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Risen – End of Days: Sie sind da!

23 Nov

Risen

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Eine vierköpfige Familie begibt sich an den Abendbrottisch. Aber zu mehr als dem Tischgebet reicht es nicht. Eine große Explosion erschüttert das Haus, das Licht fällt aus. Im Chaos kommen Vater, Mutter und die beiden Töchter zusammen – und sterben. Nicht nur sie: Die gesamte Einwohnerschaft des Örtchens Badger im Norden von Pennsylvania fällt der Gaswolke zum Opfer, die von dem Meteoriten von der Größe eines Basketballs ausgeht, der in der Gegend niedergegangen ist. Der Ort wird von der Außenwelt abgeriegelt.

Beim Tischgebet ahnt Familie Windsor noch nichts Böses

Colonel Roger Emmerich (Jack Campbell) vom US-Militär lässt die Exobiologin Dr. Lauren Stone (Nicole Schalmo) zwangsrekrutieren und zum Ort des Geschehens bringen. Als Nobelpreisträgerin genoss sie bis vor einiger Zeit hohes Ansehen, doch für ihre Thesen erhielt sie viel Gegenwind, und Alkoholmissbrauch brachte sie auf den absteigenden Ast. Nun soll sie mit dem Astrobiologen Professor David Santiago (Kenneth Trujillo) in das Katastrophengebiet vordringen und das Ereignis untersuchen. Im Krater der Einschlagstelle entdeckt Lauren einen merkwürdigen kleinen Pflanzentrieb.

Der Leichnam mit dem guten Heilfleisch

Bald darauf wohnen sie, Santiago und andere einer Autopsie bei, die Dr. Maria Paselo (Buffy Anne Littaua) und ihr Assistent Dr. Keith Herd (John Brown) am Leichnam von Robert Windsor (Dominic Stone) vornehmen (der Familienvater vom Anfang). Als die Gerichtsmedizinerin dem Toten die Brust aufschneidet, beginnt eine sonderbare dunkle Flüssigkeit aus dem Körper herauszufließen. Die Schnittwunde schließt sich, und plötzlich schlägt der Leichnam die Augen auf und setzt sich aufrecht hin.

Lauren und David wagen sich ins Katastrophengebiet

Independent-Science-Fiction merkt man sehr oft ihr beschränktes Budget an. Sei es aufgrund qualitativ und quantitativ beschränkter Settings, so unbekannter wie unerfahrener Darstellerinnen und Darsteller oder suboptimaler Tricktechnik. Kommen mangelnde Erfahrung und/oder mangelndes Talent des Regisseurs hinzu, wird es schwierig, aus einer guten Prämisse einen guten Film zu machen. Das ist auch im Falle von „Risen – End of Days“ das Problem. Zu viele handwerkliche Mängel trüben das Gesamtergebnis.

Eine Autopsie läuft aus dem Ruder

So krankt der Gesamteindruck stark an einer Hauptdarstellerin, zu der ich als Zuschauer einfach keinerlei Verbindung aufbauen konnte. Lauren Stone hat mit inneren Dämonen und Traumata zu kämpfen, so viel wird nach und nach deutlich. Nicole Schalmo kann die Zerrissenheit ihrer Figur in ihrem bislang einzigen Film leider zu keinem Zeitpunkt vermitteln, sie wirkt permanent völlig teilnahmslos, selbst wenn sie einmal minutenlang stumm an einer Wand lehnt, was wohl Angegriffenheit demonstrieren soll. Lauren trägt einerseits schwer an ihrer Last, und selbst ihr wissenschaftlicher Blick ins All wird gegen Ende damit erklärt – als Flucht vor dem Naheliegenden suchte sie die größtmögliche Ferne. Andererseits gibt es für ihr teilnahmsloses Gebaren am Ende eine Erklärung, sodass es als Teil der Auflösung gesehen werden kann. Zu diesem Zeitpunkt hat Lauren Stone das Publikum allerdings schon längst verloren. Eine interessante Charakterzeichnung, die mehr Sorgfalt verdient hätte. Schade drum, ich mache ungern Schauspielerinnen oder Schauspieler nieder. Für weitere Rollen hat sich Schalmo aber nicht empfohlen.

Produktion, Drehbuch, Regie, Schnitt

Einen Teil der Verantwortung dafür trägt sicher Eddie Arya, der für Drehbuch und Regie veranwortlich zeichnet, denn Schauspielerführung gehört auch zu den Aufgaben von Regisseuren. Ihm fehlt zudem offenbar ein Händchen für Dramaturgie und Spannungsbögen, was sich in Szenenwechseln äußert, die phasenweise willkürlich aneinandergereiht wirken. In seiner Eigenschaft als Produzent hat sich der Regisseur auch gleich die Aufgabe des Cutters/Editors zugeteilt, doch der Schneidetisch ist nicht sein Metier.

Der Krisenstab tagt

Die Tricktechnik gehört ebenfalls zu den Minuspunkten von „Risen – End of Days“. Sie wirkt bisweilen geradezu unfertig, als sei das Budget für Computerzeit zu früh verbraucht gewesen. Das schadet beispielsweise auch sehr dem Finale, das inhaltlich angetan war, zu beeindrucken, was jedoch von der visuellen Umsetzung konterkariert wurde. Wer im Übrigen nur etwas aufmerksam auf Ausstattung und Kostümierung achtet, wird auch in dem Bereich einige Defizite bemerken.

