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The Captive – Nichts Neues bei Atom Egoyan

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The Captive

Gastrezension von Simon Kyprianou

Thriller // Ein Vater sucht seine vor Jahren verschwundene Tochter Cassandra (Alexia Fast). Trotz der hoffnungsarmen Situation spürt Matthew (Ryan Reynolds), dass sie noch am Leben sein muss. Zwei Ermittler (Rosario Dawson, Scott Speedman) mischen auch mit.

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Matthew sucht nach seiner Tochter

Atom Egoyan nervt langsam: „The Captive“ ist erneut eine Variation seines Lieblingsthemas, nämlich der Entführung (oder dem Tod) von Kindern und die Auswirkungen auf Eltern und Gesellschaft. In „Das süße Jenseits“ hat er das noch virtuos bedient. Doch Atom Egoyan kann mittlerweile anscheinend nicht mehr erzählen. Wie schon bei seinem letzten Film „Devil’s Knot – Im Schatten der Wahrheit“ plätschert die Handlung gemächlich vor sich hin, die beachtliche Laufzeit von fast zwei Stunden geht ganz schön ins Sitzfleisch.

Dabei gibt es nichts Erfreuliches an diesem Film. Die Figuren sind leere Hüllen, die durch die Handlung geistern, ohne dass sie je ausbuchstabiert werden, ohne dass ihr Leid je untersucht wird. Es sind kaum mehr Charaktere, nur noch Erfüllungsgehilfen für das Drehbuch, das ihnen keinen Raum lässt. Die Narration ist zäh und ungelenk, verliert sich in den überkompliziert und verstockt dargebotenen Zeitebenen, da gibt es keine Virtuosität, nur Kopfschmerzen.

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Cassandra wird seit geraumer Zeit vermisst

Ryan Reynolds ist kraftlos und mit seiner Milchbubi-Attitüde auch grandios fehlbesetzt. Da gab es im Egoyans letztem Werk wenigstens noch den großartigen Colin Firth. Die quirlige Rosario Dawson sticht in „The Captive“ noch am meisten positiv hervor. Auch seine teils interessanten Kulissen, schön verschneite Landschaften, nutzt Egoyan denkbar wirkungslos. Kaum Vergnügliches zu verzeichnen also.

Am schlimmsten aber ist, dass Egoyan trotz der Dringlichkeit und der Schrecklichkeit seines Themas nichts daraus macht. Der Film berührt nicht, er entsetzt nicht, er verschreckt nicht. Egoyan kann nichts beim Zuschauer hervorrufen. Wie schon beim letzten Film: alles auf schlechtem Fernsehfilm-Niveau, viel verschenktes Potenzial und wenig Spannung. Schade, dass er sich nicht von den Filmen seiner Criterion-Liste inspirieren ließ, die er jüngst als ihn berührende Werke genannt hat.

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Die Ermittler Jeffrey und Nicole sind uneins

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ryan Reynolds sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. Januar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Captive
KAN 2014
Regie: Atom Egoyan
Drehbuch: Atom Egoyan, David Fraser
Besetzung: Ryan Reynolds, Scott Speedman, Rosario Dawson, Mireille Enos, Kevin Durand, Aidan Shipley, Bruce Greenwood
Zusatzmaterial: Interviews, Originaltrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

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Die Eltern sind verzweifelt

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Ascot Elite Home Entertainment

 

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Devil’s Knot – Im Schatten der Wahrheit: Wird den West Memphis Three nicht gerecht

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Devil’s Knot

Von Simon Kyprianou

Krimidrama // Zu Zeiten von „Das süße Jenseits“ (1997) war Atom Egoyan der große Liebling der Filmkritik. Viel übrig geblieben von seinem Können ist in den letzten Jahren aber leider nicht.

Interessant ist, dass „Devil’s Knot“ inhaltlich große Ähnlichkeiten zu „Das süße Jenseits“ aufweist: Eine verschworene Gemeinde wird mit dem Tod ihrer Kinder konfrontiert und zerbricht daran. „Das süße Jenseits“ war ein zärtliches Drama, „Devil’s Knot“ aber hat den Charme des miesen Fernsehfilms der Woche, ist etwa genau so ästhetisch und leider auch genau so spannend.

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Der gutmütige Detektiv Lax will den Jugendlichen helfen

Die Geschichte basiert auf der wahren Begebenheit der „West Memphis Three“: Drei Kinder wurden brutal umgebracht und in einem Fluss gefunden. Die Dorfgemeinschaft will Rache. Schuldige sind schnell gefunden: drei Satanisten, eigentlich nur normale Jugendliche, die ein bisschen rebellieren wollen. Aber sowohl Privatdetektiv Ron Lax (Colin Firth) als auch Pam Hobbs (Reese Witherspoon), Mutter eines des Oper, haben Zweifel an der Schuld der Jungen. Das Gericht und die Polizei anscheinend nicht, der Prozess scheint fingiert, die Jungs haben keine Chance.

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Pam Hobbs und ihr Ehemann trauern um ihren Sohn

Atom Egoyan hangelt sich an allen erdenklichen Stereotypen des Genres entlang, und auch die emotionale Klaviatur bedient er berechnend und offensichtlich. Wirkungsvoll ist das leider überhaupt nicht, eher entnervend. So kann aus der interessanten Geschichte leider kein großes Drama und auch kein großer Thriller entstehen. Egoyan lässt die Tragweite seiner Geschichte einfach verpuffen.

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Die Ruhe vor dem Sturm: Die Kinder schlendern über den See, in dem kurz darauf ihre Leichen gefunden werden

„Devil’s Knot“ kommt nach dem halbwegs ordentlichen Anfang nicht in Fahrt, die Ermittlungen und die Gerichtsverhandlung plätschern lustlos dahin, leiden zusätzlich noch unter Egoyans konfus, verwirrender Erzählung und den dümmlichen Dialogen. Da kann selbst Colin Firth nicht mehr viel ausrichten. Ein misslungener Thriller, ohne Thrill, ohne emotionale Wirkung, zäh und schleppend.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Colin Firth sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 10. Dezember 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 114 Min. (Blu-ray), 109 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Devil’s Knot
USA 2013
Regie: Atom Egoyan
Drehbuch: Paul Harris Boardman, Scott Derrickson, nach einer Vorlage von Mara Leveritt
Besetzung: Reese Witherspoon, Colin Firth, Dane DeHaan, Mireille Enos, Elias Koteas, Kevin Durand, Alessandro Nivola, James Hamrick, Seth Meriwether
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Universum Film

 

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