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Archiv der Kategorie: Kino

Horror für Halloween (III): Smile – Siehst du es auch? Na klar!

Smile

Kinostart: 29. September 2022

Von Volker Schönenberger

Horror // Die Psychotherapeutin Dr. Rose Cotter (Sosie Bacon) bekommt eine neue Patientin zugeteilt. Die verstörte Laura Weaver (Caitlin Stasey) hat panische Angst vor einer Bedrohung, die ihr zufolge nur sie sehen kann (das titelgebende Lächeln spielt dabei eine bedeutende Rolle). Kurz darauf ist Laura tot, und fortan wird Rose von einer so unerklärlichen wie beängstigenden Präsenz heimgesucht.

Die Psychotherapeutin Dr. Rose Cotter muss Schreckliches mitansehen

Wer mit Horrorfilmen um dämonische Manifestationen und/oder Besessenheiten vertraut ist, wird mit dem Geschehen in „Smile – Siehst du es auch?“ keine Überraschungen erleben. Zu konventionell und in vorhersehbaren Bahnen verläuft die Handlung – das aber immerhin mit sicherer Hand inszeniert. Der Film steht in der Tradition von Werken wie „It Follows“ (2014), „Dämon – Trau keiner Seele“ (1998) mit Denzel Washington und „Der Horla – Tagebuch eines Mörders“ (1963) mit Vincent Price.

Streaming-Produktion bekommt Kinostart

Von Anfang an wird deutlich, dass das, was Laura erzählt, den Tatsachen entspricht. Fortan geht es um die Frage, ob Rose in der Lage ist, ihr unabwendbar erscheinendes Schicksal zu ändern und sich zu retten. Dabei bleiben glücklicherweise einige Aspekte und Details lange genug offen, sodass der Horrorfilm auch für besagtes Publikum mit Erfahrung interessant genug ausfällt, um es bei der Stange zu halten. Paramount hatte „Smile“ ursprünglich für den hauseigenen Streamingkanal Paramount+ produziert. Die Reaktionen nach den Testvorführungen fielen aber so positiv aus, dass das Studio den Film nun sogar in die Kinos bringt. Zu Recht!

Der Kriminalbeamte Joel sorgt sich um seine Ex-Freundin

Regisseur Parker Finn schrieb das Drehbuch zu seinem Langfilmdebüt nach der Vorlage seines Kurzfilms „Laura Hasn’t Slept“ (2020). Versiert und mit wenigen Pinselstrichen charakterisiert er die Protagonistin Rose, über die wir schnell genug wissen, sodass wir ihr auf ihrem Weg folgen können und wollen. Dass sie ein Kindheitstrauma mit sich herumträgt, macht bereits die erste Szene deutlich – es bleibt nicht selbstzweckhaft, sondern bekommt im späteren Verlauf seine Bedeutung. Rose vergräbt sich in ihre Arbeit, ihre Erinnerungen mögen sogar der Grund sein, weshalb sie eine Laufbahn als Psychotherapeutin eingeschlagen hat. Des Abends stürzt sie den entspannenden Schluck Wein etwas zu schnell herunter, was ein zumindest beginnendes Alkoholproblem andeutet.

Auf den Ex-Freund ist Verlass

Mit ihrem gutaussehenden und beruflich erfolgreichen Verlobten Trevor (Jessie T. Usher) bewohnt sie ein Haus, das Wohlstand ausstrahlt. Kurz nach dem Auftaktereignis mit ihrer Patientin Laura trifft Rose zudem auf ihren Ex-Freund Joel (Kyle Gallner), einen Kriminalbeamten, auf den sie sich in der Folge verlassen kann. All das skizziert der Regisseur sauber, kann sich dabei auf seine Hauptdarstellerin Sosie Bacon verlassen. Die Tochter von Kevin Bacon und Kyra Sedgwick vermittelt glaubhaft ihre Angst und Verletztlichkeit. Der Story fehlen stilistische oder narrative Brüche, die etwas Eigenständigkeit gebracht hätten. Das mag Finns mangelnder Erfahrung als Filmemacher geschuldet sein. Aber er kann auf „Smile“ aufbauen und bei kommenden Arbeiten etwas mehr Mut zeigen, vielleicht einen Schritt weiter gehen als andere vor ihm.

Kann Rose ihrem Schicksal entrinnen?

Der eine oder andere Kritikpunkt sei genannt: Wer keine Jump-Scares mag (so wie ich), wird ein paar Mal vielleicht mit den Augen rollen. Es sind nicht allzu viele, und sie kündigen sich an. Lautstärke für den Schockmoment bleibt ein Taschenspielertrick. Klar ist natürlich, dass jemandem, der verängstigt von einer übernatürlichen Bedrohung berichtet, die nur er sehen kann, nicht geglaubt wird. Ebenso wenig wie Rose ihrer Patientin Laura zu Beginn glaubt, glauben ihr Verlobter und ihre eigene Therapeutin Dr. Madeline Northcott (Robin Weigert) ihr, als sie selbst davon anfängt. Das müsste ihr eigentlich klar sein, gleichwohl reagiert sie mit Unverständnis, was nicht ganz schlüssig wirkt (es mag von mir etwas päpstlich sein, das kritisch zu sehen). Und in einem bestimmten Moment im Anschluss an den Kindergeburtstag von Roses Neffen Jackson (Matthew Lamb), müsste Trevor seine Verlobte an sich zwingend in die Obhut einer psychiatrischen Einrichtung geben. Er tut es nicht, weil die Story verlangt, dass Rose weiterhin in Freiheit nach einem Ausweg suchen kann – hier hätte Parker Finn besser einen anderen Weg gewählt.

Ein angenehmer Kinoabend

Aber das sind Kleinigkeiten. Größtes Manko von „Smile – Siehst du es auch?“ bleibt die Vorhersehbarkeit des Plots aufgrund des Verharrens in dämonischen Konventionen. Das Horrorgenre wärmt ja gern bewährte Zutaten auf, insofern fällt Parker Finns Regiedebüt nicht negativ auf, weil er die Materie eben offenbar kennt. Am unerwartetsten verläuft „Smile“ für diejenigen Zuschauerinnen und Zuschauer, die von Dämonen völlig unbeleckt sind. Und wer derlei Plots kennt, kann dennoch einen angenehmen Horrorabend verleben.

Länge: 116 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Smile
USA 2022
Regie: Parker Finn
Drehbuch: Parker Finn
Besetzung: Sosie Bacon, Kyle Gallner, Robin Weigert, Caitlin Stasey, Kal Penn, Rob Morgan, Judy Reyes, Kevin Keppy, Gillian Zinser, Marti Matulis, Dora Kiss, Sara Kapner, Matthew Lamb
Verleih: Paramount Pictures Germany

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Filmplakate & Szenenfotos: © 2022 Paramount Pictures Germany

 

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Bullet Proof – Ist Vinnie Jones kugelsicher?

Bullet Proof

Kinostart: 25. August 2022

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Der Coup auf einem Schrottplatz verläuft alles andere als komplikationsfrei, aber schließlich entkommt der (namenlos bleibende) Dieb (James Clayton) mit einer Tasche voller Drogengeld – mehr als genug, um sich an einem idyllischen Örtchen zur Ruhe zu setzen. Bei einem kurzen Halt erlebt er eine unliebsame Überraschung: Im Kofferraum seines Fluchtautos steckt Mia (Lina Lecompte), Ehefrau ausgerechnet des Gangsterbosses Temple (Vinnie Jones), den der Dieb gerade um einen beträchtlichen Geldbetrag erleichtert hat. Sie ist hochschwanger und will in ihre kolumbianische Heimat zurückkehren, um ihrem Sohn ein Leben mit einem verbrecherischen Vater zu ersparen.

Raubzug auf dem Schrottplatz

Dem Drogenbaron gefällt es erwartungsgemäß überhaupt nicht, so viel Geld, seine Ehefrau und seinen ungeborenen Sohn auf einmal zu verlieren. Er nimmt mit seinen Spießgesellen die Jagd auf und setzt mit dem „Franzosen“ (Janvier Katabarwa) zusätzlich einen berüchtigten Auftragsmörder auf den Dieb und seine Mitfahrerin an. Bald zieht sich die Schlinge zu.

Temple verliert schnell mal die Contenance

Bemerkenswert, dass ein „kleiner“ Actionthriller eines Regiedebütanten in Deutschland einen Kinostarttermin bekommt. Mit Vinnie „Die Axt“ Jones („The Big Ugly“, „Midnight Meat Train“) hat „Bullet Proof“ zwar einen prominenten Namen in der Besetzungsliste, ein Zugpferd für einen Kinohit ist der Ex-Fußballprofi gleichwohl nicht. Sein Part als so missmutiger wie brutaler Schwerkrimineller bereitet Jones keine Probleme, derlei Rollen hat er drauf, dafür wird er gebucht.