Zurück zu den Wurzeln

Zusammengenommen ergeben solche Kritikpunkte an sich einen veritablen Rohrkrepierer, und wer den Film dafür hält, tut das mit einiger Berechtigung. Gleichwohl hat die Story dieser außerirdischen Invasion auf mich eine gewisse Faszination ausgeübt (dass es sich um eine solche handelt, verrät schon der Covertext, weshalb ich es wohl erwähnen darf, ohne des Spoilerns bezichtigt zu werden). Es ist kein Alienangriff à la „Independence Day“, sondern ein nachvollziehbares Vorgehen. Wenn man will, kann man diesen Angriff auf die gesamte Menschheit sogar als Metapher für drohende Klimakatastrophe interpretieren, und ich schließe nicht aus, dass Eddie Arya seine Geschichte sogar mit diesem Gedanken im Hinterkopf entworfen hat. Hätte er daraus nur ein anständiges Drehbuch gezimmert! Der fiktive Meteoriteneinschlag zu Beginn von „Risen – End of Days“ spannt sogar einen Bogen zum realen Meteoriteneinschlag von Tscheljabinsk am 15. Januar 2013 im russischen Ural. Keine schleche Idee!

Was sind das nur für Festivals?

Eddie Aryas dritte Regiearbeit hat gemäß Internet Movie Database auf fünf Filmfestivals insgesamt neun Preise gewonnen. Ein genauer Blick offenbart allerdings, dass es sich nicht um bekannte Festivals handelt. Das wirft Fragen auf, denn auch wenn ich „Risen – End of Days“ trotz mannigfacher Mängel nicht für vollends missraten halte, kann ich mir doch nicht vorstellen, dass sich das Werk zu einem Festivalliebling entwickelt hat. Es scheinen in der jüngeren Vergangenheit etliche kleine Filmfestivals aus dem Boden zu schießen, die zum Teil – vielleicht auch pandemiebedingt – online ablaufen und ihre Preise womöglich nicht immer auf seriöse Weise vergeben. Das Filmportal Thrill and Kill hat dazu kürzlich interessante Gedanken geäußert, aber das nur am Rande. Ich hatte mir von „Risen – End of Days“ einiges versprochen. Umso größer die Enttäuschung darüber, wie viel Potenzial der Story die Umsetzung verschenkt hat. Welche eher „kleinen“ Science-Fiction-Filme um Kontakt zu Außerirdischen machen es besser?

Sie sind da

Veröffentlichung: 7. Oktober 2022 als Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Risen
AUS/USA 2021
Regie: Eddie Arya
Drehbuch: Eddie Arya
Besetzung: Nicole Schalmo, Zahlee Moore, Izzy Bridger, Lily Brown Griffiths, Dominic Stone, Jay Kallaway, Wayne McDanial, Michela Carattini, Ken Welsh, Ashlee Cronin, Alex Gallant, Natasha Thomas, Jack Campbell, Kenneth Trujillo, Waata Richards, Nathan Mustafa, , Buffy Anne Littaua, John Thomas, Olga Olshansky, Elena Kozlova
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Meteor Film GmbH
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & gruppierter Packshot: © 2022 Meteor Film GmbH

 
 

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18 Antworten zu “Risen – End of Days: Sie sind da!

  1. Thomas Oeller

    2023/01/15 at 17:39

    Contact würde mir einfallen wenn der da zählt oder Rocky Horror Picture Show

     
  2. Andi

    2023/01/14 at 09:36

    Critters.

     
  3. Birgit

    2023/01/11 at 12:30

    Möchte hier den amerikanischen Film „The Signal“ von 2014 nennen. Spannende Story mit einem überraschenden Ende!

     
  4. Marco Winnig

    2023/01/10 at 13:40

    Puh.

    Da fällt mir spontan

    „Die Dämonischen“ ein.

     
  5. Thomas

    2023/01/09 at 15:19

    Mir gefällt „Life“ recht gut.

     
  6. Hasret Alaz

    2023/01/07 at 21:13

    Arrival

     
  7. Michael Behr

    2023/01/07 at 12:33

    Da ich momentan in Klassiker-Stimmung bin, nenne ich hier gerne mit „Gefahr aus dem Weltall“ (OT: „It came from Outer Space“) einen solchen.

    Und weil ich jetzt einen unvermeidlichen Ohrwurm habe, könnte ich die Frage anschließen, ob „The Rocky Horror Picture Show“ auch gezählt hätte 😉 .

     
  8. Steffen

    2023/01/07 at 08:18

    Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Aber nachdem ich mal mein Archiv durchforstet habe, stieß ich auf „Project-M – Das Ende der Menschheit“ und ich finde, der macht es definitiv besser.

     
  9. Frank Warnking

    2023/01/07 at 08:04

    Invasion

     
  10. Doreen

    2023/01/07 at 05:25

    Arrival

     
  11. Adrian Lübke

    2023/01/06 at 23:02

    „Blob – Schrecken ohne Namen“ und „Under the Skin“.

     
  12. Tanja Gottschalk

    2023/01/06 at 21:33

    Arrival

     
  13. Björn Kramer

    2023/01/06 at 20:04

    Planet 51

     
  14. Klaus

    2023/01/06 at 15:10

    Mein Tipp ist der britische Science-Fiction-Film „Das Dorf der Verdammten“ (Village of the Damned) von 1960. Nicht so aufwendig wie Carpenters amerikanisches Remake von 1995, dafür umso packender und beklemmender inszeniert – eine wahre Perle des Genres!

     
  15. Melanie

    2023/01/06 at 14:52

    Invasion

     
  16. Daniela

    2023/01/06 at 14:51

    Arrival

     
  17. Michael Rost

    2023/01/06 at 10:34

    Die Dämonischen

     
  18. Jens

    2023/01/06 at 06:41

    Under the Skin von 2013 würde mir da spontan einfallen, ob der als independent zählt weiss ich nicht 😀
    Oder natürlich Alein Area von 2005 🙂

     

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