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Archiv der Kategorie: Kino

Le Mans 66 – Gegen jede Chance: Magische Motoren

Ford v Ferrari

Kinostart: 14. November 2019

Von Iris Janke

Sportdrama // Cool, Cooler ¬– Christian Bale. Da muss ich natürlich aufräumen, mit dem Vorurteil, Filme über Autos und Autorennen seien nur etwas für Männer. Ich habe mich nach dem Film als Erstes mit drei Frauen unterhalten. Ergebnis: Alle drei waren begeistert – es ist sogar keiner Kinokritikerin aufgefallen, dass der Film über zweieinhalb Stunden dauerte. Einzig ein Mann hatte etwas zu „meckern“ – ausgerechnet über die, entsprechend der damaligen Zeit wenig emanzipatorisch dargestellte Hauptfigur Mollie (Caitriona Balfe), Ehefrau von des von Bale verkörperten Ken Miles.

Ingenieur Shelby will den perfekten Rennwagen bauen

Mich persönlich haben besonders die alten Rennwagen begeistert. Toll sind natürlich auch die beiden Hautdarsteller – erstklassig besetzt Christian Bale und Matt Damon. Besonders Christian Bale ähnelt seiner Rollenfigur, dem echten Ken Miles, extrem – verglichen mit alten Fotos, er scheint seine Rolle beinahe zu leben. Der Film, „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ von Regisseur James Mangold („Logan“, „Walk the Line“) begeistert durch seine glaubhaft verfilmte, wahre Heldengeschichte, die noch dazu grandios gespielt ist.

Dreamteam: Shelby (l.) und Miles

Die Story selbst, der Wettstreit zwischen den Autoherstellern Ford und Ferrari, gerät angesichts der beiden Hauptfiguren, dem britischen Rennfahrer Ken Miles und dem texanischen Ingenieur und Autonarr Carroll Shelby (Matt Damon) fast zur Nebensache. Hinlänglich bekannt ist, dass der Autohersteller Ferrari in den Jahren zwischen 1958 und 1965 sieben Mal das 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans gewonnen hat: Im Jahr 1966 allerdings lieferte sich der italienische Autokonzern von Enzo Ferrari ein spannendes Duell mit dem US-Autokonzern von Henry Ford II. Der eigentliche Grund hierfür war eine praktische Notwendigkeit auf Ford-Seite: Finanziell ging es in den 1960er-Jahren mit dem Ford-Konzern steil bergab.

Die Geburtsstunde des Ford GT 40

Eigentlich sollte Ford von Ferrari übernommen werden, doch kurz vorher ließ Ferrari den Deal platzen. Henry Ford ergriff nun kurz vor der Konzern-Insolvenz die Idee von Carroll Shelby als letzten rettenden Strohhalm auf: einen Rennwagen bauen und dem Ford-Konzern damit ein neues Gesicht geben. Einziger Haken: Der Ford-Rennwagen musste besser werden als der von Ferrari – Die Idee zum Ford GT 40 war geboren …

Miles lebt für den Rennsport

Um seinen Plan, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu gewinnen und Ford damit wieder auf Kurs zu bringen, will Shelby seinen Freund Ken Miles für seine Idee gewinnen, einen genialen Rennfahrer mit aufbrausendem Gemüt. Autoflüsterer Miles hat seinerseits mit finanziellen Problemen zu kämpfen und hat eigentlich seinem Sohn und Ehefrau Mollie versprochen, aus dem Rennsport auszusteigen. …

Für wen ist „Le Mans – Gegen jede Chance“ etwas? Für sich für Motorsport begeisternde Fans realer Heldenstorys und all jene, die bereits an „Rush“ mit Daniel Brühl als Niki Lauda ihre Freude hatten.

Mollie Miles sorgt sich um ihre Familie

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Mangold haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Christian Bale und Matt Damon unter Schauspieler.

