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Crawl – Stirbt der Hund?

Crawl

Kinostart: 22. August 2019

Von Volker Schönenberger

Horror // Ob Alexandre Aja weiß, dass viele Filmfans, auch Horrorfans, einiges abkönnen, es aber nicht ertragen, wenn ein Hund zu Tode kommt? Hat er deshalb einen solchen Vierbeiner eingebaut? Diese Leute werden aus „Crawl“ eine Menge zusätzliche Spannung ziehen, denn zu den beiden Hauptfiguren Vater Dave (Barry Pepper) und Tochter Haley (Kaya Scodelario) gesellt sich Daves Hund Sugar (Cso-Cso in seinem Filmdebüt). Und Hunde geben nun mal für Mississippi-Alligatoren einen willkommenen Happen für zwischendurch ab – zwischen der einen oder anderen menschlichen Hauptmahlzeit, versteht sich.

Haley hat ihren schwer verletzten Vater entdeckt

Aber der Reihe nach: Über Florida tobt der Hurrikan „Wendy“, die besonders gefährdeten Gebiete werden evakuiert. Haley jedoch fährt in die entgegengesetzte Richtung, weil sie ihren Vater nicht erreichen kann – er lebt genau dort, wo der Sturm mit seiner gewaltigsten Wucht aufschlagen wird. Im Haus ihres Vaters entdeckt sie lediglich den Familienhund Sugar, woraufhin sie ihn mitnimmt und zum Haus der Familie fährt, das Dave an sich längst verkauft haben wollte – die Eltern sind seit einiger Zeit geschieden. Sie findet ihren Vater schwer verletzt und bewusstlos im Keller vor. Leider tummeln sich dort unten auch zwei hungrige Alligatoren. Während der Hurrikan Fahrt aufnimmt und der Keller langsam voll Wasser läuft, müssen Vater und Tochter ums Überleben kämpfen.

Die junge Frau sucht nach einem Fluchtweg

Nach seinem so blutigen wie irrwitzigen Fisch-Gemetzel „Piranhas 3D“ (2010) lag der Gedanke nahe, dass Alexandre Aja auch Krokodile in einem ausgelassenen Splatter-Spektakel inszenieren würde. Doch weit gefehlt: „Crawl“ gibt sich vollständig ironiefrei, ein kurzes Augenzwinkern gibt es erst, wenn im Abspann „See You Later, Alligator“ von Bill Haley & His Comets erklingt. Gorehounds sollten sich darauf einstellen, dass der „High Tension“-Regisseur die Auswirkungen der gewaltigen Alligatoren-Kiefer nur punktuell in aller Deutlichkeit ins Bild setzt. In diesen Szenen allerdings sieht das Ganze schmerzhaft genug aus. Klaffende Wunden geben den Blick auf gebrochene Knochen frei. Die FSK-16-Freigabe geht meines Erachtens dennoch völlig in Ordnung. Obendrein sind die Reptilien technisch perfekt animiert und inszeniert. Da sich in der Crew kein Tiertrainer findet, muss es wohl CGI sein. Ist Alligatoren-Dressur überhaupt möglich? Ich habe gewisse Zweifel, würde es als Schauspieler auch nicht drauf ankommen lassen. In ein paar Einstellungen kommen Animatronics zum Einsatz, etwa ein künstlicher Alligatorenschwanz, ein Kopf und ein Gebiss, wie Alexandre Aja im Interview mit „Bloody Disgusting“ offenbarte. Auch kurz ins Bild kommende Baby-Alligatoren seien Modelle gewesen. Es sei jedoch mit praktischen Effekten nicht möglich gewesen, die heftigen Attacken und schnellen Bewegungen der Tiere nachzustellen, dafür musste der Computer ran. Jedenfalls sehen die Biester täuschend echt aus. Ob sie auf der Lauer liegend wirklich solche Geräusche machen wie in „Crawl“? Fast klingt es ein wenig knurrend, wie in etlichen Saurierfilmen. Lassen wir das als dramatischen Effekt durchgehen. Auch der Hurrikan ist im Übrigen ansprechend in Szene gesetzt.

Schwimm um dein Leben, Haley!

Haley wird zu Beginn des Films als Leistungsschwimmerin eingeführt. Das tut angesichts diverser Situationen auch Not, in denen sie zügig vor heraneilenden Alligatoren entkommen muss. Papa Dave hat Haley lange Zeit trainiert, daraus resultieren einige Konflikte zwischen den beiden, die angesichts der tödlichen Bedrohung natürlich ins Hintertreffen geraten und auszuräumen sind. Kein neues Motiv, aber einigermaßen schlüssig eingebaut. Im Horrorfilm ebenfalls häufig aus dramaturgischen Gründen anzutreffen: nicht ganz nachvollziehbares Verhalten einzelner Figuren – um das Wort „dumm“ zu vermeiden. Wenn ich versuche, schleichend ein Smartphone zu erreichen, das sich an gefährlicher Position befindet, würde ich mich jedenfalls sofort wieder in Sicherheit begeben, sobald ich das Gerät gegriffen habe, bevor ich den Notruf 911 wähle. Glücklicherweise sind derlei Leichtsinnigkeiten in diesem Fall nicht im Übermaß anzutreffen.

Mit der Schaufel gegen den Gator

Schauspielerisch stemmen die aus der „Maze Runner“-Reihe bekannte Kaya Scodelario und Barry Pepper („Der Soldat James Ryan“, „Wir waren Helden“) das Geschehen weitgehend auf ihren Schultern, das erledigen sie souverän. Die beiden kennen einander aus dem zweiten und dritten „Maze Runner“-Teil. Ein paar Nebenfiguren tauchen auf, ich verrate aber nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass sie vornehmlich als Alligatorenfutter dienen.

Wo lauern die Biester?

Ein paar Situationen hat Aja überzogen inszeniert. Eine Badewannen-Kabine als Alligatorenfalle – Respekt, Haley! Man verzeihe mir den minimalen Spoiler. In einer spektakulären Szene kommt auch die berüchtigte Todesrolle der Alligatoren zum Einsatz. Sind das Jagdverhalten der Tiere und ihre Sinneswahrnehmung korrekt dargestellt? Schwierige Frage, die ich mit einem vorsichtigen „Ja“ beantworten möchte. Eine US-Biologin hat vor einiger Zeit entdeckt, dass Alligatoren über Hautsensoren im Gesicht schwache Wellen wahrnehmen können. Dazu passt, dass es Haley und Dave in einer Szene wagen, durchs Wasser zu waten, weil der strömende Regen ihre Bewegungen tarnt. Die Sinnesorgane der Reptilien hingegen sind laut Wikisource recht schwach ausgebildet: Dagegen sind sämtliche Reptilien schwerhörig und im höchsten Grade kurzsichtig. (…) Mit den Augen der Reptilien ist es nicht besser bestellt. Ein Krokodil kann einen Menschen, der zwanzig Meter von ihm entfernt ist, nicht mehr erkennen. Das erklärt es, dass sich Haley und Dave im Keller laut verständigen, ohne zu befürchten, die Alligatoren anzulocken. Allerdings behauptet die Seite tierdoku.com, das Gehör von Krokodilen sei hoch entwickelt. Im Bildband „Krokodile – Expeditionen zu den Erben der Saurier“ von Reinhard Radke (Bergisch Gladbach 2002) fand ich die Einschätzung: Krokodile sind gut genug, um statistisch ausreichend häufig erfolgreich zu sein. Sie sind also keine mörderisch exakten Jäger mit ausgeklügelten Strategien, schnappen auch gern mal daneben.

Alligatoren sind Krokodile, aber keine echten

Bei Krokodil handelt es sich übrigens um den Oberbegriff, die sogenannte Ordnung. Darunter fallen drei Familien: die Echten Krokodile, die Alligatoren inklusive Kaimane und die Gaviale. Auf diese drei Familien verteilen sich acht bis neun Gattungen mit insgesamt 25 Arten. Die Mississippi-Alligatoren im Film gehören logischerweise zur Familie der Alligatoren und darin zur Gattung der Echten Alligatoren, zu der auch die China-Alligatoren zählen. Etwas Nervenkitzel gefällig? Schaut euch das berühmte Video an, in welchem ein junger Alligator von einem Python verspeist wird. Der Dunkle Tigerpython ist Ende der 1970er-Jahre in Floridas Everglades illegal ausgewildert worden, hat sich dort heimisch eingerichtet und auch kleine Alligatoren zu seinen Beutetieren auserkoren. Das nur am Rande – in „Crawl“ gesellen sich die Riesenschlangen nicht dazu.

Bewegt sich da etwas?

Von der Zoologie zur Meteorologie: Während des Films fragte ich mich, ob Alexandre Aja mit „Wendy“ einen bestimmten Hurrikan eines bestimmten Jahres gemeint haben mag. Kurze Recherche ergab, dass das vermutlich nicht der Fall war: Die Namen der Stürme legt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf fest. Es existieren sechs Namenslisten, die im jährlichen Wechsel zum Einsatz kommen. Sturmnamen wiederholen sich somit alle sechs Jahre, nur die Namen außergewöhnlich verheerender Hurrikane werden aus der Liste gestrichen, was beispielsweise nach dem 2005er-Sturm „Katrina“ der Fall war, dessen Name seitdem nicht mehr verwendet wird. „Wendy“ war zuletzt 2013 als Name vorgesehen, kam aber nicht zum Einsatz, weil die Hurrikan-Saison lediglich aus 13 Stürmen bestand und somit vor N (für „Nestor“) endete. 2019 könnte es wieder einen Hurrikan namens „Wendy“ geben. Gemäß der Trivia der IMDb ist „Crawl“ inspiriert von Ereignissen während des Hurrikans „Florence“ im Jahr 2018.

Willkommen zurück im Horror, Alexandre Aja!

„Crawl“ kommt angenehm „oldschoolig“ und alles andere als trashig daher. Mit einem permanenten – und natürlich berechtigten – Gefühl der Bedrohung dreht Alexandre Aja gekonnt an der Spannungsschraube, jederzeit muss mit einer Attacke der Alligatoren gerechnet werden. Dazu passt das reduzierte Setting, das Geschehen spielt sich über weite Strecken im Keller ab, bevor es später auch in obere Etagen und nach draußen geht. Die klaustrophobische Enge des niedrigen Kellers trägt das Ihre zur Spannung bei. Mit knapp anderthalb Stunden hat die schnörkellose Inszenierung auch genau die richtige Länge. Mit „Horns“ (2013) und „Das 9. Leben des Louis Drax“ (2016) hatte sich der französische Regisseur zuletzt etwas aus dem Horrorgenre hinausbewegt, war gleichwohl dem fantastischen Film treu geblieben. Seine Rückkehr zum Horror wird Genrefans frohlocken lassen – zu Recht. Stirbt der Hund denn nun? Lasst euch überraschen …

Eingeschlossen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Alexandre Aja sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Kaya Scodelario unter Schauspielerinnen, Filme mit Barry Pepper in der Rubrik Schauspieler.

Jetzt bloß nicht pupsen

Länge: 87 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Crawl
USA 2019
Regie: Alexandre Aja
Drehbuch: Michael Rasmussen, Shawn Rasmussen
Besetzung: Kaya Scodelario, Barry Pepper, Morfydd Clark, Ross Anderson, Jose Palma, George Somner, Anson Boon, Ami Metcalf, Colin McFarlane, Annamaria Serda
Verleih: Paramount Pictures Germany

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Paramount Pictures Germany

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2019/08/19 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone: Würdiges Grande Finale

Maze Runner – The Death Cure

Kinostart: 1. Februar 2018

Von Iris Janke

SF-Action // Labyrinth, Wüste – keine Frage, im Finale der „Maze Runner“-Trilogie von Regisseur Wes Ball können Thomas (Dylan O’ Brien, „American Assassin“) und seine Mitstreiter keineswegs aufatmen.

Böse: Wicked-Chefin Ava Paige

Auch in „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“, dem letzten Teil der dystopischen Trilogie, stehen Newt (Thomas Brodie-Sangster, „Tatsächlich … Liebe“) und Gally (Will Poulter, „The Revenant – Der Rückkehrer“) ihrem Freund und Leidensgenosen Thomas bei. Gleich in der ersten Szene gibt es Action und Spannung pur: Thomas und die Rebellen wollen ihre vom Bio-Konzern Wicked gefangen gehaltenen Kameraden aus dem durch die Wüste Richtung Last City rasenden Zug befreien. Sie versuchen den Waggon abzukoppeln. Doch der Coup misslingt. Thomas und die Rebellen bleiben außerhalb der Last City und müssen sich unterirdisch den Weg in die Stadt suchen.

Der unterirdische Weg in die Last City

Über der Erde befindet sich die Last City fest in der Hand von Wicked, unterirdisch jedoch formieren sich die Rebellen und die bereits vom Virus befallenen und zu Zombies mutierten Menschen. Um die Jugendlichen zu befreien, müssen sich Thomas und seine Ferunde unter der Mauer hindurch- und an den Zombies vorbeischummeln. In der Last City wird Minho (Ki Hong Lee) gefangen gehalten – in den ersten beiden „Maze Runner“-Teilen „Die Auserwählten im Labyrinth“ und „Die Auserwählten in der Brandwüste“ gehörte er zu den Hauptfiguren. Er wird von Janson (Aidan Gillen, „Game of Thrones“) und Ava Paige (Patricia Clarkson, „Herbststurm“) als menschliches Versuchskaninchen missbraucht. Beide wollen herausfinden, was Minho gegen das Virus immunisiert. Mit ihrem medizinischen Fachwissen scheint sogar Thomas’ hübsche und schlagkräftige Freundin Teresa (Kaya Scodelario, „Pirates of the Caribbean – Salazars Rache“) die Bio-Konzern-Bosse zu unterstützen.

Auserwählt, aber nicht völlig immun: Newt, Thomas und Minho (v. l.)

„Maze Runer – Die Auserwählten in der Todeszone“ versöhnt als Abschluss der Trilogie mit dem gegenüber dem ersten Teil „Die Auserwählten im Labyrinth“ schwächeren zweiten Teil „Die Auserwählten in der Bramdwüste“ – Mittelteile von Trilogien haben ja oft Probleme. Spektakulär gelingt die lange, aber keinewegs zu lange Einstiegsszene mit dem Transportzug. Optisches Highlight sind auch die gläsernen Hochhausfassaden, etwas düster hingegen: die Verfolgungsjagden durch die unterirdischen Zombie-Gewölbe. Trotzdem: Dieser dritte Teil setzt im Gegensatz zu einigen anderen letzten Teilen diverser Kinoreihen nicht darauf, die Hauptdarsteller am Ende auf eine Blumenwiese zu setzen und nach einem düsteren finalen Gemetzel in der letzten Szene alles rosarot und weich zu spülen. Nicht nur deshalb ein Muss für alle „Maze Runner“-Fans.

Unterstützt Teresa (l.) Ava Paige?

„Maze Runner“ bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste: Der offizielle Prequel-Comic
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste (2015)
The Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone (2018)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Patricia Clarkson und Kaya Scodelario sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Barry Pepper unter Schauspieler.

Gemeinsam gegen Wicked: Thomas (r.) und Newt

Länge: 142 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Maze Runner – The Death Cure
USA 2018
Regie: Wes Ball
Drehbuch: T. S. Nowlin, nach James Dashners Roman „Die Auserwählten in der Todeszone“ („The Death Cure“)
Besetzung: Dylan O’Brien, Kayla Scodelario, Thomas Brodie-Sangster, Ki Hong Lee, Rosa Salazar, Jacob Lofland, Aiden Gillen, Patricia Clarkson, Giancarlo Esposito, Walton Goggins, Katherine McNamara, Nathalie Emmanuel, Barry Pepper
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2018 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Twentieth Century Fox

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2018/01/29 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Holodomor – Bittere Ernte: Vom Hungertod in der Kornkammer Ukraine

Bitter Harvest

Von Volker Schönenberger

Historiendrama // Dem Holodomor fielen in den Jahren 1932 und 1933 in der Sowjetrepublik Ukraine mehrere Millionen Menschen zum Opfer – Schätzungen schwanken zwischen zwei und mehr als zehn Millionen Toten. Ob es sich dabei um einen von Stalin veranlassten Völkermord handelt oder um eine unglückselige Verkettung der Folgen von Missernten und der Zwangskollektivierung, kann in einer Filmrezension nach oberflächlicher Internetrecherche nicht seriös festgestellt werden. Klar ist, dass Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion und die Ukraine in dieser Frage unterschiedlicher Meinung sind und auch Instanzen der weltweiten Völkergemeinschaft sich schwer mit einer Einordnung tun. Dabei spielen politische und diplomatische Erwägungen zweifellos eine große Rolle, und das nicht erst seit der jüngsten Krimkrise.

Stalin erlässt verhängnisvolle Maßnahmen

In der kanadischen Produktion „Bitter Harvest“ nimmt Stalin (Gary Oliver) es kalt lächelnd in Kauf, dass die von ihm veranlassten Enteignungen zum Tod vieler Ukrainer führen können. Er befiehlt gar verschärfende Maßnahmen, als man ihm vom Widerstand der Landbevölkerung berichtet. Trotz einiger Szenen mit dem sowjetischen Diktator ist „Holodomor – Bittere Ernte“ aber kein Politdrama mit bedeutenden Gestalten der Weltgeschichte, der Film bricht die Geschichte des Holodomor auf das Schicksal von Yuri (Max Irons) und seiner Familie herunter. Yuris Vater Yaroslav (Barry Pepper) will die künstlerische Neigung seines Sohns fördern, während Yaroslavs Vater Ivan (Terence Stamp) es lieber hätte, wenn sein Enkel frühzeitig lernt, mit dem Säbel umzugehen. Yuris Liebe zu Natalka (Samantha Barks) sind nur kurze Momente des Glücks vergönnt. Besonders der sowjetische Kommissar Sergei (Tamer Hassan) geht bei den Enteignungen mit großer Grausamkeit vor.

Auch Yuri wird enteignet

Während anfangs kräftige Farben dominieren, etwa beim Blick über goldene ukrainische Kornfelder und ein paar Szenen im Wasser, wird die Farbsättigung im weiteren Verlauf merklich zurückgedreht. Wenn die ganze Tragik des von EU und UNO immerhin „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ genannten Holodomor über Yuri und seine Mitmenschen hereinbricht, dominieren düstere Grau- und Brauntöne. Wir sehen Massenerschießungen und willkürliche Morde. Musikalisch untermalt wird das ergreifende Epos von einem allgegenwärtigen Streicher-Score, der das Historiendrama etwas ins Pathetische abgleiten lässt. Regisseur George Mendeluk kann sich aber auf seine illustre Darstellerriege verlassen.

Stolzer Ukrainer: Ivan

Gedreht wurde immerhin auch an Originalschauplätzen in der Ukraine. Angesichts der gelinde gesagt angespannten politischen Gemengelage zwischen Russland und der Ukraine kann man wohl damit zufrieden sein, dass sich immerhin eine kanadische Produktion der filmischen Aufarbeitung des Holodomor angenommen hat. Der Begriff bedeutet übersetzt in etwa Hungertod. „Holodomor – Bittere Ernte“ ist immerhin auch in ukrainischen Kinos gezeigt worden, in russischen vermutlich nicht. Verdient hätte das bittere Historiendrama es. Die Ereignisse von 1932 und 1933 dürfen nicht der Vergessenheit anheimfallen, nennt man sie nun Völkermord oder nicht. „Bitter Harvest“ ergreift eindeutig Partei, aber wie kann man angesichts solcher Ereignisse unparteiisch bleiben?

Erschießungen sind an der Tagesordnung

Veröffentlichung: 31. März 2017 als Blu-ray und DVD sowie 2-Disc Special Edition Blu-ray und DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Bitter Harvest
KAN 2017
Regie: George Mendeluk
Drehbuch: Richard Bachynsky Hoover, George Mendeluk
Besetzung: Max Irons, Samantha Barks, Barry Pepper, Tamer Hassan, Terence Stamp, Aneurin Barnard, Richard Brake, Tom Austen, Lucy Brown, Richard Brake, Aneurin Barnard, Gary Oliver
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Trailershow, Wendecover, nur Special Edition: Dokumentation, Interview mit Wilfried Jilge (Osteuropahistoriker)
Vertrieb: Pandastorm Pictures

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Die Leichen stapeln sich

Fotos & Packshot: © 2017 Pandastorm Pictures

 

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