RSS

Schlagwort-Archive: Alexander Korda

Bosambo – Mit einem zweischneidigen Schwert Afrika entdecken

Sanders of the River

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Um seinen Einfluss als Kolonialmacht in Nigeria erfolgreich zu verwalten, braucht Großbritannien Männer wie Distrikt-Kommissar Sanders (Leslie Banks), der sich bei den Eingeborenen einen durch Respekt, aber auch Ehrfurcht geprägten Ruf erworben hat. Vor allem dem sogenannten „Alten König“ Mofolaba (Tony Wane) ist die britische Übermacht allerdings ein Dorn im Auge. Der junge, aufstrebende Bosambo (Paul Robeson) warnt Sanders frühzeitig vor sich zusammenbrauendem Unheil. Mofolabas Krieger gehen beim Raubzug gern einmal bei anderen Stämmen auf Sklavenjagd. Sanders versteht sich darauf, wieder Ruhe herzustellen, wenn die Luft brennt, doch er kann nicht ewig bleiben – und ob auch ein Nachfolger der Aufgabe gewachsen sein wird, wird immer fraglicher.

Ursprünglich sollte Alfred Hitchcock die Regie bei diesem Projekt übernehmen, war aber nur in der Frühphase in die Entwicklung involviert. Schließlich erwählte Alexander Korda, der geldgebende Schirmherr, seinen Bruder Zoltan als Regisseur – damit wurde der Grundstein für eine Reihe exotischer Abenteuerfilme gelegt, die die beiden als Produzent/Regisseur-Gespann realisierten. Weitere Zusammenarbeiten sind „Elefanten-Boy“ (1937), „Gefahr am Doro-Pass“ (1938), „Die vier Federn“ (1939), „Der Dieb von Bagdad“ (1940) und „Das Dschungelbuch“ (1942), wenngleich Zoltan Korda nicht bei all den benannten Filmen alleiniger Regisseur war. Vor allem in Deutschland ist der Autor der Buchvorlagen, auf denen „Bosambo“ basiert, Edgar Wallace, natürlich primär für seine Kriminalromane und die daraus resultierenden (zu einem großen Teil deutschen) Filmproduktionen der späten 50er, der 60er und der frühen 70er bekannt, wobei auch in den 60ern noch parallel versucht wurde, seine Afrika-Geschichten wiederzubeleben: Für die entsprechenden Filme, „Todestrommeln am großen Fluss“ (1963) sowie „Sanders und das Schiff des Todes“ (1965), die gewissermaßen die Nachfolgeprojekte vom hier vorliegenden „Bosambo“ waren, wurde der auch in Hollywood bekannt gewordene irische Schauspieler Richard Todd als Zugpferd engagiert. Dessen internationale Bekanntheit resultierte unter anderem aus dem während Alfred Hitchcocks US-Phase in Großbritannien gedrehten Film „Die rote Lola“ (1950), wo er an der Seite von Marlene Dietrich zu sehen war.

Der Mann mit den vielen Gesichtern

Knapp 30 Jahre früher wurde bei der Vorbereitung von „Bosambo“ eine nicht minder interessante Besetzungsentscheidung für die Rolle des Distrikt-Kommissars Sanders getroffen: Leslie Banks. Legendär ist Banks heute vor allem für seine Schurkenrolle in dem Kult-Horrorfilm „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ (1932), die man hinsichtlich ihrer Bedeutung für Filmwissenschaft wie auch Genre-Fans beinahe auf Augenhöhe mit Bela Lugosis „Dracula“ und Boris Karloffs „Frankenstein“ ansiedeln kann, die zur selben Zeit berühmt wurden. Daneben zählen aber auch die Hauptrolle in der britischen Urfassung von Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zu viel wusste“ (1934) und eine große Rolle im ersten im Drei-Farben-Verfahren von Technicolor gedrehten britischen Film, „Zigeunerprinzessin“ (1937), der gleichzeitig auch der überhaupt erste europäische Film in diesem dann lange Jahre federführenden Technicolor-Verfahren war, zu Leslie Banks’ durchaus illustrer Filmografie.

Interessant an seinen Filmen ist, neben seiner Begabung, sowohl Helden als auch Schurken nuancenreich umsetzen zu können, dass Leslie Banks auf einer Hälfte seines Gesichts große Vernarbungen und zudem paralysierte Stellen hatte, die aus Verwundungen im Ersten Weltkrieg resultierten. Diese werden von der Kamera im Regelfall weitestgehend ausgespart. Es ist spannend zu beobachten, wie dies von Hitchcock bis Korda und darüber hinaus immer wieder filmisch gelöst wurde, sodass dieser versierte Mime trotz alledem Hauptrollen vor der Kamera spielen konnte, ohne jedes Mal unfreiwillig sofort an den finsteren Graf Zaroff zu erinnern. Ich entsinne mich, dass ich vor einigen Jahren für ein Seminar einen Screenshot aus „Der Mann, der zu viel wusste“ erstellt habe, der einer Kampfszene entnommen war, in der Banks im Eifer des Gefechts einmal kurz die andere Seite seines Gesichts direkt der Kamera zuwandte. Da konnte man das Ausmaß der Verwundung recht deutlich erkennen, die er in düsteren Rollen aber offenbar auch gern ganz ungehemmt nutzte, um dem Publikum gewissermaßen seine dunkle Seite zu zeigen.

Visionen eines Kontinents und seiner Menschen

„Bosambo“ bzw. „Sanders of the River“ ist einer der nicht allzu häufigen Fälle, bei dem in der deutschen Fassung eine andere konkrete Figur des Films zum Titelhelden erhoben wurde als in der Originalfassung (in der britischen Version steht Sanders im Titel, in der deutschen Version Bosambo). In den meisten Ländern ging dieser Punkt hinsichtlich der Betitelung des Films offenbar an Bosambo. An der Seite von Leslie Banks wurde der sowohl als professioneller Sänger wie auch Profi-Sportler und Schauspieler erprobte Afro-Amerikaner Paul Robeson in der Rolle des Bosambo engagiert, der hier sowohl in Opernsänger-Manier agieren als auch einiges von seinem sportlich gebauten Leib zur Schau stellen darf, dem Umstand entspringend, dass sein Oberkörper rollenkonform standardmäßig unbekleidet bleibt. Paul Robeson erhoffte sich von seiner Figur – einem jungen, eingeborenen Königsanwärter – die Chance, durch gezielte darstellerische Einflussnahme ein neues, positives Licht auf die Kulturen der afrikanischen Ureinwohner zu werfen. Dem Vernehmen nach war auch das Drehbuch ursprünglich wesentlich positiver gegenüber den Eingeborenen eingestellt als es im fertigen Film der Fall zu sein scheint.

Die stärkste Performance des Films gelang allerdings einem offenbar in Afrika ansässig gewesenen Darsteller namens Tony Wane, der auch unter dem Namen Toto Ware und dem Pseudonym „Ecce Homo Toto“ firmierte. Seine Filmografie beschränkt sich auf wenige Produktionen zu der Zeit, als Afrika in den 30ern gerade als Drehort für große Ton-Spielfilmproduktionen aus Übersee erschlossen wurde. „Bosambo“ zeigt Tony Wane in seiner offenbar ebenso größten wie auch ersten Rolle im Rahmen derartiger Kinoproduktionen. Er spielt den verschlagenen, mit einer denkwürdigen Frisur gesegneten König Mofolaba bemerkenswert frech und mimisch ebenso aggressiv wie auch provokant. Im Gegensatz zu Paul Robeson hatte Wane offensichtlich kein Problem damit, dass der Film ein gewisses eindimensionales Licht auf die Kulturen der afrikanischen Eingeborenen werfen konnte, sondern machte sich stattdessen einen Spaß daraus, gewisse Klischees auf die Spitze zu treiben – Zähnefletschen, hinterlistiges Gebaren, dreistes Lügen ins Gesicht und weit aufgerissene Augen des blutdurstigen Bösewichts inbegriffen, alles herrlich extrovertiert gespielt. Spaß macht auch die Art und Weise, wie er seine Stimme recht lässig und redegewandt zum Einsatz bringt. Ich möchte sogar in Abrede stellen, dass seine Figur trotz ihrer recht eindimensionalen Bösartigkeit so etwas wie dumm wirkt. Eher im Gegenteil. Wanes Interpretation der Rolle ist schon allein gemessen daran, wie er die Dialoge abliefert, Welten von irgendwelchem stumpfen, abgehackt radebrechenden „Ich großer Häuptling! Trommeln – Tod – weiße Frau!“-Einerlei entfernt, was man doch im einen oder anderen oberflächlich mit Ureinwohnern hantierenden klassischen Abenteuerfilm vorfindet. Sein Mofolaba macht einen ziemlich cleveren, finster gerissenen Eindruck. Sogar den Briten gegenüber lässt er von Anfang an in erster Linie lässige Arroganz heraushängen und wirkt damit auf eine Art sogar cooler als die steifen Kolonialrepräsentanten. Von Opportunismus irgendwelcher Form kann da beim besten Willen keine Rede sein, weder mit Blick auf die Rolle noch die Darstellung. Zudem werden außer ihm nur wenige der negativ eingestellten Figuren wirklich konkret. Man hat bei näherer Betrachtung somit eigentlich auch nicht das Gefühl, dass die gezeigten Afrikaner mehrheitlich in ein negatives Licht gezogen werden.

Wenn Graf Zaroff zum Lord wird

Ob die generelle Darstellung der Eingeborenen in diesem Film aus heutiger Sicht nicht doch deutlich weniger das ad absurdum führende Problem ist als der Aspekt, dass der designierte Held des Films von ihnen immerfort mit dem peinlich-albernen Rufnahmen „Lord Sandi“ (ausgesprochen wie der Frauenname Sandy) tituliert wird, sei einmal dahingestellt. Spätestens als Sanders diese Bezeichnung sogar selbst benutzt, um sich gegenüber den Eingeborenen zu positionieren und Worte gebraucht wie, frei übersetzt: „Ich bin Sandi, der euch Recht und Ordnung bringt!“, um damit eine tobende Masse zu beruhigen – in einem Moment des Höhepunkts des gesamten Films –, kann man schon einmal kurz ins Grübeln kommen, was uns die Macher hier eigentlich punktuell für einen Blödsinn anbieten wollen. Man wünscht sich ein wenig, dass sich im nächsten Moment jemand mit den Worten „Ja, Lord! Was immer Ihr sagt, Lord!“ vor ihm in den Schmutz wirft – am besten streng in schwarzem Leder gekleidet – oder dass immer wieder ausführliche „Sandy! Sandy!“-Sprechchöre einsetzen. Aber Mel Brooks war damals leider noch nicht aktiv.

