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Jurassic World – Ein neues Zeitalter: Die Heuschrecken kommen!

05 Aug

Jurassic World – Dominion

Von Volker Schönenberger

SF-Action-Abenteuer // Erinnern wir uns: Am Ende von „Jurassic World – Das gefallene Königreich“ (2018) waren die zu Auktionsobjekten erkorenen Dinosaurier freigekommen, auch der Velociraptor „Blue“ und sogar ein Tyrannosaurus Rex, der sich in irgendeinem Zoo sogleich mit einem Löwen anlegte. In der Postcredit-Szene waren drei Flugsaurier in Las Vegas gelandet. Vor dem US-Senat proklamierte der Wissenschaftler Ian Malcolm (Jeff Goldblum) ein neues Saurier-Zeitalter, auf das sich die Menschheit einstellen müsse, um zu überleben. Werden wir als dominante Spezies der Erde abgelöst?

Owen Grady – der Saurierflüsterer

Ganz so schlimm ist es vier Jahre später noch nicht gekommen. Aber Dinosaurier haben sich in dieser Zeit auf der Erde ausgebreitet, immer wieder kommt es zu mehr oder minder folgenschweren Begegnungen zwischen Menschen und Urreptilien. Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) bekämpft mit Zia Rodriguez (Danielle Pineda) und Franklin Webb (Justice Smith) illegale Saurier-Zuchtstationen. Ihr Lebensgefährte Owen Grady (Chris Pratt) jagt herumstreunende Saurier, um sie in Sicherheit zu bringen. Claire und Owen leben mit ihrer Ziehtochter Maisie (Isabella Sermon) in einer abgelegenen Hütte, um das geklonte Mädchen vor skrupellosen Forschern und Unternehmern zu schützen. Die Angst um das Mädchen erweist sich als berechtigt.

Bei Getreide sind Heuschrecken wählerisch

Der von Dr. Lewis Dodgson (Campbell Scott) geführte Gentechnik-Konzern Biosyn hat die gewaltige Aufgabe übernommen, Dinosaurier weltweit einzufangen und in ein Reservat in den Dolomiten zu transportieren. Gleichzeitig werden Teile der USA von überdimensionalen Heuschrecken heimgesucht, die das Getreide auf den Feldern vernichten. Überraschenderweise jedoch nicht die Getreidesorten von Biosyn …

Wiedersehen: Dr. Ellie Sattler und Dr. Alan Grant

Einmal mehr werden Saurierfans vorzüglich bedient. Zahlreiche der mal lieben, mal weniger lieben, mal kleinen, mal großen Tierchen laufen immer wieder durchs Bild oder werden in Gefangenschaft gezeigt. Die zweifellos vielköpfige CGI-Abteilung des Produktionsteams hatte alle Hände voll zu tun, all diese Kreaturen am Computer entstehen zu lassen – die eine oder andere herkömmlich hergestellten Requisiten (neudeutsch: Prop) und Animatronics mögen auch darunter sein. Die fleischfressenden Raubsaurier geben dabei natürlich Material für schweißtreibende Actionszenen her, speziell eine Sequenz mit Raptoren in den Straßen der maltesischen Hauptstadt Valletta etwa eine Stunde im Film bleibt in Erinnerung. Insgesamt hinterlassen die Dinosaurier in ihrer Vielzahl allerdings keinen bleibenden individuellen Eindruck. Sie sind austauschbare Gimmicks. Hier wäre es vielleicht die bessere Entscheidung gewesen, zwei oder drei Arten mehr Raum zur Entfaltung zu geben.

Laura Dern, Sam Neill und Jeff Goldblum

Fans der ersten Stunde der „Jurassic Park“-Filmreihe werden mit dem Paläontologen Dr. Alan Grant (Sam Neill), der Paläobotanikerin Dr. Ellie Sattler (Laura Dern) und natürlich Dr. Ian Malcolm bestens bedient. Das Trio befasst sich aber weniger mit den Urzeitreptilien, sondern untersucht die Heuschreckenplage. In dem Handlungsstrang dieser Viecher findet auch der Wissenschaftler Dr. Henry Wu (BD Wong) seinen Platz, den wir aus „Jurassic Park“, „Jurassic World“ (2015) und „Jurassic World – Das gefallene Königreich“ kennen. Er verkörpert den Zwiespalt der Forschung und ihrer Verantwortung: Welche ethischen und moralischen Grundsätze kann man über Bord werfen, um ein höheres Ziel zu erreichen? Wobei Ethik und Moral offenbar keine große Rolle spielen, wenn das Ziel die Erhöhung der Umsatzrendite eines Konzerns darstellt. Vorzüge und Gefahren beispielsweise der Gentechnik werden recht simpel abgehandelt. Von einem Blockbuster ist es vielleicht zu viel verlangt, das Thema ausgiebig differenziert zu betrachten; wenn aber am Ende die Gentechnik sogar die Rettung bringt, fällt das doch etwas arg unkritisch aus.

Futterneid

Ebenfalls erneut in Erscheinung tritt Omar Sy („Ziemlich beste Freunde“) als Barry Sembène, in „Jurassic World“ noch Assistent von Owen Grady beim Dressieren der Raptoren. Mittlerweile hat er es zu einem Ermittler der französischen Polizei gebracht, der gegen Saurierschieberbanden arbeitet. Neu eingeführt als bedeutsame Figur wird DeWanda Wise („The Harder They Fall“) als Kayla Watts, eine Glücksritterin und freischaffende Pilotin, die Menschen und Waren an Zielorte transportiert, ohne Fragen zu stellen, wenn der Preis stimmt. Ein wenig Han Solo steckt in ihr, so viel sei verraten. Erwähnt sei auch Ramsay Cole (Mamoudou Athie, „The Circle“), Leiter der Kommunikationsabteilung von Biosyn und wie Kayla Watts ebenfalls mehr als nur Staffage.

Claire Dearing in Not

Ich gestehe gern: Ich mag die gesamte Reihe, tatsächlich sogar jeden Film und so auch diesen. Aus Gründen, über die es sicher interessante Erkenntnisse gibt, faszinieren uns Menschen diese Tiere seit jeher, und so ist es auch bei mir. Den „Was ist Was“-Band „Dinosaurier“ aus meiner Kindheit habe ich lange Zeit in Ehren gehalten, und das Erlebnis „Jurassic Park“ im Spätsommer oder Herbst 1993 im Kino war grandios. Die Sichtungen der „Jurassic World“-Trilogie kommen an dieses Staunen natürlich nicht mehr heran, aber Freude bereiten sie mir dennoch.

Hollywood und seine Blockbuster-Franchises

Gibt es Anlass zur Kritik? Sicher dat! Blockbuster-Filmreihen leiden oft daran, dass die Fortsetzungen keine kreativen neuen Geschichten mehr erzählen und ihren Franchises keine neuen Aspekte mehr hinzufügen. Hier ist Bewährtes Trumpf, das lediglich in eine neue Form gegossen wird. Wir Filmzuschauerinnen und -zuschauer (oder wir Menschen allgemein) lieben nun mal das, was wir kennen, das machen sich die Filmindustrie im Allgemeinen und Hollywood im Besondern gern zunutze, so auch hier. Aber drauf gepfiffen, der nächste innovative Filmstoff kommt bestimmt (auch wenn die großen Reihen speziell in Hollywood sicher viel Kreativität binden und somit eher innovationsfeindlich sind, was das Erzählen großartiger neuer Geschichten angeht).

Auch Pilotin Kayla Watts und Owen Grady sehen der Gefahr ins Auge

Letztlich stellen wieder einmal Menschen die größere Bedrohung dar, dem schwarzmalerischen Ausblick Ian Malcolms am Ende von „Jurassic World – Das gefallene Königreich“ wird die Fortsetzung nicht gerecht, ein aus Menschheitssicht etwas apokalyptischeres Szenario hätte mehr hergegeben, denn letztlich hat sich am Verhältnis von Menschen zu Dinosauriern zum Ende des Films gegenüber dem Anfang nichts verändert. Der deutsche Zusatztitel passt hier sogar besser als der originale: „Ein neues Zeitalter“ ist tatsächlich angebrochen, nämlich eines, in dem Dinosaurier ihren Platz im Ökosystem der Erde beanspruchen. „Dominion“ allerdings bedeutet Herrschaft, doch um die Herrschaft einer Spezies über die andere geht es hier gar nicht, schon gar nicht darum, ob Dinosaurier uns Menschen ablösen. Schade drum (vielleicht wäre es für die Erde besser, aber das nur am Rande).

