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Archiv der Kategorie: Kino

Onward – Keine halben Sachen: Was wäre, wenn …?

Onward

Kinostart: 5. März 2020

Von Philipp Ludwig

Computertrick-Fantasykomödie // Was wäre, wenn sich Frodo Beutlin auf Google Maps verlassen hätte, an der Grenze zu Mordor aber der Handyempfang flöten gegangen wäre? Wenn Jon Snow die Pflege seines Instagram-Profils (#iknownothing) dem beschwerlichen Kampf gegen den Nachtkönig vorgezogen hätte? Oder Geralt von Riva sich nicht seiner Bestimmung widmen würde, als Hexer Monster zu jagen, um lieber auf YouTube seine Routine-Videos zu perfektionieren? Als nerdaffiner, dem Fantasy-Genre in Buch, Film und Videospiel zugeneigter Mensch habe ich mich immer mal wieder bei der Frage erwischt, was wohl gewesen wäre, hätte auch in Mittelerde oder Westeros der technische Fortschritt Einzug gehalten.

Die Lightfoots – sieht so eine ganz normale Elfenfamilie aus?

In gewisser Weise wirkt es schon ein wenig komisch. Da haben wir Welten, in denen allerlei skurrile Geschöpfe und schwer greifbare Kräfte wie die Magie allgegenwärtig sind – einen wirklichen technischen Fortschritt gibt es aber selbst in Hunderten, gar Tausenden von Jahren nicht zu beobachten. Natürlich stellt gerade dies einen entscheidenden Erfolgsgaranten des Genres dar, als Gegenentwurf zu unserer eigenen hektischen und fortschrittshörigen Gegenwart. Ein Hoch auf den Eskapismus. Die kreativen Köpfe der Pixar Studios um Autor und Regisseur Dan Scanlon („Die Monster Uni“) haben sich in ihrem neuesten Animationsstreich „Onward – Keine halben Sachen“ auf filmische Weise genau dieser „Was wäre wenn?“-Fragestellung angenähert. Ob sie dabei an großartige Klassiker aus der langen Erfolgsgeschichte des Studios wie „Wall-E“, „Die Monster AG“ oder die „Toy Story“-Reihe anknüpfen können?

Vom Gegenentwurf zum Partner

Durch bahnbrechende Animationsfilme konnte sich Pixar seit den 1990ern nicht umsonst als größter Konkurrent der Trickfilmgiganten aus dem Hause Disney hervortun. Entgegen der oft allzu moralisch und kitschig angehauchten Disney-Produktionen gelang es den Pixar-Filmen auf ansprechende Weise, verschiedene Aspekte unter einen Hut zu bringen. So bieten ihre meist ausgesprochen intelligenten Werke Anknüpfungspunkte für Jung und Alt. Sei es durch eine vordergründig putzige Inszenierung und den meist hintergründigen Humor mit zahlreichen Anspielungen auf andere Werke der Popkultur – oder durch ihre Behandlung feinfühliger und tiefgründiger Themen des Lebens. Ein filmischer Meilenstein wie „Wall-E“ etwa ist mir in meinem medienwissenschaftlichen Studium in gleich drei Seminaren als analytisches Referenzobjekt über den Weg gelaufen. Ob im Philosophieseminar als Diskussionsgegenstand zu Fragen rund um das Thema der „Personal Identity“ oder im Drehbuchseminar als Beispiel, wie man einen nichtmenschlichen Helden durch den Schreibprozess „menschlich“ werden lässt – das Werk hat deutlich mehr zu bieten als nur die rührende Liebesgeschichte eines niedlichen Müllsammlers. So bieten Pixar-Filme in der Regel nicht nur viel Grund zum Lachen (und mitunter Weinen), sondern sie regen dankenswerterweise stets zum Nachdenken an. Kein Wunder also, dass sich Disney auch diesen Konkurrenten nach bereits anfänglicher enger Zusammenarbeit mittlerweile auch offiziell „einverleibt“ hat.

Der schüchterne Ian (l.) und sein stets auf sein Bauchgefühl vertrauender Bruder Barley

„Onward – Keine halben Sachen“ wirft uns in eine prototypische fantastische Welt. Hier gibt es alles, was das Fantasy-Herz begehrt: Gandalfeske Zauberer bekämpfen monströse Drachen. Tapfere Reckinnen und Recken bestehen Abenteuer aller Art. Elfen leben friedlich neben Zwergen, Meerjungfrauen und Trollen. Majestätische Einhörner fliegen durch die Lüfte. Auch für den Komfort wird gesorgt. Zumindest, wenn sich ein Magier dazu erbarmt, einem ein kleines Feuerchen zu entzünden oder die Hütte zu erwärmen. Doch irgendwie sind es die Bewohner dieser Welt satt, für derlei Bequemlichkeiten stets auf die Hilfe der Zauberer angewiesen zu sein oder den komplizierten Umgang mit der Magie selbst zu erlernen. Vor allem als sich herumspricht, dass es jemanden gelungen ist, etwas viel Bequemeres zu erfinden: die Glühbirne. Da die verheißungsvollen Versprechungen von Technik und Elektrizität auch für magiegewohnte Lebewesen einfach zu verlockend sind, ist der Fortschritt nicht mehr aufzuhalten.

