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Horror für Halloween (XXX) / David Cronenberg (VIII): Shivers – Parasiten-Mörder: Die Sexbestien im Hochhaus

Shivers

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Ein älterer Mann jagt in einem Appartement einer jungen Frau in Schuluniform hinterher. Sie wehrt sich, aber schließlich gelingt es ihm, sie zu erwürgen. Er legt ihren Oberkörper frei, zieht sie aus, dann auch sich. Mit einem fachmännischen Schnitt legt der Mann die Bauchhöhle der Toten frei. Er gießt Säure in die Wunde, dann schneidet er sich selbst die Kehle durch.

Parallel erfahren wir mehr über den hochmodernen Hochhauskomplex, in dem sich das beklemmende Geschehen abspielt. Es handelt sich um die Starliner Towers auf Starliner Island, einer bei Montreal gelegenen Insel. Die Appartements sind offenbar heiß begehrt. Der in der kleinen Klinik des Gebäudes tätige Arzt Roger St. Luc (Paul Hampton) entdeckt die beiden Leichname und benachrichtigt die Polizei. Zuvor hatte schon der Nachbar Nicholas Tudor (Allan Kolman) das Appartement betreten, angesichts des grausamen Anblicks aber nur fluchtartig das Weite gesucht.

Parasiten als Organersatz

Beim Mörder handelt es sich um den Wissenschaftler Dr. Hobbes. Dessen Partner Rollo Linsky (Joe Silver) klärt St. Luc darüber auf, dass die beiden daran gearbeitet hatten, einen Parasiten zu züchten, der in der Lage ist, die Funktion eines menschlichen Organs zu übernehmen. Bald darauf entdeckt Linsky, dass Hobbes die Experimente insgeheim etwas modifiziert hat, um einen Parasiten zu entwickeln, der die sexuelle Gier steigert und gleichzeitig das Denken ausschaltet, damit sich die Menschen hemmungslosen Orgien hingeben. Die junge Frau diente ihm dabei als Versuchskaninchen. St. Luc berichtet dem Wissenschaftler, sie habe in den Starliner Towers diverse Affären gehabt …

Sexuelle Triebhaftigkeit

Orgien, Orgien, wir wollen Orgien! Verzeiht mir diese kleine Asterix-Reminiszenz in einer Rezension eines David-Cronenberg-Films, aber sie passt ja. Wobei die Sexbesessenheit der von den Parasiten befallenen Unglückseligen in „Shivers – Parasiten-Mörder“ nicht unbedingt gewollt ist. Mit der übersteigerten Triebhaftigkeit geht auch Aggressivität einher, jedenfalls haben die Befallenen keinerlei Hemmungen, lüstern über bislang nicht infizierte Menschen herzufallen und ihnen dabei auch den Parasiten unterzujubeln.

Wer Cronenbergs Durchbruch-Film von 1975 mit voyeuristischer Erwartung startet, sei gewarnt: Zwar bekommen wir reichlich nackte Haut und sich wälzende Körper zu sehen, die Erotik geht dabei aber eher flöten. Vielmehr haben die Sexbestien mit ihrer Fixierung auf einen Aspekt der Körperlichkeit Ähnlichkeit mit Zombies. Hat George A. Romero je zugegeben, „Shivers“ vor den Dreharbeiten zu „Zombie“ („Dawn of the Dead“, 1978) gesehen zu haben? Die mangelnde Befriedigung des Voyeurs verleiht Cronenbergs Regiearbeit Distanz zu reiner Exploitation.

David Cronenbergs Body Horror

Der Ausdruck Body Horror muss in Texten über viele Arbeiten des kanadischen Filmemachers natürlich fallen, so auch in diesem, dem sei hiermit Genüge getan. Er passt perfekt zu Cronenbergs erstem abendfüllenden Spielfilm, das brauche ich wohl nicht weiter auszuführen. Die Parasiten sind eben sehr körperlich, machen sich unter der Bauchdecke bemerkbar, kommen aus Mündern hervorgekrochen … Da kann sich schon mal ein gewisser Ekel einstellen.

