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Archiv der Kategorie: Zombies

I Am a Hero – Zombies in Japan

I Am a Hero

Von Volker Schönenberger

Horror // Mehr schlecht als recht schlägt sich Hideo (Yô Ôizumi) als Auftragsautor für einen Mangaka durch; die Helden seiner eigenen Mangas geraten ihm zu langweilig, sodass seine Arbeiten von den Verlagen stets abgelehnt werden. Meldungen über die Ausbreitung einer sonderbaren Infektion berunruhigen ihn und seine Kolleginnen vorerst nicht, zumal sie als Grippe deklariert wird. Als jedoch Hideos Freundin Tekko (Miho Suzuki) über ihn herfällt, wird klar, dass etwas faul ist im Staate Japan. Bald sind die Straßen voller rasender Wüteriche und Hideo muss Fersengeld geben.

Hideo muss Fersengeld geben

„Solange sie Anime im Fernsehen zeigen, ist alles bestens.“ Dumm nur, dass der Sender unmittelbar nach dieser Bemerkung Hideos zu einer Sonderausstrahlung über die erschreckenden Vorkommnisse wechselt. Auf seiner heillosen Flucht begegnet der Zeichner im Taxi der jungen Hiromi (Kasumi Arimura). Gemeinsam versuchen die beiden, dem Chaos zu entkommen.

Hideo, der Held

„Ich bin ein Held.“ Nun ja, so richtig heldenhaft wirkt Hideo nicht gerade, aber das macht gerade den Reiz aus. Er selbst sieht sich im weiteren Verlauf ohnehin als Versager. Besonders geschickt stellt sich Hideo auch nicht gerade an. Mit solchen Eigenarten muss man sich von Protagonisten japanischer Horrorfilme wohl abfinden (zugegeben: Die Verhaltensweisen vieler Opfer im US-Horrorfilm sind häufig ebenfalls dämlich genug). Wenn Hideo einen Waldarbeiter von hinten anspricht und der sich beim Umdrehen natürlich als Infizierter entpuppt, wünscht man sich ein bisschen mehr inszenatorische Finesse beim Zeigen von Attacken. Das ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen eines ansonsten vorzüglichen Endzeit-Films.

Sein Beschützerinstinkt wird geweckt

Skurrile Ideen reichern die Handlung um einige überraschende Elemente an. So haben sich einige der Zombies (ja ja, ich weiß, genau genommen sind es Infizierte) gewisse Eigenheiten bewahrt. Eine in ihrem Leben Shopping-begeisterte Frau beispielsweise rüttelt als Untote unermüdlich an der Eingangstür eines Geschäfts. Ein Sportler setzt als Zombie zum Hochsprung an, um mit dem Kopf voran auf dem Asphalt aufzuprallen, was ihm eine unschöne Delle beschert – das tötet ihn aber nicht, weil seine Figur und seine Sprungkraft später noch für die Handlung gebraucht werden. Und wenn ein fetter Sumo-Ringer auf Hideo zurennt, ahnt man, dass das Wegpusten des Kopfes per Schrotflinte womöglich nicht das Ende der Szene bedeutet. „I Am a Hero“ gibt einige prima designte Zombies her, die sich gut als Actionfiguren eignen würden. Eine Sammlergemeinde fände sich dafür ganz sicher.

In der Tradition von George A. Romero

Ein paar Mal führt uns Regisseur Shinsuke Sato („Gantz“) aufs Glatteis, wenn sich Hideo heldenhafte Taten nur vorstellt und dann aus dem Tagtraum aufschreckt. Das gipfelt in einer schönen „Murmeltier“-Sequenz, in der sich der junge Mann in einem Spind verbirgt. Anspielungen auf Konsumwahn kommen nicht zu kurz – da steht „I Am a Hero“ sogar in schöner Tradition zu George A. Romeros großem Klassiker „Zombie“ („Dawn of the Dead“, 1978). Wer hätte gedacht, dass sich Rolex-Uhren als lebensrettend erweisen können? Bei all dem Humor kommt aber auch die Tragik zu ihrem Recht.

Eine Taxifahrt endet abrupt

Seine Weltpremiere feierte „I Am a Hero“ im Oktober 2015 beim renommierten Sitges, dem Festival des fantastischen Films von Katalonien. Kengo Hanazawas gleichnamiger Manga erschien ab 2009, wurde auch in Deutschland aufgelegt und ist mit dem 2017 erschienenen 22. Band abgeschlossen. Es gibt allerdings einen Ableger mit dem Titel „I Am a Hero in Osaka“, „I Am a Hero in Nagasaki“ ist angekündigt. Die Verfilmung hat reichlich Action zu bieten, und trotz niedriger FSK-16-Freigabe für die ungeschnittene Fassung kommen Splatter-Fans voll auf ihre Kosten. Dabei sieht das blutige Treiben auch noch hervorragend aus. In Verbindung mit dem südkoreanischen „Train to Busan“ (2016) zeigt Fernost dem Westen, wo derzeit der Zombie-Hammer hängt.

In Erwartung des Untoten-Ansturms

Veröffentlichung: 27. Oktober 2017 als 2-Disc Edition Steelbook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 126 Min. (Blu-ray), 126 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: I Am a Hero
JAP 2015
Regie: Shinsuke Sato
Drehbuch: Akiko Nogi, nach einem Manga von Kengo Hanazawa
Besetzung: Yô Ôizumi, Masami Nagasawa, Kasumi Arimura, Miho Suzuki, Nana Katase, Yoshinori Okada, Hisashi Yoshizawa
Zusatzmaterial: Poster
Label: Kazé Anime
Vertrieb: AV Visionen

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Kazé Anime / AV Visionen

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Night of the Living Deb – Vom One-Night-Stand in die Zombie-Apokalypse

Night of the Living Deb

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Debbie (Maria Thayer) ist es tatsächlich gelungen, sich vom Traummann Ryan (Michael Cassidy) unter den Augen seiner Freundin aus der Kneipe in Portland abschleppen zu lassen. Das Aufwachen am nächsten Morgen gestaltet sich allerdings eher peinlich – Ryan bereut den One-Night-Stand, an den er sich alkoholbedingt gar nicht erinnern kann, und komplimentiert Debbie aus seiner Wohnung. Auch Debbie hat Gedächtnislücken. Der Fehltritt rückt aber schnell in den Hintergrund: Von jetzt auf gleich ist eine Zombie-Pandemie ausgebrochen. Auf den Straßen tummeln sich Untote (respektive Infizierte) und fallen in blutrünstiger Manier über die Lebenden her. Debbie und Ryan treffen schnell wieder aufeinander und müssen sich zusammenraufen und gemeinsam ums Überleben kämpfen.

Eine Untote schreckt Deb auf

„Night of the Living Deb“ lief 2016 auf einigen Festivals weltweit, darunter dem deutschen Fantasy Filmfest. Die Zombiekomödien-Platzhirsche „Shaun of the Dead“, „Braindead“ und „Zombieland“ bleiben erwartungsgemäß auf ihren Thronen sitzen, Night of the Living Deb“ bewegt sich eher auf dem Level von „Dance of the Dead“, „Stalled“ und „Angriff der Lederhosenzombies“.

Die junge Frau weiß sich zu wehren

Die billige deutsche Synchronisation trübt den Zombie-Spaß etwas – die Dialoge sind albern, ohne wirklich lustig zu sein. Da mir zum Sichten keine Original-Tonspur vorlag, kann ich keine Angaben darüber machen, ob die englische Version mehr Pep hat. Speziell zu Beginn fällt es schwer, zu Deb und Ryan eine Bindung aufzubauen. Die ersten Angriffe der Infizierten gleichen das aber aus. Wenn die Untoten ihre blutigen Mahlzeiten einnehmen, gewinnt „Night of the Living Deb“ auf etwas trashigem Niveau an Fahrt und Freude – und das trotz FSK-16-Freigabe ungeschnitten.

Mit Ryan ergreift sie die Flucht

In einer Nebenrolle als Rans Vater ist der unverwüstliche Ray Wise („RoboCop“, „Twin Peaks – Der Film“) zu sehen. Weder markiert „Night of the Living Deb“ einen Höhepunkt in Wises Filmografie noch ist er ein Highlight am Zombiekomödien-Himmel. Einen vergnüglich-leckeren Untoten-Happen für Anspruchslose liefert er allemal. Welche in dieser Rezension noch nicht genannten Zombiekomödien könnt Ihr empfehlen?

Was hat Ryans Vater mit der Pandemie zu tun?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ray Wise sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Es sind hungrige Mäuler zu stopfen

Veröffentlichung: 7. Dezember 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night of the Living Deb
USA 2015
Regie: Kyle Rankin
Drehbuch: Andy Selsor
Besetzung: Maria Thayer, Michael Cassidy, Julie Brister, Nan’l Meiklejohn, Syd Wilder, Ned Donovan, Grant Garry, Deborah Geffner, Chris Marquette, Ray Wise
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Tiberius Film

 

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Horror für Halloween (XXXVI): Das Leichenhaus der lebenden Toten – Solche Zombies werden heute gar nicht mehr gebaut

Non si deve profanare il sonno dei morti

Von Volker Schönenberger

Horror // Gleich zu Anfang kommt ein wenig Hippie-Feeling auf: Als sich der Kunsthändler George Meaning (Ray Lovelock) zu einem Wochenende auf dem Land aufmacht, läuft alsbald eine nackige Frau über die Straße, die „Freiheit! Freiheit! Freiheit für die Frauen!“ skandiert. Etwas später wird ein Mann auf dem Land George auf seine langen Haare ansprechen: „Sie sind ein wenig schwerhörig, was? Na ja, das wird an dieser Haarmähne liegen, die sie über den Ohren tragen.“ So wird frühzeitig ein Kontrast zwischen dem modernen Großstädter George und den Provinzlern etabliert, der später darin kulminiert, dass ein so übereifriger wie bornierter Polizei-Inspektor (Arthur Kennedy) partout George für die mörderischen Vorkommnisse in der Gegend verantwortlich machen will.

Zwischenfall an der Tankstelle

An einer Tankstelle beschädigt die Londonerin Edna (Cristina Galbó) mit ihrem Auto Georges Motorrad, sodass er es in der dortigen Werkstatt zurücklassen muss. Edna erklärt sich bereit, ihn mitzunehmen. Bei einem Zwischenstopp will George Einheimische nach dem Weg fragen. Die am Auto wartende junge Frau wird von einem seltsam steif daherstapfenden Mann mit starrem Blick angegriffen, kann sich aber retten. In der Nähe erproben Angehörige der britischen Landwirtschaftsbehörde ein neuartiges Gerät zur Ungezieferbekämpfung, das mit Kernenergie arbeitet.

Im Fahrwasser von „Die Nacht der lebenden Toten“

Zwei junge Leute fahren aufs Land, ein Untoter greift an – „Das Leichenhaus der lebenden Toten“ outet sich frühzeitig als Epigone von „Die Nacht der lebenden Toten“, mit dem George A. Romeros 1968 die Tür zum modernen Zombiefilm weit aufstieß. „The Living Dead at Manchester Morgue“, so einer der internationalen Titel der spanischen Produktion, verzichtet über weite Strecken auf das apokalyptische Moment, die Zombieseuche bleibt vorerst lokal begrenzt. Ausgelöst wird sie durch – das könnt Ihr euch sicher denken.

Vorbild für Lucio Fulci?

Bemerkenswert, dass „Das Leichenhaus der lebenden Toten“ fünf Jahre vor „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ („Zombi 2“, auch „Zombie Flesh Eaters“) entstand, dem ersten Zombiefilm eines gewissen Lucio Fulci – und vier Jahre vor George A. Romeros „Zombie“ („Dawn of the Dead“). Ansonsten hätte man argwöhnen können, dass Jorge Grau bei Fulci gelernt hat. So ist wohl anzunehmen, dass Fulci selbst, einer der Großmeister des Zombiefilms, Graus Werk kannte und schätzte, bevor er sich selbst daran machte, Heerscharen italienischer Untoter aufs Kinopublikum loszulassen.

Holt ihn endlich vom Index!

Die handgemachten Splatter- und Make-up-Effekte wissen zu gefallen und werden nicht inflationär eingesetzt, sondern nur punktuell, passend zur Handlung. Wenn die sich ins Krankenhaus verlagert, kommen Gorehounds aber auf ihre Kosten, zuvor auch schon in einer wunderbaren Friedhofs-Sequenz. „Invasion der Zombies“, so ein anderer deutscher Titel, hat eine lange Geschichte der Indizierung und Beschlagnahme aufzuweisen, die sich bis heute fortsetzt. Das wirkt umso unverständlicher, da doch seit einigen Jahren reihenweise Beschlagnahmungen vormals berüchtigter Klassiker aufgehoben und die Filme vom Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gestrichen werden. „The Texas Chainsaw Massacre“ und „Tanz der Teufel“ lassen grüßen, um nur zwei der prominentesten Beispiele zu nennen. Bleibt zu hoffen, dass sich ein Rechteinhaber der Aufgabe annimmt, das auch für „Das Leichenhaus der lebenden Toten“ zu erreichen und den Film auf den Weg durch die Instanzen zu schicken, um eine adäquate Veröffentlichung zu ermöglichen und Filmfans zu erreichen, die keine Filmbörsen besuchen und sich mit dem internationalen Online-Handel nicht auskennen. Bis das geschieht, kann ich hier leider keine Veröffentlichung empfehlen.

Wie gelangte Arthur Kennedy in den Cast?

Eine für einen europäischen Exploitationfilm ungewöhnliche Personalie offenbart sich in der Rolle des Inspektors: Es entzieht sich meiner Kenntnis, was dazu führte, dass der in vielen Krimis und Western wie „Meuterei am Schlangenfluss“ profilierte Hollywood-Star Arthur Kennedy (1914–1990) mitwirkte, der in den 1950er-Jahren immerhin fünf Oscar-Nominierungen einheimste und 1956 für das Gerichtsdrama „Das Komplott“ einen Golden Globe als bester Nebendarsteller erhielt. Für Hinweise auf sein Mitwirken per Kommentar bin ich dankbar. Seine Figur ist etwas überzogen gezeichnet: Gar zu sehr versteift er sich von Anfang an darauf, in George den Täter zu sehen, ohne eine andere Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Das ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen eines ansonsten herausragenden Vertreters des europäischen Zombiefilms der 1970er-Jahre. Trotz all der rasenden Wüteriche in den Infizierten-Filmen der jüngsten Vergangenheit – die langsam schlurfenden Untoten der Romero-Ära haben auch heute ihre Existenzberechtigung. Jorge Graus „Das Leichenhaus der lebenden Toten“ punktet mit effektiver Inszenierung in gut anderthalb Stunden, ein paar sozialkritischen Elementen, prima Effekten und stimmungsvoller Provinz-Atmosphäre – klasse!

Länge: 95 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Originaltitel: Non si deve profanare il sonno dei morti
Deutscher Alternativtitel: Invasion der Zombies
Internationale Titel: The Living Dead at Manchester Morgue / Let Sleeping Corpses Lie / Don’t Open the Window
IT/SP 1974
Regie: Jorge Grau
Drehbuch: Sandro Continenza, Marcello Coscia
Besetzung: Cristina Galbó, Ray Lovelock, Arthur Kennedy, Aldo Massasso, Roberto Posse, José Lifante, Giorgio Trestini, Jeannine Mestre, Fernando Hilbeck, Gengher Gatti, Vera Drudi, Vicente Vega

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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