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Archiv der Kategorie: Film

Quentin Tarantino: Es war einmal in Hollywood – Facts & Fiction (Buchrezension)

Es war einmal in Hollywood

Von Tonio Klein

Roman // Ja, da steht „Roman“, irgendein Genre soll’s halt sein, und das ist schon richtig so, aber gleichzeitig enthält Quentin Tarantinos Buch zahlreiche kino-essayistische Passagen. Wenn man sein filmisches Werk kennt, war dies nicht anders zu erwarten; der Mann bleibt sich treu. Die literarische Fassung seines bis jetzt jüngsten Films sehe ich mit gemischten Gefühlen; aus Gründen, die auch auf sein Kino zutreffen. Das Triviale mischt sich mit dem Erhabenen. Dagegen ist nichts zu sagen, und natürlich hat der Mann etwas, das nur gut sein kann: Leidenschaft. Und davon sehr viel. Was bei ihm oft zu einem Mangel an erzählerischer Ökonomie führt. Sagen wir es deutlich, in den Worten, die Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki für Martin Walser gewählt hat: Ein „begabter Schwätzer“ ist Tarantino. Sehr begabt sogar. Und sehr geschwätzig. Schon über „Pulp Fiction“ (1994) schrieb die Süddeutsche Zeitung sinngemäß, es sei ein Actionfilm, in dem nur geredet werde, und ein Dialogfilm, der auf einmal brutal zur Sache gehe. Die Brutalität hat Tarantino in seinem Roman verhältnismäßig weit außen vor gelassen. Ansonsten ist das ein Tarantino, wie er, pardon the pun, im Buche steht: Es mischt sich Großartiges mit elender Geschwätzigkeit – oder nein, es mischt sich eigentlich nicht, es wechselt sich ab. Damit kann das Werk nicht durchweg überzeugen und dürfte bei denen besser aufgehoben sein, die auch die Filme und Drehbücher Tarantinos mögen, und umgekehrt.

Das ganz große Ganze …

Positiv hervorzuheben ist, dass „Es war einmal in Hollywood“ eigenständig existiert. Das ist nicht eine dieser plumpen Film-Nacherzählungen, die von Schreibautomaten (das ist jetzt nicht wörtlich gemeint) nach einem Kinokassenerfolg hastig herausgehauen und mit „Der Roman zum Film!“ beworben werden. Tarantino hat sogar eine besonders markante Änderung zum Schluss vorgenommen. Im Übrigen kommen natürlich sowohl Grundgerüst als auch ein paar markante Szenen des Filmes vor, aber der Autor arbeitet offensichtlich sehr bewusst. Manche Szenen sind eins zu eins enthalten, andere werden deutlich gekürzt/ausgelassen oder verlängert/hinzugedichtet. Wieder geht es um die Hollywoodszene 1969, in der der abgehalfterte Darsteller Rick Dalton und sein Stuntdouble/Chauffeur/Freund Cliff Booth mit realen Personen in Kontakt treten (oder diesen nur beinahe begegnen), unter ihnen auch das Ehepaar Roman Polanski und Sharon Tate. Und die Charles-Manson-Sekte, welche Tate im selben Jahr ermorden sollte. Verschiedene Handlungsstränge sind nur lose miteinander verbunden. Der „Once Upon A Time …“-Buch- wie Filmtitel mag andeuten, dass man einem Märchen nicht alles glauben sollte, aber auch eine Wahrheit hinter der Lüge stecken kann. Oder aber – das wäre bei Kinofan Tarantino nicht ganz fernliegend – dass er den wohl größten Epiker des Genrefilms zitiert, Sergio Leone. Dieser hatte mit „Once Upon“-Titeln nicht irgendeine singuläre Begebenheit, sondern opernhafte Sagen erzählt: „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) und „Es war einmal in Amerika“ (1984); Ersterer heißt bei wörtlicher Titelübersetzung „Es war einmal im Westen“; von meinem Kollegen Lars Johansen (35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin) hier wunderbar besprochen. Wie dem auch sei, mit mehreren Parallelhandlungen von einer Zeit, den Typen dieser Zeit und einem Lebensgefühl erzählen, das will Tarantino. Manchmal gelingt es ihm auch.

… und wie man sich dabei verzetteln kann

Aber nicht immer! Viel zu stark wird der Autor Opfer seiner eigenen Leidenschaft und Brillanz, kann er nicht an sich halten. Die Zeiten, in denen sich mutige Lektoren trauten, auch einmal massive Kürzungen durchzudrücken, sind wohl vorbei. Ob es jemand im vorliegenden Falle wenigstens versucht hat, vermag ich nicht zu sagen, aber es hätte dem Werk gutgetan. Der Roman ist phasenweise ein so enervierendes wie angeberisches und vor allem im krassen Übermaß dargebotenes Namedropping. Da können Leser wie Bolle staunen, mit wem sich Tarantino so alles beschäftigt hat und wie er die Männer (und wenige Frauen) in der Kinogeschichte durchaus überzeugend einordnet, aber sich auch fragen, was das in einem Roman zu suchen hat. Das alles darf er natürlich; es steht nirgendwo geschrieben, dass ein Roman nicht mit essayistischen Betrachtungen zu vermischen ist. Es führt aber zu Problemen. So bleibt der Erzählfluss mitunter arg auf der Strecke; zwei Beispiele: Cliffs Betrachtungen über das europäische (Fellini, Truffaut) und asiatische Kino (Kurosawa) scheinen in Wahrheit diejenigen des Autors zu sein; kann er machen, hält aber auf und wäre als separater Text besser. Und wenn Tarantino anlässlich Ricks bevorstehender Gastrollen-Szenen in einer Westernserie enervierend lange die ganze Hintergrundgeschichte dessen beschreibt, wovon diese Serie handelt, hat man endgültig den Eindruck: Er stellt hier einen ganzen Mythos dar, der die USA geprägt hat und auch antike Tragödien prägt, universelle Gültigkeit der einzigen, ersten und letzten Dinge, und das passt einfach nicht zwischen zwei Buchdeckel. Zumindest dann nicht, wenn er, wie hier, dies nicht mit seiner Erzählung verbindet, sondern abrupt mal eben nebenbei (aber sehr lange) einfließen lässt. Kleiner Schwenk zu meinem Hauptberuf, dem eines Juristen: Im Referendariat lernt man die Technik der Stoffsammlung und Stoffordnung, um als Richter einen Lebenssachverhalt in den Griff zu bekommen; Letzteres ist Tarantino tief misslungen. Und zwar, obwohl ihm auch in solchen Phasen immer wieder bestechende Sentenzen gelingen. Aber insgesamt habe ich oft auf Schnelllesemodus umgeschaltet.

Darf Tarantino schludern?

