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Archiv der Kategorie: Film

Zwischen zwei Feuern – Gute Seiten, schlechte Seiten

The Indian Fighter

Von Ansgar Skulme

Western // Unter Einsatz seines Lebens rettet der Scout Johnny Hawks (Kirk Douglas) den gierigen Wes Todd (Walter Matthau) vor einem Racheakt der Sioux. Obwohl Hawks mit deren Häuptling Red Cloud (Eduard Franz) befreundet ist, reichen ihm gute Worte allein dafür nicht mehr. Todd jedoch hat auch danach nur das Gold der Indianer im Kopf. Er will unbedingt herausfinden, wo sie es versteckt halten, und sich mit seinem Handlanger Chivington (Lon Chaney Jr.) alles unter den Nagel reißen. Als Hawks mit einem Siedlertreck in das Gebiet der Ureinwohner zurückkehrt, steht bald die Existenz aller auf dem Spiel – Frauen und Kinder eingeschlossen. Die junge Sioux Onahti (Elsa Martinelli) ist zwischen Hawks und ihrem Vater Red Cloud, dessen Geheimnis um das Gold sie ebenso hüten muss wie der gesamte Stamm, hin und her gerissen – und Hawks zwischen seinen Pflichten als Scout und dem Wunsch, seine Angebetete in gefährlichem Gebiet zu besuchen. Todd lauert indessen nur auf den Moment, in dem er einen Konflikt zwischen Siedlern und Soldaten auf der einen und Indianern auf der anderen Seite auslösen kann, um aus der Situation Kapital zu schlagen.

Hawks steht zwischen Soldaten, Siedlern, Schurken und Indianern

„Zwischen zwei Feuern“ ist ein ansehnlicher, vor allem kameraästhetisch sehenswerter US-Indianerwestern aus der Epoche des klassischen Hollywoods. Unter den vielen, vielen US-Western der 30er- bis 50er-Jahre gilt mein Interesse seit jeher vor allem den Filmen, deren Handlung sich mit Indianern beschäftigt. Die Bezeichnung „Indianerwestern“ ist hier zwar etwas tückisch, da man sich darunter als Deutscher, aus meiner Sicht, meist eher Karl-May-Western vorstellt, die Ureinwohner im klassischen Hollywood-Western aber in der Regel nicht so weit im Mittelpunkt der Handlung stehen, wie man es aus Filmen mit Pierre Brice als Winnetou oder DDR-Western mit Gojko Mitić kennt. Bezogen auf das damalige US-Kino ergibt es allerdings Sinn, bei Western mit Indianern als Differenzierung von „Indianerwestern“ zu sprechen, da es Filme im Stil der deutschen Karl-May-Western der 60er-Jahre in diesem US-Kino dergestalt sowieso nicht oder bestenfalls in Ansätzen gab. Eher muss man eine TV-Serie wie „Großer Adler – Häuptling der Cheyenne“ (1955–1956) zweifellos in jener Kategorie verorten, welche später von Winnetou mit nachhaltigem Erfolg auf die Leinwand transportiert wurde; aber mochte es auch wenige solcher Beispiele im US-Fernsehen geben, war so viel Raum für Indianer als Protagonisten im US-Kino damals erst recht die Ausnahme. Eine inhaltliche Abgrenzung zwischen klassischen US-Western mit Indianern und Western, die die Indianer als Faktor der amerikanischen Geschichte gewissermaßen ausblenden, ist sinnvoll, weil hier mit ganz unterschiedlichen dramaturgischen Mustern operiert wurde. Western ist absolut nicht gleich Western.

Der Mythos vom Indianer hassenden Westerngenre

In klassischen US-Indianerwestern geht es immer wieder um einen existenziellen Kampf zwischen verschiedenen Kulturen, aus dem sich häufig recht exotische Abenteuergeschichten entspinnen – eine Genre-Beschreibung, die auf einen Film wie beispielsweise „Zwölf Uhr mittags“ gar nicht passen würde, weil darin Indianer praktisch keine Rolle spielen. Diese Indianerwestern spielen relativ häufig über große Teile der Handlung hinweg oder sogar in aller Gänze abseits der sogenannten Zivilisation bzw. dort, wo sie gerade erst im Entstehen begriffen ist, indem sich Siedler niederlassen. Western, in denen Indianer keine Rolle spielen, sind stattdessen schwerpunktartiger in Städten und/oder auf Farmen, allenfalls in rauen Bürgerkriegsszenarien verortet. Somit sind viele klassische US-Indianerwestern, bewerten wir sie nach ihren dramaturgischen Ansätzen und ihrem exotischen Flair, einem in Afrika spielenden Abenteuerfilm wie „König Salomons Diamanten“ (1950) beispielsweise weitaus ähnlicher als vielen Filmen, die ebenfalls als „Western“ klassifiziert werden, aber in denen Indianer keine Rolle spielen. Dies birgt eine gewisse Absurdität in sich, die sich gut eignet, um transparent zu machen, wie vielschichtig Genres zuweilen sind.

