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Archiv der Kategorie: Kino

Dunkirk – Die mythische Rettung aus dem Kessel der Wehrmacht

Dunkirk

Kinostart: 27. Juli 2017

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Die Schlacht von Dünkirchen während des Zweiten Weltkriegs hat im Vereinigten Königreich geradezu mythischen Charakter. „Es ist ein bedeutsamer Teil unserer Kultur. Wir haben Dünkirchen in unseren Knochen“, äußert der 1970 in London geborene Regisseur Christopher Nolan im Presseheft zu „Dunkirk“. Im Mai und Juni 1940 hatte die deutsche Wehrmacht in der französischen Hafenstadt an der Küste zum Ärmelkanal das Britische Expeditionskorps sowie Teile der französischen Armee eingekesselt. Ein bis heute historisch nicht bis ins Letzte aufgearbeiteter Haltebefehl an die deutschen Panzer-Divisionen und Truppen bewahrte die alliierten Streitkräfte vor der Vernichtung. Mit der Operation Dynamo gelang es, bis zum 4. Juni 1940 mehr als 330.000 britische und französische Soldaten nach Großbritannien in Sicherheit zu bringen. Der Großteil der Truppen gelangte zwar mit Kriegsschiffen über den Kanal, der Einsatz zahlreicher kleiner ziviler Fahrzeuge vom Fischkutter bis zur Segelyacht war jedoch bemerkenswert und trug zweifellos dazu bei, dass die britischen Streitkräfte und die Zivilbevölkerung noch enger zusammenrückten, um die schweren Kriegsjahre, die da noch kommen würden, gemeinsam zu überstehen. Die Vernichtung oder Gefangennahme der in Dünkirchen eingekesselten Alliierten hätte wahrscheinlich die Kapitulation des Vereinigten Königreichs zur Folge gehabt – mit kaum auszudenkenden Folgen für den Kriegsverlauf. Die Welt wäre heute vielleicht eine ganz andere.

Tommy gerät unter Beschuss

Die Ereignisse sind filmisch wiederholt aufbereitet worden, darunter 1958 in der US-britischen Koproduktion „Dünkirchen“ („Dunkirk“) von Leslie Norman und 1964 in Henri Verneuils französisch-italienischem Kriegsdrama „Dünkirchen 2. Juni 1940“ („Week-end à Zuydcoote“) mit Jean-Paul Belmondo. 2004 entstand fürs englische Fernsehen das dreistündige Doku-Drama „Dunkirk“ mit Benedict Cumberbatch („Sherlock“) sowie Bond-Darsteller Timothy Dalton als Erzähler. Im Fahrwasser von Christopher Nolans 2017er-Big-Budget-Produktion hat gar die berüchtigte Trash-Produktionsfirma The Asylum mit „Operation Dunkirk“ einen Mockbuster auf den Markt geworfen. Wer’s braucht …

Szenische Aufbereitung statt Chronologie

Christopher Nolan ist zu sehr visueller Filmemacher, als dass er schlicht eine Chronologie der Ereignisse abliefern würde, wie sie manchen cineastischen Aufarbeitungen historischer Begebenheiten zu eigen ist. Der Regisseur inszeniert vielmehr eine Abfolge kleiner und großer Geschehnisse rund um ein paar Figuren. Dabei wechselt er ständig die Schauplätze zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Die Soldaten müssen auf Molen …

Zu Beginn lernen wir den englischen Gefreiten Tommy (Fionn Whitehead) kennen, der sich durch deutschen Beschuss in den Straßen Dünkirchens mit Müh und Not an den Strand retten kann, der bereits voller alliierter Soldaten ist, die auf Rettung warten. Gelegentliche Attacken deutscher Sturzkampfbomber schlagen tödliche Schneisen in den Sand. Mit einem zufälligen Partner (Aneurin Barnard) versucht Tommy, mit allen Mitteln auf ein Schiff zu gelangen, um die rettende Heimat zu erreichen. Aber auch an Bord droht der Tod.

… und am Strand auf Rettung warten

In der Luft versuchen einige wenige britische Spitfires der Royal Air Force, die tödlichen Angriffe der deutschen Luftwaffe aufzuhalten. Unter anderen ist speziell der Pilot Farrier (Tom Hardy) willens, den Kampf gegen den Feind bis zum letzten Tropfen Kerosin weiterzuführen. Am Strand kann Commander Bolton (Kenneth Branagh) von der Royal Navy nicht viel mehr tun, als sich in Hoffnung zu üben und mit seinen Männern auf Rettung zu warten. „Dunkirk“ folgt schließlich auch dem zivilen Skipper Mr. Dawson (Mark Rylance), der mit seiner kleinen Yacht den heimischen Hafen verlässt, um den Kanal zu überqueren und Soldaten zu retten. An Bord hat er seinen halbwüchsigen Sohn Peter (Tom Glynn-Carney) und dessen Freund George (Barry Keoghan). Bald retten sie einen verängstigten Soldaten (Barry Keoghan) vom Wrack eines kieloben treibenden Schiffs. Der will auf keinen Fall zurück zum vom Krieg gepeinigten Festland.

Commander Bolton hat keine Optionen

 

Spätestens wenn zum Finale die kleinen Schiffe und Boote den Strand von Dünkirchen erreichen, merkt man, dass es Christopher Nolan sichtlich darum ging, den zahllosen Rettern der Operation Dynamo ein Denkmal zu setzen. Wenn Kenneth Branagh ob des Anblicks der zivilen Wasserfahrzeuge das Wasser in die Augen steigt, verfehlt das auch nicht seine Wirkung. Mr. Dawson wiederum sieht sich nicht als Held, er tut auf lakonische Weise lediglich das, was er für das Richtige hält, als sei es selbstverständlich, sich als Zivilist im Krieg derart in Lebensgefahr zu begeben. So verkörpern er und seine beiden jugendlichen Begleiter die Vielzahl der namenlosen Helfer, wie viele auch immer es gewesen sein mögen.

Zu viel Hans Zimmer

Mit dem permanent Spannung aufbauenden, dräuenden Score von Hans Zimmer übertreibt Nolan es etwas. Die Musik scheint stets einen nahenden Höhepunkt anzukündigen, das nervt auf Dauer. Ab und zu mal Sequenzen ganz ohne musikalische Untermalung – das scheint zu viel verlangt zu sein. Erstmals sind mir unmittelbar vor dem Ende zwei ruhige Sekunden aufgefallen, das ist zu wenig. Weniger wäre definitiv mehr gewesen, zumal einzelne Passagen sehr gut Suspense aufbauen und darin die Musik sehr gut und effektiv funktioniert. Das erwähnte Finale mit den herannahenden Zivilschiffen gerät dann etwas pathetisch, das sei Nolan aber verziehen.

Pilot Farrier kämpft einen aussichtslos erscheinenden Kampf

Auf blutiges Gemetzel à la „Der Soldat James Ryan“ verzichtet „Dunkirk“. Womöglich sollte eine zu hohe Altersfreigabe vermieden werden, weshalb wir keine abgerissenen Gliedmaßen und heraushängenden Gedärme zu sehen bekommen. Die FSK-12-Freigabe geht somit in Ordnung. Intensiv ist das Gezeigte dank kraftvollen Sounddesigns dennoch, und das von Anfang an mit den ersten Gewehrschüssen in Dünkirchens Straßen. An der gezeigten Schauspielkunst ist nicht das Geringste auszusetzen, das gilt für Tom Hardy, Kenneth Branagh, Cillian Murphy und Mark Rylance ebenso wie für die hierzulande frischen Gesichter Fionn Whitehead, Aneurin Barnard und andere. Die Mischung aus Stars und weniger bekannten Akteuren funktioniert vorzüglich, die häufigen Szenenwechsel lassen einen Ensemblefilm im besten Sinne entstehen. Der Feind hingegen bleibt gesichtslos, deutsche Soldaten spielen als handelnde Figuren keinerlei Rolle, wenn man von den Kampfflugzeugen der Luftwaffe absieht.

Kleine Boote eilen in Richtung Dünkirchen

Im Presseheft zum Film bekennt Nolan: „Was in Dünkirchen geschah, ist eine der großartigsten Storys in der Geschichte der Menschheit, das ultimative Rennen um Leben und Tod gegen die Zeit.“ Und weiter: „Unsere Absicht mit diesem Film war es, das Publikum dort mit einem Höchstmaß an Respekt vor der Historie hineinzuwerfen, gleichzeitig aber mit einem Grad an Intensität und – natürlich – Sinn für Entertainment.“ Wenn man einen Regisseur an seinen Worten messen will, so ist zu konstatieren, dass er seine Absicht verwirklicht hat.

Auf ins IMAX – oder zur 70mm-Fassung?

