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Doctor Strange in the Multiverse of Madness – Marvel und die Parallelwelten

25 Jul

Doctor Strange in the Multiverse of Madness

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Action // Irgendwo in einer Dimensionsebene zwischen den Universen kämpfen die junge America Chavez (Xochitl Gomezl) und Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) gegen eine dämonische Kreatur. Das Buch von Vishanti kann ihnen dabei helfen, aber es zu erreichen, erweist sich im Eifer des Gefechts als schwierig. Der Dämon gewinnt die Oberhand. Als sich ein Portal öffnet – erwacht Doctor Strange. Hat er alles nur geträumt?

Wanda Maximoff will die Welt wechseln

Die Hochzeit von Dr. Christine Palmer (Rachel McAdams) steht an, doch Strange bleibt kaum Gelegenheit, seiner Ex-Verlobten – widerwillig – nach der Zeremonie zu gratulieren: Das einäugige Monstrum Gargantos verwüstet die Straßen von New York City. Mit Unterstützung des obersten Zauberers Wong (Benedict Wong) gelingt es Doctor Strange, die riesige, tentakelbewehrte Kreatur unschädlich zu machen. Nebenbei retten sie America Chavez, die ebenso wie das Wesen aus dem Nichts aufgetaucht ist. Sie klärt Strange auf: Das Multiversum existiert! Chavez hatte mit einer Version von Doctor Strange aus einem anderen Universum gegen die Kreatur gekämpft. Die junge Frau kann Portale zwischen den einzelnen Universen öffnen und hindurchschlüpfen. Sie hat allerdings noch nicht gelernt, diese Fähigkeit zu kontrollieren.

Weil Strange auf Gargantos Hexenrunen entdeckt hat, kontaktiert er Wanda Maximoff alias Scarlet Witch (Elizabeth Olsen), um mehr darüber zu erfahren. Doch es stellt sich heraus, dass ausgerechnet sie darauf aus ist, America Chavez ihre Spezialfähigkeit auszusaugen. Die Scarlet Witch will sich unbedingt in ein Universum teleportieren, in welchem ihre Söhne Billy (Julian Hilliard) und Tommy (Jett Klyne) existieren.

Kein Problem für den MCU-Erstkontakt

Marvel (respektive Disney) ist seit jeher clever genug, jeden Beitrag zum Marvel Cinematic Universe (MCU) auch für sich allein funktionieren zu lassen, weil man sonst mit einem neuen Film kaum neues Publikum generieren könnte. Insofern kann man mit nahezu jedem Film in diese fantasievolle Welt einsteigen, weshalb also nicht auch mit „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“? Der zweite Film mit dem Doktor als Hauptfigur beginnt gleich rasant mit Actionsequenzen, die Stranges Fähigkeiten zur Geltung bringen. Zwischendurch ein paar ruhige Szenen mit Dialogen – schon hat man ihn kennengelernt.

Doctor Strange in der Rückschau

Andererseits schadet es nichts, wenn man mit Doctor Strange bereits ein wenig vertraut ist. Also erinnern wir uns: Am Ende von „Doctor Strange“ (2016) hatte die Titelfigur ihr Schicksal als oberster mystischer Wächter der Erde angenommen. In „Thor – Tag der Entscheidung“ (2017) half Strange dem nordischen Gott Thor (Chris Hemsworth), dessen Vater Odin (Anthony Hopkins) zu finden. Im Showdown von „Avengers – Infinity War“ (2018) kostete das Fingerschnippen von Thanos (Josh Brolin) Doctor Strange samt der Hälfte allen Lebens im Universum das Leben – zum Glück nicht endgültig, wie wir es in „Avengers – Endgame“ (2019) gewahr wurden. In „Spider-Man – No Way Home“ (2021) schließlich musste sich Doctor Strange erstmals mit den Tücken des Multiversums herumplagen, und dort dockt „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ zeitlich an. Ergänzt sei zudem, dass eine nicht ganz unbedeutende Vorgeschichte von Wanda Maximoff in der bei Disney+ ausgestrahlten Serie „WandaVision“ (2021) erzählt wurde. Wenn man diese kennt, wirkt Scarlet Witchs Wandel zur Antagonistin nicht ganz schlüssig.

Durchblick trotz Chaos

In unterschiedlichen Paralleluniversen des Multiversums geht es logischerweise unterschiedlich zu. Das kann schon an Verkehrsampeln beginnen, wie Doctor Strange bemerkt, als er bei Grün über die Fahrbahn gehen will. Und es setzt sich bei Begegnungen mit Superhelden fort, die uns vormals im „klassischen“ MCU noch nicht begegnet sind, beispielsweise auf der Erde Nummer 838 (die MCU-Erde der Ereignisse aller anderen Filme trägt die Nummer 616). Klingt verwirrend? Ist es aber gar nicht so sehr. Es ist den Drehbuchautoren des MCU hoch anzurechnen, dass es ihnen gelingt, die Geschichten samt der Vielzahl der darin auftauchenden Figuren so übersichtlich zu gestalten, dass man als herkömmlicher Kinogänger noch durchsteigt. Vordergründig scheint zwar Chaos Programm zu sein, dies kann man allerdings recht problemlos entwirren. Das kann man natürlich auch als Simplifizierung kritisieren – wenn man will. Wir wollen das einfach mal nicht. Jedenfalls bleibt die Einführung der einen oder anderen Parallelwelt unproblematisch. In einer Sequenz durchqueren Doctor Strange und America Chavez zwar etliche Universen in kürzester Aufeinanderfolge, das hat aber keine erzählerische Tiefe, sondern dient lediglich als visuelles Gimmick – ein sehr schönes visuelles Gimmick.