Das Rennen in Le Mans fordert Männer und Motoren

Länge: 152 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ford v Ferrari
USA/F 2019
Regie: James Mangold
Drehbuch: Jez Butterworth, John-Henry Butterworth, Jason Keller
Besetzung: Christian Bale, Matt Damon, Caitriona Balfe, Jon Bernthal, JJ Feild, Josh Lucas, Ray McKinnon, Noah Jupe, Wyatt Nash, Jenelle McKee, Tracy Letts
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Iris Janke

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Twentieth Century Fox

 

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Der Pazifikkrieg (III): Midway – Für die Freiheit: Emmerich schafft’s nach zwei Jahrzehnten

Midway

Kinostart: 7. November 2019

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Es fällt mir schwer, „Midway – Für die Freiheit“ angemessen einzuordnen. Ich schau gern Kriegsfilme in allen Facetten, die das Genre hergibt und habe mich deshalb während der Pressevorführung von Roland Emmerichs aktueller Regiearbeit sehr gut unterhalten gefühlt. Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack, der auch beim Namen zu nennen ist: Ein patriotisches Kriegsdrama, bei dem man auf den Gedanken kommt, es könne Donald Trump animieren, sich eine Privatvorführung im Weißen Haus organisieren zu lassen, muss sich Kritik gefallen lassen – unabhängig von der Frage, ob man sich den aktuellen US-Präsidenten als Filmfan vorstellen kann.

Admiral Nimitz steht ebenso vor einer schweren Aufgabe …

Ins US-patriotische Horn hat der Regisseur bereits in der Vergangenheit gestoßen, aber der Zweite Weltkrieg war nun mal ein anderes Kaliber als all die anderen Konflikte, in denen US-Soldaten in den vergangenen Jahrzehnten und speziell seit dem 11. September 2001 zu den Waffen gegriffen haben. 1941 und 1942 wollten die USA keinen Krieg führen, erst Pearl Harbor machte sie zur Kriegsnation – ein Angriff auf amerikanischem Boden. Heute hingegen entsteht der Eindruck, das Land sei schnell bei der Hand, sein Militär in ferne Länder zu schicken, wenn wirtschaftliche US-Interessen berührt sind – und das oft unter Missachtung des Völkerrechts. In diesen Zeiten den US-Soldaten des Zweiten Weltkriegs ein weiteres Denkmal zu setzen, so verdient das sein mag, begeistert womöglich die falschen Leute.

Keine Einladung von Donald Trump?

Natürlich inszeniert Roland Emmerich („White House Down“) keinen Jubel-Patriotismus – das kann man ihm zugutehalten. Tatsächlich hat er im Interview geäußert, ihm war der Film gerade jetzt wichtig, weil man momentan sehe, wie hässlich die Politik der USA geworden sei. Immerhin, sofern Donald Trump das liest, sieht er vielleicht von einer Privatvorführung ab, zumindest wird er Emmerich nicht dazu einladen.

… wie Vize-Admiral Yamamoto

Der 1955 in Stuttgart geborene und Anfang der 90er-Jahre nach Hollywood ausgewanderte Regisseur wollte die Schlacht um Midway bereits vor 20 Jahren verfilmen. Doch erst verhinderte das seine vertragliche Bindung an Sony – der japanische Konzern wollte für die Inszenierung einer der großen japanischen Niederlagen kein Budget lockermachen, also drehte er erst einmal „Der Patriot“ mit Mel Gibson und Heath Ledger, ein Kriegsdrama um den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Dann kam Emmerich ein gewisser Michael Bay mit „Pearl Harbor“ (2001) zuvor. Ein weiteres aufwendiges Epos um den Pazifikkrieg lag damit in weiter Ferne von zwei Jahrzehnten.

