Swamp Thing
SF-Horror // Not long ago, in the unexplored reaches of an unmapped swamp, the creative genius of one man collided with another’s evil dream, and a monster was born. Too powerful to be destroyed, too intelligent to be captured, this being still pursues its savage dream. – Vor nicht allzu langer Zeit kollidierte in den unerforschten Läufen eines unkartierten Sumpfes das kreative Genie eines Mannes mit dem bösartigen Traum eines anderen, und ein Monster ward geboren. Zu stark, um zerstört zu werden, zu intelligent, um gefangen zu werden, folgt dieses Wesen weiterhin seinem wilden Traum. Im Anschluss an diese Texteinblendung zu Beginn von „Das Ding aus dem Sumpf“ (1982) setzt das „on location“ im Sumpf des Cypress Gardens im US-Staat South Carolina gedrehte Geschehen ein: Die Regierungsbeauftragte Alice Cable (Adrienne Barbeau) trifft per Helikopter in einer abgelegenen Forschungsstation in einem Sumpfgebiet ein. Sie soll dort planmäßig die Forschungsarbeit des jungen Naturwissenschaftlers Dr. Alec Holland (Ray Wise) und seiner Schwester Linda (Nannette Brown) überwachen. Die Hollands suchen nach Mitteln, Lebewesen das Überleben unter extremen Bedingungen zu ermöglichen. Derweil treibt sich in dem Gebiet im Auftrag von Anton Arcane (Louis Jourdan) ein paramilitärischer Trupp herum. Der schwerreiche Arcane hat großes Interesse an der Forschungsarbeit der Hollands und geht dafür über Leichen. Eine Kette fataler Ereignisse führt zur Entstehung einer furchterregenden Kreatur: Das Ding aus dem Sumpf ist da!
Langweilen tun wir uns mit „Das Ding aus dem Sumpf“ fürwahr nicht, gruseln allerdings auch nicht allzu sehr. Zu deutlich ist der Mann im Gummikostüm erkennbar, der die unglückliche Kreatur verkörpert. Dick Durock, so der Name des Darstellers, spielte sie auch in der Fortsetzung „Das grüne Ding aus dem Sumpf“ („The Return of the Swamp Thing“, 1989) sowie den 72 Episoden der von 1990 bis 1993 produzierten Fernsehserie „Swamp Thing“ (eine weitere Serie gleichen Titels überlebte 2019 nur zehn Folgen).
Erstmals tauchte das „Swamp Thing“ im Juli 1971 in einer Ausgabe des Comicmagazins „House of Secrets“ von DC Comics auf. 1972 erhielt es seine eigene Reihe (die Veröffentlichungshistorie ist hier nachzulesen).
Louis Jourdan als Oberschurke
„Das Ding aus dem Sumpf“ wartet mit nostalgischem Charme auf, wovon es mehr zu bieten hat als Horror und Science-Fiction. Das wissenschaftliche Element dient lediglich dem Zweck, die eine oder andere monströse Kreatur zu erschaffen und einen Konflikt zwischen Gut und Böse heraufzubeschwören. Dieser Konflikt soll uns das Fürchten lehren, das gelingt aber nur leidlich. Immerhin wird einiges an Action aufgefahren, wenn auch nicht in ausuferndem Maße, und Adrienne Barbeau („The Fog – Nebel des Grauens“, „Die Klapperschlange“) arbeitet sich an ihrem Ruf als Horror-Ikone ab. Mit Louis Jourdan tritt obendrein ein versierter Franzose als Antagonist Anton Arcane in Erscheinung, der ein Jahr später in „James Bond 007 – Octopussy“ (1983) erneut einen Oberschurken verkörpern durfte. Jourdan adelt „Das Ding aus dem Sumpf“, auch wenn er im Endeffekt recht wenig Leinwandpräsenz hat. Als Arcanes Mann fürs Grobe Ferret ist David Hess zu sehen, der mit seiner Rolle als Vergewaltiger in Wes Cravens „The Last House on the Left – Das letzte Haus links“ (1972) bekannt geworden war.
Bleibt Ray Wise. Der am 20. August 1947 in Akron im US-Bundesstaat Ohio Geborene hat in „Das Ding aus dem Sumpf“ ebenfalls wenig Leinwandpräsenz. Er gibt Dr. Alec Holland als enthusiastischen Wissenschaftler, der ein erfreuliches Forschungsereignis kurzerhand zum Anlass nimmt, leidenschaftlich mit Alice Cable zu knutschen, die er erst kurz zuvor kennengelernt hat. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden wird in der Folge noch wichtig, wird aber viel zu kurz eingeführt, um glaubhaft zu wirken oder gar dem „Ding aus dem Sumpf“ mehr Tragik zu verleihen.
Ray Wise und „Twin Peaks“
Im selben Jahr hatte Wise auch einen kleinen Part in Paul Schraders Horror-Remake „Katzenmenschen“ (1982). Es bleibt in Film und Fernsehen eine ganze Weile bei Nebenrollen, bis er 1987 in Paul Verhoevens „RoboCop“ als Gangster auf sich aufmerksam machte – zwar auch „nur“ eine Nebenrolle, aber eine markante. Es folgte der Ruhm von David Lynchs Mysteryserie „Twin Peaks“ (1990 – 1991 + 2017) nebst der 1992er-Kinofortsetzung, in denen Wise als Vater des Mordopfers Laura Palmer zu sehen ist. Seitdem kann er sich über einen Mangel an Rollen nicht beklagen. Dabei fühlt sich Ray Wise dem Horrorgenre und speziell auch dessen Niederungen in Treue verbunden, wie Filme wie „Sirene I – Mission im Abgrund“ (1990), „Armee der Zombies“ (1993) und „Big Ass Spider!“ (2013) hinlänglich belegen. Auch gegen eine gute Portion Augenzwinkern hat er nichts einzuwenden, siehe beispielsweise „How to Catch a Monster – Die Monsterjäger“ (2014) und „Night of the Living Deb“ (2015) Tipp: In „Dead End“ (2003) spielt er einen Familienvater, der mit seinen Lieben zu Weihnachten eine vermeintliche Abkürzung nimmt und in einen tödlichen Albtraum gerät. Und sogar den Leibhaftigen durfte er schon mal verkörpern: in den 31 Folgen der Serie „Reaper – Ein teuflischer Job“ (2007–2009). Das diabolische Grinsen dafür hat er jedenfalls drauf. Am 20. August 2022 feiert Ray Wise seinen 75. Geburtstag.
„Das Ding aus dem Sumpf“ mag die Verfilmung eines Comics der frühen 70er-Jahre sein, kann aber nicht verleugnen, dass sich Regisseur und Drehbuchautor Wes Craven („Hügel der blutigen Augen“, „Nightmare – Mörderische Träume“) auch vom Monster- und Science-Fiction-Horror der 50er-Jahre inspirieren ließ. Speziell Jack Arnolds „Der Schrecken vom Amazonas“ (1954) und dessen Fortsetzung „Die Rache des Ungeheuers“ (1955) seien hier genannt. An Wes Cravens Glanztaten wie „Die Schlange im Regenbogen“ (1988) und „Das Haus der Vergessenen“ (1991) kommt „Das Ding aus dem Sumpf“ nicht heran, wirkt dafür doch zu unausgegoren. Für einen angenehm nostalgischen 80er-Horrorabend reicht es aber allemal, auch wenn der deutlich weniger brutal ausfällt, als sich manch Horrorfan erhoffen wird.
Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Wes Craven haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Adrienne Barbeau unter Schauspielerinnen, Filme mit Ray Wise in der Rubrik Schauspieler. Die Reihe „Horror Cult Uncut“ von Twentieth Century Fox Home Entertainment haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.
Veröffentlichung: 29. März 2018 als Blu-ray und DVD, 11. Januar 2013 als DVD der Reihe „Horror Cult Uncut“, 6. Oktober 2003 als DVD
Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Swamp Thing
USA 1982
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Wes Craven
Besetzung: Louis Jourdan, Adrienne Barbeau, Ray Wise, David Hess, Nicholas Worth, Don Knight, Al Ruban, Dick Durock, Ben Bates, Nannette Brown, Reggie Batts, Mimi Craven, Tommy Madden
Zusatzmaterial: Originaltrailer, nur 2018: Trailer „Amityville Horror“ (2005), Bildergalerie, nur 2018 und 2013: Wendecover, nur Blu-ray: Filmografien Wes Craven, Ray Wise, Adrienne Barbeau, Louis Jourdan
Label/Vertrieb 2013: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Label/Vertrieb 2003: MGM
Copyright 2022 by Volker Schönenberger
Blu-ray-Packshot: © 2018 NSM Records, DVD-Packshot: © 2003 MGM, Szenenfotos: Fair Use