Die vielleicht größte Schwierigkeit ist, dass man in einem Roman, auch in einem biografischen, so wie in jeder erzählenden Kunstform selbstverständlich lügen darf oder etwas milder formuliert: den Faktencheck nicht so genau nehmen muss. Das geht aber nur so lange gut, wie jemand nicht durch die schiere Masse der Betrachtungen über reale Personen und Filme den Eindruck erweckt, er sei ein wandelndes Lexikon und das Genannte werde schon stimmen. Am besten ist Tarantino immer dann, wenn er erkennbar Fakten und Fiktion mischt. Zum Beispiel nennt er kurz einen fiktiven Tarantinofilm, in dem die fiktive „Trudi“ später mitgespielt habe (in der Handlungszeit ein kluger bis neunmalkluger Kinderdarsteller, der Rick und uns – wie schon im Film – tief beeindruckt). Hübsche Spekulationen auch bei zahlreichen Interaktionen oder Fast-Begegnungen zwischen Rick und realen Personen aus dem Filmgeschäft. Jenseits dessen, wo der Autor das Gedenkanspielende offenlegt, wirft er uns aber viel zu oft Bröckchen über reale Personen hin, bei denen die Romanform von Lästigem wie einem Fußnotenapparat befreit. Beispielsweise wird an einer Stelle behauptet, in Jean Harlows Haus seien sowohl ihr Ehemann, der Regisseur Paul Bern, als auch sie gestorben. Nein, Bern war Drehbuchautor, und Harlow starb im Krankenhaus. Auf S. 211 wird der Regisseur Otto Preminger als „Nazi-Drecksack“ bezeichnet, was zwar als Meinungsäußerung (aus Cliffs Perspektive) gewertet werden kann und darauf anspielt, dass er am Set ein echter Brüllaffe gewesen sein soll. Gleichwohl ist dies ein billiges Klischee, da der Mann, ein Jude österreichischer Herkunft, stramm gegen die Nazis gewesen war (auch wenn man nicht um den Eindruck herumkommt, er habe sie lustvoll gespielt, wie etwa in Billy Wilders „Stalag 17“, 1953). Bern/Harlow: Erbsenzählerei vielleicht, und sollte Mr. Tarantino dies irgendwann tatsächlich mal lesen, lacht er sich mutmaßlich ins Fäustchen, dass einem Klugscheißer (ihm) ein noch schlimmerer Klugscheißer (ich) auf den Leim gegangen ist. Dennoch frage ich mich, was von alldem zu halten ist, wenn man Fehler an den Stellen findet (ohne sie gesucht zu haben), an denen man sich auskennt. Was wird’s da noch so für faule Eier geben? Mitunter auch Meisterliches – wenn etwa Sharon Tate und Roman Polanski sich seinen „Rosemarys Baby“ (1968) im Kino ansehen und sie bemerkt, wie er mit einer von ihr zuvor angezweifelten Einstellung alle in seinen Bann zieht. 600 Personen gucken synchron zur Seite, weil sie etwas tun wollen, das nicht gehen kann, aber die Kinomagie ausmacht: Polanski hatte Mia Farrows Gesicht halb hinter einem Türspalt verborgen, das Publikum möchte die vierte Wand durchbrechen und hinter das Geheimnis der Tür schauen. Das sind Momente, in denen man weiß, dass der Kinobesuch mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgedacht ist, aber man „Rosemarys Baby“ sofort wieder sehen und speziell diese Szene ergründen möchte. Eine Meisterschaft des Kinos wie des Romans; leider ist der Anteil solcher Perlen zu gering.

F*ckt euch, Sprache und Lektorat

Immerhin, das deutlich zu lange Buch ist wegen seiner unkomplizierten Sprache flott wegzulesen. Es hat den typischen Tarantino-Sound, in dem ultracoole Ansprachen auch mal in einen ultrakurzen Mord münden können (Cliff ist nämlich ein Killer auch hinter der Kamera, Rick nur davor). Das ist Geschmackssache, auf jeden Fall unnachahmlich, dafür ist er schon mit seinen Filmen berühmt geworden. Ob er dermaßen auf die Sahne hauen muss, dass auf einer halben Seite (S. 272) zwanzigmal (!) „ficken“ steht, ist indes fraglich und übertrieben wie so vieles. Eine aufgesetzte „Hey, f*ick Dich, political correctness“-Attitüde, zudem in einer mal wieder völlig überflüssigen Rückblenden-Episode im Dialog zwischen Cliff und einem französischen Zuhälter. Die Übersetzung kann nichts dafür, denn der Ami flucht nun mal unter enervierender Dominanz des Vierbuchstabenwortes „f***“, welches oft auch im asexuellen Zusammenhang mit dem deutschen F-Wort übersetzt wird. Hier nicht! Auf S. 272 ist tatsächlich Sex gemeint. Auch im Übrigen haben Lektorat und Korrektorat recht ordentlich gearbeitet, was man beispielsweise an der korrekten Verwendung vom eingedeutschten Plural „Ladys“ bei gleichzeitigem korrekten Englisch in „Ladies’ Night“ bemerkt (S. 286). Lediglich, dass es nicht „etwas, was“, sondern „etwas, das“ heißt, müsste man den Verantwortlichen mal erklären.

Das Beste kommt zum Schluss

Was wirklich stark ist, ist das Schlusskapitel; es ist nur völlig unmöglich, diesen Eindruck zu begründen, ohne die Katze aus dem Sack zu lassen. Gesamteindruck: mittelprächtig, aber manchmal eben auch prächtig. Dem überbordenden und in seiner Coolness prätentiösen Tarantino möchte man manchmal zurufen, dass sein Mitteilungsdrang dasjenige übersteigt, was der Leser wissen will. Sein Kino um das Kino, und jetzt sein Roman um das Kino, kommt in die Nähe künstlerischer Onanie, oder mit den Worten eines Gedichts von Peter Hammerschlag: „Mensch, bleibe, was du bist: Onanist.“ Andererseits wären das Kino und nun auch die Literatur dann ärmer.

Autor: Quentin Tarantino
Originaltitel (2021): Once Upon A Time in Hollywood
Deutsche Erstveröffentlichung: 8. Juli 2021
415 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Preis: 25 Euro (gebunden), 19,99 Euro (Kindle)

Copyright 2022 by Tonio Klein
Cover: © 2021 Kiepenheuer & Witsch

 

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Moskito-Bomber greifen an – Britische Bomben auf Frankreich

Mosquito Squadron

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Im Sommer 1944 tobt der Zweite Weltkrieg an allen Fronten. Trotz der für die Briten erfolgreich beendeten Luftschlacht um England ist die Gefahr aus dem Himmel für das Inselreich nicht vorüber: Vom europäischen Kontinent aus feuern die Deutschen zahlreiche V1-Marschflugkörper auf England ab. Auch die gefürchtete Weiterentwicklung V2 soll bald zum Einsatz kommen, sogar V3 und V4 befinden sich angeblich schon in der Entwicklungsphase. Nach Geheimdienst-Informationen wird daran in einer unterirdischen Anlage in unmittelbarer Nähe zu Schloss Charlon in Nordfrankreich gearbeitet.

Beth und Quint spenden einander Trost – und mehr

Flieger-Ass Quint Munroe (David McCallum) erhält den Befehl, die Anlage in Begleitung seines Navigators Wiley Bunce (Nicky Henson) mit seinem Moskito-Bomber anzufliegen und sie mit speziellen Roll- oder Hüpfbomben zu zerstören. Deren Abwurf im Tiefflug macht allerdings ausgiebiges Training erforderlich, wozu ihm und seinen Leuten ganze zehn Tage bleiben. Munroe hat kurz zuvor bei einem Einsatz mit ansehen müssen, wie das Flugzeug seines besten Freundes David „Scotty“ Scott (David Buck) abgeschossen wurde, am Boden zerschellte und in Flammen aufging. In ihrer Trauer kommen der Bomberpilot und Scottys Ehefrau Beth (Suzanne Neve) einander näher.

Ein Himmelfahrtskommando steht bevor

Bald darauf fordert ein Angriff der deutschen Luftwaffe auf das Flugfeld von Munroes Einheit zahlreiche Opfer unter den britischen Soldaten. Eins der feindlichen Flugzeuge wirft eine Filmrolle ab, deren Abspielen eine so überraschende wie verstörende Erkenntnis mit sich bringt. Munroes Einsatz artet nicht nur zum Himmelfahrtskommando aus, sondern wird auch ein moralisches Dilemma mit sich bringen.

Unerschrocken: Navigator Wiley Bunce

Die Eröffnungssequenz des Films wurde „Geheimaktion Crossbow“ (1965) entnommen, einige weitere Flugszenen entstammen der Produktion „Kampfgeschwader 633“ (1964). Bei einem Quint Munro gezeigten Film mit Übungsabwürfen von Rollbomben handelt es sich sogar um authentisches Bildmaterial aus der Zeit des Zweiten Weltkrieg. Dennoch wirkt „Moskito-Bomber greifen an“ über weite Strecken homogen, nur ein paar Mal ist unterschiedliches Bildmaterial erkennbar. Auch ein paar Rückprojektionen sind zu bemerken. Die Vorbereitung des Einsatzes nimmt breiten Raum ein, was auch für den erwähnten moralischen Konflikt gilt. Der wird durch die sich anbahnende Romanze zwischen Quint und Beth noch verstärkt, was gar nicht Not getan hätte, aber es sollte wohl noch ein melodramatisches Element vorkommen.

