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Zähl bis drei und bete – Von Integrität, Moral und der Gier nach Geld

08 Aug

3:10 to Yuma

Von Florian Schneider

Western // Nach einem Überfall auf eine Postkutsche und der Ermordung des Fahrers wird der Anführer der Räuberbande, Ben Wade (Glenn Ford), vom Marshal (Ford Rainey) der Kleinstadt Bisbee in Arizona gefangen genommen. Der Farmer Dan Evans (Van Heflin), Vater von zwei Jungen (Barry Curtis, Jerry Hartleben), steht nach einer langanhaltenden Dürre am Rande des Ruins. Um die 200 Dollar Prämie zu erhalten, die der Postkutschenunternehmer Butterfield (Robert Emhardt) jedem Mann anbietet, der bereit ist, Wade zum Weitertransport zur Bahnstation Contention City zu eskortieren, meldet er sich sofort freiwillig. Neben dem Geld treibt Evans auch sein schlechtes Gewissen an, war er doch, zusammen mit seinen Söhnen, untätiger Zeuge des Postkutschenüberfalls. Nun gilt es, den Söhnen zu beweisen, dass es dem Vater nicht an Mut mangelt. In Contention City angekommen, müssen Wade und sein unbestechlicher und sturer Aufpasser in einem Hotelzimmer warten, bis der Zug um 3:10 Uhr zum Yuma-Gefängnis eintrifft. Doch die Komplizen des Outlaws, angeführt von Charlie Prince (Richard Jaeckel), werden mit allen Mitteln versuchen, ihn zu befreien.

Ben Wade (2. v. l.) und seine Bande

So manches Mal ist es müßig, Original und Remake miteinander zu vergleichen, doch im Fall von „Zähl bis drei und bete“ (1957) und „Todeszug nach Yuma“ (2007) – beide im Originaltitel „3:10 to Yuma“ –, lohnt sich dieser Vergleich durchaus. So ist das Original von Regisseur Delmer Daves („Der gebrochene Pfeil“, 1950) trotz der damals im Western schon nicht mehr weit verbreiteten Schwarz-Weiß-Bilder ein früher Vertreter der Moderne – befindet sich zumindest durch die ambivalente Zeichnung der Protagonisten in der Schnittstelle zwischen klassischem und modernen Genrekino –, während das Remake von James Mangold („Cop Land“, 1997) ein prototypischer Vertreter der Postmoderne ist. Delmer Daves zeigt seine Innovationskraft bereits 1947, als er für das Drehbuch und die Regie von „Die schwarze Natter“ verantwortlich zeichnet. Das Besondere an diesem Film-noir-Klassiker liegt in der extensiven Verwendung der „subjektiven Kamera“, die dazu führt, dass Hauptdarsteller Humphrey Bogart die ersten 30 Minuten des Films nur als Blickquelle auf der Leinwand präsent ist.

Nach einer Erzählung von Elmore Leonard

Bei der Elmore-Leonard-Verfilmung „Zähl bis drei und bete“ weicht Daves nun das klassische Gut-Böse-Schema in Person des Bandenanführers Wade auf. Dieser zeigt sich durch die Standhaftigkeit des nur scheinbar moralfesten Farmers Evans zunehmend beeindruckt und stellt schließlich seine eigene Freiheit dem Schutz des anderen hintan. Doch auch Evans ist ein Getriebener, der sein Handeln dem eigenen Stolz unterwirft – bis hin zur potenziellen Tötung durch die Bande seines Gefangenen. Ein solches Handeln kann man durchaus als verantwortungslos bezeichnen, schließlich ist Evans Familienvater und damit existenziell notwendiger Versorger.

