RSS

Archiv der Kategorie: Kino

Junkie – Die verlorene Erinnerung

Junkie

Von Volker Schönenberger

Kurzfilm-Drama // Erst mal eine Linie durch die Nase ziehen! „Wozu weniger nehmen?“, fragt sich der titelgebende Junkie Aaron (Lorenz Allweyer), der über diese „scheiß kranke Welt hinwegsehen“ will. Seine Droge heißt „Memory Lost“, ein Rauschgift, das Erinnerungen löscht – für sich erst mal kein schlechter Effekt, wenn das Gedächtnis nur üble Gedanken im Kopf herumspuken lässt. Als Kind (Cornelis Huber) musste er mit ansehen, wie seine ebenfalls drogensüchtige Mutter (Katja Klank) an einer Überdosis verreckte. Doch „Memory Lost“ führt auch zu Halluzinationen und Ausfällen. Selbst Drogendealer Boris (Hans Bürkin) meint, es wäre besser, wenn Aaron den Drogenkonsum etwas herunterschraubt. Aarons heroinsüchtige Freundin Iris (Selma Dettenborn) kultiviert eine ähnliche Haltung wie er: „Fick dich, Welt!“ Und so rutscht der junge Mann in seinem Junkie-Dasein unaufhaltsam in eine Spirale aus Lebensüberdruss und Gewalt.

Kann Aaron im Drogenrausch die miese Welt vergessen?

Das ist purer Underground: „Junkie“ ist das gemeinsame Projekt der jungen Filmemacher Melvin Jäpel aus Schleswig-Holstein und Dominik Ziegenhagel aus Baden-Württemberg. Für ihren Kurzfilm rekrutierten sie aus ihrem privaten Umfeld und anderen filmischen Unternehmungen etwa 40 Mitwirkende, die sie auf 15 Arbeitsbereiche aufteilten. Während Jäpel für Drehbuch, Regie, Schnitt und Sounddesign verantwortlich zeichnet, übernahm Ziegenhagel die Kamera. Gedreht wurde an sieben Tagen im Herbst 2017 im Raum Freiburg.

Underground-Schlägerei

Underground heißt auch: Amateurfilm mit geringem Budget ohne jede öffentliche Förderung. In diesen Grenzen ist ein Film wie „Junkie“ dann auch einzuordnen. An die Laiendarsteller und ihre Dialoge können natürlich keine Maßstäbe professioneller Schauspielkunst angelegt werden – wer sich von denen nicht freimachen kann, möge das knapp 38 Minuten kurze Drama meiden. Bei einer kurzen Prügelei-Szene dachte ich erst „Hätten sie das mal lieber sein gelassen“, so unbeholfen wirkten die paar Schläge – bis mir einfiel, dass ich vermutlich durch zahllose durchchoreografierte Prügeleien des Actionkinos verdorben bin und körperliche Schlagabtäusche darin ungeübter Gesellen vermutlich tatsächlich etwas unbeholfen wirken. Es ist eben immer eine Sache des Maßstabs.

Auch seine Freundin Iris will der Realität entfliehen

Auch den Handlungsorten sieht man die geringen Finanzmittel an, die Dominik und Melvin mit insgesamt 2.000 Euro beziffern, die sie aus eigener Tasche trugen. Underground-Filmer nehmen mit dem vorlieb, was sie vorfinden, da sie kaum Möglichkeiten haben, die vom Location-Scout präsentierten Drehorte aufwendig zu modifizieren. Einige Wohnungen, ein kleiner Flugplatz und ein altes Fabrikgelände wurden weitgehend so ins Geschehen integriert, wie sie eben sind. Das verleiht „Junkie“ aber auch Authentizität – und wer weiß, wie eine Kreativwerkstatt aus Amateur-Heimwerkern die Szenerie verfälscht hätte?

Der Junkie geht mit Stammdealer Boris (r.) auf Tour

Als Pluspunkt ist der Elektro-Score von Max Möller zu werten, der das Geschehen passend musikalisch untermalt. „Junkie“ kann als Skizze der Psyche eines Drogensüchtigen in steter Abwärtsbewegung gesehen werden, die Tristesse von Aarons Dasein wird in den farbschwachen Bildern deutlich. Hoffnung ist kaum zu schöpfen. Etwas zu kurz kam mir allerdings die Droge „Memory Lost“. Ihr Name wird früh im Film einmal erwähnt, wenn Aarons Stimme aus dem Off sein Dasein beschreibt, tatsächlich aufmerksam wurde ich darauf sogar erst durch die Synopsis der Story in der Pressemappe zum Film. Hier hätte Melvin Jäpel gut daran getan, das Außergewöhnliche an „Memory Lost“ stärker herauszuarbeiten – für mein Empfinden hätte ein x-beliebiges real existierendes Rauschgift Aarons Zustand ebenso verursachen können. Das ändert aber nichts daran, dass „Junkie“ als Schlaglicht eines Süchtigenschicksals einen Underground-Beitrag darstellt, der Verbreitung verdient hat.

Festivaltour geplant

Bevor Melvin Jäpel und Dominik Ziegenhagel ihr „Baby“ über ein Videoportal der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, wollen sie „Junkie“ auf Festivaltour schicken. Dafür und für weitere interessante Filmprojekte wie dieses sei ihnen gutes Gelingen gewünscht. Früh übt sich, wer ein Meister werden will, der bekanntlich noch nicht vom Himmel gefallen ist. Sollte es den beiden gelingen, eine professionelle Laufbahn als Filmemacher einzuschlagen, werden sie dereinst sicher mit etwas Schmunzeln auf ihr Frühwerk zurückblicken: „Mensch, Melvin, was haste denn in der Szene mit Lorenz verzapft?“ „Alter, deine Kamera hatte da aber auch ein paar Hänger.“ Aber sie werden vielleicht auch denken: „Gut, dass wir es einfach getan haben.“ Zu Recht.

Ein Drogengeschäft eskaliert

Länge: 38 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Originaltitel: Junkie
D 2018
Regie: Melvin Jäpel
Drehbuch: Melvin Jäpel
Kamera: Dominik Ziegenhagel
Besetzung: Lorenz Allweyer, Selma Dettenborn, Hans Bürkin, Tim Dreeßen, Karin Seyfarth, Pascal Jessen, Katja Klank, Benedikt Bachert, Christian Fuhrmann, Lukas Kadlec und Cornelis Huber
Produktion/Verleih: RedRain

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2018 RedRain

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen: Die dunkle Seite der Macht

Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald

Kinostart: 15. November 2018

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // Der November 2018 ist zwar noch nicht so kalt, wie er sein sollte – die Temperaturen halten sich recht wacker im zweistelligen Bereich –, dennoch ist nun die perfekte Jahreszeit gekommen, um endlich wieder in die wohlig warme Wizarding World von J. K. Rowling abzutauchen. Zwei Jahre nachdem wir in „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ erstmals Newt Scamander (Eddie Redmayne) begegnet sind, steht für den magiebegabten Zoologen das nächste Abenteuer an. Es wird nicht sein letztes sein, insgesamt soll die Reihe fünf Filme mit fortlaufender Handlung umfassen.

Tina und Newt treffen in Paris wieder aufeinander

1927: Unter Newts Mithilfe konnte der dunkle Zauberer Gellert Grindelwald (Johnny Depp) in New York enttarnt und vom Magischen Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika – kurz MACUSA – festgenommen werden. Doch trotz Hochsicherheitsverwahrung gelingt dem Schurken die Flucht. Grindelwald taucht in Paris unter, wo er seine Gefolgschaft um sich schart und hofft, einen wichtigen Verbündeten auf die dunkle Seite der Macht zu locken: den Waisenjungen Credence Barebone (Ezra Miller), der bereits im ersten Teil aufgrund seiner unterdrückten Zauberkräfte als Obscurus ungewollt allerhand Chaos stiftete und nun in der französischen Hauptstadt nach seiner Mutter sucht. Mit Credences Fähigkeiten will Grindelwald seinen Plan in die Tat umsetzen: die Herrschaft reinblütiger Zauberer über alle nichtmagischen Wesen.

Grindelwald schart seine Gefolgsleute um sich

Albus Dumbledore (Jude Law) erkennt die Gefahr, die von Grindelwald ausgeht, allerdings kann er aufgrund eines alten Schwurs nicht selbst aktiv werden. Aus diesem Grund entsendet er seinen ehemaligen Hogwarts-Schüler Newt nach Paris, um dem magischen Schwerverbrecher Einhalt zu gebieten. Newt kommt dieser Wunsch gerade recht. Er kann etwas Ablenkung gebrauchen, denn seine große Liebe Leta Lestrange (Zoë Kravitz) hat sich mit seinem Bruder Theseus (Callum Turner) verlobt. Unterstützung erhält Newt erneut von den zauberhaften Schwestern Tina (Katherine Waterston) und Queenie (Alison Sudol), dem Muggel Jacob (Dan Fogler) sowie von zahlreichen Tierwesen, die er in seinen Koffer gepackt hat.

Konkurrenz für Lord Voldemort

Schon nach den ersten Minuten, in denen sich Grindelwald im tosenden Unwetter aus seiner fliegenden Gefängniskutsche befreit, wird klar: Die dunklen Wolken werden sich nicht so schnell verziehen. Johnny Depp, dessen Besetzung im Vorfeld für viel Kritik sorgte, ist drauf und dran, eine ernsthafte Konkurrenz für Lord Voldemort als Bösewicht zu werden. Es ist schön, den Star endlich mal wieder außerhalb seiner „Jack Sparrow“-Routine zu sehen. Hier spielt er durchaus ernsthaft und furchteinflößend. Vielleicht kann Depp durch die Rolle seinen tiefen Fall von der Karriereleiter doch noch aufhalten. Bedenkt man die Zeit, in dem die „Phantastische Tierwesen“-Reihe angesiedelt ist, sind die Parallelen zur Naziherrschaft durch Grindelwalds „Arier“-Pläne, seine blonden Haare und seinen Ledermantel offensichtlich. Ebenso wie sein deutsch klingender Name ist dies kein Zufall. J. K. Rowling lässt häufig reale historische Ereignisse in die Handlung miteinfließen. Die Auswirkungen des bevorstehenden Kriegs der Zauberer und der bald beginnende Krieg der Muggel werden im Verlauf der nächsten drei Filme näher beleuchtet werden.

Niffler darf ordentlich mitmischen

Aber auch, wenn es noch so düster in der Fortsetzung zugeht, für die die FSK im Gegensatz zum Erstling eine FSK-12- statt einer FSK-6-Einstufung vergab, gibt es natürlich wieder einige heitere Momente, die für Licht in dunklen Zeiten sorgen. Endlich sehen wir etwas mehr von Newts Arbeitsumfeld und lernen dabei jede Menge neue phantastische Tierwesen kennen. Allerdings: So toll die neuen Wesen auch animiert sein mögen, den süßen Niffler schlägt keines von ihnen. Das maulwurfartige Tier mit dem Entenschnabel, welches eine besondere Vorliebe für Glitzerkram besitzt, erweicht auch diesmal am meisten unser Herz. Schön, dass ihm im Film sogar eine entscheidende Rolle zukommt.

Theseus (l.) hat sich mit Leta Lestrange verlobt

Viele neue Locations, wie das französische Zaubereiministerium, fügen sich mit ihrer Detailfreude bestens in die „Wizard World“ ein. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Eine kurze Rückkehr nach Hogwarts versprüht zusammen mit dem klassischen „Harry Potter“-Thema von John Williams nostalgische Gefühle. Dennoch ist dem zweiten Teil ein wenig die Verspieltheit abhandengekommen. Nur selten, etwa wenn Newt einen Windzauber auf einen Verfolger oder Queenie einen Liebeszauber auf Jacob ausspricht, fühlt man sich zum Beispiel an die wunderbare Kochszene aus dem Erstling erinnert. Auch um die Ernsthaftigkeit noch etwas herunterzuschrauben, hätten ein paar mehr neue Zaubersprüche zusätzliche Auflockerung gebracht.

Experten-Wissen gefragt

Mit Newt werde ich allerdings noch immer nicht ganz warm. Nicht falsch verstehen: An Eddie Redmaynes liebenswert-verhuschter Darstellung ist nichts auszusetzen. Er wirkt nur nicht wie eine echte Heldenfigur. Das mag sich in den weiteren Fortsetzungen noch ändern. Aber in „Grindelwalds Verbrechen“ ist dies wohl auch dem Drehbuch von J. K. Rowling zuzuschreiben, welches sich mehr als der Erstling darum bemüht, sich in die historische „Harry Potter“-Zeitlinie einzuordnen und so häufig den Fokus auf seinen Hauptcharakter verliert.

Der Niffler muss von seinen Abenteuern etwas verschnaufen

Damit kommen wir zum für mich größten Problem des zweiten Teils: Wo echte „Harry Potter“-Experten wahrscheinlich mit der Zunge schnalzen, werden die normalen Zuschauer schnell überfordert sein. Die Geschichte verzettelt sich in einer Vielzahl von Nebenhandlungen und stellt zu viele Figuren vor, die einfach schwer einzuordnen sind, wenn man all die Zauberer-Stammbäume nicht auswendig kennt. So hätte ich nicht mehr gewusst, dass Alchemist Nicolas Flamel, gespielt übrigens von Brontis Jodorowsky, dem Sohn von „El Topo“-Regisseur Alejandro Jodorowsky, der Schöpfer des berühmten Steins der Weisen ist, der im ersten „Harry Potter“-Abenteuer eine große Rolle spielt. Vielleicht fügen sich die Nebenstränge in den weiteren drei Filmen zu einem großen Ganzen zusammen, sodass wir nach dem Finale sagen werden: J. K. Rowling hat alles richtig gemacht. Aktuell spürt man allerdings, dass der Film eben einen Mittelteil bildet und noch nicht alle Karten ausspielt, sodass auch der überraschende Cliffhanger ein wenig an Zauberkraft einbüßt.

Zeit für eine Wachablösung?

Ebenfalls sollten sich die Produzenten Gedanken machen, ob David Yates wie geplant auch die nächsten „Phantastische Tierwesen“-Filme dreht, da seine Arbeit mehr und mehr zur Routine verkommt. Seit „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ (2007) ist er am Ruder, somit hat er bis jetzt sechs Filme des Franchises am Stück abgedreht. Gerade der großartige „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ (2004) von Alfonso Cuarón („Gravity“) hat doch gezeigt, dass ein frischer Wind auf dem Regiestuhl der Reihe durchaus guttut.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Johnny Depp, Jude Law und Eddie Redmayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Albus Dumbledore kennt Grindelwald aus früheren Tagen

Länge: 134 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald
GB/USA 2018
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling
Besetzung: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Jude Law, Johnny Depp, Alison Sudol, Ezra Miller, Zoë Kravitz, Claudia Kim, Callum Turner, Wolf Roth
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Warner Bros. Ent. All rights reserved. Wizarding World™ Publishing Rights © J.K. Rowling, WIZARDING WORLD and all related characters and elements are trademarks of and © Warner Bros. Entertainment Inc.

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , ,

Operation: Overlord – James Ryan im Zombieland

Overlord

Kinostart: 8. November 2018

Von Lutz R. Bierend

Horror-Action // Im Videospielbereich haben Ego-Shooter wie „Castle Wolfenstein“, in denen es um geheime Nazi-Experimente mit Supersoldaten geht, schon lange Konjunktur. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Hollywood einmal dieses Konzeptes annahm. Nachdem in „Captain America – The First Avenger“ 2011 eine jugendfreie Version dieser Idee erzählt wurde, bringt J. J. Abrams („Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“, „Star Trek – Into Darkness“) nun als Produzent mit „Operation: Overlord“ eine weniger jugendfreie Version dieses Plots in die Kinos.

Der einzige Kampferfahrene unter den Überlebenden: Corporal Ford

Eigentlich sollte die Fallschirmspringer-Einheit um den Frischling Private Boyce (Jovan Adepo) am 5. Juni 1944 in der Nacht vor dem Sturm auf die Normandie hinter den feindlichen Linien abspringen, um in einem französischen Dorf einen Störsender der Deutschen außer Gefecht zu setzen. Doch nichts läuft wie geplant: Bereits im Anflug wird die Flugzeugstaffel unter Beschuss genommen. Von dem gesamten Platoon überleben nur vier Männer. Von denen nur einer – Corporal Ford (Wyatt Russell) – wirklich Kampferfahrung hat.

Das lief ja nicht so gut. Landung im Trümmerschutt der Flugzeuge

Der Wichtigkeit ihrer Mission bewusst, versuchen die Männer trotzdem, ihre Aufgabe zu erfüllen. In einem Wald überraschen sie die Französin Chloe (Mathilde Ollivier) beim Plündern der Leichen und überreden sie, ihnen ins Dorf zu helfen. Sie erfahren von schrecklichen Experimenten, welche die Nazibesatzer in der lokalen Kirche anstellen. Chloes Eltern sind in der Sperrzone verschwunden, ihre Tante wurde schwer entstellt freigelassen und lebt seitdem bei Chloe und ihrem Bruder Paul (Gianny Taufer).

Private Boyce und Chloe suchen den Bruder der Französin

Chloe steht unter dem persöhnlichen Schutz von Doktor Wafner (Pilou Asbæk), der ausgerechnet in dieser Nacht sein Schäferstündchen einfordert. Als er versucht, Chloe zu vergewaltigen, nehmen die Amerkaner den Nazi gefangen und versuchen, Informationen über den Störsender und die Experimente in der Kirche aus ihm herauszupressen. Während Corperal Ford Wafner foltert, ziehen Boyce und seine zwei Kameraden los, um zum vereinbarten Treffpunkt zu gehen und nach weiteren Überlebenden zu suchen. Die drei werden getrennt, Boyce landet in der Sperrzone. Er entdeckt die Ausmaße der Nazi-Experimente, die mit Artefakten einer antiken okkulten Fundstelle versuchen, unbesiegbare Zombiesoldaten zu züchten. Die Sprengung des Störsenders gerät plötzlich zur Nebensache, als Doktor Wafner schwerverwundet mit dem kleinen Paul entkommt und das Zombieserum an sich selbst testet.

Ausflug mit Dame – die vier überlebenden GIs und Chloe

Julius Avery („Son of a Gun“) hat mit „Operation: Overlord“ einen unterhaltsamen Versuch unternommen, eine Nazi-Zombie-WWII-Geschichte zu erzählen. Was inzwischen wirklich bemerkenswert ist, ist wie spielerisch die Technik es heute ermöglicht, das düstere zerstörerische Chaos eines Kriegsszenarios umzusetzen. Wenn am Anfang die Fallschirmjäger angsterfüllt auf ihren Einsatz warten und noch einmal daran erinnert wird, wer alles gerade mal seine Grundausbildung absolviert hat, verbreitet sich in Nullkommanichts auf beeindruckende Weise Chaos, wenn die Flugzeuge unter Beschuss geraten und die jungen Soldaten wie die Fliegen sterben.

Deformierte Hundeleichen sind meist kein gutes Zeichen

Trotzdem bleibt die Frage, für wen der Film produziert worden ist. Freunden von „Der Soldat James Ryan“, die sich eine authentische Schilderung der Ereignisse rund um die Invasion erhoffen, werden die mangelnde Ernsthaftigkeit bemängeln. Der grausame Realismus, den Steven Spielbergs Epos in in den ersten 20 Minuten verströmt, wird nie erreicht, und die Figuren sind auch eher wie für einen Teeniefilm gezeichnet.

„Huch, eben war ich doch noch mit fünf Kugeln im Leib tot?!“

Für all jene, die eine filmische Hommage an die Castle-Wolfenstein-Reihe erwarten, ist der genretypische Horroranteil zu unterrepräsentiert. Doktor Wafner sieht zwar gegen Ende gruselig aus, aber eben auch so, als sei die Altersfreigabe ab 16 Jahren wirklich wichtig gewesen – was vermutlich auch der Fall war. Es verhält sich ein wenig wie bei „Zombieland“: Das Ganze ist ganz unterhaltsam, ohne wirklich wehzutun, und hat mit seiner Altersfreigabe wohl die richtige Zielgruppe gefunden. Als Erwachsener kann man sich phasenweise ebenfalls unterhalten fühlen, aber mehr ist nicht drin. Vor allem wenn man weiß, welche Stimmung vergleichbare Videospiele heutzutage verströmen, ist man doch etwas enttäuscht.

Tumbe Nazizombies zu erledigen, geht ans Eingemachte

Länge: 110 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Overlord
USA 2018
Regie: Julius Avery
Drehbuch: Billy Ray, Mark L. Smith
Besetzung: Wyatt Russell, Mathilde Ollivier, Pilou Asbæk, John Magaro, Iain De Caestecker, Bokeem Woodbine, Jovan Adepo, Jacob Anderson, Dominic Applewhite, Hèlène Cardona, Gianny Taufer
Verleih: Paramount Pictures Germany

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2018 Paramount Pictures Germany

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2018/11/08 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: