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John Wick – Kapitel 3: Vom Auftragskiller im Ruhestand

John Wick: Chapter 3 – Parabellum

Kinostart: 23. Mai 2019

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // John Wick (Keanu Reeves) hetzt durch die Straßenschluchten von Manhattan. Weil er in der für derlei Taten verbotenen Zone des Hotels „The Continental“ einen italienischen Mafioso erschossen hatte, wurde ein Kopfgeld von 14 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt – siehe die Ereignisse von „John Wick – Kapitel 2“ (2017). Dem Auftragskiller im Ruhestand bleiben nur noch wenige Minuten, bis die weltumspannende Gangsterorganisation um Punkt 18 Uhr die Jagd auf ihn offiziell eröffnet – in einem börsenähnlichen Saal wird er zum „Excommunicado“ erklärt. Wicks Ex-Kollegen wetzen bereits zuhauf die Messer und laden ihre Pistolen durch. Hinter jeder Ecke lauert der Tod.

John Wick treibt bei …

Mit dem Erstling „John Wick“ etablierten Regisseur Chad Stahelski und Titeldarsteller Keanu Reeves 2014 den des Tötens müden Auftragsmörder, der sich einfach nicht von den Fesseln seiner Vergangenheit befreien kann. Dank knallharter Action sowie der Starpower des Hauptdarstellers und diverser namhafter Nebendarsteller gewann der Film weltweit die Herzen von Genrefans, sodass den Fortsetzungen nichts im Wege stand. Hollywoods Gesetzmäßigkeiten und die Berechenbarkeit des Publikums brachten somit das nächste Franchise hervor. Bemerkenswert, dass Chad Stahelski außer den drei „John Wick“-Filmen bislang keine Regiearbeiten vorzuweisen hat. Nach aktuellem Stand wird er bei der „Highlander“-Neuverfilmung auf dem Regiestuhl sitzen. Der Kickboxer hat im Filmgeschäft zuvor in erster Linie als Stuntman und Stunt-Koordinator gearbeitet und mehrfach Keanu Reeves gedoublet – die beiden kennen einander seit der „Matrix“-Trilogie.

… „The Director“ eine alte Schuld ein

Kein Wunder also, dass der Fokus bei allen drei „John Wick“-Filmen auf Action liegt. Als Story-Unterbau fungiert der Mythos einer globalen Verbrecherorganisation – die „Hohe Kammer“ überwacht wie ein Krake die ganze Welt, vor ihr gibt es kein Entkommen. Ohne dass das bis ins Detail erläutert wird, entsteht der Eindruck, dass es sich dabei um eine Art Dachorganisation handelt, unter der die bekannten kriminellen Syndikate wie Camorra, Cosa Nostra (Mafia), Russenmafia, Triaden, Yakuza und andere aufgehängt sind, deren Killer ihre tödliche Arbeit nach einem kruden Kodex verrichten. Dass Verbrecher trotz ihres höchst unmoralischen Tuns fragwürdige Ehrbegriffe pflegen, kennen wir ja zur Genüge. Ob das alles der logischen Weisheit letzter Schluss ist, kann dahingestellt bleiben, bei all den Schusswechseln, Messerstechereien, Schlägereien und Verfolgungsjagden lassen sich Logiklöcher ignorieren, sofern man überhaupt in der Lage ist, sie angesichts des höllischen Tempos aller drei Filme wahrzunehmen.

Eins hat mich dennoch gestört – das Phänomen ist in derlei Filmen oft zu bemerken: Zwar wird John Wick als der absolut beste Auftragskiller etabliert, was seine Überlegenheit gegenüber den Konkurrenten erklärt. Aber zum einen ist er in den Jahren zuvor bereits außer Dienst gewesen und dürfte daher etwas eingerostet sein, zum anderen werden alle seine Gegner ebenfalls als mit Waffen oder ihren Körpern top ausgebildete Kampfmaschinen gezeichnet. Doch obwohl sie teilweise in großer Überzahl auf John Wick losgehen und ihm zudem immer wieder äußert schmerzhafte Treffer zufügen, gelingt es ihm jedes Mal aufs Neue, die Oberhand zu behalten. Wenn es von allen Seiten Kugeln hagelt, treffen diese in aller Regel immer nur die anderen; John muss zwar ebenfalls einstecken, lässt sich dadurch aber nicht außer Gefecht setzen. Aber vielleicht sollte ich beim Thema Glaubwürdigkeit einfach nicht päpstlicher als der Papst sein.

Vivaldi!

„John Wick – Kapitel 3“ ist gespickt mit Anspielungen und Zitaten, die nicht alle einfach zu erkennen sind – von Buster Keaton bis „The Raid“ finden sich einige Referenzen. Der Score folgt üblichen Pfaden von Actionfilm-Soundtracks, pausiert kaum einmal und fügt sich immerhin anständig und nicht allzu aufdringlich ein. Den absoluten Höhepunkt bildet ein einziges klassisches Stück – zugegeben einer meiner persönlichen Favoriten: Wenn unmittelbar vor dem Showdown kurz Ruhe vor dem Sturm herrscht, legt Hotelmanager Winston (Ian McShane) genüsslich eine Vinyl-Schallplatte auf, es ertönt der erste Satz des Winters aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ – das Allegro non molto. Ganz wunderbar und mit seiner Steigerung perfekt das Geschehen untermalend. Mich wundert, wie selten gerade in Actionfilmen klassische Musik eingesetzt wird, bietet sie doch Vielfalt und Dynamik in Hülle und Fülle. An sich müsste es auch nicht an alten Aufnahmen mangeln, die womöglich schon gemeinfrei sind und daher Kosten sparen – da befinde ich mich aber auf dem Terrain gefährlichen Halbwissens.

„The Adjudicator“ greift ein …

In seiner Rezension des zweiten Teils bemängelte Autor Andreas bezüglich der Actionszenen die fehlende Abwechslung. Davon kann in „John Wick – Kapitel 3“ keine Rede sein, die Action sprüht vor Ideen, auch die Martial-Arts-Einlagen überzeugen mit Vielfalt. Wer szenische Spoiler gern vermeidet, möge die beiden folgenden Absätze überspringen, weil ich ein paar Beispiele nenne.

Ab hier zwei Absätze mit szenischen Spoilern

So kommt es recht früh zu einem Messerkampf sondergleichen, bei dem sich sowohl John Wick als auch seine Gegner aus in Vitrinen ausgestellten Messern bedienen und diese als Wurfgeschosse in einem Tempo einsetzen, das Schusswechseln in nichts nachsteht. Etwas später führt seine Flucht den Protagonisten in einen Stall der New Yorker Kutscher, wo sich John zwischen diversen Pferden seiner Kontrahenten erwehrt und dabei auf clevere Weise die Neigung der Reittiere zum Ausschlagen nach hinten einsetzt – sehr schmerzhaft anzuschauen. Als ein Highlight geht durch, dass John Wick im marokkanischen Casablanca während eines Kampfs Unterstützung nicht nur von seiner alten Freundin (oder Kollegin) Sofia (Halle Berry) bekommt, sondern auch von ihren beiden scharfen belgischen Schäferhunden, die auf Kommando blitzschnell über ihre Opfer herfallen. Zum Finale im New Yorker „The Continental“ müssen sich John und der hilfreiche Concierge Charon (Lance Reddick) schließlich einer mit Reisebussen herangekarrten Übermacht erwehren, die allesamt mit schusssicheren Helmen und Klamotten ausgestattet sind. Wie man diese dennoch ausschalten kann, das bekommt das Publikum als großes, brutales Actionkino präsentiert.

Gewaltfans kommen auf ihre Kosten

Apropos brutal: Die Gewalt ist nicht von schlechten Eltern, um es milde auszudrücken. Speziell bei erwähntem Messerkampf zu Beginn kommt es zu Szenen, bei denen die FSK ein Auge zudrücken musste. Tatsächlich sehen wir ein Messer in ein Auge eindringen, John Wick hämmert wiederholt Messer in Schädel, auch eine Axt landet mit Wucht in einem Kopf. Während der zahlreichen Schießereien des Films sind etliche Kopfschüsse aus nächster Nähe zu betrachten, oft zwar im Dunkeln und bei der Rasanz der Inszenierung stets nur kurz im Bild, aber dennoch hart. Über die FSK-18-Freigabe darf sich der Verleih nicht wundern, immerhin erfolgte sie ohne Schnittauflagen.

… und heuert den Sushikoch und Topkiller Zero an

Die vielen Toten zu zählen, dazu war ich während der Pressevorführung des Films nicht in der Lage. Der Body Count mag den der beiden Vorgänger toppen, wozu auch eine Äußerung Chad Stahelskis gegenüber „Entertainment Weekly“ passt, wonach der Regisseur denkt, „the movie’s death count will ,land slightly north‘ of the previous film’s“ (die Zahl der Toten werde leicht höher liegen als beim Vorgänger).

Der trifft in New Yorks Grand Central Station erstmals auf John Wick

Oscar-Preisträgerin Halle Berry („Monster’s Ball“) erwähnte ich bereits, ebenso Ian McShane, 2004 für die Westernserie „Deadwood“ mit dem Golden Globe prämiert, der den umtriebigen Manager des New Yorker „The Continental“ verkörpert. Weitere illustre Namen schmücken die Besetzung: Als in Casablanca ansässiger Gangster ist Jerome Flynn zu sehen, der mit Tyrion Lannisters Kumpel Bronn eine beliebte Figur in „Game of Thrones“ spielt. Laurence Fishburne tritt erneut als New Yorker Gangster Bowery King auf, der John Wick hilft und damit einiges riskiert. Schön auch, endlich mal wieder Anjelica Huston („Die Addams Family“) zu sehen – die Oscar-Preisträgerin („Die Ehre der Prizzis“) sieht sich als „The Director“ genannte Patronin einer osteuropäischen (weißrussischen?) Verbrecherorganisation von John Wick zur Unterstützung genötigt, fühlt sich aber auch der „Hohen Kammer“ verpflichtet. Hier deuten ein paar Bemerkungen auf die Vergangenheit des Killers hin. Stammt er etwa selbst aus Weißrussland? Erwähnt sei auch Asia Kate Dillon („Orange Is the New Black“), die als eiskalte Botschafterin/Schiedsrichterin (im Original: „The Adjudicator“) der „Hohen Kammer“ John Wicks Helfer aufsucht und ihnen die Konsequenzen ihres Tuns veranschaulicht.

Showdown mit Mark Dacascos

Kommen wir last not least zu Mark Dacascos, dem ich nach „Crying Freeman – Der Sohn des Drachen“ (1995) und „Pakt der Wölfe“ (2001) eine größere Karriere gegönnt hätte. Ihn sehen wir als japanischen Sushi-Meister und Spitzenkiller Zero, der John Wick als Vorbild verehrt, was ihn selbstverständlich nicht daran hindert, dem Kollegen gehörig auf den Pelz zu rücken. Die Auseinandersetzung zwischen beiden wird als Showdown aufgebaut und wird dem final auch gerecht.

Auf ihre Hunde lässt Sofia nichts kommen

An sich war geplant und angekündigt, es fürs Kino bei einer Trilogie zu belassen. Die TV-Serie „The Continental“ ist bereits in Vorbereitung, darin wird es um die globale Hotelkette gehen, in der die gedungenen Killer sicheres Terrain finden, weil in den Gebäuden laut Regelwerk keine Missetaten ausgeübt werden dürfen. Mittlerweile ist es zwar alles andere als eine originelle Idee, aus Kinohits Fernsehserien zu machen, angesichts der hohen Qualität vieler aktueller TV-Umsetzungen kann das aber natürlich gut funktionieren. Hoffen wir, dass es den Produzenten gelingt, aus dem in den Kinofilmen etwas stückhaft entwickelten Mythos des nicht greifbaren globalen Gangsterzusammenschlusses eine schlüssige Legende zu stricken, die über eine gesamte Staffel und länger ihrer eigenen Logik treu bleibt.

Fortsetzung folgt?

Chad Stahelski hat im Gespräch mit „Entertainment Weekly“ bereits verlauten lassen, Lust auf und massig Ideen für einen vierten Teil zu haben, zudem endet „John Wick – Kapitel 3“ denkbar offen – und das ganz in der Tradition der Vorgänger, bei denen die Handlung der beiden Fortsetzungen jeweils unmittelbar ans Finale des vorherigen Films anschließt. Im Interview mit dem Filmportal „IndieWire“ hatte der Regisseur zwar geäußert, er und Keanu Reeves hätten bei keinem der Filme erwartet, Fortsetzungen zu drehen, angesichts der massiven Cliffhanger in Teil 2 und 3 erscheint diese Aussage aber als Augenwischerei. Keanu Reeves jedenfalls sagte im Gespräch mit „GQ“, er selbst habe weiterhin Lust auf John Wick und werde die Figur spielen, so weit ihn seine Füße tragen würden, sofern das Publikum danach verlange. Das scheint der Fall zu sein: Wenn man sich allein die für Hollywood wichtigen Einnahmen am US-Startwochenende anschaut, ist festzustellen, dass Teil 3 die beiden Vorgänger deutlich übertrumpft hat – das Interesse an John Wick ist also enorm gestiegen. Wenn wir den Gedanken einmal weiterspinnen, spricht nach einem etwaigen „John Wick – Kapitel 4“ nichts gegen Prequels à la „John Wick – Der erste Auftrag“ und „John Wick – Der Aufstieg“. Immerhin wurde John Wick schon als Möchtegern-Ruheständler als der Beste seines Fachs geschildert, da bietet ein Blick auf seine aktive Laufbahn einige Möglichkeiten. Das ist jetzt aber wirklich spekulativ, die Filmtitel entspringen einzig meiner Fantasie. Bleiben wir vorerst bei „John Wick – Kapitel 3“, der angetan ist, in Actionfans, die die beiden Vorgänger mögen, Begeisterung hervorzurufen. Insgesamt ist zu konstatieren: Und Action! Aber sowas von.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Laurence Fishburne und Keanu Reeves sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Durch die Wüste

Länge: 130 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: John Wick: Chapter 3 – Parabellum
USA 2019
Regie: Chad Stahelski
Drehbuch: Derek Kolstad, Shay Hatten, Chris Collins, Marc Abrams
Besetzung: Keanu Reeves, Halle Berry, Laurence Fishburne, Mark Dacascos, Asia Kate Dillon, Lance Reddick, Jason Mantzoukas, Anjelica Huston, Ian McShane
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Concorde Filmverleih GmbH

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Tränen der Sonne – Bruce Willis als Retter in Nigeria

Tears of the Sun

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Militärputsch in Nigeria: General Mustafa Yakubu (Kanayo Chiemelu) dringt mit seinen Soldaten in den Präsidentenpalast ein und lässt Präsident Samuel Azuka (Howard Mungo) ermorden. Im ganzen Land bricht sich die Gewalt Bahn, als die siegreichen muslimischen Rebellen vom Volk der Fulani aus dem Norden ihren Triumph auskosten. Die christlichen Ibo aus dem Süden des Landes müssen einen Völkermord fürchten. Die UNO sieht tatenlos zu, während die USA bereits die Evakuierung ihrer Botschaft in Angriff nehmen.

Mission im Regenwald

Eine von Lieutenant Waters (Bruce Willis) geführte Einheit US Navy SEALs (u. a. Eamonn Walker, Cole Hauser) erhält einen Spezialauftrag: die Rettung der amerikanischen Ärztin Dr. Lena Fiore Kendricks (Monica Bellucci) und ihrer Mitarbeiter von der abgelegen im Regenwald platzierten St. Michael’s Mission. Die Elitesoldaten haben dabei die klare Anweisung, ihre Waffen nur zur Selbstverteidigung einzusetzen und nicht aktiv in Kämpfe einzugreifen – so die Regeln zum „Verhalten bei Feindberührung“ („Rules of Engagement“).

Nicht ganz einig: Dr. Kendricks (l.) und Lieutenant Waters

Das Ziel ist zügig erreicht, doch als Dr. Kendricks erfährt, dass Waters Order hat, ausschließlich die Ausländer zu retten und einheimische Mitarbeiter sowie Patienten zurückzulassen, reagiert sie stur. Folge: Waters und seine Männer machen sich mit 70 Schützlingen auf den gefahrvollen Weg.

Einige Elemente der Bürgerkriegs-Ausgangssituation sind möglicherweise vom Biafra-Krieg (1967–1970) inspiriert, die Handlung spielt jedoch nicht in der Zeit des Konflikts. US-Soldaten präsentieren sich auf fremdem Territorium als Retter – nun ja. Kritik an amerikanischen Militäreinsätzen im Ausland war offenbar nicht die Intention von „Tränen der Sonne“, das hat der Film mit den kurz zuvor entstandenen „Black Hawk Down“ (2001) und „Wir waren Helden“ (2002) gemeinsam. Haken wir die politische Aussage des Films also gleich ab und wenden wir uns dem Titel zu: „Tränen der Sonne“ – geht’s noch pathetischer? Immerhin sind diesmal keine deutschen Titel-Verhunzer verantwortlich, der Originaltitel „Tears of the Sun“ bedeutet dasselbe. Der getragene Score trägt das Seine zum Pathos bei. Kaum mal ein Moment ohne Hans Zimmers streicherdominierten Klänge. Bei all der Action spielt „Tränen der Sonne“ doch auch sehr auf der Gefühlsklaviatur. Und es sei eingestanden: Es funktioniert! In einigen emotionalen Szenen kommen wir den Figuren recht nah – lediglich Bruce Willis bleibt auf Distanz und gibt die coole Socke.

Waters (r.) führt eine heikle Mission an

Für HD-Fans unerfreulich: Der gut 21 Minuten längere Director’s Cut ist hierzulande nur auf DVD erschienen, auf Blu-ray gibt’s nur die Kinofassung. Die längere Version gibt „Tränen der Sonne“ durchaus mehr Tiefe und Differenzierung. Für einen genauen Vergleich der Unterschiede sei auf den Schnittbericht verwiesen.

Vom Regisseur von „The Equalizer“

Für den Musikvideo-Regisseur Antoine Fuqua war „Tränen der Sonne“ der dritte Spielfilm nach „Bait – Fette Beute“ (2000) und „Training Day“ (2001). Mit Regiearbeiten wie „Shooter“ (USA 2007), „The Equalizer“ (USA 2014) nebst Fortsetzung sowie dem Western-Remake „Die glorreichen Sieben“ (USA 2016) hat er sich fest im Actiongenre etabliert. „Tränen der Sonne“ reiht sich mit stylischer, auf visuell hohem Niveau inszenierter Action gut in Fuquas Filmografie ein. Die Gewalt ist dabei hart, wird aber nicht als Exploitation präsentiert. Als Kriegs-Action empfehlenswert, als Kriegsdrama mit Einschränkungen.

Sie Navy SEALs geraten in Bedrängnis

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Antoine Fuqua sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Bruce Willis in der Rubrik Schauspieler.

Es wird brenzlig

Veröffentlichung: 14. November 2006 als Blu-ray (Kinofassung), 22. November 2007 als DVD im Steelbook (Director’s Cut), 6. September 2005 als DVD (Director’s Cut), 10. Februar 2004 als DVD (Kinofassung)

Länge: 121 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 137 Min. (DVD, Director’s Cut), 116 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Tears of the Sun
USA 2003
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Alex Lasker, Patrick Cirillo
Besetzung: Bruce Willis, Cole Hauser, Monica Bellucci, Eamonn Walker, Tom Skerritt, Johnny Messner, Nick Chinlund, Charles Ingram, Paul Francis, Chad Smith, Malick Bowens, Akosua Busia, Kanayo Chiemelu, Howard Mungo, Peter Mensah
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © Sony Pictures Home Entertainment

 

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Battalion – Schlachtfeld Erde: Aliens greifen mal wieder an

Battalion

Von Lucas Gröning

SF-Action // Denken wir an die großen Kriegsfilme oder Antikriegsfilme, kommen uns viele zeitlose Klassiker in den Sinn. „Apocalypse Now“, „Platoon“, „Full Metal Jacket“, „Der Soldat James Ryan“, auch aktuellere Filme wie „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ und „Dunkirk“ sind zu nennen. Gleichermaßen denken wir an Werke, welche dieses Genre in völlig andere Welten verlagerten: Die „Star Wars“-Saga, die „Terminator“-Reihe, „Starship Troopers“ und „Independence Day“ sind passende Beispiele. Michael Millers „Battalion – Schlachtfeld Erde“ merkt man an, dass der Regisseur all diese Filme kennt, und doch sehen wir hier etwas vollkommen anderes.

Angriff aus dem All

Worum geht es in „Batallion“? Sieben Monate zuvor haben Aliens die Erde angegriffen, auf der Oberfläche des Planeten tobt ein gewaltiger Krieg um die Vorherrschaft. Die jungen Rekruten John Blake (Jesse Richardson), Tracy Gleeson (Ellen Williams) und Chris Jackson (Michael Thomson) melden sich freiwillig beim US Marine Corps, um die Invasoren zurückzuschlagen. In Rückblenden bekommen wir zusätzlich die Gründe und Motivationen für diesen Schritt präsentiert. Tracy etwa hatte einen Bruder, welcher im Krieg gefallen ist, und John fand nach dem Tod seiner Familie keinen anderen Sinn mehr im Leben, als dabei zu helfen, die Außerirdischen zu bekämpfen. In der Folge werden die Rekruten ausgebildet und bald schon in den Kampf gegen den Feind geschickt.

Wirklich, wirklich schlecht

Soweit zur Story – reden wir über die Qualitäten des Films. Diese sind auf den ersten Blick schwer auszumachen. Die unglaublich banale Geschichte steckt voller Logiklöcher. Die Motivationen der einzelnen Charaktere wirken teils komplett unglaubwürdig. Alle Personen, die wir im Verlauf der Handlung treffen, sind reine Stereotypen ohne irgendeinen authentischen Charakter. Wir haben den mutigen, strahlenden Helden, den harten, strengen Ausbilder, die attraktive, dauerkichernde Blondine und den jungen Soldaten, welchem alles zu viel ist und welcher an dem enormen Druck zerbrechen wird. Die Leistungen der Schauspieler sind durch die Bank mies, ihre Synchronisation ist ebenfalls missglückt. Die Actionszenen sind teilweise schlecht geschnitten und die darin auftauchenden Effekte sind absolut furchtbar – man achte besonders auf Explosionen und die Darstellung der Alien-Roboter. Schnell kommt man zu dem Fazit, dass es sich hier um ein überaus mieses Machwerk handelt.

Gegenwehr

Doch dieses Miese ist kalkuliert. Bei „Battalion – Schlachtfeld Erde“ handelt es sich um einen klassischen Trashfilm, bei dem man die Geschichte getrost vergessen und sich ganz an der Schlechtheit des Films ergötzen kann. Ein Film, in dem so gut wie nichts stimmt, der aber dennoch zu unterhalten weiß. Man schaut dieses Werk nicht wegen einer tiefgründigen Story oder herausragender darstellerischer Leistungen, sondern einzig und allein wegen des Spaßes, den man hat, wenn man sich den nächsten furchtbaren Dialog und die nächste schlechte Actionsequenz anschaut. Dahingehend funktioniert der Film wunderbar, doch leicht übersieht man, dass der Film eigentlich mehr ist, als das. „Battalion“ ist mehr als einfach nur ein Trashfilm – er ist ein Plädoyer für Trash und eine Absage an die Notwendigkeit von Sinnhaftigkeit im Medium an sich.

Ein riesiges Zitat

Eingangs wurde erwähnt, dass man dem Film seine Kenntnis der Historie des Kriegsfilms und seiner verschiedenen Abzweigungen anmerkt. Nun, er kennt diese nicht nur, sondern zitiert sie teilweise eindeutig. Man denke nur an die Szene, in der die Rekruten ihrem Ausbilder begegnen. Dessen grober Umgang mit den Anwärtern und die Kameraperspektive, aus der die Szene aufgenommen wurde, erinnern klar an „Full Metal Jacket“, auch wenn der Härtegrad der sprachlichen Variationen nicht an die Worte herankommt, welche Gunnery Seargent Hartman in Stanley Kubricks Klassiker findet. Weiterhin sehen wir gleich zu Beginn eine Szene, in welcher John Blake in einer Militäruniform aus dem Wasser kommend einen Strand betritt. Sowohl der Blick der Kamera als auch die Farbästhetik lehnen sich hier an eine Szene aus Christopher Nolans „Dunkirk“ an. Auch die Angriffsflieger der Aliens scheinen wir irgendwoher zu kennen. Ihr Design erinnert an „Star Wars“und „Independence Day“, genauso wie ihre Anzahl in den jeweiligen Bildern und ihre Flugeigenschaften. Zitate dieser Art finden wir in Michael Millers Werk am laufenden Band. Auch andere berühmte Vertreter dieser Genres finden hier Erwähnung. So sehen wir mehrere Bilder, welche Erinnerungen an „Apocalypse Now“, „Platoon“, „Starship Troopers“, „Der Soldat James Ryan“, „Troja“ und andere in uns hervorrufen. Doch der Film beschränkt sich in seinem Zitieren von fiktionalen Werken nicht allein auf das Medium Film. In den Schlachtenszenen erinnert die Ästhetik des Films stark an Videospiele. Die Modelle von Häusern, Natur, Uniformen, aber auch der Alien-Roboter nehmen direkt Bezug zu Shooterspielen, deren Entwicklung mit dem Aufkommen und Etablieren der 3D-Technik in diesem Gaming-Genre einherging. „Halo“ oder „Ghost Reacon“ sind hier prominente Beispiele an die wir denken müssen. Warum aber zitiert der Film in einem derart großen Maße andere fiktive, digitale Werke?

Zwischendurch ein Sonnenbad

Der Grund ist einfach. „Battalion“ macht damit uneingeschränkt klar, dass es sich bei der Rezeption des Werkes um eine rein fiktive Erfahrung handelt. Durch das permanente Zitieren von Szenen, Momenten und einer generellen ästhetischen Darstellung, die wir so bereits aus zahlreichen anderen Werken kennen, wird klar, dass es sich hier um etwas handelt, was in keinster Weise Bezug zur Realität nimmt. Die Kriegs- oder Antikriegsfilme hingegen, die der Film zitiert, tun dies ständig. Die Darstellung historischer Ereignisse – in diesen Fällen Kriege – macht es unmöglich, sich nicht in irgendeiner Form zu diesen Ereignissen zu positionieren – egal ob auf politischer Ebene oder ob man eine Bewertung der Grausamkeit der gezeigten Geschehnisse vornimmt. Auch das ernsthafte Darstellen von fiktionalen militärischen Auseinandersetzungen bewahrt einen Filmemacher davor nur bedingt, sind diese Kriege doch meist als direkte Referenz zur Realität zu sehen. Der Film „Battalion – Schlachtfeld Erde“ jedoch geht dieser Verantwortung aus dem Weg, indem er uns zum einen einen fiktionalen Krieg zeigt, der keinen Bezug zur Realität, sondern nur zu anderen fiktionalen Werken nimmt, und den vorhandenen Stoff zum anderen in einen Trashfilm packt. Die Ereignisse werden dadurch teilweise so komisch, dass wir uns in keinem Moment an die tatsächliche Grausamkeit der Realität erinnert fühlen, auch weil das Genre des Trashfilmes praktisch dazu einlädt, den Film ohne große philosophische Gedanken einfach zu genießen. So bleibt der Film insgesamt harmlos, abwaschbar und zeigt ganz klar, dass er einfach nur unterhalten will – eine essenzielle Aufgabe fiktionaler Werke, die er immerhin einlöst, sofern man sich nicht vom Trash abgeschreckt fühlt.

Die Frage nach dem Sinn

Die eindimensionale Geschichte, die stumpfen Charaktere, die schlechten Effekte, die gewählte Ästhetik und die Flut an Filmzitaten tragen zu einem ordentlichen Unterhaltungserlebnis bei. Wie bereits erwähnt, suhlt sich „Battalion – Schlachtfeld Erde“ dabei nicht nur in der Sinnlosigkeit seiner Handlung, er plädiert sogar dafür, dass Sinnhaftigkeit nicht notwendig ist und verteidigt somit auch seine eigene Existenz. In einem Gespräch zwischen den Rekruten Tracy und John macht Tracy die Sinnlosigkeit der ganzen Operation zum Thema. John entgegnet ihr mit der Frage, ob es überhaupt einen Sinn brauche. Diese Frage kann man auch auf den Film an sich beziehen und „Battalion“ beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. Es braucht keine sinnvollen Zusammenhänge für die schlichte Aufgabe, die sich der Film gestellt hat: pure, anspruchslose Unterhaltung. Und damit hat er vollkommen recht! Trash hat allein durch seinen Unterhaltungswert bereits eine Existenzberechtigung, auch wenn er teilweise komplett sinnlos ist. Natürlich erreicht der Film dabei trotzdem in keinem Moment den Unterhaltungswert, den die Filme bieten, die er so zahlreich zitiert, von der Tiefe und Vielschichtigkeit ganz zu schweigen. Dennoch schafft er es, zu unterhalten und dabei zugleich ein Plädoyer für sinnlosen Trash zu bieten und den universellen Anspruch von Sinn in der Fiktion zu negieren. Wer also recht anspruchslose, aber unterhaltsame Trash-Action sucht, kann zugreifen. Wer allerdings nur ein Minimum an Anspruch sucht, sollte die Finger von „Battalion – Schlachtfeld Erde“ lassen.

Dann wieder Gegenwehr

Veröffentlichung: 4. April 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Battalion
AUS 2018
Regie: Michael Miller (als Mike Holligan)
Drehbuch: Michael Miller (als Mike Holligan)
Besetzung: Ellen Williams, James Storer, Jesse Richardson, Kylie Loveday, Michael Thomson, Samuel Peacock, Darrell Plumridge, Katie Anderson, Naveen Varghese, Kyal Scott, Lauren Lee Innis-Youren
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Lucas Gröning

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 Tiberius Film

 
 

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