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The Treacherous – Die 10.000 Konkubinen: Irrer koreanischer König auf den Spuren Caligulas

09 Aug

Gansin

Von Volker Schönenberger

Historien-Erotikdrama // Anfang des 16. Jahrhunderts bringen zwei Männer dem koreanischen König Yeonsangun (Kim Kang-woo) ein blutbeflecktes Kleid. Seine Mutter habe es getragen, als sie getötet wurde. Der zehnte König der Joseon-Dynastie des Königreichs Joseon richtet daraufhin ein Massaker an (es ging als einer der Gelehrtenpogrome in die Geschichte ein).

Konkubinentraining

Minister Im Soong-jae (Ju Ji-hoon) und sein Vater, Verteidigungsminister Im Sa-hong (Chun Ho-jin), bleiben verschont, weil sie das Vertrauen des Königs genießen. Im Jahr 1505 christlicher Zeitrechnung ernennt der Regent die beiden zu „Schönheitsrekrutierungsoffizieren“. Die Order lautet, ihm aus dem ganzen Reich 10.000 junge Frauen für seine fleischlichen Gelüste zu bringen. Damit eine von ihnen des Herrschers wahre Konkubine oder gar Gemahlin werden kann, werden sie alle einer strengen Ausbildung unterzogen – ihre Körper und insbesondere Geschlechtsorgane sollen den Vorlieben und der Lust des Königs optimal dienen können.

Metzgerstochter schleicht sich ein

Im Wettstreit um diese zweifelhafte Ehre schälen sich bald zwei Favoritinnen heraus: zum einen die Metzgerstochter Jo Jung-hwa (Lim Ji-yeon), die sich unter falschem Namen aus eigenem Antrieb eingeschlichen hat und an der Minister Im Soong-jae seinerseits Gefallen findet; zum anderen Seol Jung-mae (Lee Yoo-young) die ebenso wie ihre Konkurrentin verborgene Absichten hegt.

Minister Im Soong-jae ist ein rechter Intrigant

Keine Frage: „The Treacherous – Die 10.000 Konkubinen“ ist großes südkoreanisches Ausstattungskino. Kostüme und Kulissen präsentieren sich in durchdachten Bildkompositionen, bei denen keine Einstellung zufällig wirkt. Hier gibt es enorme Schauwerte zu bestaunen, garniert mit nackter Haut und Gewalt. Allerdings erweist sich Regisseur und Ko-Drehbuchautor Min Kyu-dong in der Hinsicht doch viel zurückhaltender als beispielsweise der italienische Skandalfilmer Tinto Brass. Dessen „Caligula – Aufstieg und Fall eines Tyrannen“ (1979) eifert das südkoreanische Historien-Erotikdrama klar erkennbar nach, doch mit der Zügellosigkeit von Tinto Brass wollte sich Min Kyu-dong letztlich doch nicht messen. Das wird insbesondere deutlich am Vergleich der Regenten: Kim Kang-woo verkörpert König Yeonsangun durchaus mit Charisma und vermittelt glaubwürdig den Wahn seiner Figur. Dem Irrwitz von Malcolm McDowells römischem Kaiser Caligula kann das aber zu keinem Zeitpunkt das Wasser reichen. Ob das in Südkorea für einen Skandalfilm reicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Hierzulande wirkt vieles recht harmlos, zumal die Kamera sowohl bei Sex als auch bei Gewalt in der Regel diskret abblendet, wegschwenkt oder mittels Perspektive allzu explizite Bilder vermeidet – ein paar kurze Ausnahmen bestätigen die Regel.

Jo Jung-hwa weckt seine Begierde

Die Story entfaltet sich etwas träge. Zwar wird das Massaker zu Beginn recht zügig und gewalthaltig inszeniert, in der Folge dauert es aber, bis die Zwangsrekrutierung und Ausbildung der 10.000 Konkubinen ihren Lauf nimmt. Die internationale Kinofassung hat in der Hinsicht Vorteile, weil sie schneller Fahrt aufnimmt. Die koreanische Langfassung hat dafür noch mehr Schauwerte zu bieten, wenn man davon absieht, dass einige explizitere Szenen darin zensiert worden sind, die in der Exportfassung wieder in voller Härte gezeigt werden. Obendrein weist die Langfassung über die gesamte Dauer des Films einen weiblichen Kommentar aus dem Off auf, während in der Exportfassung nur zu Beginn eine in dem Fall männliche Stimme erklingt. Nicht zuletzt aufgrund in der Exportfassung fehlender diverser Zeitlupen summiert sich der Zeitunterschied insgesamt auf 30 Minuten. Für die genauen Unterschiede beider Versionen sei auf den Schnittbericht verwiesen.