Warnung vor dem Spoiler

In diesem Absatz spoilere ich etwas. Wer „Shivers“ noch nicht geschaut hat, möge spätestens nach dem nächsten Satz direkt zum Folgeabsatz springen. Gedreht wurde auf der Île des Sœurs oder Nuns’ Island im Sankt-Lorenz-Strom bei Montreal, ein dort befindlicher Hotelbau diente als Starliner Towers. Glück für die Menschheit, möchte man meinen, da die Verbreitung der Parasiten so begrenzt bleibt – doch weit gefehlt: Am Ende verlassen die Menschen per Auto das Gebäude, zweifellos, um den Parasiten in die Welt zu tragen, wie auch eine über den Beginn des Abspanns gelegte Radiomeldung andeutet. Von sexueller Raserei ist dabei nichts mehr zu bemerken, fast verwundert es, dass die Menschen überhaupt noch Auto fahren können. Hat Cronenberg in der Hinsicht etwa ein kleines Logikloch übersehen? Vielleicht hat der Parasit aber auch eine Art Schwarmintelligenz entwickelt, die ihm bewusst gemacht hat, auf welche Weise er seine Art am besten erhält – nämlich, indem er die Starliner Towers verlässt und sich in die Welt begibt. Hier meine ich, ein paar Parallelen zu Don Siegels „Die Dämonischen“ („Invasion of the Body Snatchers“, 1956) zu bemerken. Fast hätte ich auf Philip Kaufmans „Die Körperfresser kommen“ („Invasion of the Body Snatchers“, 1978) verwiesen, aber der ist ja drei Jahre nach „Shivers“ entstanden.

Was haben sich die Kanadier damals nur gedacht?

„Shivers“ entstand seinerzeit mit Fördermitteln des kanadischen Staats. Ob die Entscheider wussten, was sie da förderten? Im Booklet des NSM-Mediabooks erfahren wir, dass sich nach dem Kinostart der kanadische Senat mit der Frage beschäftigte, was für Filme man finanziell fördern soll. Nach einem Verriss in einer Zeitschrift wurde Cronenberg angeblich sogar aus seiner Wohnung geworfen, weil er einen so unmoralischen Film gedreht hatte. Vermutlich hatte sein Vermieter (oder seine Vermieterin) „Shivers“ nicht mal gesehen – die heftigsten Reaktionen auf kontroverse Werke kommen ja oft von Menschen, die wissen, wie schlimm ein Film ist, ohne auch nur eine Minute davon geschaut zu haben. Übrigens hatte ich mich bis hierhin erfolglos gefragt, wie ich meinen Leserinnen und Lesern den Parasiten beschreiben soll, glücklicherweise nimmt mir der Booklettext das Problem ab: … wie eine Mischung aus Phallus und Exkrement. Generell ein interessanter Text, den Manfred Riepe fürs Mediabook verfasst hat, aber noch mehr will ich daraus nicht abschreiben.

Featurette von Cronenberg-Kenner Marcus Stiglegger

Im Zusatzmaterial des Mediaboooks gefallen vor allem das Interview mit David Cronenberg sowie das eigens für diese Edition produzierte 23-minütige Featurette „Creative Cancer and the New Flesh“, in welchem sich der Publizist und Kulturwissenschaftler Marcus Stiglegger ausgiebig über David Cronenberg und „Shivers“ auslässt. Das hat er übrigens auch schon in gedruckter Form getan – Stigleggers Standardwerk „David Cronenberg“ ist 2011 bei Bertz & Fischer erschienen. Blu-ray und DVD des Mediabooks enthalten sowohl die ursprüngliche deutsche Synchronisation von 1975, bei der die damals fehlenden Sequenzen nachsynchronisiert worden sind, als auch die neue Synchronisation von 2002. Eine empfehlenswerte Veröffentlichung. Mein Steelbook aus dem englischen Hause Arrow Video möchte ich dennoch nicht missen (siehe Foto ganz oben), auch wenn das Label in der Erstauflage irrtümlich die zensierte R-Rated-Fassung aus den USA auf die Discs gepackt hatte. Die Nachlieferung der ungeschnittenen Fassung lief aber problemlos, nachdem Arrow die Ersatz-Discs produziert hatte.