Ein Postkutschenüberfall …

Mangolds Version nimmt nun die Ambivalenz des Vorgängers auf, um sie, ganz in der Tradition der Postmoderne, bis ins Extrem zu verstärken. Wade, nun gespielt von Russell Crowe, ist anfänglich noch ein ganzes Stück skrupelloser und Evans (Christian Bale) leidet ein gutes Stück mehr unter seinem Kampf um den Existenzerhalt und vor allem um die Aufrechterhaltung von Stolz und Selbstwertgefühl. Damit verstärkt Mangold die Amplitude von anfänglicher Ablehnung hin zu dem wachsenden Respekt zwischen den Kontrahenten. In beiden Filmversionen besetzt der jeweils andere Protagonist eine eigene Sehnsucht und Leerstelle: die Freiheit des Outlaws und die Integrität des Familienvaters und Farmers. Welche der beiden Filmversionen man bevorzugt, ist natürlich, wie so oft, Geschmackssache. Festzuhalten gilt aber, dass „Todeszug nach Yuma“, außer der Verstärkung von Action, Gewalt und emotionalem Konflikt, dem Original nichts Neues hinzuzufügen hat. Welche Western-Remakes könnt Ihr empfehlen?

… durch Wades Bande endet fatal

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Delmer Daves haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Glenn Ford, Van Heflin und Richard Jaeckel unter Schauspieler.

Farmer Dan Evans (M.) hat eine heikle Mission übernommen

Veröffentlichung: 25. März 2021 als Blu-ray, 14. Oktober 2011 als DVD (Süddeutsche Zeitung Cinemathek), 3. Mai 2002 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: 3:10 to Yuma
USA 1957
Regie: Delmer Daves
Drehbuch: Halsted Welles, nach einer Story von Elmore Leonard
Besetzung: Glenn Ford, Van Heflin, Felicia Farr, Leora Dana, Henry Jones, Richard Jaeckel, Ford Rainey, Robert Emhardt, Sheridan Comerate, George Mitchell, Robert Ellenstein, Barry Curtis, Jerry Hartleben
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Wendecover
Label Blu-ray: explosive media
Vertrieb Blu-ray: Koch Films
Label/Vertrieb DVD 2011: Süddeutsche Zeitung GmbH
Label/Vertrieb DVD 2002: Sony Pictures Entertainment Deutschland

Copyright 2022 by Florian Schneider

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 explosive media

 
 

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32 Antworten zu “Zähl bis drei und bete – Von Integrität, Moral und der Gier nach Geld

  1. SmileySmile77

    2022/10/11 at 22:40

    Um nicht die bereits mehrmals genannten Titel zu wiederholen, werfe ich mal Takeshi Miikes „Sukiyaki Western: Django“ ins Spiel. Der ist anders als es der Titel vermuten lässt kein Remake des Klassikers von Sergio Corbucci, sondern zumindest ein halbes Remake von „Für eine Handvoll Dollar“.

     
  2. Dirk Busch

    2022/10/09 at 17:46

    Ich könnte mir in den Kommentaren ja Inspiration holen…aber persönlich sind mir nur Todeszug nach Yuma & Die glorreichen Sieben eingefallen & beide haben mich bestens unterhalten.

     
  3. Thomas Oeller

    2022/10/08 at 23:13

    „True Grit“ und „Die glorreichen Sieben“

     
  4. Birgit

    2022/10/07 at 09:42

    Gute Western-Remakes sind wirklich rar, eigentlich gefallen mir die Originale besser. Empfehlen möchte ich dennoch „The Alamo“ von 2004. Ist nicht so pathetisch wie das das Original von 1960 mit John Wayne.

     
  5. Maria

    2022/10/06 at 06:48

    Ich mag sowohl das Remake „Die glorreichen Sieben“ von 1960 als auch das Remake „Die glorreichen Sieben“ von 2016. 😉

     
  6. Christoph Leo

    2022/10/06 at 06:41

    Ich finde es sehr schwer und würde dann auch eher Maverick nennen. Alles andere hat mir wenig bis gar nichts als Remake gefallen.

     
  7. Marion Bußler

    2022/10/04 at 11:55

    Stagecoach und Maverick

     
  8. Adrian Lübke

    2022/10/04 at 11:52

    True Grit (habe ich sogar im Kino gesehen) und Todeszug nach Yuma

     
  9. Florian Deterding

    2022/10/03 at 09:27

    Mir fallen nur TRUE GRIT und DIE GLORREICHEN SIEBEN ein. Gar nicht so einfach.

     
  10. Ritschi

    2022/10/03 at 07:04

    (1) Fluch der Gewalt (Trooper Hook)
    (2) Die gebrochene Lanze (Broken Lance)
    (3) Ein Toter kommt zurück (Joe Dakota)

     
  11. Michael Behr

    2022/10/02 at 21:27

    Jenseits von „Die glorreichen Sieben“ fällt mir hier leider nichts ein.

     
  12. Matthias

    2022/10/02 at 17:02

    The Unforgiven

     
  13. Klaus

    2022/10/02 at 12:04

    Würde als Western-Remake „True Grit“ empfehlen.

     
  14. Gantzu

    2022/10/02 at 02:10

    Wild Wild West

     
  15. Hasret Alaz

    2022/10/01 at 16:23

    Die glorreichen Sieben

     
  16. Marion

    2022/10/01 at 16:10

    Die glorreichen Sieben Todeszug nach Yuma ist ein gutes Remake – aber das Original ist noch besser…

     
  17. Wilfried

    2022/10/01 at 15:14

    Die Glorreichen Sieben

     
  18. Ingo Grünewald

    2022/10/01 at 12:31

    Todeszug nach Yuma und True Grit landen oft im Player.

     
  19. Johannes C. Lenz

    2022/10/01 at 12:30

    Die glorreichen Sieben (2016)

     
  20. Sascha Klein

    2022/10/01 at 11:00

    Last Man Standing, True Grit war auch okay.

     
  21. Frank Warnking

    2022/10/01 at 08:13

    True Grit auf jeden Fall 🙂

     
  22. Andreas H.

    2022/09/30 at 16:56

    „Für eine Handvoll Dollar“ würde ich da nennen. Gibt tatsächlich in meinen Augen nicht so viele wirklich gute Western-Remakes.

     
  23. Lars

    2022/09/30 at 16:25

    Ich finde die „Glorreichen Sieben“ sind ein gelungenes Remake

    LG

     
  24. Björn Kramer

    2022/09/30 at 15:18

    Todeszug nach yuma

     
  25. Marco

    2022/09/30 at 11:09

    „Für eine Handvoll Dollar“. Das Western-Remake von „Yojimbo“ 🙂

     
  26. Jürgen Middeldorf

    2022/09/30 at 10:26

    Auf jeden Fall das Remake von True Grit.

     
  27. Oliver Maey

    2022/09/30 at 10:17

    – A fistful of dollars 1964 basierend auf Kurosawas Yojimbo von 1961
    – The magnificent seven 1960 basierend auf Kurosawas Seven Samurai von 1954
    – True Grid 2010 Remake von True Grid 1969

     
  28. Christoph Wolf

    2022/09/30 at 09:45

    Rio Lobo (1970), halte ich für eine Art Remake von Rio Bravo
    3:10 To Yuma (2007)
    True Grit (2010)

    Keiner der genannten ist aber so gut wie sein Original. Ansonsten hat Markus Tump Recht, wenn er schreibt:
    „[…] nimmt [man] fremde Genres hinzu, dann :
    – Für eine Handvoll Dollar
    und
    – Die glorreichen Sieben“

     
  29. Martin

    2022/09/30 at 09:21

    Das Remake von True Grit ist empfehlenswert! Während das Original mit John Wayne teilweise etwas naja behäbig daherkommt, beeindruckt das Remake mit dem üblichen Stil und Witz der Cohen Brüder.

     
  30. Marco Winnig

    2022/09/30 at 08:15

    Die glorreichen Sieben
    Todeszug nach Yuma

     
  31. Markus Tump

    2022/09/30 at 08:10

    Kein einziges.

    Außer man nimmt fremde Genres hinzu, dann :
    – Für eine Handvoll Dollar
    und
    – Die glorreichen Sieben

     
  32. Karim Aakef

    2022/08/16 at 06:15

    Hallo.. Ich kann kein einziges Remake wirklich empfehlen.. Todeszug nach Yuma ist ein guter Western, aber reicht nie und nimmer an das Original heran. Und Die glorreichen Sieben sind als Remake einfach nur der Rohrkrepierer.

     

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