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The Death Kiss – Mord vor laufender Kamera

The Death Kiss

Von Ansgar Skulme

Krimi // Die Dreharbeiten an dem Film „The Death Kiss“ neigen sich dem Ende zu, als es mitten in einer Szene plötzlich zu einem tödlichen Zwischenfall kommt. Schnell wird klar, dass es sich nicht um einen unglücklichen Zufall oder versehentlich ans Set gelangte scharfe Munition gehandelt haben kann. Zwei polizeiliche Ermittler (John Wray, Wade Boteler) versuchen, das komplizierte Geflecht an Personen vor und hinter der Kamera zu entwirren. Aber auch der Krimi-Drehbuchautor Franklyn Drew (David Manners) wagt sich an die Lösung des Mysteriums, um die Hauptverdächtige Marcia Lane (Adrienne Ames) zu entlasten.

Drew (M.) mischt sich mit Freude in die Ermittlungsarbeit der Polizei ein

Wer sich an klassischen Schwarz-Weiß-Krimis mit Täterrätsel erfreuen kann, in denen Spannung aber auch Humor wesentliche Rollen spielen, kommt mit „The Death Kiss“ bestens auf seine Kosten – dieses Crime-Subgenre hielt sich bis weit in die 60er-Jahre hinein gut im Geschäft, der vorliegende Film von 1932 ist ein früher Tonfilm-Vertreter. Das Regiedebüt von Edwin L. Marin („Die Todesschlucht von Arizona“, 1950) wurde zwar als gruseliges Bela-Lugosi-Horrorvehikel beworben, um vom Erfolg seiner „Dracula“-Rolle zu profitieren, doch hinter dem Etikettenschwindel verbirgt sich ein sehr unterhaltsamer Krimi mit gut aufgelegten Darstellern – darunter David Manners, der die eigentliche Hauptrolle spielt, und Edward Van Sloan, die beide bereits in „Dracula“ an Lugosis Seite zu sehen waren. Bela Lugosi spielt, bei Licht betrachtet, nur eine der etlichen tatverdächtigen Nebenfiguren, ohne künstlich in den Vordergrund inszeniert zu werden. Das Konzept, einen Mord aufzuklären, der vor laufender Kamera geschah und somit immer wieder betrachtet werden kann, zeigt sich schon hier als reizvolle Grundkonstellation.

Lass sie mal machen – es sind doch Profis!

Auffällig ist, dass ich sowohl David Manners als auch Edward Van Sloan aus „Dracula“ recht hölzern und unnahbar in Erinnerung habe, obwohl sie in dem Film durchaus wichtige, bekannte Rollen spielten. In „The Death Kiss“ wirken beide allerdings schon nach wenigen Momenten wie ausgewechselt. Wenn sich Van Sloan, der den Regisseur des Films im Film spielt, das erste Mal nachdenklich aus seinem Regiestuhl erhebt und danach zu seiner Crew spricht, ist da sofort eine völlig andere, souveräne Leinwandpräsenz. Auch David Manners ist plötzlich weit mehr als nur ein Schönling, der zum Gutaussehen da ist, und zeigt ungeahnte, verschmitzte schauspielerische Qualitäten, zum Beispiel im Zusammenspiel mit dem sehr begabten, für die meisten Lacher zuständigen Vince Barnett, der in seiner Rolle als Studio-Polizist tapsig versucht, dem ermittelnden Autor zur Hand zu gehen. Nicht zuletzt erliegt Marin Gott sei Dank nicht der Versuchung, Lugosi, zumindest wann immer er denn mal im Bild ist, sofort plakativ als besonders finster und verdächtig in Szene zu setzen und dabei mit teils abstrakten, deplatziert albernen Kameraeinstellungen zu arbeiten wie später einige seiner Regiekollegen. Natürlich hätten derartige Fährten bestens zur irreführenden Plakatwerbung gepasst, die für „The Death Kiss“ gemacht wurde, und es gibt durchaus Filme, bei denen man den Eindruck hat, dass fortwährend versucht wird, Lugosi in verkrampftester Art und Weise möglichst auffallend mysteriös wirken zu lassen, auch wenn es teilweise alles andere als Not tut und stattdessen schnell einmal sehr überkandidelt sowie unfreiwillig komisch anmutet. Aber um das alte Sprichwort „Weniger ist manchmal mehr!“ von Grund auf nachvollziehen zu können, genügt es letzten Endes eben wirklich, einfach die Filme von Bela Lugosi zu betrachten, die von großer Kunst bis zu inszenatorischem Totalversagen – auch schon vor seiner Zusammenarbeit mit Ed Wood – die ganze Bandbreite des Möglichen aufzeigen, was man mit einem Star und seinem Image so alles anstellen und verschlimmbessern kann.

Avery weiß, wie der Hase läuft

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Edwin L. Marin beim Umgang mit seinen Schauspielern alles in allem auch schlichtweg einen wesentlich ergiebigeren Job machte als der, wie ich finde, generell sehr überbewertete Tod Browning, der zuvor bei Lugosis berühmtestem Vampir-Auftritt in „Dracula“ im Regiestuhl saß, und dort eben auch David Manners und Edward Van Sloan unter seiner Fittiche hatte. Die Darsteller in „The Death Kiss“ wirken nicht nur angenehm ungebremst und mit Freiheiten ausgestattet, sondern – mit Ausnahme der Spaßvögel und Trottel – auch ziemlich natürlich, bekommen ihre Momente zum Innehalten und ruhigen Ausspielen einer Situation, ohne dass deswegen aber gleichzeitig wiederum Erzähl- und Schnitttempo verschleppt werden. Es wirkt, als sei es dem Regisseur wichtig gewesen, eine gewisse Form von Naturbelassenheit im Schauspiel deutlich werdend zu bewahren – welche Schauspieltechniken und Varianten, diese in einzelnen Kameraeinstellungen aufzulösen und zur Geltung kommen zu lassen, im damaligen Hollywood nun auch üblich gewesen sein mögen. Selbst Bela Lugosi wirkt natürlich; und das will tatsächlich etwas heißen.

Zudem hat der Film genau die richtige Mischung an Tatverdächtigen, sodass das Täterrätsel bis zum Ende spannend bleibt. Es werden keine entscheidenden Fehler gemacht, die zu einer auffälligen Ungleichmäßigkeit zwischen den einzelnen Figuren führen. Dass ich bei derartigen Filmen den Täter ab einem gewissen Punkt schon allein aufgrund zu weniger Verdächtiger oder aufgrund zu wenig beziehungsweise zu viel Präsenz innerhalb der Geschichte erkannte, ehe alles aufgelöst wird, ist durchaus bereits vorgekommen. Aber „The Death Kiss“ kann das besser.

Das könnte wem bekannt vorkommen

Nette Einblicke hinter die Kulissen damaliger Filmsets bringt der Handlungsort zudem gewissermaßen automatisch, als kostenlosen Bonus mit. Dazu ein paar überraschende Farbeffekte im Schwarz-Weiß-Bild, die damals per Hand koloriert wurden und in ihrer Wirkung kurioserweise zumindest ein bisschen dem Effekt der Mischung von Farbe und Schwarz-Weiß im Bild vorgreifen, der über 70 Jahre später sehr ergiebig von den beiden „Sin City“-Filmen genutzt wurde. Dass die Art und Weise des ersten Todesfalls in „The Death Kiss“ tragisch an den Unfalltod von Bruce Lees Sohn Brandon 1993 am Set von „The Crow“ erinnert, ist ein bitterer Beigeschmack, der dem Film nachträglich aber auch eine gewisse Form ungeahnter Authentizität verschafft, mag er zuvor vielleicht noch eher den Anschein gehabt haben, nichts als reißerisches, aber gut unterhaltendes Popcorn-Kino und eine ziemliche „Räuberpistole“ zu sein. Zuweilen werden Filme einfach in der einen oder anderen Form von der Realität eingeholt. Manchmal leider Gottes, manchmal zum Glück.

Steiner hofft auf Licht im Dunkel

Wem „The Death Kiss“ genauso wie mir gefällt, dem möchte ich ausdrücklich „The House of Fear“ (1939) des österreichischen, in die USA emigrierten Regisseurs Joe May („Asphalt“, 1929) empfehlen. Dort geht es um einen Mord auf einer Theaterbühne, der zur Schließung des Theaters führt – nach einer Weile wird zur Wiedereröffnung dasselbe Stück aus der Mordnacht, mit derselben Besetzung, angekündigt, um den Täter an Ort und Stelle zu entlarven. Vor einigen Monaten wurde diese Produktion in Berlin im Kino wiederaufgeführt und machte mindestens genauso viel Spaß wie „The Death Kiss“ ohnehin schon. Zwei Filme, die für ein Double Feature wirklich wie geschaffen sind. Nicht zu verwechseln übrigens mit dem Sherlock-Holmes-Film „Das Haus des Schreckens“ von 1945, der im Original ebenfalls „The House of Fear“ heißt und ebenfalls von Universal produziert wurde, eine völlig andere Geschichte erzählt, allerdings gleichermaßen zu empfehlen ist. Kurz nach „The House of Fear“ wurde „Der Unsichtbare kehrt zurück“ (1940) als nächster Joe-May-Film und wahrscheinlich seine rückblickend bekannteste Hollywood-Produktion veröffentlicht – einer der seltenen Fälle, in denen eine Fortsetzung zu einem Horrorklassiker in der ertragreichen 30er-/40er-Phase, aus meiner Sicht, sogar den vorausgegangenen ersten Teil der Reihe toppte. Nicht nur, weil Vincent Price als Unsichtbarer in diesem Sequel ein genialer Kunstgriff war, noch bevor Price etliche Jahre später zu dem berühmten Horrorstar wurde, als der er heute immer noch gilt.

Extra auf hohem Niveau

Ostalgica hat „The Death Kiss” im Bonusmaterial von „Das Geheimnis des Dr. Mirakel“ im Originalton mit deutschen Untertiteln auf Blu-ray veröffentlicht. Davon, dass es sich um einen Film handelt, der mittlerweile in Public Domain übergegangen ist, muss man sich hinsichtlich der Bildqualität erfreulicherweise nicht abschrecken lassen. Zwar schwankt die Detailqualität bei Bild und Ton während des Films, es gibt ein paar kleine Sprünge und kurze Asynchronität, was offenkundig alles am nicht gleichmäßig gut erhaltenen Ausgangsmaterial liegt, aber weite Passagen liegen tatsächlich in einer Auflösung vor, wie man sich das für eine Blu-ray-Veröffentlichung eines über 85 Jahre alten Films nur wünschen kann. Das mag zu wenig für heutige Digital-Ansprüche sein, um als sehr alter US-Klassiker und Hauptfilm in Deutschland auf Blu-ray im Alleingang auf den Markt losgelassen zu werden, aber zumindest reicht es locker, um als hervorragendes Extra durchzugehen. Und bei echten Nostalgikern genießen Bild- und Tonqualität sowieso per se nicht oberste Priorität als Maßstäbe, die an einen Filmklassiker angelegt werden. Ansonsten könnte man ja etliche Klassiker, die es einfach nicht mehr in entsprechender Qualität gibt, nie mehr ansehen – wem täte man damit einen Gefallen?

Auch die einstmals per Hand kolorierten, hier möglicherweise in rekonstruierter Fassung vorliegenden Passagen sind auf der Ostalgica-Blu-ray enthalten und fallen nicht einer reinen Schwarz-Weiß-Bildfassung zum Opfer. Angesichts des absolut angemessenen Preises dieser „Classic Chiller“-Edition sollte man sich vor Augen führen, dass man für das Geld eben auch zwei Filme und dazu weiteren Bonus zum Hauptfilm, vom Hörspiel bis zum Audiokommentar, bekommt. Was man in etwa bezahlen würde, würde man beide Filme und das Hörspiel jeweils einzeln auf den entsprechenden Datenträgern erwerben, kann sich zum Vergleich ja jeder selbst ausrechnen. Aus meinem Blickwinkel ist das Veröffentlichungskonzept der „Classic Chiller Collection“ absolut unterstützenswert. Nicht zuletzt, da man mit dem Kauf der Produkte auch seinen finanziellen Beitrag dazu leistet, dass der eine oder andere Klassiker erstmals deutsch vertont wird und somit künftig mehr Menschen erreichen kann. „Deadline – Das Filmmagazin“ hat „The Death Kiss“ im Übrigen bereits 2010 als zweiten Teil der „The Scare-ific Collection“ veröffentlicht. Die DVD kann im Online-Shop der Zeitschrift einzeln oder im Bundle mit anderen Titeln der Reihe bestellt sowie als Aboprämie ausgewählt werden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Bela Lugosi haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 8. November 2019 als Blu-ray, 1. Juni 2010 als DVD („The Scare-ific Collection“ #2 von „Deadline – Das Filmmagazin“)

Länge: 71 Min.
Altersfreigabe: FSK 16 (Freigabe der gesamten Blu-ray, auf der „The Death Kiss“ als Bonus enthalten ist)
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Death Kiss
USA 1932
Regie: Edwin L. Marin
Drehbuch: Barry Barringer, Gordon Kahn, Joe Traub, nach einem Roman Madelon St. Dennis
Besetzung: David Manners, Adrienne Ames, Bela Lugosi, John Wray, Vince Barnett, Alexander Carr, Edward Van Sloan, Harold Minjir, Wade Boteler, Al Hill
Zusatzmaterial: Bonus auf der Blu-ray nur zum Hauptfilm „Das Geheimnis des Dr. Mirakel“
Zusatzmaterial „Scare-ific Collection“ #2: Kapitel 3 und 4 des 12-teiligen SF-Fantasy-Serials „Undersea Kingdom“ (1936)
Label: Ostalgica
Vertrieb: Media Target Distribution GmbH
Label 2010: Deadline – Das Filmmagazin

Copyright 2019 by Ansgar Skulme

Filmplakat: Fair Use, Szenenbilder: Public Domain

 

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Thief – Der Einzelgänger: Der amerikanische Traum im Verbrechen

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Thief

Von Simon Kyprianou

If somebody asked me, “What’s ‘Thief’ to you?” To me, it’s a left-extensionalist critique of corporate capitalism. That’s what „Thief“ is. What is interesting is that no critics in the US got that, no critics in the UK got it. Every critic in France got it when the film came it. It was like this crazy kind of cultural litmus test or something. (Michael Mann)

Actionkrimi // Frank (James Caan) ist ein professioneller Dieb, der nach einer ganzen Zeit im Gefängnis von einem normalen Leben und einer Familie träumt. Er lernt Jessie (Tuesday Weld) kennen, mit der er auch zusammenkommt – zum Familienglück fehlt nur noch ein Baby. Da kann Leo (Robert Prosky) Abhilfe schaffen. Der Chef einer Verbrecherorganisation wirbt Frank für seine Organisation an und verspricht ihm dafür profitablere Jobs und ein Baby vom Schwarzmarkt. Frank bereitet derweil einen großen Raub vor. Zu spät bemerkt er, dass der Deal mit Leo seine Tücken hat.

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Frank arbeitet als Einbrecher in Chicago

„Thief“ wirkt nicht wie der Film eines Debütanten, man merkt ihm Michael Manns vorher im Fernsehen gesammelte Erfahrung an: Es ist ein absolut stilsicherer und selbstbewusster Film, der schon ahnen lässt in welche Richtung Michael Manns Kino gehen wird, ein Kino dem Farben, Formen, Körper und Texturen von Film zu Film immer wichtiger wurden, ein Kino, das bereit war, dafür alles andere hintenanzustellen. Michael Mann hat mal gesagt, er drehe so gern und so oft in der Nacht, weil er dann die volle Kontrolle über das Bild habe, und Johnnie To („Drug War“, „Vengeance“, „Election“), ein mit Mann in vielerlei Hinsicht seelenverwandter Regisseur, hat genau das einmal wunderschön auf den Punkt gebracht: In the day, God controls the light. At night, I control it.

Schon in „Thief“ die typischen Elemente Michael Manns

Die einzelgängerischen Protagonisten, heimatlos und einsam, die sich aber doch nach Geborgenheit und Liebe sehnen, die von ihrer Professionalität erstickt werden, verdammt zum Scheitern, und immer wieder die Szenen am Meer, der Blick der Kamera über das Wasser in die Ferne, und auch immer wieder die blinkenden, gleißenden Lichter einer Großstadt in der Nacht, die sich überall spiegeln und brechen – all das sieht man später immer wieder in Manns Kino: episch ausgebreitet in „Heat“, auf kleinstem Raum und Zeit komprimiert in „Collateral“, in einen vagen digitalen Fiebertraum verwandelt in „Miami Vice“. Aber so roh, unmittelbar und auf den Punkt gebracht wie in „Thief“ war es nie mehr.

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Als er Jessie kennenlernt, wünschen sich die beiden sehnlichst ein Kind

Wer Michael Manns Kino nun aber Kälte vorwirft, der liegt falsch. Die Kälte umhüllt seine Filme nur oberflächlich, wie die gefühllose Oberfläche seiner Figuren sie kalt und schroff wirken lässt, unter der die Ängste, Träume und die Sehnsüchte aber kochen. Die Zärtlichkeit von Manns Kino schlägt sich immer wieder an die Oberfläche, in der herzzerreißend schönen Szene im chinesischen Restaurant beispielsweise. Und nicht umsonst endet der von Gefühlen nur so durchzogene „Miami Vice“ mit einer Metal-Version von Phil Collins‘ „In the Air Tonight“.

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Da kann Leo helfen

Auch musikalisch war Michael Manns Kino immer exquisit: Trevor Jones‘ herrlicher Soundtrack zu „Der letzte Mohikaner“, Moby und Brian Eno auf dem „Heat“-Soundtrack, Sam Cooke bei „Ali“, ganz fantastisch ist besonders die Audioslave-Szene in „Collateral“. Mit „Tangerine Dream“ entschied sich Mann bei „Thief“ ganz bewusst gegen den ursprünglich von ihm angedachten Blues-Soundtrack und für einen modernen Elektro-Sound, den er auch exzessiv verwendet. Bei der fast schon tänzerischen Schießerei am Ende des Films wird „Thief“ zu den Klängen von „Tangerine Dream“ beinahe zu einer Art Action-Musical.

Endlich eine adäquate Edition bei uns – und dann gleich Referenz

Für die Veröffentlichung von OFDb Filmworks war es höchste Zeit, bisher war „Thief“ in Deutschland nur auf einer miserablen DVD mit dem alten deutschen Verleihtitel „Der Einzelgänger“ erhältlich, die eine scheußliche Bildqualität hatte. In den vergangenen Jahren kamen im Ausland erstklassige Editionen heraus, in den USA wurde „Thief“ von der Criterion Collection veröffentlicht, in England von Arrow Video.

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Für Leo erledigt Frank einen Bruch

Man kann konstatieren, dass der aktuellen OFDb-Filmworks-Veröffentlichung keine andere das Wasser reichen kann. Der Film liegt in allen drei verfügbaren Versionen vor – Mann hat über die Jahre abgesehen von der Kinofassung zwei weitere Schnittfassungen erstellt. Das Bild der Blu-rays ist fantastisch, die Box sieht sehr edel aus, dazu gibt es einen aufschlussreichen Essay und einen Audiokommentar von Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger. Obendrein liegt ein kleines Filmposter bei. Natürlich ist die Box auch gespickt mit Extras: Interviews, Auftritte in Fernsehshows, Analysen des Films, ein Audiokommentar von Michael Mann und James Caan, um einige zu nennen. Der Soundtrack wäre natürlich noch eine schöne Beilage gewesen, aber das ist Meckerei auf hohem Niveau. Wem die Box zu teuer ist, der kann wohl bald auf eine weniger aufwändige und günstigere Alternative zurückgreifen, weil OFDb Filmworks den Film dem Vernehmen nach auch in herkömmlichen Versionen vertreiben wird. Die Veröffentlichung hat im Übrigen etwas Kritik aufgrund der Tonhöhe der deutschen Synchronisation auf sich gezogen. Das Label hat dazu Stellung bezogen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Michael Mann sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit James Caan unter Schauspieler.

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Nicht alles läuft wie geplant

Veröffentlichung: 11. März 2016 als limitierte und nummerierte 5-Disc Ultimate Edition (2 Blu-rays, 3 DVDs), 4. Dezember 2006 als DVD

Länge: 125 Min. (Blu-ray), 120 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Thief
USA 1981
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Michael Mann, nach dem Roman „The Home Invaders“ von Frank Hohimer
Besetzung: James Caan, Tuesday Weld, Willie Nelson, James Belushi, Dennis Farina
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Michael Mann und Hauptdarsteller James Caan, Audiokommentar von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, isolierte Musik- und Effektspur bei der Kinofassung, „The Directors – Michael Mann“ (Dokumentation über den Filmemacher), „Stolen Dreams“ (neues Interview mit James Caan), „Hollywood USA – James Caan“ (Episode der französischen TV-Serie „Ciné regards“ über den Schauspieler James Caan, die kurz nach Abschluss der Dreharbeiten des Films entstand), „The Art of the Heist“ (ausführliche Analyse des Films mit Schriftsteller und Kritiker F. X. Feeney), Kinotrailer, Booklet mit einem Essay von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, gefaltetes Filmposter
Vertrieb: OFDb Filmworks

Copyright 2016 by Simon Kyprianou

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Fotos & Produktabbildung: © 2016 OFDb Filmworks

 
 

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Der Einzelgänger – Wäre er mal einer geblieben

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Thief

Von Simon Kyprianou

Actionkrimi // Der deutsche Titel „Der Einzelgänger“ passt zur Abwechslung mal sehr gut: Am Anfang des Films ist „Thief“ Frank (James Caan) in der Tat ein Einzelgänger – ein Mann voller Träume und voller Tatendrang, ein professioneller Einbrecher, der mit seinen Einbrüchen viel Geld verdient, eine Familie gründen will. Doch dann will eine große Gangster-Organisation ihn anheuern. Er lässt sich verlocken und nimmt das Angebot an.

Der amerikanische Traum im Verbrechen

„Thief“ ist ein Film über den amerikanischen Traum, über Hoffnung und Träume und über die Menschen, die ihn zerstören, die Organisationen, die Großen, die Geschäftsmänner und Ausbeuter. Michael Mann erzählt diesen Gewalt-Fiebertraum mit ätherischen Bildern, fantastischen Licht- und Farbspielen, die eine Glitzerwelt erzeugen, in der niemand mehr klar sieht.

Der Soundtrack von Tangerine Dream, den Michael Mann in seinem Kinodebüt oft laut und prägnant einsetzt, hüllt die ohnehin schon hypnotischen Bilder in einen diffusen Synthesizer-Klangteppich ein. Zum Finale, wenn der Dieb gegen den Verbrecher-Konzern aufbegehrt, ist der Regisseur gnadenlos mit seinen Figuren, es gibt keine Erlösung. James Caan spielt die ambivalente, zerrissene Figur meisterlich.

Wann kommt bei uns eine gelungene Fassung?

Bisher in Deutschland nur auf einer grauenvollen DVD veröffentlicht, nahm sich in England Arrow Video und in den USA die Criterion Collection Manns Film an. Bei uns bringt ihn bald OFDb Filmworks heraus, in einer hoffentlich würdigen Edition.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Michael Mann sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit James Caan unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 4. Dezember 2006 als DVD

Länge: 117 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Französisch, Finnisch, Italienisch, Niederländisch, Spanisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Griechisch, Portugiesisch, Ungarisch
Originaltitel: Thief
USA 1981
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Michael Mann, nach dem Roman „The Home Invaders“ von Frank Hohimer
Besetzung: James Caan, Tuesday Weld, Willie Nelson, James Belushi, Dennis Farina
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: MGM Home Entertainment / Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Packshot: © MGM Home Entertainment / Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
 

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