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Leatherface (Uncut / The Source of Evil) – Muss das sein?

Leatherface

Von Volker Schönenberger

Horror // Auf der Farm der Sawyers ist Kindergeburtstag angesagt. Familienoberhaupt Verna Sawyer (Lili Taylor) hat keine Mühen gescheut und für ihren jüngsten Sohn Jedidiah (Boris Kabakchiev) eine Torte gebacken. Am Tisch sitzt auch ein unfreiwilliger Gast – gefesselt und geknebelt –, den Verna beschuldigt, ein Schwein gestohlen zu haben. Der kleine Jed bekommt als Geburtstagsgeschenk eine Kettensäge und die Anweisung, sie zu benutzen …

Ein feines Geburtstagsgeschenk

Nicht lange danach – wir schreiben Mitte der 1950er-Jahre – fährt ein jungverliebtes Pärchen über eine Landstraße und überfährt fast Jedediah, der mit einer grotesken Kuhmaske über dem Kopf auf der Straße kauert. Die junge Frau folgt dem Knirps in eine vor sich hin rottende Scheune – das bekommt ihr nicht gut.

Im Sanatorium geht’s hoch her

Zehn Jahre später ist Jedidiah Insasse einer geschlossenen Anstalt. Als Mama Verna zu Besuch kommt und ihr verweigert wird, ihren Sohn zu sehen, löst das einen nächtlichen Aufruhr aus, der einige Menschen das Leben kostet. Ein paar Insassen fliehen in der Gruppe und nehmen die Krankenpflegerin Elizabeth White (Vanessa Grasse) als Geisel mit sich.

Aus ekliger Tarnung geschlüpft

Mit ihrem Kinodebüt „Inside“ („À l’intérieur“) mischten die französischen Drehbuchautoren und Regisseure Alexandre Bustillo und Julien Maury („Among the Living – Das Böse ist hier“) 2007 die Horrorszene auf. Der beinharte Home-Invasion-Schocker bildet in Verbindung mit Alexandre Ajas „High Tension“ („Haute tension“, 2003) und Pascal Laugiers „Martyrs“ (2008) die Speerspitze des neuen französischen Terrorkinos – vielfach wird Xavier Gens’ „Frontier(s)“ (2007) noch dazugerechnet, der meiner Ansicht nach aber etwas abfällt. Wie auch immer, nun hat es Bustillo und Maury nach Amerika verschlagen, wo sie die Vorgeschichte von Tobe Hoopers notorischem „The Texas Chainsaw Massacre“ (1974) erzählen durften, der bei uns auch unter dem schönen Titel „Blutgericht in Texas“ bekannt ist. Gedreht wurde die US-Produktion allerdings in Bulgarien.

Texas Ranger Hartman trauert …

Mittlerweile bildet das texanische Kettensägenmassaker ja ein ganzes Franchise inklusive Neuverfilmung, da war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand ein Prequel verzapfen musste. Marcus Nispels Remake „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“ von 2003 hatte drei Jahre später mit „Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“ von Jonathan Liebesman eine Vorgeschichte erhalten, nun also auch das Original. Wir erfahren endlich, wie aus einem Knirps der berüchtigte Schlächter Leatherface mit der Maske aus menschlicher Haut werden konnte. Dabei hatten wir gar nicht darum gebeten, solchermaßen aufgeklärt zu werden. Obwohl: Verzeihung, es gibt zweifellos eine nennenswerte Schar an Filmguckern, die alles haarklein erklärt haben wollen und kein Verständnis für den Reiz von Mythen aufbringen.

… und geht auf Rachefeldzug

Freunde eines gepflegten Splatter-Spektakels kommen bei „Leatherface – The Source of Evil“ auf ihre Kosten, darin erschöpft sich der Reiz aber auch. Es wird zwar der Versuch gemacht, die grimmige Stimmung von Tobe Hoopers bahnbrechendem „Blutgericht“ nachzubilden, allein – es bleibt beim Versuch. Als Nemesis des Sawyer-Klans fungiert Stephen Dorff („Blade“) in der Rolle des Texas Rangers Hal Hartman – dessen Tochter ist es, die in der zweiten Szene des Films ums Leben kommt. Ich mag Stephen Dorff, aber seine Filmografie lässt mittlerweile arg zu wünschen übrig, dieser Auftritt passt da gut ins Bild.

Mit schwerer Last durch den nächtlichen Wald

Sonderbarerweise lief „Leatherface“ in den USA erst im Fernsehen, bevor er ins Kino kam. In Deutschland veröffentlichen zwei Publisher den texanischen Slasher: Die Turbine Media Group hat sich die Rechte der ungeschnittenen Fassung gesichert und bringt sie mit SPIO-JK-Siegel auf den Markt. Dieser Version wurde immerhin „keine schwere Jugendgefährdung“ attestiert, eine Indizierung ist aber nach wie vor möglich. Eine geschnittene Variante des Films hat die FSK mit einer Freigabe ab 18 Jahren passiert und wird von EuroVideo vertrieben. Die Fassungen unterscheiden sich um 93 Sekunden, erwartungsgemäß handelt es sich vornehmlich um die Kürzung einiger Gewaltspitzen. Gewohnt ausführlich haben das die Kollegen von Schnittberichte beleuchtet.

Bekommt Hartman die Kettensäge zu spüren?

Leatherface ist eine der großen Ikonen des modernen Horrorfilms, daran wird der Erklärbär des Prequels nichts ändern. Ich muss mir den Kerl ja nicht entmystifizieren, sondern kann die Vorgeschichte einfach aus meinen eigenen „The Texas Chainsaw Massacre“-Kanon streichen. Man kann „Leatherface“ schon anschauen, ohne sich zu ärgern, aber ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass ich den ersten Auftritt des Knilchs im Verlauf der Jahre, die mir noch bleiben, einige Male schaue, als dass ich mir das Prequel auch nur noch ein einziges Mal zu Gemüte führe.

Mama Sawyer hat alles im Griff

Veröffentlichung FSK-18-Fassung: 19. Dezember 2017 als Blu-ray und DVD
Veröffentlichung SPIO-JK-Fassung: 19. Dezember 2017 als 2-Disc Edition Digipack (Blu-ray & DVD, auf 1.000 Exemplare limitiert), 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 2 Covervarianten à 1.000 Exemplare, 1 Covervariante à 2.000 Exemplare), Blu-ray im Digibook (exklusiv bei der Drogeriekette Müller), Blu-ray im Steelbook und DVD

Länge: 86 Min. (Blu-ray FSK 18), 82 Min. (DVD FSK 18), 87 Min. (Blu-ray SPIO-JK), 84 Min. (DVD SPIO-JK)
Altersfreigabe: FSK 18 bzw. mit SPIO-JK-Siegel
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Leatherface
USA 2017
Regie: Alexandre Bustillo, Julien Maury
Drehbuch: Seth M. Sherwood
Besetzung: Stephen Dorff, Lili Taylor, Sam Strike, Vanessa Grasse, Finn Jones, Sam Coleman, Jessica Madsen, James Bloor, Nathan Cooper, Dejan Angelov, Boris Kabakchiev, Lorina Kamburova
Zusatzmaterial FSK-18-Fassung: keine Angabe
Zusatzmaterial SPIO-JK-Fassung: Grußwort der Regisseure, entfernte Szenen (24 Min.), Making-of (42 Min.), Promo-Featurette, Hinter den Kulissen, Interviews mit Cast & Crew, Trailer
Vertrieb FSK-18-Fassung: EuroVideo Medien GmbH
Vertrieb SPIO-JK-Fassung: Al!ve AG / Turbine Media Group

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2017 EuroVideo Medien GmbH bzw. Al!ve AG / Turbine Media Group

 
 

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Among the Living – Das Böse ist hier: Der französische Terror ist zurück

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Aux yeux des vivants

Von Volker Schönenberger

Horror // Ein paar maskierte Kinder klingeln für „Süßes oder Saures“ an einer Tür. Eine hochschwangere Frau (Béatrice Dalle) öffnet – und verscheucht sie. Im Innern des Hauses sitzt ein Mann vor dem Fernseher. Er wirkt nervös, traumatisiert. Dann tut die Frau etwas Unfassbares …

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Auftakt nach Maß

Die drei Schüler Victor (Théo Fernandez), Dan (Damien Ferdel) und Tom (Zacharie Chasseriaud) haben am letzten Tag vor den Sommerferien keine Lust zum Nachsitzen. Sie nehmen Reißaus, zünden die Scheune eines verhassten Farmers an und stromern über das Gelände eines verfallenen Filmstudios. Dort jedoch entdecken sie Entsetzliches: eine gefesselte Frau im Kofferraum eines Autos. Die drei Freunde geraten unmittelbar in ein Grauen, aus dem es kein Entkommen gibt.

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Die drei Freunde entdecken Befremdliches

Mit Filmen wie „High Tension“ (2003), „Inside“ (2007) und „Martyrs“ (2008) etablierte sich im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende das neue französische Terrorkino als extreme Variante im Horrorgenre. „Among the Living – Das Böse ist hier“ von den Regisseuren von „Inside“ hat ungeschnitten eine – gerechtfertigte – FSK-18-Freigabe erhalten und wartet mit diversen hochspannenden Sequenzen und viel Suspense auf. Beispiel gefällig? Ein Festnetztelefon klingelt. Das ist meine Handynummer. Es lag eben noch da. Das funktioniert und geht als nette Anspielung auf die grandiose Anfangssequenz aus „Das Grauen kommt um Zehn“ durch.

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Da liegt doch etwas

Der Gastauftritt von „Inside“-Nemesis Béatrice Dalle zu Beginn ist nur der Auftakt zu einer bizarren Tour de Force, die für die bedauernswerten Beteiligten einige schmerzhafte Überraschungen bereithält, auch wenn nicht jeder Gewaltakt in voller Brutalität gezeigt wird. Die Story hinkt da etwas hinterher. Bei den drei Jungs hätte etwas mehr Identifikationspotenzial geholfen, und so recht weiß man am Ende nicht, was da eigentlich geschehen ist. Dennoch hinterlässt „Among the Living – Das Böse ist hier“ insgesamt einen anständigen Eindruck.

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Was verbirgt sich unter dem Bett?

Veröffentlichung: 5. März 2015 als Blu-ray, Blu-ray 3D (inl. 2D-Fassung) und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Aux yeux des vivants
F 2014
Regie: Alexandre Bustillo, Julien Maury
Drehbuch: Alexandre Bustillo, Julien Maury
Besetzung: Théo Fernandez, Zacharie Chasseriaud, Damien Ferdel, Francis Renaud, Nicolas Giraud, Anne Marivin, Béatrice Dalle, Chloé Coulloud
Zusatzmaterial: Making-of, Bedtime Stories, Bildergalerie, deutscher Trailer, französischer Trailer, Trailershow
Vertrieb: Tiberius Film

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Kampf ums Überleben

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Tiberius Film

 

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