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Mein Leben als Zucchini – Emotionale Knete

Ma vie de Courgette

Von Matthias Holm

Puppentrick-Melodram // Mit gerade mal neun Jahren muss der Junge mit dem ungewöhnlichen Spitznamen Zucchini einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen – seine Mutter stirbt. Weil sie seine letzte lebende Verwandte war, kommt er in das Heim der netten Leiterin Papineau. Auch wenn das Zusammenleben mit den anderen Waisen, zum Beispiel dem frechen Simon, nicht immer einfach ist, findet sich Zucchini schnell zurecht. Und als dann auch noch die hübsche Camille auftaucht, ist er das erste Mal ein bisschen verliebt.

In der Kürze

Mit lediglich etwas über eine Stunde ist „Mein Leben als Zucchini“ kein sonderlich langer Film. In einer Zeit, in der gerade die Blockbuster immer ausufernder werden, ist das eine angenehme Abwechslung. Und manchmal braucht man eben auch nicht mehr Zeit, um seine Geschichte zu erzählen.

Zucchini bleibt nicht mehr lange allein

Bereits die Bilder von Claude Barras erzählen mehr als mancher Big-Budget-Streifen in seiner gesamten Laufzeit. Der Anfang mit den unzähligen Bierdosen in Zucchinis Wohnung ist ein perfektes Beispiel dafür. Auch das Design der einzelnen Knetfiguren wirkt auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig, transportiert aber bereits viel von der Geschichte der Figuren. Einzig die Hintergründe sehen etwas trostlos aus.

Dank Camille kommt der ruhige Junge aus sich heraus

Die eigentliche Story mitsamt ihrer Figuren geht direkt ans Herz. Dabei strahlt „Mein Leben als Zucchini“ durchweg eine gewisse Melancholie aus. Auch in den fröhlicheren Momenten schimmert immer wieder die schwere Vergangenheit der Kinder durch, die aus unterschiedlichen Gründen keine schönen Erinnerungen birgt.

Immerhin für den Oscar nominiert

Bis zum obligatorischen Happy End durchlebt der Zuschauer eine Achterbahn an Emotionen. Umso verdienter ist es, dass „Mein Leben als Zucchini“ bei den Oscars 2017 als bester Animationsfilm nominiert war und für die Schweiz auf die Shortlist der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ kam. Zwar gingen die Goldjungen damals an Disneys „Zoomania“ und „The Salesman“ aus dem Iran, „Mein Leben als Zucchini“ hätte beide Trophäen aber auf jeden Fall verdient gehabt.

Die Kinder helfen einander

Veröffentlichung: 25. August 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 66 Min. (Blu-ray), 64 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Ma vie de Courgette
Internationale Titel: My Life as a Zucchini / My Life as a Courgette
F/CH 2016
Regie: Claude Barras
Drehbuch: Céline Scimma
Zusatzmaterial: Making-of, Behind-the-Scenes-Clips, Zucchini beim Casting, Trailer
Label: Polyband
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2019 by Matthias Holm

Szenenbilder, Packshot & Trailer: © 2019 Polyband

 

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Störche – Abenteuer im Anflug: Also doch keine Bienchen und Blümchen

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Storks

Kinostart: 27. Oktober 2016

Von Matthias Holm

Computertrick-Fantasy-Komödie // „Mama, wo kommen eigentlich Babys her?“ „Die hat der Storch gebracht.“ Dass Störche tatsächlich Kinder zu ihren rechtmäßigen Eltern bringen, ist in Jahrhunderten der Forschung mühsam widerlegt worden. Und nun kommt auf einmal „Störche – Abenteuer im Anflug“ daher und will uns das doch wieder verkaufen? Na, ob der Film das wohl schafft …

STORKS

Tulip fristet ein einsames Dasein auf dem Storchenberg

Dabei gibt es einfach eine enorm gute Erklärung, warum die Störche in letzter Zeit keine Kinder austragen: Es ist nicht lukrativ. Der Online-Handel allerdings, den die Vögel sich auf dem Storchenberg aufgebaut haben, der wirft eine Menge Profit ab. Leider gibt es da den Tollpatsch Junior. Der kurz vor einer Beförderung stehende Storch setzt bei einer Auseinandersetzung mit dem einzigen Menschen auf dem Storchenberg, der Mechanikerin Tulip, die Baby-Produktionsmaschine in Gang. Damit ihr Boss von alldem nichts mitbekommt, versuchen Junior und Tulip, das Kind unbemerkt an die Familie zu liefern, die die Bestellung aufgegeben hat – was in einer wahren Odyssee endet.