Fantasy im Smartphone-Zeitalter

Zeitsprung: New Mushroomton ist eine moderne mittelgroße Stadt, ausgestattet mit allerlei Hightech-Schnickschnack wie Smartwatches und Navis. Magie oder Zauberer sucht man hier vergebens. Elfen arbeiten jetzt mitunter als Buchhalter, einst vor Kraft strotzende Zentauren als lauffaule Polizisten und die ehemals majestätischen, nun verwahrlosten Einhörner giften sich in den Straßen gegenseitig beim Müllfressen an. Auch die einst gefürchteten Drachen nehmen mittlerweile eher die Rolle von zahmen Schoßhündchen ein. Dort leben die jungen Elfen-Brüder Ian und Barley Lightfoot mit ihrer alleinerziehenden Mutter. An seinem 16. Geburtstag wird der schüchterne Ian von Existenzängsten geplagt und fragt sich, wer er eigentlich einmal im Leben sein will. Zu gern würde er sich den Rat seines als umgänglich bekannten, von allen geliebten Vaters wünschen. Doch leider starb der kurz vor Ians Geburt an einer tödlichen Krankheit. Ians großer Bruder Barley hingegen interessiert sich mehr für die nächste Quest in einem Abenteuer-Brettspiel. Sowieso scheint der tollpatschig veranlagte, aber liebenswerte Nerd einer der letzten zu sein, der sich noch für die spannende Historie einer einst so besonderen Welt interessiert.

Ian lässt ungeahntes Talent hervorblitzen

Zum Geburtstag erhält Ian ein lang gehütetes Geschenk seines toten Vaters, das seine Mutter ihm erst zum 16. Geburtstag überreichen durfte: einen alten Zauberstab samt Zauberspruch! Dieser soll helfen, den Verstorbenen einmalig für einen letzten gemeinsamen Tag zurückzuholen. Erstaunlicherweise zeigt Ian tatsächlich Ansätze eines magischen Talents. Dumm nur, dass der für den komplizierten Zauberspruch existenzielle Part des Stabes – ein Phönixstein – während der noch etwas ungelenken Magieeinlage des Anfängers zerbricht. Um den Vater, von dem aufgrund des Missgeschicks leider nur der (immerhin quicklebendige) Unterleib beschworen wurde, zu vervollständigen, wird rasch Ersatz benötigt. Die Zeit läuft, denn in 24 Stunden wäre selbst dieser halbe Vater endgültig für alle Zeit verloren. Es beginnt für die beiden Brüder eine aufregende Quest, die sie vor allerlei Herausforderungen stellen wird. Da trifft es sich für Ian natürlich gut, mit Obernerd Barley und dessen reichhaltigem Erfahrungsschatz den richtigen Partner an der Seite für ein zünftiges Abenteuer zu haben. Oder etwa nicht?

Eine Ode an die Nerds

Der animationsfilmerfahrene Dan Scanlon und sein Team bieten in den knapp hundert Minuten Laufzeit von „Onward – Keine halben Sachen“ eine gehörige Menge Abwechslung. So handelt es sich in erster Linie um eine liebenswerte Parodie des Fantasy-Genres ebenso wie eine Liebeserklärung an ausgeprägtes Nerdtum. Man merkt an der Qualität der Witze sowie der Liebe zu den einzelnen Figuren und Anspielungen auf Filme, Bücher und Spiele des Genres, dass die Macher selbst eine gewisse Nerdigkeit besitzen dürften. Ihr Werk lässt sich somit als Hommage an all die Leseratten, Filmfreaks und Brettspielhelden da draußen verstehen, statt sich beispielsweise auf ihre Kosten über sie lustig zu machen.

Seine magischen Fertigkeiten reichen zunächst jedoch nur für eine unvollständige Beschwörung

„Onward – Keine halben Sachen“ bietet aber viel mehr als das. Der Animationsfilm enthält weitere Elemente populärer Genres, etwa des Coming-of-Age-Films und des Roadmovies. Ebenso werden auf tiefgründige und emotionale Weise existenzielle Themen des Lebens behandelt. Sei dies die schwierige Frage nach der eigenen Identität oder der Umgang mit dem schmerzlichen Verlust nahestehender Menschen. Durch das obskure Gedankenexperiment, die Auswirkungen technischer Entwicklungen auf eine magische Welt auf amüsante Weise durchzuspielen, bietet sich darüber hinaus auch großes Potenzial zu einer sozialkritischen Betrachtung unserer der Technik verfallenen Gesellschaft. So ist zum Beispiel eine einst gefürchtete und legendäre Mantikora Corey als zahm gewordene Gastronomin eines Familienschnellrestaurants gegenwärtig eher über eine kaputte Karaokemaschine und damit verbundene negative Bewertungen im Internet besorgt. Ebenso droht die Begegnung mit einer nicht zu unterschätzenden Bikergang aus dem Ruder zu laufen, bestehend aus winzigen, Lederjacken tragenden und vollbärtigen Feen mit rosa Flügelchen. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht, seht selbst! Der technische Fortschritt scheint sich für die einst so fabelhaften Bewohner von New Mushroomton aber nicht nur als Segen herausgestellt zu haben, zumindest, was ihre sie einst kennzeichnende Fabelhaftigkeit betrifft.

Barley und Ian erhoffen sich Hilfe von Corey (r.)

Obwohl insbesondere die tragische Geschichte um zwei Brüder, die alles daran setzen wollen, den Verlust ihres Vaters wenigstens für einen kurzen Moment zu negieren, für das eine oder andere feuchte Augenpaar sorgen dürfte – im Vordergrund stehen natürlich ganz klar die Lacher. Und von denen hat „Onward – Keine halben Sachen“ mehr als genug zu bieten. Da uns in der Pressevorführung dankenswerterweise die englischsprachige Originalversion gezeigt wurde: Der Film profitiert hier insbesondere durch die tollen Sprecher Tom Holland (Ian) und Chris Pratt (Barley). Gerade Pratts stimmliche Darbietung als dauerquasselnder und einfach rundherum liebenswerter Tollpatsch Barley ist ein großer Spaß. Auch die zentralen weiblichen Rollen von Ians und Barleys Mutter Laurel sowie Mantikora Corey sind mit „Seinfeld“-Star Julia Louis-Dreyfus sowie Octavia Spencer („Ma“) vortrefflich besetzt.Wie sich dagegen ihre deutschen Kollegen schlagen werden, kann ich demnach nicht in Gänze beurteilen. Der unten verlinkte Trailer lässt aber auf eine gelungene Umsetzung hoffen.

Ein großer Spaß

„Onward – Keine halben Sachen“ ist trotz aller Kreativität, Gefühl und treffendem Humor allerdings kein neuer „Wall-E“ oder „Toy Story“. Um die großen Fußstapfen der imposantem Pixar-Historie vollständig auszufüllen, fehlt am Ende leider doch ein wenig der letzte Funken Genialität. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dem neuesten Werk der Animationsschmiede, die sich trotz Übernahme durch Disney viel von ihrem anarchischen Charme bewahren konnte, um einen fantastischen Spaß. Sowohl junge als auch ältere Vertreter im Publikum dürften hier viel Grund zur Freude haben, auch wenn die Kleineren wohl besser zu Hause bleiben sollten. Gerade der überaus aktive Unterleib von Papa Lightfoot könnte doch für so manche Irritationen sorgen. Trotz der zahlreichen Nerd-Anspielungen dürfte durch die abwechslungsreiche Inszenierung und thematische Vielfalt auch für diejenigen unter euch etwas dabei sein, die ansonsten weniger dem Fantasy-Genre zugeneigt sind. Insbesondere wenn man bereits an anderen Pixar-Streifen Gefallen fand. Diese Angaben sind allerdings ohne Gewähr, da ich mich in weniger nerdig veranlagte Menschen noch nie sonderlich gut hineinversetzen konnte.

Auf das Bruderpaar wartet ein großes Abenteuer

Edle Gefährten, es bleibt mir zum Abschluss daher nur, euch folgenden weisen Rat auszusprechen: Werft euch eure besten Umhänge über, strafft die Gürtel, schnürt die Stiefel und dann mit einem kräftigen „Onward!“ auf den Lippen auf zum nächsten Lichtspielhaus! Immer daran denken: Beim Zaubern stets auf die richtige Körperhaltung achten! Und provoziert auf euren Wegen möglichst keine Feen!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Octavia Spencer haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Chris Pratt unter Schauspieler.

Wird es Ian gelingen, erstmals seinen vollständigen Vater zu treffen?

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Onward
USA 2020
Regie: Dan Scanlon
Drehbuch: Dan Scanlon, Jason Headley, Keith Bunin
Originalsprecher: Tom Holland, Chris Pratt, Julia Louis-Dreyfus, Octavia Spencer, Mel Rodriguez, Tracey Ullman, John Ratzenberger, Lena Waithe, Ali Wong
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2020 by Philipp Ludwig

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2019 Disney/Pixar. All rights reserved.

 

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Der Unsichtbare – Ist das der Atem des Stalkers?

The Invisible Man

Kinostart: 27. Februar 2020

Von Philipp Ludwig

Horrorthriller // Adrian Griffin (Oliver Jackson-Cohen, „The Haunting of Hill House“) hat im Prinzip alles, was ihn zu einem begehrenswerten Lebenspartner macht. Der geniale Physiker ist jung, sieht bestens aus und scheint ein echter Charmeur zu sein. Darüber hinaus ist er als Wissenschaftler eine wahre Koryphäe auf dem Feld der Optik (Forschungsschwerpunkt: Unsichtbarkeit), was ihn zu einem beachtlichen Vermögen samt schnieker Hightech-Villa am Strand verhalf. Es könnte also schlimmere Optionen bei der Partnerwahl geben. Sollte man meinen.

