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Shark Season – Angriff aus der Tiefe: Lernt The Asylum dazu?

02 Aug

Shark Season

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Eine junge Stand-up-Paddlerin (Lauren E. Hubbard) vertreibt sich vor Floridas Küste die Zeit im Ozean. Sie gerät ins Visier eines großen Weißen Hais. Ein kleiner Schubser genügt …

Ein erstes Opfer

Sarah (Paige McGarvin), ihr Ex-Freund Jason (Jack Pearson) und seine neue Flamme Meghan (Juliana Destefano) wollen ein paar Fotos mit Sarah als Model schießen. Statt des ursprünglich geplanten Ziels schlägt Jason eine etwas abgelegenere Felsformation vor, die ein Hurrikan kürzlich freigespült hat. Der Trip in ihren kleinen Kajaks dauert einige Stunden. Am Ziel angekommen, beginnt Jason umgehend, Sarah abzulichten. Alsbald geht es mit Unterwasserkamera ins Wasser, doch kurz darauf bemerkt die auf dem Fels verbliebene Meghan den übergroßen Haifisch, der sich unerbittlich nähert.

Gefräßig

Mal wieder Haifische von der Trash-Produktionsfirma The Asylum. Das lässt miese Dialoge, billigste Tricks und eine simple Story erwarten, und so kommt es dann auch. Insbesondere die üble deutsche Synchronisation schmälert den Filmgenuss doch ungemein. Die visuellen Effekte hingegen sind gar nicht mal so sehr als Ärgernis zu sehen wie befürchtet. Billig – ganz sicher; den CGI-Haien sieht man ihre Computerherkunft an, aber in einigen Sequenzen ist das gar nicht mal so schlecht geraten. Zwischendurch wurden auch Bewegtbildaufnahmen echter Haie hineingeschnitten (sogenanntes stock footage). Insgesamt wissen die Bilder zu gefallen, Farbgestaltung und Licht übertreffen die zugegeben niedrigen Ansprüche an billige Horrorfilme.

Die Fotosession läuft gut an

In puncto Story sind Abstriche dergestalt zu machen, als die Tour des Trios einfach arg unwahrscheinlich wirkt. Würde man mit drei Kajaks eine so weite Paddeltour unternehmen, bei der lange Zeit keinerlei Land in Sicht ist? Aber mit der Logik hat The Asylum seit jeher nicht viel am Hut. Wer sich entscheidet, einen Film dieser Produktionsschmiede zu schauen, wird wissen, worauf er sich einlässt. Dafür klappt es in diesem Fall sogar ausnahmsweise mal mit der Spannung. Klar, von der Dramaturgie von Steven Spielbergs Klassiker „Der weiße Hai“ (1975) ist „Shark Season – Angriff aus der Tiefe“ weit entfernt. Aber die Bedrohungs- und Angriffssequenzen funktionieren hier doch überraschend gut, zumal sie mit einiger Ernsthaftigkeit inszeniert sind.Speziell die beiden Mädchen gebärden sich bisweilen am Rande der Hysterie, was einige ihrer Entscheidungen und Verhaltensweisen negativ beeinflusst. Das haben anderswo Rezensenten kritisch angemerkt, aber Hand aufs Herz: Wer in kleinen Kajaks mitten auf See von großen Weißen Haien umkreist wird, kann schon mal hysterisch werden, nicht wahr? Wer in einer solchen Situation cool bleibt, werfe den ersten Stein.

Doch bald haben Sarah und Meghan ernste Probleme

Als Sarahs Vater James tritt Michael Madsen in Erscheinung, von „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ (1992) bis „Once Upon a Time in Hollywood“ (2019) gern von Quentin Tarantino besetzt (und nur bei ihm als die coole Sau inszeniert, die er ist). Sein bekannter Name dient natürlich als prominentes Zugpferd (auch wenn seine Rollenwahl Optimierungspotenzial hat). Immerhin hat er diverse Szenen, wenn auch nur am Telefon – von irgendwo auf dem US-Festland lässt James seine Kontakte spielen, um die Rettung seiner Tochter voranzutreiben. Madsen kommt allerdings auch die zweifelhafte Ehre zu, in einer Sprachnachricht an seine Tochter den dümmlichsten Text von sich geben zu dürfen: Einem Ich wollte dich etwas aufmuntern folgt die Warnung, dass aufgrund einer kommenden Springflut in wenigen Stunden alle Inseln in der Gegend, in der sich die Mädchen mutmaßlich aufhalten, überflutet sein werden. Welch Aufmunterung!

