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Unsere Erde 2 – Ein Tag lang

Earth – One Amazing Day

Kinostart: 15. März 2018

Von Matthias Holm

Natur-Doku // Selten genug, dass Dokumentarfilme bei uns in die Kinos kommen. Wenn sie dann noch zum Erfolg werden, ist das umso erstaunlicher. Dies gelang 2007 „Unsere Erde“, der über drei Millionen Zuschauer in die deutschen Lichtspielhäuser lockte. Elf Jahre später kommt nun eine Fortsetzung, die erneut von BBC Earth Films produziert wurde. Und etwas Spektakuläreres wird man in diesem Jahr im Bereich der Natur-Dokus wohl nicht zu sehen bekommen,

Günther Jauch erzählt etwas über Tiere

„Unsere Erde 2“ orientiert sich grob am Tagesablauf unseres Planeten. Beginnend mit dem Sonnenaufgang sehen wir diverse Tierarten und wie sie sich dem immer währenden Zyklus der Natur angepasst haben. Es gibt Jäger am frühen Morgen, Zebras, die in der sengenden Mittagshitze Schatten suchen, und Waschbären, die nur im Schutz der Nacht herauskommen. Dies alles geschieht mit Günther Jauch als Sprecher, der die nötigen Informationen liefert.

Chillen am Meer

So weit, so normal für eine Natur-Dokumentation. Die Idee mit dem Tagesablauf ist ganz nett, gerät allerdings häufig in Vergessenheit. Auch Günther Jauch als Sprecher zu hören, ist in den ersten Momenten ungewohnt, er macht seine Sache aber so gut, dass sämtliche Bedenken alsbald über Bord geworfen werden. Alles andere ist hier aber ganz große Filmkunst. Das fängt bei den Bildern an. Im ausführlichen Presseheft wird aufgezeigt, wie viel Material die Macher gesammelt haben – insgesamt 60 Terabyte an Daten, das sind knapp 12.300 DVDs. Das alles auf 95 Minuten zu kürzen, klingt nach einer Mammutaufgabe.

Der Serval hat seine Beute erspäht

Die hat sich allerdings gelohnt, denn die Bilder sind der Wahnsinn. Ob es ein seltenes Pandababy, eine Narwal-Wanderung oder der Beutezug der Kleinen Erntemaus ist, stets ist der Zuschauer dank der Kamera ganz nah dran am Geschehen. Am beeindruckendsten sind die Aufnahmen eines Kolibris: Er fliegt an Blüten heran, die von Bienen bewacht werden. Der Regen kommt dem kleinen Vogel zu Hilfe – in Zeitlupe sieht man, wie einzelne Regentropfen die Insekten aus der Bahn werfen. Dies wird mit ein paar albern wirkenden Flugzeugabsturz-Klängen hinterlegt, schließlich sollen die kleinen Besucher nicht nur was zum Staunen, sondern auch zu lachen haben.

Horrorfilm in einer Dokumentation

Hier kommt auch der andere große Pluspunkt zum Tragen – die Inszenierung. Jede kleine Geschichte, die erzählt wird, folgt gängigen Genres. Wenn gerade erst geschlüpfte Echsen vor einer Unmenge an Schlangen davonrennen müssen, ist das aufregender als die meisten Verfolgungsjagden in modernen Actionfilmen – auch deshalb, weil der natürliche Lauf der Natur durchaus gezeigt wird – Stichwort fressen und gefressen werden. Wenn es dann gegen Abend geht und immer obskurere Kreaturen auftauchen, schwingt „Unsere Erde 2“ mit martialischem Soundtrack und unheimlichen Aufnahmen flott zum Horrorfilm. So bleiben alle Zuschauer am Ball, die sich nicht nur von hübschen Bildern ablenken lassen.

Hallo, Meister Petz

Angenehm ist auch, dass der Zeigefinger nicht durchgehend erhoben ist. Jauch spricht am Ende davon, wie der Mensch seine Verbindung zum natürlichen Tageszyklus verloren hat, dies bleibt aber mehr eine Feststellung als eine Anklage. „Unsere Erde 2“ muss man einfach im Kino gesehen haben.

Einfach schwimmen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jackie Chan und Robert Redford sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet – beide sind in der Originalfassung der Doku zu hören.

Länge: 95 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Earth – One Amazing Day
GB/CHN 2017
Regie: Peter Webber, Richard Dale, Fan Linxin
Originalsprecher: Robert Redford, Jackie Chan
Deutscher Sprecher: Günther Jauch
Verleih: Universum Film / Walt Disney

Copyright 2018 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Universum Film / Walt Disney

 

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House of Cards – Das Original – Die komplette zweite und dritte Miniserie: Politdrama auf höchstem Niveau

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House of Cards

Gastrezension von Simon Kyprianou

TV-Miniserie // Die zweite und dritte Staffel von „House of Cards – Das Original“ führen konsequent weiter, bzw. zu Ende, was mit Staffel 1 furios begonnen hatte: den Werdegang von Francis Urquhart (Ian Richardson), der am Ende von Staffel 1 durch Intrigen und Mord zu Englands Premierminister ernannt wurde. Dabei verändert sich in den letzten beiden Miniserien im Vergleich zu Staffel 1 nicht viel: Die Drehbücher bleiben großartig, die Dialoge wuchtig und wortgewaltig, das Schauspiel, vor allem von Ian Richardsson, sensationell, kurz: Die Qualität bleibt beständig auf höchstem Niveau.

