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Archiv der Kategorie: Literatur

Tim Miller: Willkommen in Hell, Texas (Buchrezension)

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Hell, Texas

Horror // Nichts Böses ahnend fahren vier texanische Studenten auf dem Highway durch eine gottverlassene Gegend. Wie gottverlassen sie wirklich ist, können sie nur ahnen: Die Gegend ist mir unheimlich. Ist richtig „The Hills Have Eyes“-mäßig, der ganze Scheiß hier, äußert Jorge – nur kurz, bevor das Auto der vier von Sheriff Cutter und dessen Deputys gestoppt wird und ihr Leidensweg beginnt.

„Ich schulde Roy noch ’n Mädchen“

Weil das Quartett – Robby, Misti, Jorge, Diana – mexikanischer Abstammung ist, werden die vier von den Cops sogleich als Burritofresser gebrandmarkt. Letztlich ist das aber egal, auch hellere Haut würde sie nicht vor dem Grauen retten, das ihnen bevorsteht. Sie landen im Kaff Hell, das seinen Namen nicht zu Unrecht trägt. Die vier werden von den Polizisten unter den Bewohnern verteilt: Der Sheriff liefert Diana bei Roy ab, dem er noch ein Mädchen schuldete. Roy und sein Neffe Scooter freuen sich über den weiblichen Nachschub, obwohl sie bereits zwei weitere Mädchen im Käfig haben. Die beiden Kerle vergewaltigen Diana zu Beginn erst einmal einige Stunden lang.

Jorge landet bei der alten Gilda, die sich Lustsklaven hält, denen sie Elektroschock-Halsbänder angelegt hat, um sie gefügig zu machen. Er muss mit Luis ein Bad nehmen und sich von ihm einen runterholen lassen. Als das misslingt, befiehlt sie Luis, Jorge kräftig von hinten zu nehmen … Misti landet bei Buck, der sie erst einmal in eine Kiste sperrt. Später soll sie ihm einen Blowjob verpassen. In der Hoffnung, ihn damit auszuschalten, beißt sie kräftig zu. Damit das nicht wieder vorkommt, entfernt Buck ihr die Schneidezähne. Und Robby? Der landet beim Doc.

Dem Leser soll sich der Magen umdrehen

Laut Autoreninfo auf der Verlagsseite liebt es Tim Miller, den Gore-Faktor auf Schleudergang zu schalten, damit sich dem Leser der Magen umdreht. „Willkommen in Hell, Texas“ bestätigt diese literarische Präferenz des US-Autors. Der dem Backwoods-Horror und dem Torture Porn zuzurechnende Roman passt mit seiner ausweglosen Härte perfekt ins Portfolio der Reihe „Horror Extrem“, in der der Festa Verlag nur ausgesucht brutalen Stoff veröffentlicht. Der Doc, dem Robby ausgeliefert worden ist, macht aus seinen bedauernswerten Opfern mit seinen gar nicht so schlechten chirurgischen Fertigkeiten lebende Objekte. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Es wird in aller Detailgetreue geschildert, ebenso wie die üblen Dinge, die die anderen Dörfler mit ihren übrigen Geiseln anstellen.

„Willkommen in Hell, Texas“ ist extrem, pornografisch und von einem Härtegrad, der schwer zu übertreffen ist – für Freunde der Reihe „Festa Extrem“ also genau das richtige Lesefutter. US-Autor Tim Miller schreibt drastisch und anschaulich, der Schmerz der Opfer wird beinahe körperlich spürbar. Was sie erdulden müssen, wünscht man niemandem. Das Buch sei hartgesottenen Lesern ans Herz gelegt – sie sollten aber außergewöhnlich hartgesotten sein.

Festa Extrem

Die Lektüre hat Lust gemacht auf Millers Roman „Familienmassaker“, der in den USA bereits 2013, bei uns in der Reihe „Festa Extrem“ kurz nach „Willkommen in Hell, Texas“ erschienen ist.

Zur Bestellmöglichkeit des Buchs beim Festa Verlag geht’s hier. Zur Übersichtsseite von Festa Extrem geht’s hier.

Autor: Tim Miller
Originaltitel (CreateSpace Independent Publishing Platform 2014): Hell, Texas
Deutsche Erstveröffentlichung: 10. Februar 2015
160 Seiten
Übersetzung: Patrick Baumann
Verlag: Festa Verlag
Preis: 12,80 Euro

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Logo: © Festa Verlag

 

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Naoki Serizawa: Resident Evil – Marhawa Desire (Comic-Rezension)

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Biohazard Marhawa Desire

Horror-Manga // Eine beunruhigende Nachricht lässt den Bakteriologen Doug Wright seine Professur an der Bennett University von Singapur ruhen. Er schnappt sich seinen Studenten und Neffen Ricky Tozawa als Assistenten und fliegt mit ihm zur abgelegenen Marhawa Akademie, dem renommiertesten Internat Asiens. Die Direktorin Schwester Gracia, eine alte Liebe des Professors, hat Wright herbeigerufen, weil sich eine ihrer Schülerinnen in einen blutrünstigen Zombie verwandelt hat. Dem Sicherheitsdienst der Marhawa Akademie war es glücklicherweise gelungen, die Unglückliche zu fassen und im Keller anzuketten.

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Ricky wird angemacht …

Der Bakteriologe hat keinen Zweifel: Es handelt sich um einen Ausbruch des T-Virus, seinerzeit vom mittlerweile aufgelösten Umbrella-Konzern entwickelt und für den Untergang von Raccoon City verantwortlich. Wright will umgehend die Bioterrorism Security Assessment Alliance (BSAA) zu Hilfe rufen, eine schlagkräftige Einheit, der er als Berater verbunden ist und der auch ein gewisser Chris Redfield angehört. Schwester Gracia jedoch ist merkwürdig stur um den Ruf ihrer Einrichtung besorgt und bedrängt ihren Ex-Geliebten, diskret vorzugehen. Diese Diskretion wird sich schon bald nicht mehr halten lassen …

Von der PlayStation One ins Kino

Als Capcom 1996 das Survival-Horror-Videospiel „Resident Evil“ für die erste PlayStation-Konsole veröffentlichte, ahnte niemand, dass damit der Grundstein für eines der erfolgreichsten Game-Franchises überhaupt gelegt worden war. Neun Spiele der Kernreihe, dazu Spin-offs, fünf Realfilme mit Milla Jovovich – mit „Resident Evil – The Final Chapter“ steht uns 2017 der sechste Teil ins Haus –, vier Computertrickfilme, Comics und Romane stehen bislang zu Buche.

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… angegriffen …

Im Ursprungsland Japan ist die Reihe unter dem Titel „Biohazard“ bekannt, und so trägt auch der fünfteilige Manga-Zyklus um die Marhawa Akademie im Original den Titel „Biohazard Marhawa Desire“. Die fünf Bände der mit einem hohen Realismusgrad gezeichneten Schwarz-Weiß-Comics sind mittlerweile allesamt in Deutschland erschienen und einzeln sowie als Gesamtausgabe lieferbar. Die Optik gefällt, auch wenn es bisweilen ein paar Motiven in Action-Sequenzen etwas an Übersicht mangelt.

Hinten anfangen!

Da ich nur selten Mangas lese, werde ich mich an die Leserichtung wohl nie gewöhnen: Auch „Resident Evil – Marhawa Desire“ liest sich von hinten nach vorn, wenn man von unserer westlichen Leserichtung ausgeht. Alle Bände beginnen mit ein paar farbigen Seiten in Hochglanz-Optik. Löblich: Ab Band 2 werden die Ereignisse des vorherigen Bandes jeweils in einem mehrseitigen Text zusammengefasst, sodass man als Leser schnell wieder in der Handlung drin ist, auch wenn die Lektüre eine Weile zurückliegt.