Die Schauwerte des Films jedoch übertrumpfen für meinen Geschmack den Aspekt, dass er natürlich das Vorgehen der Kolonialmacht in ein möglichst gutes Licht zu rücken versucht. Zwar ist „Bosambo“ sicherlich – unabhängig davon, wie streng kritisch man die Darstellung der Afrikaner nun bewerten will – zumindest Werbung für das Weltbild, dass es den klugen weißen Mann gebraucht habe, um in Afrika wirklich für Ordnung zu sorgen, da er nicht nur weißer, sondern auch weiser sei, allerdings ist dieser Film nichtsdestotrotz gleichzeitig hervorragende Werbung für den Kontinent Afrika, mitsamt seiner Tierwelt und seiner spannenden Kulturen. Schließlich werden ja auch einige Stämme, mitsamt fürs europäische Auge der 30er recht freizügigen Tänzen, Gesang, Signaltrommeln usw. gezeigt sowie diverse interessante Tieraufnahmen eingebunden. Man muss sich vor Augen führen: Das ist sogar nicht einfach nur Werbung mit hohen Schauwerten, sondern nicht weniger als dokumentarische Pionierarbeit innerhalb eines Spielfilms, in für die damalige Zeit revolutionärer Form. Eine Art Blockbuster – nach damaligen Maßstäben –, der gleichzeitig auch umfangreich Bild und Ton von einem anderen Kontinent zeigt. Hollywood hatte es mit „Trader Horn“ (1931) in Afrika vorgemacht, nun folgten die Briten. Filmisches Dokumentarmaterial aus Afrika war, zumal mit Ton, damals ganz generell noch als Rarität zu werten und ein Spielfilm obendrein natürlich eine exzellente Plattform. Der Tonfilm war noch jung und auch das affektive Kombinieren dokumentarisch gefilmter Eindrücke mit einer Spielfilm-Handlung ein Feld, in dem es viel zu entdecken gab. Das allein macht „Bosambo“ schon zu einem wichtigen, wenn auch – keine Frage – moralisch diskutablen Film.

Nein, ich will nicht mehr mitmachen! Ihr könnt allein weiterspielen!

Paul Robeson jedenfalls war sehr enttäuscht vom letztendlichen Ergebnis. Es wurde später behauptet, er sei schon bei der Premiere entrüstet aufgestanden und gegangen – wobei umstritten ist, wie nah diese Darstellung an der Wahrheit ist. Sein Ärger richtete sich vor allem dagegen, dass angeblich Änderungen am Film, die die afrikanischen Eingeborenen, nach Meinung mancher, in einem viel zu negativen, zu brutalen oder zu geistig minderbemittelten, kindisch-naiven Licht dastehen lassen, erst relativ kurz vor Drehschluss gemacht worden sein sollen. Verbunden mit Nachdrehs, zu denen Paul Robeson aufgefordert wurde, obwohl er die Rolle angeblich nur unter der strengen Bedingung angenommen hatte, dass die afrikanischen Kulturen positiv dargestellt werden sollten. Ich zweifle die Theorie von der plötzlichen 180-Grad-Wende allerdings etwas an, da der Film recht viele Szenen enthält, die ein, wenn man es denn so zu Ende denken will, in der Hinsicht dann doch mindestens leicht, für andere stark diskutables Bild zeichnen. Und dann muss man eigentlich feststellen: Das hätte man nicht alles noch „spontan“ in der letzten Drehwoche improvisieren können. Somit dürfte zumindest viel früher, als es die Theorie vom urplötzlichen Umwälzen des gesamten Konzepts, hin zum Negativen, Glauben zu machen versucht, ersichtlich gewesen sein, in welche Richtung der Film aufgefasst werden könnte, wenn man aus einer Bande meuchelnder Mofolaba-Anhänger und einem eben mit der Kolonialmacht so gut es geht zusammenarbeitenden jungen, friedlichen Häuptling denn nun unbedingt negative Rückschlüsse auf sämtliche Afrikaner schließen will. Vielleicht gingen Robeson auch primär die die britische Kolonialmacht glorifizierenden, rahmenden Textbeigaben gegen den Strich. Aber lächerlicher als Intros klassischer US-Filme, die mit einem Vorwort irgendwelcher Bürgermeister, Gouverneure oder meinetwegen Polizeibeamter beginnen, welche hölzern pathetisches Blabla in die Kamera sprechen, ist das beileibe nun auch wieder nicht.