Cecilia flieht vor ihrem tyrannischen Lebenspartner

Seine Freundin Cecilia Kass (Elisabeth Moss) kennt das wahre Gesicht hinter der schönen Fassade. Adrian ist in Wahrheit nicht nur ein narzisstischer Soziopath und Kontrollfreak, nach ihren Erzählungen scheint er auch vor häuslicher Gewalt nicht zurückzuschrecken. So beginnt „Der Unsichtbare“ auch mit der minutiös geplanten, nervenaufreibenden nächtlichen Flucht Cecilias aus ihrem „goldenen Käfig“. Nachdem sie anschließend bei ihrem besten Freund, dem Polizisten James (Aldis Hodge, „Straight Outta Compton“) und dessen Tochter Sydney (Storm Reid, „When They See Us“), untergetaucht ist, erhält sie nach zwei Wochen die erlösende Nachricht: Adrian hat sich, vermeintlich aus Liebeskummer, umgebracht. Seine Drohung, sie könne ihn niemals verlassen, scheint er somit nicht mehr einlösen zu können. Doch das Gefühl der Befreiung währt für Cecilia nur kurz. Schon bald beginnen ihr mysteriöse Ereignisse das Gefühl zu geben, dass Adrian immer noch da ist. Konnte er seine Forschungen zur Verwirklichung von Unsichtbarkeit etwa doch zu Ende bringen? Zunehmend sieht sie sich und ihre Lieben in Gefahr. Doch ist diese Gefahr real? Und falls ja, wer wird ihr glauben?

Alter Stoff in neuem Gewand

Der Australier Leigh Whannell ist bislang vor allem als Drehbuchautor bekannter Horrorfilme wie der „Insidious“-Reihe und den ersten drei „Saw“-Teilen in Erscheinung getreten, in denen er mitunter auch als Schauspieler mitwirkte. Für die Blumhouse-Produktion „Der Unsichtbare“ nahm er zusätzlich zum Drehbuchschreiben zum dritten Mal nach „Insidious – Chapter 3: Jede Geschichte hat einen Anfang“ und „Upgrade“ auch auf dem Regiestuhl Platz. Whannell bedient sich dabei mit dem Roman „The Invisible Man“ von H. G. Wells aus dem 19. Jahrhundert bei einer populären Vorlage und einem echten Klassiker der Literaturgeschichte. Ebenso beruft er sich auf die bereits 1933 durch James Whale erfolgte Verfilmung mit dem gleichen Titel. Der australische Experte für Horror- und Thrillerstoffe transportiert die klassische Handlung nicht nur in unsere Zeit – er erlaubt sich zudem einige Freiheiten in seiner ganz eigenen Interpretation der Vorlage, indem er etwa den ominösen Unsichtbaren zu einem bedrohlichen Stalker der Protagonistin umfunktioniert.

Sie fühlt sich verfolgt und bedroht

Leigh Whannell bedient sich zudem gleich bei einer ganzen Reihe an klassischen Inszenierungsstrategien des Thrillergenres. Trotz der offiziellen Deklarierung als Horrorfilm und der Anlehnungen an den bedrohlichen und spannungsreichen Erzählstil des Psychohorrors hat „Der Unsichtbare“ für mich persönlich somit viel mehr den Charakter eines Thrillers inne. Dies wird umso offensichtlicher, da es sich der Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion erlaubt, diverse Genreklassiker zu zitieren. Hervorzuheben seien hier beispielsweise wiederholte Anspielungen auf großartige Werke des Altmeisters Alfred Hitchcock wie „Psycho“ (1960) oder „Das Fenster zum Hof“ (1954). Ebenso lassen sich Ähnlichkeiten zu anderen „Unsichtbarkeits“-Thrillern wie „Hollow Man“ (2000) natürlich kaum vermeiden. Auch scheint das Stalker-Thema derzeit eine Art Hochkultur in Film und Fernsehen zu erleben, betrachtet man neuere Werke wie den Thriller „Greta“ (2018) oder die populäre Netflix-Serie „You“ (seit 2018).

