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Archiv der Kategorie: Kino

Power Rangers – Aus großer Kraft und so weiter

Power Rangers

Kinostart: 23. März 2017

Von Matthias Holm

SF-Action // Seit 1993 sind die Power Rangers ein Phänomen. Immer wieder gibt es neue Staffeln und neues Spielzeug über die Superhelden. Gerade letztgenannter Punkt ist nicht zu unterschätzen, wenn es um die Popularität der Ranger geht – in den 90ern durfte kein Kinderzimmer ohne eine Figur oder einen Zord sein. Dabei ist das Prinzip denkbar einfach: Eine Gruppe von Teenagern muss gegen die Horden des Bösen antreten und verwandelt sich dafür in die Power Rangers. Falls die bösen Dämonen und Monster mal zu groß wachsen, werden die Zords gerufen, ihres Zeichens Kampfroboter in der Form von Tieren.

Fünf gegen Rita

Auch die neue Kinoumsetzung hält sich an diese Prämisse. Als die fünf Teenager Jason (Dacre Montgomery), Kimberly (Naomi Scott), Billy (RJ Cyler), Trini (Becky G.) und Zack (Ludi Lin) merkwürdige Münzen finden, ändert sich ihr Leben schlagartig. Plötzlich besitzen sie nämlich übermenschliche Kräfte. Kurz darauf finden sie auch noch tief unter der Erde ein Alien-Raumschiff. Dort hausen Alpha 5 (Stimme: Bill Hader) und Zordon (Bryan Cranston), die den verwirrten Jugendlichen ihre Bestimmung offenbaren: Die böse Rita Repulsa (Elizabeth Banks) ist auferstanden und will die Erde vernichten. Nur das Team der Power Rangers kann sie noch aufhalten.

Die fünf neuen Helden trauen ihren Augen nicht

Dass einen die Erinnerung an die gute alte Zeit trügen kann, konnte man gut auf der Streaming-Plattform Twitch sehen. Im Vorfeld des Kinostarts wurden dort sämtliche Folgen aller Power Rangers-Staffeln gezeigt – am Stück. Was man als Kind als besonders episch empfand, sieht heute schlichtweg trashig aus. Gummifiguren, Dialoge voller schlechter Wortspiele und so viele Explosionen, dass Michael Bay neidisch wäre. Aber genau da liegt auch der Reiz des Materials. Denn die Macher waren sich dieses Irrsinns bewusst und trugen ihn offen nach außen – schließlich waren die Power Rangers eine amerikanische Adaption des japanischen Genres der Sentai-Serien.

Absurd, aber düster

Der neue Film des Franchises wählt allerdings ein anderen Weg. Ohne seine absurden Wurzeln zu vergessen, ist der Film von Dean Israelite („Project Almanac“) doch deutlich dunkler geraten. Gut zu sehen ist dies bei der Antagonistin: War Rita Repulsa in der Originalserie eine Hexe, die von Gummiwesen umgeben war und hin und wieder einen Stab in den Boden geworfen hat, um ihre Lakaien wachsen zu lassen, ist die gute Dame heutzutage eine fiese Bedrohung. In den ersten Szenen nach ihrer Auferstehung darf sie Männern Goldzähne aus dem Mund reißen und ein Juweliergeschäft dem Erdboden gleich machen. Dabei hat Elizabeth Banks sichtlichen Spaß an der Rolle, rein schauspielerisch ist sie der beste Teil des Ensembles. Da können die Jungschauspieler nicht ganz mithalten, dennoch geben sie ihren Rangern eine eigene Identität.

