Dangerous
Thriller // Mit einer elektronischen Fußfessel zur Überwachung gestaltet sich das Leben nicht allzu abwechslungsreich. Der tägliche Gang zum Briefkasten ist für Dylan Forrester (Scott Eastwood) ein kleines Highlight – immerhin erhält er zu allen Feiertagen eine Karte seines Bruders Sean, der auf der abgelegenen Pazifikinsel Guardian Island lebt. Ansonsten bleiben dem auf Bewährung aus dem Knast entlassenen Dylan sein Fitnesstraining, die Pflege seiner Pflanzen und die Einnahme der Antidepressiva, die sein exzentrischer Psychiater Dr. Alderwood (Mel Gibson) ihm verschrieben hat.
Die Bewährungsauflagen verlieren für ihn an Bedeutung, als ihn seine Schwägerin Susan (Leanne Lapp) per Brief über den Tod seines Bruders informiert und im selben Moment ein Unbekannter in seiner Wohnung steht. Flugs deponiert er den Typen in seiner Badewanne, entledigt sich seiner Fußfessel und reist nach Guardian Island. Vor dem Sarg seines Bruders macht ihm seine Mutter Linda (Brenda Bazinet) sogleich eine Szene – sie ist von seinem Erscheinen alles andere als begeistert. Special Agent Shaughnessy (Famke Janssen) vom FBI, die ihn acht Jahre zuvor hinter Gitter gebracht hatte, ist ihm bereits auf den Fersen. Und zügig erfährt auch der ansässige Sheriff McCoy (Tyrese Gibson) auf der Insel, dass Dylan vom FBI gesucht wird.
Was steckt dahinter?
„Dangerous“ nimmt sich eine halbe Stunde Zeit, um ganz gemächlich ohne jede Action seine Hauptfigur und andere Personen vorzustellen und die Szenerie auf der Insel zu skizzieren. Spannung stellt sich dennoch ein, weil von Anfang an kleine Hinweise zu bemerken sind, die auf eine bedeutsame Angelegenheit hindeuten. Nach 30 Minuten wird klar, dass es um eine große Sache geht, als eine Gruppe schwerbewaffneter Gangster unter der Führung des ruchlosen Cole (Kevin Durand) die Insel erreicht und es sogleich zu einem Feuergefecht kommt. Die Rätselhaftigkeit bleibt dem Filmpublikum lange erhalten, weil auch nach einer Stunde nicht bekannt ist, was das Besondere an der Insel ist und wonach die Gangster suchen. Das Objekt der Begierde entstammt einer Legende aus dem Zweiten Weltkrieg, die ich zwecks Spoilervermeidung hier allerdings nicht nenne.
Die Konfrontation der Guten mit den Bösen läuft in bekannten Bahnen ab, das aber gut dosiert und versiert inszeniert. Nach und nach erfahren wir mehr über Dylan, seine dissoziale Persönlichkeitsstörung und seine Vergangenheit, die aus mehr besteht als nur einer Verurteilung wegen Mordes. Scott Eastwood („Cash Truck“), Sohn von Clint, zeigt sich einmal mehr als schauspielernder Actionstar, der uns Dylan trotz stoischer Mimik gut kennenlernen lässt und der Figur einige Facetten verleiht. Dabei nimmt der Film Dylans psychisches Problem bemerkenswert ernst, was sich in einigen durchdachten Details äußert, etwa wenn Dylan eine Beileidsbekundung auswendig lernt, weil er zu einer solchen emotionalen Geste nicht fähig ist, aber weiß, dass sie dazugehört.
Mel Gibson als Psychiater am Telefon
Altstar Mel Gibson fungiert eher als Running Gag und bringt etwas „Comic Relief“ ins fesselnde Geschehen. Ab und zu gelingt es Dylan, telefonisch Kontakt mit seinem Psychiater aufzunehmen, der ihn beschwört, weiterhin auf seinem guten Weg zu bleiben und niemanden mehr zu töten. Und das in einer Situation, in der es angebracht wäre, seine gnadenlosen Gegner zu töten. Das hat Witz. Die Nominierungen für die Goldene Himbeere 2022 für Eastwood als schlechtester Hauptdarsteller und Gibson als schlechtester Nebendarsteller sind mir völlig unverständlich.