Mediabook mit Export- und Langfassung

Beide Fassungen finden sich im auf 2.000 Exemplare limitierten Mediabook der Busch Media Group. Es enthält zusätzlich zum Bonusmaterial auf den Discs (Auflistung siehe unten) ein 16-seitiges Booklet, in welchem sich der freie Journalist Marc Hairapetian ausführlich über „The Treacherous – Die 10.000 Konkubinen“ auslässt. Ein interessanter Text, zu Beginn mit vielleicht etwas zu viel Augenmerk auf „Caligula“ (obwohl sich der Vergleich nun mal aufdrängt). Das Lektorat/Korrektorat hätte etwas sorgfältiger ausfallen dürfen. Wer aufs etwas teurere Sonderformat Mediabook keinen Wert legt, kann auch auf Blu-ray oder DVD in herkömmlichen Softcases zugreifen, dann allerdings ohne die Langfassung.

Seol Jung-mae verfolgt ihre eigenen Ziele

„The Treacherous – Die 10.000 Konkubinen“ ist kein Skandalfilm. Die Objektifizierung der Darstellerinnen hält sich im Rahmen, das Leid der Frauenfiguren wird deutlich. Extravagantes, ästhetisches Ausstattungskino auf hohem visuellen Niveau mit einigen Abstrichen bei Tempo und Story. Welche fernöstlichen Historiendramen könnt ihr empfehlen?

Der irre König Yeonsangun

Veröffentlichung: 22. April 2022 als auf 2.000 Exemplare limitiertes 2-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays), Blu-ray und DVD

Länge: 131 Min. (Blu-ray, alternative Schnittfassung), 103 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gansin
KOR 2015
Regie: Min Kyu-dong
Drehbuch: Lee Yoon-seong, Min Kyu-dong
Besetzung: Ju Ji-hon, Kim Kang-woo, Lim Ji-Yeon, Lee Yoo-Young, Chun Ho-jin, Cha Ji-Yeon, Jo Han-chul, Song Young-Chang, Choi Il-hwa, Shim Eun-jin, Gi Ju-bong, Jang Gwang, Jeong In-gi, Jeong Man-sik
Zusatzmaterial: Making-of, Behind the Scenes, Interviews mit Regisseur und Cast, Featurette über die Charaktere, Originaltrailer, Teaser, nur Blu-ray und DVD: Wendecover, nur Mediabook: Deckblatt, 16-seitiges Booklet mit einem Text von Marc Hairapetian
Label: Busch Media Group
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 3er-Packshot: © 2022 Busch Media Group

 
 

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29 Antworten zu “The Treacherous – Die 10.000 Konkubinen: Irrer koreanischer König auf den Spuren Caligulas

  1. Thomas Oeller

    2022/10/02 at 11:50

    Da fallen mir nur „Ran“ und „Die sieben Samurai“ ein

     
  2. tim goeritz

    2022/10/01 at 17:51

    The Fortress

     
  3. Jens

    2022/09/30 at 19:22

    Three Kingdoms ist mein Favorit

     
  4. Imke

    2022/09/30 at 17:24

    Ich mochte Masquerade!

     
  5. Michael Behr

    2022/09/30 at 09:58

    Jenseits von „Die sieben Samurai“ ist mein Wissen hier leider sehr begrenzt. Wenn ich die Fragestellung etwas aufweiche und auf Dramen erweitere, die im fernen Osten spielen, würde ich noch „The Killing Fields“ nennen.

     
  6. Birgit

    2022/09/30 at 08:53

    Mein Tipp ist der südkoreanische Film „Masquerade“ von 2012.

     
  7. Fabi

    2022/09/29 at 18:33

    Ich fand „The Flowers of War“ ganz gut.

     
  8. Matthias

    2022/09/28 at 18:45

    Son Mektup

     
  9. Rico Lemberger

    2022/09/26 at 07:23

    The Fortress

     
  10. Stephan Lankenau

    2022/09/26 at 06:07

    Wirklich wieder top geschrieben, vielen Dank dafür .
    Es gibt sicher einige Vertreter in der Richtung , mir perdönlich gefällt Red Cliff von John Woo sehr gut.
    John Woo Mister Hard Boiled , der Meister der Zeitlupen Actionsequenzen , liefert hier ein Meisterwerk ab , was in der Zeit der drei Reiche ,208 nach Christus spielt
    Mit ca 80 Millionen Dollar die teuerste asiatische Film.
    Leider wurde der Film vom ursprünglich 280 min ( 2 teile)für den europäischen Markt auf 142 mon zusammen gestutzt.
    Der Film ist definitiv eine Sichtung wert auch in der Fassung .

     
  11. Gantzu

    2022/09/25 at 23:37

    Nirvana in Fire

     
  12. Bernd

    2022/09/25 at 16:16

    Der letzte Kaiser

     
  13. Kai

    2022/09/23 at 20:46

    Der Tod eines Teemeisters

     
  14. Hasret Alaz

    2022/09/23 at 18:34

    The rise of phoenixes
    Habe ich im Netflix gesehen. Es hat mir sehr gut gefallen.

     
  15. Pascal G.

    2022/09/23 at 18:28

    The last woman of Shang

     
  16. Björn Kramer

    2022/09/23 at 14:03

    Der letzte Kaiser

     
  17. Dirk Busch

    2022/09/23 at 10:51

    Ich kenne eigentlich nur die Südkoreanische Zombie Serie Kingdom,die aber im Historischen Gewand daher kommt.Hoffe,das zählt auch. 🙂

     
    • Volker Schönenberger

      2022/09/23 at 11:23

      Erstens ja, und zweitens weißt du ja, dass es bei dieser Art Fragen nicht um richtig oder falsch geht.

       
  18. Marco Winnig

    2022/09/23 at 10:45

    RAN
    Der fällt mir spontan ein

     
  19. Markus Tump

    2022/09/23 at 09:33

    „The last woman of Shang“

     
  20. Jens

    2022/09/23 at 09:29

    Der Tod eines Teemeisters

     
  21. Frank Warnking

    2022/09/23 at 09:15

    Palast der Schatten 🙂

     
  22. Herbert-Hartmut Kellermeier

    2022/09/23 at 08:36

    Der Tod eines Teemeisters

     
  23. Klaus

    2022/09/23 at 08:20

    Da möchte ich spontan den japanischen Klassiker „Die sieben Samurai“ von Akira Kurosawa (1954) empfehlen.

     
  24. Sascha Klein

    2022/09/23 at 07:05

    Der Kaiser und sein Attentäter

     
  25. Christoph Leo

    2022/09/23 at 06:49

    Ich würde, Der Kaiser und sein Attentäter, empfehlen. Hatte mir gut gefallen und ist schön ausgestattet.

     
  26. mario hahm

    2022/09/23 at 06:15

    Definitiv Ran von Kurosawa, der Fluch der goldenen Blume, Palast der Schatten , a Woman called abe sada . So richtig reine Drama sind es zwar alle nicht , aber denke das passt in etwa ins Schema.

     
  27. Jens Albers

    2022/09/23 at 04:49

    Ich glaube die Frage fehlt noch im Text. Hab jedenfalls keine gefunden.

    Ich empfehle aber trotzdem einfach mal blindlings, die halbwegs thematisch passenden Filme aus Japan „Im reich der Sinne“, „Tokyo Decadence“ und „Antiporno“

     
    • Jens Albers

      2022/09/23 at 07:01

      Oh, fernöstliche histierien Dramen also. Da möchte ich unbedingt einen empfehlen, den man, wenn man an ihn ran kommt und man keine Angst vor OmU hat, unbedingt im Directors Cut, der knappe 40 Minuten länger geht als die Kino Fassung, anschauen sollte. Hierbei meine ich den Film „Fearless“ mit Jet Li.

       

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