Einblick in die Abgründe der Politik

In Miniserie 2 und 3 sind es immer mehr die Geister vergangener Sünden, vergangener Fehler, die Urquhart heimsuchen und ihn zu Fall zu bringen drohen. Die Serie wird immer komplexer und die Fallhöhe der Figuren von Minute zu Minute größer. Die Inszenierung ist präzise und dicht, langsam und bedächtig, und dadurch ist der Einblick in die Politik, in ihre Irrwege und Abgründe auch so erschreckend.

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Ohne jeden Skrupel: Francis Urquhart

Regisseur Paul Seed seziert die Politik und ihre Mitspieler, beobachtet sehr genau. Er leuchtet das Innenleben seiner Figuren aus und in Verbindung mit dem großen Schauspiel entsteht ein spannungsgeladener Sog des Schreckens und der Abscheu, dem man sich nicht entziehen kann.

Wie auch schon in der ersten Miniserie schafft Paul Seed großes menschliches Drama und hochkomplexe Figuren, bei denen der Zuschauer zwiegespalten ist zwischen Ekel und Mitleid. Es ist ein politischer Mikrokosmos des amoralischen Exzesses.

US-Original mit Kevin Spacey ebenfalls Sichtung wert

Nach der Sichtung der drei BBC-Miniserien kann man sich dann auch die beinahe ebenso gute US-Serie mit einem wunderbaren Kevin Spacey zu Gemüte führen und dann vergleichen, abwägen und sich noch einmal gefangen nehmen lassen von den Schattenseiten und Abgründen der Politik.

Veröffentlichung: 25. März 2014 als Blu-ray und Doppel-DVD (zweite Miniserie), 15. Juli 2014 als Blu-ray und Doppel-DVD (dritte Miniserie)

Länge: 215 Min. (zweite Miniserie) / 205 Min. (dritte Miniserie)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: To Play the King / The Final Cut
Alternativer deutscher Titel: Um Kopf und Krone / House of Cards – Das letzte Kapitel
GB 1993 / GB 1995
Regie: Paul Seed
Drehbuch: Andrew Davies, nach einem Roman von Michael Dobbs
Besetzung: Ian Richardson, Michael Kitchen, Kitty Aldridge, Colin Jeavons, Diane Fletcher, Erika Hoffman, Tom Beasley, John Stroud, Paul Freeman, Isla Blair, Nickolas Grace, Glyn Grain, Nick Brimble
Zusatzmaterial: Audiokommentar
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

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Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Packshots & Foto: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment

 

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House of Cards – Das Original – Die komplette erste Miniserie: Eine gewaltige Polit-Tragödie

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Gastrezension von Simon Kyprianou

TV-Miniserie // Das US-Remake sorgt seit 2013 als herausragende Polit-Dramaserie für Furore; in diesem Zuge wurde nun endlich auch das BBC-Original aus den 90er-Jahren mit einem längst überfälligen deutschen DVD- und Blu-ray-Release bedacht.

Die Tatsache, dass die BBC-Serie „House of Cards“ das politische Tagesgeschäft in England nach dem Ausscheiden von Margaret Thatcher so facettenreich und realistisch und dadurch auch so erschreckend und dramatisch darstellen kann, liegt wahrscheinlich daran, dass das als Vorlage dienende Buch von Michael Dobbs stammt. Dobbs gehörte selbst der Conservative Party an, war drei Jahre lang Berater von Thatcher und ein Jahr lang Stabschef. Er wusste um die Wirren und Grausamkeiten der Politik, war selbst ein Teil davon – die angesehene Tageszeitung „The Guardian“ bezeichnete ihn damals als „Westminster’s baby-faced hit man„.

Paul Seeds BBC-Serie „House of Cards“ degradiert Menschen zu Schachfiguren. Sie werden zu Marionetten der mächtigen Männer, teilweise unwissend, teilweise unfreiwillig und wehrlos werden sie Teil des politischen Spiels und der Intrigen des Politikers Francis Urquhardt (Ian Richardson). Sein Ziel ist es, den Premierminister zu seinen eigenen Gunsten zu stürzen. Hier wird eine Politik gezeigt, für die der Mensch nicht zählt, sondern nur seine Leistung. Intrigen werden gesponnen, Menschen verführt, Karrieren zerstört und Abgründe geschaffen. Die Serie ist immer dann am tragischsten, wenn man mit ansehen muss, wie Urquhardt aus Menschen wehrlose Bauernopfer macht, wenn große menschliche Dramen entstehen, wenn die Unwissenden und Unschuldigen zu Fall gebracht werden.

Zwangsläufig verfällt das Publikum früher oder später der verführerisch bösen, machiavellistischen Figur Francis Urquhardt mit seinem charmanten Lächeln und den kühlen blauen Augen, der von Ian Richardsson großartig gespielt wird. Er bezieht den Zuschauer durch direkte Anrede in sein Komplott ein, macht ihn wie selbstverständlich zu einem Mittäter und nimmt ihm so jede Chance zur Distanzierung – man steckt von Anfang an mittendrin.

Minute für Minute verdichtet sich House of Cards immer mehr und wächst so zu einem gewaltigen, shakespearischen Polit-Melodram heran, dessen präzise und tiefgründige Spannung einen über die gesamten 224 Minuten in ihren Bann zieht und einen lange nach Serienende über die komplexen Figuren und ihre Schicksale nachdenken lässt.

Veröffentlichung: 25. März 2014 als Blu-ray und Doppel-DVD

Länge: 224 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: House of Cards
GB 1990
Regie: Paul Seed
Drehbuch: Andrew Davies, nach einem Roman von Michael Dobbs
Besetzung: Ian Richardson, Susannah Harker, David Lyon, Miles Anderson, Penny Guy, Diane Fletcher, Malcolm Tierney, Kenny Ireland
Zusatzmaterial: Audiokommentar
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Packshot: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment

 

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