Red Cloud hat sein Vertrauen verloren

„Zwischen zwei Feuern“ ist zudem ein gutes Beispiel dafür, dass es sich bei der Behauptung, dass klassische US-Western Indianer meist eindimensional als Feindbild darstellen, um einen Mythos handelt. Dass die Filme der tatsächlichen US-Historie nicht gerecht werden, oft sicher auch nicht werden sollten, aber auch eigentlich nicht werden mussten, ist eine andere Baustelle – wird allerdings mit dem Faktor „absichtliche Feindbildzeichnung“ gern in einen Topf geworfen. Tatsächlich ist die Konstellation in vielen dieser US-Indianerwestern eher so gelagert, dass die Indianer letztlich zwar in Kriegssituationen geraten und dann im Kampf ums Überleben bisweilen grausame Dinge tun, was aber häufig nur von einzelnen Kriegstreibern in den eigenen Reihen oder auf der Gegenseite ins Rollen gebracht wird. Der US-Indianerwestern des klassischen Hollywood-Kinos – vor allem in seiner reifsten Form in den 50er-Jahren –, zeichnet im Großen und Ganzen ein eher tragisches Bild von den Ureinwohnern, das natürlich publikumswirksam verpackt wurde, wie es bei Blockbustern heute noch der Fall ist; von einer Dämonisierung der Ureinwohner oder so etwas wie „anti-indianischer Propaganda“ zu sprechen, ist in den meisten Fällen allerdings völlig übertrieben. Immer wieder ist der Rädelsführer unter den Ureinwohnern sogar nur eine Einzelperson, die völlig andere Interessen als der Häuptling vertritt. „Zwischen zwei Feuern“ ist selbst dahingehend aber noch vorsichtig und spart sich sogar den einen wirklich richtig bösen, immer wieder brandschatzenden und aufhetzenden Indianer innerhalb der Geschichte.

Ein Film in der Grauzone

Das klingt so weit nach guten Vorzeichen, dennoch muss ich gestehen, dass mich kaum ein klassischer US-Indianerwestern so gespalten zurücklässt wie „Zwischen zwei Feuern“. Es gibt Filme, die ihr Potenzial erfüllen oder zumindest weitgehend ausschöpfen, es gibt Filme, die genau daran auf ganzer Linie scheitern, und auch viele Filme, die von vornherein wenig Potenzial haben und daraus viel oder auch gar nichts machen. „Zwischen zwei Feuern“ ist ein Film mit Potenzial, der dieses in gewisser Hinsicht sogar sehr gut ausschöpft, aber unter anderen Gesichtspunkten ärgerlich scheitert. Wenn man versucht, diesen Film qualitativ ins Genre einzuordnen, ist der deutsche Titel insofern doch recht treffend, auch wenn er sich darauf natürlich nicht bezieht. Da sind die schönen Landschaftsaufnahmen, die wunderbare, fast zu sparsam eingesetzte Musik des deutschen Komponisten Franz Waxman, die sympathische, einen interessanten Zugriff auf die Historie eröffnende Figur des von Elisha Cook Jr. verkörperten Fotografen, der mit Stolz und gern geteiltem Fachwissen garniert von seinen Bildern erzählt, und ein Kirk Douglas, der schon damals Film für Film zum Renner zu machen verstand – Faktoren, die man als „sichere Bank“ definieren könnte. Auch der Blick auf die Indianer, der Ansatz, sich die Aufspaltung der Sioux in gutmütige Vernunftsapostel und fiese Kriegstreiber, die darum konkurrieren, wer im Stamm das Sagen hat, von vornherein zu sparen, ist nicht der verkehrteste. Der Häuptling macht – gerade weil er bereits selbst recht gefrustet und enttäuscht ist, statt damit beschäftigt zu sein, Heißsporne in den eigenen Reihen zu bändigen – einen vergleichsweise glaubwürdigen Eindruck. Selbst die Rolle des verliebten Indianer-Mädchens Onahti ist ungewöhnlicherweise eher forsch und provokant statt naiv und brav angelegt, ergänzt sich großartig mit Kirk Douglas als Gegenpart. Douglas und Martinelli reißen sich regelrecht schon allein mit Blicken gegenseitig die Kleider vom Leib – begünstigt dadurch, dass es auch hinter der Kamera zur Sache ging.

