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Archiv der Kategorie: Kino

Rambo – Last Blood: Welcome to Hell!

Rambo – Last Blood

Kinostart: 19. September 2019

Von Florian Schneider

Rachedrama // John Rambo (Sylvester Stallone) ist nach den Ereignissen in Burma („John Rambo“) in die Vereinigten Staaten von Amerika zurückgekehrt und lebt seit zehn Jahren auf der Farm seiner verstorbenen Eltern und Schwester. Geplagt von den Dämonen der Vergangenheit sucht er einen neuen Sinn im Leben, indem er sich wie ein Vater um seine Nichte Gabrielle (Yvette Monreal) kümmert. Der Schutz des Teenagers – vom mexikanischen Vater am Sterbebett der Mutter zurückgelassen – ist zur Hauptaufgabe des gealterten Helden geworden. In der übrigen Zeit betreibt Rambo eine Pferdezucht und unterzieht das Grundstück der Farm mit einem unterirdischen Stollensystem.

Rambo genießt mit seiner Nichte den Frieden auf der heimischen Farm

Als Gabrielle heimlich nach Mexiko fährt, um ihren Vater aufzuspüren, gerät sie in die Fänge der Gebrüder Martinez (Óscar Jaenada, Sergio Peris-Mencheta) und deren Mädchenhandelrings. Rambo gelingt es zwar, Gabrielle zu befreien, doch die geschundene junge Frau stirbt auf der Rückreise. Der Veteran schärft daraufhin sein Messer und zieht erneut in den Krieg.

Doch als er sie zu Grabe tragen muss …

Hier ist er nun also, der fünfte und (angeblich) letzte Teil der Reihe um die ikonische Kampfmaschine. 37 Jahre nach dem Erstlingswerk beherrscht der inzwischen 73-jährige Sylvester Stallone seinen Helden aus dem Effeff. Ja, er lebt und atmet Rambo mit jeder Pore. Das Interessante an der Figur ist sicherlich, dass sie mit ihrem Darsteller gealtert ist und nicht, wie andere Filmfiguren, einfach neu besetzt wird. Das gibt nicht nur der Figur eine gewisse Tiefe, sondern verleiht der ganzen Reihe eine wohltuende Endlichkeit. Zum Glück (und im Unterschied zu manch anderen Dauerbrennern) funktioniert der Abschlussfilm der Reihe als ultrabrutales Rachedrama ganz ausgezeichnet. Die Actionszenen sind herausragend in Szene gesetzt, die Kamera bewahrt den Überblick und von einer unliebsamen Schnittorgie wird zum Glück Abstand gehalten.

… schärft er wieder sein legendäres Messer

Auch das Setting der doch recht simplen Geschichte passt hervorragend zu den Fähigkeiten der Hauptfigur und zur Prämisse, dass richtig böse Menschen in dieser schablonenhaften Welt mit aller Gewalt und blutigster Brutalität zur Strecke gebracht werden dürfen. Wer Filme wie „Sicario“ (2015) gesehen oder, noch besser, die „Art Keller“-Trilogie von Don Winslow gelesen hat, weiß, dass die Brutalität der agierenden Schurken nicht einmal überzeichnet ist. Lediglich treffen die nicht bedauernswerten Antagonisten mit Rambo auf einen Charakter, der diese Sprache der Gewalt um ein Vielfaches besser zu sprechen vermag. Regisseur Adrian Grunberg zeichnet nach „Get the Gringo“ (2012) mit Mel Gibson erneut kein freundliches Bild Mexikos, und ein wenig erinnert „Rambo – Last Blood auch an die „96 Hours – Taken“-Reihe mit Liam Neeson.

