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Archiv der Kategorie: Blu-ray/DVD

Guardians – Genosse Superheld

Zashchitniki

Von Matthias Holm

SF-Action // Jeder möchte ein Stück vom Kuchen abhaben – das weiß man nicht erst, seit die Billigschmiede The Asylum sogenannte Mockbuster produziert. Momentan sind nun mal die Superheldenfilme der angesagte Trend im Kino, wieso also nicht auf den Zug aufspringen? Das dachten sich wohl auch die russischen Filmemacher, weshalb sie mit „Guardians“ ihre ganz eigene Variante der Übermenschen inszenierten.

Superhelden dank des Kalten Krieges

Während des Kalten Krieges versuchten die Russen mit aller Macht, das Wettrüsten zu gewinnen. So entwickelte der Wissenschaftler Kuratov (Aleksandr Komissarov) eine Methode, Menschen übernatürliche Fähigkeiten zu verleihen. Doch ganz uneigennützig ist das nicht – Kuratov hatte nicht weniger als die Weltherrschaft für sich im Sinn. Die Helden gerieten in Verruf und mussten sich verstecken. Doch in der Gegenwart erscheint Kuratov wieder auf der Bildfläche, und so müssen die Patriots, so der Name der Truppe, wieder zusammenfinden.

Seit wann hat das „Ding“ ein Gesicht?

Das klingt nicht sonderlich originell, und tatsächlich ist „Guardians“ über weite Strecken überraschungsarm. Es gibt einige nette Ansätze, die zeigen, dass die Macher das Genre kennen. So wird nicht eine einfache Origin-Story erzählt, sondern vieles aus der Vergangenheit der Figuren in Gesprächen aufgearbeitet. Richtig viel Tiefe bekommen sie dadurch zwar nicht, aber es ist ein Ansatz, den man so eher selten bei Superheldenfilmen sieht.

Kuratov hat nichts Gutes im Sinn

Seine größte Stärke hat „Guardians“ bei der deutschen Synchronisation. Da ich nicht des Russischen mächtig bin, fällt ein Vergleich mit dem Original schwer. Aber die Menge an Referenzen und Anspielungen auf bekannte Marken sorgen bei Fans für Freudensprünge. Ein Beispiel wäre das Einbauen des Namen Wade Wilson – dem Kinogänger eher bekannt als „Deadpool“. Doch da wird nicht haltgemacht. Durchgehend werden auch russische Stereotype und Vorurteile durch den Kakao gezogen, was den Film zu einem diebischen Vergnügen macht. Umso interessanter, dass capelight pictures eine weitere Edition des Films mit einer alternativen Synchronfassung herausbringt. Da diese mir nicht vorlag, kann ich allerdings die Intention dahinter nicht herausarbeiten.

Nicht hübsch, aber ansehbar

Wie die großen Hollywood-Vorbilder setzt auch „Guardians“ extrem auf computergenerierte Bilder. Hier sieht man den technisch Rückstand zu den großen des Genres – etwa Marvel – allerdings deutlich. Auch wenn die Idee, eine Halb-Mensch-halb-Bär-Figur samt Gatling Gun einzubauen, sehr unterhaltsam ist, hat man nie das Gefühl, dass der Bärenkopf so richtig auf den menschlichen Körper passt. Für das vom optischen Bombast verwöhnte Auge mag das problematisch sein, allerdings sind die Effekte nicht so schlimm, dass man das alles nicht ertragen könnte.

Die Guardians in Aktion

Dank der witzigen Sprüche macht die russische Superhelden-Variante enorm viel Spaß. Ohne das hätte man einen nicht sonderlich hübsch anzusehenden, enorm vorhersehbaren und damit austauschbaren Film. Ob das reicht, sich diesen kuriosen Film zuzulegen, sei jedem selbst überlassen, launig ist „Guardians“ allerdings schon.