J. G. Ballard grüßt aus seinem Hochhaus

Das Hochhaus-Setting erinnert an J. G. Ballards im selben Jahr wie Cronenbergs Film veröffentlichten Roman „Hochhaus“ („High-Rise“), in welchem die Bewohnerinnen und Bewohner sich nach und nach der Anarchie hingeben, 2015 vom englischen Regisseur Ben Wheatley („Sightseers – Killers on Tour“) als „High-Rise“ in die Kinos gebracht. Die Exzesse in „Shivers – Parasiten-Mörder“ sind roher, enthemmter, Cronenbergs Regiearbeit wirkt im Vergleich zu „High-Rise“ deutlich räudiger. Als weiterer Vergleich bietet sich der mit Cronenbergs späteren Filmen „Rabid – Der brüllende Tod“ (1977) und „Die Brut“ (1979) an, aber dazu müsste ich beide erst mal wieder sichten. Es gehört nicht viel Fantasie zu der Annahme, dass diese Cronenbergs Können gereift zeigen. „Shivers – Parasiten-Mörder“ ist dennoch unverzichtbar, ein so raues wie brillantes Frühwerk des großen kanadischen Autorenfilmers.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von David Cronenberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Barbara Steele unter Schauspielerinnen.

Veröffentlichung: 29. März 2019 als limitiertes 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 6 Covermotive à 555, 2 x 333 und 3 x 222 Exemplare), 25. September 2009 und 14. Oktober 2002 als DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Shivers
Alternativtitel: They Came from Within / It Came from Within
KAN 1975
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Besetzung: Paul Hampton, Joe Silver, Lynn Lowry, Allan Kolman, Susan Petrie, Barbara Steele, Ronald Mlodzik, Barry Baldaro, Camil Ducharme, Hanna Poznanska, Wally Martin, Vlasta Vrana, Silvie Debois
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar von Dr. Gerd Naumann und Dr. Rolf Giesen, Interview mit David Cronenberg, „Creative Cancer and the New Flesh“ (Featurette mit Marcus Stiglegger, 23 Min.), Open-Matte-Fassung (R-Rated, Standard Definition), Super-8-Fassung, Bildergalerie, deutscher Trailer, Vintage Trailer, Originaltrailer, neuer englischer Trailer, 16-seitiges Booklet mit einem Text von Manfred Riepe
Label/Vertrieb Mediabook: NSM Records
Label DVD: splendid film
Vertrieb DVD: splendid film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Packshots: © 2019 NSM Records

 
 

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Horror für Halloween (XXVIII): Die Hexe des Grafen Dracula – Hexe ja, Vampir nein!

Curse of the Crimson Altar

Von Volker Schönenberger

Horror // …….. and drugs of this group can produce the most complex hallucinations, and under their influence it is possible by hypnosis to induce the subject to perform actions he would not normally commit. (Extract from Medical Journal) So lernen wir es zu Beginn von „Die Hexe des Grafen Dracula“. Unter dem Einfluss halluzinierender Drogen kann man also mittels Hypnose zu Taten verleitet werden, die man ansonsten nicht begehen würde. Gut zu wissen.

Wer möchte nicht von dieser Holden gepeitscht werden?

Gleich im Anschluss an diese Belehrung wohnen wir einem Ritual bei, bei dem eine nur spärlich bekleidete Frau eine andere, auf einen Altar gefesselte Nackte unter den Augen diverser Beobachter auspeitscht. Eine fremdartig gewandete Hohepriesterin namens Lavinia Morley (Barbara Steele) scheint das Sagen über die Schwarze Messe zu haben. Sie schließt einen Pakt mit dem neuen Jünger Peter Manning (Denys Peek), der zum Einstieg erst einmal die Nackte auf dem Altar erdolcht. Zur Belohnung erhält er ein Brandzeichen auf die Brust.

Hexe endet auf dem Scheiterhaufen

Bald darauf sucht Robert Manning (Mark Eden) nach seinem Bruder. Er gerät ins Örtchen Craxted Lodge und in den Pub von Mr. Morley (Christopher Lee), wo recht ausschweifend gefeiert wird. Die Swinging Sixties sind eben in vollem Gange. Etwas später stellt der Pub-Besitzer seinem Gast Professor John Marsh (Boris Karloff) vor, einen Gelehrten, der sich mit Hexenprozessen und Schwarzen Messen auskennt. Die Dörfler bereiten sich auf die Feier zum Jahrestag der Verbrennung von Lavinia Morley vor – die Vorfahrin des Gastwirts war 1652 der Hexerei bezichtigt worden …

Lavinia Morley schwört ihren neuen Gefolgsmann Peter Manning ein

Grusel stellt sich in „Die Hexe des Grafen Dracula“ eher selten ein, aber amüsant ist das Ganze dennoch. Wenn die nächste Schwarze Messe in fantasievoller Kostümierung zelebriert wird, fühlt man sich auf einem bizarren Drogentrip – und ist es womöglich auch. Ob die Teilnehmer der Messen LSD nehmen oder die Filmemacher welches genommen haben? Am Ende beides. H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte „The Dreams in the Witch House“ ist jedenfalls nur zu erkennen, wenn man deutlich drauf gestoßen wird. Das Umschreiben der Lovecraft-Vorlage führte dann auch zu ein paar Logiklöchern.

Aus dem Hause Tigon British Film Productions

Im Fahrwasser der Erfolge von Hammer Films sprangen seinerzeit einige britische Produktionsfirmen auf den dahinrasenden Horrorzug auf, darunter Amicus („Die Todeskarten des Dr. Schreck“, 1965) und Tigon, die „Die Hexe des Grafen Dracula“ produzierte. Bekanntester Tigon-Film ist sicher „Der Hexenjäger“ („Witchfinder General“, 1968) von Michael Reeves mit Vincent Price.

Ein Brandzeichen folgt auf dem Fuße

Dank der sich an der Finanzierung beteiligenden US-Produktionsfirma American International Pictures gesellte sich zu dem in der englischen Filmlandschaft verwurzelten Christopher Lee mit Boris Karloff ein weiterer markanter Horror-Star in die Besetzung von „Die Hexe des Grafen Dracula“. Karloff war zu jener Zeit bereits sehr gebrechlich und absolvierte die Dreharbeiten im Rollstuhl. Es sollte sein letzter in England entstandener Film werden. Bei den Dreharbeiten im englischen Winter des Jahrs 1968 holte er sich eine Lungenentzündung. Zwar genas er wieder so weit, dass er im selben Jahr noch in Mexiko drehen konnte, er starb aber am 2. Februar 1969 im Alter von 81 Jahren.

Horror-Ikone Barbara Steele als Hexe

Mit Barbara Steele („Die Stunde wenn Dracula kommt“, 1960) in der Rolle der Hexe hat „Curse of the Crimson Altar“, so der Originaltitel, auch eine weibliche Horror-Ikone zu bieten. Wenn schon nicht vom Grusel, so lebt der Film aber auf jeden Fall von der guten Besetzung sowie der Ausstattung und der Kulissen, die sich auf Hammer-Niveau bewegen. Trotz Christopher Lee hat er natürlich nicht das Geringste mit dem transsylvanischen Vampirfürsten oder irgendeinem Blutsauger zu tun, aber die bisweilen absurden Marketing-Strategien deutscher Filmverleihe kennen wir ja zur Genüge.

Mr. Morley gibt sich als jovialer Gastgeber

Am Mediabook aus dem Hause Wicked-Vision Media gibt es einmal mehr nichts zu mäkeln. Die kenntnisreichen Texte von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad im Booklet lese man vorzugsweise nach Sichtung des Films. Sie quellen zwar vor Spoilern nicht über, aber ein wenig mehr als vielleicht gewollt erfährt man doch über den Verlauf der Handlung. Bild und Ton gefallen ebenfalls, das üppige Bonusmaterial desgleichen. Eines der drei Covermotive trägt den stimmungsvollen frühen deutschen Verleihtitel „Schwarze Messe auf blutrotem Altar“, der deutlich besser passt. Zu den spannendsten Filmen des britischen Horrorkinos jener Zeit schließt die Regiearbeit von Vernon Sewell („Ghost Ship“, 1952) sicher nicht auf, vergnügliche Unterhaltung mit Sixties-Flair und etwas Prickeln ist aber gewährleistet. Schöner Film, schönes Mediabook.

Auch Robert Manning gerät in den Bann der Hexe

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Barbara Steele sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Boris Karloff und/oder Christopher Lee unter Schauspieler.

Was weiß Professor Marsh?

