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Halloween Kills – Hoher Body Count in Haddonfield

01 Feb

Halloween Kills

Von Volker Schönenberger

Horror // Es ist die Halloween-Nacht des 31. Oktober 2018, als Cameron Elam (Dylan Arnold) in Haddonfield, Illionois, den schwer verletzten Polizisten Officer Hawkins (Will Patton) am Boden liegend auffindet. Eine Rückblende ins Jahr 1978 zeigt das erste Aufeinandertreffen des jungen Officer Hawkins (Thomas Mann) mit Michael Myers (Airon Armstrong), der eine weiße Maske (Captain Kirk!) trägt und mörderisch unterwegs ist, bevor er gefasst wird.

Nicht totzukriegen: Michael Myers

Nun setzt der Vorspann ein, schön stimmungsvoll mit den seit John Carpenters „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978) legendären Klängen und der bekannten orangefarbenen Schrifttype, was feine Retro-Atmosphäre aufkommen lässt. Im Anschluss springt die Handlung wieder nach vorn zum Halloween-Abend 2018. In einer Kneipe feiern diverse Überlebende den 40. Jahrestag von Michael Myers’ Gefangennahme, darunter Tommy Doyle (Anthony Michael Hall) und Camerons Vater Lonnie Elam (Robert Longstreet).

Laurie Strode schwant Böses

Derweil befinden sich Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), ihre Tochter Karen Nelson (Judy Greer) und ihre Enkelin Allyson (Andi Matichak) auf dem Weg ins Krankenhaus, nachdem sie den vermeintlich sterbenden Michael Myers (mal James Jude Courtney, mal Nick Castle) in Lauries brennendem Haus zurückgelassen haben – siehe die Ereignisse am Ende von „Halloween“ (2018). Als Laurie ein Feuerwehrauto zum Ort des Feuers eilen sieht, schwant ihr Böses. Zu Recht …

Allyson (l.) und ihre Mutter Karen hoffen, dass das Grauen vorüber ist

Genau wie „Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück“ (1981) setzt die Handlung von „Halloween Kills“ unmittelbar nach dem Geschehen des Vorgängers ein. Das hat Sinn und war wohl von Anfang an so vorgesehen. Die Modernisierung des klassischen Stoffs überführt das Setting auf gelungene, wenn auch nicht beeindruckende Weise ins moderne Mainstream-Horrorkino. Der Body Count und diverse derbe Tötungsmethoden können sich sehen lassen, ein paar Einstellungen dürften Gorehounds zufriedenstellen. Michael Myers macht eben keine Gefangenen. Zu seinen größten Fähigkeiten gehören seine Nehmerqualitäten – das macht für mich auch einen bedeutsamen Teil seiner schaurigen Wirkung aus: Er ist nicht totzukriegen, steht immer wieder auf und setzt seinen Amoklauf fort. Im Übrigen das einzige übernatürliche Element in einem bei aller Übertreibung doch in der Realität angesiedelten Horrorplot.

Michael Myers und der Lynchmob

Die Handlung dreht sich vornehmlich um Michaels Tötungsorgie und den Versuch der Einwohnerinnen und Einwohner von Haddonfield, ihm Gegenwehr zu leisten oder zu entkommen – oft genug zum Scheitern verurteilt. Zwischendurch bildet sich ein Lynchmob, der durchaus kritisch skizziert wird. Klassikerqualitäten vermag ich nicht zu erkennen, wir haben es einfach mit modernem Slasherkino zu tun – nicht mehr und nicht weniger. Seine Stimmung zieht „Halloween Kills“ nicht zuletzt aus dem klassischen Score des Originals, dessen Motive immer wieder zu hören sind. Ohnehin gibt es ausreichend Fan-Service zu sehen und zu hören, etwa diverse Figuren aus dem ersten Film von 1978, zum Teil von denselben Darstellerinnen und Darstellern wie damals verkörpert. Das kann man als reißbrettartig oder Nummer-sicher-Taktik kritisieren, aber wenn man das „Halloween“-Franchise schon fortsetzt, gehört es eben dazu. Überraschenderweise wirkten Jamie Lee Curtis und ihre Laurie Strode auf mich wie ein Anhängsel ohne Einfluss auf die Handlung. Den finalen Showdown zwischen ihr und Michael Myers hat man sich womöglich für den kommenden „Halloween Ends“ (2022) aufgespart, der im kommenden Oktober weltweit in die Kinos kommen und das Reboot zur Trilogie abrunden und abschließen soll. John Carpenter ist dabei lediglich als Executive Producer beteiligt, was offen lässt, ob er überhaupt nennenswert Produzentenaufgaben übernommen hat.

Irrtum

Sein 20-Millionen-Dollar-Budget spielte „Halloween Kills“ trotz Corona locker ein. Mehr als 130 Millionen Dollar Einnahmen an den weltweiten Kinokassen stehen als Erfolg zu Buche – und das, obwohl der Film in den USA parallel über einen Streamingdienst veröffentlicht wurde. Fürs Heimkino entstand eine knapp vier Minuten längere Langfassung, über die Regisseur David Gordon Green vorab im Interview mit dem Entertainment-Portal „Collider“ einiges verriet. Da ich die Kinofassung nicht gesehen habe, kann ich die zwei Versionen nicht miteinander vergleichen, beide werden aber auf allen deutschen Veröffentlichungen enthalten sein. Zensurbedingte Kürzungen für die FSK-18-Freigabe waren nicht erforderlich. Green sieht zwar eigenen Angaben zufolge die Kinofassung durchaus als seinen Director’s Cut an, das hat ihn aber nicht abgehalten, beispielsweise das Finale zu verändern. Er begründete das damit, es habe sich nicht authentisch in Bezug auf die kommende Fortsetzung angefühlt. Es mag also damit zu tun haben, dass das Finale der Kinofassung nicht optimal zum geplanten Auftakt von „Halloween Ends“ passt. Green wird dann alle drei Teile der Trilogie inszeniert haben.

Kommt mit „Halloween Ends“ wirklich das Ende?

Mit „Halloween Ends“ wird das Franchise satte 13 Teile aufweisen. Der Titel deutet an, dass es dann wirklich vorbei ist, aber das entscheiden wohl eher die Gesetze des Marktes und das Bedürfnis der Horrorfans nach bewährter Kost. Ich erinnere in der Hinsicht an „Freitag, der 13. Teil IV – Das letzte Kapitel“ (1984) und „Resident Evil – The Final Chapter“ (2016). Manch ein Horrorfan mit modernen, abgestumpften Sehgewohnheiten mag für das bahnbrechende Original von 1978 nur ein müdes Lächeln übrig haben und die neuen Filme vorziehen, sei es dieses Reboot oder Rob Zombies Vision „Halloween“ (2007) und „Halloween II“ (2009). Es sei euch gegönnt. Wenn ich darüber nachdenke, welche der 13 „Halloween“-Filme ich in meinem Leben wohl noch einmal sehen werde, komme ich als Old-School-Fan eher auf die drei ersten Teile „Halloween – Die Nacht des Grauens“, „Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück“ und den unterschätzten „Halloween III – Die Nacht der Entscheidung“ (1982). Abschließend sei eine Frage aufgeworfen: Hat das Horror-Subgenre des Slasherfilms überhaupt großes Entwicklungspotenzial?

Cameron (l.), sein Vater und Allyson beraten, was zu tun ist

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet – auch Produktionsbeteiligungen. Filme mit Jamie Lee Curtis haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt.

Zornig: Laurie Strode

Veröffentlichung (jeweils mit Lang- und Kinofassung): 24. Februar 2022 als UHD Blu-ray, UHD Blu-ray im Steelbook, Blu-ray, Blu-ray im Steelbook und DVD

Länge: 109 Min. (Blu-ray, Langfassung), 106 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 105 Min. (DVD, Langfassung), 102 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Halloween Kills
USA/GB 2021
Regie: David Gordon Green
Drehbuch: Scott Teems, Danny McBride, David Gordon Green
Besetzung: Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Andi Matichak, James Jude Courtney, Nick Castle, Airon Armstrong, Will Patton, Thomas Mann, Jim Cummings, Dylan Arnold, Robert Longstreet, Anthony Michael Hall, Charles Cyphers
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Gag Reel, unveröffentlichte und erweiterte Szenen, Haddonfields offene Wunden, Das Killerteam, Die Werte der Familie Strode, Die Veränderungen von 1978, Die Macht der Angst
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2022 Universal Pictures Germany GmbH

 
 

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5 Antworten zu “Halloween Kills – Hoher Body Count in Haddonfield

  1. Avatar von Christoph Wolf

    Christoph Wolf

    2022/02/02 at 00:13

    „Hat das Horror-Subgenre des Slasherfilms überhaupt großes Entwicklungspotenzial?“

    Ich denke ja. Zum Beispiel hat Candyman von Nia DaCosta gezeigt, wie gut sich auch der Slasherfilm mit aktuellen sozialen und politischen Themen, hier Rassismus und Gentrifizierung, auseinandersetzen kann (Halloween Kills deutet das ja zumindest an, wenn der Mob Thema ist). Titane würde ich zumindest teilweise dem Genre zuordnen bzw eine Verwandschaft dazu behaupten wollen, und auch dieser Film ist mit seinen Themen Genderfluidität, Sexismus usw extrem nah an aktuellen Debatten. Wenn Filmemacher diesen Weg weitergehen, kann auch der Slasherfilm, der lange in seinen Regeln erstarrt schien, sich weiter entwickeln und auch mal mehr sein als ein reiner Genrefilm. Allerdings wird das sicher die Ausnahme bleiben.

     
    • Avatar von Pascal B.

      Pascal B.

      2022/02/02 at 11:01

      Gentrifizierung?
      Vielleicht besser Fremdwörter nutzen, die du kennst

       
      • Avatar von Christoph Wolf

        Christoph Wolf

        2022/02/03 at 22:16

        Film gesehen? Wort bekannt? Satz verstanden? Scheinbar nicht, aber Hauptsache trollen.

         
  2. Avatar von Thomas Hortian

    Thomas Hortian

    2022/02/01 at 22:32

    Locker einer der schlechtesten Halloween-Filme, vielleicht nicht der schlechteste, aber der dümmste. Michael wird zum Sadisten, das grausige „Evil dies tonight“, was schnell nervt, die Charaktere, die bald schon zu Karikaturen verkommen, weil sie eigentlich einfach im Film stehen bleiben – the script’s a mess. Halloween Kills ist nicht nur nicht gut, er stellt ein Ärgernis da, eine Beleidigung an das Franchise, das er ad absurdum führt, da die Macher dahinter scheinbar überhaupt nicht verstanden haben, worum es bei Halloween oder auch nur irgendeinem klassischen Slasher überhaupt geht.

     
    • Avatar von Christoph Wolf

      Christoph Wolf

      2022/02/02 at 00:22

      Das sehe ich anders. David Gordon Greens Filme sind nach dem Original und Teil II (vielleicht auch noch Teil IV) das beste an der Reihe. Drehbuch, Regie, Schauspiel, alles ist besser als in den unsäglichen Teilen V – VIII oder den Filmen von Zombie, dessen Teil II tatsächlich ihrer Beschreibung deutlich eher entspricht. Ich brauche jedenfalls keinen neuen Halloween-Aufguss im klassischen Stil der Achtziger.

       

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