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Archiv der Kategorie: Kino

Iron Sky – The Coming Race: Wenn der Adolf auf dem T. Rex reitet

Iron Sky – The Coming Race

Kinostart: 21. März 2019

Von Volker Schönenberger

SF-Action-Parodie // Spätestens seit „Iron Sky“ (2012) wissen wir es ganz sicher: Nazis leben hinterm Mond. Das Kinodebüt des finnischen Regisseurs Timo Vuorensola macht viel Freude, erst recht im 20 Minuten längeren Director’s Cut. Sicher, ein gewisses Faible für oder zumindest Toleranz gegenüber Trash ist dabei hilfreich, der Geschichte um die nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf die dunkle Seite des Mondes emigrierten deutschen Nazis etwas abzugewinnen. Und trotz des schmalen Budgets wirkten die Tricks und der Look von „Iron Sky“ überhaupt nicht trashig, visuell gibt es daran überhaupt nichts auszusetzen.

Renate Richter hält die Mondkolonie zusammen

All das gilt glücklicherweise auch für die Fortsetzung „Iron Sky – The Coming Race“, welche die selbst schon absurde Story des Vorgängers ins Irrwitzige fortführt. 20 Jahre später haben sich in der ehemaligen Nazi-Mondbasis die Überreste der Menschheit zusammengefunden – der Heimatplanet Erde war im nuklearen Armageddon zerstört und unbewohnbar geworden. Renate Richter (Julia Dietze), ehemalige Englischlehrerin des Nazi-Nachwuchses, hat die Führung über die Kolonie der Überlebenden übernommen.

Wolfgang Kortzfleisch ist wieder da!

Ihrer Tochter Obi (Lara Rossi), deren Vater der schwarze Kosmonaut James Washington (Christopher Kirby) ist, gelingt es mit Müh und Not, die alte und baufällige Siedlung in Schuss zu halten und speziell bei den gelegentlichen Mondbeben vor dem Untergang zu bewahren. Eine kleine Gruppe streng religiöser Sektierer bringt obendrein Unruhe: die von Donald (Tom Green) geleiteten Jobsisten (sic!), bei denen man auch schon mal per App exkommuniziert wird – und zwar endgültig. Als ein notdürftig zusammengebautes Raumschiff mit russischen Überlebenden unter der Führung des großmäuligen Piloten Sasha (Vladimir Burlakov) auftaucht, verkompliziert sich die Lage. Bald erscheint auch der alte Feind Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) auf der Bildfläche.

Auch Obi Washington hat alle Hände voll zu tun

Der weitere Verlauf von „Iron Sky – The Coming Race“ gestaltet sich derart wunderbar hanebüchen, dass ich geneigt bin, viel mehr zu verraten. Aber ich will euch einige Überraschungen bewahren, auch wenn andernorts deutlich mehr gespoilert wird, daher erlaube ich mir nur noch ein paar Andeutungen: Der auf einem Tyrannosaurus Rex reitende Adolf Hitler stellt ja ein zentrales Motiv der Werbekampagne zum Film dar, ihn zu erwähnen, schadet sicher nicht. In der Folge nimmt die Komödie Anleihen bei Jules Vernes „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, auch Leonardo da Vinis „Das Abendmahl“ bekommt seine Referenz. Mit US-Präsidentin Sarah Palin (Stephanie Paul) gibt es ein Wiedersehen, in dessen Folge wir darüber aufgeklärt werden, wer tatsächlich unsere Welt beherrscht.

Gottesdienst bei den Jobsisten

Gelegentlich fühlte ich mich bei der Sichtung von „Iron Sky – The Coming Race“ visuell an vergangene Zeiten erinnert, als Filme wie „Masters of the Universe“ (1987) und „Mom und Dad retten die Welt“ (1992) das Science-Fiction- und das Fantasy-Genre aufs Korn nahmen. Ein paar Mal scheint mir Regisseur Vuorensola Anspielungen auf die „Krieg der Sterne“-Saga eingebaut zu haben. Noch stärker als beim Vorgänger kommt die Kritik an unseren gesellschaftlichen und politischen Zuständen zu ihrem Recht, und das gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit – allerdings heftigem – Augenzwinkern. Die Verschwörungstheoretiker unserer Zeit bekommen jedenfalls eine ganz lange Nase gezeigt.

Schlechter Start in Finnland

Dank des wie immer gut aufgelegten Udo Kier, insbesondere auch Julia Dietze („Montrak“) sowie der auf wie erwähnt demselben hohen Niveau angesiedelten Schauwerte ist der Wiedererkennungswert hoch. In Finnland und den skandinavischen Staaten startete „Iron Sky – The Coming Race“ bereits im Januar und Februar in den Kinos. Die dortigen Kritiken fielen durchwachsen aus, um es milde zu formulieren. Für mich unverständlich – ich habe mich während der Pressevorführung blendend unterhalten gefühlt.

Großspuriger Russe: Sasha

Der Vorgänger hat nicht zuletzt dank Crowdfunding und der Einbeziehung im Vorfeld eine eingeschworene Fanmeute um sich geschart – das Crowdfunding der Fortsetzung fiel sogar deutlich erfolgreicher aus. Die Fans dürften auch am Sequel ihre Freude haben, auch wenn sich Steve Jobs im Grabe umdreht. Wer mit Trash in all seinen Facetten umgehen kann, darf bei „Iron Sky – The Coming Race“ mehr als ein Auge riskieren. Und wer weiß, ob mit „Iron Sky – The Coming Race“ schon das Ende der Fahnenstange erreicht ist? Das Universum gibt einiges her …

Wolfgang Kortzfleisch ist wieder da

Nachtrag: Da wie erwähnt eine gewisse Sarah Palin als US-Präsidentin in Erscheinung tritt, hat es Donald Trump nicht in den Film geschafft. Seine erboste Reaktion darauf wurde von Unbekannten im Video festgehalten und geleakt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Udo Kier sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Das Abendmahl

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Iron Sky – The Coming Race
FIN/D/BEL 2019
Regie: Timo Vuorensola
Drehbuch: Dalan Musson, Timo Vuorensola
Besetzung: Lara Rossi, Vladimir Burlakov, Kit Dale, Udo Kier, Julia Dietze, Tom Green, Edward Judge, Emily Atack, Martin Swabey, Stephanie Paul, John Flanders
Verleih: splendid film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2019 splendid film

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Captain Marvel – Marvels mächtigste Heldin ist da!

Captain Marvel

Kinostart: 7. März 2019

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Action // Das Marvel Cinematic Universe (MCU) steht vor einem großen Umbruch. Neue Helden kommen, alte Recken gehen. Bevor Phase 3 des MCU ab dem 25. April mit „Avengers – Endgame“ offiziell beendet wird, lernen wir mit Carol Danvers alias Captain Marvel eine der neuen Kämpferinnen für das Gute kennen. Der 21. Film innerhalb des MCU bietet gleich eine doppelte Premiere: Erstmals wird eine weibliche Superheldin in den Mittelpunkt der Handlung gestellt, dargestellt von Oscar-Preisträgerin Brie Larson („Raum“). Gleichzeitig übernimmt mit Anna Boden erstmals eine Frau die Regie bei einem Marvel-Film – wenn auch gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Ryan Fleck. In beiden Punkten hatte zuvor ausnahmsweise die ansonsten stets hinterherhinkende Konkurrenz aus dem DC Extended Universe die Nase vorn. Ob „Captain Marvel“ einen ähnlichen Erfolg an den Kinokassen feiern wird, wie „Wonder Woman“ von Patty Jenkins, wird die nahe Zukunft zeigen.

Mentor und Schülerin: Yon-Rogg und Vers

In der Abspannszene von „Avengers – Inifinity War“ (2018) konnte Nick Fury (Samuel L. Jackson) mit seinem Pager einen letzten Notruf an Captain Marvel (Larson) absetzen. Die erstmals 1968 in Comic-Form in Erscheinung getretene Superheldin ist somit die letzte Hoffnungsträgerin, um mit ihren Fähigkeiten die aussichtslos erscheinende Schlacht gegen Thanos doch noch in einen Sieg umzumünzen. Ihre hier erzählte Vorgeschichte setzt dabei im Jahr 1995 ein, ist also zeitlich vor dem ersten MCU-Film „Iron Man“ (2008) angesiedelt.

Zurück auf der Erde

Wenn wir Carol Danvers das erste Mal begegnen, hört sie auf den Namen Vers und gehört einer galaktischen Elite-Einheit der Krees an. Da sie nachts im Schlaf von Erinnerungen und Visionen heimgesucht wird, trainiert sie in dieser Zeit lieber mit ihrem Mentor Yon-Rogg (Jude Law) ihre Kampftechnik. Doch ihr Temperament und ihre Energiestöße, die sie aus ihren Armen schießen lassen kann, hat Vers noch nicht ganz im Griff. Da kommt ein neuer Auftrag gerade recht. Gemeinsam mit ihrem Team, dem unter anderem auch Korath (Djimon Hounsou) und Minn-Erva (Gemma Chan) angehören, soll sie unter Yon-Roggs Führung ein besetztes Territorium zurückerobern. Dieses ist in die Hände der Skrulls gefallen. Die Alien-Rasse ist der Erzfeind der Krees und verfügt über eine besondere Fähigkeit: Die Kreaturen können ihre Gestalt wandeln.

Auf der Erde macht sich Vers mit dem öffentlichen Nahverkehr vertraut

Der Einsatz geht schief. Vers wird gefangen genommen und erhält von Talos (Ben Mendelsohn), dem Anführer der Skrulls, eine Spezialbehandlung. Doch bevor der Außerirdische ihre Erinnerungen scannen kann, gelingt der Soldatin mit einer Rettungskapsel die Flucht. Vers landet krachend auf der Erde – in einer Blockbuster-Videothek in Los Angeles. Auch einige Skrulls haben es auf den Planeten geschafft und nehmen jetzt zur Tarnung fleißig das Aussehen verschiedener Passanten an. Gemeinsam mit dem herbeigerufenen S.H.I.E.L.D-Agenten Nick Fury jagt Vers schließlich den Aliens hinterher. Dabei werden ihre Visionen und Déjà-Vus immer intensiver. Bald findet Vers heraus, dass sie schon einmal auf der Erde war. Als Air-Force-Piloten, die 1989 einen folgenschweren Absturz hatte. Ihr damaliger Name: Carol Danvers.

Kein Überflieger

„Höher, weiter, schneller, Baby!“ Mit diesem Spruch starten Carol Denvers und Pilotenkollegin Maria Rambeau (Lashana Lynch) in ihren Maschinen in die Lüfte. Doch so ganz will dieses Motto zunächst nicht passen. Ein echter Überflieger ist „Captain Marvel“ nicht geworden, dafür ein solider, unterhaltsamer Blockbuster, dem es allerdings etwas an Spektakel fehlt. Der erste Einsatz gegen die Skrulls könnte aus einer „Star Trek“-Folge stammen, gegen Ende gibt es eine Flug-Verfolgungsjagd durch einen engen Canyon, welche in ihrer Machart an „Star Wars“ erinnert. Diese Actionszenen erfüllen ihren Zweck, wirken aber etwas uninspiriert und es fehlt an der nötigen Dramatik, um wirklich mit ihnen mitfiebern zu können. Vielleicht war die Inszenierung dieser Sequenzen für die Filmemacher Boden/Fleck, die sich mit kleinen Indie-Perlen wie „Half Nelson“ (2006) einen Namen gemacht haben, doch eine Nummer zu groß.

Digitale Verjüngunskur

Dafür spielen sie ihre Qualitäten in anderen Bereichen voll aus und können sich auf ihren namhaften Cast verlassen. Sobald das Geschehen vom All auf die Erde verlagert wird, fühlt sich das 21. MCU-Abenteuer auch überaus geerdet an. Dass ein Großteil der Kulissen und auch die Alien-Masken am Computer generiert sind, erkennt man nur selten. Das Duo Brie Larson und Samuel L. Jackson, die beide schon gemeinsam in „Kong – Skull Island“ (2017) arbeiteten, erweist sich als perfekt eingespieltes Team. Im Stil eines Buddy-Movies fetzen sie sich ordentlich, jagen den Bösewichtern hinterher und geben einander Rückendeckung. Dabei gibt Larson zunächst eine eher zurückhaltende Performance ab, doch je mehr ihre Figur wieder zu sich selbst findet, ihre Erinnerungen zurückkehren, lässt sie ihre verbissene Ernsthaftigkeit hinter sich und es huscht immer häufiger ein Lächeln über ihr Gesicht. Samuel L. Jackson ist natürlich ein Selbstgänger, grandios wie immer. Kaum zu glauben, dass er im vergangenen Dezember seinen 70. Geburtstag gefeiert hat – erst recht nicht, da sein Gesicht einer digitalen Verjüngungskur unterzogen wurde. Marvel hatte diese Methode bereits für einige Szenen mit Robert Downey Jr. in „The First Avenger – Civil War“ (2016) und Michael Douglas in „Ant-Man“ (2015) angewendet, aber den vermeintlich jungen Samuel L. Jackson während der Dauer eines kompletten Films zu sehen, ist überzeugend gelungen. Ebenso wurde auch Clark Gregg als Agent Coulson auf jung getrimmt. Wenn man sich dazu die absolut lächerlich wirkende Anfangssequenz mit Nicole Kidman und Temuera Morrison aus „Aquaman“ (2018) ins Gedächtnis ruft, ist das MCU in diesem Bereich dem Konkurrenten klar überlegen.

Dort sind auch Talos (l.) und die anderen Skrulls gelandet

Die Geschichte gibt zum Glück auch Ben Mendelsohn die Möglichkeit, trotz seiner Alien-Maske und mithilfe der Sprache seiner Figur die nötige Tragik zu verleihen und nicht wie etwa in „Ready Player One“ einen recht generischen Schurken zu geben. Und dann ist da noch der heimliche Star des Films, über den jeder sprechen wird: die coole Katze Goose! Ob das Pelztier nach Anthony Edwards’ Charakter gleichen Namens aus „Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ (1986) benannt ist?

Die 90er sind wieder da

Nach der allgemeinen Nostalgiewelle auf die 80er-Jahre feiert das Comic-Abenteuer jetzt das darauffolgende Jahrzehnt. Und das mit einem großen Augenzwinkern: CD-Rom-Laufwerke in Windows-95-Rechnern, die Ewigkeiten benötigten, bis die Daten eingelesen waren, Videotheken mit großen Pappaufstellern oder die Grunge-Mode. Für alle, die dabei waren, ein großer Spaß. Gleichzeitig sorgt auch schon wie in „Guardians of the Galaxy“ der passende Soundtrack für Stimmung: Von R.E.M. über Nirvana bis hin zu TLC werden zahlreiche zeitgenössische Hits serviert. Und nur wenn Carol Danvers zu den Takten von „Just a Girl“ von No Doubt die Bösewichte in einer Rockerkneipe verprügelt, dringt die ansonsten eher subtil vermittelte feministische Botschaft etwas zu laut ins Gehör.

Schlummernde Kräfte

Dass die Ursprungsgeschichte von Captain Marvel diesmal unüblich nicht chronologisch erzählt wird, sondern sich durch Rückblenden nach und nach zusammensetzt, ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits durchbricht diese Herangehensweise erfrischend das übliche Muster, andererseits verliert die Titelfigur durch die ständige Ungewissheit und ihre Suche nach ihrer Identität auch etwas von ihrer Stärke. Doch sobald Carol im letzten Akt zu sich selbst gefunden hat, mit voller Energie sowie neuer Anzugfarbe in den Himmel steigt und im Kosmos durch ein Raumschiff wie durch Butter gleitet, dann können wir erahnen, welche Kräfte in Marvels mächtigster Heldin schlummern. Und diese wird Captain Marvel in „Avengers – Endgame“ mit Sicherheit ohne zuvor angezogene Handbremse demonstrieren können.

S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury in jungen Jahren – und noch mit zwei Augen

Abschließend zwei Hinweise: Ja, die leider verstorbene Comic-Legende Stan Lee (1922–2018) erhält eine Würdigung, und wie üblich bei Marvel-Filmen heißt es: Während des Abspanns sitzen bleiben! In der Mitte und am Ende folgen je noch eine kurze Szene.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brie Larson sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Samuel L. Jackson und Jude Law unter Schauspieler.

Höher, weiter, schneller, Captain Marvel!

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Captain Marvel
USA 2019
Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck, Geneva Robertson-Dworet
Besetzung: Brie Larson, Gemma Chan, Ben Mendelsohn, Samuel L. Jackson, Jude Law, Lee Pace, Annette Bening, Djimon Hounsou, Clark Gregg, Lashana Lynch
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

 

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Hard Powder – Blutige Racheorgie im Schnee

Cold Pursuit

Kinostart: 28. Februar 2019

Von Iris Janke

Actionthriller // In den Bergen der Rock Mountains türmt sich der Schnee meterhoch rechts und links der Straße. Dafür, dass die Bewohner des kleinen Örtchens Kehoe trotz des vielen Schnees von A nach B kommen, sorgt Schneepflugfahrer Nels Coxman (Liam Neeson). Und weil er zu den extrem pflichtbewussten Männern gehört, die die Straße Tag und Nacht räumen, wird er sogar zum „Bürger des Jahres“ gewählt. Coxman fühlt sich zwar geehrt, doch statt große Dankesworte zu schwingen, kehrt er gleich zum Tagesgeschäft in sein riesiges Räumfahrzeug zurück und genießt die Ruhe zwischen den weißen Schneebergen.

Schnee ist sein Element: Nels Coxman

Umso härter trifft es ihn, als er und seine Frau Grace (Laura Dern, „Wild at Heart“) von der Polizei ins örtliche Leichenschauhaus bestellt werden. Der Grund: Ihr gemeinsamer Sohn Kyle ist dort aufgebahrt, die beiden bekommen zu hören, Kyle sei an einer Überdosis gestorben. Beide sind fassungslos, können nicht glauben, dass ihr braver Sohn drogensüchtig gewesen sein soll und sie davon absolut nichts mitbekommen haben. Grace verfällt in tiefe Depression, Nels hingegen macht sich pragmatisch auf die Suche nach der Wahrheit. Schnell erfährt er, dass der Drogenboss Trevor „Viking“ Calcote (Tom Bateman, „Mord im Orient Express“) hinter dem Tod seines Sohnes zu stecken scheint, und startet einen blutigen Rachefeldzug, dessen Opfer originelle Spitznamen wie Speedo, Santa und Limbo tragen und auf Nimmerwiedersehen in der Schneeidylle verschwinden.

Hinter dem Steuer seines Schneepflugs blüht Coxman auf

Hauptdarsteller Liam Neeson, spätestens seit dem ersten „96 Hours“-Teil auf den wortkargen Rächer spezialisiert, schlüpft perfekt in die Rolle des eigenbrötlerischen Schneepflugfahrers, der im Original von Stellan Skarsgård gespielt wird – denn bei „Hard Powder“ handelt es sich um das US-Remake der norwegischen Thriller-Groteske „Einer nach dem anderen“ („Kraftidioten“, 2014) von Hans Petter Moland. Die Tatsache, dass Moland auch das US-Remake des blutigen Frost-Thrillers verfilmt hat, ist gut und schlecht zugleich. Moland sorgt dafür, dass „Hard Powder“ nicht wesentlich schlechter geworden ist als das norwegische Original, zugleich fehlt frischer Wind. Ein Schuss Ironie ist zweifelsohne auch im US-Remake enthalten, trotzdem wirkt der blutlastige Rachethriller mit an die 20 Toten zu Blockbuster-mäßig und weichgespühlt. Trotzdem gelingt Moland auch hier ein durchaus solider Film, und wer das Original nicht kennt oder es auch nicht sehen will, wird nichts vermissen. Schade nur, dass sich offenbar nach wie vor nur wenige US-Zuschauer dazu durchringen können, einem gelungenen ausländischen Film eine Chance zu geben und sich stattdessen Hollywood-Remakes vorsetzen lassen. Liegt das wirklich nur am Fehlen einer amerikanischen Synchronisationskultur?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Liam Neeson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Auf Drogenboss Viking (l.) hat es der trauernde Vater abgesehen

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Cold Pursuit
GB/NOR/KAN/USA/F 2019
Regie: Hans Petter Moland
Drehbuch: Frank Baldwin
Besetzung: Liam Neeson, Emmy Rossum, Laura Dern, Tom Bateman, Julia Jones, Domenick Lombardozzi, William Forsythe, Elysia Rotaru, John Doman, Raoul Max Trujillo
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2019 by Iris Janke

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Studiocanal Filmverleih

 

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