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Daddy’s Little Girl – Die Rache ist mein: Wenn die Zivilisationstünche abblättert

Daddy’s Little Girl

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Wann immer „Daddy’s Little Girl – Die Rache ist mein“ in den Filmgruppen der Sozialen Netzwerke thematisiert wird, kommen zuverlässig die Selbstjustiz- und Folter-Verfechter aus ihren Löchern, die großspurig verkünden, was sie mit einem Kinderschänder anstellen würden, der ihrem Nachwuchs etwas antut. Es sind in der Regel dieselben Leute, die den Streifen als Meisterwerk abfeiern, obwohl er alles andere als das ist.

Georgia wird tot aufgefunden …

Manche fordern gar, Folter per Gesetz zu legalisieren, um Kindermördern und anderen Missetätern die Strafe angedeihen zu lassen, die ihnen zustehe – als könne überhaupt irgendjemand ein korrektes Strafmaß für derlei Taten postulieren. Wer das fordert, verkennt obendrein: Sofern der Staat solche Gewalt an Tätern bestimmter Verbrechen sanktioniert oder legitimiert, wird er dieses Mittel über kurz oder lang – eher über kurz – auch an anderen Bürgerinnen und Bürgern ausüben, nur weil sie missliebig sind. Das zeigt die Geschichte von Polizeistaaten und totalitären Diktaturen. Wo soll man überhaupt die Grenze ziehen? Ab welcher Schwere eines Delikts sollen wir Folter und Todesstrafe – oder Folter bis zum Tode – einsetzen dürfen? Oder in die andere Richtung: Für welche Vergehen haben die Täter so gerade eben keine Folter mehr verdient? Solche Fragen führen für diese Maulhelden von Folter-Befürwortern wohl schon zu sehr in die Tiefe. Und wie selbstverständlich kanzeln sie diejenigen, die gegen Folter und Todesstrafe argumentieren, als Verteidiger von Kinderschändern ab. Das führt im Einzelfall so weit, dass einem selbst krankhafte Neigungen unterstellt werden. Apropos Neigungen: Dass sexueller Kindesmissbrauch und Pädophilie erst einmal zwei verschiedene Dinge sind und bei Weitem nicht alle Kinderschänder als Pädophile gelten, interessiert die „Foltert sie!“-Fraktion vermutlich überhaupt nicht.

Das kaputte Fenster

„Daddy’s Little Girl – Die Rache ist mein“ setzt mit einer Entbindung ein. Unter den üblichen Qualen und Strapazen bringt Stacey (Allira Jaques) ihr Baby zur Welt. Sie und Derek (Michael Thompson) sind anfangs offenbar glückliche Eltern, und die kleine Tochter Georgia (Billi Baker) wächst als glückliches Kind heran – trotz der baldigen Trennung ihrer Eltern. Stacey und Derek kommen allerdings nicht gut miteinander aus. So streiten die beiden um das kaputte Fenster in Georgias Zimmer bei Mama, das diese aus Geldnot nicht reparieren lässt. Sie weigert sich aber auch, Dereks Angebot anzunehmen, das Fenster zu richten, weil sie ihn partout nicht ins Haus lassen will. Es kommt, wie es kommen muss: Georgia wird aus dem Fenster heraus entführt und bald darauf tot aufgefunden.

… und zu Grabe getragen

Sechs Monate später hat die Polizei den Täter immer noch nicht ermittelt. Das gelingt aus heiterem Himmel – sprich: purem Zufall – Derek. Er kidnappt den Mörder und verschleppt ihn an einen ungestörten Ort, um ihn langsam zu Tode zu foltern.

Auf der Habenseite: Die Szene, in der Polizisten Derek und Stacey daran hindern, den Fundort der Leiche des offenbar schwer geschundenen Mädchens am Strand zu betreten, funktioniert sehr gut. Wer da nicht mitfühlt, was in den Eltern vorgeht, könnte ein Problem in puncto Empathie haben. Verständlich auch, dass Derek bei der Trauerfeier ausrastet und Stacey anklagt, denn hätte sie ihn das Fenster reparieren lassen, wäre Georgia vielleicht noch am Leben.

Wie foltere ich auf optimale Weise?

Den Täter erahnt der geneigte Zuschauer, bevor Derek dessen Identität herausfindet. So weit, so vorhersehbar. Überraschend – aber nicht im positiven Sinne – gerät die Selbstverständlichkeit, mit der Derek vom trauernden Vater zum gnadenlosen Folterknecht mutiert. Manche Selbstjustizverfechter mögen das für völlig normal halten, aber das ist es natürlich nicht. Niemand ist zum Folterer geboren, schon gar nicht zu einem, der im Internet recherchiert und sich ausgeklügelte Techniken aneignet, um seinem Opfer Schmerz zuzufügen und es währenddessen bei Bewusstsein und am Leben zu erhalten.

Folter

In der Folge entwickelt Derek originelle Ideen, den auf dem Tisch festgeschnallten Täter zu malträtieren. So penetriert er dessen Anus mit einer Röhre, durch die er Stacheldraht in die Darmregionen des Mannes einführt. Schmerzhaft? Ganz sicher, und das auch beim Zusehen. Das kann man natürlich als positiv hervorheben, da diese Empfindungen wohl auch beim Publikum hervorgerufen werden sollten. Die Darstellung der Folterungen wirkt handwerklich einigermaßen gelungen, das kann als weiterer Pluspunkt verbucht werden.

Was soll das, Chris Sun?

Keine Ahnung, ob der australische Regisseur und Drehbuchautor Chris Sun („Charlie’s Farm“) mit dem Dreh von „Daddy’s Little Girl“ seine eigenen Gewaltfantasien über Kindermörder ausleben oder lediglich einen kontroversen Beitrag zur Debatte liefern wollte. Beides gibt Anlass zu Kritik. In einem Featurette auf seinem YouTube-Kanal hat er – ab etwa Minute 18 – harsche Kritik am Justizsystem seines Landes geübt und seiner Abscheu gegenüber Kinderschändern und Kindesmisshandlern Ausdruck verliehen. Hält er die immerhin von ihm selbst ersonnenen Konsequenzen für den Täter in „Daddy’s Little Girl“ für korrekt? Klare Aussagen finden sich dazu nicht, lediglich ein paar Andeutungen, die in die Richtung gehen. Sei’s drum, jedenfalls erwecken seine Äußerungen nicht den Eindruck, er habe sich besonders tiefgründig mit dem Thema auseinandergesetzt. Das passt wiederum gut zu seinem Film.

Nichts gegen Torture Porn, als Exploitation kann ich mir das schon ab und zu anschauen. Der Kontext, Folter als verdiente Strafe für einen Kinderschänder und -mörder darzustellen, geht aber inhaltlich über Exploitation hinaus bis hin zu einem politischen Statement. Und das ist einfach grundfalsch. Mir ist es auch angesichts der bestenfalls durchschnittlichen inszenatorischen, technischen und schauspielerischen Umsetzung schleierhaft, wie es dem Streifen gelingen konnte, bei den Australian Screen Industry Network Awards 2012 acht Trophäen abzuräumen – als bester Film, für Drehbuch, Regie, Kamera, Produktion, Musik sowie Hauptdarsteller Michael Thomson und Hauptdarstellerin Allira Jaques.

Noch mehr Folter

Ich habe selbst drei Töchter und kann mir leider nur zu gut vorstellen, wie zerstörerisch eine derartige Tragödie auf mich wirken würde, würde eine der drei Opfer eines Gewaltverbrechens – wobei ich glaube, dass jeder zu Empathie fähige Mensch auch ohne eigene Kinder solche Gefühle nachempfinden kann. Ich kann auch nachempfinden, welchen Hass man auf diese Täter entwickeln kann, das sind völlig verständliche Vorstellungen, die sich beim Gedanken an die Tat und die Opfer einstellen – auch bei mir. Dennoch lässt diese anscheinend sogar weit verbreitete Haltung, Folter und Todesstrafe zu bejahen und geradezu zu feiern, eine Verrohung unserer Gesellschaft vermuten, die beängstigt.

Stürzt eure Lieben ruhig noch mehr ins Elend!

Damit geht natürlich auch eine Kurzsichtigkeit einher, die mich am klaren Verstand der Folterfans zweifeln lässt. Denn gesetzt den Fall, sie würden nach dem Mord an einem ihrer Kinder den Täter ausfindig machen und so malträtieren, wie es Derek in „Daddy’s Little Girl“ praktiziert, würden sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch mehr Elend über ihre Familie bringen, am Ende auch sich selbst zerstören und als menschliches Wrack in der Gosse oder im Knast landen.