Trotz dass ich André De Toth („Der schweigsame Fremde“, 1953) als Regisseur, der eine Vielzahl von Genres zu meistern wusste, sehr schätze und die Bildsprache auch dieses Werks handwerklich überaus gut gelungen ist, krankt der Film demgegenüber vor allem in der ersten Hälfte daran, dass die Handlung nur schleppend vorankommt. Stattdessen gibt es gen Ende einen völlig überhasteten Showdown, der in deutlichem Widerspruch zu dem zuvor eher zähen Vorankommen des Geschehens steht. Und mag der Zugriff auf die Indianer auch ganz gut gelungen sein, so enttäuscht „Zwischen zwei Feuern“ wiederum durch die grässlich oberflächlich gehaltenen zwei Schurken. Dass eine Rolle so schlecht geschrieben ist, dass selbst Walter Matthau sie nicht zu retten vermag, ist als Luftnummer durchaus bemerkenswert. Lon Chaney Jr., der sich schon in den 40ern, als er noch als Hauptdarsteller in Horrorfilmen gefragt war, nie zu schade dafür war, auch kleinere Rollen zu übernehmen und immer mit vollem Einsatz überzeugte, macht aus dem zweiten Ganoven im Bunde zwar noch so viel wie möglich, aber am Ende bleibt das Problem im Raum, dass die Bösartigkeit des von Matthau verkörperten Hauptschurken Wes Todd von vornherein als unglaubwürdiger Fakt in die Geschichte geworfen wird, Motive – abseits banaler Gier-Klischees – unklar bleiben und die Figur in keinster Weise etwas Besonderes, Ungewöhnliches darstellt oder im Rahmen der Handlung irgendwie weiterentwickelt werden würde. Sicherlich findet man einige dieser Faktoren bei vielen damaligen Westernschurken wieder, jedoch bekommen die Bösen im Regelfall wenigstens ein paar Szenen, in denen sie sich zumindest schauspielerisch einigermaßen profilieren dürfen – Walter Matthau alias Wes Todd allerdings wird selbst im Showdown noch um diese Möglichkeit betrogen. Todd ist erstaunlich auf die bloße Essenz der Klischees reduziert, die er verkörpert; obwohl er schließlich Teil eines Siedlertrecks wird, ist die Interaktion mit anderen Figuren als seinem Handlanger, ein paar Indianern und dem von Kirk Douglas gespielten Helden sehr überschaubar. Dementsprechend selten hat Walter Matthau die Gelegenheit, die Rolle facettenreich zu gestalten. Western, in denen die Schurken weitaus differenzierter angelegt sind, gibt es allein aus den 50ern dutzendweise – darunter auch von vielen kleinen Produktionsstudios. Diese Filme mögen oft formelhafter und visuell weniger bedeutsam sein als „Zwischen zwei Feuern“, aber das gilt nicht automatisch auch für die Figuren.

Geschichtsschreibung in Fotografien und großen Bildern

Ja, dieser Film arbeitet mit eindimensionalen Feindbildern – und wie! Allerdings sind das nicht die Indianer. Und so verhält es sich mit vielen klassischen US-Indianerwestern, in denen die „weißen“ Schurken weitaus banaler gezeichnet sind als die sogenannten „Rothäute“. „Zwischen zwei Feuern“ war der erste von Kirk Douglas‘ damals frisch gegründeter Produktionsfirma Bryna produzierte Film, die er nach seiner Mutter benannt hatte. Man hätte ihm für den Auftakt einen ausgefeilteren Streifen gewünscht, so stellt sich hier doch ein fade nachwirkender Beigeschmack ein. Ein Film, der nach der Sichtung zu nett-beschwichtigenden Floskeln verleiten kann, wie etwa, dass „auf jeden Fall viel Schönes dabei“ war.