Einen Raptor bändigen – den Versuch ist es wert

Spannung in den Bedrohungs-Actionszenen wird auch diesmal nicht gerade feinfühlig erzeugt. Unmittelbar vor dem Zuschnappen der gewaltigen Kiefer gibt es für Heldinnen und Helden eben immer noch einen Ausweg. Aber schwamm drüber, wenn dabei ein paar schweißnasse Hände herauskommen, soll es uns recht sein. Ein paar mehr oder weniger geringe Unzulänglichkeiten fallen ins Auge. Dinosaurier bevorzugen eher warme Gefilde, da erscheint ein Refugium in den Dolomiten nicht gerade als beste Wahl. Auch der aus „Jurassic World – Das gefallene Königreich“ bekannte „Blue“ und sein Nachwuchs „Beta“ fühlen sich in einer eingeschneiten Gegend überraschend wohl. Abwechslung gegenüber den tropischen oder subtropischen Inseln der Vorgänger war wohl gewünscht. Wo wir gerade bei Kälte sind: Owen Grady ist hart im Nehmen – dass er gerade ins Eis eingebrochen und im bitterkalten Wasser untergetaucht ist, sieht man ihm kurz darauf schon gar nicht mehr an. Man friert ja auch nicht, wenn Klamotten und Haare wie von Zauberhand blitzschnell wieder trocknen. Wie sehr derlei kleine Fehler und Logiklöcher ins Gewicht fallen, liegt wohl im Auge des Betrachters.

Es kommt ein Extended Cut

„Jurassic World – Ein neues Zeitalter“ gibt vielen Fans, was sie wollen, und vielen Verächtern ebenfalls, was sie wollen (Futter zum Verächtlichmachen). Für beide Haltungen gibt es gute Gründe, wie ich als Rezensent mit dem Willen zu differenzierter Betrachtung feststelle und verargumentiere. Als Filmfan lehne ich mich zurück, lasse die Kritikpunkte außen vor und genieße das Spektakel. Das Ende ist rund und bildet an sich einen angemessenen Abschluss der Reihe, aber da die weltweiten Kinoeinnahmen mit mehr als 905 Millionen US-Dollar nahezu das Fünffache des Budgets von etwa 185 Millionen Dollar in die Kassen der Produktionsstudios gespült haben, war das sicher nicht das Ende der Fahnenstange. Konkrete Pläne über eine weitere Fortsetzung sind noch nicht ans Licht der Öffentlichkeit gedrungen, also warten wir es ab. Einstweilen bleibt abzuwarten, ob die im Juli 2022 von der FSK geprüfte Langfassung dem Film sinnvolle neue Elemente hinzufügt. Im Netz zu findende Zeitangaben deuten an, dass sich dieser Extended Cut womöglich in den Steelbook-Editionen findet, die für UHD Blu-ray und Blu-ray angekündigt sind.

Ob er Mundgeruch hat?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Laura Dern und Bryce Dallas Howard haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Jeff Goldblum, Sam Neill, Chris Pratt und Omar Sy unter Schauspieler.

Jäger und Beute

Veröffentlichung: 25. August 2022 als UHD Blu-ray im Steelbook, UHD Blu-ray, Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD sowie als UHD Blu-ray, Blu-ray und DVD jeweils als Teil der „Jurassic World Trilogie“ (mit „Jurassic World“ und „Jurassic World – Das gefallene Königreich“)

Länge: 160 Min. (Blu-ray, Extended Cut), 147 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 141 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Jurassic World – Dominion
USA/CHN/MAL 2022
Regie: Colin Trevorrow
Drehbuch: Emily Carmichael
Besetzung: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Laura Dern, Sam Neill, Jeff Goldblum, DeWanda Wise, Mamoudou Athie, Isabella Sermon, Campbell Scott, BD Wong, Omar Sy, Justice Smith, Danielle Pineda, Scott Haze, Dichen Lachman, Kristoffer Polaha, Caleb Hearon, Freya Parker
Zusatzmaterial: Schlacht am Big Rock, Dinosaurier unter uns: Inside „Jurassic World – Ein neues Zeitalter“, Eine neue Generation von VFX
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2022 Universal Pictures Germany GmbH

 
 

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Eine Antwort zu “Jurassic World – Ein neues Zeitalter: Die Heuschrecken kommen!

  1. Christoph Wolf

    2022/08/05 at 10:57

    Super Text zum Film, in dem ich mich total wiederfinde. Den „Was ist Was“-Band hatte ich auch, und auch bei mir war der lange heilig, den Moment 1993, als im ersten Teil zum ersten Mal die Sauropoden zu sehen waren ist ein absolut unvergesslicher Kinomoment gewesen. Hab den Film dann auch ca 10 Mal im Kino geschaut. Und auch dieser Satz “ Als Filmfan lehne ich mich zurück, lasse die Kritikpunkte außen vor und genieße das Spektakel.“ könnte von mir stammen.

     

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