Erneut Folter

Von der logistischen Herausforderung ganz zu schweigen: Ein sicherer Unterschlupf muss vorbereitet, die Entführung geplant werden. Dann gilt es, einen grausamen Mörder zu kidnappen – ob sich das so einfach gestaltet? Wie soll man ihn bewusstlos bekommen? Wie dann den 80- bis 100-Kilo-Kerl schleppen? Ich vergaß: Im Film sieht das so einfach aus, es wird im wahren Leben wohl ähnlich sein. Von wegen. Und zur Folter selbst: Ob es für Menschen mit anständigen Moralvorstellungen wirklich so einfach ist, jemandem auch nur eine Messerspitze in den Leib zu treiben? Andererseits: Wer Folter befürwortet, hat in meinen Augen das Feld anständiger Moralvorstellungen längst verlassen, vielleicht ist die natürliche Hemmung vor dem Blutvergießen da auch schon abgestumpft. Wusstet Ihr übrigens, dass das Themengebiet der Bestrafung von Kinderschändern schon seit Jahren von Rechtsradikalen vereinnahmt worden ist? Kampagnen zur Verschärfung des diesbezüglichen Strafrechts („Todesstrafe für Kinderschänder!“) sind hierzulande in aller Regel von ganz weit rechtsaußen initiiert. Die Nazis wissen eben, dass sie damit bei vielen einen wunden Punkt treffen – und die am wunden Punkt Getroffenen merken nicht, welchen Rattenfängern sie aufsitzen.

Viel besser: „7 Days“

Der bessere, weil an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Themen Selbstjustiz und Vergeltung interessierte Film ist zweifellos der frankokanadische Beitrag „7 Days“ von 2010, der weniger Schauwerte für Gewaltfreaks bietet. Abgestumpfte Exploitation-Fans sollen von mir aus „Daddy’s Little Girl“ den Vorzug geben, aber doch bitte nicht ernsthaft behaupten, dass wir es mit einem guten Film zu tun haben. Chris Suns Regiearbeit reduziert ein komplexes Thema auf einen simplen Gewaltexzess, das ist scharf zu kritisieren. Aber vielen Filmguckern, die „Daddy’s Little Girl“ anpreisen, geht es zweifellos gar nicht um dessen cineastische Qualität, sondern um dessen moralische Aussage, die allerdings eher eine unmoralische ist: Kinderschänder und -mörder verdienen demnach auf jeden Fall den Tod, wenn nicht gar einen so qualvoll wie möglich ausfallenden Tod. Zweifellos gibt es Menschen, die es verdienen zu sterben. Aber zu proklamieren, für welche Taten ich das Todesurteil als angemessen erachte – dafür braucht es eine monströse Anmaßung, zu der ich weder willens noch fähig bin.

„Daddy’s Little Girl“ scheiterte 2014 an der FSK und erhielt das SPIO/JK-Siegel für strafrechtliche Unbedenklichkeit. Ein Jahr später erfolgte die Indizierung. Wie Hohn wirkt am Ende, als Derek sein blutiges Folterwerk abgeschlossen hat, die Szene, in der ihm in Gedanken die kleine Georgia erscheint und ihm ihre Liebe bekundet. Zu dem Zeitpunkt hat der trauernde Vater längst alle Gefühle abgestreift. Erbärmlich.

Derek hat etwas ersonnen, genau: Folter

Veröffentlichung: 10. Juli 2014 als limitiertes 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), 4. Juni 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 107 Min. (Blu-ray), 103 Min. (DVD)
Altersfreigabe: SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Daddy’s Little Girl
AUS 2012
Regie: Chris Sun
Drehbuch: Chris Sun
Besetzung: Michael Thompson, Allira Jaques, Holly Phillips, Rebecca Plint, Sean Gannon, Christian Radford, Darrell Plumridge, Mirko Grillini, Madeleine Campbell, Billi Baker
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Trailershow
Label: Pierrot Le Fou
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2014 Pierrot Le Fou

 

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Quigley der Australier – Vom Wilden Westen zu den Aborigines

Quigley Down Under

Von Leonhard Elias Lemke

Western // Um 1860: Der amerikanische Scharfschütze Quigley (Tom Selleck) begibt sich auf die große Reise über den Ozean, hin zu dem noch recht frisch erschlossenen Kontinent Australien. Er folgt damit dem Ruf des steinreichen Großgrundbesitzers Marston (großartig hassenswert wie eh und je: Alan Rickman), mit seiner einmaligen Schusswaffe die Ländereien von unliebsamen Besuchern zu säubern – den Aborigines. An Ort und Stelle angekommen, weigert sich Quigley, die Bluttaten zu verrichten. Von Marstons Männern übel zugerichtet und im Outback gemeinsam mit der Prostituierten Cora (Laura San Giacomo) dem sicheren Tod überlassen, werden die beiden von großherzigen Ureinwohnern aufgepeppelt und können sich alsbald auf den Pfad der Rache machen.