Parallelen zu „Angry Birds“

„Störche – Abenteuer im Anflug“ ist erstaunlich gut mit einem Film zu vergleichen, der in diesem Jahr bereits im Kino lief: „Angry Birds“. Beide Filme setzen auf absurde Ideen und einen schnellen, teilweise enorm hektischen Rhythmus. Doch im Gegensatz zu „Angry Birds“, der dadurch hyperaktiv wirkte, trifft „Störche“ das nötige Erzähltempo deutlich besser. Die Zuschauer bekommen immer wieder Ruhepausen spendiert, in denen die nicht unbedingt originellen, aber immer wieder unterhaltsamen Dialoge den Fokus einnehmen. So kann man sich auf die nächste Eskapade freuen, die uns die Regisseure Nicholas Stoller und Doug Sweetland servieren.

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Junior ist begeistert vom Baby

Und davon gibt es einige. Die kreativen Ideen, die die Macher einbringen, sind immer wieder erstaunlich. Gerade die Wölfe sind absolute Szenendiebe, wenn sich das gesamte Rudel in die absurdesten Dinge verwandelt, zum Beispiel eine Brücke. Auch die Familie Gardner, deren Sohn Nate die Geschichte mit seinem Wunsch nach einem Geschwisterkind ins Rollen bringt, entwickelt in ihrem Nebenhandlungsstrang die eine oder andere wahnwitzige Idee, die entgegen jeglichen Realismus sogar noch während des Films durchgeführt werden.

Taube Toady nervt!

Leider bedient sich „Ströche“ bei aller Absurdität am Ende doch an einer sehr simplen Geschichte, die überraschungsarm vor sich hin plätschert. Auch ist einer der Antagonisten, die Taube Toady, in der deutschen Synchronisation mit einem Surfer-Slang extrem nervig geraten, sodass man über jede Sekunde froh ist, die diese Figur nicht auf der Leinwand verbringt.

STORKS

Tulip und Junior schlittern ins Abenteuer

Auch wenn die Botschaft, der Storch bringe die Kinder, wohl der Schrecken jedes aufklärerischen Elternpaares ist, hat „Störche – Abenteuer im Anflug“ am Ende dennoch eine der wohl schönsten Szenen dieses Filmjahrs: Wenn in schnellen Schnitten gezeigt wird, wie unterschiedlichste Familienformen mit Kindern beglückt werden, ist dies eine wunderbare Aussage gegen all jene, die das ach so traditionsreiche Bild der klassischen „Vater-Mutter-Kind“-Familie propagieren und nichts anderes zulassen. Das beschreibt „Störche – Abenteuer im Anflug“ auch perfekt – zwar ist die Grundthematik etwas altbacken, aber der Umgang damit ist einfach kreativ und gut.

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Die Taube kann sogar Drohnen fliegen

Länge: 100 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Storks
USA 2016
Regie: Nicholas Stoller, Doug Sweetland
Drehbuch: Nicholas Stoller
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2016 Warner Bros Entertainment Inc.

 

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Findet Dorie – Einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen …

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Finding Dory

Kinostart: 29. September 2016

Von Matthias Holm

Computertrick-Abenteuer // „Toy Story“ samt Fortsetzung, „Das große Krabbeln“ und „Die Monster AG“ – nicht die schlechtesten Filme, um ein Studio als feste Größe zu etablieren. Doch 2003 gelang Pixar das Kunststück, mit „Findet Nemo“ unsere Gesellschaft nachhaltig zu beeinflussen. Das klingt jetzt radikaler als es ist. Aber man muss einfach nur ein Kind fragen, wie diese lustig aussehenden, orangefarbenen Fische heißen. Nur wenige werden wissen, dass es sich um einen Clownfisch – oder genauer: Anemonenfisch – handelt, vielmehr hingegen, dass sie irgendetwas mit Nemo zu tun haben.

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Nemo, Dorie und Marlin (v. l.) wohnen inzwischen zusammen

Nebenbei war „Findet Nemo“ ein flotter Film mit einem wahren Panoptikum an Nebenfiguren, wie die Surfer-Schildkröten, vegetarische Haie oder die besitzergreifenden Möwen. Nach 13 Jahren kommt nun eine Fortsetzung in die hiesigen Kinos und die Erwartungen könnten nicht größer sein. Doch leider misslingt es „Findet Dorie“, jenseits der Nostalgie-Schiene einen besonders guten Film abzuliefern.

