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Beyond the Infinite Two Minutes – Cafébesuch mit Zeitschleife

21 Jun

Droste no hate de bokura

Von Andreas Eckenfels

SF-Komödie Spätestens seit den Marvel-Blockbustern „Spider-Man – No Way Home“ (2021) und „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ (2022), dem originellen Indie-Hit „Everything Everywhere All at Once“ (2022) und der Serienadaption von „Die Frau des Zeitreisenden“ (2022) nach dem Roman von Audrey Niffenegger sind die Themen Multiversum und Zeitreise wieder in aller Munde. Einen so großen Kosmos wie die genannten Beispiele macht der japanische Regiedebütant Junta Yamaguchi mit „Beyond the Inifinte Two Minutes“ (2020) nicht auf. Yamaguchi und Drehbuchautor Makoto Ueda beschränken sich auf ein Café und das darüberliegende Wohnhaus als Schauplätze, in denen die Protagonisten zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hin- und herpendeln.

Kato staunt: Sein Ich aus der Zukunft spricht mit ihm!

Das Publikum zeigte sich trotz der Simplizität vom Ergebnis begeistert: Beim Fantasy Filmfest 2021 wählten die Zuschauer und Zuschauerinnen die Science-Fiction-Komödie zum Gewinner des „Fresh Blood“-Awards für das beste Debüt. Das Werk erhielt ebenfalls die Zuschauerpreise beim Nippon Connection Film Festival 2021 in Frankfurt und Fantasia Film Festival 2021 im kanadischen Montréal. Ein echter Crowdpleaser also!

Blick in die Zukunft

Kurz vor Feierabend verabschiedet sich der Café-Besitzer Kato (Kazunari Tosa) von seiner Mitarbeiterin Aya (Riko Fujitani), um in seiner über dem Laden gelegenen Wohnung auf seiner Gitarre zu spielen, als er eine erstaunliche Entdeckung macht: Auf seinem Computermonitor erscheint er selbst und beginnt mit ihm zu sprechen. Der Kato auf dem Monitor erklärt dem Kato in seiner Wohnung nicht nur, wo er sein verschwundenes Plektrum wiederfindet, sondern auch, dass er sich zwei Minuten in der Zukunft befindet. Der im Café stehende Fernseher und der Computermonitor darüber sind offenbar auf mysteriöse Weise durch eine Zeitverschiebung miteinander verbunden. Kato kann es kaum glauben, eilt nach unten und sieht auf dem Fernseher sein Ich, wie er selbst vor zwei Minuten nach dem Plektrum sucht und beginnt mit ihm zu sprechen.

Auch Katos Freunde schauen in ihre Zukunft

Einige Freunde kommen ebenfalls vorbei, um dieses Phänomen genauer unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht lässt sich der Blick in die Zukunft auch für eigene Zwecke nutzen. Doch aus dem Spaß wird bald Ernst, als die Truppe zufällig ein Geldbündel erbeutet, das allerdings einem Kredithai gehört, der kurz darauf wütend mit einem Handlanger im Café steht.

Wenig Budget, lange Einstellungen

Gleich in den ersten Minuten von „Beyond the Inifinte Two Minutes“ fühlt man sich unweigerlich an ein anderes Low-Budget-Werk aus Japan erinnert, welches ein paar Jahre zuvor als Geheimtipp gehandelt ebenfalls einen internationalen Siegeszug angetreten hat: die Horrorkomödie „One Cut of the Dead“ (2017). Außer den geringen Produktionskosten und dem Herkunftsland haben beide Filme nicht nur den leicht überdrehten Humor und die sympathischen Figuren gemein, sondern auch den Inszenierungsstil: Während zumindest die erste Hälfte von „One Cut of the Dead“ in einer einzelnen, langen Einstellung gedreht ist und der Rest des Films auch ohne große sichtbare Schnitte auskommt, bestätigt Junta Yamaguchi im Bonusmaterial der Veröffentlichung der Busch Media Group, dass er seinen Zeitreise-Spaß aus mehreren „One Takes“ mit einer Länge von jeweils etwa zehn Minuten zusammensetzte. Bei einer kompakten Laufzeit von knapp 70 Minuten macht das also sieben Einstellungen. Dabei musste beim Dreh ebenfalls minutiös darauf geachtet werden, dass die zweiminütige Zeitverschiebung, die von der Geschichte vorgegeben sind, eingehalten wird. Dadurch waren zum einen die Darsteller teilweise gezwungen, ihre Dialoge schneller zu sprechen, zum anderen musste Drehbuchautor Makoto Ueda einige Zeilen zusammenkürzen. Mittendrin im Geschehen war Junta Yamaguchi auch als Kameramann gefragt, zeitweise drehte er auch mit einem Smartphone.

