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Ernest Borgnine (VIII): Die Wikinger – Raue Kerle oder Frauenfeinde?

The Vikings

Von Volker Schönenberger

Action-Abenteuer // Woher kommt eigentlich diese romantisierende Faszination für die Wikinger? Und seit wann wird sie gepflegt? Nicht erst seit Torfrock, so viel ist klar, auch „Wickie und die starken Männer“ kam erst später auf. In der Popkultur mag tatsächlich das von Richard Fleischer („Barrabas“, „Das Gesetz bin ich“) inszenierte Action-Abenteuer von 1958 ein Auslöser gewesen sein, dem weitere filmische Porträts der gewalttätigen Nordmänner folgten, darunter in jüngerer Vergangenheit „Northmen – A Viking Saga“ (2014), „„Escape – Vermächtnis der Wikinger“ (2012) und Nicolas Winding Refns „Walhalla Rising“ (2009).

Der Wille zur Authentizität

In der im Bonusmaterial der Neuveröffentlichung enthaltenen knapp halbstündigen 2002er-Doku „Eine Geschichte über Norwegen“ berichtet Regisseur Richard Fleischer, er und der den Film als „Executive Producer“ mit verantwortende Hauptdarsteller Kirk Douglas wollten „Die Wikinger“ so authentisch wie möglich inszenieren. Mangels Kenntnis der Historie der Nordmänner kann ich das nicht beurteilen, das Abenteuer dient aber zweifellos nicht dem Zweck einer Geschichtsstunde.

Sklave Eric (l.) macht sich beim …

Im 8. und 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung waren die Wikinger der Schrecken des Nordmeers, die Geißel der Menschheit. Sie verehrten Odin, einen heidnischen Kriegsgott, und nutzten ihre Geschicklichkeit als Schiffsbauer, um von der Enge des Fjords und ihrer schnee- und eisbedeckten Gletscher aus auf Raubzüge auszuziehen, die an Gewalt und Brutalität alles übertrafen, was die Geschichte bis dahin gekannt hatte. Der heiligste Wunsch eines jeden Wikingers war es, mit dem Schwert in der Hand zu sterben, um in Walhalla aufgenommen zu werden, wo Gott Odin ihn als Helden willkommen hieß.

Der Kompass war damals noch unbekannt, deshalb konnten sie sich bei ihren kühnen Seefahrten nur nach der Sonne oder den Sternen orientieren. Wenn sich Nebel bildete, waren sie blind und hilflos. Außerdem war die Erde nach der damaligen Vorstellung eine flache Scheibe. Wenn man zu weit vom Kurs abkam, so konnte man vom „schwarzen Wind“ gen Westen getrieben werden, wo das Giftmeer lag, und über den Rand der Welt hinabstürzen ins Totenreich der Göttin Hel.

Ihr höchstes Ziel war es, England zu erobern, das damals aus einer Anzahl kleinerer Königreiche bestand, von denen jedes der eifersüchtige Rivale des anderen war. Wenn die Wikinger zu ihren Raubzügen gen England aufbrachen, segelten sie immer in Sichtweite der Küste und beschränkten ihre Angriffe auf plötzliche nächtliche Überfälle. Es ist kein Zufall, dass das englische Gebetbuch jener Zeit den Satz enthielt: „Beschirme uns, oh Herr, vor dem Zorn der Nordmänner!“

Meuchelmörder und Vergewaltiger

Den Zorn des Nordmanns Ragnar (Ernest Borgnine) bekommt nach diesen einleitenden Worten aus dem Off König Edwin von Northumbria zu spüren, den der ruchlose Wikingerführer bei einem Raubzug dahinmeuchelt. Edwins Frau Enid (Maxine Audley) wird von Ragnar vergewaltigt. Weil sie bis dato keine Kinder hat, besteigt Edwins Cousin Ælle (Frank Thring) den Thron. Doch Enid bringt bald darauf einen Sohn zur Welt – Ragnars Sohn.

… Häuptlingssohn Einar unbeliebt

20 Jahre später lässt König Ælle seine bevorstehende Eheschließung mit der walisischen Prinzessin Morgana (Janet Leigh) verkünden. Gleichzeitig beschuldigt er seinen Cousin Lord Egbert (James Donald) des Hochverrats. Zu Recht, wie sich herausstellt – der englische Adlige hatte mit Ragnar gemeinsame Sache gemacht. Doch Egbert gelingt die Flucht aus Großbritannien, er rettet sich auf Ragnars Schiff und begleitet diesen in dessen Heimat. Dort wartet Ragnars legitimer Sohn Einar (Kirk Douglas) sehnlichst auf die Rückkehr seines Vaters.

Bei einem Jagdausflug mit Falken treffen Einar und Egbert auf den Sklaven Eric (Tony Curtis). Ein Wort gibt das andere, und plötzlich hat Erics Falke Einars linkes Auge ausgehackt. Nur das Eingreifen der Schamanin Kitala (Eileen Way) bewahrt den Sklaven vor dem sofortigen Tod, stattdessen soll ihn ein Gottesurteil richten. Er überlebt, und Egbert beansprucht ihn für sich. Ein Amulett um Erics Hals hatte dem Engländer enthüllt: Der junge Sklave ist Enids Sohn, somit Thronfolger von Northumbria, auch wenn er Ragnars Bastard ist. Seine Mutter hatte ihn aus Furcht vor Ælle nach Italien geschickt, doch das Schiff wurde von den Wikingern gekapert, Eric versklavt.

Frauen als Objekt der Begierde

Ob Nordmänner oder Engländer – ein sympathisches Bild der Männer zeichnet „Die Wikinger“ nicht gerade. Dafür sind die Frauen zu sehr Objekt. Bei den Briten dienen sie der Sicherung von Pfründen und Machtbündnissen in Form arrangierter Eheschließungen ohne jedes Mitspracherecht der Bräute, bei den Wikingern haben sie verfügbar zu sein, ob mit ihrem Willen oder dagegen. Und ist eine mal willig, aber mit einem anderen verheiratet, darf man ihr in einer kruden Form eines Gottesurteils per Axtwurf die Zöpfe abschneiden, um ihre Unschuld zu beweisen.

Fressen und saufen können sie, diese Wikinger. Als Gegenpol für die kraftstrotzende Virilität von Kirk Douglas’ Einar dient dessen ruhiger Halbbruder Eric, der vergleichsweise kultiviert auftritt. Da endet dann offenbar die von Richard Fleischer gewünschte Authentizität, zumal Eric zwar zeitlebens Sklave war, am Ende aber dennoch in der Schlacht Anweisungen geben darf und sich als versierter Schwertkämpfer entpuppt.

Prinzessin Morgana gerät …

Die altnordische Ragnarssona þáttr – zu deutsch: Geschichte von Ragnars Söhnen – mag dem Schriftsteller Edison Marshall als Inspiration zu seinem Roman gedient haben, der dem Drehbuch von „Die Wikinger“ als Vorlage diente. Mit der Handlung der Sage hat die Story des Films aber kaum etwas gemein. Im Vorspann sehen wir in animierter Darstellung Ausschnitte des Teppichs von Bayeux, der Abspann orientiert sich visuell ebenfalls daran. Die Stickarbeit entstand jedoch im 11. Jahrhundert n. Chr., während der Film einige Jahrhunderte früher spielt. So viel zum Thema Authentizität. Und einen „Fun Fact“ kann ich mir nicht verkneifen: Ernest Borgnine spielt zwar den Vater des von Kirk Douglas verkörperten Einar, wurde tatsächlich aber anderthalb Monate vor seinem Filmsohn geboren.

Mediabook von capelight pictures

Womöglich hat nicht zuletzt der Erfolg der Fernsehserie „Vikings“ capelight pictures motiviert, dem Abenteuer eine schmucke Veröffentlichung im Mediabook angedeihen zu lassen. Bild und Ton überzeugen, die Technicolor-Farben kommen auf der Blu-ray hervorragend zur Geltung. Das Booklet enthält Texte von Nicolai Bühnemann über Regisseur Richard Fleischer, Hauptdarsteller Kirk Douglas und den Film, wobei letztgenannte Zeilen erst nach dem erstmaligen Genuss von „Die Wikinger“ gelesen werden sollten. Da sich „Die Wikinger“ trotz aller Kritikpunkte als unterhaltsames Kostüm-Abenteuer gut anschauen lässt, fügt sich das Mediabook gut ins Filmregal der vermutlich vornehmlich männlichen Sammler ein. Allein schon die Starpower überzeugt ja, auch wenn einem Janet Leigh etwas leid tun kann. Das Charisma von Kirk Douglas passt jedenfalls gut zu dem, was wir uns unter den rauen Nordmännern vorstellen, und man sieht dem Guten den Spaß an seiner Rolle an. Die actionreiche Szenerie kommt ansprechend und bildgewaltig zur Geltung, wozu auch Technicolor beiträgt. Lassen wir „Die Wikinger“ also durchaus als Klassiker des Monumentalfilms aus der ganz langsam ausklingenden Goldenen Ära Hollywoods durchgehen. Für all jene, die auf eine Blu-ray keinen Wert legen oder die Investition ins Mediabook scheuen, hat das Label parallel auch eine neue DVD veröffentlicht, die die Bild- und Tonqualität der alten Veröffentlichungen übertreffen dürfte.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ernest Borgnine, Tony Curtis und Kirk Douglas sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… in die Gewalt der Wikinger

Veröffentlichung: 1. März 2019 als 2-Disc Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) und DVD, 13. Juni 2008 und 27. März 2003 als DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Vikings
USA/BRD 1958
Regie: Richard Fleischer
Drehbuch: Calder Willingham, nach einem Roman von Edison Marshall
Besetzung: Kirk Douglas, Tony Curtis, Ernest Borgnine, Janet Leigh, James Donald, Alexander Knox, Maxine Audley, Frank Thring, Dandy Nichols, Eileen Way
Zusatzmaterial: Featurette mit Regisseur Richard Fleischer: „Eine Geschichte über Norwegen“ („A Tale of Norway“, 2002, 28:13), Originaltrailer, deutscher Kinotrailer, Trailershow, 24-seitiges Booklet mit einem Text von Nicolai Bühnemann
Label 2019: capelight pictures
Vertrieb 2019: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2008: MGM Home Entertainment
Label/Vertrieb 2003: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot DVD: © 2019 capelight pictures

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Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster – Godzilla und die kiffende Kaulquappe

Gojira tai Hedora

Von Andreas Eckenfels

SF-Abenteuer // Japan stinkt zum Himmel: Die voranschreitende Umweltverschutzung der Industrienation ist besonderes an den Gewässern erkennbar. Aus einer dieser dickflüssigen, blubbernden Brühen hat ein alter Mann einen seltsamen Fisch aus dem Wasser gezogen, den er sogleich Dr. Yano (Akira Yamauchi) zu Untersuchungszwecken vorbeibringt. In den Nachrichten wird derweil über ein mysteriöses Ungetüm mit roten Augen berichtet, welches im Meer ganze Schiffe zerlegt. Als die Bedrohung immer größer wird, weiß Dr. Yanos kleiner Sohn Ken (Hiroyuki Kawase), dass nur noch einer helfen kann: Godzilla! Kurze Zeit später taucht Kens geschuppter, riesiger Held auch tatsächlich auf und nimmt den Kampf gegen das böse Kaulquappenmonster Hydrox auf.

Ist es ein U-Boot oder ein Ungeheuer?

Wieder einmal können wir über den deutschen Kinotitel aus den 70er-Jahren den Kopf schütteln. Natürlich greift hier keinesfalls der von Mary Shelley erdachte Wissenschaftler Dr. Frankenstein ins Geschehen ein, noch bekommt es Godzilla mit mehreren Teufelsmonstern zu tun. Sein einziger Gegner ist Hydrox, der im japanischen Original passender Hedora genannt wird, was so viel wie „Schlamm“ oder „Schlick“ bedeutet.

Von der Atombombe zur Umweltverschmutzung

Das elfte „Godzilla“-Abenteuer aus den berühmten Tōhō-Studios zählt ohne Frage zu einem der bizarrsten Teile der langlebigen Kaijū-Reihe. Dies beginnt bereits damit, dass der Film mit einer bunten Titelsequenz in bester James-Bond-Manier beginnt. Darin singt Schauspielerin Kaiko Mari vor der Großaufnahme einer wabernden Lavalampe und Bildern verschmutzter Gewässer über den Verlust von Flora und Fauna und die nötige Rettung der Erde. Während im Ur-„Godzilla“ von 1954 noch recht subtil vor den Gefahren der Atombombe gewarnt wurde, zieht sich der pädagogische Anspruch und ein damit verbundener erhobener Zeigefinger zum Thema Umweltverschmutzung in „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ recht unverhohlen durch den gesamten Film. Passend zur Rückbesinnung auf die Natur wird auch der Hippiebewegung ein wenig Raum geboten. In einer fast psychedelisch anmutenden Discoszene, in der Mari erneut ihren Ohrwurm zum Besten gibt, wirft sich ein junger Mann eine Substanz ein, von der er Wahnvorstellungen bekommt: Die wie in Trance tanzenden Gäste tragen auf einmal Fischköpfe auf dem Hals. Später musizieren die Hippies auch am Lagerfeuer unter freiem Himmel. Dann macht das Ungetüm sie platt.

Godzilla geht in die Luft

Godzilla, der bei seinem ersten Auftritt wie ein Western-Held vor der aufgehenden, roten Sonne dem Publikum als Retter in der Not stolz entgegenstapft, bekommt es diesmal mit einem ebenbürtigen, aber ungewöhnlichen Gegner zu tun: Das Monster Hedora – wir bleiben mal beim Originalnamen – entpuppt sich nach Dr. Yanos Nachforschungen als Ausgeburt der zunehmenden Umweltverschmutzung des Landes. Es besteht zum Großteil aus kristallisiertem Kohlenstoff und ernährt sich von Industrieabfällen. Besonders skurril sind die Szenen, in denen sich das Riesenvieh über die rauchenden Schornsteine der Industrieanlagen hängt und tief einatmet. Dabei stellt sich heraus: Rauchen gefährdet bei Hedora keineswegs die Gesundheit und hemmt auch nicht sein Wachstum. Im Gegenteil: Das kiffende Kaulquappenmonster wird immer größer, nimmt verschiedene Formen an und kann sich so zunächst nur im Wasser, später aber auch an Land und in der Luft fortbewegen – und massive Zerstörungen durch giftigen Schlamm oder ätzende Gase anrichten. Um den Feind zu besiegen, muss Godzilla nicht nur mit den Menschen kooperieren, sondern auch erstmals dank seines Hitzestrahls abheben und dem Biest hinterherfliegen!

Dr. Yano (l.) wurde von Hydrox schwer verletzt

Regisseur und Drehbuchautor Yoshimitsu Banno (1931–2017) arbeitete zuvor unter anderem als Assistent von Akira Kurosawa. Welche Zielgruppe er mit dieser Ansammlung abgefahrener Ideen im Hinterkopf hatte, wird nicht ganz klar. Einerseits wird die Handlung immer wieder durch kurze Zeichentrick-Sequenzen unterbrochen, bei dem jedes Kind versteht, welche Bedrohung von der Umweltverschmutzung ausgeht. Andererseits geht es auch für Kaijū-Verhältnisse relativ brutal zur Sache, wenn die menschlichen Opfer, die Hedora bei seinen Verwüstungen hinterlässt, recht deutlich gezeigt werden. Aufgrund der zahlreichen überraschenden Momente zählt „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ jedenfalls zu den unterhaltsamsten „Godzilla“-Abenteuern.

Monster und Schöpfer werden verbannt

Produzent Tomoyuki Tanaka (1910–1997), der während des Drehs im Krankenhaus lag, zeigte sich von dem Endergebnis allerdings überhaupt nicht begeistert. Er soll dermaßen sauer gewesen sein, dass er entschied, dass Yoshimitsu Banno zu Tanakas Lebzeiten keinen weiteren Teil der Reihe drehen dufte. Somit fiel Bannos geplante Fortsetzung ins Wasser, die in Afrika angesiedelt werden sollte. Ironischerweise konnte sich Yoshimitsu Banno einige Jahre nach Tanakas Tod die Rechte an „Godzilla“ sichern und war somit auch bei der neuen Hollywood-Variante von Gareth Edwards und deren Sequel „Godzilla II – King of the Monsters“, das am 30. Mai in den Kinos startet, als ausführender Produzent beteiligt.

Hedora alias Hydrox sorgt in Japan für dicke Luft

Das Monster Hedora ereilte ein ähnliches Schicksal wie sein Schöpfer Yoshimitsu Banno: Es wurde nahezu verbannt. Nach „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ gab es mit ihm erst mehr als 30 Jahre später ein einziges, denkbar kurzes Wiedersehen in „Godzilla – Final Wars“ (2004). Immerhin konnte sich Schauspieler Kenpachiro Satsuma, der in Hedoras Kostüm sein Debüt für die Tōhō-Studios feierte, für weitere Aufgaben empfehlen. Besonders während der Heisei-Ära durfte Satsuma auch regelmäßig als Godzilla einen großen Auftritt hinlegen.

Die 2015 als Teil 10 der „Kaiju Classics“ von Anolis Entertainment veröffentlichte Doppel-DVD im sogenannten Star Metalpak ist längst vergriffen und gesucht. Umso schöner für die vielen deutschen Kaijū-Fans, dass es Anolis gelungen ist, „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ nun auch für eine deutsche Blu-ray zu lizenzieren. Das gilt auch für „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ und „Frankensteins Höllenbrut“ – das Label hat alle drei Filme als Blu-ray im Softcase herausgebracht. Sammler der Reihe können nun endlich ihren Gutschein fürs HD-Upgrade einsetzen, den Anolis seinerzeit den Star Metalpaks beigelegt hatte. „Mothra bedroht die Welt“ ist kürzlich sogar gleich in der schmucken Blechdose mit Blu-ray und DVD erschienen. So loben wir uns das.

Zu Wasser, zu Land und in der Luft: Godzilla nimmt den Kampf auf

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Kaiju Classics“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Lesenswerte Texte zu „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ finden sich auch im „Filmforum Bremen“ und auf dem Fluxkompensator.

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als Blu-ray, 6. Februar 2015 als 2-DVD-Edition im auf 1.500 Exemplare limitierten Star Metalpak als Nr. 10 der Reihe „Kaiju Classics“

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gojira tai Hedora
JAP 1971
Regie: Yoshimitsu Banno
Drehbuch: Yoshimitsu Banno, Takeshi Kimura (als Kaoru Mabuchi)
Besetzung: Akira Yamauchi, Toshie Kimura, Hiroyuki Kawase, Toshio Shiba, Keiko Mari, Yoshio Yoshida, Haruo Suzuki, Yoshio Katsube
Zusatzmaterial Blu-ray: Trailer, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Audiokommentare von Jörg Buttgereit und Bodo Traber, Thorsten Rosemann und Florian Bahr, Interview mit Yoshimitsu Banno, Werberatschläge, Trailer, Bildergalerie u. a., 20-seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 
 

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Ashanti – Einer wie keiner

Ashanti

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Dr. David Linderby (Michael Caine) reist gemeinsam mit seiner Frau Anansa (Beverly Johnson) im Dienst der Weltgesundheitsorganisation WHO durch Afrika, um Eingeborene in ihren Dörfern aufzusuchen und zu impfen. Bei einem ihrer Stopps wird die selbst aus Afrika stammende Anansa von Sklavenhändlern gekidnappt. Das Kommando hat der in die Jahre gekommene Suleiman (Peter Ustinov), für den es der letzte Raubzug ist, bei dem er deswegen noch einmal so richtig absahnen will. Ein langer Weg liegt vor der Karawane, um einen Ort zu erreichen, an dem man mit Sklaven das große Geld machen kann. Obwohl etliche Menschen nicht wahrhaben wollen, dass es überhaupt noch Sklaverei gibt, findet Linderby auf der Suche nach seiner Frau Hilfe bei denen, die es besser wissen, und schließlich auch Verbündete wie Brian Walker (Rex Harrison), Jim Sandell (William Holden) und den Nomaden Malik (Kabir Bedir), dessen ganze Familie Sklavenhändlern zum Opfer gefallen ist.

Linderby (l.) und Malik haben dasselbe Problem

„Ashanti“ ist ein Film der Extreme. Gedreht wurde in Kenia, Israel und auf Sizilien – es gibt viele wunderbare Landschaftsaufnahmen, aber auch ein paar schöne Eindrücke von Leben und Kulten der Ureinwohner zu sehen. Mit Michael Caine, Peter Ustinov und Rex Harrison sind gleich drei Schauspieler in der Besetzung zu finden, die später zum Ritter geschlagen wurden und somit den Titel „Sir“ führen durften beziehungsweise dürfen. Auch den immer noch aktuellen Sklavenhandel aufzugreifen – in den 70er-Jahren eine öfter einmal in Kino und Fernsehen anzutreffende Problematik –, zeugt von einem Bemühen um eine Geschichte mit Sinn und Verstand. Voraussetzungen, die es fast unmöglich scheinen lassen, dass die Dramaturgie des Films so sehr ins Trash-Fach abdriftet, wie sie es teils dann aber dennoch tut.

Es kann keine zwei Meinungen geben – mindestens drei

Was soll man von einem Film halten, den Michael Caine rückblickend als den schlechtesten seiner gesamten Karriere bezeichnete, verbunden mit dem Rat, dass man ihn sich möglichst niemals ansehen möge – der aber seiner Film-Ehefrau Beverly Johnson, die während des Drehs schwanger war, immerhin dazu taugte, ihre Tochter nach der von ihr im Film gespielten Rolle Anansa zu taufen? „Ashanti“ ist vor allen Dingen ein guter Beleg dafür, dass beliebte und berühmte Schauspieler absolut in der Lage sind, jedes noch so altbacken und/oder trivial gestrickte Drehbuch, das um keine Groschenheft-Krimi-Wendung verlegen ist, mit breiter Brust über die Ziellinie zu tragen. Vielleicht waren sich die Geldgeber auch im Klaren darüber, dass das Drehbuch nicht allzu viel taugt, und deswegen so darum bemüht, es mit einer erstaunlichen Menge an Stars vollzustopfen. Bevor man den, sobald es nach Arabien ging, oftmals anscheinend unverzichtbaren Omar Sharif, den Afrika-Liebhaber William Holden, der dort ein Anwesen besaß, und „Sandokan“-Star Kabir Bedi, der sich in Europa bereits einen Namen gemacht hatte, verpflichtete, waren auch Telly Savalas, James Coburn und Kirk Douglas für Rollen oder Cameos im Gespräch.

Man kann die Art und Weise wie die Story gestrickt ist, die Figurenkonstellation, die Art, wie Figuren in die Handlung eingeführt werden und wieder aus ihr verschwinden, sowie die Eigenheiten der Charaktere aber auch durchaus als angenehm nostalgische Referenz an klassische Hollywood-Abenteuerfilme und -Krimis 20 bis 40 Jahre älteren Datums verstehen. Das macht im Kontext der Altstars im Cast tatsächlich sogar irgendwie Sinn und wirkt aus diesem Blickwinkel geradezu ein wenig wie eine Verbeugung vor dem alten Hollywood. So wird eine Schwäche plötzlich zu einer angenehmen Besonderheit. Man sollte dabei allerdings nicht dem albernen Trugschluss unterliegen, das komplette Hollywood-Abenteuerkino der den 70ern vorausgegangenen Jahrzehnte sei vor allen Dingen banal gewesen, nur weil sich dieser Film mal mehr, mal weniger gelungen einiger Old-School-Erzähltechniken bedient und weil über triviale Dramaturgie im klassischen Hollywood ganz allgemein viel dahergeredet wird. Denn Klischees mit anderen Klischees zu kommentieren, ist letztlich wenig zielführend.

Chaotische Produktionsbedingungen

Am meisten enttäuscht „Ashanti“ eigentlich erst durch sein besonders lustlos wirkendes, schlecht geschnittenes Finale mit unpassenden Anschlüssen und einem letzten Schurken, der einfach auf Nimmerwiedersehen aus der Handlung verschwindet, indem er flugs eine Tür hinter sich zumacht, als würde er mal schnell auf Toilette müssen – womit er auch nicht die einzige sich gewissermaßen in Luft auflösende, von einem großen Schauspieler verkörperte Figur in dieser Story ist. Dazu ein irrsinnig gefühlsduseliges Schönwetter-Schlussbild, das die Tragik der vorausgegangenen Geschehnisse binnen Sekunden ziemlich verwässert. Zumal die deutlich von 70er-Jahre-James-Bond-Soundtracks inspiriert wirkende Musik von Michael Melvoin sowieso schon den ganzen Film über weniger das Leid als die Bond-Girl-Qualitäten der gekidnappten Protagonistin zu unterstreichen scheint – und wenn man dann die letzten Bilder des Films sieht und die Musik dazu hört, möchte man wirklich glauben, das genauso schon einmal bei 007 gesehen zu haben. Nicht zuletzt wäre der Film aber vielleicht vor allem dann insgesamt glaubwürdiger, fiele es Michael Caine nicht schon zu Beginn recht schwer, die Sorge um seine Frau glaubwürdig zu spielen. Stattdessen wirkt er recht gelassen und zeigt erst später glaubhafte Emotionen, als einer Reihe von Kindern der Tod in der Wüste droht. Vielleicht schiene die Bedrohung auch größer, wäre Peter Ustinov nicht selbst als Schuft – durch seine augenzwinkernde Interpretation der Rolle – immer noch so verdammt sympathisch. Einmal ganz davon abgesehen, dass Beverly Johnson absolute Schwierigkeiten hat, den Niedergang ihrer Figur nachvollziehbar zu spielen, was sich spätestens in der wirklich schwach umgesetzten Szene zeigt, in der sie schließlich übermüdet zum Verkauf steht.

Wenn Suleiman Gefangene macht, werden es Sklaven

Kuriose Anekdoten wie die, dass es beim Dreh teils so heiß war, dass sogar ein Kamel über Michael Caine zusammenbrach und ihn unter sich begrub, woraufhin dieser zu bedenken gab, ob es nicht etwas viel verlangt gewesen sei, von ihm zu erwarten, in dieser Hitze als Schauspieler tätig zu sein, wenn selbst ein Kamel schon aufgrund von Hitze kollabierte, komplettieren das Bild. Dem Regisseur Richard Fleischer („Sensation am Sonnabend“), der früh in der Produktionsphase seinen Kollegen Richard C. Sarafian ersetzt hatte, machte die Hitze schließlich gar so sehr zu schaffen, dass er ins Krankenhaus musste. Die Tatsache, dass der durchaus korpulente Peter Ustinov sich hingegen weder vor diesen Drehorten scheute noch ein paar Monate früher vor seinem ersten Einsatz als Hercule Poirot in „Tod auf dem Nil“ (1978), nachdem sein Vorgänger Albert Finney – unter anderem aus Unbehagen, aufwendig geschminkt und kostümiert in der Hitze drehen zu müssen – abgelehnt hatte, zeigt den Weltmenschen Ustinov. Darauf, dass es bei der Produktion teilweise ziemlich drunter und drüber gegangen sein dürfte, weist außerdem eine Anekdote um Rex Harrison hin, der zu einem Dreh in Israel anreiste und am Flughafen, buchstäblich bestellt und nicht abgeholt, schließlich entschied, wieder nach Amerika zurückzufliegen.

Sei cool, sei wie Malik!

Angesichts aller Widrigkeiten und angesichts des großen Staraufgebots, hat es etwas Erfreuliches, dass am Ende vor allem die Figur des Malik positiv im Gedächtnis bleibt, denn der wurde inmitten vieler etablierter Stars von einem gespielt, dessen internationale Karriere erst am Anfang stand: Kabir Bedi hatte sich in seiner Heimat Indien bereits einen Namen erarbeitet und war durch die Sandokan-Miniserie „Der Tiger von Malaysia“ (1976) auch in Europa bekannt geworden. „Ashanti“ war einer seiner ersten Versuche, an der Seite großer Hollywood-Stars zu landen, wenngleich der Film streng genommen keine Hollywood-Produktion ist, sondern offenbar mit europäischen Geldern finanziert wurde, durch die Besetzung aber natürlich dennoch in wesentlichen Belangen Hollywood atmet. Bedi spielt in seinen Szenen nicht nur Michael Caine an die Wand, sondern stiehlt letztlich regelrecht den Film, da seine Figur den konsequentesten und vor allem konsistentesten Eindruck macht. Dieser Malik hat etwas Aufrichtiges an sich, etwas, das abgesehen von den afrikanischen Nebendarstellern und Statisten, einfach am ehrlichsten inmitten der oft reichlich konstruierten Story wirkt. 1979 – im Jahr des Erscheinens von „Ashanti“ – wurde Kabir Bedi aus verständlichen Gründen in Deutschland mit dem „Bravo Otto“ ausgezeichnet; er zeigt in diesem Film einmal mehr, dass er große Star-Qualitäten hatte und auch in den USA diverse richtige Hauptrollen im Kino verdient gehabt hätte. Zunächst war Omar Sharif für die Rolle des Malik vorgesehen, der dann aus terminlichen Gründen in einer kleineren Rolle besetzt wurde, die man dafür allerdings etwas erweitern musste, damit sie einem Weltstar dieses Formats wenigstens einigermaßen gerecht wurde. Leider sieht man im finalen Film, dass dies recht notdürftig vonstattenging.

Die Meisterhaftigkeit der Routine von Legenden

Die deutsche Synchronfassung hinterlässt einen durch und durch guten Eindruck. Der mittlerweile 91-jährige Jürgen Thormann tritt heute noch als Stammsprecher von Michael Caine in Erscheinung – wie schon damals in „Ashanti“ und noch früher. Zudem macht es Freude zu hören, wie viel Spaß Horst Niendorf offenkundig damit hatte, mit den vielen Nuancen und Manierismen des Peter Ustinov stimmlich zu spielen. Auch, dass hier nach relativ langen Unterbrechungen mit Heinz Engelmann und Friedrich Schoenfelder noch einmal die früheren Stammsprecher von William Holden und Rex Harrison reaktiviert wurden, zeugt von besonderer Liebe zum Detail.

Belohnungsknochen für erzwungene Liebesdienste

Auf DVD erscheint der Film nun mittlerweile zum wiederholten Male in Deutschland, wenngleich die Zeiten der „Letterbox“ nun der Vergangenheit angehören, von Pidax allerdings zum ersten Mal. Was nun gegenüber der letzten Veröffentlichung in den USA noch fehlt, ist das Blu-ray-Format und das ausführliche Interview mit Beverly Johnson im Bonusmaterial. Auch die vorherige deutsche DVD aus dem Hause EuroVideo hatte an Bonus nichts zu bieten, dieselben Sprachfassungen und ebenfalls keine Untertitel – wie die jetzige Pidax-Version.

Unter dem Strich bleibt ein Film, den ich mir trotz all seiner offensichtlichen Mängel aufgrund der Schauspieler immer wieder gern ansehe und der trotz aller trashigen Elemente doch auch den einen oder anderen Moment der Tragik und Aufrichtigkeit hat, der im Gedächtnis bleibt. Zwar wird „Ashanti“ der Brisanz des Themas inhaltlich nicht gerecht, das Abenteuer genügt aber aufgrund der großen Namen allemal, um die Aufmerksamkeit in die richtige Richtung zu lenken, und hat außerdem ein paar gute schauspielerische Statements zum Thema Doppelmoral im Gepäck. Und was die Musik anbelangt, ist immerhin nicht zu verleugnen, dass sie gut ins Ohr geht, auch wenn man sich spätestens am Ende dann doch fragt, ob man im richtigen oder im falschen Film war. „Ashanti“ mag vieles fehlen, aber der Film besitzt eine Kernkompetenz, die vielen anderen, teils viel höher trabenden Filmen fehlt: die Fähigkeit, schnörkellos zu unterhalten, eine Story ohne Längen, recht zügig vorangehend zu erzählen – mögen die Mittel auch nicht die besten sein. Der Film ist von einer ständigen Vorwärtsbewegung gekennzeichnet und kommt dabei über fast zwei Stunden hinweg sogar weitestgehend ohne das Nachheizen mit dem Gaspedal reißerischer, wilder Actionszenen aus. Es gibt da so einige mit Anlauf oder wichtigtuerischer künstlerischer Attitüde gescheiterte Produkte der Filmgeschichte, deren Machern man „Ashanti“ gern einmal vorführen würde, nur um zu sagen: „Schaut euch das an … dieser Film macht unglaublich viel falsch und trotzdem versteht er es wenigstens viel besser, das Publikum abzuholen und nicht hoffnungslos kaputt zu langweilen als ihr.“ Ob das mit der Erfahrung des hier aufgefahrenen Schauspielerensembles im Gepäck nun eine Kunst ist oder nicht, wenn zumindest noch der Kameramann einen ordentlichen Job macht – wie hier Aldo Tonti –, steht auf einem anderen Blatt. Aber spielt es eine Rolle, ob es Kunst ist oder nicht?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Caine und Peter Ustinov sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Kann man mit Kamelen in der Wüste in den Sonnenuntergang reiten?

Veröffentlichung: 5. April 2019 als DVD, 28. Oktober 2010 als DVD, 1. Oktober 2001 als DVD

Länge: 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Ashanti
CH 1979
Regie: Richard Fleischer
Drehbuch: Stephen Geller, nach einem Roman von Alberto Vázquez-Figueroa
Besetzung: Michael Caine, Peter Ustinov, Kabir Bedi, Beverly Johnson, Rex Harrison, Zia Mohyeddin, William Holden, Omar Sharif, Marne Maitland, Eric Pohlmann
Zusatzmaterial: keins
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2019 Pidax Film

 

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