Zordon fungiert als Mentor

Das ist auch wichtig, handelt es sich doch bei „Power Rangers“ um eine Origin-Story. Wer hofft, dass von den knapp zwei Stunden über die Hälfte der Zeit Monster bekämpft werden, sitzt im falschen Film. Das Team muss erst zusammenfinden, bevor sich die Jugendlichen in die Power Rangers verwandeln können. Vorher wird trainiert und mit dem Teenager-Leben gehadert, denn alle fünf haben so ihre Probleme. Dabei ist das Feld divers aufgestellt, in einer der stärksten Szenen teilen fast alle ihre Probleme mit. Zwar hätte man sich hier um eine stärkere emotionale Bindung zu den Figuren kümmern können, denn außer dem Anführer Scott werden die Protagonisten nur wenig genauer charakterisiert. Dennoch entfaltet die Sequenz ihre Wirkung. Hier ist allerdings das Problem, dass dies erst in der Mitte des Films geschieht. Vorher gibt es etwas Leerlauf und Redundanz, wenn die Teenager ihre Kräfte austesten und ständig gesagt bekommen, sie sollen sich verwandeln.

Materialschlacht mit ein paar Gänsehautmomenten

Allerdings entschuldigt der Endkampf viele Schwächen des Films. Auch wenn darin teilweise zu schnell geschnitten wird und die Spezialeffekte eher auf dem unteren Blockbuster-Spektrum liegen, ist das Finale eine unterhaltsame Materialschlacht. Zwischendurch gibt es einige wirklich großartige Anspielungen und Gänsehautmomente, die vor allem die Fans der alten Ranger zufrieden stellen dürften. Generell vergisst der Film trotz seines düsteren Tonfalls nie, sich ein wenig locker zu machen, der Humor ist dabei meist gut getroffen und lädt zum Schmunzeln ein.

Rita Repulsa will alles Leben auslöschen

Klar, auch „Power Rangers“ tappt in die typischen Fallen. Die Geschichte um ein Team, das zusammenwachsen muss, ist absolut nichts Neues und wurde x-fach besser umgesetzt, man vermutet andauernd, Zordon werde gleich den „aus großer Macht folgt große Verantwortung“-Spruch aus „Spider-Man“ bringen. Allerdings kennt der Film seine Schwächen und – ähnlich wie die damalige Serie – kokettiert damit. Man hätte zwar gern noch mehr Momente für die einzelnen Team-Mitglieder einbauen können, aber im Großen und Ganzen ist „Power Rangers“ sowohl ein Film für die Fans der alten Schule als auch für eine neue Generation Kinogänger geworden.

Go Go Power Rangers!

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Power Rangers
KAN/USA 2017
Regie: Dean Israelite
Drehbuch: John Gatins, nach der Serie von Haim Saban
Besetzung: Dacre Montgomery, Naomi Scott, RJ Cyler, Becky G., Ludi Lin, Bill Hader, Bryan Cranston, Elizabeth Banks
Verleih: Studiocanal Filmverleih GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2017 Studiocanal Filmverleih GmbH

 

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Die rote Schildkröte – Der stumme Verschollene und das Kriechtier

La tortue rouge

Kinostart: 16. März 2017

Von Matthias Holm

Computertrick-Märchen // Skeptisch darf man als Fan ja noch sein. „Die rote Schildkröte“ ist die erste Produktion, in der das traditionsreiche Studio Ghibli nicht die volle kreative Freiheit hat, da es sich um eine Kooperation mit europäischen Produktionsfirmen handelt. Ein merkwürdiger Zug, allerdings wollte sich Ghibli ja weniger auf eigene Filme konzentrieren. Und die Zusammenarbeit scheint gefruchtet zu haben, denn „Die rote Schildkröte“ ist ein erfrischender, anstrengender, aber zu jeder Zeit wunderschöner Film geworden.

Allein unter Tieren

Ein Mann erleidet Schiffbruch, kann sich aber auf eine Insel retten. Dort gibt es keine Zivilisation, lediglich eine üppige Flora und einige Tiere. Seine Fluchtversuche werden allerdings gestört, die Flöße, die er baut, gehen immer wieder kaputt. Schuld daran scheint eine geheimnisvolle rote Schildkröte zu sein.

