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Das Gesetz bin ich – Wer würde Charles Bronson da widersprechen?

Mr. Majestyk

Von Volker Schönenberger

Actionkrimi // So lieben wir Charles Bronson: Wortkarg wie eh und je hat er als Melonenfarmer Vince Majestyk in Colorado gerade eine Schar mexikanischer Arbeiter zur Feldarbeit engagiert, als ihm der Ganove Bobby Kopas (Paul Koslo) eine andere Crew aufzwingen will. Eine kurze Abreibung später hat Kopas gemerkt, dass mit Majestyk nicht gut Melonen, Verzeihung: Kirschen essen ist.

Vince Majestyk (l.) will nur Melonen ernten

Schon der ansprechend gestaltete Vorspann mit seinem Neo-Western-Stimmung erzeugenden Score von Charles Bernstein („Der Tiger hetzt die Meute“) versetzt uns in die Zeit seiner Entstehung, und diese wunderbare Seventies-Atmosphäre mit reichlich abgebrühtem New-Hollywood-Flair und ein paar Gewaltspitzen hält sich bis zum Ende. Richard Fleischer hat als Spielfilm-Regisseur nie die großen Preise gewonnen, wenn auch immerhin 1948 den Oscar für die Doku „Design for Death“ über die aggressive Geschichte Japans, die letztlich zum Angriff auf Pearl Harbor geführt habe. Als versierter Filmemacher hat er aber über vier Jahrzehnte seine Duftmarke hinterlassen, etwa mit „Der Frauenmörder von Boston“, „Jahr 2022… die überleben wollen“ (1973) und „Red Sonja“ (1985). „Das Gesetz bin ich“ markiert seine einzige Zusammenarbeit mit Charles Bronson und passt gut in Fleischers Genre-Filmografie.

Mit dem Killer auf der Flucht

Zurück zur Story: Kopas zeigt Majestyk an, doch obwohl der Melonenfarmer in Notwehr gehandelt hat, landet er im Knast. Ein Jahre zurückliegender Gefängnisaufenthalt wegen Körperverletzung tut sein Übriges dazu, dass er nicht ohne Weiteres auf freien Fuß gesetzt wird. Als die Gefangenen verlegt werden, gerät der Transport in einen Hinterhalt – der ebenfalls inhaftierte Auftragskiller Frank Renda (Al Lettieri) soll befreit werden. Majestyk gelingt es, sich hinters Lenkrad des Busses zu setzen und mit Renda im Schlepptau aus dem Kreuzfeuer der Schießerei zu fliehen.

Der kleine Gauner Bobby Kopas funkt dazwischen

Die Handlung schlägt ein paar Haken, und der vom versierten Nebendarsteller Al Lettieri („Der Pate“) verkörperte Killer Renda entpuppt sich in der Folge als so großspuriger wie rachsüchtiger Zeitgenosse, der einen prächtigen Antagonisten abgibt. Lettieri starb ein Jahr und drei Filme nach „Das Gesetz bin ich“ im Alter von nur 47 Jahren an einem Herzinfarkt.

Neues Bild, neues Glück

Im Vorfeld der geplanten Neuveröffentlichung beantragte Wicked-Vision Media für „Mr. Majestyk“, so der Originaltitel, bei der FSK eine Neuprüfung. Ergebnis: die Herabstufung der ungekürzten Fassung von vormals FSK 18 auf eine Freigabe ab 16 Jahren. Zudem ließ die Bildqualität der 2011er-Blu-ray des Films offenbar zu wünschen übrig – von einem Grünstich ist die Rede. Daher verpasste das Label dem Bild eine gründliche Restaurierung. Mangels Sichtung der alten Blu-ray kann ich keine Vergleiche ziehen, wohl aber anführen, dass die Bildqualität der Wicked-Veröffentlichung hervorragend ist: Mit klaren Farben und Konturen, gutem Kontrast und unter Beibehaltung einer gewissen Körnigkeit lässt sie keine Wünsche offen. Obendrein packte Wicked-Vision optionale deutsche und englische Untertitel auf die Disc. Hinzu kommt üppiges Bonusmaterial, darunter ein bislang unveröffentlichtes Interview mit Richard Fleischer, das 2006 kurz vor seinem Todes mit ihm geführt worden war. Im Booklet findet sich ein Interview mit Charles Bronson aus dem 1974er-Presseheft von „Das Gesetz bin ich“, dazu ein Essay über den Film und einer über Bronson, beide fachkundig geschrieben von David Renske. Insgesamt also wieder eine rundum wertige Veröffentlichung, das Gegenteil eines schnöden Repacks.

Die Mexikanerin Nancy Chavez sucht nur einen Job

„Das Gesetz bin ich“ – wer würde Charles Bronson schon widersprechen wollen? Mit seinem „Mr. Majestyk“ liefert er eine Paraderolle ab. Regisseur Fleischer nimmt mal das Tempo etwas heraus, mal zieht er die Action gehörig an, und er verliert dabei niemals die Spannung aus den Augen. Auch heute noch sehenswert und in dieser Veröffentlichung Pflichtprogramm für Freunde gepflegter 70er-Action – für Charles-Bronson-Fans sowieso.

Killer auf der Flucht: Frank Renda

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Richard Fleischer haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Charles Bronson unter Schauspieler.

Das Gesetz bin ich

Veröffentlichung: 26. Januar 2018 als 2-Disc Limited Collector’s Edition (Blu-ray & DVD, drei Covervarianten à 444, 666 und 333 Exemplare), 16. Juni 2011 als Blu-ray und DVD, 4. Dezember 2006 als DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Mr. Majestyk
USA 1974
Regie: Richard Fleischer
Drehbuch: Elmore Leonard
Besetzung: Charles Bronson, Al Lettieri, Linda Cristal, Lee Purcell, Paul Koslo, Taylor Lacher, Frank Maxwell, Alejandro Rey, Jordan Rhodes, Bert Santos,
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Dr. Gerd Naumann, „Colorado Chic“: Interview mit Darstellerin Lee Purcell, „Colorado Cool“: Interview mit Kameramann Richard H. Kline, „Looking Back“: Exklusiv-Interview mit
Richard Fleischer, deutscher Trailer (Open-Matte-Version), deutscher Trailer (1,85:1), deutscher Trailer (ReCut 2017), Originaltrailer, Bildergalerien (Plakate, Aushänge, Pressefotos), Werberatschläge, Pressehefte, Filmprogramm, 24-seitiges Booklet von David Renske und mit einem Archiv-Interview von Charles Bronson
Label/Vertrieb Mediabook: Wicked-Vision Media
Label/Vertrieb Blu-ray & DVD 2011: EuroVideo Medien GmbH
Label/Vertrieb DVD 2006: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2018 Wicked-Vision Media

 

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