Veröffentlichung: 28. Juli 2017 als Blu-ray und DVD in der Heroes Edition, 02. Juni 2017 als Blu-ray (auch im Steelbook) und DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Russisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Zashchitniki
RUS 2017
Regie: Sarik Andresyan
Drehbuch: Andrey Gavrilov
Besetzung: Anton Pampushnyy, Sanjar Madi, Sebastien Sisak, Alina Lanina, Valeriya Shkirando, Vyacheslav Razbegaev
Zusatzmaterial: O-Card, Featurettes „Die Idee zum Film“, „Die Erschaffung der Guardians“, „Stunts & Visual Effects“, Trailer, Trailershow, nur Heroes Edition: alternative Synchronfassung
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Matthias Holm

Fotos, Packshots & Trailer: © 2017 Al!ve AG / capelight pictures

 

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Ernest Borgnine (IV): Geheimcode Wildgänse – Im Dschungel geht’s mal wieder hoch her

Geheimcode Wildgänse

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Ernest Borgnine, Lee van Cleef, Klaus Kinski, Lewis Collins – der Schweizer Produzent Erwin C. Dietrich ließ 1984 seine Kontakte spielen, um dem italienischen Regisseur Antonio Margheriti eine gute Besetzung zu bescheren. Bemerkenswert, dass das für einen Film wie „Geheimcode Wildgänse“ möglich war – aber in den 80ern waren sich manche Stars selbst für politisch unkorrekte Söldner-Exploitation nicht zu schade.

Söldner-Einsatz im Goldenen Dreieck

Lewis Collins spielt Captain Robin Wesley, der eine Schar Söldner anführt, darunter Klein (Manfred Lehmann) sowie Arbib (Thomas Danneberg), der nach einer missglückten Übung mit der Folge eines Schwerverletzten nicht gut auf seinen Boss zu sprechen ist. Wesleys Hongkong-Kontaktmänner Walter Brenner (Hartmut Neugebauer) und Charlton (Klaus Kinski) vermitteln den Söldnern einen Auftrag der US-Drogenbehörde DEA, vertreten durch Frank Fletcher (Ernest Borgnine). Es gilt, im Goldenen Dreieck von Indochina den großen Drogenstützpunkt von General Lao Khan (Protacio Dee) zu zerstören. Anfangs läuft alles nach Plan.

Von 1985 bis 2013 befand sich „Geheimcode Wildgänse“ auf dem Index. Nach der Listenstreichung erhielt der Söldner-Actioner in ungeschnittener Form sogar eine Altersfreigabe ab 16 Jahren. Nach heutigen Maßstäben ist das völlig gerechtfertigt. Zwar haben wir es mit selbstzweckhafter Gewalt zu tun, dennoch wirkt alles harmlos genug und nicht angetan, 16-Jährige nachhaltig zu verstören. Die Story dient trotz einiger Wendungen lediglich als Aufhänger, den Zuschauern reichlich Schusswechsel, Explosionen und sonstiges Gemetzel zu präsentieren.

Synchronsprecher als Schauspieler

Eine namhafte Riege deutscher Synchronsprecher tummelt sich in „Geheimcode Wildgänse“ unter den Darstellern: Manfred Lehmann (Stimme u. a. von Bruce Willis, Gérard Depardieu, Dolph Lundgren, Kurt Russell, James Woods), Thomas Danneberg (Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, John Travolta), Frank Glaubrecht (Pierce Brosnan, Kevin Costner, Al Pacino), Hartmut Neugebauer (Gene Hackman, John Goodman, Robbie Coltrane) und Wolfgang Pampel (Harrison Ford, Larry Hagman) kennen wir als Stimmen großer Stars. Das Engagement in anspruchsloser Action wie dieser sei ihnen gegönnt. Ob die Gage höher lag als für ihre Sprecher-Jobs? „Geheimcode Wildgänse“ hatte seinen bundesdeutschen Kinostart am 5. Oktober 1984, wenige Wochen später habe ich ihn als Teenager geschaut und war ganz angetan. Bei der erneuten Sichtung habe ich mich ebenfalls gut unterhalten gefühlt, aber richtig toll ist das natürlich nicht. Das Lexikon des internationalen Films findet „Geheimcode Wildgänse“ unerträglich in seinem pausenlosen Gemetzel. Das kann man so sehen, manche Actionfans wird eine solche Verdammung eher anlocken.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Antonio Margheriti sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ernest Borgnine in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 2. Dezember 2014 als Teil der „The Ultimate Mercenary Collection“ (6 Blu-rays bzw. DVDs), 13. Mai 2014 als Blu-ray und DVD, 24. Mai 2013 als 2-Disc Mediabook (Blu-ray & DVD, auf 1.000 Exemplare limitiert) in zwei Covervarianten, 1. September 2003 & 6. November 2001 als DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Geheimcode Wildgänse
IT/BRD 1984
Regie: Antonio Margheriti (als Anthony M. Dawson)
Drehbuch: Michael Lester
Besetzung: Lewis Collins, Lee van Cleef, Ernest Borgnine, Klaus Kinski, Manfred Lehmann, Mimsy Farmer, Thomas Danneberg, Frank Glaubrecht, Wolfgang Pampel, Hartmut Neugebauer, Protacio Dee
Zusatzmaterial: Original-Kinotrailer, Promoversion „Geheimcode Wildgänse“ (24:34), Featurette „Söldner Stories“ (27:54), „Manfred Lehmann: Stirb langsam auf den Philippinen“ (Interview von 2001, 14:24), „Thomas Danneberg: Södlner und Synchronstar“ (17:08), Interview mit Hartmut Neugebauer (3:49), Interview mit Klaus Kinski (13:01), Original Film Soundtrack, Fotogalerie, „Mädchen, Machos und Moneten“ (ROM-Teil), Trailershow, Wendecover mit alternativem Motiv
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Packshot Blu-ray: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment, Packshots Mediabook: © 2013 NSM Records

