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Zum 100. Geburtstag von Jeff Chandler: Gefangene des Dschungels – Schick-bunte Abenteuer-Exotik mit guten Ansätzen

East of Sumatra

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Duke Mullane (Jeff Chandler) wird mit seinem Team auf eine Insel östlich von Sumatra geschickt, um die reichen Zinn-Vorkommen abzubauen. Der König des dort lebenden Volkes, Kiang (Anthony Quinn), lässt sich auf den Kontakt mit den Amerikanern zaghaft, aber wohlwollend ein. Auch Kiangs Auserkorene, Minyora (Suzan Ball), mag den Neuling gern. Mullane versucht zu erwirken, dass die Eingeborenen ebenfalls von dem Projekt profitieren, zumal dies die Arbeit vor Ort wesentlich vereinfachen würde, und ist von der Rückendeckung seiner Arbeitgeber überzeugt. Ihm wird jedoch von seinem Vorgesetzten Catlin (John Sutton) das Leben schwer gemacht, der alle Risiken ignoriert, mit aller Macht so viel Geld wie möglich bei dem Projekt zu sparen versucht und dabei jegliches Fingerspitzengefühl im Umgang mit fremden Kulturen vermissen lässt.

Es gibt Filme, denen man nachsagt, dass noch viel Luft nach oben war, und damit meint, dass sie nicht gelungen sind – und es gibt Filme, die ihr Potenzial zwar ebenfalls bei weitem nicht ausschöpfen, aber dennoch sehenswert sind. Im Ansatz quasi schon allein so stabil, dass sie selbst im Scheitern immer noch besser sind als ein sich auf die Hinterbeine stellender belangloser Film. „Gefangene des Dschungels“ ist ein Film ebendieser „dennoch sehenswert“-Kategorie. Ein Film, der sich ein wenig anfühlt wie ein halbvoll über den Tresen gereichtes Halbliter-Bierglas, das neidisch auf das nebenan stehende prallgefüllte 0,3-Wasserglas schielt.

Es geht immer auch anders

Dass ich ihn trotzdem als denjenigen Film ausgewählt habe, der genau am Tag des 100. Geburtstages von Jeff Chandler (1918–1961) auf „Die Nacht der lebenden Texte“ erscheint, obwohl es locker mehr als zehn unter dem Strich überzeugendere, bessere Filme mit Jeff Chandler in der Hauptrolle gibt, hat seine Gründe. Einer der triftigsten darunter ist, dass „Gefangene des Dschungels“ durch seinen hinsichtlich der geografischen Lage eher ungewöhnlichen Handlungsort selbst unter Chandlers doch zahlreichen Abenteuerfilmen und Western in punkto Exotik am meisten aus dem Rahmen damaliger Hollywood-Abenteuergewohnheiten fällt. Dass dem Südsee-Film sehr ähnliche Thema vom Landen und Erkunden bzw. Erschließen einer Insel und ihrer Bewohner war damals zwar durchaus beliebt, Filme dieser Art aber im Regelfall in anderen Ländern angesiedelt. Infolgedessen laufen die Männer hier zum Beispiel ungewöhnlicherweise auch mal nicht alle mit freiem Oberkörper und in knappen „Hosen“ umher, wie man es in solchen Geschichten sonst häufig vorfindet.

Ein weiterer Grund, warum ich den Film auf seine Art für besonders halte, findet sich in dem Aspekt, dass „Gefangene des Dschungels“ im Grunde keinen wirklichen Bösewicht hat und dadurch erst recht auf Konfrontationskurs mit Hollywood-Klischees ist. Eine Weile macht es zwar den Anschein, dass Catlin die Rolle des fiesen Drahtziehers zukommt, der sich am Ende nur selbst bereichern will, stattdessen aber spart sich die Geschichte das Stilisieren einer Figur zum großen Unheilstifter schließlich doch und findet zum Finale hin andere Lösungswege. Es gibt Dutzende Filme dieser Art, in denen sich Figuren wie Catlin oder Kiang letztlich als reaktionäre oder völlig gewissenlose Egomanen entpuppen, die es aufzuhalten gilt – was der Held dann übernimmt. „Gefangene des Dschungels“ aber hat also sogar zwei Figuren im Boot, die dahingehend wie auf dem Antagonisten-Präsentierteller liegen, dennoch widerstand man der Versuchung, eingleisig auf ein eben doch nicht so ganz unvermeidliches „Held gegen Fiesling/Brutalo“-Finale zuzusteuern. Das ist auch insofern interessant, als sich der Autor der Skript-Vorlage, Louis L’Amour, später beklagte, der Film kümmere sich nicht genug um die Anliegen des Eingeborenenkönigs, der sich eigentlich ein Krankenhaus, Medizin und einen Doktor für sein Volk erhofft und sich deswegen den ankommenden Amerikanern öffnet. L’Amour, der bald darauf durch Western bekannt wurde und hier erstmals fürs Kino arbeitete, hielt den finalen Film für viel zu oberflächlich, zu sehr auf reines Dschungel-Abenteuer und den Sex-Appeal des Eingeborenenmädchens Minyora fokussiert. Aber ist „Gefangene des Dschungels“ wirklich so sehr Einheitsbrei? Ich persönlich habe König Kiang durchaus in einer Form wahrgenommen, wie L’Amour sich dies auch gewünscht zu haben scheint, nur geht der Film, der aus der Vorlage gemacht wurde, nicht die erzählerischen Wege eines Dramas, sondern versucht gleichzeitig trotzdem das Abenteuer-Publikum zu begeistern, das von Universal damals sehr vielfältig und gelungen bedient wurde – mit sehenswertem, fast jede Story rettendem Technicolor als Kernstück des bunten, exotischen Konzepts. Diesen narrativen Weg kann man jetzt „Fehler“ nennen oder aber auch „interessante Mischung“. Recht hat L’Amour so oder so zumindest dahingehend, dass mit den fähigen Schauspielern, die zur Verfügung standen, viel mehr zu machen gewesen wäre.

Treffpunkt der kommenden Stars

Genau genommen versammelt dieser Film eine ganze Reihe an Schauspielern, denen eine große beziehungsweise noch größere Zukunft bevorstand. Von ihnen war Jeff Chandler zum damaligen Zeitpunkt am weitesten mit seiner Karriere fortgeschritten, dennoch hatte er eigentlich Größeres vor sich als lediglich Vertragsstar bei Universal zu sein – was er in den letzten Jahren vor seinem Tod schließlich auch mehr denn je bewies. Dieser Weg hätte noch viel weiter gehen können und wohl nur sein frühes Ableben mit 42 Jahren, rund achteinhalb Jahre nach den Dreharbeiten zu „Gefangene des Dschungels“, verhinderte nachhaltigen Ruhm auf Höhe desselben Bekanntheitsgrades, den Stars wie Cary Grant, Gregory Peck, Robert Mitchum, Gary Cooper oder Humphrey Bogart heute noch genießen. Man nehme beispielsweise Rock Hudson oder Tony Curtis – auch sie machten, wie Chandler, bei Universal ihre Anfänge, bekamen dort recht bald eine richtungsweisende Handvoll Hauptrollen, und wurden wenig später zu Topstars.

Suzan Ball in der Rolle der angehenden Königin Minyora, die die Hälfte ihrer letztlich nur sechs namentlich in den Credits genannten Kinorollen in Filmen mit Jeff Chandler absolvierte, wurde damals eine große Karriere vorausgesagt. Sie steckte aber noch in der Frühphase ihrer Laufbahn und starb bereits 1955 mit nur 21 Jahren an den Folgen von Krebs, ohne bis dahin eine Hauptrolle vor der Kamera gespielt zu haben. Wenn man sie in „Gefangene des Dschungels“ – unter anderem in einer feurigen Solo-Tanzszene – sieht, ist es kaum vorstellbar, dass sie sich, wenig mehr als ein Jahr nach den Dreharbeiten, Anfang 1954 einer Beinamputation unterziehen musste. Auch dieser Eingriff konnte ihren Tod gut eineinhalb Jahre später jedoch nicht mehr verhindern. Der Sommer und Frühherbst 1955 waren beispiellos dramatisch für den Hollywood-Nachwuchs: Binnen nur zwei Monaten, zwischen Ende Juli und Ende September, starben mit Robert Francis, Suzan Ball und James Dean drei der wohl verheißungsvollsten aufgehenden Stars aus der Altersklasse bis 25.

Gewissermaßen am Vorabend seines großen Durchbruchs befand sich Anthony Quinn, der wenige Monate nach Abschluss der Dreharbeiten zu „Gefangene des Dschungels“ den Oscar als bester Nebendarsteller für „Viva Zapata!“ gewann. Ob man ihn dann so schnell noch einmal für eine Nebenrolle in einem solchen Abenteuer bei Universal hätte gewinnen können, ist fraglich. Er wertet den Film mit seiner für eine solche Figur damals ungewöhnlich nachdenklichen Verkörperung in jedem Fall auf und gibt ihm eine besondere Note. Über die Zusammenarbeit mit Jeff Chandler äußerte er sich sehr positiv, lobte dabei im Besonderen Chandlers bodenständige Art.

Zwischen Schauspielerei und Textaufsagen

Etwas sonderbar ist, dass die Nebenfiguren innerhalb von Duke Mullanes Team sehr oberflächlich gestaltet sind. Normalerweise werden in klassischen Hollywood-Filmen mit vergleichbarer Figurenkonstellation prägnante, lustige oder sonstig bemerkenswerte Eigenschaften der Mannen aus dem Gefolge des Helden genutzt, um einige schöne Szenen oder zumindest Begebenheiten daraus zu machen. Kriegs- oder Kavalleriefilme leben beispielsweise oft stark vom bunten Charakter des Haufens, der sich gemeinsam durch den Film schlägt und sind meist umso besser, umso klüger dieser Haufen ausdifferenziert ist. Aus unerklärlichen Gründen bleibt „Gefangene des Dschungels“ dahingehend aber sehr pappig. Mit Ausnahme des stets vor sich hinsingenden Scatman Crothers fehlen dem auf der Insel landenden Team schlicht die Besonderheiten und erinnerungswürdigen Momente. Eugene Iglesias lässt gegen Ende erahnen, dass er einiges mehr an Potenzial hatte als es der Film zulässt. Peter Graves, der später als Vorgänger von Tom Cruise Teamleiter in der ursprünglichen „Mission: Impossible“-Serie wurde, stand hier noch am Anfang seiner Karriere, hatte aber schon vor „Gefangene des Dschungels“ Rollen in Hollywood gespielt, in denen er weitaus weniger beliebig wirkte als im vorliegenden Film. Selbst ohne Szenen, die ihm wirklich Gelegenheit gaben, sein Können zu zeigen, soll sein Auftreten in „Gefangene des Dschungels“ aber dazu geführt haben, dass sich danach erkundigt wurde, wer denn dieser junge Mann sei. Erstaunlich ist auch, dass sogar ein Jay C. Flippen, der nun wirklich ein alter Hase war und – soweit mir sein Schaffen bekannt ist – nie enttäuschte, hier ziemlich unter Wert verkauft erscheint. Flippen war, meiner Erinnerung nach, so ziemlich der erste Nebendarsteller des klassischen Hollywoods, den ich als Kind namentlich kannte und dementsprechend lange habe ich ihn im Blick. Er erweckt in „Gefangene des Dschungels“ manchmal den Eindruck, bestellt und nicht abgeholt worden zu sein, ist auf Stichwort aber doch immer zur Stelle und weiß zu überzeugen.

All dies führt zu dem Schluss, dass Budd Boetticher heute nicht umsonst eher mit seinen Western assoziiert wird, wobei er grundsätzlich durchaus auch andere Genres draufhatte, wenn denn eben alles passte. Mit einem anderen Regisseur wäre vielleicht mehr aus „Gefangene des Dschungels“ geworden. Boetticher soll über den Film später gesagt haben, das Projekt habe hauptsächlich dem Zweck gedient, einigen befreundeten Beteiligten eine Beschäftigung beziehungsweise die dazugehörige Vergütung zu verschaffen, und betonte in diesem Zusammenhang, es sei ein Unterhaltungsfilm gewesen – gewissermaßen aus Spaß an der Freude produziert. Vielleicht eine Erklärung dafür, warum der Film nicht so geworden ist, wie ihn sich der Autor Louis L’Amour gewünscht hatte. Auch andere Faktoren, wie etwa, dass eigentlich die sehr prägnante Gloria Grahame die Rolle der von John Sutton und Jeff Chandler umworbenen Frau spielen sollte, die dann der eher fehlbesetzten Marilyn Maxwell zufiel, da Gloria Grahame ablehnte, sind aber nicht zu unterschätzen. Nicht umsonst ist Suzan Ball hier die auffälligere der beiden Damen auf der Insel, obwohl sie die kleinere Rolle hat. Ball und Grahame im Duo – das wäre schon eine Hausnummer gewesen und wohlgemerkt nicht nur rein oberflächlich.

Unternehmen: DVD

Budd Boetticher sprach rückblickend mit Hochachtung von Jeff Chandler, den er als engen Freund bezeichnete, und äußerte sein Bedauern, nicht weitere Filme mit ihm gedreht zu haben. „Gefangene des Dschungels“ war die zweite und blieb die letzte Zusammenarbeit der beiden. Der vorausgegangene, schwarz-weiß gedrehte Kriegsfilm „Unternehmen ‚Rote Teufel‘“ (1952) wird seit ein paar Jahren international auf DVD verbreitet, ist in Deutschland aber noch nicht erschienen – möglicherweise, weil die deutsche Kinosynchronisation dieses Films eine der am schwersten zu bekommenden aus Jeff Chandlers gesamtem Schaffen als Hauptdarsteller ist. Schon allein weil Budd Boetticher durch seine Western doch einen gewissen Namen hat, sollte man hoffen dürfen, dass auch sein zweiter Film mit Jeff Chandler, wenigstens in den USA, offiziell auf DVD nachgereicht werden wird, damit „Unternehmen ‚Rote Teufel‘“ im Regal endlich angemessene Gesellschaft bekommt. Derzeit teilt „Gefangene des Dschungels“ aber noch das Schicksal von „Kreuzverhör“, der ebenfalls trotz Chandler und trotz Jack Arnold – einem der neben Boetticher namhaftesten sogenannten „B-Regisseure“ des 50er-Hollywoods – und ebenfalls trotz der Tatsache, dass es eine andere Zusammenarbeit der beiden in den USA und darüber hinaus bereits auf DVD gibt, weltweit offenbar noch nicht offiziell auf DVD veröffentlicht worden ist. Die deutsche Synchronfassung von „Gefangene des Dschungels“ ist zumindest sicher greifbar und trumpft wie üblich mit Curt Ackermann auf, der sich damals gerade als Chandlers Stammsprecher etablierte und viele, viele weitere Auftritte folgen ließ. Ferner überrascht die Synchro mit dem sehr ungewöhnlich besetzten Alfred Balthoff als Sprecher von Anthony Quinn und ist bis in kleine Nebenrollen mit beliebten Stimmen mit Wiedererkennungswert gefüllt.

Wenn man sich die Vorfälle auf North Sentinel Island von Mitte November 2018 vor Augen führt, wirkt ein Film wie „Gefangene des Dschungels“, mag man ihn als noch so banal und altmodisch abtun wollen, plötzlich auf recht bizarre Weise aktueller denn je. Und gerade angesichts dessen kann man die Tatsache, dass „Gefangene des Dschungels“ seine Eingeborenen eben nicht zu Wilden stilisiert, obwohl das damals in Hollywood nicht unüblich war (allerdings auch nicht so massiv verbreitet, wie es von der Filmwissenschaft gern pauschalisiert behauptet wird), eigentlich gar nicht hoch genug einstufen. Die Landnahme im Angesicht fremder Kulturen ist ein hochsensibles Thema, dem sich der vorliegende Film für einen als Abenteuer vermarkteten Stoff in durchaus anständiger Art und Weise nähert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Budd Boetticher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jeff Chandler und Anthony Quinn in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 82 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: East of Sumatra
USA 1953
Regie: Budd Boetticher
Drehbuch: Frank Gill Jr., Louis L’Amour, Jack Natteford
Besetzung: Jeff Chandler, Marilyn Maxwell, Anthony Quinn, Suzan Ball, John Sutton, Jay C. Flippen, Scatman Crothers, Eugene Iglesias, Peter Graves, Earl Holliman
Verleih: Universal International Pictures

Copyright 2018 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Die Fahrten des Odysseus – Paraderolle für Kirk Douglas

Ulisse

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Abenteuer // „Die schönsten Sagen des klassischen Altertums“ – wer kennt dieses wunderbare Buch von Gustav Schwab, mit dem uns seit dem 19. Jahrhundert die griechische Mythologie vermittelt worden ist? Als Kind und Jugendlicher habe ich gern darin gelesen, und auch heute faszinieren mich die Erzählungen um die Götter des Olymp und die großen Helden wie Achilles, Iason, Orpheus, Theseus und wie sie alle heißen, nicht zu vergessen die holden Damen wie Ariadne, Elektra, Hero und Kassandra.

Königin Penelope von Ithaka muss sich …

Eine Sonderstellung nimmt dabei Odysseus ein, König von Ithaka und Held des Trojanischen Kriegs, dem manche Quellen auch die Idee zuschreiben, Troja mit der List des Trojanischen Pferds zu bezwingen. Die Geschichte seines Schicksals und seiner jahrelangen Irrfahrt wurde dereinst von einem gewissen Homer – so es ihn denn gegeben hat – in der Odyssee niedergeschrieben. Der griechische Dichter lebte womöglich im 8. Jahrhundert v. Chr. im ionischen Kleinasien. In Schriftform wurde die „Odyssee“ erstmals wahrscheinlich um die Wende vom 8. zum 7. Jahrhundert v. Chr. festgehalten – in 24 Gesängen aus Hexameterversen.

… hartnäckiger Verehrer erwehren

Die italienische Verfilmung von Mario Camerini („Ehefrau für eine Nacht“) beginnt am Hof von Ithaka, wo Königin Penelope (Silvana Mangano) seit langer Zeit auf die Rückkehr ihres verschollenen Gemahls wartet. Die Regentin kann sich kaum der unverschämten Freier erwehren, die sich bei Hofe eingenistet haben, dem süßen Leben frönen und verlangen, Penelope möge endlich einen von ihnen als neuen Ehemann auswählen. Ihren Sohn Telemach (Franco Interlenghi) nehmen die Rüpel nicht ernst. In einer ersten Rückblende – ein Sänger bei Hofe berichtet vom Krieg um Troja – erfahren wir, dass die trojanische Königstochter Kassandra (Elena Zareschi) Odysseus (Kirk Douglas) bei der Eroberung der Stadt verflucht und ihm eine niemals enden wollende Irrfahrt prophezeit hat.

Ihr Gemahl wird nicht weit entfernt an Land gespült und von Nausikaa gefunden

Odysseus ist derweil gar nicht so weit weg. Als Schiffbrüchiger ist er auf der Insel Phaeacia (wohl Korfu) gestrandet. König Alkinoos (Jacques Dumesnil) nimmt ihn freundlich auf, weil er dessen noble Herkunft erkennt. Seine gerade zur Frau erblühende Tochter Nausikaa (Rossana Podestà) verliebt sich schnell in den stattlichen Fremden. In weiteren Rückblenden entfalten sich nun die Abenteuer, die Odysseus und seine Gefährten während seiner Odyssee erlebt und erlitten haben: Auf einer abgelegenen Insel landen die Seefahrer in der Höhle des Zyklopen (Oscar Andriani). Der einäugige Gigant will sie verspeisen will, lässt sich aber mit Wein betrunken machen. Ihr Schiff segelt an den Sirenen mit ihren so betörenden wie tödlichen Gesängen vorbei – während die anderen sich die Ohren mit Wachs zugestopft haben, ließ sich Odysseus an den Mast binden, weil er begierig war, die Sirenen singen zu hören. Auf einer anderen Insel trifft Odysseus auf Circe (ebenfalls Silvana Mangano), die ihn becirct, bei ihr zu bleiben – so vergeht die Zeit.

Den gewaltigen Zyklopen besiegt man nur mit einer List

In der Rolle des Antinoos, des hartnäckigsten Freiers von Penelope, ist Anthony Quinn zu sehen, der einen stattlichen Antagonisten abgibt. Zum Aufeinandertreffen mit Odysseus kommt es aber erst gegen Ende. „Die Fahrten des Odysseus“ wird manchen heutigen Zuschauer moderner Abenteuerfilme aufgrund vieler Dialoge womöglich etwas langatmig vorkommen. Actionszenen sind rar gesät, aber die Faszination des klassischen Stoffs und die aufwendige Ausstattung gleichen das aus. Kirk Douglas kann in der Titelrolle sein viriles Charisma voll ausspielen.

Odysseus will die Sirenen singen hören …

Die zusätzlichen Szenen der italienischen Langfassung bringen weitere Dialoge, aber am Ende vielleicht auch zusätzliche und damit entbehrliche Längen. Ich habe sie mir gespart und verweise auf den Schnittbericht. Das kleine Label colosseo film hat „Die Fahrten des Odysseus“ erstmals als Blu-ray vorgelegt. Die dafür angefertigte neue 4K-Abtastung des Films beeindruckt mit einem Bild, das ich für einen Mitte der 1950er-Jahre entstandenen Film kaum für möglich gehalten hätte. Einmal mehr zeigt sich, dass gerade Technicolor-Filme in HD erstrahlen können, wenn sich die Restaurierer Mühe geben. Die italienisch-französisch-US-amerikanische Koproduktion erreicht nicht den Rang anderer klassischer Abenteuer mit antikem oder biblischem Stoff wie „Quo Vadis“ (1951), „Die zehn Gebote“ (1956), „Ben Hur“ (1959) und „Spartacus“ (1960), dennoch hat sich „Die Fahrten des Odysseus“ das Attribut Klassiker verdient – und nun auch eine würdige Veröffentlichung erfahren.

… und lässt sich von Circe becircen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kirk Douglas und Anthony Quinn sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Derweil macht Antinoos Penelope Avancen

Veröffentlichung: 23. Februar 2018 als 2-Disc Edition Blu-ray (inkl. Bonus-DVD) und Doppel-DVD, 5. März 2010 als Doppel-DVD, 6. Dezember 2007 als DVD, 22. Januar 2004 als DVD

Länge: 105 Min. (Kinofassung, Blu-ray), 109 Min. (Langfassung, DVD), 98 Min. (Kinofassung, DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Ulisse
Internationaler Titel: Ulysses
IT/F/USA 1954
Regie: Mario Camerini
Drehbuch: Franco Brusati, Mario Camerini, Ennio De Concini, Hugh Gray, Ben Hecht, Ivo Perilli, Irwin Shaw, nach Homers Epos „Odyssee“
Besetzung: Kirk Douglas, Silvana Mangano, Anthony Quinn, Rossana Podestà, Jacques Dumesnil, Daniel Ivernel, Sylvie, Franco Interlenghi, Elena Zareschi, Evi Maltagliati, Piero Lulli, Gualtiero Tumiati, Mario Feliciani, Oscar Andriani
Zusatzmaterial 2-Disc Edition: italienische Langfassung, Bildergalerie, Dokumentation „Die phantastische Reise des Odysseus“, Vertikalschuber, Wendecover
Label Blu-ray: Colosseo Film
Vertrieb: Al!ve AG
Label 2007er- & 2001er-DVD e-m-s

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2018 Colosseo Film / Al!ve AG

 
 

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Gewinnspiel: 3 x Seminola auf Blu-ray

Verlosung

Budd Boettichers „Seminola“ (1953) mit Rock Hudson, Anthony Quinn und Lee Marvin zählt zu den frühen Indianerwestern, die sich kritisch mit der Landnahme durch die Weißen auseinandersetzten. Koch Films hat uns drei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Simons Rezension des Films und beantwortet dort bis Sonntag, 15. Oktober 2017, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Habt Ihr keine Idee für eine Antwort, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Mike Hennig,
– Thomas,
– Tilman Schumacher.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Seminola“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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