Die Brüder Martinez (M.) halten sich für richtig böse Motherfuckers

Wie gut Stallone seine Figur inzwischen kennt, merkt man am Drehbuch, an dem er wieder mitgeschrieben hat. Da ist keine Szene zu viel, keine Emotion übertrieben oder fehl am Platz und die Dialoge immer zur innerlich gebrochenen Figur passend. Während Rambo seine Wut und seine Traumata in der relativ langen Einführungsphase des Films noch mit Psychopharmaka unter Kontrolle zu halten versucht und auch den Tod der Nichte mit stoischer, gleichwohl von tiefer innerer Verzweiflung geprägter Geste wahrnimmt, ist seine Antwort auf das Verbrechen und seine Rache umso radikaler. Der Tod solle über die Täter kommen und sie sollen dadurch seinen Schmerz spüren, sagt Rambo zu einer Helferin in Mexiko. Und er macht sein Versprechen wahr und massakriert einen der Brüder Martinez sowie etliche weitere Schurken im gewohnten Einzelkämpfermodus. Auch dass er dadurch eine halbe Armee, angeführt vom überlebenden Bruder und Oberschurken, auf seine Farm und in sein Tunnelsystem zu locken vermag, ist Teil des Plans und nur folgerichtig hinsichtlich der Logik der Reihe. Apropos Tunnel, die erinnern natürlich an das Höhlenlabyrinth im ersten Teil, aber auch an die berühmten Geheimgänge des Vietcongs – dieses Mal ist allerdings nicht der Feind dort zu Hause, sondern der gealterte Todesengel in Menschengestalt.

Rambo hat sich sogar eine unterirdische Waffenschmiede eingerichtet

Er könne die Welt nicht kontrollieren, sagt Rambo mehrmals zu sich selbst, doch wenn seine unkontrollierte Wut entfesselt wird, kann auch die Welt ihn nicht mehr kontrollieren. Dann will er seinem Gegner im wahrsten Sinne des Wortes das Herz herausreißen, damit dieser den Schmerz spürt, der wie ein gefangenes Tier durch den Körper des Kriegers pulsiert und lediglich in brutalster Rache und Vergeltung ein Ventil nach außen findet. Ob man dieser Art der Schmerz- und Konfliktbewältigung nun eher kritisch gegenübersteht oder sie feiert, sie ist hinsichtlich der nun 37 Jahre fortlaufenden Geschichte eine mythologische Gewissheit geworden. Genauso, wie es in der Welt des John Rambo niemals ein Happy End geben kann.

Im Tunnelsystem wartet der Tod

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sylvester Stallone sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Auch der legendäre Bogen kommt wieder zum Einsatz

Länge: 89 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: Rambo – Last Blood
USA 2019
Regie: Adrian Grunberg
Drehbuch: Matthew Cirulnick, Sylvester Stallone
Besetzung: Sylvester Stallone, Paz Vega, Yvette Monreal, Louis Mandylor, Óscar Jaenada, Sheila Shah, Sergio Peris-Mencheta, Jessica Madsen, Marco de la O, Adriana Barraza, Díana Bermudez, Atanas Srebrev, Nick Wittman, Aaron Cohen
Verleih: Universum Film

Copyright 2019 by Florian Schneider
Filmplakate & Szenenfotos: © 2019 Universum Film

 

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Ad Astra – Zu den Sternen: Im postfaktischen Weltraum hört dich keiner schreien

Ad Astra

Kinostart: 19. September 2019

Von Florian Schneider

Weltraum-Abenteuer // Nachdem der Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) die Havarie einer orbitalen Weltraumantenne auf Grund einer mächtigen Energiewelle durch Geistesgegenwart und Nervenstärke – sein Pulsschlag erhöhte sich trotz Lebensgefahr nur unwesentlich – überlebte, wird er von seinen Vorgesetzten für eine heikle Mission ausgewählt. Es besteht der Verdacht, dass McBrides Vater Clifford (Tommy Lee Jones), der vor 20 Jahre zu einer Weltraummission aufbrach und seit einigen Jahren spurlos verschwunden ist, nicht nur noch am Leben ist, sondern vom Planeten Neptun aus der Auslöser des Energieschlags gegen die Erde war. Roy soll sich daher mit Zwischenstopp auf dem Mond bis zum Mars begeben und dort versuchen, per Funk mit seinem Vater Kontakt aufzunehmen. Auf seiner Reise wird Roy begleitet von Colonel Pruitt (Donald Sutherland), einem alten Freund seines Vaters. Dieser erzählt ihm von einem dunklen Geheimnis, das die Mission umgibt.

Der psychologische Schnellcheck gehört für Astronaut Roy McBride zur Alltagsroutine

Die Filme von Regisseur James Gray („Die versunkene Stadt Z“, 2016) sind oftmals kleine, aber unreine Diamanten. Zu nennen sind hier hauptsächlich „Little Odessa“ (1994) und „The Yards – Im Hinterhof der Macht“ (2000). Bereits bei diesen Frühwerken konnte Gray mit ordentlich Starpower aufwarten; und die Stars lieferten auch beachtliche Leistungen ab. Doch vor allem bei Zweitgenanntem verhinderte eine unterdurchschnittliche Geschichte den ganz großen Erfolg. Die Konzentration auf den Rhythmus des Filmes, auf das Zwischenmenschliche, auf die Figuren und auf das Milieu können die Drehbuchschwächen nicht völlig ausgleichen. Dennoch funktionieren die Filme hauptsächlich durch ihre klare Positionierung als dialogstarke Dramen, die Actionmomente eher spärlich aufweisen.

Ein „Space Cowboy“ (l.) will’s noch einmal wissen

Auch „Ad Astra – Zu den Sternen“ erzählt im Kern eine Vater-Sohn-Geschichte, ist mehr Beziehungsdrama als Science-Fiction-Abenteuer. Dieser Kern ist außerordentlich gelungen: Brad Pitt liefert eine grandiose Leistung als zurückgewiesener Sohn, der sich letztlich nur nach väterlicher Liebe sehnt und lernen muss, loszulassen und sich abzunabeln. Erzählt wird dieser innere Prozess in einem größtenteils meditativen Rhythmus als analoge Reise durch die Weiten des Weltalls. Wer sich nun an Joseph Conrads Erzählung „Herz der Finsternis“ und damit an Francis Ford Coppolas wahnwitziges Kriegsdrama „Apocalypse Now“ (1979) erinnert fühlt, tut gut daran. Doch wo Coppola gleichsam dem Wahnsinn Vietnams ein brutales Denkmal schafft, bleiben die Actionszenen in „Ad Astra – Zu den Sternen“ lediglich visuelle Schauwerte ohne Bindung zur Geschichte und ohne jegliche innere und äußere Logik. Und auch die schlussendliche Konfrontation zwischen Vater und Sohn vermag nicht zu überzeugen, kulminiert in küchenpsychologischem Niedrigwasser, als Roy metaphorisch die Nabelschnur zu seinem Vater (sic!) kappt.

„Wohin wird mich die Suche nach meinem Vater führen …“

Alfonso Cuarón mit „Gravity“ (2013) und Christopher Nolan mit „Interstellar“ (2014), haben vorgemacht, wie man das Weltraum-Setting durchdachter einsetzt. Auch Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (2015) hat mehr drauf.

„… und warum hat er mich verlassen?“

Mag das postmoderne Kino in seiner Fortschreibung der vergangenen 30 Jahre inzwischen im postfaktischen Zeitalter angekommen sein, so erweisen sich die inhaltlosen Zitationen kinetischer und cineastischer Sternstunden (etwa ein völlig sinnloses „Mad Max“-Verfolgungsrennen auf dem Mond) gepaart mit einer Prise „Space Cowboys“ (wäre James Garner noch Leben, hätte er sicherlich auch eine Rolle bekommen) sowie zahllosen Logiklöcher als das eigene Todesurteil. Aus dem Nichts kommender Menschenaffen-Horror sei noch erwähnt, so schnell vorbei, wie er begonnen hat, und ohne jeden Bezug zu irgendwas. Schade, denn mit seinem Retroschick und einer originellen Neuinterpretation von Conrads/Coppolas Verortung und Auslotung des modernen Subjekts hätte Gray ein großer Wurf gelingen können. Hätte, hätte, Fahrradkette …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Gray sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Tommy Lee Jones, Brad Pitt und Donald Sutherland unter Schauspieler.

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ad Astra
BRA/USA/CHN 2019
Regie: James Gray
Drehbuch: James Gray, Ethan Gross
Besetzung: Brad Pitt, Liv Tyler, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland, Ruth Negga, Anne McDaniels, John Ortiz, Loren Dean, Kimberly Elise, Greg Bryk, Halszka Kuza, Kimmy Shields, John Finn, LisaGay Hamilton
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2019 by Florian Schneider

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Twentieth Century Fox

 

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Es – Kapitel 2: Pennywise wütet wieder

It – Chapter Two

Kinostart: 5. September 2019

Von Volker Schönenberger

Horror // Trauen die Verantwortlichen von Warner ihrem eigenen Werk nicht? Anfangs galt für uns Besucherinnen und Besucher der deutschen Pressevorführungen von „Es – Kapitel 2“ ein sogenanntes Embargo bis einschließlich 29. August. Mit der Teilnahme an einer Pressevorführung erklärten wir uns demnach damit einverstanden, unsere Filmkritiken erst nach dem Datum zu veröffentlichen. Als sei das nicht genug, verlängerte Warner das Embargo am 28. August sogar bis Dienstag, 3. September, 18 Uhr. Der Gedanke liegt nahe, dass der Verleih fürchtet, zu viele kritische Rezensionen könnten den Publikumszuspruch am wichtigen Startwochenende verringern. Am Rande bemerkt: Ich habe keine Ahnung, ob die Missachtung eines solchen Embargos durch einen Rezensenten justiziabel wäre, aber er liefe natürlich mindestens Gefahr, aus dem Verteiler der zuständigen Agentur gestrichen und künftig nicht mehr zu Warner-Pressevorführungen eingeladen zu werden. Und wenn ich schon eingeladen werde, gratis die neuesten Filme zu schauen, bricht mir kein Zacken aus der Krone, mich ein paar Vorgaben zu unterwerfen. Ohne das verlängerte Embargo hätte ich diesen Text am Montag vor Kinostart veröffentlicht, nun ist es der Dienstagabend geworden, davon hängt das Wohl oder Wehe von „Die Nacht der lebenden Texte“ sicher nicht ab.

Kann Teil 2 den Vorgänger an den Kinokassen toppen?

So oder so gibt der Erfolg des Vorgängers jedenfalls keinen Anlass zu Befürchtungen, gelang es „Es“ 2017 doch fast aus dem Stand, mit einem weltweiten Einspielergebnis von mehr als 700 Millionen US-Dollar zum erfolgreichsten Horrorfilm an den Kinokassen überhaupt zu werden. Respektabel vor allem angesichts des vergleichsweise schmalen Budgets von 35 Millionen Dollar. Ob Teil 2 nennenswert mehr gekostet hat, habe ich noch nicht herausgefunden, aber da bereits fürs Startwochenende Einnahmen von mehr als 100 Millionen Dollar prognostiziert werden, ist wohl nicht zu befürchten, dass die Fortsetzung floppt.

Nach 27 Jahren wieder vereint

Aufgrund des Prologs werden einige Kinogänger den Produzenten von „Es – Kapitel 2“ wohl vorwerfen, zwanghaft Diversität im Film untergebracht zu haben. Lernen wir doch zu Beginn ein schwules Paar kennen, das am Rande einer Kirmes in Derry (Maine) auf eine Gruppe homophober Halbstarker trifft. Die Konfrontation ruft alsbald den Clown Pennywise (Bill Skarsgård) auf den Plan. Ein gelungener Auftakt, auch wenn es etwas klischeehaft wirkt, dass junge Provinzler etwas gegen Schwule in ihrer Hood haben. Das Szenario stammt aber aus der Vorlage und wirkt nun mal nicht aus der Welt gegriffen – Klischees greifen ja oft reale Szenarien auf. Zwanghaft wirkt das hier keinesfalls, vielmehr bieten die Homosexualität des Paars und die feindselige Haltung ihrer Kontrahenten Gelegenheit, auf schlüssige Weise eine frühe Eskalation herbeizuführen.