 

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William Friedkin (V): Das Kindermädchen – Mein Freund, der Baum

The Guardian

Von Andreas Eckenfels

Horror // 17 lange Jahre sollte es dauern, bis William Friedkin nach seinem Meisterwerk „Der Exorzist“ wieder einen Horrorfilm inszenierte. Eigentlich war Sam Raimi der erste Kandidat, den Roman „Satans Frau“ von Dan Greenburg zu verfilmen. Doch der „Tanz der Teufel“-Regisseur sagte ab und drehte stattdessen „Darkman“. Also bat Produzent Joe Wizan seinen alten Bekannten darum, einen Blick in das Drehbuch zu werfen. Aus alter Verbundenheit zu seinem früheren Agenten sagte Friedkin schließlich zu, den Regieposten bei „Das Kindermädchen“ zu übernehmen – und das obwohl ihm das Skript komplett missfiel.

Camilla erhält bei den Sterlings einen Job als Kindermädchen

So setzte sich Friedkin gemeinsam mit Stephen Volk an einen Tisch, um das Drehbuch zu überarbeiten. Doch offenkundig konnten sich Studio und Autoren nicht über die Ausrichtung des Films einigen. Nach einem Nervenzusammenbruch verließ Volk das Projekt. Friedkin oblag es nun, das finale Drehbuch fertigzustellen, obwohl er nach eigenen Angaben Greenburgs Roman nie gelesen hatte. Seine Geschichte entfernt sich dann auch sehr weit von der Vorlage.

Babysitterin gesucht

Nach ihrem Umzug nach Los Angeles ist das Ehepaar Phil (Dwier Brown) und Kate Sterling (Carey Lowell) auf der Suche nach einem Babysitter für ihr Söhnchen Jake. Als ihre erste Wahl Arlene (Theresa Randle) durch einen mysteriösen Fahrrad-Unfall ums Leben kommt, entscheiden sich die Sterlings schließlich für Camilla (Jenny Seagrove). Das britische Kindermädchen ist bald ein Teil der Familie, und auch Nachbar Ned (Brad Hall) hat mehr als ein Auge auf sie geworfen. Als er ihr eines Abends heimlich in den Wald folgt, beobachtet er Camilla dabei, wie sie zunächst ein Nacktbad in einem See nimmt und sich kurz später auf dem großen Ast eines uralten Baumes räkelt. Neds Pech: Er bleibt nicht unentdeckt. Auf der Flucht kann er noch eine Warnung auf Phil und Kates Anrufbeantworter hinterlassen, danach tötet ihn Camilla mit der Hilfe einiger Wölfe …

Ein düsteres Geheimnis umgibt die junge Frau

25 Jahre nach seiner Indizierung wurde diese im März 2017 aufgehoben. Einen Monat später erhielt „Das Kindermädchen“ eine Freigabe ab 16 Jahren. Nach heutigen Maßstäben geht das völlig in Ordnung. Die wenigen blutige Szenen haben es immerhin in sich – auch wenn Friedkin sofort nach dem Schock-Moment wegschneidet und die Gewalt nicht voll auskostet. Besonders hart trifft es drei mutmaßliche Vergewaltiger, die Camilla in den Wald verfolgen und schließlich von dem Baum getötet werden. Ähnlich wie Phil und Kate und später Camilla auf den kleinen Jake aufpassen, fungiert hier der Baum für seine Dienerin als Beschützer vor dem Bösen. So erhält der Originaltitel „The Guardian“ auch eine mehrfache Bedeutung.