Der Franzose kommt mit schwerem Kaliber daher

Wenig überraschend auch, dass der Dieb und die Gangsterbraut auf der Flucht Gefühle füreinander entwickeln. Ohnehin entwickelt sich der Actionthriller recht generisch, punktet dabei aber immerhin mit reichlich Action in Form von Verfolgungsjagden und Schießereien. Der Protagonist und die Protagonistin sind zudem recht sympathisch gezeichnet, das erleichtert es, mit ihnen mitzufiebern. Regisseur James Clayton übernahm nicht nur die Hauptrolle, sondern gehört auch zum Produzententeam. Seine erste Regiearbeit wirkt insgesamt eher wie ein Direct-to-Video-Kandidat, eine Präsentation beim Fantasy Filmfest wäre angemessen gewesen. Es gibt gute Gründe „Bullet Proof“ achselzuckend abzutun, Bäume reißt der Actionthriller nicht aus. Aber er hat mich unterhalten, auch wenn mir der Sinn des „kugelsicher“ bedeutenden Filmtitels nicht recht klar wurde. Es fliegen reichlich Patronenkugeln durch die Luft, aber ob und wie irgendjemand davor geschützt ist, spielt zu keinem Zeitpunkt eine Rolle.

Der Dieb und des Gangsters Gemahlin …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Vinnie Jones haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… wissen sich zur Wehr zu setzen

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Bullet Proof
KAN 2022
Regie: James Clayton
Drehbuch: Cooper Bibaud, Danny Mac
Besetzung: James Clayton, Vinnie Jones, Lina Lecompte, Glenn Ennis, Philip Granger, Lori Triolo, Janvier Katabarwa, Shaw Madson, Cooper Bibaud, Danny Mac, Michael Mitton, Matthew Graham, Thomas Potter, Blaine Anderson, Vesna Ennis
Verleih: Meteor Film

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Aber wird das gegen den wütenden Temple ausreichen?

Filmplakat & Szenenfotos: © 2022 Meteor Film

 

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Nope – Schaut nicht nach oben!

Nope

Kinostart: 11. August 2022

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // Ist Jordan Peele der beste Horror-Regisseur aller Zeiten?, fragte Twitter-User Adam Ellis. Könnt ihr einen anderen Horror-Regisseur nennen, der drei großartige Filme gedreht hat und sogar alle drei hintereinander? Ich kann es nicht, schrieb er weiter und verwies auf die hohen Kritikerwertungen von „Get Out“ (2017), „Wir“ (2019) und Peeles neuestem Film „Nope“ auf der Website Rotten Tomatoes. Überraschenderweise antwortete Jordan Peele dem Fan höchstpersönlich und nannte seinen Favoriten: Sorry. Ich liebe deinen Enthusiasmus, aber ich toleriere keine Verleumdung gegenüber John Carpenter.

OJ bildet auf seiner Ranch Filmpferde aus

Bis zur Spitze ist es für Jordan Peele noch ein langer Weg, aber mit seinen beiden ersten Filmen hat er zumindest schon mal einen Platz unter den interessantesten Horror-Regisseuren des frühen 21. Jahrhunderts sicher. Zudem darf sich Peele rühmen, für „Get Out“ als erster afroamerikanischer Filmemacher den Oscar für das beste Drehbuch gewonnen zu haben.

Für sein drittes Werk „Nope“ schrieb er erneut auch das Drehbuch und griff ein zweites Mal auf Daniel Kayuula als Hauptdarsteller zurück, der sich inzwischen ebenfalls Oscar-Preisträger nennen darf: Der Brite erhielt den Goldbuben als bester Nebendarsteller für seine Leistung in „Judas and the Black Messiah“ (2021). An seiner Seite glänzt Keke Palmer. Zudem beweist der ehemalige „The Walking Dead“-Star Steve Yeun nach seinen Leistungen in „Burning“ (2018) und „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“ (2020) erneut seine Klasse.

Das perfekte Foto

Agua Dulce, Kalifornien. Wie aus dem Nichts fällt Otis Haywood Sr. (Keith David) von seinem Pferd. Sohn OJ (Daniel Kayuula) kann seinen Vater zwar noch ins Krankenhaus bringen, doch dort erliegt der Senior seinen Verletzungen. Es stellt sich heraus: Eine Dollarmünze, die in hoher Geschwindigkeit vom Himmel fiel, hatte sich in seinen Kopf gebohrt.

Ist da ein UFO am Himmel?

Sechs Monate später liegt es an OJ, die Pferderanch seiner Familie weiterzuführen. Seit Generationen werden bei „Haywood’s Hollywood Horses“ Filmpferde ausgebildet. Einst hatte sein Ur-ur-ur-Großvater, angeblich der namenlose schwarze Reiter im legendären Filmclip „Galoppierendes Pferd“ (1887), das Unternehmen gegründet. Auch Schwester Emerald (Keke Palmer) ist wieder auf den Hof zurückgekehrt, um ihren Bruder zu unterstützen. Denn die Geschäfte laufen schlecht. Ein Dreh für einen Werbespot läuft schief, weil das Pferd im Studio nicht spurt. Der Regisseur (Oz Perkins) feuert OJ und nutzt stattdessen eine Attrappe, die sie später digital bearbeiten können. Die macht eben keinen Ärger.

Kid Sheriff als Nachbar

Erneut ist OJ gezwungen, ein paar Pferde an Ricky „Jupe“ Park (Steven Yeun) zu verkaufen, der in der Nähe der Farm eine kleine Wildwest-Stadt als Touristenattraktion eröffnet hat. Jupe lebt noch von seinem Ruhm aus vergangenen Tagen: In den 1990er-Jahren wurde der Kinderstar als „Kid Sheriff“ bekannt, spielte außerdem in „Gordy’s Home“ mit. In der TV-Sitcom gab Jupe den Sohn einer Familie, die einen Schimpansen namens Gordy als Haustier besaß. An einem Drehtag kam es zu einem tragischen Unglück, das für Schlagzeilen sorgte.

OJ und Emerald bemerken schon seit einiger Zeit, dass sich rund um die Ranch merkwürdige Dinge ereignen: Gegenstände fallen vom Himmel, Pferde verschwinden, das Handynetz spinnt und OJ sieht eine Wolke, die sich einfach nicht vom Fleck bewegt. Dann ist er sich eines Nachts sicher, ein UFO gesehen zu haben. Ist dies für die unerklärlichen Ereignisse verantwortlich? Emerald weiß: Wenn sie ein Foto eines Aliens gewinnbringend verkaufen könnten, wären sie vielleicht ihre Geldsorgen los. Elektronikverkäufer Angel (Brandon Perera) und der erfahrene Kameramann Antlers Holst (Michael Wincott) helfen den Geschwistern bei der riskanten Aufgabe, das perfekte Foto zu schießen.

Vorbild Steven Spielberg

Einige findige Peele-Fans vermuten, dass der Filmtitel die Abkürzung für Not On Planet Earth ist und somit ein Hinweis auf die extraterrestrische Lebensform sei, die die Geschwister Haywood bedroht. Im Film sagt OJ einmal Nope und bricht in dieser Szene humorvoll die unheimliche Stimmung, die sich gerade aufgebaut hat. Ein Comic Relief, das Jordan Peele als ehemaliger Comedy-Schauspieler („Key and Peele“, „Keanu“) immer wieder gezielt einzusetzen weiß, um die Spannung etwas entweichen zu lassen.

Emerald will den Money Shot!

Dass ein UFO im Film offenbar eine Rolle spielt, war schon nach den ersten Trailern klar. Doch das Publikum weiß bereits, dass sie bei einem Peele-Film mehr bekommen: eine originelle, unheimliche Geschichte, eine ordentliche Dosis Sozialkritik und einige Überraschungen, die außerhalb der Norm liegen. Und ohne zu viel zu verraten, liefert „Nope“ hier auch ab. Zwar gerät die Exposition etwas lang, in der die Beziehung der beiden unterschiedlichen Geschwister vorgestellt wird. Die düstere Atmosphäre wird aber von Beginn an konstant gehalten und irre Storywendungen gibt es ebenfalls zuhauf. Visuell ist der Film beeindruckend und das Sounddesign ist eine Wucht: Zuschauer und Zuschauerinnen mit empfindlichen Ohren sollten sich auf einiges gefasst machen – es wird sehr laut!

Horror mit Fokus auf Science-Fiction

Die liberale FSK-12-Freigabe kommt durchaus überraschend, doch Horrorfans müssen sich deshalb keine Sorgen machen: Der Science-Fiction-Aspekt steht diesmal im Vordergrund. Peele setzt auch nicht auf viele blutige Details, aber einige bedrohliche Bilder aus „Nope“ brennen sich dennoch ins Gedächtnis ein.

Nach eigenen Worten diente Peele unter anderem Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977) für „Umfang und Vision“ des Films als Vorbild. Doch gerade wenn man das furiose Finale sieht, wo die Jagd nach dem Foto und der gleichzeitige Überlebenskampf gegen eine unbekannte Gefahr auf den Höhepunkt zusteuern, fühlt man sich unweigerlich an ein anderes Spielberg Meisterwerk erinnert: „Der weiße Hai“ (1975). Mit dem Unterschied, dass das Böse hier in der Luft und nicht im Wasser lauert.

Erfolg ohne weiße Stars

Jordan Peele hat mit seinen bisherigen zwei Filmen Enormes für die Sichtbarkeit der afroamerikanischen Bevölkerung geleistet. Er stellt schwarze Figuren und ihre Probleme in den Mittelpunkt – wie den Alltagsrassismus, denen sie ausgesetzt sind –, und dennoch klingeln die Kinokassen, gegen alle Hollywoodregeln, nach denen stets ein weißer Star dabei sein müsse. Auch die von ihm initiierte und produzierte „Candyman“-Fortsetzung war ein Erfolg.

Der unbekannte Jockey

In „Nope“ greift er diesmal mit der Erwähnung des schwarzen Jockeys auf ein Stück Pre-Filmgeschichte zurück. Die 16 aufeinanderfolgenden Fotografien, in denen er zu sehen ist, zeigen den Bewegungsablauf eines galoppierenden Pferdes. Die 1887 von Eadweard Muybridge (1830–1904) geschaffene Serienaufnahme ist eines der frühesten Beispiele für die Chronofotografie, eine Methode zur fotografischen Dokumentation von Bewegungen oder Prozessen. Diese bildete die Grundlage für Bewegtbilder und somit für die gesamte Filmindustrie. Die Fotografien sind in der National Gallery of Art in Washington, D.C. ausgestellt. Das Erstaunliche dabei: Während der Name des Pferdes und sogar seines Besitzers überliefert wurden, ist der Name des schwarzen Reiters, mithin der Star aus einem der bekanntesten und wichtigsten Filmclips aller Zeiten, bis heute nicht bekannt. Ausgehend von dieser Ungerechtigkeit, entwickelt Jordan Peele seine Filmidee und führt die Geschichte des Jockeys mit der Familie Haywood fiktiv weiter.

Spektakel!

Im Kern des Films steckt das Motiv der menschlichen Sucht nach Spektakel, wird Peele im Presseheft zitiert. Und es stellt sich die Frage, was geschieht, wenn Geld im Spiel ist und etwas, das unschuldig und natürlich sein sollte, massiv ausgebeutet wird.

Jupe war einmal ein Kinderstar

Pferde, die trainiert werden, ein Affe in einer TV-Show – später will Jupe auch die Kräfte des UFOs vor Zuschauern präsentieren. Wilde Tiere – und unbekannte Wesen – werden zu Unterhaltungszwecken gegen ihren Willen für ein zahlendes Publikum zur Attraktion gemacht. Einfaches menschliches Verhalten, das Peele hier an den Pranger stellt. Auch die Geschwister stehen in der Kritik, mit dem spektakulären Foto Geld machen zu wollen, ohne genau zu wissen, mit welcher Macht sie sich da eigentlich anlegen. Alles für den Money Shot!

Überlebensregel

Dabei bringt es OJ schon anfangs auf den Punkt: Du kannst ein Raubtier nicht zähmen! Diese Erkenntnis hilft ihm später dabei, sich gegen das UFO, welches das Geschehen auf der Farm von oben beobachtet, einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Um Tiere nicht zu reizen, guckt der Pferdetrainer ihnen nicht in die Augen. Also stellt er für sich und seine Mitstreiter eine überlebenswichtige Regel auf: Schaut nicht nach oben!

Das UFO beobachtet das Geschehen auf der Farm genau

Gleichzeitig arbeitet Jordan Peele in einer Industrie, die spektakuläre Bilder liefern muss, um uns Zuschauer und Zuschauerinnen bei der Stange zu halten. Das Spektakel steckt in einem ewigen Kreislauf fest – und somit wird es auch mit der Ausbeutung weitergehen!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jordan Peele haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Keith David unter Schauspieler.

Länge: 130 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Nope
USA 2022
Regie: Jordan Peele
Drehbuch: Jordan Peele
Besetzung: Daniel Kayuula, Keke Palmer, Brandon Perea, Steven Yeun, Michael Wincott, Wrenn Schmidt, Keith David, Devon Graye, Terry Notary, Oz Perkins, Donna Mills, Barbie Ferreira
Verleih: Universal Pictures International Germany

Copyright 2022 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2022 Universal Pictures International Germany

 

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