Rückkehr nach Derry nach 27 Jahren

Wir befinden uns 27 Jahre nach den Ereignissen des Ende der 1980er-Jahre angesiedelten ersten Kapitels. Mike Hanlon (Isaiah Mustafa) ist als einziges Mitglied des „Clubs der Verlierer“ in Derry geblieben – er arbeitet als Bibliothekar. Weil erneut Kinder und junge Leute verschwinden, vermutet er völlig zu Recht, dass das Böse in Gestalt von Pennywise erwacht ist und wieder sein Unheil treibt. Also greift Mike zum Telefon und ruft nach und nach seine ehemaligen Freunde Bill (James McAvoy), Eddie (James Ransone), Stanley (Andy Bean), Richie (Bill Hader) und Ben (Jay Ryan) sowie Beverly (Jessica Chastain) an und erinnert sie an den Schwur, den sie einst mit Blut geleistet haben: Falls das Böse zurückkehrt, werden sie sich ihm noch einmal gemeinsam entgegenstellen. Alle sagen zu, ihrem Eid Folge zu leisten, wenn auch bei dem einen oder anderen das Zähneknirschen deutlich zu vernehmen ist.

Der Club der Verlierer ist erwachsen geworden

Da alle Mitglieder des Clubs der Verlierer zu ihrem Recht kommen und gebührend ausgeleuchtet werden, geht die Länge von gut zweidreiviertel Stunden völlig in Ordnung, und es kommt bei all den Hintergründen in meinen Augen nicht zu Längen. Regisseur Andy Muschietti zollt in „Es – Kapitel 2“ nun auch Stephen Kings Erzählstruktur des Romans seinen Respekt, indem er ein paar Rückblenden zum Geschehen des Vorgängers einbaut – neue Szenen, die wir seinerzeit nicht zu sehen bekommen haben. Im Roman hat King die beiden Zeitleisten Kindheit und Erwachsenenalter ja parallel ablaufen lassen, damit hatte Teil 1 völlig gebrochen, indem er sich ausschließlich auf den Kindheits-Erzählstrang stürzte.

Starpower mit Jessica Chastain und James McAvoy

Mit dem Auftreten unserer Helden inklusive einer Heldin sind nun auch positiv besetzte Erwachsenenfiguren zu bemerken – daran mangelte es dem Vorgänger ja komplett, wohl nicht von ungefähr. Dank Jessica Chastain („Interstellar“) und James McAvoy („X-Men“-Reihe), die bereits bei „Das Verschwinden der Eleanor Rigby“ (2013/2014) und „X-Men – Dark Phoenix“ (2019) gemeinsam vor der Kamera standen, bietet die Besetzung große Starpower auf. An der Schauspielkunst gibt es demnach auch nichts zu mäkeln. Als Szenendieb erweist sich ab und zu Bill Hader, der als Komiker unter anderem bei „Saturday Night Live“ natürlich auch gelernt hat, mit viel Witz im Vordergrund zu stehen. An Bill Skarsgårds Interpretation des Pennywise werden sich die Geister wieder scheiden: Viele beinharte Fans von Tim Currys Verkörperung des Clowns ließen kein gutes Haar an Skarsgård, wer sich von derlei nostalgischen Erwägungen freimachen kann oder diese gegenüber der 1990er-Miniserie nie entwickelt hat, wird anerkennen, dass der neue Pennywise einfach zum Fürchten ist – und eine gelungene Kombination von Skarsgårds darstellerischem Können, dem vermeintlich lustigen Make-up und einigen am Computer entstandenen verzerrenden Effekten.

Doch Pennywise lauert schon wieder

Das Finale verkommt in meinen Augen ein wenig zum Effektspektakel. An der technischen Umsetzung will ich gar nicht herummäkeln, am CGI ist nichts auszusetzen. Pennywise wird sich monströs verändern, damit kann sowieso jeder Kinogänger rechnen, insofern verrate ich nicht zu viel. Bis ins Letzte zufrieden bin ich aber nicht, die finale Konfrontation wirkt etwas unrund. Daran krankte bereits die 1990er-Verfilmung, wenn ich mich recht entsinne. Lag es am Ende am Finale von Stephen Kings Romanvorlage? Ich will gar nicht in Anspruch nehmen, meine Kritik für allgemeingültig zu halten – vielen anderen wird der große Endkampf zwischen dem Club der Verlierer und Pennywise sicher gefallen. Viel Zeit zum Atemholen bleibt dabei nicht.