Auch der oft als Schurke gebuchte Kevin Durand („The Attack“) kann als Pluspunkt verbucht werden, wohingegen Tyrese Gibson („Fast & Furious“-Reihe) und Famke Janssen („X-Men“-Reihe) keine besonders großen Parts ausfüllen. Immerhin bringen sie noch mehr Prominenz in die ohnehin illustre Besetzung. Selten, dass eine Direct-to-Video-Produktion mit so vielen Stars aufwartet.
Regiedebüt mit „Saw V“
Regisseur David Hackl ist kein großer Name im Geschäft, aber auch kein unbeschriebenes Blatt mehr. Sein Regiedebüt gab er 2008 mit „Saw V“, auf sein Konto geht unter anderem auch der gelungene Bärenhorrorfilm „Red Machine – Hunt or Be Hunted“ (2015). Mit „Dangerous“ legt Hackl gut nach – ein grundsolider Thriller mit gut dosierter Action und einigen originellen Einfällen. Welche bei „Die Nacht der lebenden Texte“ bislang nicht rezensierten Filme mit Scott Eastwood sind einen Blick wert?
Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Famke Janssen haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Kevin Durand, Scott Eastwood, Mel Gibson und Tyrese Gibson unter Schauspieler.
Veröffentlichung: 24. Februar 2022 als Blu-ray und DVD, 17. Februar 2022 als Video on Demand
Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dangerous
USA 2021
Regie: David Hackl
Drehbuch: Christopher Borrelli
Besetzung: Scott Eastwood, Kevin Durand, Famke Janssen, Tyrese Gibson, Mel Gibson, Brenda Bazinet, Ryan Robbins, Brendan Fletcher, Leanne Lapp, Chad Rook, Brock Morgan, Destiny Millns, Atlee Smallman, Jayce Barreiro, Al Miro, Emmanuel Addo
Zusatzmaterial: Featurettes zu Story (4:24 Min.), Besetzung (4:45 Min.) und Produktion (6:34 Min.), Behind-the-Scenes-Bildergalerie, deutscher Trailer, englischer Trailer, Trailershow
Label/Vertrieb: Koch Films
Copyright 2022 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2022 Koch Films







Rico Lemberger
2022/05/15 at 19:39
Texas Chainsaw 3D
Michael Behr
2022/05/15 at 11:50
Na ja, „Blick wert“ für Komplettisten ist am ehesten wirklich noch „Texas Chainsaw“.
Thomas Oeller
2022/05/14 at 19:37
„Flags of Our Fathers“ und „Invictus“
SmileySmile77
2022/05/13 at 20:41
Ich bin dann mal so ehrlich und gebe zu, dass ich bisher nur zwei seiner Filme gesehen habe und die wurden bereits besprochen. „Dangerous“ klingt aber interessant genug um auch meinen Namen in den Lostopf zu werfen.
Birgit
2022/05/12 at 16:35
Mir fehlt noch der Horrorfilm „Texas Chainsaw 3D“ (2013) bei den Rezensionen zu Scott Eastwood.
Samara
2022/05/11 at 11:19
Ich schließe mich den Vorgängern mit an bei Pacific Rim Uprising…
Klaus
2022/05/09 at 13:14
Mein Tipp ist „Invictus – Unbezwungen“, ein Film seines Vaters Clint von 2009.
Rüdiger Kwade
2022/05/09 at 10:02
„Mercury Plains – Wüstensöhne“ ein Film von Charles Burmeister aus dem Jahr 2016
Christoph Leo
2022/05/08 at 20:41
Ich würde auch Mavericks sagen, der war super
Björn Kramer
2022/05/07 at 11:12
Invictus und Texas chainsaw
Sven Plog
2022/05/07 at 10:36
Als Horrorfan sollte man natürlich trotz der Qualität Texas Chainsaw kennen;)
Ebenso ist als Guilty Pleasure Pacific Rim 2 zu nennen…
Frank Warnking
2022/05/07 at 08:38
Pacific Rim: Uprising
Imke
2022/05/07 at 15:46
Musste mich erstmal informieren wo er sonst noch so mitgespielt hat 😂 Back in Game klingt gut!
Und danke für die Infos Zweck Regisseur und Mel Gibson das wusste ich noch nicht!
Eva
2022/05/07 at 08:12
Pacific Rim: Uprising
Mavericks – Lebe deinen Traum
darthoedel
2022/05/07 at 07:57
„Back in the Game“ finde ich ist einen Blick wert.
Christoph Wolf
2022/02/17 at 15:19
Zur Frage, welche Filme mit Eastwood hier noch eine Besprechung verdienen:
Texas Chainsaw 3D – The Legend Is Back (John Luessenhop, 2013)