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The Demolitionist – RoboCop für Arme

10 Jun

The Demolitionist

Von Volker Schönenberger

SF-Action // In Metro City steht eine Doppelhinrichtung an: Die berüchtigten Burne-Brüder sind wegen eines Massakers zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt worden. Doch da ihre Getreuen sogar den Hinrichtungsraum infiltriert haben, gelingt zumindest Mad Dog Burne (Richard Grieco) die Flucht. Bruderherz Little Henry (Randy Vasquez) übertreibt es mit dem Spielen an den elektrischen Stühlen, das kostet ihn das Leben.

Undercover – tot – auferstanden – Demolitionist!

Mad Dog kehrt zu seiner durchgeknallten Gang zurück, in die sich die Undercover-Ermittlerin Alyssa Lloyd (Nicole Eggert) eingeschlichen hat. Schnell enttarnt er die junge Frau, das kostet sie das Leben. Ihr Glück (wenn man es denn Glück nennen will): Sie wird Bestandteil des von Professor Jack Crowley (Bruce Abbott, „Der Re-Animator“) entwickelten Projekts „Lazarus“. Er holt sie von den Toten zurück und lässt in ihren Adern fortan Nanobots herumfleuchen, die ihre Regenerationsfähigkeit enorm steigern. Dazu noch etwas Training, fertig ist „The Demolitionist“ – eine Superpolizistin, die mit dem Verbrechen in Metro City aufräumen soll, um Bürgermeisterin Eleanor Grimbaum (Susan Tyrrell) die Wiederwahl zu sichern.

Regiedebüt von Robert Kurtzman

Paul Verhoevens „RoboCop“ (1987) stand natürlich Pate für „The Demolitionist“, auch Luc Bessons „Nikita“ (1990) mag als Inspiration für das Regiedebüt von Robert Kurtzman („Wishmaster“, 1997) gedient haben. Der Mann aus Ohio hat sich seit Mitte der 80er-Jahre als Schöpfer visueller Effekte und insbesondere Make-up-Effekte einen Namen gemacht. Auf den Regiestuhl setzte er sich lediglich für fünf Filme, 2010 war damit schon wieder Schluss. „The Demolitionist“ demonstriert, dass das wohl nicht die schlechteste Idee war. Der Streifen verströmt zwar Lust an der Übertreibung und wartet mit reichlich blutigen Schauwerten auf, im Gegenzug aber auch mit dümmlichen Dialogen und übertriebenem schauspielerischen Gehabe. Die Figur der Bürgermeisterin sei hier als besonders negativ hervorstechendes Beispiel genannt. Zu einem Oberschurken mit dem Namen Mad Dog passt Overacting natürlich gut, auf Dauer ermüdet es aber, Richard Grieco („Der Spion, der aus der Highschool kam“) dabei zuzusehen. Nicole Eggert, von 1992 bis 1994 in 44 Episoden Teil der „Baywatch“-Crew, darf als Demolitionist mit ihrem Schicksal hadern, was der Figur aber auch nicht viel Profil verleiht. Als Actionheroine überzeugt sie leidlich, an Peter „RoboCop“ Weller kommt sie in keinerlei Hinsicht heran.

Würde wenigstens die Action ein Feuerwerk entfachen, könnte man darüber hinwegsehen, aber in der Hinsicht gibt es nichts Beeindruckendes zu bestaunen. Insbesondere die wenigen Nahkampfszenen sind alles andere als State of the Art, da hatten die 90er mehr drauf. Geradezu sonderbar wirken Schusstreffer. An den Einschusslöchern in den Körpern und auf den Klamotten gibt es zwar optisch nichts auszusetzen, aber was hat den alten Effekthasen Kurtzman geritten, die Treffer mit pinkfarbenen, pulverigen Staubwolken aufzupeppen? Das sieht – es tut mir leid, das so schreiben zu müssen – einfach lächerlich aus. Es ist natürlich gewollt (sowas passiert wohl kaum versehentlich) und mag dem Willen nach einem Comic- oder Cartoon-Look des Films geschuldet sein, das macht es aber nicht besser.

