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Bosambo – Mit einem zweischneidigen Schwert Afrika entdecken

Sanders of the River

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Um seinen Einfluss als Kolonialmacht in Nigeria erfolgreich zu verwalten, braucht Großbritannien Männer wie Distrikt-Kommissar Sanders (Leslie Banks), der sich bei den Eingeborenen einen durch Respekt, aber auch Ehrfurcht geprägten Ruf erworben hat. Vor allem dem sogenannten „Alten König“ Mofolaba (Tony Wane) ist die britische Übermacht allerdings ein Dorn im Auge. Der junge, aufstrebende Bosambo (Paul Robeson) warnt Sanders frühzeitig vor sich zusammenbrauendem Unheil. Mofolabas Krieger gehen beim Raubzug gern einmal bei anderen Stämmen auf Sklavenjagd. Sanders versteht sich darauf, wieder Ruhe herzustellen, wenn die Luft brennt, doch er kann nicht ewig bleiben – und ob auch ein Nachfolger der Aufgabe gewachsen sein wird, wird immer fraglicher.

Ursprünglich sollte Alfred Hitchcock die Regie bei diesem Projekt übernehmen, war aber nur in der Frühphase in die Entwicklung involviert. Schließlich erwählte Alexander Korda, der geldgebende Schirmherr, seinen Bruder Zoltan als Regisseur – damit wurde der Grundstein für eine Reihe exotischer Abenteuerfilme gelegt, die die beiden als Produzent/Regisseur-Gespann realisierten. Weitere Zusammenarbeiten sind „Elefanten-Boy“ (1937), „Gefahr am Doro-Pass“ (1938), „Die vier Federn“ (1939), „Der Dieb von Bagdad“ (1940) und „Das Dschungelbuch“ (1942), wenngleich Zoltan Korda nicht bei all den benannten Filmen alleiniger Regisseur war. Vor allem in Deutschland ist der Autor der Buchvorlagen, auf denen „Bosambo“ basiert, Edgar Wallace, natürlich primär für seine Kriminalromane und die daraus resultierenden (zu einem großen Teil deutschen) Filmproduktionen der späten 50er, der 60er und der frühen 70er bekannt, wobei auch in den 60ern noch parallel versucht wurde, seine Afrika-Geschichten wiederzubeleben: Für die entsprechenden Filme, „Todestrommeln am großen Fluss“ (1963) sowie „Sanders und das Schiff des Todes“ (1965), die gewissermaßen die Nachfolgeprojekte vom hier vorliegenden „Bosambo“ waren, wurde der auch in Hollywood bekannt gewordene irische Schauspieler Richard Todd als Zugpferd engagiert. Dessen internationale Bekanntheit resultierte unter anderem aus dem während Alfred Hitchcocks US-Phase in Großbritannien gedrehten Film „Die rote Lola“ (1950), wo er an der Seite von Marlene Dietrich zu sehen war.

Der Mann mit den vielen Gesichtern

Knapp 30 Jahre früher wurde bei der Vorbereitung von „Bosambo“ eine nicht minder interessante Besetzungsentscheidung für die Rolle des Distrikt-Kommissars Sanders getroffen: Leslie Banks. Legendär ist Banks heute vor allem für seine Schurkenrolle in dem Kult-Horrorfilm „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ (1932), die man hinsichtlich ihrer Bedeutung für Filmwissenschaft wie auch Genre-Fans beinahe auf Augenhöhe mit Bela Lugosis „Dracula“ und Boris Karloffs „Frankenstein“ ansiedeln kann, die zur selben Zeit berühmt wurden. Daneben zählen aber auch die Hauptrolle in der britischen Urfassung von Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zu viel wusste“ (1934) und eine große Rolle im ersten im Drei-Farben-Verfahren von Technicolor gedrehten britischen Film, „Zigeunerprinzessin“ (1937), der gleichzeitig auch der überhaupt erste europäische Film in diesem dann lange Jahre federführenden Technicolor-Verfahren war, zu Leslie Banks’ durchaus illustrer Filmografie.

Interessant an seinen Filmen ist, neben seiner Begabung, sowohl Helden als auch Schurken nuancenreich umsetzen zu können, dass Leslie Banks auf einer Hälfte seines Gesichts große Vernarbungen und zudem paralysierte Stellen hatte, die aus Verwundungen im Ersten Weltkrieg resultierten. Diese werden von der Kamera im Regelfall weitestgehend ausgespart. Es ist spannend zu beobachten, wie dies von Hitchcock bis Korda und darüber hinaus immer wieder filmisch gelöst wurde, sodass dieser versierte Mime trotz alledem Hauptrollen vor der Kamera spielen konnte, ohne jedes Mal unfreiwillig sofort an den finsteren Graf Zaroff zu erinnern. Ich entsinne mich, dass ich vor einigen Jahren für ein Seminar einen Screenshot aus „Der Mann, der zu viel wusste“ erstellt habe, der einer Kampfszene entnommen war, in der Banks im Eifer des Gefechts einmal kurz die andere Seite seines Gesichts direkt der Kamera zuwandte. Da konnte man das Ausmaß der Verwundung recht deutlich erkennen, die er in düsteren Rollen aber offenbar auch gern ganz ungehemmt nutzte, um dem Publikum gewissermaßen seine dunkle Seite zu zeigen.

Visionen eines Kontinents und seiner Menschen

„Bosambo“ bzw. „Sanders of the River“ ist einer der nicht allzu häufigen Fälle, bei dem in der deutschen Fassung eine andere konkrete Figur des Films zum Titelhelden erhoben wurde als in der Originalfassung (in der britischen Version steht Sanders im Titel, in der deutschen Version Bosambo). In den meisten Ländern ging dieser Punkt hinsichtlich der Betitelung des Films offenbar an Bosambo. An der Seite von Leslie Banks wurde der sowohl als professioneller Sänger wie auch Profi-Sportler und Schauspieler erprobte Afro-Amerikaner Paul Robeson in der Rolle des Bosambo engagiert, der hier sowohl in Opernsänger-Manier agieren als auch einiges von seinem sportlich gebauten Leib zur Schau stellen darf, dem Umstand entspringend, dass sein Oberkörper rollenkonform standardmäßig unbekleidet bleibt. Paul Robeson erhoffte sich von seiner Figur – einem jungen, eingeborenen Königsanwärter – die Chance, durch gezielte darstellerische Einflussnahme ein neues, positives Licht auf die Kulturen der afrikanischen Ureinwohner zu werfen. Dem Vernehmen nach war auch das Drehbuch ursprünglich wesentlich positiver gegenüber den Eingeborenen eingestellt als es im fertigen Film der Fall zu sein scheint.