Gut geschlachtet ist schon halb kolonialisiert!

„Quigley der Australier“ gehört zu den wichtigsten Down-Under-Filmen. Während die Kolonialisten die Indianer Nordamerikas schamlos von deren eigenem Land vertrieben haben, hatte das britische Empire bei der Besetzung Australiens ab 1788 offensichtlich nichts gelernt. Die Ureinwohner des Inselkontinents, die Aborigines, wurden systematisch ausgerottet, ihnen wurde jeglicher Anspruch auf ihre Heimat versagt. „Pazifizierung durch Gewalt“ war das Motto und was man nicht verstand, wurde einfach zertreten. Während der Umgang mit den Indianern verhältnismäßig intensiv in Kunst und Literatur thematisiert wird, scheint das Schicksal der Aborigines oft übergangen zu werden. „Quigley der Australier“ stellt damit einen willkommenen Beitrag dar, der eben jenes Verbrechen thematisiert, das die Menschheit an sich selbst verübt hat.

Western? Abenteuer? Geschichtsstunde? Thriller? Drama? Komödie?

Der Film reitet auf der bislang letzten großen Westernwelle und ist dennoch gar kein typischer Genrevertreter. Er ist schwer zu kategorisieren – das eint bekanntlich die besten Filme. „Quigley der Australier“ ist brutal, blutig und geht dabei fast spielerisch mit den Gräueltaten um. In einigen Szenen erlangt die Story gar metaphysischen Charakter, Tom Selleck wird zum „Spirit Warrior“. Regisseur Simon Wincer vollzieht eine Gratwanderung zwischen Unterhaltungsfilm und bitterer Abrechnung der grausamen Taten. Wincers „Harlekin“ ist wahnsinnig toll, auch die von ihm inszenierte vierteilige Western-Miniserie „Weg in die Wildnis“ (1989) mit Robert Duvall und Tommy Lee Jones lohnt sich sehr. Ein Jahr nach „Quigley der Australier“ drehte er den Actionfilm „Harley Davidson und der Marlboro Mann“ mit Don Johnson und Mickey Rourke, den manche für kultig halten.

Auf der richtigen Seite

Der Action- und Komödienanteil von „Quigley der Australier“ sind zu begrüßen – so kann ein breiteres Publikum angesprochen und auf die Geschichte Australiens aufmerksam gemacht werden als mit einem todernsten Drama. Solche gibt es aber natürlich auch. Basil Poledouris als Komponist ist in der Regel schon allein ein Grund, sich einen Film anzusehen. Sein Soundtrack schöpft vor allem aus einem beschwingt-abenteuerlichen Repertoire, vermeidet aber den ganz großen Conan-Bombast, dem Inhalt Respekt zollend.

Widerwillen vereint?

Tom Selleck hätte gern schon zehn Jahre zuvor die Titelrolle gespielt, kam aber nicht au seinem „Magnum“-Vertrag (nicht für das Eis!) heraus. Als schnauzbärtiger Hüne ist er zunächst gewöhnungsbedürftig – einen Scharfschützen stellt man sich ja eher klein und geschmeidig vor, vielleicht mit Nickelbrille. Doch mit jeder Filmminute mehr merkt man ihm die Inbrunst an, die er in die Rolle gelegt hat. Selleck IST Quigley und er lässt keinen Zweifel daran, auf wessen Seite er im Outback steht. Oberfiesling Alan Rickman („Stirb langsam“, „Robin Hood – König der Diebe“ sowie die „Harry Potter“-Reihe) ist einfach herrlich anzusehen als eklig arroganter Menschenhasser – dem will man jederzeit eine reinhauen! Showstealerin des Streifens ist allerdings Laura San Giacomo als traumatisierte, erotische, verrückte Crazy Cora, bei der sowohl Publikum als auch Quigley nie so recht wissen, woran sie sind.

Heimkino-Gold

Das von capelight pictures veröffentlichte Mediabook mit Blu-ray und DVD ist ein Musterbeispiel für hochwertige Heimkinoauswertung. Äußerlich gefallen vor allem die matte Oberfläche und die schönen Artworks auf Vorder- und Rückseite, die nicht durch unnütze Infos verschandelt werden. Auch das Booklet ist auf wertigem dicken und matten Papier gedruckt. Hier gibt es keine Fettflecken! Auch finden schön gestaltete Stills ausreichend Platz. Da der Text von Christoph N. Kellerbach stammt, muss man sowieso eine Leseempfehlung aussprechen, denn es ist schier unglaublich, wie gut seine Recherchearbeiten sind. Er vermeidet blumige und ausufernde Sprache (zu der der Autor dieser Zeilen neigt) zugunsten einer klaren Struktur und Aussage. Bei den Extras sind eine tolle Featurette zur (scheinbaren) Wiedergeburt des Westerns und ein Interview mit Laura San Giacomo besonders hervorzuheben. Insgesamt einmal mehr eine vorbildliche Veröffentlichung eines wichtigen Down-Under-Westerns.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Simon Wincer sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Alan Rickman unter Schauspieler.

Quigley bringt Licht in trübe Kolonialisten-Köpfe

Veröffentlichung: 22. März 2019 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD, 20. Oktober 2003 als DVD

Länge: 120 Min. (Blu-ray), 115 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Quigley Down Under
AUS/USA 1990
Regie: Simon Wincer
Drehbuch: John Hill
Besetzung: Tom Selleck, Alan Rickman, Laura San Giacomo, Ben Mendelsohn, Chris Haywood, Ron Haddrick, Tony Bonner, Roger Ward, William Zappa
Zusatzmaterial: „Finding Crazy Cora“: Interview mit Laura San Giacomo, „This One Shoots a Mite Further“: Interview mit dem Waffenexperten Mike Tristano, Featurette „Die Wiedergeburt des Westerns“, TV-Spots, Original-Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach
Label 2019: capelight pictures
Vertrieb 2019: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2003: MGM

Copyright 2019 by Leonhard Elias Lemke
Szenenfotos: © 2019 capelight pictures

 
 

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Wolf Creek – Staffel 1: Tod im Outback

Wolf Creek – The Complete First Season

Von Volker Schönenberger

Horrorserie // „Wolf Creek“ etablierte 2005 mit dem sprücheklopfenden Naturburschen Mick Taylor (John Jarratt) einen Serienkiller, der das australische Outback erbarmungslos zur Todesfalle machte und Torture-Porn- wie Slasher-Fans in Verzückung versetzte. Die ebenso grimmige Fortsetzung „Wolf Creek 2“ hielt 2013 das hohe Metzel-Niveau des Vorgängers. Obwohl man glauben mochte, das Setting ließe sich nicht aufs Serienformat übertragen, geschah drei Jahre später genau das: „Wolf Creek“ reihte sich in den seit einigen Jahren grassierenden Trend ein, aus Kinofilmen Fernsehserien zu machen – und das auch noch auf gelungene Weise.

Mick Taylor als Retter in der Not

Zu Beginn erweist sich der auch in der Serie von John Jarratt verkörperte Mick Taylor für die US-Touristenfamilie Thorogood als Lebensretter: Der minderjährige Sohn Ross (Cameron Caulfield) hat sich mit seiner Luftmatratze auf ein Gewässer gewagt. Offenbar waren die Thorogoods so fahrlässig, sich vor ihrem Trip nicht über die Gefahren durch Wildtiere zu informieren – in diesem Fall Krokodile. Mit einem gezielten Schuss in den Kopf des hungrigen Reptils bewahrt Taylor den leichtsinnigen Knirps davor, von dem Krokodil zerrissen zu werden. Anschließend sitzt die Familie mit dem Retter gemütlich am Lagerfeuer. Was folgt, können sich Kenner der beiden Filme genüsslich vorstellen – jedenfalls nichts Angenehmes für die Thorogoods.

Mick Taylor sucht wieder nach Opfern

Horror-Franchises sind ein zweischneidiges Schwert: Oft walzen sie das bewährte Konzept auf wenig originelle Weise aus, gern auch bei sinkendem Niveau von Story und Inszenierung. Auf der Habenseite all dieser Fortsetzungen steht bewährte Unterhaltung – die Genrefans wissen, was sie bekommen. Dieser Pluspunkt lässt sich auch für „Wolf Creek“ konstatieren, und zu allem Überfluss hält die Serie mit den Kinovorgängern problemlos mit. Das liegt nicht zuletzt an Greg McLean („Das Belko Experiment“), der die beiden Filme schrieb und inszenierte – der Australier zeichnet auch als Ko-Autor der sechs Serienepisoden verantwortlich und setzte sich bei einer Folge auf den Regiestuhl. Übrigens: McLeans Kroko-Schocker „Rogue – Im falschen Revier“ von 2007 gehört zu den Highlights des Tierhorrors.

Jagd auf den Serienkiller

Die Handlung der ersten „Wolf Creek“-Staffel fokussiert im Anschluss an den so blutigen wie gnadenlosen Auftakt auf die 19-jährige Eve Thorogood (Lucy Fry), die Mick Taylor mit einer 22er-Kugel im Leib entrinnen kann – er glaubt, sie werde als Krokodilfutter enden. Sie erwacht im Krankenhaus und begibt sich kaum genesen auf die Jagd nach dem Jäger, der sein mörderisches Treiben fortsetzt und vorerst noch nichts davon ahnt, dass er nun der Gejagte ist. Im Verlauf kreuzen rüde Biker, Provinzler und andere Gesellen Eves Weg. Das wachsende Ensemble dient natürlich der Streckung der Handlung auf Seriengröße, ist aber durchdacht genug ersonnen, um die Spannung und das Interesse des Publikums aufrechtzuerhalten. Die Entscheidung für eine kurze Staffel mit lediglich sechs Folgen ist aber auf jeden Fall positiv zu werten.

Eve will den Spieß umdrehen

Gleißende Sonne, flirrende Luft, schroffes Geröll, Schlangen, robuste Flora – Greg McLean mag das Outback seiner Heimat, was man den wunderbaren Bildern des australischen Hinterlands jederzeit ansieht. So weit die Landschaft ist, so dicht und tief sind die Abgründe des Schreckens, in die sich immer wieder ahnungslose Touristen verirren, um in Mick Taylors schmutzige Fänge zu geraten. „Wolf Creek – Staffel 1“ ist angetan, die Zuschauer aufzusaugen. Der Härtegrad ist nicht von schlechten Eltern, dennoch hat auch hierzulande die Uncut-Fassung die FSK ohne Schnittauflagen passiert.

Fortsetzung folgt

Die „Wolf Creek“-Serie wurde erstmals auf einem australischen Pay-TV-Streamingdienst ausgestrahlt, im Dezember 2017 lief dort bereits die zweite Staffel, die bei uns noch nicht angekündigt ist. Darin macht sich Mick Taylor über eine ganze Busladung voller Touristen her, was einen hohen Body Count verspricht. Greg McLean hat auch bereits einen dritten „Wolf Creek“-Kinofilm angekündigt. Die beiden Filme und auch die erste Staffel haben die Messlatte des Franchises recht hoch gehängt, aber McLeans Beteiligung gibt Hoffnung, dass er seine eigenen Maßstäbe einhält. Wer die beiden Filme mag, kann jedenfalls bei „Wolf Creek – Staffel 1“ bedenkenlos zugreifen. Ein Backwoods-Slasher auf Serienlänge – Experiment geglückt.

Leichter gesagt als getan

Die Episoden der ersten Staffel:

1. Billabong (FSK 16)
2. Kutyukutyu (FSK 12)
3. Salt Lake (FSK 16)
4. Opalville (FSK 16)
5. Rome (FSK 16)
6. Wolf Creek (FSK 18)

Veröffentlichung: 25. Mai 2018 als 2-Disc Edition Blu-ray und 2-Disc Edition DVD

Länge: 295 Min.
Altersfreigabe: FSK 18 (einzelne Folgen siehe oben)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Wolf Creek – The Complete First Season
AUS 2016
Regie: Tony Tilse (Episoden 1 bis 5), Greg McLean (Episode 6)
Drehbuch: Peter Gawler, Greg McLean, Felicity Packard
Besetzung: John Jarratt, Lucy Fry, Matt Levett, Dustin Clare, Cameron Caulfield, Maya Stange, Robert Taylor, Andy McPhee, Damian de Montemas, Jessoca Tovey, Eddie Baroo
Zusatzmaterial: Cinemas to Series, Making a Series, Stars, Locations, Visual Effects, Cast, Trailershow
Label/Vertrieb: polyband Medien GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 polyband Medien GmbH

 

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