Selbst Paul Robesons Rolle noch als mitschuldig ins negativ verfälschende Gesamtbild hineinzwingen zu wollen, finde ich besonders abwegig. Egal, ob er das nun höchstpersönlich tat oder andere es probieren wollen würden. Ich finde, dass er seinem Anspruch einer positiven Darstellung afrikanischer Kultur durchaus gerecht geworden ist, auch wenn die Gewalt der Wortgewandtheit natürlich bei Kommissar Sanders verbleibt. Die Art und Weise wie dieser Bosambo sich mit der Besatzungssituation arrangiert, empfinde ich als relativ realistisch dargestellt. Und zum Realismus gehört nun einmal auch eine gewisse Hochnäsigkeit im Umgang, seitens der Briten. Diese belehrende Art und Weise im Film auch zu zeigen, ist aus meiner Sicht daher lediglich akkurat und keine künstliche Abwertung der Afrikaner. Dass es in diesem Film somit natürlich Szenen gibt, in denen Sanders mit Bosambo in gewisser Hinsicht wie mit einem Jüngelchen redet, ist auf eine Art natürlich abstoßend – aber andererseits eben auch glaubwürdig. Ein Film, der die von einer Kolonialmacht unterdrückten Afrikaner als auf Augenhöhe agierende Partner zeigt, hätte sich vielleicht angenehmer angefühlt, wäre aber nicht unbedingt glaubhafter oder realitätsnäher gewesen. Dass der Film sicher nicht als so etwas wie ein identitätsstiftendes Werk oder inspirierendes Verständnis für die Wurzeln afrikanisch-afroamerikanischer Kulturen schaffendes Werk funktionieren kann, wenn nicht gar als Leitbild für nachwachsende afrikanische Generationen, für die sich Paul Robeson seinen Bosambo ursprünglich offenbar als Aufbruchsstimmung schaffenden Helden und Identifikationsfigur erhofft hatte, liegt, für meinen Geschmack, in der Natur der Sache. Möglicherweise waren die Erwartungen, gerade aufgrund des Pioniercharakters dieses Films, einfach unglaublich hoch angesiedelt und die Enttäuschung daher auch maximal, dass der Film hinsichtlich der Handlung nicht übermäßig innovativ geriet, sondern nur hinsichtlich der Schauwerte. Da mochte sich der Star dann eben auch mal so richtig beleidigt fühlen.

Ob es die deutsche(n) Kinofassung(en) noch gibt?

Es heißt, Paul Robeson habe sogar versucht, alle Kopien des Films vom Markt zu kaufen, um damit weitere Aufführungen zu verhindern. Der Versuch scheiterte aber. Zum Glück, wie ich meine – denn Filme, die ein recht eindimensionales Bild jedweder Ureinwohner zeichnen, ob nun Afrikas, Nordamerikas oder Asiens, gibt es wie Sand am Meer. Und ein Extremfall innerhalb dieser Kategorie ist „Bosambo“ keineswegs. Zudem haben viele dieser Filme auf ihre Art auch einen eigenen narrativen und/oder filmstilistischen Charme, und es ist zu simpel, sie zur bloßen Herabstufung von Kulturen zu stilisieren. Spielfilme, die dokumentarisch höchst bemerkenswerte und rare Schauwerte bieten, wie etwa die vorliegenden Kultur- und Tieraufnahmen aus dem Afrika der 30er-Jahre, sind zudem erheblich seltener – und auch dieser Kategorie gehört „Bosambo“ nun einmal an; das für mich schwerwiegendere Argument als die andere Seite des zweischneidigen Schwerts.

In den USA gibt es „Sanders of the River“ schon seit über 15 Jahren auf DVD. 2007 wurde er wohlgemerkt auch innerhalb der renommierten Criterion Collection in einer Box zu Ehren Paul Robesons aufgelegt, die darüber hinaus noch einiges mehr zu bieten hat. Mit einer Einzelveröffentlichung des Films im eigentlichen Herkunftsland Großbritannien – wenngleich Paul Robeson natürlich Amerikaner war – dauerte es dann auch nicht mehr lange. Auch in anderen europäischen Ländern scheint der Film zum Teil offiziell auf DVD veröffentlicht worden zu sein. Eine deutsche Kinofassung dürfte es in jedem Fall 1950 gegeben haben. Die zugehörige Synchronfassung habe ich allerdings noch nie gehört. Anscheinend wurde der Film aber sogar schon vorher, in den 30er-Jahren, in Deutschland gezeigt. Paul Robeson beklagte – in diesem Kontext bedeutsam – schon 1938, es sei aus inhaltlichen Gründen der einzige seiner Filme, den man im faschistischen Italien und in Nazi-Deutschland überhaupt vorführen könne. Schwer komplett von der Hand zu weisen, wenn die entsprechende Vorführung dieses Films im Deutschland der 30er offenbar auch tatsächlich geschehen ist. Aber unabhängig davon: Schon allein weil Edgar Wallace in Deutschland definitiv noch immer eine Marke ist, sollte man zumindest hoffen dürfen, dass die Jagd auf die Wiederentdeckung von „Bosambo“ bald eröffnet wird. Auch hier gilt im Zweifelsfall aus meiner Sicht, dass es notfalls auch eine engagiert gemachte Neusynchronisation tut.

Veröffentlichung (USA): 13. Februar 2007 als DVD (in der Box „Paul Robeson – Portraits of the Artist“), 13. Januar 2004 als DVD (als Double Feature mit „The Jackie Robinson Story”)

Länge: 98 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Sanders of the River
GB 1935
Regie: Zoltan Korda
Drehbuch: Lajos Biró, Jeffrey Dell, Arthur Wimperis, nach Geschichten von Edgar Wallace
Besetzung: Paul Robeson, Leslie Banks, Nora Mae McKinney, Tony Wane, Robert Cochran, Martin Walker, Richard Grey, Marqués De Portago, Eric Maturin, Allen Jeayes
Verleih: United Artists

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Der Dieb von Bagdad – Das Vermächtnis der Korda-Brüder

der_dieb_von_bagdad-poster

The Thief of Bagdad

Von Ansgar Skulme

Fantasy-Abenteuer // Der heimtückische Großwesir Jaffar (Conrad Veidt) hat sich am Hofe von Bagdad das Vertrauen des rechtmäßigen Kalifen Ahmad (John Justin) erschlichen. Er giert nach dem Thron und der wunderschönen Prinzessin von Basra (June Duprez). Ahmad jedoch findet, ganz am Boden angelangt, einen Verbündeten in Abu (Sabu), dem Dieb von Bagdad. Nun gilt es, Jaffar zu stürzen und die Prinzessin zu retten. Der Weg dorthin führt vorüber an wundersamen Puppen und Spielzeugwesen, einem magischen Lampengeist (Rex Ingram), dem All-Sehenden-Auge und dessen düsteren Wächtern, monströsen Ungeheuern, einem fliegenden Teppich und vielen weiteren Sonderbarkeiten aus Tausendundeiner Nacht.

„Der Dieb von Bagdad“ wurde mit dem Anspruch produziert, ein großes buntes Abenteuer aus dem fernen Orient zu zeigen, das alles Fabelhafte der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht zusammenführt. Daher verwundert es auch wenig, dass legendäre Gestalten der orientalischen Wunderwelt, wie Hārūn ar-Raschīd und Sindbad, zumindest in Nebensätzen untergebracht werden und Abus Entwicklung mehrfach Parallelen zur allseits bekannten Geschichte Aladdins aufweist. Neben allen Reminiszenzen an bekannte Geschichten und Personen aus Tausendundeiner Nacht und sagenumwobene Städte wie Bagdad, Basra und Samarkand vereint der Film zudem fast alle damals bekannten Spezialeffekt-Techniken. Obendrein wurde für „Der Dieb von Bagdad“ das Bluescreen-Verfahren entwickelt, das den Geist so riesig und ein Pferd fliegend erscheinen lassen konnte. Für diese Effekte aus der Schmiede von Larry Butler und Jack Whitney gab es einen von drei Oscars. Der Film griff allerdings nicht nur viele der besagten populären Elemente auf und vermischte sie, sondern war wiederum für andere Filme so richtungsweisend, dass sich etwa die Disney-Zeichner noch über 50 Jahre später bei der Arbeit an „Aladdin“ (1992) sowohl für den Großwesir als auch den Lampengeist eindeutig vom Aussehen Conrad Veidts und Rex Ingrams in ihren Rollen in „Der Dieb von Bagdad“ inspirieren ließen. Und zweifellos ist es auch eine Hommage an den Film von 1940, dass Aladdins Affe im Disney-Film den Namen Abu trägt und sich beide als Diebe durchs Leben schlagen.

Endpunkt Bagdad: Britische Blockbuster der 30er-Jahre

An dem Produzenten und Regisseur Alexander Korda und seinem stärker der Regie zugeneigten Bruder Zoltan führte im britischen Kino der 30er-Jahre kein Weg vorbei, wenn es um an internationalen Schauplätzen produzierte Abenteuer-Großproduktionen ging. Nur wenige US-Filme, wie etwa Irving Thalbergs „Trader Horn“ (1931), konnten ihnen dahingehend das Wasser reichen. Die in Österreich-Ungarn geborenen Korda-Brüder waren aufgrund ihrer Beharrlichkeit und ihres Erfolges gewissermaßen die Gründerväter des Blockbuster-Kinos im Tonfilm, indem sie für Abenteuergeschichten um die Welt reisten und schließlich auch mit den Spezialeffekten in ihren Filmen neue Größenordnungen erschlossen. Sie scheuten keine Kosten und Mühen, um außergewöhnliche Schauplätze in spektakulären Bildern mit spannenden Geschichten, zu Unterhaltungszwecken, aber ganz nebenbei auch mit hohem dokumentarischem Wert, auf die Leinwand zu bringen. Gemeinsam realisierten sie unter anderem den nach Motiven von Edgar Wallace in Afrika gedrehten „Bosambo“ (1935), wie auch die „Vier Federn“-Verfilmung von 1939. Für „Elefanten-Boy“ (1937) wurde der indische Junge Sabu als Hauptdarsteller von Robert J. Flaherty – dem berühmten Dokumentarfilmer, der hier gemeinsam mit Zoltan Korda Regie führte – entdeckt. Alexander und Zoltan Korda führten die Zusammenarbeit mit Sabu in „Gefahr am Doro-Pass“ (1938) fort, „Der Dieb von Bagdad“ wurde der dritte Film des Trios. Mit „Das Dschungelbuch“ folgte 1942 ein vierter, ehe Sabu erst bei seinem fünften Film „Arabische Nächte“ (1942) erstmals unter einem anderen Produzenten arbeitete. „Arabische Nächte“ war für Hollywood die Geburtsstunde des hauseigenen Tausendundeine-Nacht-Films in Technicolor. Der erste Universal-Film überhaupt, der im Drei-Farben-Verfahren von Technicolor gedreht und natürlich von „Der Dieb von Bagdad“ beeinflusst wurde. Die Korda-Produktion war zwar in den USA fertiggestellt worden, blieb originär aber britisch – eine Herausforderung für Hollywood, der mit „Arabische Nächte“ eine Reaktion folgte. Weihnachten spielte für den neuen kunterbunten Tausendundeine-Nacht-Film, wie man ihn nie zuvor gesehen hatte, eine wesentliche Rolle, denn sowohl „Der Dieb von Bagdad“ als auch „Arabische Nächte“ hatten ihren regulären Kinostart in Großbritannien bzw. den USA am 25. Dezember. Ein nicht ganz neues, aber von Grund auf erneuertes Subgenre des Abenteuerfilms war geboren, das um schwarz-weiße Produktionen fortan einen großen Bogen machte. Vielmehr hielten die Bonbon-Farben Einzug in den Tausendundeine-Nacht-Film und das Genre funktionierte bis weit in die 50er-Jahre hinein, wenngleich sich die Zahl der Filme einigermaßen überschaubar gestaltet, was eine logische Folge aus der ziemlich konsequenten Vermeidung schwarz-weißer Beiträge ist.

