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Schlagwort-Archive: Anthony Quinn

Gewinnspiel: 3 x Der Don ist tot auf Blu-ray

Verlosung

„Der Don ist tot“ (1973) zeigt Anthony Quinn, der in Las Vegas den Platz eines verstorbenen Mafiabosses einnimmt, einen Gangsterkrieg um die Macht aber nicht verhindern kann. explosive media hat den Gangsterthriller von Richard Fleischer („Die Wikinger“) kürzlich als Blu-ray und DVD veröffentlicht. Der Vertrieb Koch Films hat uns davon drei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Lucas Grönings Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 13. September 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle nach Start des Gewinnspiels veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Das „nach Start“ erwähne ich, weil sich aufgrund eines vorherigen Gewinnspiels unter der Rezension bereits Antworten finden. Wer seinerzeit bereits kommentiert hat und erneut teilnehmen will, muss also erneut kommentieren, kann dies aber natürlich mit einer identischen Antwort. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Ich benötige obendrein die Zusage, dass die Sendung von keinem Minderjährigen entgegengenommen werden kann. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Alexandra Jotter,
– Christoph Marek,
– Jürgen Winterstein.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Der Don ist tot“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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Die Kanonen von Navarone – Der Zweite Weltkrieg als Heldenreise

The Guns of Navarone

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Navarone – friedliche Insel unter der Sonne Griechenlands. Von wegen! Das Eiland existiert überhaupt nicht. Alistair MacLean (1922–1987) dachte sie sich für seinen 1957 erstveröffentlichten Roman „Die Kanonen von Navarone“ einfach aus. Vermutlich gab ihm das die Freiheit, das Gebiet, in welchem sich das Geschehen abspielt, nach seinem Gutdünken zu gestalten. Dem Vernehmen nach ließ sich MacLean von Ereignissen rund um die Schlacht um Leros während des Dodekanes-Feldzugs inspirieren. Im September und Oktober 1943 hatten dort die deutsche Wehrmacht und alliierte Streitkräfte um die Vorherrschaft in der östlichen Ägäis gekämpft. Die Inselgruppe Dodekanes blieb bis Kriegsende unter deutscher Besetzung. Zu ihr gehören unter anderem die Inseln Rhodos, Karpathos, Kos und Leros. Seinerzeit italienisches Hoheitsgebiet, wurden sie als Folge der auf der Pariser Friedenskonferenz ausgehandelten Verträge an Griechenland abgegeben.

Mission in der Ägäis

1943 sitzen 2.000 britische Soldaten auf der zwei Kilometer vor türkischem Festland gelegenen (und ebenfalls fiktiven) Insel Kheros fest. Im fernen Berlin hat das Oberkommando der Wehrmacht derweil beschlossen, in der Ägäis die Muskeln spielen zu lassen, um die Türkei zu nötigen, sich den Achsenmächten anzuschließen. Die britischen Truppen sollen in einem schnellen Schlag aufgerieben werden. Um sie zu retten, entsenden die Alliierten sechs Zerstörer, die sie aufnehmen sollen. Problem: Die Schiffe müssen den Kanal von Navarone passieren. Die Meerenge wird von zwei gewaltigen Kanonen der Wehrmacht kontrolliert, die dank Lasersteuerung höchst präzise und zielgenau funktionieren. Ein Versuch, die Geschütze mittels Luftangriffen zu zerstören, ist bereits unter hohen Verlusten gescheitert.

Captain Mallory (r.) übernimmt die Führung des Himmelfahrtskommandos

Es bleibt nur knapp eine Woche Zeit für ein Himmelfahrtskommando: Ein von Major Roy Franklin (Anthony Quayle) geführter Sabotagetrupp muss auf Navarone übersetzen, dort über schwierigste Felspassagen vorstoßen, in die von den Deutschen gehaltene Festung eindringen und die Kanonen ausschalten. Dafür braucht’s den neuseeländischen Bergsteiger Captain Keith Mallory (Gregory Peck), der Erfahrung mit verdeckten Operationen im Feindesland hat. Der hält das Unternehmen zwar für undurchführbar, erklärt gleichwohl aber seine Bereitschaft.