Die stärkste Performance des Films gelang allerdings einem offenbar in Afrika ansässig gewesenen Darsteller namens Tony Wane, der auch unter dem Namen Toto Ware und dem Pseudonym „Ecce Homo Toto“ firmierte. Seine Filmografie beschränkt sich auf wenige Produktionen zu der Zeit, als Afrika in den 30ern gerade als Drehort für große Ton-Spielfilmproduktionen aus Übersee erschlossen wurde. „Bosambo“ zeigt Tony Wane in seiner offenbar ebenso größten wie auch ersten Rolle im Rahmen derartiger Kinoproduktionen. Er spielt den verschlagenen, mit einer denkwürdigen Frisur gesegneten König Mofolaba bemerkenswert frech und mimisch ebenso aggressiv wie auch provokant. Im Gegensatz zu Paul Robeson hatte Wane offensichtlich kein Problem damit, dass der Film ein gewisses eindimensionales Licht auf die Kulturen der afrikanischen Eingeborenen werfen konnte, sondern machte sich stattdessen einen Spaß daraus, gewisse Klischees auf die Spitze zu treiben – Zähnefletschen, hinterlistiges Gebaren, dreistes Lügen ins Gesicht und weit aufgerissene Augen des blutdurstigen Bösewichts inbegriffen, alles herrlich extrovertiert gespielt. Spaß macht auch die Art und Weise, wie er seine Stimme recht lässig und redegewandt zum Einsatz bringt. Ich möchte sogar in Abrede stellen, dass seine Figur trotz ihrer recht eindimensionalen Bösartigkeit so etwas wie dumm wirkt. Eher im Gegenteil. Wanes Interpretation der Rolle ist schon allein gemessen daran, wie er die Dialoge abliefert, Welten von irgendwelchem stumpfen, abgehackt radebrechenden „Ich großer Häuptling! Trommeln – Tod – weiße Frau!“-Einerlei entfernt, was man doch im einen oder anderen oberflächlich mit Ureinwohnern hantierenden klassischen Abenteuerfilm vorfindet. Sein Mofolaba macht einen ziemlich cleveren, finster gerissenen Eindruck. Sogar den Briten gegenüber lässt er von Anfang an in erster Linie lässige Arroganz heraushängen und wirkt damit auf eine Art sogar cooler als die steifen Kolonialrepräsentanten. Von Opportunismus irgendwelcher Form kann da beim besten Willen keine Rede sein, weder mit Blick auf die Rolle noch die Darstellung. Zudem werden außer ihm nur wenige der negativ eingestellten Figuren wirklich konkret. Man hat bei näherer Betrachtung somit eigentlich auch nicht das Gefühl, dass die gezeigten Afrikaner mehrheitlich in ein negatives Licht gezogen werden.

Wenn Graf Zaroff zum Lord wird

Ob die generelle Darstellung der Eingeborenen in diesem Film aus heutiger Sicht nicht doch deutlich weniger das ad absurdum führende Problem ist als der Aspekt, dass der designierte Held des Films von ihnen immerfort mit dem peinlich-albernen Rufnahmen „Lord Sandi“ (ausgesprochen wie der Frauenname Sandy) tituliert wird, sei einmal dahingestellt. Spätestens als Sanders diese Bezeichnung sogar selbst benutzt, um sich gegenüber den Eingeborenen zu positionieren und Worte gebraucht wie, frei übersetzt: „Ich bin Sandi, der euch Recht und Ordnung bringt!“, um damit eine tobende Masse zu beruhigen – in einem Moment des Höhepunkts des gesamten Films –, kann man schon einmal kurz ins Grübeln kommen, was uns die Macher hier eigentlich punktuell für einen Blödsinn anbieten wollen. Man wünscht sich ein wenig, dass sich im nächsten Moment jemand mit den Worten „Ja, Lord! Was immer Ihr sagt, Lord!“ vor ihm in den Schmutz wirft – am besten streng in schwarzem Leder gekleidet – oder dass immer wieder ausführliche „Sandy! Sandy!“-Sprechchöre einsetzen. Aber Mel Brooks war damals leider noch nicht aktiv.

Die Schauwerte des Films jedoch übertrumpfen für meinen Geschmack den Aspekt, dass er natürlich das Vorgehen der Kolonialmacht in ein möglichst gutes Licht zu rücken versucht. Zwar ist „Bosambo“ sicherlich – unabhängig davon, wie streng kritisch man die Darstellung der Afrikaner nun bewerten will – zumindest Werbung für das Weltbild, dass es den klugen weißen Mann gebraucht habe, um in Afrika wirklich für Ordnung zu sorgen, da er nicht nur weißer, sondern auch weiser sei, allerdings ist dieser Film nichtsdestotrotz gleichzeitig hervorragende Werbung für den Kontinent Afrika, mitsamt seiner Tierwelt und seiner spannenden Kulturen. Schließlich werden ja auch einige Stämme, mitsamt fürs europäische Auge der 30er recht freizügigen Tänzen, Gesang, Signaltrommeln usw. gezeigt sowie diverse interessante Tieraufnahmen eingebunden. Man muss sich vor Augen führen: Das ist sogar nicht einfach nur Werbung mit hohen Schauwerten, sondern nicht weniger als dokumentarische Pionierarbeit innerhalb eines Spielfilms, in für die damalige Zeit revolutionärer Form. Eine Art Blockbuster – nach damaligen Maßstäben –, der gleichzeitig auch umfangreich Bild und Ton von einem anderen Kontinent zeigt. Hollywood hatte es mit „Trader Horn“ (1931) in Afrika vorgemacht, nun folgten die Briten. Filmisches Dokumentarmaterial aus Afrika war, zumal mit Ton, damals ganz generell noch als Rarität zu werten und ein Spielfilm obendrein natürlich eine exzellente Plattform. Der Tonfilm war noch jung und auch das affektive Kombinieren dokumentarisch gefilmter Eindrücke mit einer Spielfilm-Handlung ein Feld, in dem es viel zu entdecken gab. Das allein macht „Bosambo“ schon zu einem wichtigen, wenn auch – keine Frage – moralisch diskutablen Film.

Nein, ich will nicht mehr mitmachen! Ihr könnt allein weiterspielen!

Paul Robeson jedenfalls war sehr enttäuscht vom letztendlichen Ergebnis. Es wurde später behauptet, er sei schon bei der Premiere entrüstet aufgestanden und gegangen – wobei umstritten ist, wie nah diese Darstellung an der Wahrheit ist. Sein Ärger richtete sich vor allem dagegen, dass angeblich Änderungen am Film, die die afrikanischen Eingeborenen, nach Meinung mancher, in einem viel zu negativen, zu brutalen oder zu geistig minderbemittelten, kindisch-naiven Licht dastehen lassen, erst relativ kurz vor Drehschluss gemacht worden sein sollen. Verbunden mit Nachdrehs, zu denen Paul Robeson aufgefordert wurde, obwohl er die Rolle angeblich nur unter der strengen Bedingung angenommen hatte, dass die afrikanischen Kulturen positiv dargestellt werden sollten. Ich zweifle die Theorie von der plötzlichen 180-Grad-Wende allerdings etwas an, da der Film recht viele Szenen enthält, die ein, wenn man es denn so zu Ende denken will, in der Hinsicht dann doch mindestens leicht, für andere stark diskutables Bild zeichnen. Und dann muss man eigentlich feststellen: Das hätte man nicht alles noch „spontan“ in der letzten Drehwoche improvisieren können. Somit dürfte zumindest viel früher, als es die Theorie vom urplötzlichen Umwälzen des gesamten Konzepts, hin zum Negativen, Glauben zu machen versucht, ersichtlich gewesen sein, in welche Richtung der Film aufgefasst werden könnte, wenn man aus einer Bande meuchelnder Mofolaba-Anhänger und einem eben mit der Kolonialmacht so gut es geht zusammenarbeitenden jungen, friedlichen Häuptling denn nun unbedingt negative Rückschlüsse auf sämtliche Afrikaner schließen will. Vielleicht gingen Robeson auch primär die die britische Kolonialmacht glorifizierenden, rahmenden Textbeigaben gegen den Strich. Aber lächerlicher als Intros klassischer US-Filme, die mit einem Vorwort irgendwelcher Bürgermeister, Gouverneure oder meinetwegen Polizeibeamter beginnen, welche hölzern pathetisches Blabla in die Kamera sprechen, ist das beileibe nun auch wieder nicht.

Selbst Paul Robesons Rolle noch als mitschuldig ins negativ verfälschende Gesamtbild hineinzwingen zu wollen, finde ich besonders abwegig. Egal, ob er das nun höchstpersönlich tat oder andere es probieren wollen würden. Ich finde, dass er seinem Anspruch einer positiven Darstellung afrikanischer Kultur durchaus gerecht geworden ist, auch wenn die Gewalt der Wortgewandtheit natürlich bei Kommissar Sanders verbleibt. Die Art und Weise wie dieser Bosambo sich mit der Besatzungssituation arrangiert, empfinde ich als relativ realistisch dargestellt. Und zum Realismus gehört nun einmal auch eine gewisse Hochnäsigkeit im Umgang, seitens der Briten. Diese belehrende Art und Weise im Film auch zu zeigen, ist aus meiner Sicht daher lediglich akkurat und keine künstliche Abwertung der Afrikaner. Dass es in diesem Film somit natürlich Szenen gibt, in denen Sanders mit Bosambo in gewisser Hinsicht wie mit einem Jüngelchen redet, ist auf eine Art natürlich abstoßend – aber andererseits eben auch glaubwürdig. Ein Film, der die von einer Kolonialmacht unterdrückten Afrikaner als auf Augenhöhe agierende Partner zeigt, hätte sich vielleicht angenehmer angefühlt, wäre aber nicht unbedingt glaubhafter oder realitätsnäher gewesen. Dass der Film sicher nicht als so etwas wie ein identitätsstiftendes Werk oder inspirierendes Verständnis für die Wurzeln afrikanisch-afroamerikanischer Kulturen schaffendes Werk funktionieren kann, wenn nicht gar als Leitbild für nachwachsende afrikanische Generationen, für die sich Paul Robeson seinen Bosambo ursprünglich offenbar als Aufbruchsstimmung schaffenden Helden und Identifikationsfigur erhofft hatte, liegt, für meinen Geschmack, in der Natur der Sache. Möglicherweise waren die Erwartungen, gerade aufgrund des Pioniercharakters dieses Films, einfach unglaublich hoch angesiedelt und die Enttäuschung daher auch maximal, dass der Film hinsichtlich der Handlung nicht übermäßig innovativ geriet, sondern nur hinsichtlich der Schauwerte. Da mochte sich der Star dann eben auch mal so richtig beleidigt fühlen.

Ob es die deutsche(n) Kinofassung(en) noch gibt?

Es heißt, Paul Robeson habe sogar versucht, alle Kopien des Films vom Markt zu kaufen, um damit weitere Aufführungen zu verhindern. Der Versuch scheiterte aber. Zum Glück, wie ich meine – denn Filme, die ein recht eindimensionales Bild jedweder Ureinwohner zeichnen, ob nun Afrikas, Nordamerikas oder Asiens, gibt es wie Sand am Meer. Und ein Extremfall innerhalb dieser Kategorie ist „Bosambo“ keineswegs. Zudem haben viele dieser Filme auf ihre Art auch einen eigenen narrativen und/oder filmstilistischen Charme, und es ist zu simpel, sie zur bloßen Herabstufung von Kulturen zu stilisieren. Spielfilme, die dokumentarisch höchst bemerkenswerte und rare Schauwerte bieten, wie etwa die vorliegenden Kultur- und Tieraufnahmen aus dem Afrika der 30er-Jahre, sind zudem erheblich seltener – und auch dieser Kategorie gehört „Bosambo“ nun einmal an; das für mich schwerwiegendere Argument als die andere Seite des zweischneidigen Schwerts.

In den USA gibt es „Sanders of the River“ schon seit über 15 Jahren auf DVD. 2007 wurde er wohlgemerkt auch innerhalb der renommierten Criterion Collection in einer Box zu Ehren Paul Robesons aufgelegt, die darüber hinaus noch einiges mehr zu bieten hat. Mit einer Einzelveröffentlichung des Films im eigentlichen Herkunftsland Großbritannien – wenngleich Paul Robeson natürlich Amerikaner war – dauerte es dann auch nicht mehr lange. Auch in anderen europäischen Ländern scheint der Film zum Teil offiziell auf DVD veröffentlicht worden zu sein. Eine deutsche Kinofassung dürfte es in jedem Fall 1950 gegeben haben. Die zugehörige Synchronfassung habe ich allerdings noch nie gehört. Anscheinend wurde der Film aber sogar schon vorher, in den 30er-Jahren, in Deutschland gezeigt. Paul Robeson beklagte – in diesem Kontext bedeutsam – schon 1938, es sei aus inhaltlichen Gründen der einzige seiner Filme, den man im faschistischen Italien und in Nazi-Deutschland überhaupt vorführen könne. Schwer komplett von der Hand zu weisen, wenn die entsprechende Vorführung dieses Films im Deutschland der 30er offenbar auch tatsächlich geschehen ist. Aber unabhängig davon: Schon allein weil Edgar Wallace in Deutschland definitiv noch immer eine Marke ist, sollte man zumindest hoffen dürfen, dass die Jagd auf die Wiederentdeckung von „Bosambo“ bald eröffnet wird. Auch hier gilt im Zweifelsfall aus meiner Sicht, dass es notfalls auch eine engagiert gemachte Neusynchronisation tut.

