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Archiv der Kategorie: Blu-ray/DVD

L.A. Story – Steve Martin und das Verkehrszeichen

L.A. Story

Von Volker Schönenberger

Komödie // Steve Martin – welch wunderbarer Komiker! Seine Humor-Sporen verdiente sich der 1945 im texanischen Waco Geborene Ende der 1960er-Jahre auf Kleinkunst-Bühnen und ab den 1970ern auch vermehrt im US-Fernsehen. So war er ab 1976 zehn Jahre lang Moderator von „Saturday Night Life“, der legendären Comedy-Show, die so viele berühmte US-Spaßmacher hervorgebracht hat. Ich bin erstmals in den 80ern auf Martin aufmerksam geworden, wobei ich nicht mehr weiß, mit welchem Kinofilm das war. Womöglich „Der Mann mit zwei Gehirnen“ (1983) in welchem er den Neurochirurgen Doktor Hfuhruhurr (!) verkörperte, der sich in ein in einer Nährlösung schwimmendes Gehirn verliebt. In „Roxanne“ (1987) spielte Steve Martin frei nach „Cyrano de Bergerac“ einen wortgewandten Feuerwehrmann mit übergroßer Nase, der sich unglücklich verliebt.

Highlight: „Tote tragen keine Karos“

Einen der Höhepunkte seines Schaffens stellt zweifellos „Tote tragen keine Karos“ (1982) dar. Die Schwarz-Weiß-Parodie auf klassische Thriller und Krimidramen enthält kunstvoll eingebaut Originalszenen aus Film-noir-Klassikern, sodass der von Steve Martin verkörperte Privatdetektiv Rigby Reardon mit Größen wie Bette Davis, Ava Gardner, Barbara Stanwyck, Humphrey Bogart, Kirk Douglas und Burt Lancaster interagiert. Unvergessen auch: Martins Auftritt als sadistischer Zahnarzt im schreiend komischen Grusel-Musical „Der kleine Horrorladen“ (1986). Dreimal moderierte er die Oscar-Verleihung, 2014 erhielt er selbst den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk.

Performance Art oder Zeitverschwendung?

Mein Name ist Harris K. Telemacher. Ich lebe in Los Angeles und ich hatte bisher sieben Herzinfarkte. Allesamt eingebildete. Ich will damit sagen: Ich war zutiefst unglücklich, aber das wusste ich nicht, weil ich die ganze Zeit so furchtbar glücklich war. Mit diesen Worten aus dem Off lernen wir den von Steve Martin verkörperten Protagonisten von „L.A. Story“ kennen. Der Meteorologe Harris ist promovierter Philosoph und verdient sich seine Brötchen als komödiantischer Wetterfrosch fürs Fernsehen.

Manche Freundinnen kann man vergessen

Bei einem Treffen mit oberflächlichen Bekannten (darunter Top-Model Iman) im Restaurant an der Ecke Sunset und Crescent lernt er Sara McDowell (Martins damalige Ehefrau Victoria Tennant) kennen. Die Engländerin ist gerade eingetroffen, um für die „London Times“ einen Artikel über Los Angeles zu schreiben und fällt mit ihrer unkonventionellen Art aus dem Rahmen. Sie beeindruckt Harris so sehr, dass er bei der Abfahrt glatt seine Freundin Trudi (Marilu Henner) am Bordstein vergisst. Mit der etwas zickigen Trudi verbindet ihn nicht allzu viel, die Beziehung der beiden mag ein Grund sein, weshalb er unbemerkt unglücklich ist. Glücklicherweise entdeckt er bald, dass sie ihn mit seinem Agenten (Kevin Pollak) betrügt.

An Shakespeares Grab

Gern erklärt sich der Wetterfrosch bereit, Sara sein Los Angeles zu zeigen: Ein paar Gebäude hier sind schon über 20 Jahre alt. Im Museum für Musikgeschichte schauen sich die beiden Beethoven’s Balls an, besuchen anschließend das Grab von William Shakespeare (nun ja). Weil Harris am folgenden Wochenende nicht arbeiten will, zeichnet er dreisterweise den Wetterbericht vorab auf. Er prognostiziert natürlich strahlenden Sonnenschein, denn: Wir sind doch in Los Angeles. Was soll sich groß ändern? Klar, dass es ausgerechnet diesmal wie aus Kübeln schüttet. Davon lässt sich Harris nicht stören, wird er doch gerade von der kecken Hosenverkäuferin SanDeE (Sarah Jessica Parker) becirct. Derweil versucht Saras Ex-Ehemann Roland Mackey (Richard E. Grant) mit Inbrunst, sie zurückzugewinnen. Und dann ist da noch das elektrische Verkehrszeichen am Freeway, auf welches Harris erstmals während einer Panne aufmerksam wird und das ihm auf geradezu magische Weise wohlmeinende Ratschläge, Voraussagen und ein Rätsel mit auf den Weg gibt.