Bekannte Namen in kleinen Rollen

In Nebenrollen und Kurzauftritten ist Genrefilm-Prominenz zu bemerken, so etwa Splatter-Effektguru Tom Savini, der ja gern auch mal schauspielert – als Sex Machine hat er in „From Dusk Till Dawn“ (1996) einen ikonischen Part im Nachtclub „Titty Twister“. In „The Demolitionist“ spielt Savini einen Getreuen Mad Dogs. Ebenfalls in dessen Entourage findet sich am Ende Bruce „Ash“ Campbell aus der „Tanz der Teufel“-Reihe ein. Als Boxer ist Joseph Pilato zu sehen, uns allen als fieser Captain Rhodes in „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“ (1985) in bester Erinnerung geblieben (Rhodes segnete darin übrigens in einer legendären, von Tom Savini erschaffenen Splatter-Sequenz das Zeitliche). In der Rolle der Nachrichtensprecherin Christy Carruthers tritt Heather Langenkamp („Nightmare – Mörderische Träume“) in Erscheinung. Mit Greg Nicotero als Punk in einem Fahrstuhl findet sich schließlich ein weiterer Make-up-Effekt-Großmeister in der Besetzung. Unter Kollegen hilft man sich offenbar, und bei der Zusammensetzung des Casts kamen Robert Kurtzman zweifellos seine vielen Kontakte aus der eigenen Effektarbeit zugute. Das bewahrt „The Demolitionist“ allerdings nicht davor, sich im Bereich der 90er-Action eher auf den hinteren Rängen einzuordnen.

Kult? Na ja …

Die Digi-Dreams-Studios haben den Streifen 2014 im Rahmen der Reihe „Platinum Cult Edition“ veröffentlicht, ein Jahr später in der „Classic Cult Collection“. Ob Platin oder klassisch – Kult ist hier gar nichts. Immerhin hat sich das Label mit dem Bonusmaterial Mühe gegeben, die Bildqualität des Films fällt aber nur so lala aus. Macht aber nichts, da „The Demolitionist“ ohnehin kein Film ist, den ich noch einmal schauen will.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tom Savini haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. Januar 2015 als Blu-ray und 2-Disc Edition DVD (Classic Cult Collection), 28. Februar 2014 als Blu-ray und 2-Disc Edition DVD (Platinum Cult Edition)

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Demolitionist
USA/KAN 1995
Regie: Robert Kurtzman
Drehbuch: Brian DiMuccio, Dino Vindeni
Besetzung: Nicole Eggert, Bruce Abbott, Susan Tyrell, Peter Jason, Sarah Douglas, Andras Jones, Heather Langenkamp, David Anthony Marshall, Richard Grieco, Tom Savini, Joseph Pilato, Randy Vasquez, Reggie Bannister, Nils Allen Stewart, Greg Nicotero, Bruce Campbell
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Robert Kurtzman, John Esposito und John Biscon, Making-of (13:34 Min.), Behind the Scenes (77:23 Min.), Interview mit Robert Kurtzman (17:34 Min.), Featurette (4:38 Min.), Storyboard-Zeichnungen (9:28 Min.), Produktionszeichnungen (1:59 Min.), Presskit (6:04 Min.), deutsche Presse (1:18 Min.), Artwork-Galerie (1:12 Min.), Slideshow (1:28 Min.), 2 Trailer (1:42 & 1:47 Min.), Wendecover, nur DVDs: Soundtrack-CD (44:14 Min.), nur Platinum Cult Edition: 8-seitiges Booklet, Sammelkarte, Schuber
Label/Vertrieb: VZ-Handelsgesellschaft mbH (Digi-Dreams-Studios)

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & untere Packshots: © VZ-Handelsgesellschaft mbH (Digi-Dreams-Studios)

 

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