Erfahrene Männer auf Himmelfahrtskommando

Der Sprengstoffexeperte Corporal John Anthony Miller (David Niven) schließt sich dem Trupp an, um den explosiven Part der Mission zu übernehmen. Mit dem ebenfalls teilnehmenden griechischen Colonel Andrea Stavrou (Anthony Quinn) verbindet Mallory ein tragisches Kriegsereignis der jüngsten Vergangenheit. Der griechisch-amerikanische Spyros Pappadimos (James Darren) stammt von Navarone, sein Vater ist sogar Teil des dortigen Widerstands. Mit „Butcher“ Brown (Stanley Baker) vervollständigt schließlich ein Mann fürs Grobe das Unternehmen. Schon die Überfahrt nach Navarone verläuft alles andere als ereignislos. Auf dem Eiland eingetroffen gilt es, als Erstes ein senkrecht aufragendes Kliff zu bezwingen. Es wird nicht einfacher …

Oscar für die Spezialeffekte

Für sieben Oscars nominiert, darunter als bester Film und für die beste Regie, erhielt „The Guns of Navarone“ den Academy Award 1962 lediglich für die besten Spezialeffekte. Die Kategorie war seinerzeit noch nicht in visuelle Effekte und Toneffekte aufgeteilt, dennoch erhielten mit Bill Warrington (visuell) und Chris Greenham (Ton) zwei Effekt-Spezialisten die Trophäe. Bei den Golden Globes war der Film zuvor als bester dramatischer Film und für den besten Originalscore prämiert worden, der dort ebenfalls nominierte Regisseur J. Lee Thompson („Ein Köder für die Bestie“) ging leer aus. So nah kam er beiden Auszeichnungen nie wieder.

Helden gegen die Wehrmacht

Der Effekte-Oscar war verdient, Action-Spezialist Thompson lieferte mit dem kernigen Kriegs-Abenteuer die aufwendige Produktion einer klassischen Heldenreise ab. Kintopp alter Action-Schule, nicht auf Glaubwürdigkeit bedacht, sondern auf Spektakel. Wer das bellizistisch nennt, liegt sicher nicht falsch, aber das Kriegs-Kino im Vereinigten Königreich und in Hollywood gleichermaßen setzte seinerzeit verstärkt auf solche martialischen Töne. Und natürlich fällt es leichter, die Darstellung des Kampfes gegen die Wehrmacht und Nazi-Deutschland positiv in Szene zu setzen, als sie mit allzu vielen Antikriegs-Zwischentönen zu würzen. So entwickelte sich „Die Kanonen von Navarone“ zu einem Klassiker der Kriegs-Action und steht in einer Reihe mit Filmen, die den Einsatz einer begrenzten Schar von Helden gegen die Wehrmacht und das „Dritte Reich“ zeigen. „Das dreckige Dutzend“ (1967) und „Agenten sterben einsam“ (1968, ebenfalls eine MacLean-Verfilmung) sind da beispielhaft zu nennen, ebenso „Stoßtrupp Gold“ (1970), bei dem es den Protagonisten um Clint Eastwood allerdings eher um schnöden Mammon geht.

Die Festung von Navarone erscheint uneinnahmbar

Aus heutiger Perspektive bemerkenswert erscheint eine Szene, in der es gilt, eine Verräterin zu erschießen, weil sie als Gefangene ebenso wie als Zurückgelassene die Mission gefährden würde. Unmittelbar bevor ein Mann diese Aufgabe widerwillig übernimmt, erledigt kurzerhand eine andere Frau den schmutzigen Job. Der Protagonist sollte offenbar unbefleckt bleiben, während man es schon eher hinnehmen konnte, dass eine Frau eine andere Frau tötet.

Der ehrbare Wehrmachtssoldat, der fiese SS-Mann

Ebenso auffällig fand ich die Sicht auf die deutschen Feinde in einer Szene, in der es um das Herauspressen von Informationen geht: Während sich der Wehrmachtsoffizier als durchaus ehrenhaft zeigt und davor zurückschreckt, Gefangene zu foltern, hat ein SS-Mann derlei Skrupel natürlich nicht. Dies erinnert mich frappierend an die in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit verbreitete Sichtweise, die Wehrmacht von Kriegsverbrechen reinzuwaschen und alles auf „die Nazis“ zu schieben. Der „brave Landser“ habe nur seine Pflicht getan, für die Verbrechen an der Front seien die SS oder die Einsatzgruppen verantwortlich gewesen. Wie sehr diese Sichtweise auch das Kriegs-Kino im angelsächsischen Sprachraum durchdrungen hat, ist eine genaue Untersuchtung wert (die es schon geben mag, mir aber nicht bekannt ist).

Erste Alistair-MacLean-Verfilmung

Für den Bestseller-Autor Alistair MacLean bildete „Die Kanonen von Navarone“ den Auftakt als Vorlagengeber für mit Stars gespickte Verfilmungen. „Eisstation Zebra“ (1968) von John Sturges wartete mit Rock Hudson und Ernest Borgnine auf, der bereits erwähnte „Agenten sterben einsam“ (1968) mit Richard Burton und Clint Eastwood. Der Western „Nevada Pass“ (1975) zeigte Charles Bronson in der Hauptrolle. 1978 bekam auch die Roman-Fortsetzung von „Die Kanonen von Navarone“ eine Kino-Adaption spendiert: Auch „Der wilde Haufen von Navarone“ war mit Robert Shaw, Harrison Ford und Franco Nero prominent besetzt und hat Qualität.

Drehort Rhodos

Mit vielen Szenen „on location“ unter anderem auf Rhodos und für die damalige Zeit üppigem Budget von sechs Millionen Dollar gedreht, erwies sich „Die Kanonen von Navarone“ als Kassenknüller. Und obwohl sich das Kriegsfilmgenre seitdem deutlich weiterentwickelt hat, hat mir die erneute Sichtung anlässlich dieser Rezension wieder viel Freude bereitet. Der Klassikerstatus ist verdient.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von J. Lee Thompson haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Richard Harris, Gregory Peck und Anthony Quinn unter Schauspieler.

Die Saboteure geraten in die Gewalt des Feindes

Veröffentlichung: 27. Oktober 2011 als Blu-ray, 7. Februar 2008 als 2-Disc Award Winner Collection DVD, 7. November 2006 als 2-Disc Ultimate Edition DVD, 7. November 2000 als Collector’s Edition DVD

Länge: 156 Min. (Blu-ray), 151 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Guns of Navarone
GB 1961
Regie: J. Lee Thompson
Drehbuch: Carl Foreman, nach einem Roman von Alistair MacLean
Besetzung: Gregory Peck, Anthony Quinn, David Niven, Richard Harris, Anthony Quayle, Stanley Baker, James Darren, Irene Papas, Gia Scala, James Robertson Justice, Bryan Forbes
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Filmhistoriker Stephen J. Rubin, Audiokommentar mit Regisseur J. Lee Thompson, Das Widerstandsdossier von Navarone, Dokumentationen, Featurettes, Prolog, Botschaft von Drehbuchautor Carl Foreman
Label/Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & deutscher Packshot: © Sony Pictures Entertainment

 

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Der Don ist tot – Des Paten kleiner Bruder

The Don Is Dead

Von Lucas Gröning

Thriller // 1972 erschien mit Francis Ford Coppolas „Der Pate“ einer der berühmtesten Mafiafilme überhaupt, wenn nicht der berühmteste. Vor allem die Rolle des Don Vito Corleone (Marlon Brando) gilt bis heute als ikonisch und dürfte selbst jenen Menschen schon einmal begegnet sein, welche sich wohl nicht vordergründig als Filmfans identifizieren. Weitgehend in Vergessenheit geraten ist dagegen ein anderes Werk aus demselben Jahr, welches in Bezug zu seinem Narrativ einen ganz ähnlichen Weg geht wie Coppolas monumentales Mafia-Epos: der Roman „The Don Is Dead“ von Marvin H. Albert. Wie in „Der Pate“ so geht es auch in Alberts Geschichte um einen Don, welcher versucht, seinen Platz in einer Stadt zu sichern, sich gegen andere Parteien durchzusetzen und zugleich seine Macht auszuweiten.

Don Angelo (r.) übernimmt die Territorien des verstorbenen Don Paolo

Klar, dass der immense Erfolg von „Der Pate“ zwangsweise eine Verfilmung von „The Don Is Dead“ mit sich bringen musste. Ein Jahr später inszenierte Richard Fleischer die Adaption unter gleichem Namen. In Deutschland wurde der Titel anschließend wortgetreu übersetzt und unter „Der Don ist tot“ veröffentlicht. Fleischer war zu diesem Zeitpunkt bereits ein etablierter Regisseur in Hollywood, was sein 1948 errungener Oscar für den Dokumentarfilm „Design for Death“ (1947) bezeugen dürfte, in dem er skizziert, welche politischen und wirtschaftlichen Einflüsse dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor zugrunde lagen. Darüber hinaus zählen die Disney-Verfilmung „20000 Meilen unter dem Meer“ (1954), das Historien-Abenteuer „Die Wikinger“ (1958), das Pearl-Harbor-Kriegsdrama „Tora! Tora! Tora!“ (1970) und die SF-Dystopie „… Jahr 2022 … die überleben wollen“ (1973) zu seinen bekanntesten Werken. In diesen Filmen, wie auch in seiner gesamten Karriere, arbeitete er dabei gleich mit einer ganzen Reihe an hervorragenden Darstellerinnen und Darstellern wie Kirk Douglas, Charlton Heston, Henry Fonda und Meg Ryan zusammen.

Auch für „Der Don ist tot“ wurde ihm eine Riege an Schauspielern zur Verfügung gestellt, deren Namen über die Zeit eine gewisse Bekanntheit erlangten. Die Hauptrolle verkörpert Anthony Quinn, welcher unter anderem aus Federico Fellinis Meisterwerk „La Strada“ (1954) oder Daid Leans Romanverfilmung „Lawrence von Arabien“ (1962) bekannt sein dürfte. Frederic Forrest wiederum, hier in einem seiner ersten Filme zu sehen, erlangte durch seine Teilnahme an Fleischers Film ironischerweise Rollen in mehreren Filme von Francis Ford Coppola, unter anderem in „Der Dialog“, welcher ein Jahr später folgte, und „Apocalypse Now“ (1979). Darüber hinaus ergatterte er je eine Nominierung für den Oscar und den Golden Globe für seine Rolle in Mark Rydells „The Rose“ (1979). Als dritter exemplarischer Darsteller sei der im vergangenen Jahr verstorbene Robert Forster zu nennen, welcher hier ebenfalls noch am Beginn seiner Karriere stand und später unter anderem Rollen in Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ (1997), David Lynchs „Mulholland Drive“ (2001) und der Fernsehserie „Breaking Bad“ (2013) ergatterte. Ein vielversprechender Regisseur und vielversprechende Darsteller also, die in Kombination einen enorm interessanten Film abgeliefert haben.

Kampf um die Hegemonie

Die Handlung spielt in Las Vegas in den 1970er-Jahren. Erst vor Kurzem ist der Mafiaboss Don Paolo gestorben, er hinterlässt eine Stadt mit vielen Fragen. Gleich mehrere Familien streiten sich um die übrigen Gebiete des Verstorbenen, zugleich soll jedoch unbedingt der Frieden in Vegas gewahrt werden. Anspruch auf das hinterlassene Erbe erhebt vor allem der Sohn des Toten, Frank Regalbuto (Robert Forster). Dieser wird jedoch von den übrigen Bossen als zu jung und unerfahren eingestuft, und so kommt es zu dem Kompromiss, dass Don Angelo DiMorra (Anthony Quinn) die Gebiete zunächst erhält und den jungen, aufbrausenden Frank unter seine Fittiche nimmt. Der soll die Gebiete nach einiger Zeit übernehmen, wenn er Erfahrung gesammelt hat. So weit, so gut, wäre da nicht Franks Freundin Ruby (Angel Tompkins), welche für das Vorankommen ihrer Karriere als Sängerin eine Nacht mit Angelo verbringt. Als Frank davon erfährt, trifft ihn das sichtlich, und es entbrennt nun doch ein Krieg um die Stadt, in welchen außerdem die Brüder Tony (Frederic Forrest) und Vince Fargo (Al Lettieri) hineingezogen werden, wobei erstgenannter sich eigentlich aus dem Mafiageschäft verabschieden wollte. Ein Plot also, in welchem enorm viele Figuren vollends widersprüchlicher Interessen verfolgen, und eine für alle Beteiligten befriedigende Auflösung aussichtslos erscheint.

Frank ist noch zu unreif und scheint nicht bereit für die Rolle des Don

Die Folge kann so nur ein Kampf um die Hegemonie sein, sodass nur bestimmte Seiten ihre Ziele durchsetzen können, wohingegen andere schlussendlich zurückstehen müssten. Wie so viele Gangsterfilme, so viel lässt sich aus der Inhaltsangabe bereits herauslesen, ist auch „Der Don ist tot“ in erster Linie ein Film über Macht, wobei das Machtgefüge im Verlauf des Films variiert und der Umgang mit der Macht von Charakter zu Charakter unterschiedlich ist. Die mächtigste Figur zu Beginn des Films ist ganz klar Don Angelo DiMorra, was sich bereits in seiner Einführung zeigt. Wenn er spricht, hören alle zu und alle scheinen sich seinem Willen zu beugen, ohne dass er als tyrannischer Despot auftreten muss. Vielmehr spielt er die Rolle eines lieben, fürsorglichen, weisen Alten, dessen schiere Erfahrung, gekoppelt mit enormen ökonomischen Möglichkeiten für einen selbstverständlich anmutenden Machterhalt sorgt. Als „selbstverständlich“ sei diese Zuschreibung hier in doppelter Hinsicht zu verstehen: Zum einen nehmen die anderen Familien die Rolle von DiMorra als Herrscher ohne Widerworte an, zum anderen erscheint auch uns Rezipierenden die Wahl aufgrund seiner Inszenierung als logisch, wenn nicht zwangsläufig, zeigt sich doch bereits zu Beginn die aufbrausende Art von Frank, die ihn als Erben der Territorien des Verstorbenen disqualifiziert. Ein Vergleich zu „Der Pate“ scheint an dieser Stelle naheliegend, ist hier doch ein ähnlicher Kontrast zwischen Vito Corleone und seinem von James Caan verkörperten Sohn Sonny zu erkennen. Somit verbleibt DiMorra als einzige ernstzunehmende und auch vom Rezipierenden akzeptierte Wahl, werden doch den anderen Dons im Streit vor allem eindimensionale oder rein egoistische Motive zugeteilt, die sie für eine derartige Verantwortung ebenso disqualifizieren wie Frank.

Dezentralisierung und Demokratisierung

Die Macht des neuen Don zeigt sich aber nicht nur in der Aufteilung der Territorien, sondern eben auch in der Beziehung zu Franks Freundin Ruby. Interessant sei an dieser Stelle, dass er den Sex mit ihr zunächst ablehnt und Rubys Plan, durch eine Nacht mit ihm ihre Karriere zu pushen, entgegensteht. Er sieht sich vielmehr als väterlich-fürsorgliche Figur, die lediglich etwas Gutes für ein junges Mädchen tun will, jedoch durch sein Alter in der direkten Konfrontation mit Ruby sexuell äußerst unsicher, fast sogar jungfräulich wirkt. Ruby jedoch drängt sich ihm förmlich auf, entblößt sich vor ihm und schlussendlich gelingt ihr die Verführung des alten Don.

Neben dem offensichtlichen biblischen Bezug zu Adam und Eva und dem mit der Verführung einhergehenden Sturz ins Unglück will ich auch den Bezug zu ökonomischer Macht ins Zentrum dieser Rezension rücken. So sehr sich nämlich Don Angelo auch gegen den Sex mit Ruby zunächst wehrt, so sehr drängt sie sich ihm förmlich auf. Es besteht an einem Punkt überhaupt kein Weg mehr heraus. Die Macht des Don ist derart groß, dass sich ihm selbst die Dinge aufdrängen, die er überhaupt nicht intendierte zu besitzen. Seine ökonomische Macht gibt ihm hier, erneut wie selbstverständlich, auch die Macht über Ruby. Dies steht im krassen Gegensatz zu Frank. Wo dieser seine Freundin in jeglicher Hinsicht überreden muss, beispielsweise bei ihm zu bleiben und ein bestimmtes Jobangebot nicht wahrzunehmen, ist das Gegenteil in der Beziehung zwischen ihr und Don Angelo der Fall. Ökonomische Macht bedeutet, egal ob gewollt oder ungewollt, Macht über Menschen und zugleich, so zeigt der Film recht subtil, sexuelle Potenz.

Angelo kommt Franks Freundin Ruby äußerst nah …

Eine Lösung kann also unmöglich in einer Zentralisierung der Macht, beispielsweise bei einem noch so freundlichen, weisen Herrscher liegen; einzig eine Dezentralisierung der Macht, wenn man so will eine Demokratisierung, bietet einen Ausweg. Der Film skizziert diesen Ausweg anhand der Figur des Tony Fargo. Dieser muss einsehen, dass sein Ausstieg aus den mafiösen Strukturen der Stadt unmöglich erscheint, im Angesicht der Tatsache, lediglich eine Schachfigur in den Plänen autoritärer Machtmenschen zu sein. Sein Ziel ist folglich eine Dezentralisierung der Macht und das damit einhergehende Ende eines zutiefst maskulinen Kampfes um die Hegemonie in der Stadt und nicht zuletzt um die Frauen, welche repräsentativ über den gesamten Film hinweg, deutlich jedoch gegen Ende, als die wahren Profiteure eines patriarchalischen Kampfes der Männer um die Spitze in Las Vegas inszeniert werden. Diese Konflikte müssen aufgelöst werden, jedoch steht Tony hier vor einem Dilemma, denn um die Machtverhältnisse aufzulösen, müsste er selbst über die Macht verfügen, einen derartigen Kurswechsel überhaupt auf den Weg zu bringen. Das Ausbrechen aus dem System kann also nur mit einem Erklimmen der Spitze des Systems erreicht werden, was wiederum eine Verantwortung zum Sichern der zu erreichenden Verhältnisse mit sich bringen würde und somit eine Notwendigkeit zum Erhalt der Hegemonie. Es führt so oder so kein Ausweg aus diesem System, was der Film in seinen knapp zwei Stunden in virtuoser Weise hervorragend herausarbeitet.

Klarheit führt zu Aufklärung

Dabei beschränkt sich Fleischer auf seine wesentliche Aussage und führt keine detaillierten psychologischen Charakterstudien durch, wie das Francis Ford Coppola tat, bei dem das Individuum, als Teil einer mafiösen Familiengemeinschaft, eine viel größere Rolle einnahm. Vielmehr geht es Fleischer darum, die grundlegenden systemischen Widersprüche der Gemeinschaft aufzuzeigen, was ihm auf furiose Weise gelingt. Der Film erreicht durch diese bewusste Beschränkung zwar bei Weitem nicht die intellektuelle Höhe eines „Der Pate“, was auch für die inszenatorische Ebene gilt. Jedoch gelingt „Der Don ist tot“ durch diese Vereinfachung eine Klarheit auf Seiten der Rezipierenden, die „Der Pate“, mit seinem allein auf der Bildebene hoch-symbolischem Gehalt und der damit einhergehenden Herausforderung zur Interpretation, nicht schafft. Hier tritt die Form klar hinter Inhalt und Aussage zurück, denn allein das Narrativ sorgt bei Richard Fleischers Film für einen Effekt. Dies macht „Der Don ist tot“ zwar zu einem wenig komplexen Film, jedoch begünstigt er durch diese Einfachheit einen politischen Auseinandersetzungsrahmen und bietet so das Potenzial, eine aufklärerische Dimension zu erreichen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Richard Fleischer haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Anthony Quinn unter Schauspieler. Welchen hier bislang nicht rezensierten Regiearbeiten Fleischers sollten wir uns noch widmen, um ihm gerecht zu werden?

… doch die Beziehung der beiden führt zu Komplikationen

Veröffentlichung: 9. Juli 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 115 Min. (Blu-ray), 110 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Don Is Dead
USA 1973
Regie: Richard Fleischer
Drehbuch: Christopher Trumbo, Michael Butler, Marvin H. Albert,
Besetzung: Anthony Quinn, Frederic Forrest, Robert Forster, Al Lettieri, Angel Tompkins, Charles Cioffi, Jo Anne Meredith, Barry Russo, Louis Zorich
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie, Wendecover
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Lucas Gröning

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 explosive media

 
 

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