Gnadenlos: die Deutschen

Der Einsatz der Moskito-Bomber schließlich gerät mitreißend, zumal am Boden die französische Resistance eingreift, was dramatische Feuergefechte mit sich bringt. Allerdings fällt das Ganze nicht gerade zeitlos aus, insgesamt wirkt das Kriegsdrama recht antiquiert. Man merkt der Produktion auch das geringe Budget an – es wird schon seinen Grund gehabt haben, weshalb auf Material zweier anderer Filme zurückgegriffen wurde.

Attacke!

Als französisches Schloss hielt für die Dreharbeiten das Minley Manor in der südenglischen Grafschaft Hampshire her. In der Rolle des Befehlshabers Air Commodore Hafford ist Charles Gray zu sehen, dessen bekanntester Part der des Superschurken Blofeld in „James Bond 007 – Diamantenfieber“ (1971) sein dürfte und der in der „Rocky Horror Picture Show“ (1975) als Erzähler in Erscheinung trat.

Vom Regisseur von „Der Omega-Mann“

Regisseur Boris Sagal arbeitete während seiner von Mitte der 1950er- bis Anfang der 1980er-Jahre dauernden Karriere viel fürs Fernsehen, ab und zu bekam er auch den Regiestuhl für Kinoproduktionen anvertraut. Sein bekanntester Film ist die Richard-Matheson-Adaption „Der Omega-Mann“ (1971) mit Charlton Heston. „Moskito-Bomber greifen an“ gehört sicher nicht zu den Klassikern des Luftkriegsfilms, hat sich aber die deutsche Neuveröffentlichung als DVD und Erstveröffentlichung als Blu-ray im August 2021 durch explosive media verdient – die alten DVD-Auflagen sind im Handel vergriffen. Welche Luftkriegsdramen oder -actionfilme könnt Ihr empfehlen?

Veröffentlichung: 26. August 2021 als Blu-ray und DVD, 4. Juni 2007 und 15. September 2003 als DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Mosquito Squadron
GB/USA 1969
Regie: Boris Sagal
Drehbuch: Donald S. Sanford, Joyce Perry
Besetzung: David McCallum, Suzanne Neve, Charles Gray, David Buck, David Dundas, Dinsdale Landen, Nicky Henson, Bryan Marshall, Michael Anthony, Peggy Thorpe-Bates, Peter Copley, Vladek Sheybal, Michael McGovern, Bernard Barnsley, Roy Beck, Derek Benfield, Susan Brodrick, Harold Coyne
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie seltener Artworks, Wendecover
Label 2021: explosive media
Vertrieb 2021: Koch Films
Label/Vertrieb 2007/2003: MGM

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Blu-ray-Packshot: © 2021 explosive media, DVD-Packshot: © 2003 MGM

 

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Hard Hit – Bombenstimmung in Busan

Balsinjehan

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // An diesem Tag will der Lee Sung-gyu (Jo Woo-jin) seine Tochter Hye-in (Lee Jae-in) und seinen Sohn Min-joon (Darsteller unbekannt) zur Schule bringen, bevor der leitende Angestellte einer Bank ins Büro fährt. Doch daraus wird nichts: Ein Unbekannter ruft ihn auf einem im Handschuhfach platzierten Smartphone an und behauptet, unter Lees Sitz befinde sich eine Bombe. Sie explodiere, sobald er aussteige. Der Anrufer behauptet, jede Bewegungen des Fahrzeugs per GPS zu verfolgen. Er fordert 800.000 US-Dollar in bar und eine Banküberweisung in Höhe von 1,5 Millionen Dollar, ansonsten gehe die Bombe hoch. Sie gehe auch hoch, wenn eins der Kinder das Auto verlasse, ebenso, wenn Lee Sung-gyu dem Anrufer auf den Sack gehe. Kurz darauf klingelt das Handy des Bankiers. Sein Vizedirektor gibt an, im Auto ebenfalls einen Anruf mit einer solchen Bombendrohung erhalten zu haben.

Lee Sung-gyu bangt um sein Leben …

Wer meint, den Plot bereits zu kennen, liegt richtig: Im April 2018 startete „Steig. Nicht. Aus!“ (2018) mit Wotan Wilke Möhring in den deutschen Kinos. Der Actionthriller von Christian Alvart („Abgeschnitten“) war allerdings selbst nur ein Remake der spanischen Produktion „Anrufer unbekannt“ („El desconocido“, 2015) von Dani de la Torre. Zu guter Letzt: Das in Berlin gedrehte US-Remake „Retribution“ mit Liam Neeson befindet sich bereits in der Postproduktion.

… und um das seiner Kinder

Der in der südkoreanischen Hafenstadt angesiedelte und „on location“ gedrehte Plot verspricht Mordsspannung, dieses Versprechen löst „Hard Hit“ auch ein. Und das ohne die zahlreichen Logiklöcher und dämlichen Verhaltensweisen, die Rezensent Philipp Ludwig bei „Steig. Nicht. Aus!“ ausgemacht hatte. Die Handlung lehnt sich wohl einigermaßen eng an Original und deutsches Remake an, ein paar eigene Wege glaube ich aber aufgrund meiner Lektüre von Philipps Text zu erkennen. Da ich weder die deutsche Verfilmung noch das spanische Original kenne, entfallen ansonsten jedwede Vergleiche des südkoreanischen Remakes mit den beiden Vorgängern.

Ehefrau Yeon-su greift ins Geschehen ein

Nach einiger Zeit wird deutlich, dass hinter dem Anruf mehr steckt als ein Erpresser, der sich auf gerissene Weise viel Geld unter den Nagel reißen will. Das kann man sich allerdings auch ohne Kenntnis der beiden früheren Verfilmungen denken, ebenso, dass damit Kritik am Bankwesen verbunden ist. Diese bleibt aber an der Oberfläche, schließlich haben wir es mit einem Actionthriller zu tun und nicht mit einem Wirtschaftsthriller.

Ein Kammerspiel im Auto

Das Geschehen beschränkt sich nahezu ausschließlich auf Lee Sung-gyus Auto, sodass sogar ein wenig Kammerspiel-Atmosphäre aufkommt. Wie gut das funktioniert, steht und fällt auch mit den schauspielerischen Leistungen des Hauptdarstellers Jo Woo-jin und der jungen Lee Jae-in, die Lees Tochter verkörpert (sein Sohn kann das Auto beizeiten verlassen). Beiden gelingt es vorzüglich, uns die Angst ihrer Figuren spürbar zu machen. Als Anrufer und Antagonist Jin Woo tritt irgendwann Ji Chang-wook („Rampant“) in Erscheinung, der seinen Part ebenfalls glaubwürdig ausfüllt, aber insgesamt zu kurz zu sehen ist, um prägend zu sein. Das gilt ebenso für Kim Ji-hoo als Lees Ehefrau Yeon-su und Kim Ji-hoo als Leiterin des Bombenräumkommandos, wobei Letztgenannte eine starke Figur darstellt, die mehr Präsenz verdient hätte.

Der Leiterin des Bombenräumkommandos schwant etwas

Für Kim Changju markiert „Hard Hit“ sein Leinwanddebüt. Zuvor war er im Schneideraum tätig, hat als Cutter unter anderem an „Snowpiercer“ (2013), „Tunnel“ (2016), „The Attack“ (2018) und „Bataillon der Verdammten – Die Schlacht um Jangsari“ (2019) mitgewirkt. Mit dem Remake des spanischen Actionthriller zeigt er nun auch Potenzial auf dem Regiestuhl. Das Label capelight pictures hat „Hard Hit“ im Oktober 2021 beim Fantasy Filmfest in einigen deutschen Großstädten gezeigt und veröffentlicht das Werk für hiesige Heimkinos nicht nur als Blu-ray und DVD in herkömmlichen Softcases, sondern auch als Mediabook mit beiden Disc-Formaten. Im Booklet findet sich ein ausführlicher Text zur Produktion.

Alle als „Limited Collector’s Edition” von capelight pictures veröffentlichten Filme haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Lees Auto ist umstellt

Veröffentlichung: 21. Januar 2022 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD, 16. Dezember 2021 als Video on Demand

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Balsinjehan
KOR 2021
Regie: Kim Changju
Drehbuch: Kim Changju
Besetzung: Ji Chang-wook, Jo Woo-jin, Kim Ji-hoo, Jin Kyung, Lee Jae-in, Ryu Seung-su
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Dreifach-Packshot: © 2022 capelight pictures

 

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