Veröffentlichung (USA): 13. Februar 2007 als DVD (in der Box „Paul Robeson – Portraits of the Artist“), 13. Januar 2004 als DVD (als Double Feature mit „The Jackie Robinson Story”)

Länge: 98 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Sanders of the River
GB 1935
Regie: Zoltan Korda
Drehbuch: Lajos Biró, Jeffrey Dell, Arthur Wimperis, nach Geschichten von Edgar Wallace
Besetzung: Paul Robeson, Leslie Banks, Nora Mae McKinney, Tony Wane, Robert Cochran, Martin Walker, Richard Grey, Marqués De Portago, Eric Maturin, Allen Jeayes
Verleih: United Artists

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Black Panther – Politische Superhelden

Black Panther

Kinostart: 15. Februar 2018

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // Ein bisschen merkwürdig mutet es schon an, dass die Kinozuschauer vor dem großen Aufeinandertreffen der Avengers mit dem Außerirdischen Über-Gegner Thanos noch den ersten Solo-Film eines Superhelden vorgesetzt bekommen. Immerhin ist der Black Panther kein gänzlich Unbekannter, hatte er doch bereits eine Rolle in „The First Avenger – Civil War“. Ähnlich wie es im vergangenen Jahr bei „Wonder Woman“ der Fall war, überschlagen sich auch bei „Black Panther“ die US-Kritiker mit ihren Lobeshymnen, auf Rotten Tomatoes steht der Film bei 97 Prozent (Stand Februar 2018). Und auch wenn der Film durchaus zu unterhalten weiß und klüger mit seinen Themen umgeht als andere Genre-Kollegen, gibt es doch zu viele Schwächen, die eine solch hohe Wertung ungerechtfertigt erscheinen lassen.

Lang lebe der König

Nach den Ereignissen in „Civil War“ ist T’Challa (Chadwick Boseman) nun König von Wakanda, dem afrikanischen Land, das auf Grund einer Vibranium-Mine dem Rest der Welt technologisch weit voraus ist. Jedoch hielten die alten Könige diesen Fortschritt stets unter Geheimhaltung, in der Angst, andere würden diese Macht ausnutzen. Als mit Ulysses Klaue (Andy Serkis) ein alter Widersacher Wakandas auf der Bildfläche erscheint, zieht T’Challa aus, um den Wahnsinnigen seiner gerechten Strafe zuzuführen. Allerdings ist Klaue in Begleitung von Erik Stevens (Michael B. Jordan), Spitzname Killmonger. Und der hat noch ein Hühnchen mit ganz Wakanda zu rupfen.

Black Panther im Einsatz

Licht und Schatten geben sich bei „Black Panther“ die Klinke in die Hand. Das fängt bei der Optik an. Die Anfangsszene, in der die Legende des Helden erklärt wird, wird mit einer Art formbaren Sandes gezeigt, was frisch und kreativ wirkt. Die erste Action-Sequenz, die direkt nach der Einführung folgt, ist jedoch vollkommen unübersichtlich, dunkel und hektisch. Dann wiederum können wir das erste Mal einen Blick auf Wakanda werfen, das durch ein tolles Design zu gefallen weiß – typisch afrikanische Aspekte werden darin mit klassischem Pulp-Futurismus gekreuzt.

Willkommen in Wakanda

Ähnlich gemischte Gefühle hinterlassen auch die Figuren. Gerade Chadwick Boseman als Hauptfigur scheint nicht wirklich anwesend zu sein. Sein T’Challa ist zwar auf dem Papier König, so etwas wie Präsenz strahlt er aber nie aus, da waren seine Auftritte im „Civil War“ deutlich imposanter. Häufig stehlen ihm die Nebendarsteller die Show, seien es nun seine Sidekicks wie die Kämpferin Nakia (Lupita Nyong’o) oder seine Schwester Shuri (Letitia Wright), die den Black Panther mit unterschiedlichen Gadgets ausstattet, wie es Q mit James Bond handhabt.

Endlich wieder gute Bösewichter

Auch die Antagonisten sind meist deutlich spannender als der Held selbst. Während Klaue einfach nur verrückt ist und dies von Serkis mit absoluter Hingabe ausgespielt wird, ist Killmonger mit seiner Motivation endlich mal wieder ein interessanter Bösewicht im Marvel Cinematic Universe. Der Film wirft nämlich unbequeme Fragen auf – wenn man die Möglichkeit und die Technologie hat, anderen Menschen zu helfen, soll man diese nutzen, auch wenn es den eigenen Schutz gefährdet? Und wie sieht diese Hilfe genau aus? Anhand unterschiedlichster Figuren werden diese Themen im Kontext der Situation von Afro-Amerikanern in den USA immer wieder aufgegriffen und verschiedene Ansichten prallen aufeinander. Solch detaillierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlich aktuell relevanten Themen hätte man nicht in einem Marvel-Film vermutet.

Kampf um die Krone

So ist „Black Panther“ auch einer der ernsteren Streifen des Franchises. Ja, es gibt immer wieder ironische Brechungen, die den Fluss des Films stören. Allerdings hat man anscheinend aus „Doctor Strange“ gelernt und diese auf ein Minimum reduziert – und die meisten Pointen sitzen sogar. Ein weiterer Pluspunkt ist die Musik. Niemand geringeres als Kendrick Lamar, einer der erfolgreichsten Rapper der USA, zeichnet für den Soundtrack verantwortlich, der jede Szene perfekt mit treibenden Beats unterstreicht. Selbst wenn man mit Hip-Hop eher wenig am Hut hat, die musikalische Untermalung macht einfach Laune.

Ja, „Black Panther“ ist ein weiterer, guter Marvel-Film, und vielleicht ist es die aktuelle politische Relevanz, gepaart mit Blockbuster-Bombast, die in den Staaten für Verzückung sorgt. Darüber hinaus gibt es allerdings doch zu viel zu meckern, als dass man ihn uneingeschränkt empfehlen könnte.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lupita Nyong’o sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Forest Whitaker unter Schauspieler.

Shuri weiß sich zu wehren

Länge: 134 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Black Panther
USA 2018
Regie: Ryan Coogler
Drehbuch: Ryan Coogler, Joe Robert Cole
Besetzung: Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Lupita Nyong’o, Danai Gurira, Martin Freeman, Daniel Kaluuya, Letitia Wright, Winston Duke, Angela Bassett, Forest Whitaker, Andy Serkis
Verleih: The Walt Disney Company Germany GmbH

Copyright 2018 by Matthias Holm

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2018 Marvel Studios

 
4 Kommentare

Verfasst von - 2018/02/15 in Film, Kino, Rezensionen

 

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El Alamein 1942 – Die Hölle des Wüstenkrieges: Ödnis und Tod im Sand

El Alamein – La linea del fuoco

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Den Krieg hat sich Serra (Paolo Briguglia) anders vorgestellt: Kaum in seiner italienischen Einheit in Nordafrika angekommen, erwarten den Philosophiestudenten aus Palermo im Jahr 1942 statt kerniger Schlachten nur Ödnis, Sand, Durchfall und Langeweile. Seine Vorgesetzten Leutnant Fiore (Emilio Solfrizzi) und Sergente Rizzo (Pierfrancesco Favino, „Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse“) raten ihm gleich bei seiner Ankunft, sein Freiwilligenzeichen abzunehmen, damit er nicht den Unmut seiner neuen Kameraden auf sich zieht. Obwohl Serras Einheit vermeintlich fern von den großen Kriegsschauplätzen des Afrikafeldzugs des Deutschen Afrikakorps stationiert ist, bekommt der junge Mann schnell mit, wie nah der Tod auch dort ist, wo es vorerst nur Abwarten heißt. Sein Idealismus weicht bald Resignation, doch er ahnt nicht, was ihn bei El-Alamein erwartet.

