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Archiv der Kategorie: Film

Geheimagent Barrett greift ein – Zellenpest und Satanskäfer

The Satan Bug

Von Volker Schönenberger

SF-Thriller // „Satanskäfer“ („Satan Bug“) nennt sich im Original der Virus, das angetan ist, nach seiner Freisetzung binnen weniger Monate die ganze Welt zu entvölkern. In der deutschen Synchronisation wurde daraus die „Zellenpest“. Okay, kann man machen, klingt hier wie dort spektakulär. Der Wissenschaftler Dr. Hoffman (Richard Basehart) hat die Substanz im in der südkalifornischen Wüste gelegenen unterirdischen Forschungslabor „Station 3“ entwickelt. Dort sind mehr als 40 biochemische Kampftstoffe entstanden. Es kommt, wie es kommen muss: Der Sicherheitschef wird ermordet, die Zellenpest wird geklaut, und das anscheinend vom Direktor der Einrichtung, Dr. Baxter (Henry Beckman) persönlich.

Erpresser droht mit dem Ende der Menschheit

Auftritt unseres Helden: „Geheimagent Barrett greift ein“ – nach einer Viertelstunde bekommen wir Lee Barrett (George Maharis) endlich zu sehen. Drei Monate zuvor war er selbst noch Sicherheitschef von Station 3, doch Aufsässigkeit und ein loses Mundwerk haben ihn den Job gekostet. Nun holt ihn sein alter Boss in den Staatsdienst zurück – allerdings erst, nachdem zuvor mit einem unmoralischen Angebot seine Loyalität getestet wurde. Nun muss er sich mit einer monströsen Erpressung auseinandersetzen: Ein Unbekannter verlangt die Zerstörung von Station 3, andernfalls werde die Zellenpest auf die Menschheit losgelassen. Der Erpresser kündigt eine Demonstration der Wirksamkeit des Virus an …

Sind die Diebe durch den Zaun gekommen?

Er tut es tatsächlich und tötet die Bewohnerinnen und Bewohner einer Stadt in Florida. Dem damaligen Filmpublikum wollte man offenbar allzu schreckliche Bilder ersparen, wir bekommen lediglich einige Schwarz-Weiß-Luftbilder eines Films zu sehen, den sich Barrett und einige Mitstreiter anschauen. Diese Film-im-Film-Methode schafft Distanz, die das grausame Szenario etwas vom Publikum fernhält – clever gemacht, wenn das denn so beabsichtigt war.

Zwischen „Gesprengte Ketten“ und „Vierzig Wagen westwärts“

Regisseur John Sturges inszenierte „Geheimagent Barrett greift ein“ mit dem vergleichsweise schmalen Budget von weniger als zwei Millionen Dollar zwischen zwei Großproduktionen: Mit dem Kriegsgefangenen-Actionthriller „Gesprengte Ketten“ (1963) hatte er gerade einen Welterfolg gelandet, der Steve McQueen in Superstar-Sphären gehievt hatte. Nun bereitete er den Western „Vierzig Wagen westwärts“ mit Burt Lancaster vor, doch da sich der Beginn der Dreharbeiten um etliche Monate hinauszögerte, schob er die Verfilmung eines Romans von Alistair MacLean ein. Der Bestsellerautor hatte „Satanskäfer“ 1962 unter dem Pseudonym Ian Stuart veröffentlicht.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Die Budgetbeschränkungen sieht man dem Agenten-Abenteuer an: Etliche Szenen spielen sich im Innern ab, ob in Station 3 oder anderswo, und sind im Studio entstanden. Seinen Blick für die Inszenierung von Panoramen konnte Sturges mit seinem Kameramann Robert Surtees nur begrenzt einsetzen. Surtees wurde im Lauf seiner Karriere 16 Mal für den Oscar nominiert und gewann ihn immerhin dreimal: für die Kamera von „König Salomons Diamanten“ (1950), „Stadt der Illusionen“ (1952) und „Ben Hur“ (1959). Seine Arbeit für „Geheimagent Barrett greift ein“ ist als Pluspunkt zu werten, was für Innen- wie Außenaufnahmen gleichermaßen gilt. Auch der Score des für 18 Oscars nominierten und 1977 für den Soundtrack von „Das Omen“ auch prämierten Jerry Goldsmith (1929–2004) bringt Spannung.

James Bond lässt grüßen

Der Protagonist Lee Barrett orientiert sich klar erkennbar an einem gewissen James Bond. Der Agent mit der Lizenz zum Töten hatte 1962 in „James Bond 007 – James Bond jagt Dr. No“ seine cineastische Arbeit aufgenommen und rief zügig Epigonen auf den Plan, einer davon eben Lee Barrett. Darsteller George Maharis mangelt es aber etwas an Charisma, um als Lee Barrett Sean Connery alias James Bond Paroli zu bieten. Seine Eigenwilligkeit und Aufsässigkeit kommt nur zu Beginn zur Sprache, wenn aus seiner Akte zitiert wird, spielt aber im weiteren Verlauf keine Rolle mehr. Regisseur John Sturges hatte sich offenbar bewusst einen Fernsehschauspieler gesucht, den er zum Star aufbauen wollte, wie ihm das 1960 in „Die glorreichen Sieben“ bereits mit Steve McQueen gelungen war. Kann eben nicht immer klappen.

Geheimagent Barrett greift ein

Die deutsche Titelschöpfung passt in diesem Fall sogar besser als der Originaltitel, handelt es sich bei „Geheimagent Barrett greift ein“ doch um ein lupenreines Agenten-Abenteuer. Das fantastische Element und die Science-Fiction in Form des Virus nehmen zwar Raum ein, dennoch hätte die wörtliche Übersetzung „Satanskäfer“ das deutsche Kinopublikum in die Irre geführt. Immerhin bekamen deutsche Kinogänger sogar mit Barretts Synchronstimme Bond-Feeling serviert, lieh der deutsche Sprecher Gert Günther Hoffmann doch oft Sean Connery seine Stimme.

Mediabook von Anolis Entertainment

John Sturges war Profi genug, auch mit begrenzten Mitteln und ohne allzu großen Enthusiasmus ein unterhaltsames Abenteuer zu inszenieren. Langeweile kommt trotz der beachtlichen Länge von fast zwei Stunden jedenfalls nicht auf. Etwas überraschend, dass sich Anolis Entertainment für „Geheimagent Barrett greift ein“ entschieden hat, und die Reihe „Phantastische Filmklassiker“ fortzusetzen. Nach einem 80er-Film und zwei 70er-Produktionen sind nun also die 60er-Jahre an der Reihe. Das Mediabook genügt erwartungsgemäß den hohen Ansprüchen, die wir an Anolis-Veröffentlichungen haben. Im Booklet berichtet Mike Siegel Interessantes über den Film und seine Entstehung. Schönes Gimmick auf der beiliegenden Bonus-DVD: eine „Grindhouse“-Fassung des Films in altmodischer Optik inklusive vorgeschalteten zeitgenössischen Trailern und Werbung von damals – nette Idee. Ein neu eingesprochener Audiokommentar von Professor Doktor Marcus Stiglegger rundet das Gesamtpaket gut ab. Wir sind gespannt, womit Anolis die Reihe fortsetzt.

In diesem Fläschchen lauert die Apokalypse

Die Veröffentlichungen der Anolis-Reihe „Phantastische Filmklassiker“:

01. Mutant – Das Grauen im All (Forbidden World, 1982)
02. Willard (Willard, 1971)
03. Ben (Ben, 1972)
04. Geheimagent Barrett greift ein (The Satan Bug, 1965)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Sturges sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet. Ein weiterer lesenswerter Text zu „Geheimagent Barrett greift ein“ findet sich bei den Kollegen von Evil Ed, und auch das „Filmforum Bremen“ hat Lektüre darüber zu bieten.

Veröffentlichung: 31. August 2018 als 2-Disc Limited Mediabook mit zwei Covervarianten (Blu-ray & DVD)

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Satan Bug
USA 1965
Regie: John Sturges
Drehbuch: James Clavell, Edward Anhalt, nach einem unter dem Pseudonym Ian Stuart veröffentlichten Roman von Alistair MacLean
Besetzung: George Maharis, Richard Basehart, Anne Francis, Dana Andrews, John Larkin, Richard Bull, Frank Sutton, Edward Asner, Henry Beckman, Simon Oakland, Lee Remick
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger, deutsche „Grindhouse“-Kinofassung (128 Min.), US-Kinotrailer deutscher Kinotrailer Filmografie John Sturges, deutsche Titelsequenz, amerikanische Radio-Spots, deutscher Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet mit einem Text von Mike Siegel
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2018 Anolis Entertainment GmbH

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Weltengänger – Optik hui, Inhalt pfui

Chernovik

Von Paula Bierend

Fantasy // Mit „Weltengänger“ verfilmte der russische Regisseur Sergey Mokritskiy („Red Sniper – Die Todesschützin“) den gleichnamigen Roman seines Landsmanns Sergey Lukyanenko („Wächter der Nacht“). Die Prämisse ist vielversprechend, an der Umsetzung hapert es jedoch etwas. Ein wenig wirkt der Film wie ein russischer Versuch, mit den großen internationalen Science-Fiction-Produktionen mitzumischen. Die Spezialeffekte überzeugen teilweise, doch die Geschichte kann da nicht ganz mithalten.

Karriere hui, Liebe pfui

Der Computerspiele-Designer Kirill (Nikita Volkov) wird von seinem Arbeitgeber für die Entwicklung eines bahnbrechenden Spiels gefeiert. Karrieretechnisch stehen ihm nun alle Türen offen. Nur in der Liebe klappt es nicht so recht: Sein Herz gehört der schönen Anna (Olga Borovskaya), die hat ihn jedoch für eine Beförderung und einen neuen Mann verlassen. Sein bester Freund Konstantin ist stets an seiner Seite und hilft ihm, wo er kann.

Kirill erkundet die Welt Gimkim

Alles ändert sich, als plötzlich Renata (Severija Janusauskaite) in seiner Wohnung auftaucht und ihn aus den Erinnerungen aller Menschen, aus allen Unterlagen, Dokumenten und somit aus der Welt löscht. Kirill wurde zum Zöllner zwischen den Welten auserkoren. Er lebt von nun an in einem Turm, von welchem aus er in andere Welten – oder Paralleluniversen – reisen und sogar neue Realitäten erschaffen kann. Sein erstes Ziel wird die Welt Kimgim – ein warmherziger Ort, ohne Kriege oder Revolutionen. Dort lernt er Rosa (Yuliya Peresild) kennen, eine andere sogenannte Funktionale, die Kirll hilft, sich in seiner neuen Realität zurechtzufinden. Funktionale haben übermenschliche Kräfte, sie sind stark, schnell und quasi unsterblich. Kirill wird als einer der mächtigsten Funktionalen gefeiert, dabei aber scharf überwacht. Und seine neue Realität hat auch Schattenseiten: Es gibt strikte Regeln, wie zum Beispiel, dass er sich nur 15 Kilometer von seinem Turm entfernen darf und bestimmte Themen nicht angesprochen werden dürfen. Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert die Verbannung in einen Gulag (eine Gefängniswelt, die auf den Gulags der Sowjetunion basiert).

In Arkan liegt der Schlüssel zur Rückkehr

Trotz der vielen Annehmlichkeiten seines neuen Lebens will Kirill nur in seine alte Realität zurückkehren. Als Anna mit ihrem neuen Freund Anton (Evgeniy Tsyganov) im Zollamt auftaucht gibt es für Kirill kein Halten mehr. Kirill erfährt, dass die Welt Arkan den Schlüssel für seine Freiheit darstellt – doch sie wurde seit 60 Jahren nicht mehr betreten. Beim Versuch, Arkan zu finden und sein altes Leben zurückzubekommen, setzt er nicht nur sein, sondern auch Annas Leben aufs Spiel.

Renata (l.) und Rosa beobachten, wie Kirill in der neuen Gesellschaft der Funktionalen gefeiert wird

Zur Geschichte gehören noch sehr viel mehr Aspekte, Figuren und Details, die mehr oder weniger wichtig und essenziell sind, doch primär zu Verwirrung führen. Sieht man den Film zum ersten Mal, weiß man nicht so recht, wo einem der Kopf steht. Vieles passiert auf einmal, etliche Themen werden hastig eingeführt, nur teilweise erklärt und dann liegen gelassen. Regisseur Sergey Mokritskiy erschafft ein großes Chaos aus zu vielen – teils guten – Ideen. Der erste Band der zweiteiligen Buchreihe hat knapp 600 Seiten und es scheint, als sei es dem Drehbuchteam schwergefallen, zwischen bedeutsamen und unbedeutenden Details zu unterscheiden. Die Geschichte fließt nicht angenehm und es fällt sehr schwer zu differenzieren, ob etwas wichtig für den Verlauf der Handlung ist oder nicht. Sieht man „Weltengänger“ ein zweites Mal, fällt es einem leichter zu verstehen, worum es geht und warum die Figuren so handeln, wie sie es tun.

Auch beim zweiten Mal bleiben Fragen offen

Doch auch beim zweiten Gucken gibt es einige Fragen und Lücken im Plot, die nicht geklärt werden. Es passieren teilweise unerklärliche Dinge, die wichtig für die Geschichte sind oder scheinen, aber man kommt nicht so recht dahinter wieso. Das mag daran liegen, dass es sich nur um den Inhalt des ersten Buches handelt, nichtsdestotrotz hätte der Regisseur einige Details besser erklären und bestimmten Charakteren mehr Hintergrund geben können. Zwei Beispiele hierfür sind der Wasserfall in Kirills Zollamt und Annas neuer Freund Anton. Der Wasserfall taucht recht früh im Zollamt auf, und irgendwie scheint jeder genau zu wissen, welche Bedeutung und Funktion er hat. Jeder, der von einer Welt in eine andere reisen will, muss seine Hand durch den Wasserfall stecken, doch den Grund dafür erfahren wir nicht. Anton ist ebenfalls ein Funktionaler und scheint eine wichtige Rolle zu spielen, die über seinen Part als Annas neues Liebesinteresse hinausgeht. Doch welche Gründe er für sein Verhalten hat und was es mit seinem Erzählstrang auf sich hat, wird leider nicht deutlich. Die gesamte Gesellschaft der Funktionalen bleibt unerklärt. Die um sie herum aufgebaute Machtstruktur wird nicht plausibel erklärt, man weiß nur, dass es die Kommission und Kuratoren gibt. Wer über wen befehligt, ist unklar.

Im Zollamt entdeckt Kirill einen mysteriösen Wasserfall

Es mangelt „Weltengänger“ einfach daran, was einen epischen Science-Fiction- oder Fantasy-Film ausmacht: eine fundierte, plausible Welt. Natürlich müssen Science-Fiction und Fantasy bestimmte Prämissen akzeptiert werden, so wie die Möglichkeit der Zeitreise in „Terminator“ oder die Idee der Stromgewinnung in „Matrix“ – und diese Prämissen dürfen dann auch ihre Löcher haben. Aber davon ausgehend, sollte sich eine glaubwürdige Geschichte ergeben, die nicht dauernd neue Logiklöcher aufreißt. „Weltengänger“ ist kein solide gewebter Geschichtenteppich mehr, sondern ein Lochmuster. Einige der Löcher kann man mit eigenen Erklärungen und Interpretationen füllen, andere allerdings nicht.

Sergey Mokritskiy – kein russischer Fincher oder Gilliam

Was mich am meisten gestört hat, abgesehen davon, dass man sich den Großteil des Filmes selbst erklären muss, ist, dass ich den Film wirklich zweimal sehen musste, um ihm ansatzweise folgen zu können. Natürlich gibt es viele Filme, die beim zweiten oder dritten Mal besser werden, weil sich dann Details erklären und die Geschichte dadurch an Tiefe und mit jedem Mal ein bisschen mehr an Großartigkeit gewinnt. David Finchers „Fight Club“ und Terry Gilliams „12 Monkeys“ sind hierfür gute Beispiele, aber Sergey Mokritskiy macht es dem Zuschauer schwer, das Interesse für eine zweite Sichtung aufzubringen und das unterscheidet ihn deutlich von den zwei genannten Regisseuren. Die Geschichte wird plausibler, aber es ist noch immer die gleiche Geschichte, sie gewinnt nicht durchs erneute Gucken. Ich habe „Weltengänger“ beim zweiten Mal nicht plötzlich in einem völlig anderen Licht gesehen, weil ich nun Dinge verstand, die mir vorher rätselhaft erschienen. Lediglich die Verwirrung legt sich ein wenig.

Anna am Strand, den Kirill für sie erschuf

Technisch hat der russische Film mit „Weltengänger“ erstaunlich gut zu Hollywood aufgeschlossen. Aber die Geschichte ist leider überhaupt nicht Blockbuster-tauglich. Vielleicht hätte sich der Regisseur doch ein wenig mehr an Hollywood orientieren und der Geschichte mehr Zeit geben müssen. Dann hätte der Film eine interessante Alternative zum Hollywood-Mainstream werden können. So ist es leider nicht mehr als ein gut gemeinter Versuch.

Tipp: Originaltonspur schauen!

Abschließend ein Tipp: Die Übersetzung aus dem Russischen ist sehr ungenau und gibt den Dialogen teilweise andere Bedeutungen. Wer das nicht zu anstrengend findet, möge „Weltengänger“ mit der russischen Originaltonspur und deutschen Untertiteln schauen.

Kann der Weltengänger seine Liebste aus dem Gulag retten?

Veröffentlichung: 7. September 2018 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Russisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Chernovik
Internationaler Titel: A Rough Draft
RUS 2018
Regie: Sergey Mokritskiy
Drehbuch: Maksim Budarin, Denis Kuryshev, Sergery Mokritskiy, Olga Sobenina, nach einem Roman von Sergey Lukyanenko
Besetzung: Nikita Volkov, Severija Janusauskaite, Vilen Babichev, Olga Borovskaya, Oleg Feoktistov, Irina Gorbacheva, Sergei Kapkov, Andrey Merzlikin, Yuliya Peresild, Evgeniy Tsyganov
Zusatzmaterial: Kinotrailer
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Paula Bierend

Fotos, Packshot & Trailer: © 2018 capelight pictures

 

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Final Take-off – Einsame Entscheidung: Vulkanausbruch und Flugzeug-Action

Ekipazh

Von Volker Schönenberger

Katastrophen-Action // Der junge Alexey Gushchin (Danila Kozlovsky) hat seinen eigenen Kopf und ein kleines Problem mit Autoritäten. Keine guten Voraussetzungen für eine Karriere als Militärpilot. Als er während eines stürmischen Flugs den Befehl missachtet, Hilfsgüter abzuwerfen und stattdessen ein als Hochzeitsgeschenk eines Generals gedachtes Auto ins Meer befördert, kostet ihn das den Job. Bei einem Test im Flugsimulator einer zivilen Luftfahrtgesellschaft lässt ihn der strenge Prüfer Leonid Zinchenko (Vladimir Mashkov) zwar durchfallen, aber Alexey erhält den Job dennoch. Fortan fliegt er ausgerechnet mit Zinchenko. Auch in neuer Position eckt er an, beginnt aber immerhin eine Beziehung mit der Pilotin Alexandra Kuzmina (Agne Grudyte).

Alexey lernt seine Kollegin Alexandra kennen

Es zieht sich etwas. Mehr als eine Dreiviertelstunde benötigt Regisseur Nikolay Lebedev („Legend No. 17“), um uns seine Hauptfiguren nahezubringen. Besonders auf Leonid Zinchenko liegt das Augenmerk. Der erfahrene Pilot hat aufgrund seiner berufsbedingt großen Abwesenheitszeiten familiäre Probleme, wirkt anfangs hartherzig, aber bald wird deutlich, dass dies seinem großen Verantwortungsbewusstsein entspringt. Als das Passagierflugzeug der Protagonisten auf einem Südostasienflug einen Notruf von einer Aleuten-Insel auffängt, beginnt von jetzt auf gleich ein Action-Spektakel. Ein Vulkanausbruch hat viele Menschenleben gekostet, weitere Eruptionen und Erdstöße sind zu erwarten. Landebahnen sind zerstört oder beschädigt, Lavaströme nähern sich bedrohlich. All das ist dermaßen over the top inszeniert, dass ich mich in ein paar Sequenzen an das finale Duell auf dem Vulkanplaneten Mustafar in „Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith“ (2005) erinnert fühlte.

Kritisch und streng: der erfahrene Leonid Zinchenko

Die russische Action steht der aus Hollywood in nichts nach, auch was die Übertreibung angeht, aber deswegen schauen wir ja solche überdimensionalen Katastrophenfilme. Der deutsche Titel erinnert an den Flieger-Actionthriller „Einsame Entscheidung“ (1996) mit Kurt Russell, Halle Berry und Steven Seagal, hat aber damit nichts zu tun. Tatsächlich handelt es sich bei „Final Take-off – Einsame Entscheidung“ um ein Remake von „Flug durchs Feuer“ (1980), der als erster russischer Katastrophenfilm gilt.

Auf der Vulkaninsel bricht das Inferno aus

Von der Vulkaninsel geht es erneut in die Luft zum nächsten und übernächsten Action-Höhepunkt. Was der Film im ersten Drittel an Action vermissen ließ, holt er bis zum Ende locker wieder auf. Die Botschaft von der Sinnhaftigkeit, gegen sture Befehle und Regeln aufzubegehren, kommt zwar alles andere als feinfühlig daher, das lässt sich aber verschmerzen, zumal die Figuren nicht unsympathisch gezeichnet sind und wir daher gern mit ihnen mitfiebern. Die eher klassische und nur begrenzt dem Computer entstammende Tricktechnik bereitet Freude, sodass sich das Publikum durchaus ins Goldene Zeitalter der Katastrophenfilme zurückversetzt fühlen kann – die 1970er. Wer dem zugeneigt ist und sich von ein paar Ungereimtheiten und Unglaubwürdigkeiten nicht abschrecken lässt, darf „Final Take-off – Einsame Entscheidung“ eine Chance geben.

Die Piloten müssen eine Entscheidung treffen

Veröffentlichung: 2. August 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 123 Min. (Blu-ray), 118 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Russisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Ekipazh
Internationaler Titel: Flight Crew
RUS/KAMB 2016
Regie: Nikolay Lebedev
Drehbuch: Tikhon Kornev, Yuriy Korotkov, Nikolay Kulikov, Nikolay Lebedev, Aleksey Onishchenko
Besetzung: Danila Kozlovsky, Vladimir Mashkov, Agne Grudyte, Egor Morozov, Sergey Shakurov, Sergey Romanovich, Sergey Gazarov, Yan Ge
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, russischer Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2018 Tiberius Film

 

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