbekannte der Prostituierten einen Holzpflock durch den Mund schießt und einen weiteren durchs Herz treibt. Sie verwandelt sich im Todeskampf in den Vampir, der sie war. Derek Bliss hat wieder einen Auftrag der dem Vatikan nahe stehenden Van Helsing Group erledigt, für die er als freischaffender Vampirjäger tätig ist.

Ein renitenter Freier wird zur Räson gebracht

Der von John Carpenter gedrehte „Vampire“ (1998) steht in der Rangliste meiner liebsten Vampirfilme sehr weit vorn. Dem muss man nicht folgen, aber der im Stil eines Westerns inszenierte Film war erfolgreich genug, um zwei Fortsetzungen nach sich zu ziehen. Das mit Thaibox-Einlagen angereicherte zweite Sequel „Vampires – The Turning“ (2004) kenne ich nicht, und nach allem, was man liest, ist das auch kein Verlust. Die erste Fortsetzung „Vampires – Los Muertos“ hingegen hat ihre Momente und ist allein schon aufgrund des Mitwirkens des Bon-Jovi-Frontmanns einen Blick wert.

Golden-Globe-Preisträger Jon Bon Jovi

Jon Bon Jovi war sogar schon mal für einen Oscar nominiert und hat einen Golden Globe gewonnen, wenn auch nicht für eine darstellerische Leistung, sondern für den Song „Blaze of Glory“ aus dem Western „Blaze of Glory – Flammender Ruhm“ („Young Guns II“, 1990). Seine IMDb-Filmografie als „Actor“ ist mit 118 Nennungen überraschend hoch, die überwältigende Mehrheit erweist sich aber als Auftritte in seinen Musikvideos. Echte Schauspielrollen hat er nur ein paar übernommen und der Part als Hauptfigur in „Vampires – Los Muertos“ scheint auch der bedeutsamste zu sein.

Der Prostituierten bekommt Dereks Eingreifen aber auch nicht gut

Als Vampirjäger stellt Jon Bon Jovi in Mexiko einer Gruppe von Blutsaugern nach, die von ihrer mächtigen Meisterin Una (Arly Jover) angeführt werden. Weil die zu seiner Unterstützung vorgesehenen Priester bereits niedergemetzelt wurden, muss er sich notgedrungen mit einem deutlich kleineren Team behelfen: dem Teenager Sancho (Diego Luna), der Halbvampirin Zoey (Natasha Gregson Wagner), Pater Rodrigo (Cristián de la Fuente), der das Massaker an seinen Glaubensbrüdern als einziger Geistlicher überlebt hat, und Ray Collins (Darius McCrary) aus Memphis, immerhin ein erfahrener Vampirjäger wie Bliss.

Trotz viel Blut FSK 16

Im Gegensatz zum Vorgänger bekam „Vampires – Los Muertos“ keine Probleme mit FSK und Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die ungeschnittene Fassung erhielt problemlos die FSK-16-Freigabe. Das muss Fans blutiger Pracht nicht abschrecken – der Lebenssaft fließt in Strömen, es werden Kehlen aufgeschlitzt, Köpfe von Rümpfen getrennt und Menschen wie Vampire gleichermaßen abgeschlachtet. Die Abteilungen für Make-up und visuelle Effekte haben ganze Arbeit geleistet, das wertet den Film sichtlich auf.

Ende einer Vampirin

Die Handlung dockt lediglich lose an den Vorgänger an. In der einen oder anderen Randbemerkung werden Ereignisse daraus aufgegriffen, und ein Artefakt, das auch im ersten Teil bedeutsam war, spielt ebenfalls eine Rolle. Ursprünglich war dem Vernehmen nach geplant, die Geschichte deutlich enger mit „Vampires“ zu verzahnen. So sollte Tim Guinee als Pater Adam Guiteau seine Rolle fortsetzen. Die Produktionsfirma kürzte jedoch das Budget des Sequels, sodass die Figur Adam Guiteau auf den Namen auf einem Grabstein zusammengestrichen wurde. Eine Weile war sogar angedacht gewesen, dass sich John Carpenter auch für die Fortsetzung auf den Regiestuhl setzt. Daraus wurde dann aber nichts, und er fungierte lediglich als Berater für die Story und als Executive Producer.

Mit Sancho (r.) …

Regisseur Tommy Lee Wallace versuchte, die Western-Atmosphäre von „Vampire“ auch auf das Sequel zu übertragen, was sich aufgrund des Settings des vollständig in Mexiko gedrehten Films ohnehin anbot. Er hat das Westerngenre sicher nicht so sehr mit der Muttermilch aufgesogen wie John Carpenter, der sich stets dazu bekannt hat, Howard Hawks’ „Rio Bravo“ (1959) zu seinen Lieblingsfilmen zu zählen, aber auch „Vampires – Los Muertos“ geht eine stimmige Symbiose zwischen Horror und Western ein. Wallace debütierte als Regisseur übrigens mit dem unterschätzten „Halloween III – Die Nacht der Entscheidung“ (1982). Auch seine Regiearbeiten „Mein Nachbar, der Vampir“ (1988) und die Miniserie „Stephen Kings Es“ (1990) haben ihre Fans, Wallace hat im Horrorgenre also durchaus ein paar kleine Duftmarken gesetzt. Die nachhaltigste stellt zweifellos die ikonische Captain-Kirk-Maske von Michael Myers dar, die der langjährige Weggefährte von John Carpenter für dessen Klassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978) schuf, für den er als Produktionsdesigner am Set tätig war. Für die eine oder andere Sequenz schlüpfte Wallace sogar in die Rolle von Michael Myers.

… der Halbvampirin Zoey und …

Nach „Vampires – Los Muertos“ war seine Regisseurskarriere beendet, warum auch immer. An dem Film dürfte es nicht gelegen haben, auch wenn ihm kein berauschender Erfolg beschieden war – mit der Ausnahme von ein paar Ländern gelangte er weltweit ohne Kinoauswertung direkt in die Videoregale. An Jon Bon Jovi mag als Schauspieler kein Oscar-Preisträger verloren gegangen sein, er macht seine Arbeit aber anständig und führt ein sympathisches Team in den Kampf gegen die Vampire, mit dem man als Filmgucker gern mitfiebert. „Vampires – Los Muertos“ ist kein großer Film und reiht sich im Vampirfilmgenre sicher nicht weit vorn ein, wie das seinem Vorgänger meines Erachtens gelungen ist. Aber nach meiner tatsächlich ersten Sichtung anlässlich der Veröffentlichung im Mediabook von justbridge entertainment frage ich mich, weshalb ich den Film so lange ignoriert habe. Damit habe ich ihm Unrecht getan.

Mediabook nicht frei von Kritik

Dem Mediabook mit Blu-ray und DVD fehlt bedauerlicherweise jegliches Bonusmaterial auf den Discs. Obendrein sind sowohl die deutschen als auch die englischen Untertitel recht nachlässig erstellt worden, da sehr fehlerhaft. Am auffälligsten ist das völlige Fehlen von Apostrophen bei den englischen Untertiteln. Bild- und Tonqualität sind immerhin solide, als einziger Pluspunkt des Mediabook-Formats bleibt allerdings das Booklet haften, für das justbridge entertainment immerhin den erfahrenen Autor Christoph N. Kellerbach verpflichtet hat. Der weiß gewohnt belesen und versiert Interessantes rund um die Produktion des Films zu berichten. Leider liest sich die weiße Schrift auf schwarzem Grund für mich nicht besonders angenehm, die roten Zwischentitel noch viel weniger. Aber vielleicht werde ich auch nur alt, ächz. So oder so geht das Mediabook nur als durchschnittliche Veröffentlichung durch, das den gegenüber einer Blu-ray oder DVD im herkömmlichen Softcase deutlich höheren Preis nur bedingt rechtfertigt.

… Pater Rodrigo (l.) erhält Derek Bliss Unterstützung

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet – auch Produktionsbeteiligungen.

Doch die Obervampirin Una (r.) hat bereits Lunte gerochen

Veröffentlichung: 22. Oktober 2021 als limitiertes 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) und DVD, 19. November 2002 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Vampires – Los Muertos
USA/MEX 2002
Regie: Tommy Lee Wallace
Drehbuch: Tommy Lee Wallace
Besetzung: Jon Bon Jovi, Cristián de la Fuente, Natasha Gregson Wagner, Arly Jover, Darius McCrary, Diego Luna, Anilú Pardo, Honorato Magaloni, Javier Grajeda, Toño Muñiz, Andres Weiss, Muriel Fouilland, Jan Pablo Gamboa, Gabriel Casanova, Tommy Lee Wallace
Zusatzmaterial: 20-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach
Label Mediabook: justbridge entertainment
Vertrieb Mediabook: Rough Trade Distribution
Label/Vertrieb DVD: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 justbridge entertainment

 

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