Druidin sorgt für ihren stämmigen Beschützer

„Das Kindermädchen“ nutzt ohne große Überraschungen die üblichen Mechanismen eines Psychothrillers. Eine fremde Person nistet sich in einer heilen Familie ein, um diese Einheit zu zerstören. Dass das Skript noch während des Drehs mehrfach umgeschrieben wurde, merkt man dem holprigen Verlauf der Handlung an. Löblich ist dabei, dass Friedkin darauf verzichtet, Camilla den Ehemann verführen zu lassen. Zwar träumt Phil davon, dass er mit der Babysitterin ein Schäferstündchen eingeht, aber im Wachzustand herrscht zwischen beiden keinerlei sexuelles Prickeln. Camilla ist voll und ganz auf ihr Ziel fokussiert, den kleinen Jake ihrem Baum als Opfer darzureichen. Schon im Prolog hat der Zuschauer erfahren, was ein Druide ist und somit auch, was es mit Camillas Geheimnis auf sich hat. Damit geht natürlich frühzeitig einiges an Spannung verloren.

Mit Camillas stämmigem Freund sollte man sich besser nicht anlegen

Allerdings macht diese übernatürliche Komponente „Das Kindermädchen“ durchaus sehenswert, sofern man ein wenig Interesse für die Mythologie des Druidentums mitbringt und für die Metapher des Baumes als Sinnbild des Lebens etwas übrighat. Für alle anderen Zuschauer kann das Geschehen ansonsten schnell ins Lächerliche abdriften. Aber die Hingabe, mit der Camilla ihrem „stämmigen“ Beschützer treu ergeben ist, macht sie zu einer äußerst selten gesehenen und gleichzeitig höchst faszinierenden Figur, mit deren leidenschaftlichen Darstellung sich Jenny Seagrove einen Platz unter den großen Horrorikonen mehr als verdient hat.

Roger Ebert hasste „Das Kindermädchen“

Für Friedkin war die Rückkehr ins Horrorgenre 1990 künstlerisch wie kommerziell ein Misserfolg. „Das Kindermädchen“ wurde zerrissen, der legendäre Filmkritiker Roger Ebert setzte das Werk sogar auf seine Liste der meistgehassten Filme. Wie Seagrove im Interview erzählt, welches im Bonusmaterial zu finden ist, hatte sie sich im Angesicht der zahlreichen Skriptänderungen schon während des Drehs immer wieder gefragt, ob die Geschichte ohne die Fantasy-Elemente nicht besser funktioniert hätte. Eine Babysitterin entführt die Kinder, auf die sie aufpassen soll. Es wäre wohl in finanzieller Hinsicht die bessere Wahl gewesen: 1992 schaffte es der Psychothriller „Die Hand an der Wiege“ mit Rebecca DeMornay auf Platz 12 der erfolgreichsten Filme des Jahres in den USA.

Wird der kleine Jake ein weiteres Opfer des Baumes werden?

Welche Regiearbeiten William Friedkins sollen wir bei „Die Nacht der lebenden Texte“ noch vorstellen? Seine bis dato von uns berücksichtigten Filme sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 13. Juli 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Guardian
USA 1990
Regie: William Friedkin
Drehbuch: William Friedkin, Stephen Volk, basierend auf dem Roman „Satans Frau“ von Dan Greenburg
Besetzung: Jenny Seagrove, Dwier Brown, Carey Lowell, Brad Hall, Miguel Ferrer, Natalija Nogulich, Gary Swanson, Xander Berkeley
Zusatzmaterial: Interviews mit Cast & Crew, Making-of, Cast & Crew Profiles, englischer Trailer, TV Spots, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Wendecover
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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