Auch SanDeE bringt Trubel

„L. A. Story“ strotzt vor kleinen bizarren Einfällen wie einer wie selbstverständlich auf dem Highway beginnenden Schießerei, weil ja an diesem Tag die Jagdsaison eröffne. Woody Harrelson hat eine kleine Rolle als Harris’ Boss. Einen weiteren Kurzauftritt absolviert Patrick „Captain Picard“ Stewart – er spielt den Maitre des Nobelrestaurants „L’Idiot“, das seine Gäste genau überprüft, bevor es eine Reservierung annimmt. Chevy Chase ist als Filmstar Carlo Christopher zu sehen, der im „L’Idiot“ den gleichen Tisch wie gewöhnlich bekommt, obwohl er einen guten haben will, was sich als völlig unmöglich erweist. Dieser skurrile Humor ist wie selbstverständlich inszeniert und gibt sich nonchalant. Was klamaukig wirken könnte, wird so einfach zauberhaft. Dazu passen auch die Mono- und Dialoge von „L.A. Story“: So jung ist sie gar nicht mehr. Sie wird 27 – in vier Jahren. Diverse explizite und implizite Verweise auf Shakespeare würzen das Ganze, genannt sei die Einlage des von Rick Moranis gespielten Totengräbers. Und wer mit Shakespeares Bühnenstücken „Ein Sommernachtstraum“ („A Midsummer Night’s Dream“) und „Der Sturm“ („The Tempest“) vertraut ist, wird womöglich ein paar inhaltliche Versatzstücke wiedererkennen.

Drehbuchautor Steve Martin

Steve Martin schrieb diverse Drehbücher seiner Kinohits selbst, so auch in diesem Fall. Mit „L.A. Story“ lieferte er eine warmherzige Liebeserklärung an die kalifornische Metropole ab, die bei aller Überzeichnung nie ins Zynische abgleitet. Regisseur Mick Jackson („Volcano“) gibt seinem Star die Freiheiten, die der Film braucht, wobei es andererseits auch sein kann, dass Martin gar nicht viele Freiheiten brauchte, weil er sich auf sein eigenes Skript verlassen konnte. Ich habe die Komödie erstmals seinerzeit im Kino gesehen und seitdem gern wieder. Meine anlässlich der vorbildlichen Blu-ray-Veröffentlichung erfolgte Sichtung wird womöglich nicht die letzte gewesen sein und hat Lust gemacht, weitere Steve-Martin-Komödien mal wieder zu gucken. Koch Films hat im Übrigen reichlich Bonusmaterial auf die Scheibe gepackt. Aufgrund der Rolle von Los Angeles als heimliche Hauptdarstellerin empfiehlt sich insbesondere der Blick auf das Featurette über die Drehorte.

Wird das Verkehrszeichen Harris und Trudi den Weg weisen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Mick Jackson haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Woody Harrelson, Steve Martin und Patrick Stewart unter Schauspieler. Welche Steve-Martin-Filme sind eure Favoriten?

Veröffentlichung: 11. Juni 2020 als Blu-ray, 29. Mai 2001 als DVD

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: L.A. Story
USA 1991
Regie: Mick Jackson
Drehbuch: Steve Martin
Besetzung: Steve Martin, Victoria Tennant, Richard E. Grant, Marilu Henner, Sarah Jessica Parker, Kevin Pollak, Susan Forristal, Sam McMurray, Patrick Stewart, Andrew Amador, Iman, Rick Moranis, Paula Abdul, Woody Harrelson
Zusatzmaterial Blu-ray: Making-of, Hinter den Kulissen, Featurette „Die Story von L.A. Story“ mit Produzent David Melnick, Featurette „Das L.A. von L.A. Story“ über die Drehorte des Films, geschnittene Szenen und alternatives Ende, Interviews mit Cast & Crew, TV-Spots, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, deutscher und englischer Trailer, Vertikalschuber, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Trailer
Label/Vertrieb Blu-ray: Koch Films
Label/Vertrieb DVD: AVU

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Blu-ray-Packshot: © 2020 Koch Films

 
 

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Spiel der Geier – Altstars mischen im rhodesischen Bürgerkrieg mit

Game for Vultures

Von Leonhard Elias Lemke

Kriegs-Action // Von 1964 bis 1979 tobt in Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, ein blutiger Bürgerkrieg. Um der blutigen Fehde Einhalt zu gebieten, verhängt der UN-Sicherheitsrat weitgehende Sanktionen, darunter ein Waffenembargo. Ohne Konkurrenz ist das allerdings für illegale Waffenhändler ein umso lukrativeres Geschäft: Der südafrikanische Geschäftsmann David Swansey (Richard Harris) schließt einen Deal und verspricht der rhodesischen Regierung deutsche Kampfhubschrauber. Das schmeckt ganz besonders dem Rebellenführer Gideon Marunga (Richard Roundtree) ganz und gar nicht. Anfangs noch auf Distanz, bringt der Konflikt die ungleichen Haudegen einander unangenehm nah.

Fargo, James Fargo

1979 veröffentlicht, basiert „Spiel der Geier“ auf wahren Begebenheiten. Vier Jahre zuvor war Michael Hartmanns Roman erschienen, nun sah man die Zeit reif für eine filmische Adaption. Phillip Baird brachte das Buch in Drehform. Gefilmt wurde in London und Südafrika – als Stand-In für Rhodesien. Regie führte der Amerikaner James Fargo, dem 1976 zum Debüt immerhin das dritte Auftreten Dirty Harrys anvertraut wurde und der 1978 mit „Der Mann aus San Fernando“ einen weiteren Clint-Eastwood-Actioner ablieferte. Mit den Altstars Harris und Roundtree sowie Joan Collins als des Blonden Konkubine, Dauerbrenner Ray Milland und Indys rechter Hand Denholm Elliott sah man sich schauspielerisch bestens gewappnet. Pustekuchen.

Wie Geier müsst Ihr spielen

„Spiel der Geier“ war Bairds Debüt-Drehbuch und sollte auch sein letztes bleiben. Nicht ohne Grund. Über Gehalt des Romans könnte ich an dieser Stelle nur spekulieren, aber in Spielfilmlänge wird überdeutlich, dass man sich hier übernommen hat. Man zeigt den Krieg, die verhandelnden Anzugträger, das Techtelmechtel der Figuren und verliert sich ob der vielen Nebenschauplätze. Die Kraftverhältnisse bleiben nicht nachvollziehbar für das Publikum.

Feinde: Waffenhändler David Swansey und …

Die Fäden in der Hand zu halten, gelingt auch den bekannten Mimen nicht. Im Gegenteil: Richard Roundtree wirkt noch ganz frisch, aber hier auch eher wie Shaft als rhodesischer Rebellenführer. Harris war noch nicht mal 50, sieht aber dank Alkohol aus wie 70 mit konstantem Bad-Hair-Day. Da hilft auch der beste Weichzeichner nichts. Umso unangenehmer wirkt das aufgesetzte Anschmiegen von Joan Collins. Da half auch vermeintliche Routine als Söldner ein Jahr zuvor nichts – siehe „Die Wildgänse kommen“. Müßig, dass man ihm flotte Sprüche nur so aufdrängte, denn keiner davon landet im Herzen des Zuschauers. Es ist legitim, keine Identifikationsfigur anzubieten. Doch dann sollte der Film bitte von herausragender Intensität sein. Regisseur James Fargo war möglicherweise sichtbar überfordert mit dem Stoff und seinem Cast sowie den Ansprüchen des Studios, einen Kriegs-, Abenteuer- und Politfilm zugleich liefern zu müssen.

Krieg ist kein Spiel

„Punkten“ kann „Spiel der Geier“ mit einer recht unschönen, aber passenden Härte in der Gewaltdarstellung, die sich dann aber natürlich mit dem Unterhaltungsanspruch beißt. Denn während noch in einem Moment Kinder erschossen werden und Gedärme platzen, wird im nächsten schon Rebellentum romantisiert. Zitat: „Ich habe noch nie jemanden ohne Grund getötet.“, oder zu einem übermotiviertem Jugendlichen: „Deine Zeit (im Krieg) wird kommen!“. Untermalt von feierlicher Musik. Unangemessen ob des ernsten Themas. Pidax Film hat hier einen selten gesehenen Film veröffentlicht, der das vielleicht besser bleiben sollte.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Richard Harris und Ray Milland haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… Rebellenführer Gideon Marunga

Veröffentlichung: 5. April 2019, 20. Januar 2011 und 21. Januar 2004 als DVD

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Game for Vultures
GB 1979
Regie: James Fargo
Drehbuch: Phillip Baird, nach einem Roman von Michael Hartmann
Besetzung: Richard Harris, Richard Roundtree, Joan Collins, Ray Milland, Denholm Elliott, Sven-Bertil Taube, Ken Gampu, Tony Osoba, Neil Hallett
Zusatzmaterial: Wendecover
Label 2019: Pidax Film
Vertrieb 2019: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2011: EuroVideo Medien GmbH
Label/Vertrieb 2004:SPV

Copyright 2020 by Leonhard Elias Lemke

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2019 Pidax Film

 

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Bataillon der Verdammten – Die Schlacht um Jangsari: Wenn junge Männer verheizt werden

Jangsa-ri 9.15

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Mitte September 1950: Im Laderaum eines Frachtschiffs auf Hoher See hocken 772 junge Männer dicht beieinander. Von Seekrankheit geplagt, erwarten sie die Landung des Truppentransporters „Munsan“ am Strand des von Nordkorea besetzten Jangsari. Gerade noch Schüler und Studenten, sind sie in kürzestmöglicher Grundausbildung zu Soldaten umfunktioniert worden. Wenige Monate nach Ausbruch des Koreakriegs sollen die unerfahrenen südkoreanischen Rekruten unter ihrem Kommandeur Captain Lee Myeong-jun (Kim Myung-min) das Gebiet einnehmen. Ein Täuschungsmanöver, um den Feind vom strategischen Vorhaben abzulenken: der Landung bei Incheon durch die alliierten Truppen unter dem Kommando von General Douglas MacArthur.

Der Strand von Jangsari …

Weil sich an Bord zu wenige Landungsboote befinden, steuert der Kapitän die „Munsan“ so dicht wie möglich an den Strand, setzt das Schiff sogar auf Grund. Das bleibt nicht unbemerkt – der Frachter wird sogleich beschossen. Die Soldaten gehen von Bord. Schon die Landung am mit Minen gespickten Strand unter feindlichem Sperrfeuer gerät verlustreich. Und das Sterben hat gerade erst begonnen.

Megan Fox als Kriegsberichterstatterin

„Operation Chromite“ lautete der alliierte Codename für die Landung bei Incheon, die 2016 im südkoreanischen Kriegsdrama „Operation Chromite“ filmisch verewigt worden ist. Liam Neeson ist darin als General MacArthur zu sehen. Auch „Bataillon der Verdammten – Die Schlacht um Jangsari“ hat US-Prominenz zu bieten, um den Film für den internationalen Markt interessant zu machen: George Eads („CSI: Crime Scene Investigation“) tritt als US-General Stevens in Erscheinung. Megan Fox („Transformers“) verkörpert die Kriegsberichterstatterin Marguerite Higgins (1920–1966). Die Journalistin der Tageszeitung New York Herald Tribune erhielt für ihre Reportagen aus dem Koreakrieg 1951 als erste Frau den Pulitzer-Preis für Auslandsberichterstattung. Eine Einblendung am Ende verrät uns allerdings, dass die Journalistin im Film nicht nur Higgins nachempfunden war, sondern auch einer zweiten Kriegsberichterstatterin: der Fotoreporterin Margaret Bourke-White (1904–1971).

… gerät zur Todesfalle

Leider muss Fox’ Figur zu den Schwachpunkten des Kriegsdramas gezählt werden: Die Amerikanerin fungiert als moralisches Gewissen des Films, kritisiert gegenüber Offizieren das Verheizen der unerfahrenen Soldaten. Dass in einem Krieg Menschen sterben, lässt sich nicht verhindern, aber wenn wir nicht einmal die Leben retten, die wir retten könnten, was sind wir dann?, äußert sie gegenüber General Stevens. Puh, das ist dann doch etwas zu stark aufgetragen. Ihre Dialoge schwingen Marguerite Higgins zur Erklärbärin über Grausamkeiten militärischer Entscheidungen auf, dabei tut das überhaupt nicht Not. So viel Aufmerksamkeit darf man seinem Publikum schon zutrauen, dass es das selbst merkt.

Schmutziges Sterben im Schützengraben

Was Intensität des Kriegsgeschehens angeht, hat Regisseur Kwak Kyung-taek („RV – Resurrected Victims“) seine Hausaufgaben gemacht – und zwar mit „Der Soldat James Ryan“ (1998), das wird mit der Erstürmung des Strandes von Jangsari deutlich genug. Das Sterben fällt so brutal und unheroisch aus, wie es auch ist. Ein anschließendes Schützengraben-Gemetzel setzt dort nahtlos an. Junge Männer auf beiden Seiten, die Freunde sein müssten, schießen einander nieder oder stechen und hauen aufeinander ein. Wenn nach der ersten großen Schlacht in Strandnähe im von blutigen Schlieren durchzogenen Wasser treibende Mützen ins Bild geraten, verfehlt das seine Wirkung nicht. Hier zeigt sich die ganze Sinnlosigkeit des Krieges.

Lagebesprechung an …

Dass Nordkorea der Aggressor ist und die nordkoreanischen Truppen somit eher als „die Bösen“ gelten, bleibt im Verlauf der Handlung erfreulich irrelevant. Zu sehr ähneln die Soldaten auf beiden Seiten einander. Anfangs bleiben die jungen Männer uns unbekannt, sie bilden eher eine amorphe Masse, bei der der Zufall darüber entscheidet, wer stirbt und wer überlebt. Erst nach und nach erfahren wir von einigen ein paar Hintergründe aus ihrem Leben. Unter den jungen Soldaten findet sich unvermittelt sogar eine Frau: Moon Jong-nyeo (Lee Ho-jung) hat sich als ihr Zwillingsbruder getarnt, um ihn davor zu bewahren, in den Krieg zu ziehen.

Begegnung zweier Cousins

Etwas konstruiert wirkt es, wenn der Südkoreaner Choi Sung-Pil (Choi Min-ho) beim Vormarsch auf seinen Cousin Choi Jae-pil (Ko Gun-han) trifft, der in der nordkoreanischen Armee dient. Die Begegnung offenbart aber die ganze Tragik des Bruderkriegs der zwei koreanischen Nationen. Die mit der Einrichtung zweier Besatzungszonen erfolgte und dem Koreakrieg manifestierte Teilung des Landes hat enorm schmerzhafte Wunden auf beiden Seiten hinterlassen. Das macht „Bataillon der Verdammten – Die Schlacht um Jangsari“ auf eindringliche Weise spürbar und lässt das familiäre Aufeinandertreffen nachvollziehbar erscheinen.

… und hinter der Front

Was zu Beginn so aussah wie „Der Soldat James Ryan“, gerät außer Kontrolle und beschreitet den Pfad von „Pearl Harbor“, so Yoon Min-sik, Rezensent bei „The Korea Herald“. Die Analogie zu Michael Bays Kriegs-Schmonzette „Pearl Harbor“ (2001) halte ich für etwas unfair, gleichwohl drückt „Bataillon der Verdammten – Die Schlacht um Jangsari“ zum Finale stark auf die Pathos-Drüse, wie es koreanischen Kriegsdramen oft zu Eigen ist. Getragene Streicherklänge und ein paar Zeitlupen sind da inklusive. Nach „Operation Chromite“ von derselben koreanischen Produktionsfirma Taewon Entertainment bildet der Film dem Vernehmen nach den Mittelteil einer Trilogie. Über den dritten Teil habe ich allerdings noch nichts herausgefunden. „Bataillon der Verdammten – Die Schlacht um Jangsari“ schließt nicht zu den großen koreanischen Kriegsdramen wie „Brotherhood“ (2004) und „Prisoners of War“ (2011) auf, auch „Soldaten der Apokalypse“ (2009) und Park Chan-wooks beeindruckendes Militärdrama „JSA – Joint Security Area“ (2000) seien als Referenzen genannt. Dennoch darf die Absicht als Erfolg gewertet werden, der unbekannten jungen Infanterie-Einheit ein Denkmal zu setzen. Welche koreanischen Kriegsfilme könnt Ihr empfehlen?

Reporterin Marguerite Higgins kämpft darum, dass die jungen Soldaten gerettet werden

Veröffentlichung: 26. Juni 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Jangsa-ri 9.15
Internationaler Titel: The Battle of Jangsari
KOR 2019
Regie: Kwak Kyung-taek
Drehbuch: Lee Man-hee, englische Szenen: Brian Chung
Besetzung: Kim Myung-min, Choi Min-ho, Kim Sung-cheol, Kim In-kwon, Kwak Si-yang, Megan Fox, George Eads, Lee Cheol-min, Daniel Joey Albright, Lee Jae-wook, Lee Ho-jung, Ko Gun-han
Zusatzmaterial: Making-of (3 Min.), Charakter-Trailer, Trailer, Wendecover
Label: Pandastorm Pictures
Vertrieb: Edel Germany

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Pandastorm Pictures

 

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