Veröffentlichung: 7. Juli 2017 als 3-Disc Limited Collector’s Edition (Blu-ray & 2 DVDs) im Mediabook (Auflagen: Cover A 555 Exemplare, Cover B 222 Exemplare, Cover C 333 Exemplare), 8. Mai 2008 als DVD (E-M-S GmbH)

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Curse of the Crimson Altar
Alternativtitel: Schwarze Messe auf blutrotem Altar
US-Titel: The Crimson Cult
GB 1968
Regie: Vernon Sewell
Drehbuch: Mervyn Haisman, Henry Lincoln, nach H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte „The Dreams in the Witch House“
Besetzung: Christopher Lee, Boris Karloff, Barbara Steele, Mark Eden, Michael Gough, Virginia Wetherell, Rosemarie Reede, Derek Tansley, Rupert Davies, Denys Peek
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Barbara Steele und David Del Valle, Audiokommentar mit Daniel Perée, Ingo Strecker und Jörg Kopetz, Interview mit Sir Christopher Lee, Audio-Interview mit Sir Christopher Lee, Dokumentation: „Creating the Curse of the Crimson Altar“ (Extended Cut), deutsche Nostalgiefassung (auf der Bonus-DVD), Super-8-Fassung #1, Super-8-Fassung #2, alternativer Vorspann, deutscher Kinovorspann, deutscher Kinotrailer, Originaltrailer #1, Originaltrailer #2, Radio-Spots, Bildergalerien, seltenes Werbematerial, 24-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2017 Wicked-Vision Media

 

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Mario Bava (I): Die Stunde wenn Dracula kommt – Das Meisterstück schon mit dem Regiedebüt

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La maschera del demonio

Der Italiener Mario Bava hat dem Horrorgenre ein paar ganz wunderbare Impulse gegeben. Grund genug, ihn mit einer Werkschau zu würdigen.

Von Volker Schönenberger

Horror // Schöner und schauriger kann der Auftakt eines Gruselfilms kaum sein: Im Moldawien des 17. Jahrhunderts wird die schöne Asa Vajda (Barbara Steele) von Inquisitoren unter der Führung ihres eigenen Bruders gerichtet: Er bezichtigt sie der Hexerei und lässt ihr eine innen mit Nägeln gespickte eiserne Maske aufs Gesicht nageln. Sie verflucht ihn und seine Nachkommen – ihr eigenes Blut werde auch in deren Adern fließen. Auch Asas Geliebter Javutich (Arturo Dominici) wird getötet. Sie soll verbrannt werden, doch ein plötzlich einsetzendes Gewitter vertreibt die Menschen.

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Asa erleidet ein grausames Schicksal

Zwei Jahrhunderte später gelangen Professor Krubajan (Andrea Checchi) und sein Assistent Dr. Andre Gorobec (John Richardson) zufällig in die verfallene Kirche, in der Asa in einer Gruft liegt. Ein steinernes Kreuz soll sie in ihrem Sarkophag bannen. Krubajan kann nicht widerstehen und nimmt dem Leichnam die Maske ab. Als eine Fledermaus heranfliegt, schlägt er mit dem Stock nach ihr und zerstört versehentlich das Kreuz. Aus einer kleinen Wunde an seiner Hand tropft Blut auf Asa.

Rückkehr als Vampir

Draußen treffen die beiden Männer auf Katia (Barbara Steele), eine Nachfahrin Asas und ihr wie aus dem Gesicht geschnitten. Nach kurzem Gespräch setzen Krubajan und Gorobec ihre Fahrt bis zu einem Gasthaus fort. Sie ahnen nicht, dass das Blut des Professors Asa neues Leben eingehaucht hat. Mit mentaler Kraft holt sie ihren Geliebten Javutich ebenfalls ins Leben zurück – als Vampir.

Dracula? Nun ja – mit Bram Stokers Vampirfürst hat „Die Stunde wenn Dracula kommt“ überhaupt nichts zu tun. Der Name hat es lediglich zwecks besserer Vermarktungsmöglichkeiten in den deutschen Verleihtitel geschafft. Flankierend wird er immerhin in der deutschen Synchronfassung – aber auch nur dort – während des Prologs zweimal genannt. Etikettenschwindel nennt sich das, aber es sei dem deutschen Verleih verziehen – immerhin klingt der Titel schön stimmungsvoll.

Großer Einfluss aufs Horrorgenre

„La maschera del demonio“, so der Originaltitel, darf mit Fug und Recht zu den besten und einflussreichsten klassischen Horrorfilmen gezählt werden. Nicht umsonst hat Francis Ford Coppola einige Einstellungen daraus in „Bram Stoker’s Dracula“ (1992) zitiert. Findet sie selbst! Was Mario Bava (1914–1980) auf dem Regiestuhl und hinter der Kamera vollbracht hat, kann nur in den höchsten Tönen gelobt werden. Manch alter Horrorfilm wird heute belächelt, zu sehr haben sich Sehgewohnheiten geändert. „Die Stunde wenn Dracula kommt“ hingegen ist herrlich gruselig geraten und wirkt auch heute noch mit seiner trotz schmalen Budgets feinen Ausstattung und den schummrigen Kulissen. Die alte Kirche inklusive Gruft, das Gasthaus, der Wald, der Friedhof – großartig. Für die damalige Zeit fällt „Die Stunde wenn Dracula kommt“ zudem recht drastisch aus, beginnend mit der Hinrichtungsszene im Prolog. Auch an den wird man bei diversen jüngeren Horrorfilmen gern mal erinnert. Gothic Horror in Perfektion eben.

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Katia taucht an der Kirche auf

Ihre Doppelrolle etablierte die 1937 geborene Barbara Steele als frühe „Scream Queen“. Kurz darauf drehte sie unter Roger Corman „Das Pendel des Todes“ mit Vincent Price, der sie endgültig zur Horror-Ikone werden ließ. Irgendetwas im Gesicht der Schönheit, eine winzige, kaum zu greifende mimische Abseitigkeit, lässt sie prädestiniert für derlei Schauerstücke erscheinen. Sie selbst war nicht begeistert, fortan auf Horror reduziert zu werden, dreht aber bis heute. Zuletzt war sie in Ryan Goslings „Lost River“ zu sehen.

Die Bildqualität der neuen Blu-ray bringt die Atmosphäre von „Die Stunde wenn Dracula kommt“ gut zur Geltung. Bei weitgehend scharfem Bild und guten Konturen ist die Körnigkeit erhalten geblieben. Der Ton ist in Original- wie Synchro-Fassung solide abgemischt, wobei das Urteil mangels guter Lautsprecher mit Vorbehalt ausfällt. Da mir zur Sichtung lediglich eine Screener-Disc vorlag, kann ich über die Aufmachung der Verpackung keine Auskunft geben, bin aber zuversichtlich, dass ein schönes Endprodukt herausgekommen ist. Der Austausch der schönen 2005er-DVD von e-m-s mit Schuber und Comic soll sich ja lohnen. Ein Blick auf die Insel: Das für Referenz-Editionen bekannte englische Label Arrow Video hat den Film unter dem Titel „Black Sunday“ in einem sehr schönen limitierten Steelbook inklusive Booklet und viel Bonusmaterial veröffentlicht.

Auftakt der Mario Bava Collection

Koch Films beginnt mit „Die Stunde wenn Dracula kommt“ die „Mario Bava Collection“, in der dem Vernehmen nach diverse Regiearbeiten des Italieners auf Blu-ray erscheinen sollen. Mit seiner ersten offiziellen Regiearbeit liegt die Messlatte jedenfalls schon mal hoch. Zuvor hatte Bava lediglich Kurzfilme inszeniert und war mehrmals als Ersatzregisseur eingesprungen, darunter immerhin für Jacques Tourneur bei „Die Schlacht von Marathon“ (1950). Steigern konnte sich Bava nach seinem Debüt nicht mehr, aber diverse feine Arbeiten sind ihm auch danach noch gelungen. „Die Stunde wenn Dracula kommt“ weckt große Vorfreude auf die „Mario Bava Collection“, auch wenn Koch Films bislang keine Folgetitel verraten hat. Wir werden die Reihe begleiten.

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Andre verliebt sich in Katia

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Mario Bava sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Barbara Steele unter Schauspielerinnen.

Veröffentlichung: 11. August 2016 als Collector’s Edition (Blu-ray & 2 DVDs), 24. November 2005 als DVD (e-m-s)

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: La maschera del demonio
Alternativtitel: Mask of Satan
Internationaler Titel: Black Sunday
IT 1960
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Ennio De Concini, Mario Serandrei, nach einer Kurzgeschichte von Nikolaj Gogol
Besetzung: Barbara Steele, John Richardson, Andrea Checchi, Ivo Garrani, Arturo Dominici, Enrico Olivieri, Antonio Pierfederici, Tino Bianchi, Clara Bindi, Mario Passante, Renato Terra, Germana Dominici
Zusatzmaterial: US-Fassung (83 Min.), Audiokommentar, Interviews mit Barbara Steele und Lamberto Bava, deutscher Vorspann, geschnittene Szene, Bildergalerie, italienischer Trailer, englischer Trailer, US-Trailer
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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