Das visuelle und akustische Erlebnis im herkömmlichen Kinosaal der Pressevorführung war schon beeindruckend. In einigen ausgewählten Kinos wird „Dunkirk“ weltweit in 70mm gezeigt werden, auch IMAX-Lichtspielhäuser kommen zum Zug. Auch ein paar Kinos in Deutschland zeigen den Film in einem der beiden Formate. Freut euch drauf, das actionreiche Kriegsdrama ist für die große Leinwand gemacht. Nach Thrillern („Memento“, „Prestige – Die Meister der Magie“), Superhelden-Action („Batman“-Reihe) und Science-Fiction („Inception“, „Interstellar“) beweist Christopher Nolan, dass er auch historischen Kriegsstoff formidabel inszenieren kann – und das gar nicht mal in Überlänge, was ebenfalls positiv zu bewerten ist. Herausragend!

Wird die Flut den Kutter flottmachen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Christopher Nolan sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Tom Hardy in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 106 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Dunkirk
NL/GB/F/USA 2017
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan
Besetzung: Tom Hardy, Kenneth Branagh, Cillian Murphy, Jack Lowden, Fionn Whitehead, Damien Bonnard, Aneurin Barnard, James Bloor, Barry Koeghan, Mark Rylance, Tom Glynn-Carney, Adam Long, Harry Styles
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved.

 

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Valerian – Die Stadt der tausend Planeten: Ein intergalaktischer Augenschmaus

Valerian and the City of a Thousand Planets

Kinostart: 20. Juli 2017

Von Florian Schneider

Science-Fiction // Es gibt Filme, deren Realisierung erst in den vergangenen Jahren möglich geworden ist – dem Computerzeitalter sei Dank. Ansonsten hätte Regisseur und Visionär Luc Besson seiner Kindheitsliebe, dem französischen Kult-Comic „Valérian et Laureline“ (dt. „Valerian und Veronique“) von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin, wohl schon vor Jahrzehnten ein filmisches Denkmal gesetzt. Stattdessen schuf er 1997 mit dem Box-Office-Hit „Das fünfte Element“ einen kleinen aber sehr erfolgreichen Science-Fiction-Bruder von „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“. Übrigens erarbeitete Jean-Claude Mézières zusammen mit der zweiten französischen Zeichnerlegende Jean Giraud (Moebius) das komplette Artwork von „Das fünfte Element“.

Dem mystischen und friedliebenden Volk der Pearls …

Zum Inhalt: Als sich ein triumphal hochgeworfener Knochen in der Luft drehend in eine Raumstation verwandelt, ist dies der Beginn des unvergesslichen Science-Fiction-Epos „2001 – Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick. Bei „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ verfolgen wir zu den Klängen von David Bowies „Space Oddity“ nun das Wachstum einer internationalen zu einer intergalaktischen Weltraumstation. Illustriert wird es durch die Jahrhunderte mit Begrüßungszeremonien, anfangs zwischen Menschen (US-Amerikanern, Russen, Chinesen etc.), im Lauf der Zeit auch zwischen Menschen und Außerirdischen. Sehr schön ist hier die Reminiszenz an „Das fünfte Element“: Die Mondoshawan haben auch einen kleinen Auftritt.

… droht Ungemach – und die Menschen sind mitschuldig

Im 28. Jahrhundert erreicht die Weltraumstation Alpha, längst losgelöst von der Erde und an einem fernen Punkt der Galaxie angekommen, eine gigantische Größe. Alpha beherbergt inzwischen siebzehn Millionen Einwohner, zusammengesetzt aus Tausenden verschiedenen Spezies, womit sie zu einer „Stadt der tausend Planeten“ geworden ist.

Die Raum-Zeit-Agenten Valerian und Laureline auf geheimer Mission

 

Kontrolliert, militärisch und verwaltungstechnisch, wird Alpha allerdings immer noch von Menschen, womit unsere Helden, die Raum-Zeit-Agenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne), ins Spiel kommen. Im Auftrag ihres Chefs, Commander Arün Filitt (Clive Owen), machen sich die beiden Agenten zunächst auf die Suche nach einem kleinen Nagetierchen, das mystische Kräfte besitzt, um anschließend dem Commander bei einer diplomatischen Mission auf Alpha zur Hand zu gehen.

Sieht aus wie ein Milchbubi, hat es aber faustdick hinter den Ohren: Major Valerian

Wie es sich für ein ordentliches Abenteuer gehört, geht dabei so einiges schief, und immer wieder nimmt die Geschichte eine neue Wendung. Doch eines ist sowieso klar: die Geschichte selbst dient lediglich als Vehikel für das dialogspritzige Zusammenspiel der beiden Helden und, mehr noch, für die atemberaubende Bilderflut, mit der Besson seiner Kindheitsliebe Leben einhaucht.

Commander Arün Filitt blickt nicht nur finster drein

Wie in einem Panoptikum betrachten wir dabei staunend ein Szenario nach dem anderen, wobei Besson die Ideen nie auszugehen scheinen – ob bei der Gestaltung der fantastischen Welten oder der Vielzahl ihrer unterschiedlichsten Bewohner. Man merkt einfach bei jeder Szene und jedem Detail, wie viel Herzblut Besson in seinen Film gesteckt hat. Das Ergebnis ist ein Bilderrausch, der sogar die US-amerikanischen Blockbuster wie „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ in den Schatten stellt. Auftritte von internationalen Stars wie der Popsängerin Rihanna, dem Musikgenie Herbie Hancock und Schauspielergrößen wie Ethan Hawke und Rutger Hauer leisten ihr Übriges.

Mit „Space-Orks“ ist nicht gut Kirschen essen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Luc Besson sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit John Goodman, Rutger Hauer und Ethan Hawke in der Rubrik Schauspieler.

Wenn Laureline Fragen stellt, sollten auch sprechende Enten besser antworten

Länge: 137 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Valerian and the City of a Thousand Planets
F/USA 2017
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson, nach der Comic-Vorlage von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières
Besetzung: Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen, Rihanna, Ethan Hawke, John Goodman, Rutger Hauer, Mathieu Kassovitz, Elizabeth Debicki, Aymeline Valade, Kris Wu, Emilie Livingston, Diva Cam, Sam Spruell, Alexandre Willaume, Herbie Hancock, Alexandre Nguyen
Verleih: Universum Film

Copyright 2017 by Florian Schneider

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universum Film

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2017/07/19 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Ich – einfach unverbesserlich 3: Von Einhörnern, Zwillingsbrüdern und den 80er-Jahren

Despicable Me 3

Kinostart: 6. Juli 2017

Von Anja Rohde

Computertrick-Abenteuer // „Das ist so eine Art Monster!“ – „Nein, das ist kein Monster. Das ist ein Mann mit Schulterpolstern!“ Unverkennbar Superschurke Balthazar Bratt, der sowohl geistig als auch optisch in den 80er-Jahren zurückgeblieben ist. Kein Wunder, hatte er damals doch seine eigene Fernsehserie als kindlicher Schurke „Evil Bratt“. Dass diese aufgrund seiner Pubertät abgesetzt wurde, hat er Hollywood nie verziehen, und mithilfe von Clive, dem Roboter, und Accessoires aus den Achtzigern, wie zum Beispiel einem Zauberwürfel, der in all seinen Farben explodiert, sinnt er auf Rache.

Balthazar Bratt und Roboter Clive im Einsatz

Wer kann diesen Verbrecher stoppen? Natürlich Gru und Lucy, das Agenten-Traumpaar der Anti-Schurken-Liga. Als ihnen das jedoch trotz formidabler Tricks nicht gelingt, statuiert die neue Chefin der Liga ein Exempel und feuert die beiden. Grus folgende Sinnkrise wird auch dadurch nicht besser, dass seine selbstlose kleine Tochter Agnes ihr Lieblings-Plüscheinhorn auf dem Flohmarkt verkauft, um die Familienkasse aufzubessern.

Gru in der Lebenskrise

Just in diese schwierige Phase platzt die Nachricht über Grus bislang unbekannten Zwillingsbruder Dru. Beim Besuch in Drus Domizil in Freedonia stellt sich heraus, dass die Brüder einander zwar ähnlich sehen (bis auf die wallende blonde Mähne Drus), aber grundverschiedene Charaktere haben: Im Gegensatz zu Gru ist Dru ein ständig lachender, sonniger Geselle, der vor Charme nur so sprüht – und reich ist er auch. Schön, dass Dru natürlich weiße Kleidung trägt, im Gegensatz zu Grus nur durch einen Streifenschal etwas aufgepepptes Schwarz. Und höchst erquicklich, dass in einer Szene die beiden dann so verkeilt ineinander rollen, dass das Yin-Yang-Symbol entsteht.

Die Minions wünschen sich Superschurke Gru zurück

Hatten wir in Teil 1 von „Ich – einfach unverbesserlich“ beobachtet, wie Gru vom Superschurken zum Superpapa wird und in Teil 2, wie er seine Arbeit in der Anti-Schurken-Liga aufnimmt und sich dort in die Agentin Lucy verliebt, erleben wir Gru nun hin und her gerissen zwischen seinem alten und seinem neuen Leben, zwischen Freude über den überraschenden Familienzuwachs und Geschwisterrivalität.