Serra muss in der Ödnis ausharren …

Drei große militärische Auseinandersetzungen mit Tausenden von Toten beendeten 1942 den Vormarsch der Achsenmächte Deutsches Reich und Italien in Nordafrika: die erste Schlacht von El Alamein im Juli, die Schlacht von Alam Halfa ab dem 30. August und die Zweite Schlacht von El Alamein, die zwischen dem 23. Oktober und dem 4. November tobte.

… und während britischer Bombardements ums Überleben fürchten

Oft wird das Geschehen von den schillernden Namen der beiden Oberbefehlshaber überlagert: dem als „Wüstenfuchs“ mystisch umwobenen deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel und seinem Kontrahenten Bernard Montgomery, der die 8. Britische Armee befehligte und später von Winston Churchill in den Rang eines Field Marshals erhoben wurde.

Wenn die Wunder erst verbraucht sind

„El Alamein 1942 – Die Hölle des Wüstenkrieges“ schert sich nicht um mehr oder minder heldenhafte Strategien hoher Offiziere; hier geht es um „Schütze Arsch“, den Soldaten niederen Ranges, der irgendwohin kommandiert wird, wo er zwischen tödlicher Langeweile und tödlichen Bombardements ausharren muss – bis irgendwann das Schlachtengetümmel beginnt und das Überleben auch nur eine Frage des Glücks ist. So erhält sich die Einheit, zu der der junge Serra stößt, ihren Glauben ans Davonkommen auch mit Wundern – drei stehen jedem Soldaten zu, sind sie verbraucht, hilft nur noch Beten. Serra hat schnell zwei verbraucht …

Rizzo (l.) hilft dem jungen Soldaten

Gedreht in Marokko, vermittelt das Kriegsdrama eindringlich die Hitze und Ödnis, der die Italiener ausgesetzt sind. Da sauberes Trinkwasser Mangelware ist, leiden viele Soldaten an Durchfall. Der Krieg hat nichts Glorreiches, wenn man sogar bombardiert wird, während man sich in einer Sandkuhle erleichtert. Serra und seine Kameraden werden zermürbt und verheizt, weil irgendwo weit weg Generäle ihre Strategien um ein paar Flecken Sand ausarbeiten. Regisseur Enzo Monteleone vermittelt diesen Irrwitz des Krieges glaubhaft und intensiv. Für Kamera, Schnitt und Ton gab’s 2003 dann auch drei David di Donatello Awards, den bedeutendsten italienischen Filmpreis. Trotz einiger versiert inszenierter Action-Sequenzen haben wir es mitnichten mit einem Action-Abenteuer um tapfere Jungs in Uniform zu tun, sondern um eine Anklage einer unmenschlichen Kriegsmaschinerie, in der der einzelne Soldat nichts zählt und zum Sterben verdammt ist, wenn er schon nicht den Sieg erringt. „El Alamein 1942 – Die Hölle des Wüstenkrieges“ hat auch außerhalb Italiens größere Aufmerksamkeit verdient. Ein überzeugendes Statement gegen den Krieg.

Die Kameraden gedenken ihrer Gefallenen

Veröffentlichung: 19. Juli 2011 als Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: El Alamein – La linea del fuoco
IT 2002
Regie: Enzo Monteleone
Drehbuch: Enzo Monteleone
Besetzung: Paolo Briguglia, Pierfrancesco Favino, Luciano Scarpa, Emilio Solfrizzi, Thomas Trabacchi, Sergio Albelli, Piero Maggiò, Antonio Petrocelli, Giuseppe Cederna, Roberto Citran, Silvio Orlando
Zusatzmaterial: Making-of, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2011 Ascot Elite Home Entertainment

 

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