Der Einäugige unter den Blinden

Dies führt unter dem Strich zu dem Phänomen, dass der Film unter allen US-Indianerwestern der 30er bis 50er, die ich nicht zu meinen Top 25, vielleicht nicht einmal zu meinen Top 50 zählen würde – weil er narrativ alles andere als mitreißend ist, was sowohl an der beispiellosen, kaum noch zu unterbietenden Bedeutungslosigkeit des Schurken als auch der recht verschlafenen ersten Hälfte und dem verstolperten Finale liegt –, bildästhetisch wiederum sicherlich mit Abstand zu den besten unter ebendiesen gehört. Im Regelfall machen Filme, die in einigen für mich zentralen Punkten so viel falsch machen wie „Zwischen zwei Feuern“, nicht gleichzeitig visuell (und akustisch) doch so viel richtig. So gesehen ist es erfreulich, dass die Stärken des Films nun erstmals in Deutschland auch auf einer Blu-ray in für das Heimkino wohl bestmöglicher Qualität zur Geltung kommen, auch wenn das dünn gesäte Bonusmaterial allein kein Grund wäre, sich den Film nochmals zuzulegen, wenn man die deutsche DVD von 2005 bereits sein Eigen nennt – diese wurde mit dem inhaltlich unerklärlichen Alternativtitel „Als Vergeltung sieben Kugeln“ veröffentlicht. Der Faktor Titel ist im übrigen ein gar nicht so unwesentlicher, wenn man sich einmal klarmacht, dass der Originaltitel „The Indian Fighter“ einen Etikettenschwindel darstellt, weil er einen von Anbeginn der Geschichte als Indianerfreund etablierten Mann als Indianerbekämpfer, wenn nicht gar -hasser verkauft. In der Folge ist nun auch das Cover der Koch-Films-Veröffentlichung von einem Plakatmotiv gekennzeichnet, das zwar zum Titel passt, aber genauso wenig wie dieser zur Handlung. Man muss fairerweise anmerken: Derartig gewählte Titel haben mit Sicherheit dazu beigetragen, dass überhaupt erst der Ruf entstanden ist, diese Filme würden die Indianer meist eindimensional als Feindbild darstellen – denn reißerische Titel dieser Sorte gibt es zuhauf.

Wo die Liebe hinfällt …

Die deutsche Synchronfassung hat das Problem, dass der Film ins Kino kam, kurz bevor mit Wolfgang Kieling und bald darauf Arnold Marquis schließlich zwei ganz großartig passende Sprecher als regelmäßige Stimmen von Kirk Douglas etabliert wurden; wenngleich bereits zuvor mit beispielsweise René Deltgen, Heinz Reincke und Günter Pfitzmann interessante Stimmvarianten für Douglas probiert worden waren. So hört man hier Gert Günther Hoffmann, der später unter anderem Stammsprecher von Sean Connery in den James-Bond-Filmen und von Lex Barker in dessen deutschen Produktionen war, in einem seiner wohl vier Einsätze für Kirk Douglas. Hoffmann macht seine Sache ganz gut, passt aber einfach nicht so recht zu Douglas. Der Film fühlt sich daher in der deutschen Version etwas fremd an, auch wenn die Nebenrollen durchweg solide und treffend besetzt sind, wobei die Wahl von Wolf Martini als Stimme des Schurken Todd zugegebenermaßen alle Klischees bestätigt, die die Rolle ohnehin schon mitbringt. Martini beherrschte es allerdings, immer wieder hörenswert zu bleiben – mochten die Rollen noch so eindimensional sein. Bei einer solch prägnanten Stimme aber auch kein großes Wunder.

Zum groß sein zu wenig, zum schlecht sein zu viel

Für Kinofreunde, die den Western vor allem seiner großen Bilder wegen schätzen, ist der Kauf dieser Veröffentlichung in jedem Fall zu empfehlen, die Titelmelodie von Franz Waxman sollte man ebenfalls einmal genossen haben. Als Startschuss für Kirk Douglas’ Produktionsfirma Bryna ist die filmhistorische Bedeutsamkeit dieses Werks sowieso unstrittig. Und ganz nebenbei gibt es also auch noch eine kleine Lehrstunde in Klischees, genauer gesagt darüber, welche ebendieser der klassische US-Indianerwestern wirklich anwendet und welche ihm zwar nachgesagt werden, ohne dass sie so aber wirklich der Regelfall gewesen wären, denn das Märchen vom Indianer als eindimensionalem Feindbild ist eher ein Klischee, das über die angeblichen Inhalte dieser Genrebeiträge kursiert, als ein Klischee, das man tatsächlich in vielen dieser Filme findet. Ein pauschalisierendes Bewertungsklischee also und kein Filmklischee. Für alle, denen das nicht reicht, gibt es ansonsten noch Elsa Martinelli, die nicht nur gut aussieht, sondern auch gut und eine der besten Rollen des Films spielt – der Durchbruch als Schauspielerin für das damalige Model!

Schön auch, dass Koch Films im Rahmen seiner „Edition Western Legenden“ zunehmend davon abrückt, aus Gründen bereits vorhandener Rechte vornehmlich Universal-Produktionen zu veröffentlichen. Wobei das Ausweichen auf Filme zwar anderer Studios, die aber bereits zuvor in Deutschland auf DVD veröffentlicht wurden, also auf Zweit- oder Drittveröffentlichungen, wenn auch mit verbesserter Bildqualität und mal mehr, mal weniger verbessertem Bonusmaterial, nicht unbedingt als erstrebenswerte Dauerlösung gelten kann. Ich bin gespannt, wie es mit der Reihe weitergeht!

Die „Edition Western Legenden“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lon Chaney Jr., Kirk Douglas und Walter Matthau sind in unserer Rubrik Schauspieler zu finden.

Noch darf Hawks den Wohnraum der Sioux besuchen

Veröffentlichung: 24. Mai 2018 als Blu-ray und DVD, 8. März 2005 als DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Indian Fighter
Deutscher Alternativtitel: Als Vergeltung sieben Kugeln
USA 1955
Regie: André De Toth
Drehbuch: Frank Davis & Ben Hecht, nach einer Geschichte von Robert L. Richards
Besetzung: Kirk Douglas, Elsa Martinelli, Walter Matthau, Diana Douglas, Walter Abel, Lon Chaney Jr., Eduard Franz, Alan Hale Jr., Elisha Cook Jr., Ray Teal
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Deutscher Trailer, Bildergalerie, Booklet
Label/Vertrieb 2018er-Veröffentlichung: Koch Films
Label/Vertrieb 2005er-DVD: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2018 Koch Films

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A Lonely Place to Die – Todesfalle Highlands: Mörderische Hatz in den schottischen Bergen

A Lonely Place to Die

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Die erfahrene Bergsteigerin Alison (Melissa George) ist mit ihren Freunden Ed (Edward Speleers) und Rob (Alec Newman) in den schottischen Bergen unterwegs. Bald stoßen Alex (Garry Sweeney) und Jenny (Kate Magowan) zu ihnen. Der Klettertrip nimmt eine unerwartete Wendung, als die Gruppe während einer Pause im Wald Hilferufe vernimmt, ein Belüftungsrohr entdeckt und die etwa zehnjährige Anna (Holly Boyd) aus einer Grube befreit. Das Mädchen spricht kein Wort Englisch, und natürlich beschließen die Bergwanderer, Anna umgehend in Sicherheit zu bringen. Sie bleiben nicht lange allein – eine tödliche Jagd hat begonnen.

Im Wald entdecken die Bergsteiger Erschreckendes

Das Skript schrieben die Brüder Julian und Will Gilbey gemeinsam, auf dem Regiestuhl nahm dann nur Julian Platz – vier Jahre, nachdem er mit dem Krimidrama „Rise of the Footsoldier“ auf sich aufmerksam gemacht hatte. Mit „A Lonely Place to Die – Todesfalle Highlands“ beweist er, wie kräftig er an der Spannungsschraube zu drehen vermag. Dabei setzt der Regisseur die schottische Landschaft visuell atemraubend in Szene, um nach einiger Zeit die Szenerie zu wechseln – ein Dorf samt einem dort gerade laufenden Folklore-Festival wird Schauplatz der gnadenlosen Jagd, bei der bis zum actionreichen Finale weitere Akteure auftauchen.

Alison und Rob müssen fliehen

Der konsequente Mix aus Survival-Abenteuer und Entführungs-Thriller kommt mit guten Darstellern daher, die glaubwürdige Figuren verkörpern, allen voran die Australierin Melissa George („Triangle – Die Angst kommt in Wellen“) als Alison. Die Gnadenlosigkeit der Mörder mag Auslöser der FSK-18-Freigabe für die ungekürzte Fassung der britischen Produktion sein. Fürs deutsche Fernsehen wurde auch eine FSK-16-Schnittfassung erstellt. Wer dieser Art moderner Menschenjagd-Filme etwas abgewinnen kann, bekommt mit „A Lonely Place to Die – Todesfalle Highlands“ einen grimmigen Überlebenskampf mit einigen originellen Einschüben geboten.

Völlig verängstigt: Entführungsopfer Anna (l.)

Veröffentlichung: 17. Januar 2012 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: A Lonely Place to Die
GB 2011
Regie: Julian Gilbey
Drehbuch: Julian Gilbey, Will Gilbey
Besetzung: Alec Newman, Ed Speleers, Melissa George, Kate Magowan, Holly Boyd, Douglas Russell, Sean Harris, Alan Steele, Stephen McCole, Karel Roden, Eamonn Walker, Paul Anderson
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, Originaltrailer, alternativer Trailer, Trailershow, Wendecover, Vertikalschuber
Label: Ascot Elite Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Im Berg gerät Alison in Lebensgefahr

Szenenfotos: © 2012 Ascot Elite Home Entertainment

 

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Der Fahnder – Fünf Folgen von Dominik Graf

Der Fahnder

Von Simon Kyprianou

Krimiserie // Nach für Dominik Graf enttäuschenden ersten Versuchen, Filme zu machen, war sein neuer Anspruch, sich selbst als Regisseur in den Möglichkeiten der vorabendlichen Kriminal-Stangenware zu verorten, in erster Linie ein guter Handwerker zu sein und die Themen und Inszenierungen, die er begehrte, wie „Schmugglerware“ in seriellen Formaten unterbringen. „Der Fahnder“ war sein langjähriger Tummelplatz und vier der fünf letzten von ihm inszenierten Episoden (von insgesamt elf) wirken heute wie eine Art Poetik zu seinem Gesamtwerk, insbesondere die Folge „Nachtwache“, die er heute selbst als Werkkern bezeichnet und immer noch einen im neueren deutschen Film so einsamen wie unterschätzten Höhepunkt markiert.

Diese Reihe an kurzen Texten legt das Augenmerk auf Grafs beste Folgen – eine persönliche Auswahl –, die viel zu selten ins kollektive Gedächtnis der deutschen Filmkritik oder den deutschen Filmliebhabern allgemein gerufen werden. Einige davon sind auch Vorstudien oder Miniaturen späterer Filme Grafs, das Sichten dieser Folgen bereichert also auch die Rezeption der Spielfilme.

Nachtwache (1993, fünfte Staffel, Episode 8)

Der unheilvoll rhythmische Bass der wiederkehrenden Melodie dieser Folge klingt wie ein Beatmungsgerät, welches die Handlung immer wieder mit Leben füllt. Im Mittelpunkt steht eine Frau (Maja Maranow) ganz in gespenstischem Weiß, die sich durch leere, tote Räume bewegt. Beinahe der gesamte Film spielt sich in den Räumen eines halb fertigen Hochhauses ab, das Dominik Graf als schauderhaften Riss in der Nacht inszeniert. Was sich in und auf dem Hochhaus abspielt, ist ein absolut verdichtetes Spannungsstück, in dem immer wieder der inszenatorische Wahnsinn durchschlägt: Gänge, die in grünem Licht zu Horrorwelten werden, ekstatische Tänze auf dem Hochhausdach, eine schauderhafte Puppe in der dunklen Auslage einer Bäckerei und immer wieder ein unbehaglich klingendes Kinderlied als begleitende Melodie. Dazu ein wunderbares Zusammenspiel zwischen Cop Faber (Klaus Wennemann) und einer so verzweifelten wie zwielichtigen Zeugin, deren entrückte, gespenstische Gestalt den ganzen Film einnimmt. Am Ende präsentiert Graf waghalsige Drehbuch-Finten, dazu gleich ein doppeltes Finale und ein unheimlich schönes nachgeschobenes Happy End. Ganz am Ende dann eine ergreifende Quasi-Liebeserklärung von Faber an die Zeugin: „Ich will wissen, was sie sehen, wenn sie die Augen schließen.“ Danach schön zum Weiterschauen: Grafs „Polizeiruf 110“-Meisterstück Der scharlachrote Engel“ von 2005.

Verhör am Sonntag (1993, fünfte Staffel, Episode 6)

In seiner vorletzten Fahnder-Episode bewegt sich Graf vom Genre eher weg, hin zu dem, was er ursprünglich an der Filmhochschule machen wollte, „französisierende Konversations-Filme“. In der ersten Szene kommt Faber aus seiner Wohnung, draußen alles graubraun, milchiges Morgenlicht, die Blätter fallen von den Bäumen und werden verwirbelt wie bei Douglas Sirk, dazu eine kleine sentimentale Klaviermelodie. Der Rest der Folge dann nur Dialog, Faber mit einer Frau (Claudia Messner), die sonntagmorgens zum Revier kommt, um den Selbstmord ihres Mannes zu melden. Der war aber schon Freitag, die letzten 24 Stunden fehlen ihrer Erinnerung. Langsam bricht der Dialog ihre inneren Widerstände auf und legt eine zerstörerische Ehe-Dynamik offen. Die Ehe ist längst geschieden, aber die Verbindung zwischen der Frau Vera und ihrem Mann ist bestehen geblieben, er ein hoffnungsloser Alkoholiker, des Lebens schon lange müde – sie zeigt Faber eine ganze Sammlung von Abschiedsbriefen, die er verfasst hat. Am Ende, wenn ihrer Erinnerung alles entlockt ist, da ist auch bei ihr der Lebenswille verloren gegangen. „Wo noch Erinnerung ist“, von ihr aus dem Off gesprochen, dazu die von Graf selbst komponierte traurige Klaviermelodie.

Dazu gibt es trotzdem einen launigen Nebenplot, nämlich Faber und seine Freundin Susanne (Barbara Freier), die sich über einen zwielichtigen Autoverkäufer ärgern – der hat ihm einen neuen BMW verdächtig günstig verkauft. Das ist auch das Schöne an vielen „Fahnder“-Folgen von Dominik Graf: wie leichtfüßig und ganz nebensächlich er über Alltag, über Menschen und Beziehungen erzählt und wie schön er das mit seiner ökonomischen Erzählweise in den seriellen Rahmen der Serie einbauen kann. Und viele dieser „Fahnder“-Folgen sind ja auch wie Vorstudien zu späteren Filmen. Diese Folge hier erinnert in ihrem Fokus auf Verhör und Erinnerung stark an den „Polizeiruf 110 – Er sollte tot“.

Bis ans Ende der Nacht (1992, vierte Staffel, Episode 16)

Den Fahnder selbst degradiert Graf die meiste Zeit über zur Randnotiz. Beide Hauptfiguren fliehen vor ihrem Leben und finden sich am Höhepunkt dieser Flucht auf dem Polizeirevier wieder: der erfolglose Autoknacker Sigi (Heinz Hoenig) und Nadine (Meret Becker), Tochter eines reichen Geschäftsmannes. Sigi, eigentlich bloß wegen einer Lappalie verhaftet, hat Nadine und Faber als Geiseln genommen, will seine Frau (Despina Pajanou) sprechen, mit ihr fliehen. Die eröffnet ihm aber, sie sei fertig mit ihm. Danach gibt es keinen Fixpunkt mehr, für Nadine sowieso nicht, für Sigi dann auch nicht mehr. Alles wird fallengelassen, das erpresste Lösegeld wird verbrannt, die Waffe aus dem Auto geworfen, das Auto unter der Brücke stehen gelassen. Die beiden wissen, dass es für sie nirgendwo hingehen kann.

Was Dominik Graf inszeniert. ist eine Möglichkeit zwischen zwei Menschen: Immer wieder bringt seine Montage Sigi und Nadine in Verbindung, die Sehnsucht in ihren Blicken, und am Ende, wenn alles vorbei ist, starren beide nur fassungslos ins Leere, Nadine hält sich die Augen zu, wenn sie im Auto neben ihrem verhassten Vater sitzt. Die Möglichkeit der Liebe war da, doch jetzt ist es zu spät, um etwas zu sagen. Damit lässt Graf den Film im Morgengrauen enden. Seine Inszenierung lässt Heinz Hoenigs verstörtes Gesicht in den Glasscheiben des Reviers brechen und verschmieren, und Meret Becker in ihren weißen Kleidern wie ein verlorenes Gespenst durch das ausgestorbene Polizeirevier tänzeln.

Christian Petzold („Transit“) sagt, alle Kinofiguren seien Gespenster, die sich materialisieren wollen – Sigi und Nadine aber bleiben tot. Anders als bei Petzold, in dessen Kino die Figuren immer Gespenster sind – Dominik Graf hat das mal „Schneewittchenkino“ genannt –, sind bei Graf und in dieser Folge die Figuren am Anfang noch sehr lebendig, geradezu von Lebensdurst zerfressen, bevor sie dann genau an ihren Sehnsüchten zerbrechen.

Baal (1992, vierte Staffel, Episode 9)

„Baal“ ist, nach J. Lee Thompsons klassischer Verfilmung „Ein Köder für die Bestie“ (1962) und dem 1991 beinahe zeitgleich zur „Fahnder“-Folge erschienenen Remake „Kap der Angst“ von Martin Scorsese die dritte Bearbeitung des „Cape Fear“-Plots, diesmal durch Graf-Stammautor Günther Schütter: Im Oktober kommt der Gewaltverbrecher Paulus (Hannes Jaenicke) aus der Haft frei – Faber hatte ihn festgenommen. Nun ist Paulus auf Rache aus, an Faber, seiner Freundin Susanne und ihrem gemeinsamen Kind.

Passend zu der Stimmung von Paranoia und Aggression die sich in der engen Wohnung des Fahnders ausbreitet, ist es Halloween, die Äußerlichkeiten spiegeln vereinfacht, verdichtet die Innerlichkeiten wider, wie so oft bei Graf, der den Konflikt zwischen dem in Rachefantasien zerflossenen Paulus und Faber unheimlich straff und auf den Punkt inszeniert, ihn in die 50 Minuten der Folge verdichtet. Was Schütters Drehbuch dem „Cape Fear“-Plot der beiden anderen Versionen noch hinzufügt, sogar sehr markant, ist ein kritischer Blick auf die Polizei. Generell verortet Dominik Graf die Gewalt überall, in allen Figuren. Wenn Fabers Freundin Paulus trifft, ihm Geld dafür bietet, dass er aufhört, und Baal legt ein Skalpell auf den Tisch, fragt sie direkt, wie aus einer abgründigen Faszination heraus, ob man damit jemandem die Haut abziehen könne. Daraufhin entgegnet er, das sei nun aber ihre Fantasie, nicht seine. Überhaupt geht in „Baal“ mindestens genau so grausame Gewalt von Faber aus wie von Paulus. Am Ende führt Paulus seine Gewalt in den Tod, und die Polizei verschweigt aus einem Korpsgeist heraus die eigene – alle kommen ungeschoren davon. Mit dieser Bilanz beendet Graf die Episode dann auch.

Über dem Abgrund (1988, zweite Staffel, Episode 2)

Bei einem Einsatz glaubt Faber, in einem der Gangster einen ehemaligen Polizei-Kollegen erkannt zu haben, seinen Nachforschungen zufolge ist der aber längst tot. Es entspinnt sich ein erzählerisches Netz in die Vergangenheit, um den vermeintlich toten Polizisten, der als V-Mann mit seinen Vorgesetzten Geld unterschlägt.

„Über dem Abgrund“ ist die Blaupause für Grafs spätere Kinoruine „Die Sieger“ (1994), in dem es ja auch um die maliziösen Verstrickungen eines V-Mannes gehen wird. Dicht inszeniert der Regisseur in dieser Folge Fabers Wirren mit dem Polizeisystem, dessen engmaschiges Netz an Vertuschungen kaum Durchsicht bietet. Am Ende sind alle am Verbrechen Beteiligten tot, was vermeidbar gewesen wäre, aber die Bürokraten sind froh drum, so ist’s für alle am einfachsten, Faber steht machtlos und enttäuscht daneben und geht dann lieber zu seiner Freundin, um sich über Kochrezepte zu streiten.

So ist das oft bei Dominik Graf, der dem ganz normalen Leben, den Alltagssituationen immer Platz freiräumt in seinen Geschichten, oft in den schönsten Momenten. Alle seine „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung als DVD: 29. November 2007 (zweite Staffel), 5. März 2009 (vierte Staffel), 9. April 2009 (fünfte Staffel)

Länge: etwa 50 Min. je Folge
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine Angabe
Originaltitel: Der Fahnder
BRD/D 1984–2005
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Günter Schütter u. a.
Stammbesetzung: Klaus Wennemann, Barbara Freier, Dieter Pfaff
Gäste: u. a. Meret Becker, Heinz Hoenig, Hannes Jaenicke, Klaus Lemke, Claudia Messner, Maja Maranow, Despina Pajanou, Heinrich Schafmeister
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Simon Kyprianou
Packshots: © Universal Pictures Germany GmbH

 

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