Filmtechnisch top

Trotz der zahlreichen Anspielungen auf bekannte wie beliebte Genreklassiker zeigt Regisseur Whannell in seiner Neuinterpretation der popkulturellen Vorlagen durchaus auch innovative Ansätze. Insbesondere auf technischer Ebene weiß „Der Unsichtbare“ zu überzeugen; visuell etwa durch eine einfallsreiche und spannungsfördernde Kameraarbeit, mit der mittels langsamer Schwenks immer wieder dunkle Ecken und Winkel abgefahren werden, in denen die Protagonistin Cecilia ihren vermeintlich verstorbenen Ex vermutet. Zudem funktioniert in den stilleren Momenten das Sounddesign sehr gut – jedes Knarzen von Treppenstufen oder Quietschen von Türangeln fungiert als wirksames Werkzeug des Suspense. Ähnlich wie bei anderen „Stille“-Horrorthrillern wie „A Quiet Place“ (2018) erwischt man sich als Kinozuschauer dabei, wie durch diese gelungene Inszenierung „angespannter Stille“ auch jedes Geräusch im Kinosaal wie das bei anderen Gästen erfolgte Zurechtrücken im Kinosessel, deren Schniefen oder Räuspern die eigene Anspannung steigert. Man guckt zumindest zweimal auf den eventuell leeren Platz neben sich oder zum Notausgang neben der Leinwand, in der Vermutung, auch dort könnte eventuell eine unsichtbare Bedrohung lauern.

Cecilia gerät in Bedrängnis

Auch die häufig vorkommenden lauten Momente von „Der Unsichtbare“ funktionieren durchweg gut. In erster Linie ebenfalls dank technischer Aspekte wie die innovativen visuellen Effekte, die die Auseinandersetzungen zwischen Cecilia und ihrem unsichtbaren Stalker atemberaubend in Szene setzen und allgemein die Möglichkeit einer menschlichen Unsichtbarkeit glaubhaft vermitteln. Getoppt wird das Ganze noch durch den tollen Sundtrack von Benjamin Wallfisch. Der Komponist wirkte bereits an innovativen Hans-Zimmer-Soundtracks wie „Blade Runner 2049“ oder „Dunkirk“ (beide 2017) mit und bewies schon mit seinen Scores zu den beiden Stephen-King-Neuverfilmungen „Es“ (2017) und „Es – Kapitel 2“ (2019), dass ihm das spannungs- und schockgeladene Kino liegt. In „Der Unsichtbare“ vermag er es nun mit seiner stets passenden musikalischen Untermalung durch zarte Pianoklänge, melancholische Streicher und bedrohliche Synthesizer, der wechselhaften Spannung zwischen der traurigen Geschichte um die traumatisierte Cecilia mit der Konfrontation einer unsichtbaren und mitunter akuten Bedrohung eine ganz eigene Qualität zu verleihen.

Wird sie jemals ihrer Vergangenheit entkommen?

Als Glücksfall stellt sich darüber hinaus die Besetzung der Hauptfigur Cecilia mit Elisabeth Moss heraus. Der Fernsehserienstar („Mad Men“, „The Handmaid’s Tale“) fährt hier die volle Bandbreite einer weiblichen Thrillerdarstellerin auf – von der anfänglichen Damsel in Distress, die sich schüchtern in ihr Schneckenhaus zurückzieht, über die verzweifelte, missverstandene Verfolgte bis hin zur taffen Widersacherin gegen ihren Peiniger – Moss füllt jede dieser Rollen mit großer schauspielerischer Verve aus. Ihre Interpretation der emotionalen Tour de Force einer mehr und mehr alleingelassenen Protagonistin trägt den gesamten Film von Anfang bis Ende.

Grundsolide Thrillerkost

Aufgrund der fast schon sklavischen Orientierung an etablierten Erzählstrategien und Zitation bekannter Werke des Thrillergenres kann Leigh Whannell mit seinem neuesten Werk dagegen nur selten mal für wirklich überraschende Momente sorgen. Gerade für genreerprobte Zuschauer dürften die meisten Wendungen und Jumpscares nur wenig Potenzial für Überraschungen bieten. Ebenso bleibt in seinem Drehbuch mitunter leider auch die Logik auf der Strecke. Ohne nun zum Abschluss zu viel verraten zu wollen – die Tatsache, dass beispielsweise auch engste Vertraute Cecilias wie ihr Freund James, als gewissenhafter Polizist, so überhaupt keinen Gedanken daran verschwenden, dass Adrian Griffin als der weltweit führende Wissenschaftler auf seinem Gebiet tatsächlich sein Ziel der Unsichtbarkeit erreicht haben könnte, hat mich, ebenso wie Cecilia, beinahe wahnsinnig gemacht. Nichtsdestotrotz bietet „Der Unsichtbare“ durch seine ansprechende Inszenierung, den guten Cast um Hauptdarstellerin Moss sowie den rasanten Anstieg im Erzähltempo insbesondere in der zweiten Hälfte ein durchweg befriedigendes Kinoerlebnis. Gerade Genrefans dürften also, trotz der mitunter herrschenden Überraschungsarmut, auf ihre Kosten kommen. Begeisterungsstürme wird Leigh Wannell mit seinem neuesten Werk jedoch kaum auslösen.

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Invisible Man
AUS/USA 2020
Regie: Leigh Whannell
Drehbuch: Leigh Whannell, nach einem Roman von H. G. Wells
Musik: Benjamin Wallfisch
Besetzung: Elisabeth Moss, Oliver Jackson-Cohen, Aldis Hodge, Michael Dorman, Storm Reid, Harriet Dyer, Amali Golden, Zara Michales, Nash Edgerton, Sam Smith
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2020 by Philipp Ludwig

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2020 Universal Pictures Germany GmbH

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2020/02/25 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Nightlife – Auf liebenswerte Art anstrengend

Nightlife

Kinostart: 13. Februar 2020

Von Philipp Ludwig

Komödie // Schlagworte wie „Deutsche Komödie“, „Elyas M’Barek“ oder „Berlin“ sorgen bei dem Autor dieser Zeilen in der Regel nur bedingt für Freudenstürme. Entsprechend skeptisch ging es daher auch in die durchaus schöne Astor Filmlounge in Hamburg, um dort in der abendlichen Pressevorführung einen ersten Eindruck von Simon Verhoevens neuestem Werk „Nightlife“ zu gewinnen. Nur zu oft tendiert der deutsche Film ja leider dazu, einen eher seichten und platten Humor auf sein Publikum loszulassen. Dazu mit den immer gleichen Stoffen (große Liebe mit Startproblemen oder Lebensprobleme hipper Großstadtmenschen) und gefühlt den immer gleichen Gesichtern. Neben M’Barek sei hier insbesondere auf den mittlerweile schier omnipräsenten Frederik Lau (unter anderem „Victoria“, „4 Blocks“) verwiesen, der als Darsteller ein erstaunliches Arbeitspensum beweist und neben seinen zahlreichen, anspruchsvollen Auftritten nun zunehmend das Klamauk-Gerne für sich entdeckt zu haben scheint. Überraschenderweise weiß Verhoeven mit seinem Film dennoch für einige kreative Einfälle und mitunter auch große Lacher zu sorgen – trotz einiger offensichtlicher Schwächen also kein kompletter Reinfall. Aber lag das überraschend positive Grundgefühl nach der Sichtung des Films tatsächlich am dargebotenen Inhalt oder doch vielmehr an dem zur Pressevorführung freundlicherweise gereichten Gin Tonic?

Renzo (l.) und Milo genießen ihre Arbeit im Berliner Nachtleben

Zur Story: Milo (M’Barek) und Renzo (Lau) sind nicht nur seit der Kindheit beste Kumpels, sondern auch Mitbewohner und arbeiten gemeinsam als Barkeeper in einem Berliner Szenelokal. Als Milo eines Morgens nach einem weiteren anonymen One-Night-Stand durch Kreuzberg nach Hause geht, beobachtet er gleich eine ganze Reihe junger Eltern, die ihre Kinder in der Schule abliefern. Für ihn ist dies ein Moment der Erleuchtung: Er fühlt sich langsam alt und will raus aus dem Nachtleben, endlich einen Weg ins „Tagleben“ finden. Seriös werden, so richtig erwachsen, mit Kindern sowie Fahrradausflügen am Sonntag und dem ganzen Zeugs. Sein gutmütiger, aber auch immer etwas langsam denkender Kumpel Renzo stimmt ihm da total zu, während er nach einer durchzechten Nacht den morgendlichen Kater mit Aspirin und Joint zu verjagen versucht. Gerade auf Fahrradausflüge hätte er auch so richtig Lust, allein bei dem Gedanken daran kämen ihm schon fast die Freudentränen. Milo wird sich wahrscheinlich hier schon (und wohl nicht zum ersten Mal) fragen, ob sein chaotischer Kumpel Renzo wirklich der richtige Partner für den nächsten Schritt ist. Merkt er doch skeptisch an, dieser könne ja noch nicht einmal Fahrrad fahren.

Ein seriöser Plan

Nichtsdestotrotz will Milo den gemeinsamen Traum der beiden in Angriff nehmen: Endlich die eigene Bar besitzen, mal andere für sich im stressigen „Nightlife“ schuften lassen. Um den nötigen Kredit von der Bank zu bekommen, sind ihnen alle Mittel recht. So wird etwa der leicht dröge und nerdig veranlagte Sachbearbeiter Heiko (Leon Ullrich, „Eichwald MdB“) kurzerhand zu einem folgenreichen Besuch im Berliner Nachtleben eingeladen, ein Besuch bei dessen wöchentlichen Spieleabend versprochen oder Hilfe bei der Eroberung seiner Büroflamme Petra (Milena Dreißig, „Stromberg“) angeboten. Doch bei all ihren Überzeugungsversuchen gibt es ein unüberwindbares Problem: Renzos Vorstrafe. Dabei sei das ja keine große Sache gewesen, wie dieser versichert, da er damals ja „nur mal was von A nach B gefahren“ habe. Die Enttäuschung über den verpassten Kredit währt zumindest für Milo nur kurz, trifft er doch am Folgeabend bereits auf die schöne Sunny (Palina Rojinski, „Willkommen bei den Hartmanns“). Die toughe Managerin eines Plattenlabels scheint seine vermeintliche Liebe des Lebens zu sein. Aufgrund ihrer Vorbehalte gegenüber Typen aus dem Nachtleben, die in ihren Augen nur Stress bedeute, versucht er alles, um an dem ersten Date wie versprochen – und zudem stressfrei – teilzunehmen. Er will sich dabei auch nicht von der Tatsache aufhalten lassen, dass sich Renzo ungefragt erneut seine Kontakte zur Berliner Unterwelt zu nutzen machen wollte, um das nötige Kleingeld für ihre Bar anderweitig zu besorgen. Wobei er sich mal eben den Ärger des russischen Möchtegernpaten Sorokin (YouTube-Phänomen Mark Filatov, „Ost Boys“) zugezogen hat. Eine denkwürdige Nacht nimmt ihren Anfang.