Die Ruhe vor dem Sturm

Die Aufteilung auf zwei Kinofilme von jeweils schon stattlicher Länge ergibt angesichts der mehr als 1.000 Seiten von Stephen Kings Romanvorlage natürlich Sinn und bietet den Produzenten obendrein Gelegenheit, noch mehr Geld zu scheffeln: Für beide Teile sind Langfassungen angekündigt, wobei der Extended Cut des ersten Teils auf sich warten lässt – Andy Muschietti hatte ihn Ende 2017 bereits für 2018 angekündigt. Es wäre nicht verwunderlich, wenn auch der zweite Teil ein paar Monate nach der Kinoauswertung vorerst nur in der Kinofassung auf Blu-ray und DVD sowie online veröffentlicht wird. Dann kann man Käuferinnen und Käufern Einzel-Editionen beider Filme und auch Doppelpacks anbieten. Wenn dann die Langfassungen kommen, werden viele erneut zuschlagen. Ich fasse mich in Geduld, die reinen Kinofassungen werde ich mir für daheim jedenfalls bei aller Qualität nicht zulegen. In meinen Augen sind beide Teile rund, Handlungsstränge oder tiefere Enthüllungen habe ich nicht vermisst.

Beverly in Bedrängnis

Da wir gerade bei „Money Talks“ sind: Der zweite Teil ist noch nicht mal angelaufen, schon kursieren in Hollywood Gerüchte von „It – Chapter Three“. Wer glaubt, das sei unmöglich, weil Stephen Kings Roman mit den beiden Neuverfilmungen inklusive möglicher Extended Cuts doch zu Ende erzählt worden ist, wird sich womöglich in wenigen Jahren eines Besseren belehren lassen müssen – erst recht, sollte Teil 2 annähernd das Einspielergebnis des Vorgängers erreichen oder es sogar übertreffen. In der Vergangenheit ist es der Filmindustrie ein Leichtes gewesen, ein vermeintlich endgültig getötetes Monster wieder zum Leben zu erwecken. Außerdem geben gewisse Andeutungen über die Vergangenheit der sich in Gestalt des Clowns Pennywise manifestierten bösartigen Lebensform Gelegenheit zu dem einen oder anderen Prequel, zumal es im Film bei kurzen Einsprengseln bleibt. „It – Chapter Zero“ ist daher gut denkbar. Einstweilen bleibt zu konstatieren, dass „Es – Kapitel 2“ das hohe Niveau des Vorgängers mit ein paar Abstrichen weitgehend hält. Wer 2017 an „Es“ Gefallen fand, kann völlig unbesorgt das Kinoticket des Sequels lösen.

Stephen King – für Kino und Puschenkino gesetzt

Fans des Horror-Großmeisters können ohnehin frohlocken: Ein Blick auf den IMDb-Eintrag von Stephen King verrät, dass massig Verfilmungen in Vorbereitung sind, darunter eine neue Serien-Umsetzung von „The Stand – Das letzte Gefecht“, eine Serie zu „Der dunkle Turm“ (dem Kinofilm „Der dunkle Turm“ war 2017 ja nur wenig Erfolg beschieden) sowie Adaptionen von „The Tommyknockers“, „The Talisman“ und „Cujo“. Im Kino können wir in Kürze mit der Quasi-„Shining“-Fortsetzung „Doctor Sleep“ rechnen, in welcher immerhin Ewan McGregor den Part des übersinnlich begabten Danny Torrance übernimmt. Die Deutschlandpremiere ist für den 21. November angesetzt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jessica Chastain sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit James McAvoy unter Schauspieler.

Zum Showdown geht es in den Untergrund

Länge: 169 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: It – Chapter Two
KAN/USA 2019
Regie: Andy Muschietti
Drehbuch: Gary Dauberman, nach dem Roman von Stephen King
Besetzung: Bill Skarsgård, Jessica Chastain, James McAvoy, Bill Hader, Isaiah Mustafa, Jay Ryan, James Ransone, Finn Wolfhard, Sophia Lillis, Jack Dylan Grazer, Jaeden Martell, Nicholas Hamilton, Teach Grant, Jake Weary, Xavier Dolan, Javier Botet, Jess Weixler, Andy Bean
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Warner Bros. Entertainment Inc.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/09/03 in Film, Kino, Rezensionen

 

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