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Horror für Halloween (X): The Exorcism of God – Mehr als nur ein Friedkin-Epigone

06 Okt

The Exorcism of God

Von Volker Schönenberger

Horror // Der junge Pater Peter Williams (Will Beinbrink) wird 2003 zu einem Haus gerufen, um einen Exorzismus auszuführen. Die junge Magali (Irán Castillo) ist offenbar von einem Dämon besessen. Peters Vorgesetzter Pater Michael Lewis (Joseph Marcell) untersagt ihm zwar die Austreibung, weil er der Aufgabe noch nicht gewachsen sei, aber Peter begibt sich dennoch ans Werk.

Der Exorzist trifft ein

18 Jahre später werden im Frauenknast „Heiliges Herz“ einem Wärter zwei Finger abgebissen, als er mit seinem Arm durch einen Schlitz in der Tür in eine Zelle hineinlangt. Pater Peter indes leistet in seiner Gemeinde viel wohltätige Arbeit für die Armen, wird dafür wie ein Heiliger verehrt. Doch er trägt schwer an der Last der Ereignisse von damals. Unter den Kindern der Gegend grassiert eine mysteriöse Seuche, die einige Todesopfer fordert. Der Geistliche entdeckt, dass der Dämon Balban in die Gefängnisinsassin Esperanza (María Gabriela de Faría) gefahren ist. Anscheinend ist er für die tödliche Kinderkrankheit in der Gegend verantwortlich. Weil er sich allein den Exorzismus nicht zutraut, ruft Peter seinen einstigen Mentor Pater Michael zu Hilfe, der inzwischen zu den angesehensten Exorzisten des Vatikans zählt und eigens aus Europa nach Mexiko fliegt. Alsbald holt Peter seine Vergangenheit ein.

Kein Zweifel: Magali ist besessen

Jeder Katholiken-Exorzistenfilm seit 1973 bezieht sich auf William Friedkins „Der Exorzist“. So auch „The Exorcism of God“ (2021), der daraus von Anfang an kein Hehl macht. Die eine oder andere Einstellung des Prologs erinnert sicher nicht zufällig frappierend an das große Vorbild – siehe beispielsweise das erste Szenenfoto in diesem Text. Mit bösem Willen kann man das als dreiste Kopie sehen, aber es wirkt doch eher wie eine respektvolle Hommage. An Friedkins Meisterwerk kommt „The Exorcism of God“ erwartungsgemäß nicht heran, aber welchem Epigonen von „Der Exorzist“ ist das schon gelungen? Eben.

Pater Peter lebt für seine Gemeinde in Mexiko

Auch unterhalb dieser denkbar hohen Messlatte bleibt reichlich Raum für fesselnden Exorzistenhorror, und „The Exorcism of God“ nutzt dies mit eigenen Ideen auch aus. In der ersten Phase der Haupthandlung sieht das noch nicht unbedingt danach aus, stören hier doch einige billige Jump-Scares die Atmosphäre, die sich obendrein als Albtraumsequenzen herausstellen. Es ergibt zwar Sinn, Pater Peter – es sind seine Albträume – als gepeinigten Geistlichen zu skizzieren, aber muss das unbedingt mit Jump-Scares sein?

Der Filmtitel ergibt Sinn

Mit dem Eintreffen von Pater Michael nimmt die Story Fahrt auf, fortan spielt sich das Geschehen hauptsächlich in dem Gefängnis ab, das die beiden Geistlichen aufsuchen, um an Esperanza den Exorzismus vorzunehmen. Farblich dominieren dem Thema entsprechend düstere Töne mit Tendenz ins Bläuliche. Unvermittelt bekommt bald sogar der Filmtitel seinen Sinn – der ist keinesfalls zufällig und gipfelt in einem wunderbaren Schlussakkord, der einen sowieso schon gelungenen Exorzistenfilm zusätzlich aufwertet.

Kinder leiden und sterben

Regisseur und Ko-Drehbuchautor Alejandro Hidalgo hatte 2013 mit dem SF-Horrorfilm „The House at the End of Time“ seinen Erstling vorgelegt, der als erster venezolanischer Horrorfilm gilt, an den dortigen Kinokassen zum erfolgreichsten Horrorfilm überhaupt avancierte, in 33 Ländern vertrieben und somit zum weitestverbreiteten venezolanischen Film wurde. Dennoch dauerte es satte acht Jahre, bis Hidalgo mit „The Exorcism of God“ seine zweite Regiearbeit ablieferte – warum auch immer.

Die Exorzisten Peter (l.) und Michael stellen sich …

Wohl mit Hinblick auf den internationalen Markt wurde in englischer Sprache gedreht (obwohl Spanisch weltweit ebenfalls eine nennenswerte Zielgruppe hergibt). Die deutsche Blu-ray und DVD enthalten die Originalsprachfassung und die solide ausgefallene deutsche Synchronisation, aber leider keine Untertitel. Als Extras gibt es entfallene Szenen und den Trailer zum Film. Alejandro Hidalgo hat mit „The House at the End of Time“ und erneut mit „The Exorcism of God“ feine Duftmarken im Genre gesetzt, hervorragende Visitenkarten, die ihn für weitere Produktionen prädestinieren. Bleibt zu hoffen, dass es nicht wieder acht Jahre dauert.

… dem Dämon Balban, der in die Strafgefangene Esperanza gefahren ist

Veröffentlichung: 20. Oktober 2022 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch/Spanisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Exorcism of God
MEX/VEN/USA 2021
Regie: Alejandro Hidalgo
Drehbuch: Santiago Fernández Calvete, Alejandro Hidalgo
Besetzung: María Gabriela de Faría, Will Beinbrink, Joseph Marcell, Irán Castillo, Raquel Rojas, Hector Kotsifakis, Christian Rummel, Johanna Winkel, Elisa Maturen, Maria Antonieta Hidalgo, Alfredo Herrera, Juan Ignacio Aranda, Nuria Gil
Zusatzmaterial: entfernte Szenen (5 Min.), Trailer, Wendecover
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2022 EuroVideo Medien GmbH

 

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