Ähnlichkeiten zu „Schlacht um Midway“ sind kein Zufall

„Midway – Für die Freiheit“ hält sich in der Darstellung der Ereignisse recht streng an die historischen Fakten und Daten, das hat Emmerichs Regiearbeit mit „Schlacht um Midway“ von 1976 gemein. Zur geschichtlichen Einordnung der Schlacht um Midway im Juni 1942 verweise ich daher auf meine Rezension des älteren Films mit Charlton Heston und Henry Fonda.

Anne Best ängstigt sich um ihren Mann

Der Regisseur beginnt sein Schlachtengemälde mit dem Angriff auf Pearl Harbor, den er in heftigen Bildern zeigt – inklusive des sich ins kollektive Gedächtnis der Amerikaner eingebrannten Motivs des in Schlagseite liegenden brennenden Schlachtschiffs „USS Arizona“. Viel Raum nimmt auch der Doolittle Raid ein, die erste Bombardierung japanischer Städte durch US-Flieger unter Lieutenant Colonel Jimmy Doolittle (Aaron Eckhart).

Woody Harrelson als Admiral Nimitz

Da sich Emmerich wie sein Vorgänger um historische Authentizität bemüht, finden sich die bedeutsamen Protagonisten der Ereignisse auch bei ihm, etwa der von Woody Harrelson souverän verkörperte Admiral Chester W. Nimitz, Oberbefehlshaber auf US-Seite, und sein japanisches Pendant Vize-Admiral Isoroku Yamamoto (Etsushi Toyokawa). Emmerich fügt aber auch Figuren hinzu, die im 1976er-Film unter den Tisch gefallen waren, so den Nachrichtenoffizier Edwin T. Layton (Patrick Wilson), dessen offenbar bedeutsamer Rolle bei der Beschaffung höchst wichtiger Geheiminformationen entsprechend er viel Raum im Film gibt. Etwas mehr Leinwandzeit als 1976 erhält Admiral William F. Halsey (Dennis Quaid), den vor der Schlacht um Midway eine Hauterkrankung außer Gefecht setzt.

Kann Nachrichtenoffizier Layton die richtigen Informationen beschaffen?

Einen großen Fokus legt Emmerich auf die US-Kampfflieger, allen voran Richard „Dick“ Best, den Ed Skrein klischeehaft als ungestümen Teufelskerl porträtiert, der gern mal die Vorschriften außer Acht lässt und damit den Unwillen seines Vorgesetzten Lieutenant Commander Wade McClusky (Luke Evans) auf sich zieht. Allerdings weiß der Offizier auch, was er an seinem besten Mann hat. Weitere Mitglieder der Flugzeugträger-Fliegerstaffeln sind unter anderen der Bomberpilot Frank Woodrow O’Flaherty (Russell Dennis Lewis) und sein Bordschütze Bruno Peter Gaido (Nick Jonas). Letztgenannter hatte sich Anfang Februar 1942 eine Heldentat geleistet, die „Midway – Für die Freiheit“ auch zeigt.

Wer traut sich in einen Sturzkampfbomber?

Die Action ist erwartungsgemäß fulminant. Klotzen kann der „Master of Desaster“ Roland Emmerich, das weiß man und muss man ihm lassen. Wenn Dick Best im Sturzkampfbomber zur Attacke auf die Flugzeugträger ansetzt, ihm japanische Jäger im Nacken sitzen und das Sperrfeuer von den feindlichen Schiffen um die Ohren geballert wird, bekommt man den Hauch eines Gefühls davon, wie riskant diese Einsätze waren. Muss man wahnsinnig oder lebensmüde sein, um sich in ein solches Cockpit zu setzen? Vielleicht beides. Wer Kriegs-Action zur See und in der Luft etwas abgewinnen kann, kommt voll auf seine Kosten. Auch tricktechnisch gibt es nichts auszusetzen, und die große Leinwand in Verbindung mit aufwendigen Soundsystemen bringt die Intensität des Spektakels bestens zur Geltung. Etwas absurd wirkt es allerdings, wenn sich Kampfpiloten mitten in der Luft trotz Flugwind und Motorenlärm im offenen Cockpit problemlos mit den hinter ihnen sitzenden Bordschützen unterhalten können, ohne dafür Funkgeräte zu benötigen – der Lärm muss so immens gewesen sein, dass man nicht mal sein eigenes Wort verstehen würde. Sonderbar, dass Emmerich bei diesem Detail so schlampig gearbeitet hat.

Wade McClusky (l.) und Dick Best raufen sich zusammen

Wie „Tora! Tora! Tora!“ und „Schlacht um Midway“ zeigt Emmerich die Japaner nicht als Schurken, sondern als Kontrahenten der Amerikaner, die für ihr Land einen ehrenvollen Sieg erringen wollen. Ein paar Spitzen gibt es dann aber doch, sie sind womöglich dem chinesischen Geld geschuldet, das in die Produktion von „Midway – Für die Freiheit“ geflossen ist. China hatte unter der japanischen Invasion und Besatzung ab 1937 großes Leid erfahren, das bis heute nachwirkt. So werden wir Zeuge eines Kriegsverbrechens an gefangenen US-Soldaten an Bord eines japanischen Schiffs. Gegen Ende erfährt das Publikum obendrein per Texteinblendung, die Japaner hätten aus Vergeltung für die Hilfe, die Jimmy Doolittle und seine Männer nach der Bombardierung Tokios und ihrer anschließenden Landung in China durch die Bevölkerung erhielten, 250.000 chinesische Zivilisten hinrichten lassen.

Regielegende John Ford als Nebenfigur

Ein nettes, wenn auch für die Handlung von „Midway – Für die Freiheit“ völlig verzichtbares Gimmick stellt Roland Emmerichs Hommage an den Regisseur John Ford (Geoffrey Blake) dar, der zufällig auf Midway anwesend war, um dort eine Dokumentation über das Leben auf einer isolierten Militärbasis zu filmen. Stattdessen drehte er Schlachtenszenen, wurde dabei sogar leicht verwundet. Das 18-minütige Resultat trägt wie der 1976er-Spielfilm den Titel „Schlacht um Midway“ („The Battle of Midway“) und kann – da Public Domain – kostenlos im Netz angeschaut und heruntergeladen werden. Eine restaurierte Fassung gibt’s bei YouTube.

Bruno Gaido leistet Heldenhaftes

Der seinerzeitige Drang des kaiserlichen Japans, mit aller Macht und viel Gewalt im Pazifik die tonangebende Nation zu sein und zur Weltmacht aufzusteigen, mag die kriegerische Gegenwehr gerechtfertigt haben, zumal die Amerikaner angegriffen wurden und jedes Recht zur Selbstverteidigung hatten. Heutzutage sieht das ganz anders aus, wenn irgendwo auf der Welt US-Militär in den Einsatz geht. Ein komplexes Thema, bei dem es mir schwerfällt, die richtigen Gedanken zu finden und in Worte zu kleiden. Jedenfalls wirkt es wenig zeitgemäß, wenn ein Kriegsdrama, das ein gewisses Anspruchsdenken ausstrahlt, so gar keine Aussage gegen den Krieg trifft. Ich erwarte gar keinen Antikriegsfilm, das wäre die ganz hohe Schule, die in der Geschichte des Kriegsfilm-Genres im Vergleich zur großen Zahl der Produktionen selten genug eingelöst worden ist. Aber dass es möglich ist, ein Kriegs-Epos mit Fokus auf die vermeintlich oder tatsächlich „Guten“ zu inszenieren und gleichzeitig kritisch mit militärischen Auseinandersetzungen ins Gericht zu gehen, haben 1998 Steven Spielberg mit „Der Soldat James Ryan“ und Terrence Malick mit „Der schmale Grat“ hinlänglich bewiesen. Diese beiden Produktionen haben das Genre enorm geprägt, und Emmerich fällt weit hinter sie zurück, weil es ihm einzig darum geht, Helden ins rechte Bild zu setzen und ihnen ein Denkmal zu setzen. Vielleicht haben Menschen wie Dick Best und Bruno Gaido dieses Denkmal sogar verdient. 2019 sendet es ein falsches Signal.

Zur Inszenierung der Helden passt auch die Porträtierung ihrer Ehefrauen als brave Gemahlinnen, die pflichtbewusst die vielen Beerdigungen besuchen und es hinzunehmen haben, dass ihre Gatten permanent dem Tod ins Auge sehen. Als Dick Bests Ehefrau Anne ist Mandy Moore („The Darkest Minds – Die Überlebenden“) zu sehen. Diese Darstellung der weiblichen Randfiguren ähnelt frappierend der in „Wir waren Helden“ mit Mel Gibson.

Emmerich mag seine Version lieber

Der Kino-Starttermin 7. (bei uns) und 8. (in den USA) November ist passend gewählt, da in den Vereinigten Staaten der Veterans Day bevorsteht: Am 11. November, dem Tag des Waffenstillstands am Ende des Ersten Weltkriegs, gedenkt man dort der Veteranen aller Kriege, an denen die Nation teilgenommen hat. Die mit Charlton Heston in einer der Hauptrollen umgesetzte 1976er-Darstellung der Ereignisse hält Roland Emmerich für keinen guten Film. Gestehen wir ihm zu, dass ihm seine Version besser gefällt. Ob sie es wirklich ist? Ich habe meine Zweifel. Die Zeit wird es zeigen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roland Emmerich haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Luke Evans, Woody Harrelson und Ed Skrein unter Schauspieler.

Jimmy Doolittle ist in China gelandet

Länge: 138 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Midway
CHN/USA 2019
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Wes Tooke
Besetzung: Woody Harrelson, Luke Evans, Patrick Wilson, Ed Skrein, Dennis Quaid, Mandy Moore, Alexander Ludwig, Aaron Eckhart, Darren Criss, Nick Jonas, Luke Kleintank, Jake Weber, Keean Johnson, Tadanobu Asano, David Hewlett, Geoffrey Blake, Etsushi Toyokawa, Russell Dennis Lewis
Verleih: Universum Film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Universum Film

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/11/06 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Zombieland – Doppelt hält besser: Zombies und kein Ende

Zombieland – Double Tap

Kinostart: 7. November 2019

Von Florian Schneider

Horrorkomödie // Als George A. Romero 1968 „Die Nacht der lebenden Toten“ für die große Leinwand realisiert, ist dies zwar nicht die Geburtsstunde der Zombies, wohl aber ihrer Inkarnation als von den Toten wiedergekehrten Menschenfresser und ihr internationaler Durchbruch. In den kommenden Jahrzehnten folgt ein intermedialer Durchmarsch ganzer Kohorten dieser Art Zombies sowie ihrer zahllosen Varianten. Dabei läuft die Verwertungskette in alle Richtungen: aus Computerspielen werden Filme („Resident Evil“), aus Comics Fernsehserien („The Walking Dead“), weltweit werden Zombie-Paraden abgehalten und Zombie-Bands (White Zombie, Flatbush Zombies) gegründet. Längst ist das Thema ein globales Phänomen, „Die Nacht der lebenden Toten“ ist Teil der Filmsammlung des Museum of Modern Art, und wo sich die Pioniere noch mit Zensur und Verboten herumärgern mussten, ist das barbarische Gemetzel an den und durch die Untoten heutzutage sogar meist jugendfrei.

Die glorreichen vier sind wieder im Zombieland unterwegs

Im Film werden, nachdem die 70er-Jahre noch von (teilweise gesellschaftskritischen) Horror-Zombie-Filmen dominiert sind, die Genregrenzen immer mehr verschoben. 1985 feiert mit „Verdammt, die Zombies kommen“ („The Return of the Living Dead“) die erste Zombie-Komödie Erfolge. Nicht nur zieht diese vier Fortsetzungen nach sich, sie ist auch Vorreiter der enorm erfolgreichen Gattung der Zombie-Komödien. Zu nennen ist natürlich Peter Jacksons irrwitzige Splattergranate „Braindead“ von 1992. Speziell im neuen Jahrtausend geht es dann richtig los, wie beispielsweise „Shaun of the Dead“ (2004), „Juan of the Dead“ (2011) und natürlich „Zombieland“ (2009) belegen mögen.

Die Schwestern Wichita und Little Rock machen sich gemeinsam auf und davon …

Letztgenannter erfährt nun, zehn Jahre später, mit „Zombieland – Doppelt hält besser“ eine Fortsetzung. Überraschend kommt das nicht, ist das Zombie-Genre doch abonniert auf Fortsetzungen, Prequels, Remakes und Plagiate. Lediglich die lange Wartezeit vermag da zu verwundern. Geschadet hat es allerdings nicht, denn immerhin wirkt der ebenfalls von Ruben Fleischer in Szene gesetzte zweite Teil der kultigen Zombie-Komödie durch den zeitlichen Abstand nun nicht wie ein reiner Aufguss des ersten Teils, sondern kommt erstaunlich frisch und witzig daher.

… bis sich Little Rock in den Musiker Berkeley verliebt

Viel Neues gibt es allerdings nicht zu vermelden: Die durch die Zombie-Apokalypse zusammengekommene menschliche Quadriga haust inzwischen im Weißen Haus. Wichita (Emma Stone) und der übervorsichtige Columbus (Jesse Eisenberg) vertiefen dort ihre Liebesbeziehung, während Tallahassee (Woody Harrelson) mit seiner Fürsorge der inzwischen pubertierenden Little Rock (Abigail Breslin) auf die Nerven fällt. Es kommt, wie es kommen muss – die beiden Frauen machen sich auf und davon. Nachdem Little Rock schließlich auch ihre Schwester sitzen lässt, um mit dem Musiker Berkeley (Avan Jogia) durchzubrennen, und Wichita nach ihrer Rückkehr ins Weiße Haus das blonde Dummchen Madison (Zoey Deutch) in Columbus’ Bett vorfindet, ist die Grundlage für einen erneuten wilden Roadtrip mit ordentlich Situationskomik, Splatter-Action und Nostalgie-Elementen gelegt.

Sitzengelassene Jungs müssen allein einkaufen gehen

Wie bereits im ersten Teil funktioniert das Zusammenspiel der Darsteller ausgezeichnet, die Funken sprühen und bei den Begegnungen mit den (inzwischen weiter mutierten) Zombies spritzt das Blut. Absurder Höhepunkt ist sicherlich die Hippie-Kommune Babylon, Schauplatz des großen Finales und Zufluchtsort von Little Rock, denn dort werden zur Begrüßung erst einmal alle Waffen eingesammelt und eingeschmolzen. Wenn das einmal nicht gelebter Pazifismus ist! Ach ja, Bill Murray darf natürlich auch in der Fortsetzung nicht fehlen, allerdings muss man für seinen Auftritt auf den Abspann warten.

Auf der Suche nach Little Rock …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Abigail Breslin haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Woody Harrelson und Bill Murray unter Schauspieler.

Willkommen in Graceland! Elvis lebt!

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Zombieland – Double Tap
USA 2019
Regie: Ruben Fleischer
Drehbuch: Dave Callaham, Rhett Reese, Paul Wernick
Besetzung: Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Emma Stone, Abigail Breslin, Zoey Deutch, Rosario Dawson, Dan Aykroyd, Bill Murray, Avan Jogia, Luke Wilson, Thomas Middleditch, Rachel Luttrell
Verleih: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Copyright 2019 by Florian Schneider
Filmplakat & Szenenfotos: © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 
 
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