Von Anfang an Probleme

Es ist beinahe schon sensationell wie rund „Der Dieb von Bagdad“ als filmisches Erlebnis wirkt, wenn man sich seine chaotische Produktionsgeschichte bewusst macht. Die Dreharbeiten begannen in London, im Frühjahr 1939. Zunächst war das Drehbuch aber unvollendet, und Miles Malleson, der im Film den spielzeugliebenden Sultan spielt, orientierte sich an den Wünschen von Alexander Korda, als er die Aufgabe bekam, das Skript auf den Punkt zu bringen. Auch in der Regie taten sich sofort Probleme auf, da der deutsche Regisseur Ludwig Berger eine völlig andere Vision als Alexander Korda hatte, die gegensätzlicher kaum sein konnte und alles andere als großes, buntes Effektkino verhieß. Weiß der Himmel, warum man dies erst feststellte, nachdem Berger bereits engagiert worden war. Offen ist auch, warum Alexander Korda, der zwar schon etliche Filme mit anderen Regisseuren produziert hatte, bei seinen Abenteuer-Großproduktionen aber verlässlich auf seinen Bruder Zoltan setzte, hier zunächst nicht auf ihn baute. Mit Michael Powell, der gerade erst seinen zukünftigen Regie-Partner Emeric Pressburger kennengelernt hatte, wurde ein guter Ersatz für Berger gefunden. Berger inszenierte einige der ruhigen, kammerspielartigen Szenen, Powell viele andere Aufnahmen, die in Großbritannien realisiert wurden. Wahrscheinlich hätte Powell den Film auch fertigstellen dürfen, wäre er nicht durch Einbruch des Krieges für die Produktion von Propagandamaterial abberufen worden. Churchill brauchte Powells Dienste, daher musste Korda auf ihn verzichten.

Eine Vision ordnet das Chaos

Auch für „Der Dieb von Bagdad“ hatten die Korda-Brüder ursprünglich in Afrika drehen wollen, doch das verhinderte der Zweite Weltkrieg. Stattdessen wich man für die Außenaufnahmen unter anderem in den Grand Canyon und das Wüstengebiet Painted Desert in den USA aus. All das dauerte so lange, dass Sabu mittlerweile in seinem Wachstum stark fortgeschritten war. Folge: Szenen mit ihm musste man noch einmal drehen. Als Powell-Ersatz wurde der US-Amerikaner Tim Whelan für die Regie verpflichtet, jedoch probierten sich im Verlauf der Produktion sowohl Zoltan als auch Alexander Korda ebenfalls in der Regie. Nicht zuletzt durfte auch William Cameron Menzies in dieser Eigenschaft mitwirken, der für Korda bereits die H.-G.-Wells-Verfilmung „Was kommen wird“ (1936) inszeniert hatte, bei „Der Dieb von Bagdad“ aber eigentlich nur als Ausstatter und Koproduzent mit im Boot war. Einen seiner bekanntesten Filme inszenierte Menzies allerdings erst später: „Invasion vom Mars“ (1953). Insgesamt brachte es „Der Dieb von Bagdad“ also nicht nur auf eine Vielzahl verschiedenartiger Spezialeffekte, zahlreiche populäre Tausendundeine-Nacht-Figuren sowie diverse Gimmicks von der Wunderlampe bis zum fliegenden Teppich, sondern auch auf nicht minder spektakulär viele – nämlich sechs – Regisseure.

Dass der Kameramann Georges Périnal sich seinen Oscar redlich verdient hat, liegt angesichts dessen fast schon auf der Hand. An ihm und dem Cutter Charles Crichton sowie dem Komponisten Miklós Rózsa war es, dem vielen Material, das ihnen die verschiedenen Regisseure abverlangten und lieferten, eine Linie und Ordnung zu geben. All das immer getreu der Vision Alexander Kordas, die in etwa besagte, ein großes, buntes Abenteuer zu erschaffen. Angeblich hat Rózsa zudem auch an der Story mitgewirkt – es würde ins Bild des großen Durcheinanders voller kreativer Köpfe mit vielen Fähigkeiten passen. Die Musik allerdings ging als einzige unter den vier Oscar-Nominierungen des „Diebs von Bagdad“ leer aus – in der Kategorie setzte sich Disneys „Pinocchio“ (1940) bei der Preisverleihung durch. Der dritte Oscar für „Der Dieb von Bagdad“, neben den Effekten und der Kameraarbeit, ging an Vincent, den jüngeren Bruder von Alexander und Zoltan Korda. Er war federführend für die Ausstattung verantwortlich, neben Kollegen wie besagtem William Cameron Menzies, die ihren Teil beisteuerten. Menzies konnte unter anderem dahingehend kreativ zuarbeiten, dass er bereits an der Stummfilmversion von Raoul Walsh mit Douglas Fairbanks in der Hauptrolle mitgewirkt hatte, die 1924 erschienen war.