Von der Bühne zum Film

Bei „Beyond the Infinite Two Minutes“ handelt es sich um das erste Spielfilmprojekt der japanischen Theatergruppe „Europe Kikaku“, die in Kyoto beheimatet ist. Wie Makoto Ueda im Interview berichtet, wurde ein Großteil des Budgets per Crowdfunding finanziert. 376 Menschen spendeten über sechs Millionen Yen (etwa 42.000 Euro). Neben den festen Crew- und Ensemblemitgliedern wurde die Schauspielerin Aki Asakura („Fullmetal Alchemist“, 2017) verpflichtet. Gedreht wurde praktischerweise im Stammlokal der Truppe, dem Cafe Phalam in Kyoto. Uedas 2014 entstandener Kurzfilm „Hauringu“ (internationaler Titel: „Howling“) und eine Geschichte aus den „Doraemon“-Mangas von Fujiko Fujio lieferten die Vorlage.

Alle rätseln: Was steckt hinter der Zwei-Minuten-Zeitschleife?

Der sogenannte Droste-Effekt wird im Film ausführlich erklärt, um den Blick in eine mehr als zwei Minuten entfernte Zukunft zu rechtfertigen und auch der Schmetterlingseffekt darf natürlich nicht fehlen. Dass zudem das Raum-Zeit-Kontinuum ein fragiles Gebilde ist, davor warnte Doc Brown bereits seinen Schützling Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ (1985).

Spiel mit der Zeit

„Beyond the Inifinte Two Minutes“ macht es zu einer der zentralen Fragen, inwieweit das Individuum noch einen freien Willen besitzt oder besitzen kann, wenn seine Zukunft bereits bekannt ist. Aus dem anfänglichen Spaß mit dem Spiel mit der Zeit entwickelt sich zunehmend eine Zukunftsangst – die der Café-Besitzer Kato auf keinen Fall mehr mitmachen will. Früher hätte er schon unter anderem an die Prophezeiungen des Nostradamus oder der Mayas geglaubt – doch auf den Weltuntergang warte er noch immer. Das mache er nicht mehr mit. Außerdem drängt sich bei ihm zunehmend die Frage auf, woher er und seine Freunde sich überhaupt das Recht nehmen, mit der Zeit herumzupfuschen und auch Außenstehende hineinzuziehen.

Ein Kredithai und sein Handlanger sind sauer auf Kato & Co.

Das hört sich jetzt ernster an, als es ist – die Themen werden angeschnitten, aber der humorvolle Ton bleibt dabei stets erhalten. Schön, dass es nach „One Cut of the Dead“ ein weiterer kleiner Film aus Japan geschafft hat, überhaupt über Asien hinaus bekannt zu werden und das Publikum weltweit zu begeistern. Und dass, obwohl keine Stars dabei sind und Junta Yamaguchis Science-Fiction-Komödie die Theaterherkunft nicht ganz verbergen kann. Vielleicht sehnen sich die Zuschauer und Zuschauerinnen eben auch mal wieder nach solch einer bodenständigen Produktion, die ohne großes Effektgewitter auskommt und eine kompakte, gut durchgedachte Zeitreise-Geschichte mit einem spielfreudigen Ensemble erzählt, die einfach kurzweiliges Vergnügen bereitet.

Da überrascht es durchaus, dass Yamaguchi persönlich das Blockbuster-Kino bevorzugt. In einem Interview zählt er „Avengers – Endgame“ (2019), „Zurück in die Zukunft“ und „Tenet“ (2020) als seine Lieblings-Zeitreisefilme auf. Welche Zeitreisefilme sind eure Favoriten?

Veröffentlichung: 10. Juni 2022 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, limitiert auf 3.000 Exemplare) und DVD

Länge: 71 Min. (Blu-ray), 68 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Droste no hate de bokura
JAP 2020
Regie: Junta Yamaguchi
Drehbuch: Makoto Ueda
Besetzung: Kazunari Tosa, Riko Fujitani, Gôta Ishida, Masashi Suwa, Yoshifumi Sakai, Haruki Nakagawa, Yoshifumi Sakai, Haruki Nakagawa, Aki Asakura
Zusatzmaterial: Interview mit Regisseur Junta Yamaguchi (14:08 Min.), Making-of (18:28 Min.), Original-Kinotrailer (2:00 Min), deutscher Trailer (1:12 Min), Trailershow, nur Mediabook: 16-seitiges Booklet mit einem Text von Rouven Linnarz
Label: Busch Media Group
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2022 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Trailer & unterer Packshot: © 2022 Busch Media Group

 
 

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28 Antworten zu “Beyond the Infinite Two Minutes – Cafébesuch mit Zeitschleife

  1. Fabi

    2022/07/08 at 21:54

    Ich mag besonders „Donnie Darko“ und den 1960er „Die Zeitmaschine“. Aber Zeitreisethematik ist eigentlich immer interessant…

     
  2. Thomas Oeller

    2022/07/08 at 16:19

    Neben schon genannten, vor allem „Time Bandits“

     
  3. Rüdiger

    2022/07/06 at 06:52

    Einer von der lustigen Sorte „Täglich grüßt das Murmeltier“ und meine Favoriten „Der letzte Countdown“ (1980), „Das Philadelphia Experiment“ (1984) und der etwas jüngere „Edge of Tomorrow“ von 2014

     
  4. ninjamoehre

    2022/07/05 at 09:37

    Zurück in die Zukunft ist natürlich der beste Zeitreisefilm 👌

     
  5. Dominik

    2022/07/04 at 13:20

    Meine Lieblings Zeitreisefilme sind: Coherence, Groundhog Day and Interstellar.

    Danke für die Review und das Gewinnspiel. Der Film klingt sehr spannend!

     
  6. Jens

    2022/07/03 at 20:06

    Mein Favorit ist Zurück in die Zukunft einfach weil dies meine Kindheit war und ist am meisten in Erinnerung geblieben.

     
  7. Steffen

    2022/07/03 at 06:36

    Da wären zum einen die Klassiker, wie „Zurück in die Zukunft“, „Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ und „Star Trek: Der erste Kontakt“. Aber auch etwas weniger bekannte Filme wie „Timescape – Im Wettlauf gegen die Zeit“ oder „12:01“ finde ich richtig gut.

     
  8. Gantzu

    2022/07/02 at 11:49

    Donnie Darko und Edge of Tomorrow.

     
  9. K. Jensen

    2022/07/02 at 11:03

    „Die Zeitmaschine“ (der alte mit Rod Taylor), alle drei „Zurück in die Zukunft“-Filme und die ersten beiden „Terminator“-Filme sind für mich das Maß der Dinge.

     
  10. Ekmi

    2022/07/01 at 21:25

    Zurück in die Zukunft Bill und Teds verrückte Reise und Next liebe ich heiß und innig!

     
  11. Christoph Wolf

    2022/07/01 at 19:54

    Terminator (The Terminator, James Cameron, 1984), plus T2
    Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart (Star Trek IV: The Voyage Home, Leonard Nimoy,1986)
    Täglich grüßt das Murmeltier (Groundhog Day, Harold Ramis, 1993)
    Triangle – Die Angst kommt in Wellen (Triangle, Christopher Smith, 2009)
    Looper (Rian Johnson, 2012)
    Edge of Tomorrow (Doug Liman, 2014)
    Happy Deathday (Christopher Landon, 2017)
    Tenet (Christopher Nolan, 2020)

    Und als jemand, der ab und zu auch mal gerne richtigen Müll schaut:
    Time Breaker (Get Mean, Ferdinando Baldi, 1975)

     
  12. Lars

    2022/07/01 at 15:24

    Timeline und Déjà Vu sind meine Favoriten.

    LG

     
  13. Stefan Tieste

    2022/07/01 at 14:07

    Eindeutig „die Zeitmaschine“ mit Rod Taylor von 1960

     
  14. Yvonne Arndt

    2022/07/01 at 13:19

    THE HOUSE AT THE END OF TIME

    Dieser Zeitschleifen Film aus Spanien fand ich mega gut. Leider viel zu unbekannt.

    TIMECRIMES, war auch sehr interessant und wirr aber gut 👌😂

     
  15. Sarah

    2022/07/01 at 12:40

    Definitiv Zurück in die Zukunft I. Und -obwohl es nicht unbedingt ein Zeitreise-Film, sondern eher ein Dimensionsreise-Film ist- möchte ich hier noch „everything everywhere all at once“ nennen.

     
  16. Oliver Maey

    2022/07/01 at 12:37

    Einige die in den Kommentaren schon genannt wurden, daher als Ergänzung:

    Klassiker: Planet of the Apes
    80er B-Movie mit Fun Faktor: Trancers
    Anime: The girl who leaped time

     
  17. Björn Kramer

    2022/07/01 at 12:22

    Thrill seekers mit Casper Van dien , sharknado 6 und timecop 1+2

     
  18. Sascha

    2022/07/01 at 09:38

    Army of Darkness! Edge of Tomorrow – Live. Die. Repeat der war in Ordnung. Die Besucher und Just Visiting, beide mit Jean Reno, es gibt sogar noch einen dritten ähnlichen Film mit ihm.

     
  19. Dirk Busch

    2022/07/01 at 09:21

    Ich werfe mal Die Zeitmaschine…Edge of Tomorrow & den Terminator in den Ring. 🙂

     
  20. Christoph Leo

    2022/07/01 at 08:34

    Ich fand Time Crimes aus Spanien super, Zurück in die Zukunft und ich mag auch Der letzte Countdown

     
  21. Frank Warnking

    2022/07/01 at 07:57

    Zurück in die Zukunft
    Next

     
  22. Rico Lemberger

    2022/07/01 at 07:46

    Die Terminator-Reihe, Bill & Ted und (als Geheimtipp) Synchronic.

     
  23. Sven

    2022/07/01 at 07:31

    Ich werfe mal, das er ebenfalls auf dem Fantasyfilmfest lief, den leider sehr unbekannten Time Laps in den Raum.
    Auch mag ich bis heute Frequency sehr gerne 😉

     
  24. Denise Wolff

    2022/07/01 at 07:28

    „Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit“, „The Adam Project“, „Next“ und „The Time Machine“ gehören zu meinen Favoriten in diesem Genre. Natürlich auch „Zurück in die Zukunft“ und zuletzt „Tenet“.

     
  25. Eva

    2022/07/01 at 07:20

    Zurück in die Zukunft
    Terminator 2

     
  26. Jens

    2022/07/01 at 07:06

    „Zurück in die Zukunft“ ganz klar weit vorne. „Edge of Tomorrow“ fand ich sehr gut gemacht, ebenso „12 Monkeys“ sowie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ 🙂 Nicht zu vergessen „Doctor Who“

     
  27. Karim Aakef

    2022/07/01 at 06:50

    1. Die Zeitmaschine mit Rod Taylor
    2. Die Zurück in die Zukunft Trilogie mit Michael J. Fox
    3. Time Rider – Die Abenteuer des Lyle Swann mit Fred Ward

     
  28. Jens Albers

    2022/07/01 at 06:42

    Zu meinen Favoriten zählen da
    Bill & Ted (zumindest die ersten beiden Teile)
    Die Zeitmaschine
    Zurück in die Zukunft
    Und auch „The Adam Project“ hat mir zuletzt ganz gut gefallen.

     

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