Apropos: Visuell bekommen wir das geboten, was wir aus dem Marvel Cinematic Universe gewohnt sind: perfekte Tricktechnik in überbordenden Bildern. Die Progatonisten und Antagonisten fuchteln mit Armen und Händen herum, schon bilden sich Schutzschilde, Feuerpeitschen, kleine und große Detonationskörper und weitere Mittel zum Zweck des Kampfes. Ein bisschen geht es auch in den Nahkampf. Die Schauwerte sind gegeben. All das schaut gut aus und ist von Regisseur Sam Raimis Lieblingskomponist Danny Elfman passend musikalisch untermalt (wie gewohnt mit kaum Unterbrechungen), aber die große Wow-Reaktion mag sich nicht mehr einstellen. Wir kennen diese Bilder eben schon zur Genüge.

Auftritt Bruce Campbell

Da wir gerade bei Sam Raimi sind: Dessen Buddy Bruce Campbell („Tanz der Teufel“ & Co.) darf nicht fehlen, ihm gönnt der Regisseur wie schon beispielsweise in Raimis drei „Spider-Man“-Filmen (2002, 2004, 2007) einen launigen Kurzauftritt. Diesmal gibt Campbell einen Pizzaverkäufer, der Doctor Strange übellaunig begegnet, woraufhin der seinem Gegenüber eine ganz schön gemeine Strafe angedeihen lässt. Wer hätte gedacht, dass der oberste mystische Wächter der Erde so fies sein kann?

Paralleluniversen

Paralleluniversen bilden ein fesselndes Gedankenspiel sowohl in der Kosmologie als auch in der Science-Fiction in Literatur und Film. „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ greift die Theorie durchaus faszinierend auf, verlässt die inhaltliche Beschäftigung damit aber bisweilen zugunsten bombastischer Action. Sam Raimi gelingt es immerhin, seiner Regiearbeit mit Leichtigkeit, Spaß und sogar ein paar Horrorelementen seinen Stempel aufzudrücken und sogar diverse „Tanz der Teufel“-Anspielungen und -zitate unterzubringen – kein einfaches Unterfangen angesichts der gigantischen Größe des Marvel Cinematic Universe. In zeitlicher Nähe zum Marvel-Abenteuer gelangte im Übrigen mit „Everything Everywhere All at Once“ (2022) ein Science-Fiction-Film mit Michelle Yeoh in die Kinos, der sich ebenfalls mit einem Multiversum befasste und dabei größere erzählerische und charakterliche Tiefe erlangte.

Am Ende von „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ wird wenig überraschend die Rückkehr des Titelhelden angekündigt. Dazu passt die obligatorische Midcreditszene, während die Endcreditszene lediglich Bezug auf eine vorherige Szene nimmt und keinen Vorboten eines kommenden Marvel-Films darstellt. Das Marvel Cinematic Universe bleibt natürlich dennoch eine Gelddruckmaschine.
Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sam Raimi haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Elizabeth Olsen unter Schauspielerinnen, Filme mit Bruce Campbell, Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor und Patrick Stewart unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 28. Juli 2022 als UHD Blu-ray (inkl. Blu-ray), Blu-ray und DVD

Länge: 126 Min. (Blu-ray), 122 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte u. a.
Originaltitel: Doctor Strange in the Multiverse of Madness
USA 2022
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Michael Waldron
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Elizabeth Olsen, Chiwetel Ejiofor, Benedict Wong, Xochitl Gomezl, Rachel McAdams, Jett Klyne, Julian Hilliard, Michael Stuhlbarg, Hayley Atwell, Anson Mount, Lashana Lynch, John Krasinski, Patrick Stewart, Sheila Atim, Adam Hugill, Bruce Campbell, Andy Bale
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Wie das Multiversum entstand, Der Wahnsinn hat Methode, Gestatten: America Chavez, Pannen vom Dreh, zusätzliche Szenen, Wendecover
Label/Vertrieb: Marvel Deutschland / Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Packshots & Trailer: © 2022 Marvel Deutschland / Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

 
 

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Eine Antwort zu “Doctor Strange in the Multiverse of Madness – Marvel und die Parallelwelten

  1. Massimo

    2022/08/03 at 17:28

    Danke für die Rezension.
    Ich persönlich habe den Film erwartet, da mir Teil 1 sehr gut gefallen hat. Leider hat er mich jedoch enttäuscht. Ich fand ihn zu wirr. Deswegen interessant von dir zu hören, dass er auch für MCU Neulinge geeignet ist. Ich werde wohl eine Zweitsichtung machen müssen.

     

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