Dies ist dein neues Zuhause

Freunde einer stringenten Narration sollten um „Die rote Schildkröte“ einen Bogen machen. Rein von der Geschichte her ist die erste halbe Stunde, in der der Mann von der Insel zu fliehen versucht, noch am interessantesten. Mit dem Auftritt des titelgebenden Tiers zieht eine gewisse Spiritualität in den Film ein, auf die man sich einlassen muss. Auch wenn in den Träumen des Gestrandeten immer wieder merkwürdige Ereignisse stattfinden, sind diese Sequenzen stets als Traum zu erkennen. Was allerdings mit der Schildkröte passiert, wirkt sehr real – und dadurch umso verwirrender und symbolträchtiger.

Ein Erlebnis

Lasst euch auf den Film ein! „Die rote Schildkröte“ ist einer der interessantesten Animationsfilme der letzten Zeit. Das beginnt damit, dass nicht gesprochen wird. Es gibt immer wieder musikalische Untermalungen und den einen oder anderen Ausruf – Dialoge kommen aber schlicht nicht vor. Das ist äußerst gewöhnungsbedürftig und unterstreicht die Ambition als Erlebnisfilm. Dennoch fällt es einem leicht, sich in der Inselwelt zu verlieren, denn sie sieht einfach fantastisch aus. Fernab von jeglichen Anime-Klischees lässt sich die Optik keinem bestimmten Stil zuweisen. Die Figuren erinnern mit ihren ausgemalten Augen und den klaren Linien an „Tim und Struppi“, die Landschaft schwankt zwischen malerisch und realistisch. Man schaut immer wieder staunend auf die wiederkehrenden Schauplätze, wirken sie doch jedes Mal neuartig.

Der Mann will fliehen

„Die rote Schildkröte“ ist kein Unterhaltungsfilm. Dazu passt auch, dass er nur in einigen ausgewählten Städten gezeigt wird. Aber die Nominierung bei den Oscars als bester Animationsfilm hat er sich reichlich verdient, auch wenn er sich letztlich „Zoomania“ geschlagen geben musste. Denn obwohl die Zuschauer diverse Hürden meistern müssen und sich die gesamte Symbolik nicht restlos erschließt, ist „Die rote Schildkröte“ eine wunderschöne Erfahrung. Wenn Studio Ghibli weiter bei solchen Projekten hilft, schauen wir ihnen auch gern weiter zu.

Ziemlich groß, selbst für eine Schildkröte

Länge: 80 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: La tortue rouge
Internationaler Titel: The Red Turtle
F/BEL/JAP 2016
Regie: Michael Dudok de Wit
Drehbuch: Michael Dudok de Wit, Pascale Ferran
Verleih: Universum Film

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universum Film

 

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Die Schöne und das Biest – Emma Watson zaubert wieder

Beauty and the Beast

Kinostart: 16. März 2017

Von Iris Janke

Fantasy-Melodram // Belle (Emma Watson) ist eine Schönheit und verzaubert, ob im blauen Dirndl als Dorfschönheit oder im gelben Ballkleid im Schloss. Der Name Belle ist Programm – und Emma Watson („Harry Potter“) die perfekte Besetzung dafür. 26 Jahre nach Disneys Oscar-gekröntem Animationsklassiker kommt nun das Realfilm-Remake ins Kino – ebenfalls aus dem Hause Disney.

Auf den ersten Blick ziemlich gruselig: das Biest

Regisseur Bill Condon („Twilight“-Saga) hält sich dabei optisch und inhaltlich eng an das Zeichentrick-Original von 1991: Hier wie dort wird viel gesungen, sogar einige neue Songs wurden neben den bekannten Oscar-gekrönten Titeln von Alan Menken und Tim Rice beigesteuert. Hauptdarstellerin Emma Watson hat sich auf ihren Part monatelang mit Gesangsstunden vorbereitet. Auch Ko-Hauptdarsteller und Biest Dan Stevens und sein Gegenspieler, der Jäger Gaston (Luke Evans, „Dracula Untold“), überzeugen gesanglich.

Der Prinz und die Bettlerin

Zum Inhalt: Ein junger Prinz (Dan Stevens) lädt in seinem prunkvollen Schloss zum Debütantinnenball. Sein Charme und sein Äußeres bestechen die geladenen Damen, seine Diener lesen ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Doch als eine arme Bettlerin im Schloss um Unterkunft bittet und im Gegenzug eine Rose anbietet, zeigt sich der Königssohn unbarmherzig und arrogant. Dass die alte Frau tatsächlich eine schöne Zauberin ist, ahnt der Prinz nicht.

Belle liebt ihren Vater Maurice abgöttisch

Die Strafe für die königliche Unmenschlichkeit folgt unverzüglich: Das ganze Schloss steht plötzlich unter einem Fluch, der schöne Prinz wird zu einem hässlichen Biest und die Schlossbewohner werden zu lebenden Haushaltsgegenständen. Dabei wird Lumière (Ewan McGregor, sang bereits in „Moulin Rouge“), der französische Diener des Prinzen, in einen singenden Kerzenständer verwandelt. Lumières gesangliches Highlight: das extravagante Musical-Stück „Sei hier Gast“. Der Diener liegt in ständigem Zwist mit der singenden Standuhr von Unruh – bemerkenswertes Gesangsdebüt für den 76-jährigen Ian McKellen (Magneto aus den „X-Men-Filmen“, Gandalf aus der „Herr der Ringe“-Trilogie).

Zwei, die sich perfekt ergänzen: Dorfschönling Gaston (l.) und sein ergebener Kumpel LeFou

Derweil lebt Belle mit ihrem Vater, dem etwas zerstreuten, aber liebenswerten Erfinder Maurice (Kevin Kline), in einem französischen Dorf in der Nähe des Schlosses. Belle wird von allen Dorfbewohnern wegen ihrer Anmut bewundert – allen voran der Jäger und Dorfschönling Gaston (Dan Stevens). Die Hübsche kann sich seiner Avancen kaum erwehren. Eines Tages bricht Vater Maurice mit Pferd und Kutsche auf, um eine neue Erfindung zu verkaufen. Er gerät Schließlich in das verwunschene Schloss und damit in die Fänge des Biests. Belle macht sich auf die Suche nach ihrem Vater, findet ihn – und bietet sich im Austausch für den Gefangenen an …

Auch als Realfilm zauberhaft

Für wen ist diese Realverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ zu empfehlen? Ganz einfach: für alle, die sich noch einmal verzaubern lassen wollen, und das ganz im Disney-Stil – nicht einmal das gelbe Kleid aus dem Oscar-gekrönten Zeichentrickfilm fehlt. Besonders schön: die Kulisse von Schloss und Umgebung, die verwunschenen Bewohner und ihre perfekt animierte Verwandlung in lebendige Luxus-Gegenstände einer vergangenen märchenhaften Zeit.

Fast zu schön, um wahr zu sein: der Tanz des Biests mit Belle

Auf ihre Kosten kommen sowohl diejenigen, die das Original bereits kennen – sie können sich von Neuerungen faszinieren lassen; und wer keinerlei Vorkenntnisse besitzt, kann den Film einfach genießen. Und – Vorteil für ganz junge Zuschauer: Im Gegensatz zur ebenfalls ab sechs Jahren freigegebenen französischen Verfilmung von Christophe Gans (2014) mit Léa Seydoux als Belle und Vincent Cassel als Biest fällt diese Version keinesfalls düster und gruselig aus – Disney-like eben – und das Lächeln von Emma Watson zaubert sowieso jeden Anflug von Furcht einfach weg.

Wunderschön im gelben Ballkleid: Belle

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Luke Evans und/oder Ewan McGregor sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 129 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Beauty and the Beast
USA 2017
Regie: Bill Condon
Drehbuch: Stephen Chbosky, Evan Spiliotopoulos
Besetzung: Dan Stevens, Emma Watson, Luke Evans, Ewan McGregor, Josh Gad, Gugu Mbatha-Raw, Ian McKellen, Emma Thompson, Stanley Tucci, Kevin Kline, Henry Garrett, Hattie Morahan, Sonoya Mizuno, Adrian Schiller
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2017 by Iris Janke

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2016 Disney Enterprises Inc. All Rights Reserved.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2017/03/14 in Film, Kino, Rezensionen

 

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