RSS

Schlagwort-Archive: Animationsfilm

Onward – Keine halben Sachen: Was wäre, wenn …?

Onward

Kinostart: 5. März 2020

Von Philipp Ludwig

Computertrick-Fantasykomödie // Was wäre, wenn sich Frodo Beutlin auf Google Maps verlassen hätte, an der Grenze zu Mordor aber der Handyempfang flöten gegangen wäre? Wenn Jon Snow die Pflege seines Instagram-Profils (#iknownothing) dem beschwerlichen Kampf gegen den Nachtkönig vorgezogen hätte? Oder Geralt von Riva sich nicht seiner Bestimmung widmen würde, als Hexer Monster zu jagen, um lieber auf YouTube seine Routine-Videos zu perfektionieren? Als nerdaffiner, dem Fantasy-Genre in Buch, Film und Videospiel zugeneigter Mensch habe ich mich immer mal wieder bei der Frage erwischt, was wohl gewesen wäre, hätte auch in Mittelerde oder Westeros der technische Fortschritt Einzug gehalten.

Die Lightfoots – sieht so eine ganz normale Elfenfamilie aus?

In gewisser Weise wirkt es schon ein wenig komisch. Da haben wir Welten, in denen allerlei skurrile Geschöpfe und schwer greifbare Kräfte wie die Magie allgegenwärtig sind – einen wirklichen technischen Fortschritt gibt es aber selbst in Hunderten, gar Tausenden von Jahren nicht zu beobachten. Natürlich stellt gerade dies einen entscheidenden Erfolgsgaranten des Genres dar, als Gegenentwurf zu unserer eigenen hektischen und fortschrittshörigen Gegenwart. Ein Hoch auf den Eskapismus. Die kreativen Köpfe der Pixar Studios um Autor und Regisseur Dan Scanlon („Die Monster Uni“) haben sich in ihrem neuesten Animationsstreich „Onward – Keine halben Sachen“ auf filmische Weise genau dieser „Was wäre wenn?“-Fragestellung angenähert. Ob sie dabei an großartige Klassiker aus der langen Erfolgsgeschichte des Studios wie „Wall-E“, „Die Monster AG“ oder die „Toy Story“-Reihe anknüpfen können?

Vom Gegenentwurf zum Partner

Durch bahnbrechende Animationsfilme konnte sich Pixar seit den 1990ern nicht umsonst als größter Konkurrent der Trickfilmgiganten aus dem Hause Disney hervortun. Entgegen der oft allzu moralisch und kitschig angehauchten Disney-Produktionen gelang es den Pixar-Filmen auf ansprechende Weise, verschiedene Aspekte unter einen Hut zu bringen. So bieten ihre meist ausgesprochen intelligenten Werke Anknüpfungspunkte für Jung und Alt. Sei es durch eine vordergründig putzige Inszenierung und den meist hintergründigen Humor mit zahlreichen Anspielungen auf andere Werke der Popkultur – oder durch ihre Behandlung feinfühliger und tiefgründiger Themen des Lebens. Ein filmischer Meilenstein wie „Wall-E“ etwa ist mir in meinem medienwissenschaftlichen Studium in gleich drei Seminaren als analytisches Referenzobjekt über den Weg gelaufen. Ob im Philosophieseminar als Diskussionsgegenstand zu Fragen rund um das Thema der „Personal Identity“ oder im Drehbuchseminar als Beispiel, wie man einen nichtmenschlichen Helden durch den Schreibprozess „menschlich“ werden lässt – das Werk hat deutlich mehr zu bieten als nur die rührende Liebesgeschichte eines niedlichen Müllsammlers. So bieten Pixar-Filme in der Regel nicht nur viel Grund zum Lachen (und mitunter Weinen), sondern sie regen dankenswerterweise stets zum Nachdenken an. Kein Wunder also, dass sich Disney auch diesen Konkurrenten nach bereits anfänglicher enger Zusammenarbeit mittlerweile auch offiziell „einverleibt“ hat.

Der schüchterne Ian (l.) und sein stets auf sein Bauchgefühl vertrauender Bruder Barley

„Onward – Keine halben Sachen“ wirft uns in eine prototypische fantastische Welt. Hier gibt es alles, was das Fantasy-Herz begehrt: Gandalfeske Zauberer bekämpfen monströse Drachen. Tapfere Reckinnen und Recken bestehen Abenteuer aller Art. Elfen leben friedlich neben Zwergen, Meerjungfrauen und Trollen. Majestätische Einhörner fliegen durch die Lüfte. Auch für den Komfort wird gesorgt. Zumindest, wenn sich ein Magier dazu erbarmt, einem ein kleines Feuerchen zu entzünden oder die Hütte zu erwärmen. Doch irgendwie sind es die Bewohner dieser Welt satt, für derlei Bequemlichkeiten stets auf die Hilfe der Zauberer angewiesen zu sein oder den komplizierten Umgang mit der Magie selbst zu erlernen. Vor allem als sich herumspricht, dass es jemanden gelungen ist, etwas viel Bequemeres zu erfinden: die Glühbirne. Da die verheißungsvollen Versprechungen von Technik und Elektrizität auch für magiegewohnte Lebewesen einfach zu verlockend sind, ist der Fortschritt nicht mehr aufzuhalten.

Fantasy im Smartphone-Zeitalter

Zeitsprung: New Mushroomton ist eine moderne mittelgroße Stadt, ausgestattet mit allerlei Hightech-Schnickschnack wie Smartwatches und Navis. Magie oder Zauberer sucht man hier vergebens. Elfen arbeiten jetzt mitunter als Buchhalter, einst vor Kraft strotzende Zentauren als lauffaule Polizisten und die ehemals majestätischen, nun verwahrlosten Einhörner giften sich in den Straßen gegenseitig beim Müllfressen an. Auch die einst gefürchteten Drachen nehmen mittlerweile eher die Rolle von zahmen Schoßhündchen ein. Dort leben die jungen Elfen-Brüder Ian und Barley Lightfoot mit ihrer alleinerziehenden Mutter. An seinem 16. Geburtstag wird der schüchterne Ian von Existenzängsten geplagt und fragt sich, wer er eigentlich einmal im Leben sein will. Zu gern würde er sich den Rat seines als umgänglich bekannten, von allen geliebten Vaters wünschen. Doch leider starb der kurz vor Ians Geburt an einer tödlichen Krankheit. Ians großer Bruder Barley hingegen interessiert sich mehr für die nächste Quest in einem Abenteuer-Brettspiel. Sowieso scheint der tollpatschig veranlagte, aber liebenswerte Nerd einer der letzten zu sein, der sich noch für die spannende Historie einer einst so besonderen Welt interessiert.

Ian lässt ungeahntes Talent hervorblitzen

Zum Geburtstag erhält Ian ein lang gehütetes Geschenk seines toten Vaters, das seine Mutter ihm erst zum 16. Geburtstag überreichen durfte: einen alten Zauberstab samt Zauberspruch! Dieser soll helfen, den Verstorbenen einmalig für einen letzten gemeinsamen Tag zurückzuholen. Erstaunlicherweise zeigt Ian tatsächlich Ansätze eines magischen Talents. Dumm nur, dass der für den komplizierten Zauberspruch existenzielle Part des Stabes – ein Phönixstein – während der noch etwas ungelenken Magieeinlage des Anfängers zerbricht. Um den Vater, von dem aufgrund des Missgeschicks leider nur der (immerhin quicklebendige) Unterleib beschworen wurde, zu vervollständigen, wird rasch Ersatz benötigt. Die Zeit läuft, denn in 24 Stunden wäre selbst dieser halbe Vater endgültig für alle Zeit verloren. Es beginnt für die beiden Brüder eine aufregende Quest, die sie vor allerlei Herausforderungen stellen wird. Da trifft es sich für Ian natürlich gut, mit Obernerd Barley und dessen reichhaltigem Erfahrungsschatz den richtigen Partner an der Seite für ein zünftiges Abenteuer zu haben. Oder etwa nicht?

Eine Ode an die Nerds

Der animationsfilmerfahrene Dan Scanlon und sein Team bieten in den knapp hundert Minuten Laufzeit von „Onward – Keine halben Sachen“ eine gehörige Menge Abwechslung. So handelt es sich in erster Linie um eine liebenswerte Parodie des Fantasy-Genres ebenso wie eine Liebeserklärung an ausgeprägtes Nerdtum. Man merkt an der Qualität der Witze sowie der Liebe zu den einzelnen Figuren und Anspielungen auf Filme, Bücher und Spiele des Genres, dass die Macher selbst eine gewisse Nerdigkeit besitzen dürften. Ihr Werk lässt sich somit als Hommage an all die Leseratten, Filmfreaks und Brettspielhelden da draußen verstehen, statt sich beispielsweise auf ihre Kosten über sie lustig zu machen.

Seine magischen Fertigkeiten reichen zunächst jedoch nur für eine unvollständige Beschwörung

„Onward – Keine halben Sachen“ bietet aber viel mehr als das. Der Animationsfilm enthält weitere Elemente populärer Genres, etwa des Coming-of-Age-Films und des Roadmovies. Ebenso werden auf tiefgründige und emotionale Weise existenzielle Themen des Lebens behandelt. Sei dies die schwierige Frage nach der eigenen Identität oder der Umgang mit dem schmerzlichen Verlust nahestehender Menschen. Durch das obskure Gedankenexperiment, die Auswirkungen technischer Entwicklungen auf eine magische Welt auf amüsante Weise durchzuspielen, bietet sich darüber hinaus auch großes Potenzial zu einer sozialkritischen Betrachtung unserer der Technik verfallenen Gesellschaft. So ist zum Beispiel eine einst gefürchtete und legendäre Mantikora Corey als zahm gewordene Gastronomin eines Familienschnellrestaurants gegenwärtig eher über eine kaputte Karaokemaschine und damit verbundene negative Bewertungen im Internet besorgt. Ebenso droht die Begegnung mit einer nicht zu unterschätzenden Bikergang aus dem Ruder zu laufen, bestehend aus winzigen, Lederjacken tragenden und vollbärtigen Feen mit rosa Flügelchen. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht, seht selbst! Der technische Fortschritt scheint sich für die einst so fabelhaften Bewohner von New Mushroomton aber nicht nur als Segen herausgestellt zu haben, zumindest, was ihre sie einst kennzeichnende Fabelhaftigkeit betrifft.

Barley und Ian erhoffen sich Hilfe von Corey (r.)

Obwohl insbesondere die tragische Geschichte um zwei Brüder, die alles daran setzen wollen, den Verlust ihres Vaters wenigstens für einen kurzen Moment zu negieren, für das eine oder andere feuchte Augenpaar sorgen dürfte – im Vordergrund stehen natürlich ganz klar die Lacher. Und von denen hat „Onward – Keine halben Sachen“ mehr als genug zu bieten. Da uns in der Pressevorführung dankenswerterweise die englischsprachige Originalversion gezeigt wurde: Der Film profitiert hier insbesondere durch die tollen Sprecher Tom Holland (Ian) und Chris Pratt (Barley). Gerade Pratts stimmliche Darbietung als dauerquasselnder und einfach rundherum liebenswerter Tollpatsch Barley ist ein großer Spaß. Auch die zentralen weiblichen Rollen von Ians und Barleys Mutter Laurel sowie Mantikora Corey sind mit „Seinfeld“-Star Julia Louis-Dreyfus sowie Octavia Spencer („Ma“) vortrefflich besetzt.Wie sich dagegen ihre deutschen Kollegen schlagen werden, kann ich demnach nicht in Gänze beurteilen. Der unten verlinkte Trailer lässt aber auf eine gelungene Umsetzung hoffen.

Ein großer Spaß

„Onward – Keine halben Sachen“ ist trotz aller Kreativität, Gefühl und treffendem Humor allerdings kein neuer „Wall-E“ oder „Toy Story“. Um die großen Fußstapfen der imposantem Pixar-Historie vollständig auszufüllen, fehlt am Ende leider doch ein wenig der letzte Funken Genialität. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dem neuesten Werk der Animationsschmiede, die sich trotz Übernahme durch Disney viel von ihrem anarchischen Charme bewahren konnte, um einen fantastischen Spaß. Sowohl junge als auch ältere Vertreter im Publikum dürften hier viel Grund zur Freude haben, auch wenn die Kleineren wohl besser zu Hause bleiben sollten. Gerade der überaus aktive Unterleib von Papa Lightfoot könnte doch für so manche Irritationen sorgen. Trotz der zahlreichen Nerd-Anspielungen dürfte durch die abwechslungsreiche Inszenierung und thematische Vielfalt auch für diejenigen unter euch etwas dabei sein, die ansonsten weniger dem Fantasy-Genre zugeneigt sind. Insbesondere wenn man bereits an anderen Pixar-Streifen Gefallen fand. Diese Angaben sind allerdings ohne Gewähr, da ich mich in weniger nerdig veranlagte Menschen noch nie sonderlich gut hineinversetzen konnte.

Auf das Bruderpaar wartet ein großes Abenteuer

Edle Gefährten, es bleibt mir zum Abschluss daher nur, euch folgenden weisen Rat auszusprechen: Werft euch eure besten Umhänge über, strafft die Gürtel, schnürt die Stiefel und dann mit einem kräftigen „Onward!“ auf den Lippen auf zum nächsten Lichtspielhaus! Immer daran denken: Beim Zaubern stets auf die richtige Körperhaltung achten! Und provoziert auf euren Wegen möglichst keine Feen!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Octavia Spencer haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Chris Pratt unter Schauspieler.

Wird es Ian gelingen, erstmals seinen vollständigen Vater zu treffen?

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Onward
USA 2020
Regie: Dan Scanlon
Drehbuch: Dan Scanlon, Jason Headley, Keith Bunin
Originalsprecher: Tom Holland, Chris Pratt, Julia Louis-Dreyfus, Octavia Spencer, Mel Rodriguez, Tracey Ullman, John Ratzenberger, Lena Waithe, Ali Wong
Verleih: Walt Disney Studios Motion Picture Germany

Copyright 2020 by Philipp Ludwig

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2019 Disney/Pixar. All rights reserved.

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Die Eiskönigin II – Elsa zaubert wieder Eis und Schnee

Frozen II

Kinostart: 20. November 2019

Von Iris Janke

Computertrick-Abenteuer // Ganze sechs Jahre hat es gedauert, bis zu Disneys überaus erfolgreichem „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ von 2013 (weltweites Einspielergebnis knapp 1,3 Milliarden Dollar) der zweite Teil erschienen ist. Dass eine Fortsetzung kommt, war klar – die Möglichkeit, noch einmal mit Kinobesuchern und jeder Menge Merchandising-Produkten so richtig Kasse zu machen, hätte sich wohl keine Filmproduktionsfirma entgehen lassen.

Gute Freunde: Rentier Sven und Schneemann Olaf

Aber: Was soll ich sagen, das lange Warten hat sich gelohnt. Die bekannten liebevollen Figuren sind wieder an Bord. Natürlich die ungleichen Schwestern Elsa und Anna, der sprechende Schneemann Olaf (deutsche Stimme: Hape Kerkeling), Rentier Sven und der attraktive Kristoff. Getreu dem Motto „Never Change a Winning Team“, hat Disney bei der Regie auf das bewährte Duo Chris Buck und Jennifer Lee gesetzt. Ergebnis erneut: ein gelungener, äußerst professionell inszenierter Animationsfilm in zauberhafter Kulisse.

Was würde Anna nur ohne den Schneemann Olaf tun?

Auch die Story ist keineswegs mit heißer Nadel gestrickt: Die ältere Elsa ist nach dem Tod ihrer Eltern Königin von Arendelle. Dann bedroht ein eigenartiger böser Zauber die idyllische, ruhig scheinende Fjordlandschaft. Elsa fühlt sich magisch von einer geheimnisvollen Stimme angezogen, die ein Unheil für das Königreich ankündigt. Um Arendelle zu schützen, folgt sie mit ihrer Schwester Anna deren Freund Kristoff, dem Rentier Sven und dem Schneemann Olaf dem Ruf der Stimme in den Wald. Erneut nutzt Elsa ihre Fähigkeit, mit den Händen Schnee und Eis zu zaubern …

Dunkle Wolken über der Idylle – ein böser Zauber?

Positiv: „Die Eiskönigin II“ ist, wie schon der erste Teil, nicht nervig mit Gesangseinlagen überfrachtet. Der Oscar-prämierte Ohrwurm „Let It Go“ aus dem überaus erfolgreichen Soundtrack des ersten Teils muss natürlich sein (deutsche Version: „Ich lass los“). Trotzdem begleiten und unterstreichen die Lieder eher sinnvoll den Inhalt des Films. Der Zuschauer hat keineswegs den Eindruck, dass das allseits gefürchtete „Kasse machen“ im Vordergrund steht, fühlt sich einfach gut unterhalten.

Ein starkes Team: Elsa, Anna, Kristoff und Rentier Sven (v. l.)

Natürlich wendet sich auch „Die Eiskönigin II“ vor allem an das jüngste Kino-Publikum. Die Kinder, die ihre Eltern in den ersten Teil hineingezerrt und diese danach um Merchandising-Produkte angebettelt haben, fühlen sich inzwischen vielleicht zu alt dafür. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass dem Thema Liebe (zwischen Prinzessin Anna und Kristoff) nun inhaltlich mehr Platz zugestanden wird und auch die Witze von Schneemann Olaf irgendwie erwachsener wirken – somit eventuell doch nicht nur etwas für die Jüngsten.

Vielleicht haben die Kinder, aus denen nun Teenager geworden sind, inzwischen jüngere Geschwister und „Die Eiskönigin II“ erreicht ein ganz neues, junges Publikum. Zu wünschen wäre es der aufwendigen, sorgfältig gestalteten Disney-Produktion jedenfalls. Lehrreiche Botschaft des Films: Mut, Vertrauen und Völkerverständigung lohnen sich.

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Frozen II
USA 2019
Regie: Chris Buck, Jennifer Lee
Drehbuch: Jennifer Lee, nach Motiven eines Märchens von Hans Christian Andersen
Originalsprecher: Kristen Bell, Jonathan Groff, Evan Rachel Wood, Jason Ritter, Idina Menzel, Sterling K. Brown, Josh Gad, Alan Tudyk, Rachel Matthews, Jeremy Sisto, Ciarán Hinds, Alfred Molina, Martha Plimpton, Mattea Conforti, Hadley Gannaway
Verleih: Walt Disney Motion Pictures Germany GmbH

Copyright 2019 by Iris Janke

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2019 Disney. All rights reserved

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Der Prinz von Ägypten – Der Exodus als Zeichentrick-Abenteuer

The Prince of Egypt

Von Volker Schönenberger

Zeichentrick-Abenteuer // Das 2. Buch Mose erzählt als Teil des Alten Testaments der Christen und der Tora der Juden gleichermaßen vom Auszug (Exodus) der Israeliten aus Ägypten unter der Führung von Moses. Der Überlieferung zufolge lebten die Israeliten in Ägypten in Knechtschaft. Weil der Pharao die Tötung der männlichen Kinder der Israeliten angeordnet hatte, setzte Moses’ Mutter ihren Sohn im Säuglingsalter in einem Schilfkorb im Nil aus, woraufhin er von einer Tochter des Pharaos gefunden wurde und fortan am Hof des Herrschers aufwuchs.

Seine Mutter setzt Moses im Nil aus

Später erhielt Moses von Gott den Auftrag, sein Volk aus Ägypten ins Gelobte Land zu führen. Weil der Pharao dies verweigerte, ließ der gar nicht mal so liebe Gott zehn Plagen über die Ägypter kommen. Nun erst ließ der Herrscher die Israeliten ziehen, doch bald darauf besann er sich und verfolgte sie mit seinen Heerscharen. Mit göttlicher Fügung bewirkte Moses, dass sich das Meer teilte und die Israeliten über den nun trockenen Meeresboden gen Freiheit weiterziehen konnten. Als die ägyptische Kriegsschar ihnen folgte, ließ Gott die Fluten über die Verfolger hereinbrechen, woraufhin sie jämmerlich ertranken. Seltsam? Aber so steht’s geschrieben …

Die Frau des Pharaos findet den Schilfkorb

„Der Prinz von Ägypten“ erzählt die Geschichte des Exodus nach und markiert nach „Antz“ (1998) den zweiten Animationsfilm der seinerzeit noch jungen Produktionsfirma DreamWorks, die Steven Spielberg, Jeffrey Katzenberg und David Geffen 1994 gegründet hatten. Mit DreamWorks Animation ging das Studio in direkte Konkurrenz zum Zeichentrick-Platzhirsch Walt Disney und dem ebenfalls jungen Studio Pixar, das 1995 mit „Toy Story“ das Zeitalter der Computertrickfilme eingeläutet hatte. War „Antz“ bereits vollständig am Computer entstanden, wurde „Der Prinz von Ägypten“ noch als herkömmlicher Zeichentrickfilm produziert.

Der Exodus – historisches Ereignis oder Fantasie?

Das Bibel-Abenteuer hält sich im Großen und Ganzen an die Vorlage, nimmt sich aber viele Freiheiten und schmückt das Geschehen mit zahlreichen eigenen Einfällen aus. Das ist auch nicht weiter wild, denn wenn man den Erzählungen des Alten Testaments überhaupt Glauben schenken mag, dürfte doch unstrittig sein, dass viele darin geschilderte Ereignisse überhaupt nicht historisch belegt und in weiten Teilen und etlichen Details der Fantasie entsprungen sind – merkt’s euch, Kreationisten, immer zweimal mehr wie Ihr!

Moses (l.) und Ramses sind beste Freunde geworden …

Anders als in der Bibel beispielsweise entdeckt im Film nicht die Tochter des Pharaos den Schilfkorb im Nil, sondern dessen Ehefrau – historisch gesehen müsste es sich dabei um eine gewisse Tuja handeln. Die Freundschaft zwischen Moses und dem Königssohn und späteren Pharao Ramses findet sich in der Bibel nicht. Im Film sind die beiden anfangs zwei unbekümmerte junge Kerle mit zu viel Testosteron im Blut, die sich ein wildes Wagenrennen liefern, bei dem allerlei zu Bruch geht. Das bringt ihnen eine scharfe Rüge von Pharao Sethos ein. Bald darauf trifft Moses auf seine Schwester Miriam, die Jahre zuvor den Weg des Schilfkorbs auf dem Nil verfolgt hatte und seitdem aus der Ferne über ihren kleinen Bruder wacht. Sie weckt erste Zweifel an seiner Herkunft in ihm, und eine Weile und einige Ereignisse später findet sich Moses in der Wüste wieder.

… und müssen vom Pharao scharfe Kritik einstecken

Für den von Whitney Houston und Mariah Carey interpretierten Filmsong „When You Believe“ erhielt Stephen Schwartz den Oscar, er und Hans Zimmer wurden für den Score zudem Oscar-nominiert. Mein Fall ist die Musik nicht, das gilt für die eingestreuten Songs ebenso wie für den typischen Hans-Zimmer-Streicherteppich, der sich wie ein Mantel über den gesamten Film legt. Das gefällt aber offenbar vielen, und der Erfolg gibt Hans Zimmer recht, wer bin ich also, daran herumzumäkeln?

Der junge Mann trifft seine Schwester Miriam …

Die Besetzung der Originalsprecher liest sich erlesen: Val Kilmer spricht Moses, als Ramses hören wir Ralph Fiennes. Sandra Bullock leiht Moses’ Schwester Miriam die Stimme, Jeff Goldblum seinem Bruder Aaron. Michelle Pfeiffer spricht Zippora, in die sich Moses verliebt. In weiteren Rollen sind Patrick Stewart, Helen Mirren, Steve Martin, Danny Glover und Martin Short sowie die Sängerin Ofra Haza zu hören. Diese Stimmen sind als großer Pluspunkt zu werten.

… und entdeckt das Geheimnis seiner Herkunft

Obwohl ambitioniert, wandelt „Der Prinz von Ägypten“ als Zeichentrickfilm auf bekannten Pfaden, fügt der Technik auch keine neuen Impulse hinzu – seinerzeit ohnehin schwierig angesichts des mächtig aufkommenden Computertrickfilms. Aber es muss auch nicht immer die größte Innovationskraft sein, wenn die Unterhaltung stimmt – und das kann man dem alttestamentarischen Abenteuer nicht absprechen. Die Bibel ist eben ein Füllhorn actionreicher Geschichten, das zeigt sich besonders beim Exodus.

Die zehn Gebote

Wenn am Ende Moses vom Berg Sinai hinabsteigt und die zehn Gebote mitbringt, bietet das natürlich eine prima Gelegenheit, in eine kritische Debatte zum Christentum einzusteigen. „Du sollst nicht töten.“ So lautet das nach katholischer und evangelischer Zählung fünfte Gebot – bei den Juden und diversen christlichen Abspaltungen zählt es als das sechste. Hm – hat Gott nicht erst kurz zuvor das ägyptische Heer ertränkt? Hat er nicht als zehnte Plage die erstgeborenen Söhne der Ägypter ermordet? Nun ja, womöglich galten die zehn Gebote damals nur unter den Israeliten und für Gott selbst schon mal gar nicht. In dem Fall dürfte der Allmächtige sogar nach Herzenslust Ehebruch betreiben, der alte Schlawiner. Böse Zungen könnten gar behaupten, dass der liebe Gott des Alten Testaments ein rassistischer Massenmörder war, für diese These lassen sich etliche Bibelstellen finden. Aber beenden wir das, an der trotz einiger sekundärer Kritikpunkte großen Qualität von „Der Prinz von Ägypten“ als toll gezeichnetes Epos ändert das nichts.

Aus Freunden sind Feinde geworden

Wer von der Geschichte des Auszugs der Israeliten aus Ägypten nicht genug bekommen kann und über ausreichend Sitzfleisch verfügt, mag an einem mit „Der Prinz von Ägypten“ beginnenden Triple Feature Gefallen finden – mit Cecil B. DeMilles monumentalem „Die zehn Gebote“ (1956) mit Charlton Heston als Moses und Yul Brynner als Ramses als zweitem Beitrag, gefolgt von Ridley Scotts „Exodus – Götter und Könige“ (2014), in dem Christian Bale Moses und Joel Edgerton Ramses verkörpern. Ein dreifacher Exodus in epischer Überlänge, das wäre doch was, nicht wahr? Eine qualitative Rangfolge dieser drei Bibel-Adaptionen will ich hier nicht liefern, zu sehr unterscheiden sich die Filme. „Die zehn Gebote“ mag die spektakulärste Umsetzung des Stoffs darstellen. Als Zeichentrick-Abenteuer funktioniert „Der Prinz von Ägypten“ aber sehr gut. Das DreamWorks-Epos bietet gute Gelegenheit, dem Nachwuchs im Kreis der Familie die Geschichte des Exodus zu vermitteln. Auch ein Atheist wie ich kann das für seine Kinder als sinnvoll erachten.

Moses bringt den Ägyptern die Plagen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sandra Bullock und Helen Mirren sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Ralph Fiennes, Jeff Goldblum, Steve Martin und Patrick Stewart unter Schauspieler.

Exodus

Veröffentlichung: 4. Oktober 2018 als Blu-ray, 6. September 2018, 1. März 2018, 26. Februar 2015, 4. Juli 2006 und 8. März 2001 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Prince of Egypt
USA 1998
Regie: Brenda Chapman, Steve Hickner, Simon Wells
Drehbuch: Philip LaZebnik, Nicholas Meyer
Originalsprecher: Val Kilmer, Ralph Fiennes, Michelle Pfeiffer, Sandra Bullock, Jeff Goldblum, Danny Glover, Patrick Stewart, Helen Mirren, Steve Martin, Martin Short, Ofra Haza, James Avery
Zusatzmaterial: Audiokommentar der Filmemacher, Making-of, mehrsprachige Präsentation von „When You Believe“, Wissenswertes über die Animation des Wagenrennens, „Die technischen Effekte im Film“, Bildergalerie, Original Kinotrailer, Wendecover
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenbilder: © 2018 Universal Pictures Germany GmbH & DreamWorks Animation, Trailer: © DreamWorks Animation

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: