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Stay Alive – Tödliche Gier: Fataler Goldrausch im Zeichen des Fluchs

11 Mai

Stay Out Stay Alive

Von Volker Schönenberger

Horror // Eine Texteinblendung zu Beginn verrät, dass die Regierung während des kalifornischen Goldrauschs versuchte, die Yosemite-Region von indigenen Völkern zu säubern. Nachdem Soldaten seinen Sohn ermordet hatten, sprach Häuptling Tenaya vom Stamm der Ahwahnechee 1851 einen Fluch aus: You may kill me, but we will be within the rocks, the rivers and the winds. I will call to my people to avenge the death of their chief and his son. – Ihr könnt mich töten, aber wir werden inmitten der Felsen, der Flüsse und der Winde verweilen. Ich werde mein Volk auffordern, den Tod ihres Führers und seines Sohnes zu rächen. Angeblich beruht „Stay Alive – Tödliche Gier“ auf wahren Begebenheiten. Historisch ordnet sich der Fluch jedenfalls in den Mariposa-Krieg ein, der Teil des Kalifornischen Völkermords an den Ureinwohnern war.

Rangerin Susanna (l.) warnt die jungen Leute

Die Handlung von „Stay Alive – Tödliche Gier“ folgt fünf jungen Leuten, die im Yosemite-Nationalpark campen wollen: die beiden Pärchen Amy (Christina July Kim) und Kyle (William Romano-Pugh) und Bridget (Brie Mattson) und Reese (Brandon Wardle) sowie Bridgets Schwester Donna (Sage Mears). Die örtliche Rangerin Susanna (Barbara Crampton) warnt sie davor, die geschlossenen Goldminen zu betreten: „Stay Out Stay Alive“ (so der Originaltitel des Films). Doch schon am ersten Abend entfernt sich Donna allein von den anderen und stürzt in einen Minenschacht.

Wo ist Donna?

Am nächsten Morgen sorgen sich die anderen nicht besonders um ihre verschwundene Gefährtin. Zum Glück entdecken sie Donna durch Zufall, aber die junge Frau hat sich den Fuß unter einem Felsen eingeklemmt. Alle Versuche, sie zu befreien, schlagen fehl. Als Kyle und Reese in der Mine Gold finden, gerät die Clique in einen Goldrausch. Und dann ist da noch der Fluch von Häuptling Tenaya …

Für Bridget und Reese lässt sich der Ausflug romantisch an

„Stay Alive – Tödliche Gier“ erzählt etwas über – genau – Gier und den Verlust von Moral angesichts lockenden Reichtums. Die fünf jungen Leute sind uns allerdings von Anfang an nicht unbedingt sympathisch. Dass sie über den Goldfund in Streit geraten, kommt nicht unbedingt überraschend. Obendrein verhalten sie sich in der Wildnis so unvorsichtig, wie sich nur junge Leute in Horrorfilmen verhalten. Wer dieses Klischees müde ist, sollte den Film meiden. Wer dran bleibt, bekommt immerhin ein Psychogramm über Menschen in einer solchen Ausnahmesituation geboten, in der Überlebenskampf und die Sehnsucht nach Reichtum um die Oberhand ringen. Das übernatürliche Element spielt letztlich nur eine Nebenrolle, wenn auch eine bedeutsame.

Donna hingegen stürzt ab

Es überrascht, dass das Regiedebüt von Dean Yurke fast ohne visuelle Effekte auskommt, ist er seit Mitte der 1990er-Jahre doch hauptberuflich als „Digital Artist“ und „Digital Compositor“ für Hollywood-Großproduktionen tätig. Darunter sind so Blockbuster wie die „Fluch der Karibik“-Reihe, die „Star Wars“-Episoden I bis III und VII bis IX, „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ (2009), „Star Trek – Into Darkness“ (2013), „Avengers – Infinity War“ (2018), „Jurassic World – Das gefallene Königreich“ (2018) und „Black Widow“ (2019). Mit „Stay Alive – Tödliche Gier“ liefert Yurke nicht nur seine erste Regiearbeit ab, sondern auch sein erstes Drehbuch.

Immerhin Barbara Crampton!

Horror-Ikone Barbara Crampton („From Beyond – Aliens des Grauens“, „The Lords of Salem“) wertet die ansonsten austauschbare Besetzung merklich auf. Leider krankt „Stay Alive – Tödliche Gier“ an einer deutschen Synchronisation, die sich auf dem Niveau von Laienschauspiel und Daily Soaps befindet (die Originaltonspur lag mir zum Rezensieren nicht vor). Ein Phänomen, das bei nahezu allen Produktionen zu bemerken ist, die Tiberius Film für den deutschen Markt lizenziert. Bedauerlich, da es hierzulande trotz all der Häme, die unter deutschen Filmfans über das Label ausgeschüttet wird, einen Markt für das Segment niedrig budetierter Genrefilme gibt, den Tiberius an sich gut bedient.

In der Goldmine gerät die Clique aneinander

So drückt die deutsche Fassung die Bewertung für „Stay Alive – Tödliche Gier“ deutlich nach unten. Im englischen Original mag der Film besser funktionieren. Dafür spricht, dass er bei einigen Festivals Preise abgeräumt hat, etwa beim A Night of Horror International Film Festival 2020 im australischen Sydney den Jurypreis für die beste Regie, beim Action On Film International Film Festival 2019 in Las Vegas die Preise als bester Horrorfilm, bester Film und für die beste Nebendarstellerin Christina July Kim, beim Horror Hotel 2020 in Cleveland, Ohio, den Festivalpreis als bester Horrorfilm, beim Montevideo Fantástico 2019 in Uruguay den Festivalpreis als bester Film und beim Upstate NY Horror Film Festival 2019 in Rochester im US-Staat New York den Jurypreis als bester Horrorfilm. Nicht die klangvollsten Namen im Festivalzirkus, aber in der Zahl doch aussagekräftig. Eine Empfehlung für „Stay Alive – Tödliche Gier“ kann ich nur bedingt aussprechen, aber die Konsumentinnen und Konsumenten von Tiberius-Veröffentlichungen wissen vermutlich sowieso, worauf sie sich einlassen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Barbara Crampton haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Reese wird vom Goldrausch gepackt

Veröffentlichung: 3. Juni 2022 als Blu-ray und DVD, 19. Mai 2022 als Video on Demand

Länge: 83 Min. (Blu-ray), 80 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Stay Out Stay Alive
USA 2019
Regie: Dean Yurke
Drehbuch: Dean Yurke
Besetzung: Brie Mattson, Brandon Wardle, Sage Mears, Christina July Kim, William Romano-Pugh, David Fine, Barbara Crampton
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2022 Tiberius Film

 

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