Conrad Veidt behält die Ruhe

Inmitten dieser mehr als schwierigen Produktionsumstände fanden sich dann auch noch drei junge Hauptdarsteller, die allesamt bisher kaum Kinoerfahrung hatten. Für John Justin war es der erste Film überhaupt und Sabu war ein minderjähriger Laiendarsteller, der zuvor erst zwei Filme gedreht hatte, wenngleich sich sein enormes Naturtalent bereits da abzeichnete. June Duprez, die ebenfalls eine Entdeckung aus dem Kino-Universum der Korda-Brüder war und zuvor schon ein paar Filme unter dem Produzenten Alexander Korda gedreht hatte, spielte hier auch erst ihre sechste Kinorolle mit namentlicher Erwähnung, wobei sie riesige Fußstapfen zu füllen hatte, da ihre Rolle der Prinzessin ursprünglich für Vivian Leigh vorgesehen war, die durch ihre Arbeit an „Vom Winde verweht“ (1939) letztlich aber aus der Produktion ausschied. Diesem Dreigestirn, dass von Universal in deren Tausendundeine-Nacht-Filmen wenig später mit Maria Montez, Jon Hall und erneut Sabu – nicht nur mittels optischer Ähnlichkeiten der Schauspieler – kopiert wurde, stand ein Mann gegenüber, der allein schon mehr als 100 Filme gedreht hatte: Conrad Veidt. In Deutschland durch Stummfilme berühmt geworden, dann vor den Nazis nach England geflohen, wo er unter anderem „Jud Süß“ in einer heute wenig bekannten Verfilmung von 1934 spielte, verkörperte er als Deutscher nun einen arabischen Schurken – und das so gut, dass man es schon als stilbildend bezeichnen kann. Ebenso wie Sabu verhalf „Der Dieb von Bagdad“ auch Conrad Veidt zum Durchbruch in den USA, doch viel hatte er davon nicht mehr, da er gut zwei Jahre nach der Premiere mit nur 50 Jahren einem Herzinfarkt erlag. Veidt schuf mit seinem Jaffar eine absolut ikonische Figur des diabolischen Bösen im Film. Er soll sich am Set, so ist es überliefert, ganz entgegen seiner Rolle, als beruhigender Pol erwiesen haben, der den jungen Kollegen Rückhalt gab. Ähnlich wie Sir Laurence Olivier, der am Set von Kollegen einfach „Larry“ genannt werden wollte – mochte ihm noch so ein großer Ruf vorauseilen und sie in Ehrfurcht erstarren lassen –, war Veidt selbst für einen Debütanten wie John Justin einfach nur „Connie“. Verständlich aber, dass Veidt, trotz dass er den Schurken spielte, bei seinem großen Namen zumindest an erster Stelle der Credits genannt wurde.

Festgehalten werden muss allerdings auch, dass die Unerfahrenheit der anderen Hauptdarsteller keinesfalls ihre Leistungen schmälert. John Justin schafft es, den wohlhabenden Kalifen ohne jegliche Schmierigkeit zu spielen. Er ist kein Schönling, sondern einer, dem man abnimmt, dass er sich für sein Volk zu interessieren versucht und dessen Emotionen sogar in den Liebesszenen glaubhaft und natürlich wirken. June Duprez bezaubert mit einer kindlichen Naivität und Neugier, die die ihr im Film vorauseilende unsagbare Schönheit angenehm kontrastieren. Sabu jedoch setzt allem die Krone auf. Er mag ein Laie gewesen sein, aber genau das gibt ihm eine unvergleichlich liebenswerte Authentizität. Sein Abu wird mit diesem Film zu einem repräsentativen Gesicht für alle Träumer und Abenteuerlustigen, die mit kleinsten Mitteln Großes schaffen. Ein Vorbild für Kinder, ein Blick zurück nach vorn für Erwachsene. Er scheint zu reden wie ihm der Schnabel gewachsen ist, sein Lachen steckt an, sein bübischer Humor lässt einen wieder Kind sein, obwohl er selbst damals schon ein Teenager war. Man glaubt ihm, dass er aus der Mitte der Ärmsten der Armen kommt. Aus ihm spricht eine Aufrichtigkeit, die berührt und motiviert. Wie er, der den ganzen Film über mit freiem Oberkörper umherturnt, schließlich in feiner Garderobe landet, aber damit so gar nichts anfangen kann und auf seine eigene Art zur Musik von Miklós Rózsa in den Sonnenuntergang „reitet“, ist einer der wahrscheinlich schönsten Momente des klassischen Hollywood-Kinos. Ein Moment, der den Zuschauer mit dem Gedanken in den Abspann entlässt, dass an diesem Film eigentlich alles, aber auch wirklich alles stimmig ist. Der Film endet, und man hat ein ums andere Mal Freudentränen wie auch Tränen der Rührung in den Augen.

Eine Synchro in derselben Liga wie der Film

Da Conrad Veidt schon vor Ende des Zweiten Weltkriegs starb, eröffnete sich ihm nie die Option, sich in deutschen Synchronfassungen seiner englischsprachigen Rollen selbst zu sprechen. „Der Dieb von Bagdad“ weist nichtsdestotrotz eine erstklassige deutsche Synchronfassung auf, die ab August 1949 in den Kinos lief. Veidts Part wurde von Ernst Wilhelm Borchert übernommen, der bereits kurz nach dem Krieg als einer der Hauptdarsteller in Wolfgang Staudtes berühmtem „Die Mörder sind unter uns“ (1946) vor der Kamera auf sich aufmerksam gemacht hatte, sich dann aber zunehmend auf das Synchronisieren verlegte. Er sprach später unter anderem Alec Guinness in „Die Brücke am Kwai“ (1957), Charlton Heston in „Ben Hur“ (1959), Richard Burton in „Cleopatra“ (1962), häufig auch Henry Fonda, Richard Widmark, James Mason, Laurence Olivier und Alan Ladd. Neben Borchert als Jaffar ist Klaus Schwarzkopf als Kalif Ahmad zu hören. Schwarzkopf wurde in den 70ern als Kieler „Tatort“-Kommissar Finke bekannt, aber auch weil er zeitgleich begann, Peter Falk in der Rolle des „Columbo“ zu synchronisieren und die bekannteste deutsche Stimme des Inspektors geblieben ist. Ebenso ist die Stimme von Bettina Schön in der Populärkultur angekommen. Zuletzt synchronisierte sie Maggie Smith als Professor McGonagall in den ersten drei „Harry Potter“-Filmen, ehe sie ihre Karriere beendete – in „Der Dieb von Bagdad“ wie auch der Korda-Produktion „Vier Federn“ war sie die Stimme von June Duprez. Mit „Der Dieb von Bagdad“ begann gewissermaßen ihre Synchronlaufbahn, mit „Harry Potter“ endete sie. Darüber hinaus ist die Synchronfassung, die unter Federführung von Hans F. Wilhelm entstand, bis in die kleinste Nebenrolle atmosphärisch besetzt.

Von Anolis würdig im Regel untergebracht

Die deutsche DVD und Blu-ray bieten interessanterweise den deutschen Vor- und Abspann mitsamt einer Liste der Synchronsprecher am Ende. Das ist recht ungewöhnlich, war aber auch bei der früheren DVD-Veröffentlichung aus dem Jahr 2004 schon so. Im Film dann erscheint eine erzählerische Einblendung allerdings auf Englisch. Da einige der Synchronsprecher in kleineren Rollen kaum bekannt sind, hat diese Veröffentlichung durchaus auch einen Mehrwert dahingehend, die Stimmen somit einem Namen und auch in anderen Filmen, wo sie nicht genannt sind, zuordnen zu können. Zudem bietet die Veröffentlichung von 2012 eine ausführliche Dokumentation über Sabu und einen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, der jüngst gemeinsam mit Uwe Sommerlad auch den Audiokommentar zur Koch-Films-Veröffentlichung von „Dr. Zyklop“ (1940) beigesteuert hat. Wie gut sich Giesen auch mit den kleineren Studios des klassischen Hollywood-Kinos auskennt, kann man ferner in einem hervorragenden Interview-Featurette erleben, das er zur „Dr. Fu Manchu“-Veröffentlichung des Labels Kino Trivial beigetragen hat. Giesen ist zweifelsohne einer der größten deutschen Fachmänner, was das klassische Hollywood-Kino anbelangt – und nicht nur in diesem Bereich. Aufgrund dessen ist es etwas schade, dass er im Audiokommentar zu „Der Dieb von Bagdad“ größtenteils auf die zum Einsatz gebrachten Spezialeffekte eingeht, diese in aller Ausführlichkeit mit Zitaten und Beispielen aus anderen Filmen der Reihe nach illustriert, während die Bilder des vorliegenden Hauptfilms einfach vorbeilaufen. In den wenigen Momenten, wo er dann konkret auf das gerade Sichtbare eingeht, ist der Audiokommentar sehr spannend – und man hätte sich mehr von dieser Nähe zum Film, wie auch mehr zur Entstehungsgeschichte, gewünscht. Die Veröffentlichung aus dem Jahr 2012 gibt es neben der einfachen Auskopplung als Blu-ray oder DVD übrigens auch in drei Variationen als kleine Hartbox. Eine Ehre, die klassischen Hollywood-Filmen leider nur selten zukommt – vorbildliche Arbeit von Anolis.

Veröffentlichung: 15. November 2012 als Blu-ray und DVD, 15. April 2004 als DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Thief of Bagdad
GB 1940
Regie: Ludwig Berger, Michael Powell, Tim Whelan, Alexander Korda, Zoltan Korda, William Cameron Menzies
Drehbuch: Miles Malleson, Lajos Biró
Besetzung: Conrad Veidt, Sabu, June Duprez, John Justin, Rex Ingram, Miles Malleson, Morton Selten, Mary Morris, Bruce Winston, Hay Petrie
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, Dokumentation „Sabu der Elefantenjunge“, Original-Kinotrailer, Deutscher Kinotrailer, Bildergalerie
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment / Anolis Entertainment

Copyright 2016 by Ansgar Skulme

der_dieb_von_bagdad-packshot-br

Packshot: © Sony Pictures Home Entertainment / Anolis Entertainment, Filmplakat: Fair Use (User: DASHBot)

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: