RSS

Horror für Halloween (III): Smile – Siehst du es auch? Na klar!

26 Sept

Smile

Kinostart: 29. September 2022

Von Volker Schönenberger

Horror // Die Psychotherapeutin Dr. Rose Cotter (Sosie Bacon) bekommt eine neue Patientin zugeteilt. Die verstörte Laura Weaver (Caitlin Stasey) hat panische Angst vor einer Bedrohung, die ihr zufolge nur sie sehen kann (das titelgebende Lächeln spielt dabei eine bedeutende Rolle). Kurz darauf ist Laura tot, und fortan wird Rose von einer so unerklärlichen wie beängstigenden Präsenz heimgesucht.

Die Psychotherapeutin Dr. Rose Cotter muss Schreckliches mitansehen

Wer mit Horrorfilmen um dämonische Manifestationen und/oder Besessenheiten vertraut ist, wird mit dem Geschehen in „Smile – Siehst du es auch?“ keine Überraschungen erleben. Zu konventionell und in vorhersehbaren Bahnen verläuft die Handlung – das aber immerhin mit sicherer Hand inszeniert. Der Film steht in der Tradition von Werken wie „It Follows“ (2014), „Dämon – Trau keiner Seele“ (1998) mit Denzel Washington und „Der Horla – Tagebuch eines Mörders“ (1963) mit Vincent Price.

Streaming-Produktion bekommt Kinostart

Von Anfang an wird deutlich, dass das, was Laura erzählt, den Tatsachen entspricht. Fortan geht es um die Frage, ob Rose in der Lage ist, ihr unabwendbar erscheinendes Schicksal zu ändern und sich zu retten. Dabei bleiben glücklicherweise einige Aspekte und Details lange genug offen, sodass der Horrorfilm auch für besagtes Publikum mit Erfahrung interessant genug ausfällt, um es bei der Stange zu halten. Paramount hatte „Smile“ ursprünglich für den hauseigenen Streamingkanal Paramount+ produziert. Die Reaktionen nach den Testvorführungen fielen aber so positiv aus, dass das Studio den Film nun sogar in die Kinos bringt. Zu Recht!

Der Kriminalbeamte Joel sorgt sich um seine Ex-Freundin

Regisseur Parker Finn schrieb das Drehbuch zu seinem Langfilmdebüt nach der Vorlage seines Kurzfilms „Laura Hasn’t Slept“ (2020). Versiert und mit wenigen Pinselstrichen charakterisiert er die Protagonistin Rose, über die wir schnell genug wissen, sodass wir ihr auf ihrem Weg folgen können und wollen. Dass sie ein Kindheitstrauma mit sich herumträgt, macht bereits die erste Szene deutlich – es bleibt nicht selbstzweckhaft, sondern bekommt im späteren Verlauf seine Bedeutung. Rose vergräbt sich in ihre Arbeit, ihre Erinnerungen mögen sogar der Grund sein, weshalb sie eine Laufbahn als Psychotherapeutin eingeschlagen hat. Des Abends stürzt sie den entspannenden Schluck Wein etwas zu schnell herunter, was ein zumindest beginnendes Alkoholproblem andeutet.

Auf den Ex-Freund ist Verlass

Mit ihrem gutaussehenden und beruflich erfolgreichen Verlobten Trevor (Jessie T. Usher) bewohnt sie ein Haus, das Wohlstand ausstrahlt. Kurz nach dem Auftaktereignis mit ihrer Patientin Laura trifft Rose zudem auf ihren Ex-Freund Joel (Kyle Gallner), einen Kriminalbeamten, auf den sie sich in der Folge verlassen kann. All das skizziert der Regisseur sauber, kann sich dabei auf seine Hauptdarstellerin Sosie Bacon verlassen. Die Tochter von Kevin Bacon und Kyra Sedgwick vermittelt glaubhaft ihre Angst und Verletztlichkeit. Der Story fehlen stilistische oder narrative Brüche, die etwas Eigenständigkeit gebracht hätten. Das mag Finns mangelnder Erfahrung als Filmemacher geschuldet sein. Aber er kann auf „Smile“ aufbauen und bei kommenden Arbeiten etwas mehr Mut zeigen, vielleicht einen Schritt weiter gehen als andere vor ihm.

Kann Rose ihrem Schicksal entrinnen?

Der eine oder andere Kritikpunkt sei genannt: Wer keine Jump-Scares mag (so wie ich), wird ein paar Mal vielleicht mit den Augen rollen. Es sind nicht allzu viele, und sie kündigen sich an. Lautstärke für den Schockmoment bleibt ein Taschenspielertrick. Klar ist natürlich, dass jemandem, der verängstigt von einer übernatürlichen Bedrohung berichtet, die nur er sehen kann, nicht geglaubt wird. Ebenso wenig wie Rose ihrer Patientin Laura zu Beginn glaubt, glauben ihr Verlobter und ihre eigene Therapeutin Dr. Madeline Northcott (Robin Weigert) ihr, als sie selbst davon anfängt. Das müsste ihr eigentlich klar sein, gleichwohl reagiert sie mit Unverständnis, was nicht ganz schlüssig wirkt (es mag von mir etwas päpstlich sein, das kritisch zu sehen). Und in einem bestimmten Moment im Anschluss an den Kindergeburtstag von Roses Neffen Jackson (Matthew Lamb), müsste Trevor seine Verlobte an sich zwingend in die Obhut einer psychiatrischen Einrichtung geben. Er tut es nicht, weil die Story verlangt, dass Rose weiterhin in Freiheit nach einem Ausweg suchen kann – hier hätte Parker Finn besser einen anderen Weg gewählt.

Ein angenehmer Kinoabend

Aber das sind Kleinigkeiten. Größtes Manko von „Smile – Siehst du es auch?“ bleibt die Vorhersehbarkeit des Plots aufgrund des Verharrens in dämonischen Konventionen. Das Horrorgenre wärmt ja gern bewährte Zutaten auf, insofern fällt Parker Finns Regiedebüt nicht negativ auf, weil er die Materie eben offenbar kennt. Am unerwartetsten verläuft „Smile“ für diejenigen Zuschauerinnen und Zuschauer, die von Dämonen völlig unbeleckt sind. Und wer derlei Plots kennt, kann dennoch einen angenehmen Horrorabend verleben.

Länge: 116 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Smile
USA 2022
Regie: Parker Finn
Drehbuch: Parker Finn
Besetzung: Sosie Bacon, Kyle Gallner, Robin Weigert, Caitlin Stasey, Kal Penn, Rob Morgan, Judy Reyes, Kevin Keppy, Gillian Zinser, Marti Matulis, Dora Kiss, Sara Kapner, Matthew Lamb
Verleih: Paramount Pictures Germany

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Filmplakate & Szenenfotos: © 2022 Paramount Pictures Germany

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

 
%d Bloggern gefällt das: