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Piranhas – Abgenagt bis auf die Knochen

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Piranha

Von Volker Schönenberger

Horror // MILITARY TEST SITE – RESTRICTED AREA – NO TRESPASSING!

Ein solches Schild kann man auch einfach mal befolgen. Oder ist das zu spießig? Nein, im US-Horrorfilm wäre es clever, vor allem, wenn man sexuell freizügiger Teenager ist. Das tun sie aber leichtsinnigerweise nicht, auch nicht das Pärchen, das in mondklarer Nacht den Zaun erreicht, an dem das Schild befestigt ist. Dahinter verlockt ein Rückhaltebecken zum nächtlichen Nacktbaden. Es endet tödlich. Aufgrund des Filmtitels kennt der Zuschauer die Todesursache.

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Doctor Robert Hoak hat ganz spezielle Fische gezüchtet

Mit diesem fürs Horrorgenre typischen, aber stimmungsvollen Prolog beginnt Joe Dantes „Piranhas“. Die Versicherungsdetektivin Maggie McKeown (Heather Menzies) sucht die beiden vermissten Teenager. In Begleitung des unwilligen Hinterwäldlers Paul Grogan (Bradford Dillman) gelangt sie zum Becken. Die beiden entdecken Utensilien der jungen Leute. Um sie zu finden, lassen sie das Wasser aus dem Becken in den Fluss ab. Eine fatale Entscheidung …

Effekthascherische Schocksequenzen?

Das Lexikon des internationalen Films, ohnehin nicht unbedingt Horror-affin, urteilte seinerzeit: In der Nachfolge des „Weißen Hai“ und anderer Tierhorrorfilme angelegter Thriller, der Seitenhiebe auf arrogante Militärs und verantwortungslose Forscher mit massiven effekthascherischen Schocksequenzen zudeckt. Der damalige Rezensent meint „effekthascherisch“ durchaus kritisch, verkennt dabei aber, dass gewisse Effekte zum Tierhorror nun mal dazugehören. Tatsächlich sind die Piranha-Attacken effektvoll inszeniert und dienen klar dem Zweck, den Horror dieser niedlichen kleinen Fische spürbar zu machen. Das funktioniert – ich jedenfalls würde niemals in ein Becken mit Piranhas springen.

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Paul und Maggie lösen eine Katastrophe aus

Richtig ist der Hinweis auf das Fahrwasser von „Der weiße Hai“. Ohne Steven Spielbergs Klassiker hätte es manchen Kreaturenhorror nicht gegeben, vermutlich auch nicht „Piranhas“. Das ändert aber nichts daran, dass auch Joe Dantes Film heute zu Recht zu den Klassikern des Tierhorrors zählt. Ob man von einem großen Haifischgebiss zerfleischt oder von vielen kleinen Gebissen bis auf die Knochen abgenagt wird, ändert am Ergebnis sowieso nichts. Die „Der weiße Hai“ produzierenden Universal Studios wollten die Produzenten von „Piranhas“ sogar verklagen, weil sie ihren Film plagiiert sahen. Aber weil Steven Spielberg Joe Dantes Film mochte, kam es nicht dazu. Spielberg gefiel drei Jahre später auch Dantes „The Howling – Das Tier“, weshalb er ihn 1984 den von ihm koproduzierten „Gremlins – Kleine Monster“ inszenieren ließ.

Wer springt freiwillig in ein Gewässer voller Piranhas?

Schauspielerisch ist das in „Piranhas“ recht belanglos geraten. Die eher unbeholfen agierende Maggie und ihr grummeliger Sidekick Paul als Hauptfiguren bieten kaum Identifikationspotenzial. Auch die zahlreichen Opfer sind nur als Fischfutter gut. Entscheidend sind ohnehin die Spannungsbögen und der Suspense im Vorfeld der Piranha-Attacken. Und die funktionieren ganz vorzüglich. Es wird anständig geschrien. Die Massenszenen lassen das Entsetzen gut nachempfinden. Nicht alle der aus zahlreichen Wunden blutenden Opfer werden das rettende Ufer erreichen. Ein paar kleine Ungereimtheiten verzeiht man da gern. Ich bin sehr dafür, ein Kind von einem sinkenden Kanu zu retten. Aber dafür in einen Fluss voller blutrünstiger Piranhas springen?

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In einer Nebenrolle als Dr. Mengers ist Barbara Steele zu sehen, die 1960 mit Mario Bavas „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ und ein Jahr später mit Roger Cormans „Das Pendel des Todes“ bekannt wurde.

Etikettenschwindel bei Italo-Horror

Die Fortsetzung „Fliegende Killer – Piranha II“ („Piranha Part Two – The Spawning“, 1981) inszenierte James Cameron („Terminator“). Ich werde sie bei „Die Nacht der lebenden Texte“ beizeiten im Rahmen der James-Cameron-Reihe vorstellen. Ein 1979 unter der Regie von Antonio Margheriti (als Anthony M. Dawson) entstandenes italienisches Rip-off mit Lee Majors wurde in Deutschland unter dem Titel „Piranhas II – Die Rache der Killerfische“ vermarktet, obwohl es kein Sequel von „Piranhas“ ist. Im Original trägt es den Titel „Killer Fish“.

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Vorsicht, bissige Fische!

Eine wie das Original von Roger Corman produzierte Neuverfilmung entstand 1995 unter dem Titel „Die Rückkehr der Piranhas“ („Piranha“), ist aber wie „Killer Fish“ eher entbehrlich. Die zweite Neuverfilmung inszenierte Alexandre Aja („High Tension“, „Horns“) 2010 in 3D als irrwitziges Splatterspektakel mit vielen Comedy-Elementen.

Koch Media hat mit „Mörderspinnen“ eine neue Reihe mit dem Titel „Creature Feature“ gestartet. „Piranhas“ ist Teil 2 davon und erscheint auch in einer limitierten 3-Disc Collector’s Edition. Allerdings hat mir das Label auf Anfrage mitgeteilt, dass die Reihe vorerst nicht fortgesetzt wird. Schade drum. Die Reihe „Creature Feature“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman und Joe Dante sind in unserer Rubrik Regisseure zu finden, auch solche, bei denen Corman Produzent war wie in diesem Fall. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Barbara Steele sind in der Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Veröffentlichung: 23. Juli 2015 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Piranha
USA 1978
Regie: Joe Dante
Drehbuch: John Sayles
Besetzung: Bradford Dillman, Heather Menzies-Urich, Kevin McCarthy, Keenan Wynn, Barbara Steele, Dick Miller, Belinda Balaski, Melody Thomas Scott, Barry Brown, Paul Bartel
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Joe Dante und Produzent Jon Davison, Featurette „They Are Eating the Guests!“, Featurette „Piranha-Symphonie“, Behind the Scenes, Sitges-Preisverleihung, Outtakes, zusätzliche Szenen aus der TV-Fassung, deutscher und englischer Trailer, Teaser, TV-Spot, Trailers from Hell, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Koch Media

 

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Das Pendel des Todes – Poe wäre zufrieden

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Pit and the Pendulum

Von Volker Schönenberger

The vibration of the pendulum was at right angles to my length. I saw that the crescent was designed to cross the region of the heart. It would fray the serge of my robe – it would return and repeat its operations – again – and again. (aus Edgar Allan Poe: The Pit and the Pendulum)

Horror // Eine halbmondförmige große Stahlklinge schwingt an einem Pendel hin und her. Ein darunter befindlicher Gefangener muss – auf einem Holzgestell gefesselt – entsetzt ansehen, wie es sich quälend langsam zu ihm herabsenkt – Zentimeter für Zentimeter, so positioniert, dass es ihm auf Höhe des Herzens den Brustkorb durchtrennen wird.

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Don Nicholas ist von seiner Frau verzaubert

Edgar Allan Poes Erzählung von der Grube und dem Pendel spielt in Toledo zum Ende der Spanischen Inquisition. Der Schriftsteller und Drehbuchautor Richard Matheson hat daraus lediglich das Motiv des Pendels übernommen und eine ganz andere Geschichte erschaffen, die der legendäre Horror-Regisseur Roger Corman filmisch umgesetzt hat. Cormans Poe-Zyklus, zu dem auch „Die Maske des Roten Todes“ gehört, erfreut sich nach wie vor ungebrochener Beliebtheit und bietet mit Ausnahme von „Lebendig begraben“ gute Gelegenheit, die herrlich exaltierte Schauspielkunst von Vincent Price zu bewundern.

Der Grandseigneur des Horrorfilms spielt den spanischen Adligen Nicholas Medina, der mit seiner Schwester Catherine (Luana Anders) im 16. Jahrhundert ein an rauen Klippen gelegenes Schloss bewohnt. Don Nicholas trauert um seine Ehefrau Elizabeth (Barbara Steele), die dem Hausarzt Dr. Leon (Antony Carbone) zufolge an einer seltenen Blutkrankheit starb. Elizabeths mittlerweile im Schloss eingetroffener Bruder Francis (John Carr) gibt sich mit dieser Erklärung jedoch nicht zufrieden. Der ohnehin aufgrund einer traumatischen Kindheitserinnerung verstörte Don Nicholas scheint sich nach dem Verlust seiner Gemahlin Wahnvorstellungen hinzugeben.

In „Das Pendel des Todes“ nutzt Price etliche Gelegenheiten für großartige Drama-Queen-Momente. Das mag für heutige Sehgewohnheiten übertrieben wirken, erklärt sich aber mit seinen Karriereanfängen als Theaterschauspieler und dem nachwirkenden Einfluss der Stummfilm-Ära – ohne die Möglichkeit der Sprache waren Mimik und Gestik eben stärker gefragt. Price hat selbst allerdings nicht in Stummfilmen mitgewirkt. Als zweifellos starker Einfluss auf seine Schauspielkunst kann auch Dracula-Darsteller Bela Lugosi genannt werden.

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Elizabeth verbirgt ein Geheimnis

Einige wunderbare Szenen hat auch Barbara Steele, die ein Jahr zuvor unter Mario Bava „Die Stunde wenn Dracula kommt“ gedreht hatte und sich mit diesen beiden Rollen als Horror-Ikone unsterblich machte. „Das Pendel des Todes“ wartet mit einer fesselnden Geschichte inklusive überraschender Wendungen und einem schön schaurigen Finale auf und bietet dabei ganz viel Gruselatmosphäre in feinen Farben und ebensolchen Bildern. So schwer es fällt, aus Cormans Poe-Verfilmungen eine herauszuheben – diese ist ein Kandidat für den Spitzenplatz. Und wenn schon ein großartiger Autor wie Richard Matheson die Feder schwingt, kann man davon ausgehen, dass Edgar Allan Poe seine Freude an dieser sehr freien Umsetzung seiner Geschichte gehabt hätte.

Twentieth Century Fox Home Entertainment erweitert seine Anfang 2013 begonnene Reihe „Horror Cult Uncut“ um sechs Filme, drei davon mit Vincent Price (siehe unten). Auf Blu-ray-Umsetzungen wird allerdings verzichtet, die Reihe ist exklusiv auf DVD erhältlich. Sie liefert einige gute Beispiele für den seit einiger Zeit zu beobachtenden Trend, einstmals indizierte oder mit FSK-18-Freigabe versehene Filme nach Neuprüfung mit heruntergestufter Altersfreigabe zu veröffentlichen. „Das Pendel des Todes“ war erstmals 2007 bei uns auf DVD erschienen, seinerzeit noch ab 18 Jahren freigegeben. Die Neuveröffentlichung hingegen ist mit dem blauen FSK-16-Logo versehen. Die Bildqualität wirkt solide, DVD-Menü und Film sind allerdings mit der erwähnten DVD-Erstveröffentlichung aus dem Hause MGM identisch.

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Bedrohlich hängt das Pendel von der Decke

Die Originalfassung von Edgar Allan Poes Kurzgeschichte ist vollständig hier und hier zu finden, eine deutsche Übersetzung gibt’s hier. Ebenfalls im Netz: eine Public-Domain-Hörfassung in Englisch. Die Erzählung diente mehreren Verfilmungen als Vorlage, beispielsweise „Meister des Grauens“ von Stuart Gordon 1991, einer eher entbehrlich erscheinenden 2009er-Adaption sowie einem liebevollen Stop-Motion-Trickfilm, an dem Spezialeffekt-Legende Ray Harryhausen produzierend mitgewirkt hat.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Barbara Steel und/oder Vincent Price unter Schauspielerinnen bzw. Schauspieler. Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Regiearbeiten sowie die Filme der Reihe „Horror Cult Uncut“ haben wir auch in der Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Länge: 77 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Italienisch, Holländisch, Dänisch, Schwedisch, Portugiesisch
Originaltitel: Pit and the Pendulum
USA 1961
Regie: Roger Corman
Drehbuch: Richard Matheson, nach Motiven einer Erzählung von Edgar Allan Poe
Besetzung: Vincent Price, Barbara Steele, John Kerr, Luana Anders, Antony Carbone
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

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Das Pendel schwingt und nähert sich

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
 

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