Etwas lauert im Wasser

Regie führte Jared Cohn, der im B- und C-Segment recht fleißig Genreware abliefert. Immer mal wieder schaffen es einige seiner Werke auch nach Deutschland, darunter „Little Dead Rotting Hood“ und „The Horde – Die Jagd hat begonnen“, beide von 2016. Cohn hängt sich mit „Shark Season – Angriff aus der Tiefe“ an „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (2016), wie nicht nur am deutschen Titelzusatz unschwer zu erkennen ist. Aber dass wir es mit einem gepflegten Mockbuster zu tun bekommen, kann man bei The Asylum erahnen.

Kann Daddy am Telefon helfen?

Es gibt beinharte The-Asylum-Sammler, die werden den Streifen bereits als Blu-ray oder DVD im Regal stehen haben. Wer die Geldausgabe scheut, kann „Shark Season – Angriff aus der Tiefe“ noch bis 21. August 2022 in der Mediathek des Privatsenders Tele 5 schauen, muss dabei allerdings etwas Werbung hinnehmen. Derlei Trash hat seine Fans ebenso wie seine Verächter. Für beides gibt es gute Gründe, weshalb sich auch „Shark Season – Angriff aus der Tiefe“ einer Wertung entzieht. Ich kann guten Gewissens weder abraten noch eine Empfehlung aussprechen.

Bietet das Kajak Sicherheit?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Madsen haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Sarah wehrt sich

Veröffentlichung: 9. Oktober 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Shark Season
USA 2020
Regie: Jared Cohn
Drehbuch: Mark Atkins
Besetzung: Paige McGarvin, Juliana Destefano, Jack Pearson, Michael Madsen, Lauren E. Hubbard, Nicholas Ryan, Josh Lovejoy, Ben Gelera, Eric Goldsmith, Christian Frazier, Dana Abed, Jack Pearson
Zusatzmaterial: keins
Label/Vertrieb: ‎ White Pearl Movies / daredo (Soulfood)

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2020 White Pearl Movies / daredo (Soulfood)

 
 

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Eine Antwort zu “Shark Season – Angriff aus der Tiefe: Lernt The Asylum dazu?

  1. Hans Schulte

    2022/08/02 at 15:46

    Schließe mich der Kritik von Volker voll und ganz an.
    Hat mich unterhalten.
    Obwohl ein Asylum-Film sehr ernsthaft und streckenweise nervenzerfetzend spannend. Kann nach Thrill durchaus mit „47 Meters Down“ mithalten, obwohl ander Örtlichkeit. Haifilme können die anscheinend The Asylum, denn auch ihr „Planet of the Sharks“ war überdurchschnittlich spannend.
    Bei „Shark Season“ fällt die extrem gute Bildqualität auf. Eine Schärfe und Auflösung, wie ich sie selten gesehen habe. Dazu Farben vom Feinsten. Angeblich mit ner GoPro gedreht. (?) Das Licht auch herrlich.
    Die Mädels machen ihre Rolle gut und ich hab um sie gebangt, besonders um die schöne Braune, weil die nicht die Tochter vom „Helden“ war und deswegen besonders gefährdet (Töchterlein überleben sowas fast immer). Der einzig bekannte Name ist Michael Madson, der als Vater der Blonden eine leichte Rolle hat. Er hat dazu anscheinend sein eigens Haus gar nicht verlassen, sondern die Asylum-Leute haben wohl einige Einstellungen mit ihm in seinem Zimmer gedreht. Er sitzt da nur rum und redet am Telefon. Er spielt von allen am schlechtesten. Man hat den Eindruck, daß er zum Spielen bereits zu alt ist.
    Aber der Film ist insgesamt gut: Note 2-

     

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