Liebenswerte Protagonisten, lang anhaltende Ohrwürmer

Die neuen Hauptfiguren sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Nicht nur der familiäre Gegenpol zu Gru, sein neuer Bruder, sondern auch der neue Superschurke Bratt (im Original gesprochen von South-Park-Macher Trey Parker, im Deutschen nicht minder genial von Circus-HalliGalli-Mann Joko Winterscheidt) ist eine Augenweide. Die Frisur eine Mischung aus Desireless und Vokuhila (aber natürlich mit einer kahlen Stelle am Hinterkopf, wie es Männern, die in den 80ern Teenager waren, nun mal passieren kann), die Bewegung ein ständiger Moonwalk, das Umhänge-Keyboard als Waffe umfunktioniert.

Grus Mutter bestätigt, dass es einen Zwillingsbruder gibt …

Apropos Musik: Der Klangteppich aus Kompositionen Heitor Pereiras und Songs von Pharrell Williams, die auch schon in den vorhergehenden Filmen zusammengearbeitet haben, untermalt die Szenen nicht nur, sondern ist existenzieller Bestandteil der Erzählung. Viel von der guten Laune, die das Publikum bei diesem Film mit nach Hause nimmt, lässt sich auf die Musik zurückführen – natürlich auch, weil eine ordentliche Portion 80er-Jahre-Hits bei einem Superschurken wie Bratt nicht fehlen darf, der zu den Klängen von Michael Jacksons „Bad“ („Gangstermucke!“) seinen Angriff startet und sich zu Van Halens „Jump“ mit Gru duelliert.

Witzige Nebenschauplätze

Auch wenn einem der Minions-Overkill ziemlich auf den Geist geht, der zum Filmstart wieder die Merchandising-Regale nicht nur von Spielzeugläden, sondern auch Discount-Supermärkten füllt: Cool sind sie ja doch! Da sich ein Großteil der Minions (die übrigens alle von Regisseur Pierre Coffin gesprochen werden!) von Gru losgesagt hat, weil dieser nicht zum Schurkendasein zurückkehren will, bekommen sie ihre eigene Nebenhandlung, die sie unter anderem in ein Hollywood-Studio führt, in dem gerade ein Gesangswettbewerb stattfindet – „Sing“ (2016) wurde ebenfalls von „Illumination“ produziert – und wo sie die Bühne rocken. Aber keine Angst, die Minions und Gru finden wieder zusammen. Und die Erinnerungen an die gemeinsamen Momente mit Gru, die den abtrünnigen Minion Mel beim Anblick eines Kartoffelpürees in Form von Grus Gesicht ereilen, gehören zu den romantischsten der Filmgeschichte!

… der sich als blonder Sonnenschein entpuppt

In einer weiteren Nebenhandlung erfährt die hinreißende Agnes, Grus jüngste Tochter, von einem Kneipenwirt, dass im nahen Wald echte Einhörner leben sollen, er habe schon mal eins gesehen. („Und, war es flauschig?“ – „Es war so flauschig, dass ich dachte, ich werd‘ wahnsinnig!“) Natürlich will sich Agnes sofort auf den Weg machen. Und das Publikum leidet mit Papa Gru, der es nicht übers Herz bringt, ihr zu sagen, dass es Einhörner vielleicht gar nicht gibt. (In einer Welt, in der Minions existieren! Aber das fällt einem erst viel später auf.)

Gru und Dru probieren Vaters Spielzeug aus

Zauberhafte Figuren, humorvolle Anspielungen, die man vor allem versteht, wenn man die 80er-Jahre selbst mitgemacht hat, und eine durchgängig gelungene Produktion machen aus „Ich – einfach unverbesserlich 3“ ein kurzweiliges Kinovergnügen. Oder, um es mit Grus Worten zu sagen: „Ziemlich nette Sache, das!“

Wechselt Gru nun doch wieder die Seiten?

Länge: 96 Min.
Altersfreigabe: freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Despicable Me 3
USA 2017
Regie: Pierre Coffin, Kyle Balda
Drehbuch: Cinco Paul, Ken Daurio
Originalsprecher: Steve Carell, Kristen Wiig, Trey Parker, Miranda Cosgrove, Dana Gaier, Nev Scharrel, Steve Coogan, Julie Andrews, Jenny Slate, Andy Nyman
Deutsche Sprecher: Oliver Rohrbeck, Martina Hill, Joko Winterscheidt, Friedel Morgenstern, Zalina Sanchez Decke, Hannah Kunze, Marco Rima, Kerstin Sanders-Dronseif, Lilian Klebow, Julien Barn
Verleih: Universal Pictures International Germany GmbH

Copyright 2017 by Anja Rohde

Die Minions auf der Flucht

Filmplakate & Szenenbilder: © 2017 Illumination und Universal Pictures

 

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