Mädchen in Schuluniform – und ewig lockt der Minirock

Die Figuren sehen fast alle sehr westlich aus, eine Manga-Eigenart, die mich immer wieder befremdet. Das lässt sich nicht als Marketing-Kniff mit dem Schielen auf den internationalen Markt erklären. In diesem Fall sind viele Personen immerhin tatsächlich westlicher Herkunft. Das erklärt ihr Aussehen, nicht wirklich jedoch die Tatsache, dass Japaner in dieser japanischen Reihe eine so untergeordnete Rolle spielen. Auch die Vorliebe vieler japanischer Männer für Mädchen in Schuluniform inklusive kurzem Rock kommt zum Tragen. Es sei ihnen gegönnt. Die Kulleraugen-Anmutung manch anderer Mangas ist in diesem Fall nicht zu bemerken – was für mich bei der Lektüre eine Wohltat war.

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… und gebissen

In Band 1 geht es schnell zur Sache: Doug Wrights Neffe Ricky wird von einer zombifizierten Schülerin gebissen. Sein Schicksal scheint besiegelt, doch wie durch ein Wunder mutiert er nicht zum Zombie. Ein Schlüssel zum Sieg über das T-Virus? Die Bedrohung wächst, nicht zuletzt durch das verdächtige Wirken der Direktorin Schwester Gracia. Und welche Absichten verfolgt die geheimnisvolle Frau mit Kapuze?

Die himmlische Insel erwartet uns bereits

„Resident Evil – Marhawa Desire“ entwickelt sich bis zu Band 5 mehr und mehr zu einem blutigen und brutalen Zombie-Inferno, das Fans des Franchises zufriedenstellen dürfte. Die Entwicklung der Ereignisse verlangt konzentriertes Lesen, ein Grund mehr für die Zusammenfassungen ab Band 2. Nicht jede Wendung erscheint bis ins Letzte logisch, nicht jedes Tun der Protagonisten als der Weisheit letzter Schluss, aber wer weiß schon, wie es bei einem Zombie-Ausbruch wirklich zugeht? Mir als Freund des Zombiegenres hat die Lektüre der fünf Bände Freude bereitet, ich bin auch nach Band 1 gern am Ball geblieben. „Marhawa Desire“ hat Lust auf die nächste „Resident-Evil“-Manga-Reihe „Heavenly Island“ gemacht, von der in Deutschland allerdings bislang erst zwei Bände erschienen sind.

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Autor: Naoki Serizawa
Originaltitel (2012–2013): Biohazard Marhawa Desire
Deutsche Erstveröffentlichung: 8. Juni 2012 (Band 1), 10. Januar 2013 (2), 13. Juni 2013 (3), 12. Dezember 2013 (4), 5. Juni 2014 (5), 3. Dezember 2015 (Gesamtausgabe)
160 Seiten (Bd. 1, 3, 4, 5), 176 Seiten (Bd. 2), 816 Seiten (Gesamtausgabe)
Übersetzung: Josef Shanel, Matthias Wissnet
Verlag: VIZ Media Switzerland SA / Kazé Manga
Preis: 7,99 Euro (Einzelbände), 39,95 Euro (Gesamtausgabe)

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Covermotive: © VIZ Media Switzerland SA / Kazé Manga

 

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Die Nacht der lebenden Toten 1: Vatersünden – Zombies auf dem Friedhof und überall (Comic-Rezension)

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La nuit des morts vivants: les fautes du père

Von Volker Schönenberger

Horror // Ein Geschwisterpaar wird auf dem jährlichen Friedhofsbesuch von einer Zombie-Pandemie überrascht. Bei diesem Plot in Verbindung mit dem Titel denkt man natürlich sofort, es mit einer Comic-Adaption von George A. Romeros Film „Die Nacht der lebenden Toten“ von 1968 zu tun zu haben. Doch damit hat es sich schon mit den Gemeinsamkeiten. Der Dreiteiler vom französischen Autor Jean-Luc Istin und dem italienischen Zeichner Elia Bonetti nutzt die Handlungsprämisse für eine völlig eigenständige Geschichte – gut so.

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Die Apokalypse hat begonnen

Lizbeth ist zwanghaft auf den Tod fixiert – so sehr, dass sie deshalb Sitzungen beim Psychiater absolviert. Am Halloween-Tag verabschiedet sie sich wie in jedem Jahr von ihrem Ehemann und den beiden Kindern, um mit ihrem Bruder Leland das Grab ihrer Adoptiveltern zu besuchen, das sich auf einem abgelegenen Friedhof befindet. Das Unheil braut sich bereits bei ihrer Abfahrt zusammen, doch Leland und Lizbeth bemerken nicht, dass hinter dem Unfall im Rückspiegel mehr steckt, als es den Anschein hat …

Der Schrecken auf dem Friedhof

Nach langer Autofahrt kommen die Geschwister ans Ziel. Auf dem Friedhof wird Lizbeth von einem merkwürdigen Mann attackiert, doch dass mit ihm etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist, merken die beiden erst, als Leland dem Kerl mit einem simplen Fausthieb gleich den ganzen Unterkiefer abtrennt. Das Grauen hat begonnen.

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Auf dem Friedhof

Mit der Autofahrt von Leland und Lizbeth wird der Leser gleich sehr schön in die Zombie-Apokalypse eingeführt: Leland wirft eine Kassette mit alten Hits ein, es erklingt „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin, und während die Textzeilen eingeblendet werden und die beiden ahnungslosen Protagonisten übers Land fahren, erfahren wir mit wenigen Bildern vom Ausmaß der Apokalypse – etwa ein Motiv, das den Times Square in New York zeigt, überfüllt mit Untoten. Auch Lizbeths Familie wird unmittelbar ins Unheil geworfen, muss ums Leben laufen – ein Handlungsstrang, der im Wechsel mit den Erlebnissen des Geschwisterpaars gezeigt wird.

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Flucht vor den Untoten

Natürlich ist das nicht unbedingt neu, aber es ist fesselnd erdacht und geschrieben, obendrein gefallen mir die realistischen Zeichnungen mit ihren drastischen Gewaltdarstellungen ausgesprochen gut. Zum Teil ist es bereits winterlich, das verleiht der düster-endzeitlichen Grundstimmung eine passende kalte Atmosphäre.

George Romero würde es gefallen

Der Titel „Die Nacht der lebenden Toten“ ist nicht geschützt (der Film übrigens ebenfalls nicht – er ist urheberrechtsfrei). Es hätte aber gar nicht Not getan, aus Marketing-Gründen auf den Romero-Zug aufzuspringen. Istin und Bonetti haben ein herausragendes und eigenständiges Comic-Epos erschaffen, das Lust auf mehr macht. Theoretisch auf viel mehr, aber angesichts der Endlos-Reihe „The Walking Dead“ ist es auch mal ganz angenehm zu wissen, dass in diesem Fall nach drei Bänden Schluss sein soll. Band zwei ist soeben erschienen, ich werde ihn in Kürze vorstellen. Bleibt zu hoffen, dass der Splitter-Verlag mit dem Abschluss der Trilogie nicht allzu lange wartet.

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Auch Lizbeths Familie kämpft ums Überleben

Der dreiteilige Comic „Die Nacht der lebenden Toten“ bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Band 1: Vatersünden
Band 2: Mandys Dämonen (Rezension folgt in Kürze)
Band 2: NN. (Rezension geplant)

Autor: Jean-Luc Istin
Zeichner: Elia Bonetti
Originaltitel (2014): La nuit des morts vivants: les fautes du père
Deutsche Erstveröffentlichung: 1. April 2015
56 Seiten
Übersetzung: Harald Sachse
Verlag: Splitter Verlag
Preis: 14,80 Euro

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Abbildungen: © 2015 Splitter Verlag

 

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