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The Phone – Anruf aus der Vergangenheit

13 Sept

Deo Pon

Von Volker Schönenberger

SF-Actionthriller // Rechtsanwalt Ko Dong-ho (Son Hyeon-ju) erhält seit einiger Zeit Morddrohungen, die er jedoch abtut. Liegt es an den brisanten Fällen, die er vor Gericht vertritt? Erst kürzlich hat er eine Tätigkeit bei einem Pharmakonzern angenommen, ist nach einem erfolgreichen Rechtsstreit sogar zum Leiter der Rechtsabteilung ernannt worden. Seine Ehefrau Jo Yeon-soo (Eom Ji-won) nimmt die Morddrohungen ernster als Dong-ho – und die Ärztin behält auf grausame Weise recht: Als der Jurist nach einem Umtrunk mit seiner Abteilung nach Hause kommt, findet er Yeon-soo ermordet auf. Ein schwerer Schlag für Dong-ho und seine halbwüchsige Tochter Ko Kyung-rim (No Jeong-ee).

Rechtsanwalt Ko Dong-ho erhält Anrufe aus der Vergangenheit

Exakt ein Jahr später, am 16. Mai 2015, erhält Dong-ho einen Anruf. Am Apparat: seine Ehefrau! Als der Rechtsanwalt begreift, dass Yeon-soo ihn vom 16. Mai 2014 wenige Stunden vor ihrer Ermordung aus anruft, warnt er sie – sie dürfe nicht nach Hause fahren.

Der Killer steht vor der Tür

Ein Telefonat mit der Vergangenheit respektive Zukunft – die Erklärung dafür liefern kurze Nachrichtenbeiträge in beiden Zeitebenen: Sonneneruptionen verursachen technische Störungen und Anomalien, auch in der Telekommunikation. Frequenzen geraten durcheinander. Apropos Frequenzen: In „Frequency“ (2000) nimmt ein Polizist (James Caviezel) über ein Amateurfunkgerät Kontakt mit seinem vor Jahrzehnten verstorbenen Vater (Dennis Quaid) auf. Die Hinweise, die der Sohn aus der Zukunft seinem Vater in der Vergangenheit gibt, verändern den Lauf der Dinge, was der Polizist unvermittelt an seinem Dasein in seiner Gegenwart bemerkt. Und so ist es auch in „The Phone“, was den Gedanken nahelegt, dass der südkoreanische Drehbuchautor und Regisseur Kim Bong-joo den Hollywoodfilm kennt und sich davon zu seiner Variation inspirieren ließ. Der SF-Thriller markiert seinen ersten und bislang einzigen Kinofilm. Sechs Jahre später inszenierte er die zwölf Episoden der in Deutschland bislang unveröffentlichten Mysteryserie „Dark Hole“ (2021).

Ko Dong-ho muss flüchten …

Geschickte Schnitte vermitteln dem Filmpublikum von „The Phone“ die Auswirkungen, die eine Veränderung des Geschehens im Jahr 2014 auf 2015 haben. Gehen etwa Schalen, Vasen und ein ganzes Regal zu Bruch, die beim ursprünglichen Ablauf der Mordtat unversehrt geblieben sind, so verschwinden sie im Jahr 2015 vor den Augen von Ko Dong-ho. Das ist clever inszeniert, als Zuschauer begreift man es zügig. Anfangs sieht sich der Rechtsanwalt zwangsläufig mit der Herausforderung konfrontiert, seiner Ehefrau glaubhaft zu machen, dass er tatsächlich aus der Zukunft anruft. Seine Hinweise sorgen schnell für Veränderungen der Ereignisse. Aber nicht jede Veränderung zieht erfreuliche Folgen nach sich, wie wir es beispielsweise aus dem Film „Butterfly Effect“ (2004) mit Ashton Kutcher kennen und wie auch Dong-ho schnell merken wird. Irgendwann riecht der Mörder Do Jae-hyun (Bae Sung-woo) Lunte, dass etwas faul ist im Staate Dänemark, Verzeihung: Südkorea. Das führt zu einigen Wendungen und fesselnden Ereignissen, auf deren innere Logik und bisweilen auch fragwürdige Logik man sich einlassen muss.

… und erhält Unterstützung von einer Kollegin

Auch das Hohelied auf die Familie kommt nicht zu kurz. Dem Juristen war seine Karriere stets wichtig, und den abendlichen Umtrunk mit den Kolleginnen und Kollegen hat er nur zu gern ausgedehnt, statt nach Hause zur Gemahlin zu eilen. Das Jahr nach ihrem Tod hat ihn umdenken lassen, und nun erhält er unverhofft Gelegenheit, den Lauf des Schicksals zu ändern. Dieser familiäre Aspekt hat Identifikationspotenzial, sodass wir mit Ko Dong-ho mitfiebern und für ihn und seine Frau darauf hoffen können, die beiden wieder vereint zu sehen, obwohl er uns anfangs eher kaltgelassen hat.

Das südkoreanische Kino seit „Shiri“

Seit „Shiri“ (1999) beglückt uns das moderne südkoreanische Kino mit einem nicht enden wollenden Strom hochkarätiger Filme, insbesondere Thriller. Dabei fallen offenbar etliche Produktionen durchs Raster westlicher Filmverleihe und Heimkino-Publisher. Seit einiger Zeit spürt die Busch Media Group diese Werke vermehrt auf und veröffentlicht sie hierzulande auf Blu-ray und DVD (auch Plaion Pictures, vormals Koch Films, tut sich in der Hinsicht hervor). Der Seuchenschocker „Contamination – Tödliche Parasiten“ (2012), der Cop-Thriller „A Hard Day“ (2014), das Historien-Erotikdrama „The Treacherous – Die 10.000 Konkubinen“ (2015), der Katastrophenfilm „Tunnel“ (2016) sowie die Actionthriller „The Outlaws“ (2017) und „Believer“ (2018) seien beispielhaft genannt. Als Verleih brachte Busch mit „Pandemie“ 2020 sogar eine Produktion von 2013 in die hiesigen Kinos, auch wenn es in dem SF-Thriller gar nicht um eine Pandemie ging, sondern um eine Epidemie.

Kann Jo Yeon-soo …

Wie gewohnt hat das Label „The Phone“ eine ansprechende Mediabook-Veröffentlichung angedeihen lassen, die den SF-Thriller als Blu-ray und DVD enthält. Im Booklet lässt sich der Autor Heiko Thiele über den Film, den Regisseur und die Besetzung aus. Der Preis des Mediabooks bewegt sich im moderaten Bereich um 22 Euro. Wem auch das für einen Film zu viel ist, der kann auf Blu-ray und DVD in herkömmlicher Verpackung zugreifen. Es lohnt sich! „The Phone“ reiht sich nahtlos in diese Reihe enorm spannender Werke aus Südkorea ein. Weiter so! Aber welche südkoreanischen Filme vor 1999 sind zu empfehlen?

… dem Mörder entrinnen?

Veröffentlichung: 5. August 2022 als auf 2.000 Exemplare limitiertes 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Deo Pon
KOR 2015
Regie: Kim Bong-joo
Drehbuch: Kim Bong-joo
Besetzung: Bae Sung-woo, Son Hyeon-ju, Lim Il-gyu, Jang In-sub, No Jeong-ee, Eom Ji-won, Kim Jong-goo, Kim Chul-moon, Anupam Tripathi
Zusatzmaterial: internationaler Trailer (OmeU), Trailershow, nur Blu-ray und DVD: Wendecover, nur Mediabook: Deckblatt, 16-seitiges Booklet
Label: Busch Media Group
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 3er-Packshot: © 2022 Busch Media Group

 
 

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15 Antworten zu “The Phone – Anruf aus der Vergangenheit

  1. Bernd D.

    2022/11/27 at 20:04

    Ich empfehle den Film Crocodile.

     
  2. Nicole A.

    2022/11/27 at 20:03

    Ich kann „The quiet family“ empfehlen.

     
  3. Thomas Oeller

    2022/11/26 at 23:58

    Spontan eingefallen sind mir nur Filme nach 2000, nach etwas Recherche kenn ich doch zumindest einen glaub ich (vielleicht aber auch nur einen anderen Teil der Reihe): Whispering Corridors

     
  4. Birgit

    2022/11/24 at 11:23

    Dazu fällt mir lediglich „Crocodile“ von 1996 ein. Der lief vor Jahren mal im TV, ansonsten kenne ich eigentlich auch nur Produktionen seit den 2000er Jahren.

     
  5. Falko

    2022/11/24 at 04:05

    Die Komödie The Quiet Family aus dem Jahre 1998

     
  6. Frank Hillemann

    2022/11/21 at 19:55

    Leider bin ich bei südkoreanischen Filmen von vor 1999 überfordert. Und googeln ist schummeln.

     
  7. Klaus

    2022/11/21 at 12:24

    Mit südkoreanischen Filmen vor 1999 tue ich mich auch sehr schwer. „Spring in my Hometown“ von 1998 wäre aus meiner Sicht zu nennen.

     
  8. Kevin Richter

    2022/11/21 at 11:49

    Spontan und ohne zu googlen würde mir da so keiner einfallen aus diesen Jahrgängen. Aber ich nehme Karate Tiger 4 – Best of the Best. Zumindest spielen dort Süd Koreaner mit 😂🤘 Und Mega ist der Film dazu auch noch👌

     
  9. Steffen

    2022/11/20 at 06:00

    Puh… Da muß ich leider passen. Ich kenne zwar genug gute südkoreanische Filme, aber keinen von vor 1999.

     
  10. Bettina Osterbeck

    2022/11/19 at 15:27

    Tja, ich würde ja jetzt gerne einen Film schrieben. Aber das wäre gegoogelt u d somit gelogen. Ich weiß keinen der vor 1999 gedreht wurde.

     
  11. Michael Behr

    2022/11/19 at 13:05

    Wenn ich meiner Sammlung im DVD Profiler glauben kann, dann besitze ich genau einen einzigen koreanischen Film, der aus dem letzten Jahrtausend stammt. Für Fans kann man den sogar empfehlen, aber nur mit dickem Augenzwinkern und gaaaaaanz großer Fanbrille: „Yongary“, in Deutschland auch als „Godzillas Todespranke“ gelaufen.

    Mag sein, dass ich mehr/anderes gesehen habe, aber bei den asiatischen Filmen tue ich mich in der Tat manchmal schwer, das zuzuordnen, woher der stammt. Wenn es jetzt nicht explizit in Tokio oder Seoul oder Hongkong spielt.

     
  12. Katja

    2022/11/18 at 10:31

    Hallo und vielen Dank für die schöne Aktion! Ich finde folgende Filme empfehlenswert:

    – The Quiet Family
    – Warum Bodhi-Dharma in den Orient aufbrach?
    – Undeclared War

    Viele Grüße
    Katja

     
  13. Frank Warnking

    2022/11/18 at 08:39

    da kenne ich leider keinen

     
  14. Oliver Maey

    2022/11/18 at 07:28

    The Quiet Family, Kim Jee-woon 1998

     
  15. Björn Kramer

    2022/11/17 at 23:40

    Birdcage Inn ist ein sehr guter Film

     

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