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Rambo – Last Blood: Welcome to Hell!

Rambo – Last Blood

Kinostart: 19. September 2019

Von Florian Schneider

Rachedrama // John Rambo (Sylvester Stallone) ist nach den Ereignissen in Burma („John Rambo“) in die Vereinigten Staaten von Amerika zurückgekehrt und lebt seit zehn Jahren auf der Farm seiner verstorbenen Eltern. Geplagt von den Dämonen der Vergangenheit sucht er einen neuen Sinn im Leben, indem er sich wie ein Vater um die junge Gabrielle (Yvette Monreal) kümmert, Tochter seiner Haushälterin und alten Freundin Maria (Adriana Barraza). Der Schutz des Teenagers – vom mexikanischen Vater am Sterbebett der Mutter zurückgelassen – ist zur Hauptaufgabe des gealterten Helden geworden. In der übrigen Zeit betreibt Rambo eine Pferdezucht und unterzieht das Grundstück der Farm mit einem unterirdischen Stollensystem.

Rambo genießt mit seiner Nichte den Frieden auf der heimischen Farm

Als Gabrielle heimlich nach Mexiko fährt, um ihren Vater aufzuspüren, gerät sie in die Fänge der Gebrüder Martinez (Óscar Jaenada, Sergio Peris-Mencheta) und deren Mädchenhandelrings. Rambo gelingt es zwar, Gabrielle zu befreien, doch die geschundene junge Frau stirbt auf der Rückreise. Der Veteran schärft daraufhin sein Messer und zieht erneut in den Krieg.

Doch als er sie zu Grabe tragen muss …

Hier ist er nun also, der fünfte und (angeblich) letzte Teil der Reihe um die ikonische Kampfmaschine. 37 Jahre nach dem Erstlingswerk beherrscht der inzwischen 73-jährige Sylvester Stallone seinen Helden aus dem Effeff. Ja, er lebt und atmet Rambo mit jeder Pore. Das Interessante an der Figur ist sicherlich, dass sie mit ihrem Darsteller gealtert ist und nicht, wie andere Filmfiguren, einfach neu besetzt wird. Das gibt nicht nur der Figur eine gewisse Tiefe, sondern verleiht der ganzen Reihe eine wohltuende Endlichkeit. Zum Glück (und im Unterschied zu manch anderen Dauerbrennern) funktioniert der Abschlussfilm der Reihe als ultrabrutales Rachedrama ganz ausgezeichnet. Die Actionszenen sind herausragend in Szene gesetzt, die Kamera bewahrt den Überblick und von einer unliebsamen Schnittorgie wird zum Glück Abstand gehalten.

… schärft er wieder sein legendäres Messer

Auch das Setting der doch recht simplen Geschichte passt hervorragend zu den Fähigkeiten der Hauptfigur und zur Prämisse, dass richtig böse Menschen in dieser schablonenhaften Welt mit aller Gewalt und blutigster Brutalität zur Strecke gebracht werden dürfen. Wer Filme wie „Sicario“ (2015) gesehen oder, noch besser, die „Art Keller“-Trilogie von Don Winslow gelesen hat, weiß, dass die Brutalität der agierenden Schurken nicht einmal überzeichnet ist. Lediglich treffen die nicht bedauernswerten Antagonisten mit Rambo auf einen Charakter, der diese Sprache der Gewalt um ein Vielfaches besser zu sprechen vermag. Regisseur Adrian Grunberg zeichnet nach „Get the Gringo“ (2012) mit Mel Gibson erneut kein freundliches Bild Mexikos, und ein wenig erinnert „Rambo – Last Blood auch an die „96 Hours – Taken“-Reihe mit Liam Neeson.

Die Brüder Martinez (M.) halten sich für richtig böse Motherfuckers

Wie gut Stallone seine Figur inzwischen kennt, merkt man am Drehbuch, an dem er wieder mitgeschrieben hat. Da ist keine Szene zu viel, keine Emotion übertrieben oder fehl am Platz und die Dialoge immer zur innerlich gebrochenen Figur passend. Während Rambo seine Wut und seine Traumata in der relativ langen Einführungsphase des Films noch mit Psychopharmaka unter Kontrolle zu halten versucht und auch den Tod Gabrielles mit stoischer, gleichwohl von tiefer innerer Verzweiflung geprägter Geste wahrnimmt, ist seine Antwort auf das Verbrechen und seine Rache umso radikaler. Der Tod solle über die Täter kommen und sie sollen dadurch seinen Schmerz spüren, sagt Rambo zu einer Helferin in Mexiko. Und er macht sein Versprechen wahr und massakriert einen der Brüder Martinez sowie etliche weitere Schurken im gewohnten Einzelkämpfermodus. Auch dass er dadurch eine halbe Armee, angeführt vom überlebenden Bruder und Oberschurken, auf seine Farm und in sein Tunnelsystem zu locken vermag, ist Teil des Plans und nur folgerichtig hinsichtlich der Logik der Reihe. Apropos Tunnel, die erinnern natürlich an das Höhlenlabyrinth im ersten Teil, aber auch an die berühmten Geheimgänge des Vietcongs – dieses Mal ist allerdings nicht der Feind dort zu Hause, sondern der gealterte Todesengel in Menschengestalt.

Rambo hat sich sogar eine unterirdische Waffenschmiede eingerichtet

Er könne die Welt nicht kontrollieren, sagt Rambo mehrmals zu sich selbst, doch wenn seine unkontrollierte Wut entfesselt wird, kann auch die Welt ihn nicht mehr kontrollieren. Dann will er seinem Gegner im wahrsten Sinne des Wortes das Herz herausreißen, damit dieser den Schmerz spürt, der wie ein gefangenes Tier durch den Körper des Kriegers pulsiert und lediglich in brutalster Rache und Vergeltung ein Ventil nach außen findet. Ob man dieser Art der Schmerz- und Konfliktbewältigung nun eher kritisch gegenübersteht oder sie feiert, sie ist hinsichtlich der nun 37 Jahre fortlaufenden Geschichte eine mythologische Gewissheit geworden. Genauso, wie es in der Welt des John Rambo niemals ein Happy End geben kann.

Im Tunnelsystem wartet der Tod

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sylvester Stallone sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Auch der legendäre Bogen kommt wieder zum Einsatz

Länge: 101 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: Rambo – Last Blood
USA 2019
Regie: Adrian Grunberg
Drehbuch: Matthew Cirulnick, Sylvester Stallone
Besetzung: Sylvester Stallone, Paz Vega, Yvette Monreal, Louis Mandylor, Óscar Jaenada, Sheila Shah, Sergio Peris-Mencheta, Jessica Madsen, Marco de la O, Adriana Barraza, Díana Bermudez, Atanas Srebrev, Nick Wittman, Aaron Cohen
Verleih: Universum Film

Copyright 2019 by Florian Schneider
Filmplakate & Szenenfotos: © 2019 Universum Film

 

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