Auf der Suche nach der Familie

Nach Jahren erinnert sich die ansonsten so vergessliche Fischdame Dorie (Stimme: Anke Engelke) wieder an ihre Eltern. Überstürzt bricht sie auf, um ihre Familie zu finden. Marlin (Christian Tramitz) und Sohn Nemo (Vicco Götze-Claren) reisen hinterher, damit dem vergesslichen Paletten-Doktorfisch nichts passiert. Doch Dorie wird von Biologen aufgelesen und in ein Reservat für kranke Meerestiere gebracht. Dort trifft sie auf den mies gelaunten Oktopus Hank (Roland Hemmo), der ihr verspricht, bei der Suche nach den Eltern zu helfen.

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Dorie hilft Herrn Rochen in der Fisch-Schule

Das größte Problem hat „Findet Dorie“ mit seiner Protagonistin und der mit ihr einhergehenden Erzählstruktur. Als Nebenfigur funktioniert Dorie mit ihrer Vergesslichkeit enorm gut. Wenn dies aber nun zum Hauptplot erhoben wird, gibt es ein großes Problem: Dories schlechtes Gedächtnis ist enorm selektiv. Sie vergisst oder erinnert sich immer nur dann etwas, wenn es gerade für den Plot wichtig ist. Und wenn sie sich an die Vergangenheit erinnert, wird dies stets in Rückblenden gezeigt. Das visualisiert zwar Dories Gedanken, bremst aber den Erzählfluss der Haupthandlung immer wieder aus. Und nur an einer Stelle haben diese Rückblenden auch einen so hohen Wert, dass es fürs aktuelle Geschehen eine bedeutsame emotionale Rolle spielt.

Mehr Drama als Komödie

Emotionen sind auch in „Findet Dorie“ wichtig. Denn obwohl es durchaus komische Momente gibt, ist der Film eher ein Drama. Gut zu erkennen war dies in der Pressevorführung, in die Kinder mitgebracht werden durften. Bei einem solchen Publikum hätte man vermuten können, dass es laut und lustig zugeht, aber das Gegenteil war der Fall – es war fast durchgehend still. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber „Findet Dorie“ schafft es mit Ausnahme erwähnter Stelle nie, den Zuschauer emotional abzuholen. Dafür sind die Meerestiere meist zu beliebig oder zu unsympathisch.

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Krake Hank schlägt einen Deal vor

Marlin zum Beispiel war bereits im ersten Teil ein Miesepeter, hat während des Films aber eine Entwicklung durchgemacht. Diese scheint hier vollkommen über Bord geworfen zu sein, denn Papa Clownfisch ist durchgängig schlecht gelaunt und nörgelt herum. Ähnlich geht es mit dem Oktopus Hank. Seine Versteck-Künste sind gute visuelle Gags, sein dunkles Gemüt steht einem ungehemmten Spaß aber im Wege. Warum Hank so schlecht drauf ist, wird zudem nie erklärt, sondern in einem Nebensatz abgehandelt – ich sehe da schon die Produktion eines Prequels. Auch die übrigen neuen Figuren, etwa eine kurzsichtige Wal-Dame und eine verrückte Ente, sind zwar ganz nett, werden aber niemandem lange im Gedächtnis bleiben.

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Die Seelöwen geben ihren Stein nicht her

Das klingt jetzt alles äußerst negativ. Das liegt einfach daran, dass ich mich wirklich auf diesen Film gefreut habe, da Pixar im vergangenen Jahr mit „Alles steht Kopf“ und dem unausgegorenen, aber dennoch unterhaltsamen „Arlo & Spot“ tolle Filme herausgebracht hat und „Findet Nemo“ einer meiner Lieblings-Pixar-Filme ist. Und es gibt sie, die unfassbar niedlichen Momente und die gekonnten Slapstick-Einlagen in brillanter Optik. Nur leider ist „Findet Dorie“ kein das Nemo-Universum sinnvoll erweiternder Beitrag wie die beiden „Toy Story“-Fortsetzungen, sondern eher ein „Cars 2“.

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Auf ihrer Reise gewinnt Dorie neue Freunde

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Willem Dafoe sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Finding Dory
USA 2016
Regie: Andrew Stanton, Angus MacLane
Drehbuch: Andrew Stanton, Victoria Strouse, Bob Peterson, Angus MacLane
Originalstimmen: Ellen DeGeneres, Albert Brooks, Ed O’Neill, Kaitlin Olson, Hayden Rolence, Ty Burrell, Diane Keaton, Eugene Levy, Idris Elba, Dominic West, Sigourney Weaver, Willem Dafoe
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

 

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