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El Alamein 1942 – Die Hölle des Wüstenkrieges: Ödnis und Tod im Sand

El Alamein – La linea del fuoco

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Den Krieg hat sich Serra (Paolo Briguglia) anders vorgestellt: Kaum in seiner italienischen Einheit in Nordafrika angekommen, erwarten den Philosophiestudenten aus Palermo im Jahr 1942 statt kerniger Schlachten nur Ödnis, Sand, Durchfall und Langeweile. Seine Vorgesetzten Leutnant Fiore (Emilio Solfrizzi) und Sergente Rizzo (Pierfrancesco Favino, „Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse“) raten ihm gleich bei seiner Ankunft, sein Freiwilligenzeichen abzunehmen, damit er nicht den Unmut seiner neuen Kameraden auf sich zieht. Obwohl Serras Einheit vermeintlich fern von den großen Kriegsschauplätzen des Afrikafeldzugs des Deutschen Afrikakorps stationiert ist, bekommt der junge Mann schnell mit, wie nah der Tod auch dort ist, wo es vorerst nur Abwarten heißt. Sein Idealismus weicht bald Resignation, doch er ahnt nicht, was ihn bei El-Alamein erwartet.

Serra muss in der Ödnis ausharren …

Drei große militärische Auseinandersetzungen mit Tausenden von Toten beendeten 1942 den Vormarsch der Achsenmächte Deutsches Reich und Italien in Nordafrika: die erste Schlacht von El Alamein im Juli, die Schlacht von Alam Halfa ab dem 30. August und die Zweite Schlacht von El Alamein, die zwischen dem 23. Oktober und dem 4. November tobte.

… und während britischer Bombardements ums Überleben fürchten

Oft wird das Geschehen von den schillernden Namen der beiden Oberbefehlshaber überlagert: dem als „Wüstenfuchs“ mystisch umwobenen deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel und seinem Kontrahenten Bernard Montgomery, der die 8. Britische Armee befehligte und später von Winston Churchill in den Rang eines Field Marshals erhoben wurde.

Wenn die Wunder erst verbraucht sind

„El Alamein 1942 – Die Hölle des Wüstenkrieges“ schert sich nicht um mehr oder minder heldenhafte Strategien hoher Offiziere; hier geht es um „Schütze Arsch“, den Soldaten niederen Ranges, der irgendwohin kommandiert wird, wo er zwischen tödlicher Langeweile und tödlichen Bombardements ausharren muss – bis irgendwann das Schlachtengetümmel beginnt und das Überleben auch nur eine Frage des Glücks ist. So erhält sich die Einheit, zu der der junge Serra stößt, ihren Glauben ans Davonkommen auch mit Wundern – drei stehen jedem Soldaten zu, sind sie verbraucht, hilft nur noch Beten. Serra hat schnell zwei verbraucht …

Rizzo (l.) hilft dem jungen Soldaten

Gedreht in Marokko, vermittelt das Kriegsdrama eindringlich die Hitze und Ödnis, der die Italiener ausgesetzt sind. Da sauberes Trinkwasser Mangelware ist, leiden viele Soldaten an Durchfall. Der Krieg hat nichts Glorreiches, wenn man sogar bombardiert wird, während man sich in einer Sandkuhle erleichtert. Serra und seine Kameraden werden zermürbt und verheizt, weil irgendwo weit weg Generäle ihre Strategien um ein paar Flecken Sand ausarbeiten. Regisseur Enzo Monteleone vermittelt diesen Irrwitz des Krieges glaubhaft und intensiv. Für Kamera, Schnitt und Ton gab’s 2003 dann auch drei David di Donatello Awards, den bedeutendsten italienischen Filmpreis. Trotz einiger versiert inszenierter Action-Sequenzen haben wir es mitnichten mit einem Action-Abenteuer um tapfere Jungs in Uniform zu tun, sondern um eine Anklage einer unmenschlichen Kriegsmaschinerie, in der der einzelne Soldat nichts zählt und zum Sterben verdammt ist, wenn er schon nicht den Sieg erringt. „El Alamein 1942 – Die Hölle des Wüstenkrieges“ hat auch außerhalb Italiens größere Aufmerksamkeit verdient. Ein überzeugendes Statement gegen den Krieg.

Die Kameraden gedenken ihrer Gefallenen

Veröffentlichung: 19. Juli 2011 als Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: El Alamein – La linea del fuoco
IT 2002
Regie: Enzo Monteleone
Drehbuch: Enzo Monteleone
Besetzung: Paolo Briguglia, Pierfrancesco Favino, Luciano Scarpa, Emilio Solfrizzi, Thomas Trabacchi, Sergio Albelli, Piero Maggiò, Antonio Petrocelli, Giuseppe Cederna, Roberto Citran, Silvio Orlando
Zusatzmaterial: Making-of, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2011 Ascot Elite Home Entertainment

 

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