Treffen sich zwei Piraten auf ’ne Currywurst: Sunny (l.) und Milo scheinen füreinander bestimmt

Simon Verhoeven ist ein wahres Multitalent. Der Sohn der deutschen Schauspielerin Senta Berger stand als Jugendlicher beim TSV 1860 München vor einer Karriere als Profifußballer, bevor eine schwere Verletzung den Traum jäh beendete. Es folgten stattdessen unter anderem eine Ausbildung zum Filmkomponisten sowie eine Karriere als Schauspieler. Gerade als erfolgreicher Komödienregisseur konnte er in den letzten Jahren wiederholt auf sich aufmerksam machen und mit „Willkommen bei den Hartmanns“ und „Männerherzen“ große Publikumserfolge erschaffen. Mit seinem neuesten Werk „Nightlife“ versucht er nun offensichtlich, an Meilensteine des deutschen Buddy-Films wie „Absolute Giganten“, „Bang Boom Bang“ oder „Lammbock“ anzuknüpfen; indem er liebenswerte, aber auch leicht chaotisch veranlagte Freunde in ein verhängnisvolles, meist selbstverschuldetes Abenteuer wirft. Wobei diese genrebedingt natürlich auf eine ganze Reihe äußerst skurriler Figuren aus diversen Milieus am Rande der Gesellschaft treffen.

Licht und Schatten

Verhoeven kann diesen großen filmischen Fußstapfen allerdings nur bedingt gerecht werden. Wie bei seinen vorherigen Werken verbindet er auch in „Nightlife“ eine zwar gut gedachte Grundidee mit teilweise kreativen und urkomischen Einfällen. Doch leider steht ihm entweder der Mainstreamanspruch des Films oder vielleicht mitunter auch persönliches Unvermögen im Weg, sodass er sich leider immer mal wieder im allzu platten Holzhammerhumor verliert. Zudem macht er es sich als Regisseur und Autor wiederholt sehr einfach, indem er den Plot durch allerlei Zufälligkeiten und Deus-ex-Machina-Momenten am Laufen hält. Ist dies in gewissem Maße für das dem Abstrusen zugeneigte Genre durchaus üblich und zumindest für die Kurzweil der Erzählung förderlich, so wirkt das Ganze an zu vielen Stellen doch arg konstruiert. Ebenso wirkt die zugrunde liegende Darstellung des Berliner Nachtlebens und krimineller Machenschaften in einer aufgrund von Clankriminalität und anderer Umtriebe im Brennpunkt befindlichen Stadt wie Berlin – auch für den lockeren Anspruch einer Komödie – doch arg naiv.

Gangster Sorokin (M.) interessiert sich in erster Linie für seine Kohle

Und trotz aller Vorbehalte gegenüber Schauspielern des Typus M’Barek, der auch hier wieder mit dem stets strahlenden, locker-leichten Lebemann Milo vor allem sich selbst zu spielen scheint, bringt dieser hier einen großen Vorteil mit sich: Den Hauptdarsteller verbinden sowohl mit Frederick Lau als auch Palina Rojinski jahrelange Freundschaften, das Trio versteht sich offensichtlich prächtig. So ist die positive Chemie zwischen den drei tragenden Figuren nicht gespielt und weiß durch die damit innewohnende Authentizität zu begeistern und anzustecken. Zudem bewies Verhoeven auch mit der Besetzung der Nebenrollen Fingerspitzengefühl. Neben dem bereits erwähnten, leicht verklemmten Banksachbearbeiter Heiko seien an dieser Stelle beispielsweise der österreichische Theater- und Fernsehstar Nicholas Ofczarek („Der Pass“) als bierbäuchig-versnobte, mit einer eigenen, tölpelhaften Hooligantruppe ausgestattete Berliner Unterweltgröße Kempa und „4 Blocks“-Kleingangster Rauand Taleb als Rollenspielfan Mennrich aus einer ganzen Reihe an lustigen wie einfallsreichen Figuren erwähnt. Wobei natürlich eine genrebedingte Überzeichnung der meisten Figuren zwangsläufig ist und auch hier am Ende nicht immer jeder implizierte Witz und humoristische Seitenhieb sitzt.

PR-Coup für die Generation YouTube?

Als besonders geschickt dürfte sich die Besetzung des russischen Kleingangsterbosses und Hüpfburgbetreibers Sorokin mit dem Internetstar Mark Filatov erweisen. Der russischstämmige Schauspieler und Regisseur erlangte mit der YouTube-Mockumentary „Ost Boys“ nicht nur Kultstatus gerade bei jüngeren Generationen – auf seinem Instagramprofil kann er zudem nun schon mehr als eine Million Follower aufweisen. So verwundert es nicht, dass in dem Kommentarbereich des verlinkten (sowie weiterer) Trailer auf YouTube gefühlt zwei Drittel der Bemerkungen Bezug zu Filatov oder dessen aus seiner populären Internet-Serie bekanntem Alter Ego Slavik aufweisen. Seine Rolle als zusätzliches Zugpferd dürfte er damit mehr als erfüllen. Ein durchaus geschickter Schachzug, neben den sowieso schon populären Darstellern M’Barek, Lau und Polinski auch hier eine kluge Wahl in der Besetzung zu treffen. Doch auch abseits solcher marketingtechnischer Überlegungen vermag gerade er es auf seine ganz eigene Art, seiner Figur eine spezielle humoristische Tiefe zu verleihen – damit sorgt er für einige der größeren Lacher.

Milo (l.) und Renzo müssen sich schnell etwas einfallen lassen

Trotz einiger Schwächen überzeugt „Nightlife“ durch seine mitunter kreativen und gutplatzierten Gags, seine meist liebevoll gezeichneten Figuren und die kurzweilige Inszenierung. Wenn man bereit ist, seinen Denkapparat auch mal ein wenig herunterzufahren, kann man bei Simon Verhoevens neuester Komödie unterhalten werden, auch ohne sich im eigenen Intellekt zu sehr angegriffen zu fühlen. „Nightlife“ ist somit ein weiterer Kandidat aus der breiten Kategorie „Kann man gucken, muss man aber nicht“. So passt der im Film von Milo erwiderte Kommentar aufs Renzos Bemerkung, dessen neueste Bekanntschaft Sunny sei ja ganz schön anstrengend – da sie sich einmal (!) nach den Modalitäten für das anstehende Date erkundigte –, dies stimme zwar, aber immerhin auf eine liebenswerte Weise anstrengend, ebenso als Fazit für das Werk „Nightlife“ selbst. Da sich hier zwar die nervigen Begleiterscheinungen des deutschen Mainstreamfilms nicht vollends kaschieren lassen, aber durch dessen positiven Seiten durchaus dennoch Sympathie auslösen. Allerdings sollte man nicht zwingend den unten verlinkten Trailer als Maßstab nehmen. Der Film hat durchaus mehr humoristisches Potenzial, als man aufgrund der mitunter seltsam anmutenden Auswahl an Gags vermuten könnte.

„Da ziehe ich doch lieber zurück nach Hannover“

Es wäre für das deutsche Mainstreamkino dennoch wünschenswert, in den behandelten Stoffen ebenso wie der Besetzung sowie den Charakterzuschreibungen seiner Hauptfiguren künftig etwas mehr Risiko und Kreativität zu wagen, statt wie hier immer nur auf das bewährte Schema F zu setzen. Aber solange diese Filme ihr Publikum finden, wird sich wohl kaum etwas ändern und auch „Nightlife“ wird garantiert kein Schicksal als Kassengift ereilen. Gerade Fans der Hauptstadt dürften bei der Ode an das Berliner Nachtleben und hier ansässigen Kultstätten wie das Berghain besondere Freude empfinden. Auch wenn ich es persönlich eher mit der hier zitierten Filmfigur halten würde und der ganze Hype um Berlin zumindest an mir bislang vorbeigezogen ist. Nichtsdestotrotz sind es gerade die zahlreichen Anspielungen auf Großstadtprobleme wie die zugezogenen Spießer in hippen Szenevierteln, ein verheißungsvolles aber auch verruchtes Nachtleben und die überall gegenwärtigen Touristen, die mitunter für die stimmigsten Lacher im Film sorgen. Auch wenn die hier präsentierte Berlin-Liebe gerade für Menschen, die es anders sehen, ab einem gewissen Punkt zu nerven beginnt. Hannover muss es aber als Alternative dann auch nicht gleich sein. Da würden wohl auch keine Gin Tonics mehr zur persönlichen Aufheiterung helfen.

Milo (r.) lässt sich nicht von einem Date mit seiner Traumfrau abhalten – oder?

Länge: 111 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Nightlife
D 2020
Regie: Simon Verhoeven
Drehbuch: Simon Verhoeven
Besetzung: Elyas M’Barek, Frederick Lau, Palina Rojinski, Leon Ullrich, Mark Filatov, Caro Cult, Nicholas Ofczarek, Julian Looman, Cristina do Rego, Rauand Taleb, Milena Dreißig, Surho Sugaipov, Grit Boettcher
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2020 by Philipp Ludwig

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Warner Bros. Ent., Szenenfotos auch: © Frédéric Batier

 

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