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Hard Hit – Bombenstimmung in Busan

17 Jan

Balsinjehan

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // An diesem Tag will der Lee Sung-gyu (Jo Woo-jin) seine Tochter Hye-in (Lee Jae-in) und seinen Sohn Min-joon (Darsteller unbekannt) zur Schule bringen, bevor der leitende Angestellte einer Bank ins Büro fährt. Doch daraus wird nichts: Ein Unbekannter ruft ihn auf einem im Handschuhfach platzierten Smartphone an und behauptet, unter Lees Sitz befinde sich eine Bombe. Sie explodiere, sobald er aussteige. Der Anrufer behauptet, jede Bewegungen des Fahrzeugs per GPS zu verfolgen. Er fordert 800.000 US-Dollar in bar und eine Banküberweisung in Höhe von 1,5 Millionen Dollar, ansonsten gehe die Bombe hoch. Sie gehe auch hoch, wenn eins der Kinder das Auto verlasse, ebenso, wenn Lee Sung-gyu dem Anrufer auf den Sack gehe. Kurz darauf klingelt das Handy des Bankiers. Sein Vizedirektor gibt an, im Auto ebenfalls einen Anruf mit einer solchen Bombendrohung erhalten zu haben.

Lee Sung-gyu bangt um sein Leben …

Wer meint, den Plot bereits zu kennen, liegt richtig: Im April 2018 startete „Steig. Nicht. Aus!“ (2018) mit Wotan Wilke Möhring in den deutschen Kinos. Der Actionthriller von Christian Alvart („Abgeschnitten“) war allerdings selbst nur ein Remake der spanischen Produktion „Anrufer unbekannt“ („El desconocido“, 2015) von Dani de la Torre. Zu guter Letzt: Das in Berlin gedrehte US-Remake „Retribution“ mit Liam Neeson befindet sich bereits in der Postproduktion.

… und um das seiner Kinder

Der in der südkoreanischen Hafenstadt angesiedelte und „on location“ gedrehte Plot verspricht Mordsspannung, dieses Versprechen löst „Hard Hit“ auch ein. Und das ohne die zahlreichen Logiklöcher und dämlichen Verhaltensweisen, die Rezensent Philipp Ludwig bei „Steig. Nicht. Aus!“ ausgemacht hatte. Die Handlung lehnt sich wohl einigermaßen eng an Original und deutsches Remake an, ein paar eigene Wege glaube ich aber aufgrund meiner Lektüre von Philipps Text zu erkennen. Da ich weder die deutsche Verfilmung noch das spanische Original kenne, entfallen ansonsten jedwede Vergleiche des südkoreanischen Remakes mit den beiden Vorgängern.

Ehefrau Yeon-su greift ins Geschehen ein

Nach einiger Zeit wird deutlich, dass hinter dem Anruf mehr steckt als ein Erpresser, der sich auf gerissene Weise viel Geld unter den Nagel reißen will. Das kann man sich allerdings auch ohne Kenntnis der beiden früheren Verfilmungen denken, ebenso, dass damit Kritik am Bankwesen verbunden ist. Diese bleibt aber an der Oberfläche, schließlich haben wir es mit einem Actionthriller zu tun und nicht mit einem Wirtschaftsthriller.

Ein Kammerspiel im Auto

Das Geschehen beschränkt sich nahezu ausschließlich auf Lee Sung-gyus Auto, sodass sogar ein wenig Kammerspiel-Atmosphäre aufkommt. Wie gut das funktioniert, steht und fällt auch mit den schauspielerischen Leistungen des Hauptdarstellers Jo Woo-jin und der jungen Lee Jae-in, die Lees Tochter verkörpert (sein Sohn kann das Auto beizeiten verlassen). Beiden gelingt es vorzüglich, uns die Angst ihrer Figuren spürbar zu machen. Als Anrufer und Antagonist Jin Woo tritt irgendwann Ji Chang-wook („Rampant“) in Erscheinung, der seinen Part ebenfalls glaubwürdig ausfüllt, aber insgesamt zu kurz zu sehen ist, um prägend zu sein. Das gilt ebenso für Kim Ji-hoo als Lees Ehefrau Yeon-su und Kim Ji-hoo als Leiterin des Bombenräumkommandos, wobei Letztgenannte eine starke Figur darstellt, die mehr Präsenz verdient hätte.

Der Leiterin des Bombenräumkommandos schwant etwas

Für Kim Changju markiert „Hard Hit“ sein Leinwanddebüt. Zuvor war er im Schneideraum tätig, hat als Cutter unter anderem an „Snowpiercer“ (2013), „Tunnel“ (2016), „The Attack“ (2018) und „Bataillon der Verdammten – Die Schlacht um Jangsari“ (2019) mitgewirkt. Mit dem Remake des spanischen Actionthriller zeigt er nun auch Potenzial auf dem Regiestuhl. Das Label capelight pictures hat „Hard Hit“ im Oktober 2021 beim Fantasy Filmfest in einigen deutschen Großstädten gezeigt und veröffentlicht das Werk für hiesige Heimkinos nicht nur als Blu-ray und DVD in herkömmlichen Softcases, sondern auch als Mediabook mit beiden Disc-Formaten. Im Booklet findet sich ein ausführlicher Text zur Produktion.

Alle als „Limited Collector’s Edition” von capelight pictures veröffentlichten Filme haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Lees Auto ist umstellt

Veröffentlichung: 21. Januar 2022 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD, 16. Dezember 2021 als Video on Demand

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Balsinjehan
KOR 2021
Regie: Kim Changju
Drehbuch: Kim Changju
Besetzung: Ji Chang-wook, Jo Woo-jin, Kim Ji-hoo, Jin Kyung, Lee Jae-in, Ryu Seung-su
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Dreifach-Packshot: © 2022 capelight pictures

 

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